zu Besuch

Liebe Luisa, heute hast du mir einmal mehr aus dem Herzen gesprochen. Du weißt es ja, Dein Internettagebuch, dass ich seit vielen, vielen Jahren fast täglich besuche, tut mir einfach gut. Deine Gedanken haben immer wieder meinen Blick geklärt und geschärft, haben mein Herz geweitet und mir neue Impulse gegeben.
Und was du heute gebloggt geschrieben hast, ist einfach so genial. So genial, dass ich Dich hier mal wieder zitiere. Dankbar, aber das weißt du ja hoffentlich auch 🙂

soziale netzwerke und internet tagebücher erinnern mich übrigens sehr an afrikanische heilrituale: alle erfahren alles. die person, um die es geht, steht in der mitte (und natürlich ist jede tagebuchschreibende person mittelpunkt und ausgangspunkt für alle betrachtungen), das /globale/ dorf gruppiert sich drum herum und jetzt gehts los. die person in der mitte äußert sich, alle anderen lachen, spotten, singen, weinen usw. vorausgesetzt die person in der mitte hält so viel öffentlichkeit aus, ist heilung möglich. das geheimste wird zum allgemeinsten. es gibt nichts mehr zu verheimlichen. eine last fällt ab. nun ist es aber im internet so, dass „der feind“ mithört, daten klaut, informationen speichert. mein leben wurde in den siebziger/achtziger jahren so gründlich von der polizei durchschnüffelt (ich war mit einer frau befreundet, die in den untergrund ging, hatte nichts damit zu tun, aber erklär das mal wem) dass ich mich heute aufs wohligste durchlässig fühle.

Quelle: http://www.salamandra.de/tagebuch/start.php (luisa in bayern – 18.01.2012 um 06:52:13)

0 Kommentare zu „zu Besuch“

  1. ich denke, da ist klar zu differenzierten, liebe li ssi: luisa geht es hier, so meine wahrnehmung, nicht um öffentlichkeit, es geht um transparenz und um heilung. und gerade heilung kennt und geht eben verschiedene wege.

  2. Einwenig ist das wie eine Impfung. Man wird resistent, indem man sich einem Pseudoangriff aussetzt. Das stelle ich mir sehr spannend vor. Wie beneidenswert, dass es solche Rituale bei anderen gibt.

  3. Ich glaube es geht darum, ob man es im Griff hat, die Transparenz oder ob man einfach ungefragt von irgendwem durchleuchtet wird. Da würde ich auch ganz klar sagen, lieber mach ich mich selbst transparent, als dass es andere tun 🙂
    Ich stelle mir das Leben in der DDR auch sehr horrormäßig vor, wenn man wirklich gar kaum Freiheit hatte und eigentlich jedem mißtrauen musste (ich glaub das funktioniert gar nicht mit dem jeden mißtrauen, dann muss man ja sogar von sich selbst Abstand nehmen)

  4. da hast du was wichtiges gesagt: es geht um die freie wahl. dann ist tranzsparenz heilsam. oder kann heilsam sein. wird sie uns von andern aufgedrängt, verletzt sie die privatspähre.
    ja, und auch misstrauen zerstört. es ist eine der destruktivsten kräfte überhaupt – meine meinung.

  5. Du mußt dir einfach klar sein, daß das, was du ins Netz stellst, dort praktisch ewig bleiben kann. Du brauchst nur mal deinen Bekanntenkreis zu durchgoogeln und du findest garantiert mindestens eine Info, die die betreffende Person da jetzt nicht mehr reinstellen würde, zum Beispiel das Foto von der Klassenfahrt o.ä.

  6. jep, das weiß ich. google immer mal wieder mich und andere … ist verrückt, wie gläsern der mensch heute (meist freiwillig) sein will. aber eben: das hat sicher auch vorteile. und zu verstecken hab ich nix. immerhin.

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