„Es regnete“ und andere erste Sätze

Der erste Satz ist immer am schwierigsten. Und der letzte auch. Beim Bloggen ebenso wie bei Bewerbungsbriefen. Im Leben und beim Sterben auch. Anfänge und Übergänge – herausfordernd. Neuanfänge sowieso – trotz des ihnen innewohnenden Zaubers, wie Hesse so schön schrieb (Stufen).

Den ganzen Abend habe ich an meinen Bewerbungsunterlagen gefeilt, sie auf den neuesten Stand und in online-taugliche Form gebracht. Die vielen Bewerbungen, die in den letzten Tagen meinen Schreibtisch überfluteten, haben mich inspiriert. Ein schönes Dossier zu gestalten, braucht Zeit. Ausschlag zu diesem ganz und gar spontanen Akt, mich derartig auf meine berufliche Zukunft vorzubereiten, gab das Zwischenzeugnis, das mir mein Scheff heute überreicht hatte. Ich habe beim Lesen fast geweint vor Rührung.

Die würde ich echt sofort anstellen, sagte ich und deutete auf die Zeilen, die mein Scheff über mich geschrieben hatte. Die ist ja richtig gut, die Frau. Wir grinsten. Von mir aus darfst du gerne bleiben, meinte er schließlich. Zur Antwort zuckte ich nur die Schultern.

Warum bloß zieht es mich denn immer weiter?
(Eine Frage, die ich mir nach Vormittagen wie heute nicht stelle. Die  superprovisorische und sich immer wieder ändernde, aber für heute geltende Antwort lautet: Ich hasse Stress. Und heute Vormittag war einfach alles nur stressig. Außerdem hatte ich – was nur alle zehn Jahr vorkommt – mal wieder verschlafen. Weil ich zu spät ins Bett gegangen und zuvor lange mit Irgendlink telefoniert hatte …)

Ich sammle noch immer Erfahrungen, sage ich Stunden später zu meiner Freundin C (2). Alles, was ich unterwegs auf meinem Weg lerne, ist ein weiteres Puzzleteil. Wir philosophieren über die Lebensreise und träumen uns so reich, dass wir nicht mehr für Geld arbeiten gehen müssen, sondern nur noch unseren künstlerischen Neigungen und Passionen gemäß leben können. Little-F. tanzt derweilen zu Kristofer Åström und wir Frauen genießen es, auf dem Sofa Tee zu trinken und so dem Novemberblues ein Schnippchen zu schlagen.

Den Winter finde ich zwar im Voraus jedes Mal ganz furchtbar schlimm, aber wenn er dann da ist, arrangiere ich mich ziemlich gut mit ihm. Die Gegenwart ist immer irgendwie okay, meinte Kollegin S. neulich.

Zu C (2) sage ich, dass mehr die Angst vor der Angst das Leben schwierig macht, als die Angst vor etwas konkretem und dass ich mir deshalb ganz viel Mut zum mutig sein wünsche. Mut um mein Ding zu finden und zu tun.

Wir ziehen Tarotkarten. Wow, sage ich, ich Glückspilzin. Ich freue mich auf meine Zukunft. Und über das Jetzt auch.

Einen Brötchen-Job werde ich aber wohl trotzdem brauchen, denke ich. Und darum peppe ich meine Bewerbungsunterlagen auf. Doch falls jemandem da draußen ein Geldesel über den Weg läuft, könnte es womöglich meiner sein. Bitte schickt ihn, nachdem ihr ihn gefüttert, gestriegelt und gestreichelt habt, weiter zu mir. Ich werde gut zu ihm schauen. Versprochen.