Neuanfang I

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Mann, was für ein Unterschied! Ich wusste ja gar nicht, dass Schule so Spaß machen kann!, dachte Janus. Er schrieb sich die Aufgabe von der Tafel in sein Notizheft ab und setzte sich bequemer hin. Die Kleingruppe, mit der er zusammen arbeiten würde, hatte sich in der hinteren Ecke links versammelt. Er kannte noch nicht alle, denn er war ja erst seit zwei Wochen in dieser Klasse. Seine alte war aufgelöst worden. Seit mehr als einem Jahr, genauer seit sein Klassenlehrer krankgeschrieben und beurlaubt worden war, hatten sich die Zustände zusehends verschlechtert.

Mit jeder neuen Stellvertretung war die Stimmung in der Klasse ein paar Grad mehr gesunken. Am Schluss war es kaum mehr möglich gewesen, dem Unterricht zu folgen. Nein, auch er war kein Engel gewesen, im Gegenteil. Mit seiner Verweigerung und mit seiner Schlampigkeit hatte er es den Lehrkräften auch nicht eben leicht gemacht. Er war verschiedentlich ermahnt worden, zumal auch seine Leistungen zu wünschen übrig ließen. Wann hatte es eigentlich angefangen, dass ihm alles aus dem Ruder lief? Im Frühling irgendwann? Damit, dass sein Kumpel ihn zum Mitrauchen hinter dem Schulhaus überredet hatte? Er, der Rauchen eigentlich Scheiße fand, hatte sich nicht getraut, nein zu sagen. Doch er war immerhin schon fast vierzehn. Und alles andere als ein Weichei. Wider Erwarten hatte ihm die Zigarette sogar geschmeckt. Das Zeug, das sein Vater rauchte, roch nur halb so gut. Riechen und selber rauchen war offenbar ein großer Unterschied. Außerdem war es cool, einen Glimmstängel in der Hand zu halten. Irgendwie.

Ein paar Wochen später hatte ein anderer Kumpel, der auch ab und zu mit ihm und Tino hinter dem Schulhaus geraucht hatte, eine Hanfblüte mitgebracht. Sie beschlossen, sich nach der Schule auf der Halfpipe-Anlage zu treffen. Auch daraus war bald einmal eine Gewohnheit geworden. Freitagnachmittags auf der Halfpipe. Natürlich hatte Severin mit der Zeit Geld gewollt. Woher er das Gras hatte, wussten sie nicht. Janus wohnte seit zwei Jahren in einer Männer-WG. Sein alleine erziehenden Vater hatte das ehemalige Zimmer von Janus‘ Schwester Sara, die vor zwei Jahren zuhause ausgezogen war, an Manuel untervermietet. Und Manuel kiffte. Es müsste doch nicht so schwierig sein, hin und wieder ein bisschen von dessen Zeug abzuzweigen? Immerhin war Manuel ja tagsüber auf Arbeit.

Wie das mit dem Klauen gekommen war, wusste Janus nicht mehr genau. Zuerst da ein bisschen Hasch, dann dort ein wenig Geld. Schließlich lag die ec-Karte seines Vaters rum und da er wusste, wie der Code lautete, zog er eines Tages ein paar Hunderter.

(Fortsetzung folgt > hier!)