Wiesen-Wald-Wanderung, ein anderes WWW

Ach, die zwei Herzen in meiner Brust … So sehr mich Technik, Virtualität und all die Tools, die es dafür gibt, faszinieren, so sehr –oder noch mehr! – liebe und brauche ich die Natur.

Gestern und heute waren wir unterwegs in den nahen und nicht ganz so nahen Wäldern des Aargau.

Heute wanderten wir – nach einem Abstecher und einer wunderbaren Gratwanderung über die Burghalde bei Mönthal – mal wieder zum Cheisacher-Turm, dessen schlichte Architektur und weite Aussicht uns gleichermaßen begeistern.

Burghalde | Quelle: www.moenthal.ch

Hundertneun Treppenstufen mit Zwischenböden habe ich gezählt, bis wir ganz oben waren. Fünfundzwanzig Meter hoch ragt der Turm über den Berg und wir sehen von hier aus bis ins Innerste der Schweiz und weit in den Schwarzen Wald hinüber.

Grillen zirpen uns ihr Lied auf dem Rückweg zum Auto.

Ohne Technik könnten wir leben, sage ich unterwegs, aber nicht ohne Wald.

(© by Sofasophia für Text und Bilder, Freitag, 23. Mai 14)

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Appspressionismus: Alle Bilder von A-Z auf dem iPhone kreiert (fotografiert & montiert).

Einmal Heldin sein

Wir liegen noch dösend im Bett, als es klingelt. Oh, das muss wohl das DHL-Paket sein, schießt es mir durch den Kopf. Ich habe denen gestern auf die Webseite geschrieben, dass sie es vor die Türe legen dürfen, falls ich nicht öffne. Im Halbschlaf murmle ich etwas von Juhu, der neue Schlafsack ist da! und wie gespannt ich auf die Matte bin.

Der Liebste bietet an, das Paket zu holen, zieht sich schnell was über und huscht auch schon aus dem Zimmer. Oh, der ist ja mindestens so gespannt und aufgeregt wie ich! Ich rapple mich auf, tappe in die Küche, wo er bereits Teewasser und Kaffee aufsetzt. Gleich darauf schlüpft er auch schon auf meinen Gartenschlappen auf die Terrasse und kommt gleich darauf mit einem großen Karton zurück. Weihnachten mag ich ja nicht. Ich finde es viel besser, sich mitten im Jahr zu beschenken. Den neuen Schlafsack kenne ich schon ein wenig, weil Jürgen den gleichen zum Geburtstag geschenkt bekommen hat, die minim dünnere, rote Variante. Die Matte allerdings habe ich noch nie in echt gesehen. Nein, es ist keine selbstaufblasbare, sondern eine Art Luftmatratze, aber eine aus superdünnem Material, die sich so klein wie eine Literflasche zusammenrollen lässt. Wir blasen sie auf. Oh wie herrlich liegt es sich auf ihr!

meineheldinnenzutatenNein, das ist kein Werbespot und nein, du bist (hoffentlich) nicht im falschen Film und ja, du bist hier bei Sofasophia.

In etwas mehr als einem Monat werden wir uns mit einem Minimum an Gepäck, inklusive Zelt und Kocher, auf den Weg machen. Loswandern. Eine Pilgerreise ohne eigentliches Ziel soll es werden. Eine Pilgerreise, die das Unterwegssein feiert. Den Augenblick des Gehens. Das Sein.

Jaja, ich weiß, ich verkläre das Wandern im allgemeinen und unsern Plan im besonderen. Ich schöne es mir im Voraus zurecht. Anders könnte ich wohl den Mut zu diesem Abenteuer nicht aufbringen, das – ich gestehe es – auf meinem Mist gewachsen ist. Irgendlink musste ich dazu allerdings nicht überreden, schnell fing mein abenteuerlicher Liebster Feuer.

Wo die Reise losgehen wird? Vielleicht hier, vor meiner eigenen Haustür? Vielleicht wo anders. Alles ist möglich.

Was hat dich eigentlich geritten, dass du auf so etwas gekommen bist?, fragt Irgendlink heute Morgen, als ich den Schlafsack auf der Matte probeliege.
Hm, ich glaube, ich möchte mich wohl einfach mal als meine Heldin fühlen …, murmle ich und kuschle mich noch tiefer in das weiche, warme Material.

Lebenssinne, rote Fäden und eine grosse Bitte

In jedem Leben gibt es Themen, die eine Art roter Faden sind.
Bei mir sind dies

  • allgemeine Lebenssinnfragen
  • eine intensive Auseinandersetzung mit der immer schärfer schneidenden und weiter sich öffnenden Arm- und Reich-Schere und meine dabei gefühlte Hilf- und Machtlosigkeit
  • Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit, Wahrheit und Authentizität in meinem Leben, in dem meiner Mitmenschen sowie in meinem eigenen Ausdruck
  • eine Ablehnung allzu einfacher Lösungen
  • ein Kaumertragenkönnen von Leid im Leben anderer und in meinem Leben
  • Ästhetik in Kunst und Sprache

  • Metaphorik, Gleichnisse, Bilder als Brücken zum Verständnis des Lebens
  • sofasophische Gedankenspinnereien
  • Gedanken-, Herz- und Sprachspielereien

Wie ich heute Morgen erwachte und mich noch immer zu krank für die Arbeit fühlte, mich – nach einer SMS an meine Scheffin und den Bürokollegen – nochmals auf die Seite drehte, schlief ich mit dem Gedanken ein, was andere wohl als ihren Lebenssinn betrachten. Ob andere auch so sehr etwas brauchen, wofür es sich zu leben lohnt oder ob das nur Menschen wie ich kennen. Wie viel, wie wenig und vor allem was brauchen andere, um morgens aufstehen zu können?

Ich döste mit Gedanken an ein neues Kapitel meines entstehenden Romans Loch im Eis ein und erwachte später erneut. Diesmal mit der Idee zu einer Blog-Umfrage.

tobeornottobe

… alles Zufall, was du würfelst?

Ja, mir wurde klar, dass ich hierfür die Hilfe anderer brauche.

Bitte maile mir kurz, wenn du magst, dein Lebensmodell. Oder meinetwegen dein Lebens(un)sinnmodell.
Das, was dich motiviert zu leben.

Vermeide aber bitte Dogmen, Plattitüden und Klischees, sondern stell dir vor, es geht um Leben und Tod. Was hält den Stürmen stand? Was hilft dir in Krisen? Stell dir meinetwegen vor, du liegst auf dem Sterbebett und es geht dabei darum, mit dir selbst Frieden zu finden.

Ich bin mir sehr bewusst, dass das ein großes Thema ist. Fühl dich von meiner Bitte nicht unter Druck gesetzt, mach nur mit, wenn du das willst. Ich bin natürlich froh um jeden Beitrag, da es mir bei meiner schriftstellerischen Arbeit hilft, mehr über menschliche Vielseitigkeit zu verstehen. Natürlich wird alles streng anonym gehandhabt, es geht mir einfach um eine Erweiterung meines Horizonts.

Herzlichen Dank allen, die mitmachen. Und auch allen, die hier mitlesen. Längst kenne ich nicht mehr alle meine FollowerInnen, aber es ist schön, euch als Lesende zu haben. DANKE!
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Appspressionismus: Bilder auf dem iPhone kreiert und mit Gimp wassergezeichnet. Das fotografierte Objekt ist ein Werk von Jürgen Rinck.

Alltagskurzfilme

Ich sitze halb gedreht zwischen meinen beiden Laptops. Irgendwie typisch für mein Lebensgefühl. Während der eine Rechner mein iPhone backuped, schreibe ich am andern diese Zeilen hier. Zwischendurch switche ich auf fb oder lese Blogs und Mails, weil es immer wieder irgendwo gebimmelt hat. Wie ablenkbar ich doch bin! (15.5.)

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Neben mir auf dem Tisch liegen einige Notizzettel. Dieser eine hier passt sehr gut zu dem hier. Und er ist auch ein Postskriptum zu meinem Blogartikel von neulich, als ich über Zerlegen und Zusammensetzen geschrieben habe. Die Notiz scheint sich auf einen Traumerkenntnis zu beziehen: Ich bin zersplittert, habe überall, wo ich je gewohnt habe, Teile von mir zurückgelassen. Nun liegen meine Einzelteile in der ganzen Schweiz verteilt herum, in Deutschland und Frankreich auch gleich ein paar. (15.5.)

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Wie soll das denn gehen, das Ganzwerden?, frage ich mich jetzt, wo ich den Zettel wieder lese. So wie man einen Rechner defragmentiert vielleicht? Kann man die Defragmentiertung metaphorisch auf den Seelenzustand des Menschen transportieren? [Womöglich könnte das Ritual der Rückholung von Seelenteilen eine Antwort sein?] (15.5.)

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Unser Weltbild spiegelt den mehr oder weniger erfolgreichen Versuch,  das lebenverbotenLeben irgendwie zu verstehen und auszuhalten, zu ertragen. Falls wir es nicht ertragen, könnte es sein, dass wir unser Weltbild irgendwie auf den Kopf stellen müssen, denn die Welt als solche können wir nicht grundsätzlich ändern. Nur das Bild von ihr. Resignation? Fatalismus? (15.5.)

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Später am gestrigen Nachmittag. Ich möchte die Erweiterung einer Bildbearbeitungsapp aufs Telefon laden, mit der ich schon länger liebäugle. Ich muss dies jedoch von meinem deutschen iTunes-Konto aus machen, da ich die App damals in Deutschland gekauft hatte. Dumm nur, dass ich auf dem deutschen Konto kaum mehr Guthaben habe. Noch genau 27 Cent. Darum versuche ich, bei den Kontoeinstellungen meine Schweizer Prepaid-Kreditkarte anzumelden. Geht nicht, weil es keine deutsche Karte ist. Also will ich meine Wohnadresse (es ist noch meine deutsche) endlich ändern. Geht auch nicht, weil ich ja noch Guthaben auf dem Konto habe. Okay, dann kauf ich halt irgendeine App, die 27 Cent kostet.  Dachte ich. Gibt es aber nicht. Alle kosten entweder nix oder mehr als das. Ergo: Ich kann das Land nicht verlassen, denn ich habe zu viel Guthaben. Hilfe, was geschieht hier – mit mir, mit der Welt!? Längst gehen meine Recherchen nicht mehr primär um das Laden der App-Erweiterung, sondern darum eine Lücke im System zu finden. Die grüne Grenze finde ich schließlich, als ich dank Suchmaschinen auf einer Seite lande, wo ich iTunes-Guthaben für Deutschland online kaufen kann und mit meiner Kreditkarte sogar zahlen darf. Voll krass irgendwie! (15.5.)

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Das Leben ist eigentlich ganz schön schizophren. Zum einen sollen wir uns nicht mit anderen vergleichen, zum anderen ist alles relativ. So verhält sich alles irgendwie zu allen Irgendwems und allen Irgendwassen da draußen – und natürlich auch irgendwie zu uns.  Irgendwie krass auch das … (16.5.)

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Die meisten Dinge tun wir, weil sie (oder wir) entweder vernünftig sind oder sie uns jemand aufgetragen, gezeigt oder vorgemacht hat. Zum Glück geht die Vernunft kurz vor zehn Uhr ins Bett. Ob ich darum die Nacht so mag? (16.5.)

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Vorhin bei Luisa Francia aufgeschnappt:
„’bleibe dir selbst treu‘ steht auf dem titel der neuen happinez, in der’s auch ein kleines gespräch mit mir gibt. wie ist das – sich selbst treu sein? auf den ersten moment fühlt es sich wohlig an, genau, sich selbst treu sein. allerdings heisst das sehr oft, mit anderen in konflikt sein. heisst vielleicht kontakt, zuwendung und alles andere zu verweigern, das eigene leben komplett umzukrempeln. heisst wissen lernen was man wirklich will, dem – oft unpraktischen – gefühl folgen. dann taucht das „aber“ auf, das von der vernunft diktiert wird, die vernunft, die sich jedem blödsinn beugt: sei doch vernünftig! schöne herausforderung, es vielleicht auch mal nicht zu sein.“
Quelle: salamandra.de, tagebuch vom 15.5.

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Appspressionismus: Bilder auf dem iPhone kreiert und mit Gimp skaliert und wassergezeichnet .

Dies und das …

Bis die nächste Geschichte von unterwegs eintrifft, geht es hier weiter wie gehabt. Alltagszöix zum hingucken oder wegschauen.

Gestern, nach der Arbeit, war ich mit Freundin B. (2) zum Pizzaessen verabredet. Da ihre Jüngste sie, im Sockennotstand, bekniet hatte, ihr doch bittebiiitte endlich neue Socken zu kaufen, irrten wir kurz im Kinderkleiderwarenhaus herum bis wir eine Sockenwühlkiste vom Feinsten entdeckten.

Wie schwierig die Sockenwäsche in einem sechsköpfigen Patchworkhaushalt sei, erzählte Freundin B. eben, da fast alle schwarze Socken trügen und dazu noch sehr ähnliche Größen, als ich die hier entdeckte. Und kaufte. Zehn auf einen Streich.

antilottisocken

Endlich wieder mal neue Socken!, dachte ich. Erst zuhause begriff ich, wie kuhl die Dinger auch noch sind. Da kann ich wild drauflos kombinieren, denn alle passen zu allen. Sockenlotties gehören hiermit der Vergangenheit an … Yesss!

Beim Durchgucken meiner Wochenende-Bilder vorhin das hier entdeckt … Was die wohl über bunte Socken denken? 😉

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Old Man’s Meeting … oder?

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Appspressionismus: Bilder auf dem iPhone kreiert und mit Gimp nachbearbeitet.

Zerlegen. Zusammensetzen.

Es gibt da ein paar Apps, die Bilder zerlegen. Allen voran Decim8. Und natürlich Frax und Segmentix. Anders als die üblichen Bildbearbeitungsprogramme zerpflücken sie ein Bild nach bestimmten mathematischen Gesetzen in Einzelteile und setzen sie – Simsalabim – neu zusammen. Du gähnst? Sorry, ich will dich nicht mit technischen Dingen langweilen, doch was ich eben erzählt habe, taugt ganz gut als Metapher.

Ich nehme mich zuweilen zerlegt wahr. In Einzelteile aufgelöst. Sehe nur einzelne Anteile von mir. Wie ich reagiere. Wie ich agiere. Wie ich träume. Wovon. Wie ich leide. Woran. Und warum ich mich verweigere. Oder mich hingebe und wann. Und wem.

Teile von mir. Teile, die manchmal ohne Kontakt und Absprache mit der Zentrale – Herz? Hirn? – handeln. Und das nicht mal unbedingt intuitiv richtig, sondern aus Gewohnheit. Einzelteile, die agieren. Die reagieren.

Das Ganze ist mehr als die Summe ihrer einzelnen Teile. Nicht neu. Aristoteles hat schon begriffen, dass – außer in der Mengenlehre – nicht das bloße Zusammenfügen von Dingen etwas zu einem Ganzen macht. Dass das Ganze eben nicht identisch mit Summe ist. Auch Decim8, das auf geniale Weise ein Bild in seine einzelnen Teilchen zerlegt und neu zusammensetzt, kann mir nicht dabei helfen, ganz die zu sein, die ich bin.

Zufällig habe ich heute morgen einen Schnappschuss von mir gemacht, als ich diese App (Decim8) für die Bearbeitung eines andern Bildes öffnen wollte. Aus lauter Spaß habe ich das grimassierende Selfie darauf ein paar Mal durch die besagte App genudelt, mit andern Apps nachbearbeitet und ständig die Frage im Kopf gedreht, was eigentlich ein Selbstbildnis über mich aussagt. Wird es anderen je zeigen können, wie ich mich fühle? Wie ich mich wahrnehme? Ist es nicht auch bloß ein weiteres dieser Teile meiner Selbst? Und wer oder was bin ich überhaupt …? IMG_8774Kann ich mich je, kann jemand mich je als Ganzes wahrnehmen?

Das Ganze? Das wäre ja nur unter Einbezug meiner Mitwelt wahrzunehmen … Jedenfalls annähernd. Ich kann einen Menschen nur erahnen, wenn ich ihn in seiner Umgebung erlebe. Wie ein Mensch mit Tieren umgeht, sagt ebenso etwas über ihn aus als auch wie er Pflanzen behandelt. Oder wie er sich fortbewegt. Wo er Pause macht. Was er isst. Wie er trinkt. Worüber er stolpert.

Ja-ja, ich schweife ab. Über die Zerlegung wollte ich mich auslassen. Und dass Zerlegung und Zusammenfügung zentrale Elemente unseres Alltags sind. Wenn ich mich nicht immer wieder zerlege und von meinen Mitmenschen zerlegen lasse, laufe ich Gefahr, zu stagnieren.

Letzten Sonntag – unterwegs mit Irgendlink über Wiesen und durch Wälder – sprachen wir über die Fallgruben des Alltags und des Lebens …
Am schlimmsten, sagte ich, am schlimmsten finde ich, wenn wir aufhören, uns zu bewegen. Nicht unbedingt von Ort zu Ort, aber in uns drin. Wenn wir stagnieren.

Heute, wie ich hier sitze und diese Zeilen hacke, hallen diese Worte in mir nach. Und ich begreife auf einmal, warum ich als Kind den folgenschweren Satz aussprach, dass ich nie in einem Haus wohnen wolle, wenn ich groß sei.
Ich will immer in Wohnungen wohnen, dann kann ich immer den Ort wechseln, wann immer ich es will, schwor ich mir. Wie alt war ich da? Vielleicht elf oder zwölf? Aufgewachsen in einem Einfamilienhaus an einer kleinen Einfamilienhaus-Wohnstraße in den Siebzigern. Eine Kindheit mit viel Natur. Mit Wald in der Nähe. Mit Garten. Mit Spielkameraden in der Straße. Und mit einer subtilen Ahnung davon, was Stagnation mit Menschen macht. Mit meiner Mutter vor allem. Mit meinem Vater auch, aber weniger.

Heute könnte ich mir durchaus vorstellen, in einem Haus zu wohnen, denn ich habe die Mechanismen der Stagnation durchschaut und laufe wohl nicht Gefahr, ihnen zu erliegen. Dennoch war jeder meiner über zwanzig Umzüge ein heilsames Abenteuer der Zerlegung meines Lebens. Eine Fragmentierung. Ein Chaos.
[Oops, mein Mailprogramm bimmelt. Die Adressänderung einer Freundin, die im Kistenchaos sitzt und in ein paar Tagen umzieht.]

Das wichtigste am Prozess der Selbstzerlegung ist die Erkenntnis, dass wir ihn als vorläufig begreifen. Dass er übergeht in eine kreative Phase der Neuordnung. Und dass auch diese nur vorläufig ist.

Ordnung muss man machen, Unordnung kommt von allein. Shit happens. Ausgleich gibt es immer nur für den Bruchteil einer Sekunde. Dann bricht die Welle und das Wasser fällt. Und die Schaukel baumelt auf die andere Seite zurück. Das Gesetz der Schwerkraft macht auch vor immateriellen Prozessen nicht Halt.

Wie viel, wie wenig, kann ich die Neugestaltung meines Lebens wirklich beeinflussen? Mehr als ich bisher dachte, vermutlich. Aber auch weniger als ganz und vollständig. Denn da sind so viele Einflüsse, die mitwirken. Nicht nur die Gesetze der Mathematik, denn das Leben hat mehr zu bieten als Nullen und Einsen.

Dreihundertdreissig

Verrückt ist es nicht. Oder doch? Für mich schon. Auch wenn andere größere Zahlen haben.

Ich gratulierte mir gestern zu meinem 330. gefundenen Geocache und erinnerte mich an meine Anfänge. Meine ersten drei Caches habe ich, sagt das Logbuch, am 20. Dezember 2009 gesucht und gefunden – zusammen mit Irgendlink, der mich in dieses tolle Hobby eingeführt hat. 1579 Tage bin ich nun also schon Geocacherin. Im Durchschnitt habe ich ungefähr jeden fünften Tag einen Cache gefunden. Die meisten mit Irgendlink und/oder andern Cachern und Cacherinnen zusammen, ein paar auch allein.

regen_kommSuchen, finden … ja, das ist etwas, das ich mag. Die Philosophin und das Kind in mir jubeln gleichermaßen, wenn sie ein neues Erdversteck finden, ein weiteres Logbuch öffnen und den Namen erneut hineinkritzeln dürfen.

kaputtAuch nach Antworten suche ich immer wieder von neuem. Meist nur, um sie, wenn ich sie gefunden habe, wieder zu verwerfen. Die meisten taugen nur einen Augenblick. Aber das ist nicht schlimm. Das Leben findet immer im Augenblick statt.

Gestern, nachdem ich beim Liebsten auf dem einsamen Gehöft eingetroffen war um die Ostertage bei ihm zu verbringen, beschlossen wir schon bald, das schöne Wetter, das ich mitgebracht hatte, auszunützen und die Caches-Runde  beim nahen Flughafen Pottschütt zu machen. Alle zwölf Caches, davon zwei Mysteries und einen Bonus, haben wir gefunden und dabei eine wunderbare Gegend mit einem einmaligen Weitblick entdeckt.

Geocaching ist besser als jeder Wanderführer, sagte ich neulich, da kommt man an Orte, die sonst nirgends stehen.

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Appspressionismus: Bilder auf dem iPhone kreiert und mit Gimp verkleinert und wassergezeichnet.

Warum ich den Frühling liebe

Jeden Frühling begeistere ich mich von Neuem
für das Leben
für die Natur
für das Lied der Vögel und Bäume
für das Gegacker der Hühner
für den Boden unter meinen Füßen …

Gestern in Walschbronn/Frankreich unterwegs …

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Appspressionismus: Bilder auf dem iPhone kreiert und mit DigiCam verkleinert und wassergezeichnet.

Essenz einköcheln

Die Zahl fünf spricht von Quintessenz, sagt Luisa. Und sagt auch die Erfahrung. Die Fünf ist mir in den letzten Tagen immer wieder über den Weg gelaufen. Sie hat sich mir von hinten genähert und genüsslich auf meinen Schoß gesetzt. Sie spricht davon, dass ich meine eigene Gebieterin sein soll, über mein Leben gebieten, zulassen, was sich wandeln will. Kreieren, was ich leben will, mutig umdenken, mutig loslassen.

Zwei wunderbare, zwei fast schlaflose, zwei intensive Tage mit zwanzig wunderbaren Frauen in einem Seminarhaus im Appenzellischen liegen hinter mir.

Und nun liegen da ein paar altneue Samen behaglich in meinem Herzen. Sie werden spriessen, da bin ich sicher.

Einer davon ist mir heute beim gemeinsamen Yoga, das Luisa Francia genüsslich angeleitet hat, zugefallen:
Jede Spannung braucht zum Ausgleich Entspannung.

Körperliche Entspannung gleicht dem virtuellen Zwischenspeichern von Dateien, denke ich weiter. Gleichgewicht gibt es nur, wenn ich alle meine Seiten nähre, meine materiellen und meine spirituellen. Die sicht- und die unsichtbaren.

Am Wasserfall gestern habe ich losgelassen, was nicht mehr in mein Leben gehört. Was für ein starkes Ritual das war!

Und nun kommt der Alltag und mit ihm das Gießen der Samen, das Einköcheln meiner Erkenntnisse, das Vertiefen und Verwandeln …

wasserfall

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Appspressionismus: Bild auf dem iPhone kreiert und mit Gimp nachbearbeitet.

Virtuelles Abenteuer im echten Leben

Liebster Irgendlink, liebe Mitreisende in der Galerie P. in Z.

Nun wird also eine Idee Wirklichkeit. Fängt nicht alles mit einem Gedankenblitz an, mit einem Samen, der winzigklein irgendwo in unseren Hirnwindungen herumzappelt. So lange, bis wir ihn zu Tode ignoriert oder ins Leben geholt haben.

Die Idee, die gelebte und erlebte Wirklichkeit eines Menschen in A. einem andern Menschen in B. sicht- und nachvollziehbar zu machen, ist sicher nicht neu.

Neu ist aber, dass wir heute so viele technische Hilfsmittel zur Verfügung haben, dass wir jemandem andern an einem andern Ort in Echtzeit teilgeben können, was wir hier und jetzt erleben.

Mit seinem Livereiseblog hat Irgendlink das vor zwei Jahren bereits praktiziert. Kaum geschrieben konnten wir seine Texte auch schon im Blog lesen.

Was nun hier und heute mit seinem Drucker geschieht, ist eine folgerichtige Fortsetzung seiner Livereise-Vision.

Ich werde in einigen Minuten das Haus verlassen und außer dem Regenschirm und guten Schuhen auch mein iPhone mitnehmen. Auf diesem läuft – während ich einen langen Spaziergang durch mein Dorf mache – ein Track mit. Auf dem PC könnt ihr mir folgen, wie ich zuerst durch das Areal der Psychiatrischen Klinik Königsfelden, anschliessend zum römischen Amphitheater und schliesslich zum Toten Haus spaziere. Unterwegs werde ich einige Bilder aufnehmen, vielleicht sogar einige kurze Texte schreiben und ihr könnt zeitgleich mitkommen. Obwohl ihr zweihundertneunzig Straßenkilometer von mir entfernt seid.

Die Bilder und Texte, die ich an den Drucker maile, werden praktisch in Echtzeit ausgedruckt. Viel Spaß beim Spaziergang mit mir zusammen durch mein Dorf …
Herzlich, Sofasophia

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Ich habe mich untergestellt. In einem kleinen Häuschen im Königsfelden-Areal. Weil es sooo regnet. Das Trommeln der Regentropfen erinnert mich an Nächte im Zelt. Das Dach ist dicht und ich kann hier sogar das „Stehpult“ verwenden, eine Art Kiste, worin Material gelagert wird. Perfekte Höhe zum Schreiben. Zum Glück habe ich die portable Tastatur mitgenommen. Grad sehe ich, dass eine Nachricht von Irgendlink reingekommen ist. Gut – ich lese die mal …

Nein, ich sitze nicht, Liebster, ich stehe. An besagter Kiste. Nun werde ich noch das Trommeln des Regens aufnehmen und dir mailen. [Zum Regen hier klicken und laut stellen … :-)]
Den Duft kann ich euch leider nicht schicken. Holz ist es, nasses Holz und Laub. Und Frühling. Habt es gut.

Appspressionismus: Alle Bilder mit dem iPhone fotografiert, den Text auf dem iPhone geschrieben, den Regen auf dem iPhone aufgenommen – alles in Echtzeit heute Nachmittag in die Galerie P. in Z. gemailt. Copyright by Sofasophia

The Making-of in der Galerie P. in Z. …

in der Galerie_Pic by IrgendlinkCopyright & Pic by Irgendlink