Alles schon dagewesen. Das entjungferte neue Jahr präsentiert sich uns grau und verkatert wie wir gestern auf Geocache-Suche durch die Dörfer fahren. Überall liegt Müll. Vorwiegend Müll von Feuerwerkskörpern. In der Schweiz, so doziere ich, gibt es professionelle Feuerwerke und die werden an ausgewählten Orten inszeniert und recycelt. Oder zumindest fachgerecht entsorgt. So was wie hier – ich zeige dramatisch auf den nächsten Müllhaufen am Straßenrand – gibt es bei uns nicht. So schöne ich mir zuweilen meine Welt zurecht. Jenseits des Zaunes ist ja immer alles besser. Doch letztlich ist alles eine Frage der Perspektive.
Jahr für Jahr erliege ich der Illusion, Altlasten im alten Jahr belassen zu können. Ängste vor all dem Unabsehbaren, das auf mich wartet, zum Beispiel, Sorgen auch und all das ganze Zöix, das alt und neu auf meinem Schlauch liegt. Aber nein, kaum habe ich den unvermeidlichen Schritt ins Neue Jahr getan, ist dieser alte Müll auch schon mitgehüpft. Lässt sich denn das Ganze nicht irgendwie sinnvoll recyceln? Oder müsste das alles nicht gar zum Sondermüll?
Das ewige Hamsterrad von Werden und Vergehen. Wie Leben wohl wäre, wenn wir Zugriff zu unserer persönlichen delete-Taste hätten? Wäre ich so und hier wie jetzt? Und du? Und wäre es anders besser?

Jahresanfang auf den einsamen Gehöft …

Panorama aus dem Irgendlinkschen Küchenfenster, am 2. Januar.
Was so ein bisschen Sonne doch ausmacht?
Tori Amos hat mal gesagt, dass alle Menschen, die wir auf unserem Lebensweg treffen, und alle Ereignisse, die wir erleben, etwas zurücklassen auf unserer „Body Map“ – und ich finde den Gedanken sehr schön!
Alles bleibt in uns und hinterlässt seine Spuren – die guten und die schlechten. Aber das macht uns letztlich zu den Menschen, die wir sind.
Darum ist es nicht schlimm, wenn ein paar Dinge aus dem alten Jahr es über die Grenze ins neue Jahr schaffen. Wir tragen sie noch ein Weilchen herum, aber vielleicht sind sie schon bald eine kleine Straße auf unserem Stadtplan, an die wir uns mit einem leichten Schaudern erinnern, die sich aber eigentlich mittlerweile anfühlt wie eine Gespenstergeschichte, die wir einmal gelesen haben.
Und vielen Dank dir, dass ich es auf deine Love-Liste geschafft habe … Ich werde ganz rot!
Alles Liebe, Kati
ich bin manchmal sehr erstaunt, wie Begebenheiten, Ereignisse, Gefühle, die einmal sooo wichtig waren, dann plötzlich wie vergessen sind. Spüre ich sie dann in einem meiner vielen Schreibebücher auf, oder entdecken sie wieder in Bildern, denke ich kopfschüttelnd, ach ja… das war ja auch mal so… so gesehen gab es schon einige Wiedergeburten in diesem Leben und einige Tode natürlich auch… und doch gebe ich Kati recht, alles hinterlässt einen Abdruck…
Ich denke, man macht es wie beim Wandern: nach vorne schauen und einen Fuß vor den anderen setzen.
ihr lieben frauen
loslassen ist eine grosse kunst. ich übe noch. und ja, ich übe auch das vorwärtsgehen. ich übe den mut und das mutig sein.
nicht immer einfach … schritt für schritt.
liebgrüss, d.