Gießen oder nicht gießen? Da war dieses kurze Gespräch gestern, mit dem Nachbarbauern, der an seinen Feldern entlang fuhr, um den Schaden zu ermessen. Nein, selbst wenn er eine Gießanlage hätte, würde er nicht großflächig gießen. Die Natur sei eben mal so, mal so. Was mich zur Frage brachte, später, auf dem Rückweg von unserem Spaziergang, wo denn die goldene Mitte liegt. Und wie individuell eine Antwort ist und überhaupt:
Was sollen-können-dürfen wir beeinflussen? Was sollen-können-dürfen wir einfach den Gewalten der Natur überlassen?
Gibt es etwas anderes als Zufall? Nein, an den Rauschebart-Liebgott glaube ich längst nicht mehr. Gretchenfrage mal wieder. Etwas gibt es da, das ahne ich. Nicht da oben, da außen, sondern mitten in uns allen drin, etwas, das alles zusammenhält. Ein Plan. Ein Konzept. Ob im Detail bestimmend oder nicht, weiß ich nicht. Vermutlich ähnlich planvoll wie das Konzept einer Tulpenzwiebel oder der Rehe. Und schon sehen wir, wie alles zusammenhängt – natürliche Feinde und so. Gestörtes Gleichgewicht … Ökologie …
Hätten wir unseren Tomaten kein Wasser gegeben, wären sie längst verdorrt und wir müssten uns das ganze Jahr welche kaufen. Was die Wirtschaft ankurbelt und die Monokultur-Mentalität in Spanien und Holland fördert. Vom kleinen zum großen und wieder zurück.
Urwasser aus den Urtiefen der Erde darf nicht zum Gießen eingesetzt werden, sagte der Bauer. Ich pflichtete ihm bei. Aus sicherem Abstand. Doch wie würde ich handeln, wenn ich am Verdursten, wenn ich am Verhungern wäre?
Alles hängt zusammen und beeinflusst sich. Dich. Mich.
Gesunddezimierung, meinte S. neulich, der Jäger, als er über seine Verantwortung sprach.
Ich gebe es zu: Ich bin froh, dass wir die Tomaten und alle ihre NachbarInnen gegossen haben.
Ich höre auf die Stimme im Innern: mal kann ich keine Schnecke umbringen, mal denke ich, die, die ich sehe, vernichte ich jetzt mal. Mal gieße ich, mal nicht. Aber für die Vögel mache ich immer Wasser in Gefäße. Ich freue mich, wenn manche Blumen blühen- und wenn sie verdorrt sind, kann ich mich nicht mehr an ihren Blüten freuen. Es ist nicht einfach, auch mit der Jägerei nicht. Ich kann nicht glauben, dass es so viel Füchse gibt, dass man sie abknallen muss.
die innere stimme: genau, das mach ich auch so. der kreislauf des lebens ist „gnadenlos“ …
sol lucet omnibus, wie es so schön heißt.
füchse hat es aber – wenn ich S. glauben kann und dem nachbarn hier – schon eher zu viel. mangels natürlicher feinde. woran ja der mensch nicht unschuldig ist … *seufz*
Ich wäre im Zweifel für Giessen. Eben wie von dir erwähnt: ansonsten heisst es Hunger oder das in Tomatenform gepresste Wasser aus Holland verzehren.
Ob da was ist? Ein Rauschebart oder sonstwas?
Schwer zu sagen. Ich persönlich glaube das da irgendwas ist, aber das auch, weil ich glauben WILL.
Es gibt eine gewissen Sicherheit.
ich auch … ich will auch an irgendwas glauben. vielleicht weil ich einfach nicht an zufälle glauben kann. obwohl. hm. was es ist … wer weiß das schon.
auf wiederphilosophieren am grill 🙂
liebgrüß, d.