Ja, ich hoffe sehr, dass mein Liebster durchhält und dass die wunden Füße heilen. Durchhalten aber nicht um der Leistung willen, sondern weil ich sehe, dass ihm das Pilgern großen Spaß macht. Ich glaube, dass er merkt, falls und wann genug ist. Welches Ziel sein Ziel sein wird, weiß nur er selbst.
Ich bin die klassische Vorlage der Antipilgerin. Das Bilderbuch-Klischee. Nur schon der Gedanke, mit so vielen Leuten im gleichen Raum zu schlafen, rollt mir die Zehennägel auf. Von den Bedbugs und Cockroaches will ich gar nicht erst reden. Doch am schlimmsten wären wohl all die Gerüche und die Geräusche. Dazu das unfreiwillige Neonlicht am Morgen und nachts beim Pinkeln, das meiner Lichtüberempfindlichkeit in die Quere käme. Kurz gesagt: Als temporäre Soziophobikerin – StammleserInnen wissen – wäre ich auf so einer Tour eh am liebsten allein oder allerhöchstens zu zweit unterwegs. Und dann würde ich lieber im Zelt als in einer Herberge schlafen. Das Zelt würde jemand immer genau da aufstellen, wo wir zu nächtigen wünschen. Und es wäre Sommer. Warm. Kein Regen. Sonnenuntergänge so weit das Auge reicht.
Pilgern? Buße tun? Wozu Leute heute pilgern weiß ich nicht, nur dass es viele tun. Sehr viele. Am allermeisten würde mich deshalb an der heute üblichen Art zu Pilgern stressen, dass ich nie alleine sein könnte. Wobei, wenn ich es mir recht überlege, könnte genau das DIE Herausforderung des Pilgerns sein: mitten in der Pilgerherde dieses Alleinsein, dieses zentrierte Ganz-bei-sich-sein üben zu können.
Gestern bloggte ich über die mir fehlende Ruhe, das ständige Nicht-wirklich-bei-mir-sein, die latente Unruhe. Ha, genau: alles selbstgestrickt. Nicht auf Umstände delegierbar. Auch nicht auf Menschen, die meine Zeit beschneiden. Nicht auf Aufgaben und nicht auf Halsweh und Schnupfen. Die wahre Lebenskunst und möglicherweise für die einen das Motiv, sich selbst eines Tages auf die Pilgerschaft zu begeben, besteht darin, bei sich selbst anzukommen. Zentriertsein.
Ich hoffe allerdings, dass ich dazu nicht den Jakobsweg gehen muss. Dass ich das auf dem Sofasophiaweg lernen kann. Learnig bei doing oder so. Drückt mir die Daumen. Und ihm auch, dem Pilger Irgendlink.
Mir gehts ähnlich wie Dir und ich habe mich diesen Sommer auf eine Woche Segelm mit 26 anderen Frauen eingelassen (gemischt wäre gar nicht gegangen). Alle rundrum bezweifelten, dass ich einen schönen Urlaub habe. Aber der Urlaub war toll und sogar auf einem 30 Meter-Schiff mit so vielen Menschen findet sich immer eine Ecke fürs Alleinesein. Eine gute Erfahrung. Und warum das Schiff? Da kann ich nicht flüchten 😉 und weil „laufen/wandern“ noch mal ne weitere Stufe der Überwindung gewesen wäre 😉
willkommen hier, s(teff)unny
ooops, ganz schön mutig, diese bootsferien, hut ab, madame!
wandern tu ich zwar gerne, sehr gerne, aber auch hier käme ich wegen der langen etappen wohl an meine grenzen. und mit blasen weiterlaufen: wer das kann und tut, ist schon fast ein/e held/in. oder ein/e maochist/in – je nach leseart 🙂
auf wiederlesen!
lg, sofasophia
gestern entdeckte ich auf dem Marktplatz von Greifswald einen Wegweiser: Jakobsweg… aha… hier geht der los? seltsam- musste dann gleich an Irgendlink denken und habe ihm einen erfahrungsreichen Weg gewünscht, quer durchs Land und noch weit und weiter zu ihm hin, ohne ihn zu kennen, aber dann doch das Gefühl von bekannt-
kein Weg für mich, pilgere ich doch durch mein Leben den Wanderstab in der Hand