Hinter dem Vorhang

Ein Stück für zwei.
Der Vorhang öffnet sich. Auf der Bühne, gut ausgeleuchtet, Sofasophias Wohnzimmer. Nichts Böses ahnend hängt die Protagonistin auf dem Sofa und tippt in ihre externe iPhone-Tastatur. Xenö* betritt von rechts das Zimmer, schielt dreist auf das Display und liest mit. Erst nach einigen Minuten erwacht Sofasophia aus ihrer Schreibtrance und schaut Xenö verwundert an. Sprachlos. Xenö ist wieder da. Und sie ahnt es bereits: Kein Weg führt an ihm vorbei, wenn er auftaucht. Wer ihn kennt, weiß, wovon ich rede. Nur Unkraut ist zäher.

Sofasophia: Du?
Xenö: Wenn’s erlaubt ist!
Sofasophia: Ist es zwar nicht …
Xenö: Das (er zeigt aufs iPhone) willst du bloggen?
Sofasophia: Warum denn nicht?
Xenö: Viel zu zynisch ist das, böse, gemein … passt doch nicht zu dir. Du bist doch viel zu nett …
Sofasophia: Das sagt ja der Richtige! Außerdem: Das ist schließlich eine Satire!
Xenö: Wirklich?
Sofasophia (wird ein bisschen rosa im Gesicht): Hm … Glaub schon. Was geht’s dich an?
Xenö (schnappt sich das iPhone, das Sofasophia aufs Sofa gelegt hat und liest vor):
Täglich lese und kommentiere ich mich durch zig Blogs, durch zig literarische und künstlerische Stoffwechselprodukte toller Menschen. Täglich lese ich unzählige tolle und weniger tolle fremde Gedanken. Und täglich füge ich da und dort einige meiner Gedanken dazu, als Ermutigung, als Rückmeldung, als Dankeschön. Ich lasse mich von andern Texten und Bildern inspirieren, doch vor allem lenke ich mich damit ab. Von mir weg. Ablenkung betäubt so schön. Ich muss, während ich bei andern bin und von Blog zu Blog reise, nicht selbst denken, ich muss nicht meinen eigenen Mist karren, sondern darf mich mit den Themen anderer befassen. Maßvoll nur, denn es sind ja immerhin die Gedanken anderer.
Kommt mir nicht zu nahe! Lasst mich mit eurem Mist in Ruhe! Ich will es gar nicht so genau wissen.
Nein, so sage ich das natürlich nicht. Ich bin ja nett. Ich bin freundlich. Und ich schreibe freundliche Kommentare. Ich verhalte mich moderat, adäquat, angepasst und unauffällig. Schließlich will ich gemocht werden. Schließlich will ich auch nette Kommentare erhalten, wenn ich schon so viele nette Kommentare schreibe. Schließlich will ich viele Like-its, denn ich verteile ja auch viele.
Obwohl. Wenn ich ehrlich bin, wächst mir die Kommentarmoderation so langsam über den Kopf. Da gibt es nämlich noch die besonders lieben Leute, die einen Kommentar gleich nochmals kommentieren. Und darauf muss doch auch reagiert werden. Oderrr? Ich will doch niemandem das Gefühl geben, dass ich seine Mühe nicht wertschätze. Honorieren. Reagieren. Danken. Eine Hampelpuppe ist nichts gegen mich.
Ob ich die Kommentarfunktion wieder ausmachen soll? Obwohl ich doch im Grunde gerne diskutiere?
Wie viel ist echt von dem ganzen Karsumpel in der Blogosphäre? Diese ganze Nettigkeit – wie ehrlich ist sie? Wie viele Mitleid-Kommentare und -like-its verteile ich, verteilen wir, statt dem Blogger oder der Bloggerin zu sagen, dass ihr heutiger Text eigentlich, na ja, doch ziemlich langweilig geschrieben ist? Wie kritisch sind wir und wie manipulierbar? Wie nett sind wir wirklich?
Xenö: Und so was willst du bloggen? Damit verlierst du doch alle deine Stammleserinnen und -leser!
Sofasophia: Und? Wahrheit hat ihren Preis – heißt es doch so schön. Und darum bin ich jetzt ganz ehrlich zu dir, Xenö. Hau ab!
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* Mehr zu Xenö in meinem alten Blog „Sofasophien“: bitte hier klicken (von unten nach oben zu lesen).

katzenweise …

… oder das erste Bild zu meinem neuen Katzenblog? 😉
mietzforblog
Warum Mietze unsere Hausschuhe mag, ist mir ein Rätsel. Ob es als Kompliment zu verstehen ist? Verstehe einer die Katzen – verstehe einer die Menschen!
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Bilder und Montage:
Appspressionismen (iPhoneArt)

Neues von der Männleinfront

Was bin ich müde! Mein junger Nachbar – StammleserInnen erinnern sich? (hier klicken) – hat mal wieder bis spätnachts seine Potenz erprobt. Nachdem ich um halb zwei den Besen zu Hilfe genommen und an die Wohnzimmerdecke geklopft habe, wurde noch zweimal – und nicht eben kurz – geduscht. Von ihr und von ihm. Obwohl morgens um neun, als ich noch geschlafen hatte, bereits jemand von beiden mindestens eine halbe Stunde geduscht hatte. Okay, folgere ich, da oben ist es also ziemlich dreckig. Doch das geht mich ja nichts an. Nicht, dass ich Männlein nicht sein buntes Leben gönne …
Aber ich gönne auch mir ein buntes Leben. Und das geht nur, wenn ich nachts genug schlafen kann. Doch hier habe ich scheinbar nicht nur das Recht auf Nachtruhe, sondern auch gleich auf regelmässige Nachtruhestörung mit im Vertrag. Rücksicht scheint fürs Männlein ein Fremdwort zu sein. Zwar hat er inzwischen die Fernbedienung und seinen Verstärker ein ein bisschen besser im Griff, dennoch ist da oben – sobald dieser Mensch im Haus und in der Wohnung ist – immer etwas zu hören. Außer vielleicht zwischen halb drei Uhr nachts und sieben Uhr morgens. Ansonsten hört man immer seine relativ hohe, überdurchschnittlich laute Stimme, bei der ich zwar nicht den Gesprächsinhalt mitbekomme (zum Glück!), doch höre ich klar, ob er französisch oder schweizerdeutsch spricht. Seine Musik (wenn auch meistens in moderater Lautstärke) läuft von morgens bis abends. Seine Schritte, das Schranköffnen und -zuklappen: alles immer laut. Wenn schon, denn schon.
Kleine Frage: Wenn einer nachts nach mahnenden Klopfsignalen, laut zurück klopft und die Lautstärke kein bisschen drosselt, könnte das nicht den Schluss zulassen, dass das Ganze pure Schikane ist? Was anderes kann das bedeuten, wenn einer laut lacht und weiter lärmt ? Oder werde ich bloß paranoid?
Ich gestehe, dieser Mensch weckt in mir nicht eben meine Schokoladenseiten. Mitten in der Nacht stelle ich auf einmal fest, wie ich ein gewisses Verständnis für Menschen aufbringe, die durchdrehen. Meine natürliche Kontrollbarriere, die zwischen Denken und Handeln hängt, funktioniert zum Glück sehr gut und hält mich davon ab, diesem A… die Reifen aufzuschlitzen. Ich würde mich eh ganz schön Scheiße fühlen, wenn ich so was tun würde und unterlasse es in erster Linie mir zuliebe. Auch weil es ja diesen Satz gibt, dass alles, was wir andern tun, auf uns zurückfällt – im Guten wie im Schlechten. Ob der Satz stimmt, weiß ich nicht, aber falls er stimmt, dann will ich mir doch lieber mein Instantkarma nicht mit solchen kindischen Schlammschlachten verdrecken. Nie hätte ich gedacht, dass mir so etwas je passieren könnte, doch sag niemals nie. Auch wenn du nicht James Bond heißt. Doch sogar der würde wohl irgendwann mürbe, wenn er immer wieder halbe Nächte wachläge, weil das Männlein im Stock obendrüber rumlärmt und keine Rücksicht auf ihn nimmt. Was er wohl tun würde?
Ich gestehe es, ich wünsche ihm ein paar nicht wirklich tolle Dinge an den Hals. Aber auch nicht allzu schlimme. Nur Dinge, die seiner Erkenntnis dienen. Zum Beispiel ein bisschen Tinnitus. Ein bisschen die eigene laute Stimme verlieren (oh jaaa!). Ein bisschen chronisches Kopfweh. Ein bisschen Schlaflosigkeit. Nur so zum Ausprobieren. Und auch nur eine Zeitlang. Und nur damit er weiß, wie das ist, wenn man nicht normal belastbar ist. Ob es nützen würde?
Manchmal macht mir die Zukunft Angst. Ich sehe eine Gesellschaft junger Menschen – siehe das Männlein in der Wohnung über mir – heranwachsen, denen die Eltern alle Steine (zumindest die materiellen) aus dem Weg räumen und geräumt haben. Denn ihre Kinder sollen es ja mal besser haben. Zuweilen verhindern Eltern ein Training für das Leben. Die Eltern sind mehr ab- als anwesend, auch wenn sie neben dem Kind sitzen, das auf dem Computer spielt. Sie delegieren die Probleme der Erziehung auf die Schule und wenn die Lehrpersonen auf den Tisch klopfen und dem Kind vielleicht ein bisschen auf die Finger, schützen sie ihre Kinder vor böser Kritik. Ja, natürlich gibt es auch den umgekehrten Fall, wo die Lehrkräfte spinnen und die Eltern begreifen. Doch wo, bitteschön, lernen junge Menschen heute natürliche Frustrationstoleranz? Wird sich langfristig in den Generationen nach uns die Empathiefähigkeit zurückbilden? Ja, ich weiß, ich male zuweilen dunkelschwarz.
Da fällt mir ein Gespräch mit Irgendlink ein. Drei oder vier Jahre ist es her. Winter war’s und wir saßen nach dem Essen an seinem Holzofen. Ich stellte uns die Frage, was wäre, wenn die Ressourcen auf einmal so knapp wären, dass wir tatsächlich ums Überleben kämpfen müssten. Ob die Menschen sich weltweit miteinander solidarisieren oder ob alle nur für sich selbst und ihre Angehörigen schauen würden. Vermutlich hat Irgendlink recht, wenn er das zweite als Regel vermutet. Zumindest im ersten Schock würde ich wohl genauso handeln, ich gestehe es. Dass der Mensch edel sei und den Quatsch, dass Leid edelt, glaube ich nur sehr bedingt. Unsere Wahl ist entscheidend. Wir haben alle das Zeug zum Pychopathen, zur Mörderin, zum Ketzer irgendwo in uns drin. Ebenso wie das Zeug zur Heldin und zum Helden.
Vielleicht darum hoffe ich noch immer, dass sogar das Männlein in der Wohnung über mir nicht unheilbar an Rücksichtslosigkeit erkrankt ist.
(((Warnung: Das hier ist eine Realsatire. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie bitte die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihre Bloggerin.)))

Alles, was wahr ist

I gloube nümm, won I nume gseh*, singt Büne Huber von Patent Ochsner im Lied Niemer im Nüt**.
Wir sehen nur mit dem Herzen gut, sagt Antoine de Saint-Exupéry.
Über Wahrnehmung lässt sich streiten und über Wahrheit erst recht. Oder eigentlich überhaupt nicht.
Mein Versuch, den Besucher aus dem 25. Jahrhundert, Lind Kernig***, dem ich gestern das Fricktal meiner Gegenwart zeigte, zu fotografieren, scheiterte kläglich. Meine Autostich-iPhone-App hat mir das linke Bild ausgerechnet, mit Gimp, auf dem Laptop habe ich das Bild rechts gebastelt (Vorlage sind je drei, resp. vier Turmbilder vom gleichen Standort aus).
die zwei türme_smIn Wirklichkeit sah der Turm aber gaaanz anders aus. Eben hat mir Lind Kernig, wieder zurück in der Zukunft, das nachfolgende Bild übermittelt. Wie er das Bild aufgenommen hat, verrät er mir leider nicht. Das kleine technische Ding, das er während seines Besuches ständig mit sich herumtrug, ähnelte zwar einem gemeinen Smartphone des einundzwanzigsten Jahrhunderts, doch ich solle gar nicht erst anfangen, es mit unserer Technik vergleichen zu wollen, sagte er nur und zuckte vielsagend die Schultern.
Ich muss zugeben, dass das Bild unten dem Original am ähnlichsten sieht.
Für die Qualitätseinbussen bei der Übermittlung des Bildes vom 25. Jahrhundert in die Gegenwart bitten wir um Verzeihung. Obwohl wir ja nichts dafür können. Es handelt sich um Konvertierungsprobleme****. Wir arbeiten dran.
panorama_turm neu_small_auss

(Draufklick für groß)

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Bilder:
Undogmatische Appspressionismen (iPhoneArt mit Gimpunterstützung)
* Ich glaube nicht mehr, was ich nur sehe.
** Niemand im Nichts
*** Anagramm zu Irgendlink
**** Pssst, ich glaube, das Bild wurde einfach mit Panorama-Editor für Ubuntu/Linux gerechnet

Hund, Katz und Maus

Ich schiebe die Computermaus über den Tisch, um dieses Fenster hier anzuklicken. Damit ich mit Schreiben loslegen kann. Und jetzt schiebe ich sie auf dem Tisch herum, um eine Bilddatei einzufügen. Diese hier.
Hier seht ihr Mietze, wie sie ihre guten Vorsätze fürs neue Jahr sehr konsequent und sehr energiesparsam umsetzt. Sie übt Yoga ganz sanft. Im Schlaf. Irgendwie hat sie es voll kapiert mit dem Leben.

Katze im Hund_neu2

Katze im Hund_neuS1sm

(Draufklick für groß)

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Bilder:
Undogmatischer Appspresionismus (iPhoneArt mit Gimpunterstützung)

Aus den Soso'schen Geheimarchiven

Katzen- & Alienfreund Blogger Irgendlink beim Planen seines nächsten Karriereschrittes:
20121109-105834.jpg
Siehe auch: Über das Leben diesseits und jenseits der Katzentüre I
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Bild: iDogma | Appspressionismus –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

Über das Leben diesseits und jenseits der Katzentüre

Es war einmal eine Katze (die so tat, jedenfalls, als wäre sie eine). Plötzlich war sie dagewesen und tigerte seither scheu und wild in der Nähe des einsamen Gehöfts herum. Niemand hat sie kommen sehen. Niemand kannte sie. Die Spuren, die wenige Tage vor ihrer Ankunft im nahen Maisfeld gefunden wurden, gaben zu wilden Spekulationen Anlass. Mangels wirklicher Alternativen gehen wir deshalb von einem gelandeten UFO aus.
Irdische Katzen-Tigerstreifen sind eine gute Tarnung, doch ich habe die Katze längst durchschaut. Und sie weiß es. Keine irdische Kurzhaar-Katze verliert das ganze Jahr Haare. Mir ist allerdings ihre Botschaft, ihre Mission sozusagen, noch nicht ganz klar geworden. Okay, sie zähmt die Menschen, gut, doch wozu? Wird sie eines Tages wieder abgeholt und wann? In der ersten Zeit tat sie so, als ließe sie sich von uns Menschen zähmen. So hat sie zum Beispiel meinen Liebsten dazu gebracht, ihr täglich zweimal Futter hinzustellen. Und Milch. Und neuerdings auch Wasser. Dies allerdings nur, wenn sie sich in der Wohnung aufhält, in der Künstlerbude, wo es dank Holzfeuer so warm ist, dass selbst (außerirdische) Katze durstig werden. Cheers. Zugegeben, zuweilen setze ich den Alien*, der sich als Katze getarnt hat, auf den Boden. Spätestens dann, wenn das Fell des Tieres sich schon beinahe mit meiner Kleidung verwoben hat. Genug ist genug. Darum nennt mich der Liebsten, wenn er mit der Katze über mich redet, hinfort die „böse Frau aus der Schweiz“.
Blogge „Über das Leben diesseits und jenseits der Katzentüre“!, bat Irgendlink, Katzenmann, Künstlerbude-Bewohner Nr. 1 und mein Lebensliebster in Personalunion. Du weißt es doch: Tu immer das, was dein Irgendlink dir sagt. Denn so lautet unsere Spielregel.

Gut. Die Katzentüre. Sollst du haben.
Wenn es im Leben eines Prokrastinatikers wie meinem Liebsten (nur so als Beispiel) etwas gibt, was man Achillesferse bezeichnen könnte, ist es dieses vermaledeite Ding namens Katzentüre. Vor über drei Jahren, bei meinem ersten Aufenthalt auf dem einsamen Gehöft, stand es bereits da, das Teil, und steht es immer noch. (Wie) frisch gekauft, jedenfalls noch immer originalverpackt. Ablaufdaten haben so Dinge leider nicht, sie laufen ja nicht davon und so wurde die Aufschiebebank lang und länger und hat längst die längste Bank der Welt in Rendsburg getoppt.
Die bau ich im Winter in die Türe ein, sagte Irgendlink damals lässig. Wenn es kälter wird. Damit die Katze selbst rein und raus kann. Obwohl … ich weiß gar nicht so recht, ob ich sie drinnen haben will. Sie ist eine wilde Katze.
Wie es so ist mit Unschlüssigkeiten. Sie wachsen wie Unkraut und Efeu. Vorletzten Winter, als der Liebste in den kältesten Wochen des Jahres den Jakobsweg bis Santiago wanderte, war die Katze immer draußen und die lieben Nachbarn haben sie gefüttert. Ihr scheint es, außer an Streicheleinheiten, an nichts gemangelt zu haben. Auf dem Hof gibt es viele Nischen, wo sie vor den Unbilden der Witterung geschützt ist. Soweit so gut. Eigentlich ist so eine Katzentüre etwas für Sisyphos.
Klappert so eine Türe, und erwacht man nachts, wenn das Tier herein oder hinaus geht? Werden fremde Katzen (oder Marder? Füchse? Igel?) sich ebenfalls Einlass verschaffen? Ähnlich, wie sie mit der Katze – ja, sie hat einen Namen, natürlich, wie konnte ich das bloß vergessen! – den Futternapf teilen. Die Probleme dies- und die Probleme jenseits des Futternapfes, ähm der Katzentüre, sind so vielfältig wie das Leben selbst. Ist das Boot voll – zum Beispiel.
Die oberste Priorität jedes Katzenmannes und auch jeder Katzenfrau muss lauten: Wie kann ich meine Katze glücklich machen und was kann ich für sie tun, damit sie gedeihen und gesund leben kann? (Sie muss dafür noch nicht mal etwas tun, nur ein wenig schnurren, und ja, wenn wir schon dabei sind, ein bisschen weniger stark Haare verlieren).
Nun ja, wir sind ja auch nur Menschen. Mit eigenen Bedürfnissen. Katze auf der Eckbank geht ja. Katze auf dem Sofa auch (zumindest wenn sie immer am gleichen Ort liegen und nicht überall ihre Haare verteilen würde). Eigentlich wäre eine Katzentüre wirklich nicht schlecht. damit würde das allmorgendliche Türöffnen wegfallen. Das Lass-mich-raus-ich-muss-pinkeln-Miauen. Andererseits. Bei näherem Überlegen … Ständig tauchen neue Probleme auf. Was, wenn die Katzenklappe ein Wurmloch in ein anderes Universum ist? Außerdem ist ganz und gar nicht klar, wo die Katzenklappe überhaupt am besten eingebaut werden soll. Im Schrank? Im Ofen? Im … (Fortsetzung folgt.)
Ob es eine Rolle spielt, ob ich eine Rolle spiele?, sagt die Katze. Mietze genannt.
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* Das Königinnentreffen einiger lokaler Bloggerinnen wurde auf nächste Woche vertagt, doch ein kleiner Besuch bei Königin Canela hat trotzdem stattgefunden. Bei dieser Gelegenheit lernte ich Canelito (7) kennen und weiß seither alles über die Aliens. Alles!

langsam, langsam …

Anachronismus war eins unserer Lagerfeuerthemen dieser Tage. Mit Gästen diskutierten wir über Filme und das Filmemachen. Wie gut es wäre, wenn die neuen Filme wieder langsamer würden, sagte ich. Wir werden täglich so vielen Bildern (in Worten ebenso wie in Pixeln) ausgesetzt – und dies alles in höchster Geschwindigkeit –, so dass es eigentlich toll wäre, es würden wieder andere Filme gemacht. Langsamere. Und ganz allmählich würden wir uns wieder an eine langsamere Art zu leben gewöhnen. Natürlich stimmt es, dass wir wählen können, was wir uns zuführen. Doch dass wir alleinverantwortlich im Sinne von „selbst schuld“ dafür sind, wenn wir an dieser Dauerhektik und ihren Nebenwirkungen krank werden, bezweifle ich. Die Verantwortung liegt bei uns allen, die wir diese Gesellschaftsform bewusst oder unbewusst füttern indem wir im Alles-haben-wollen-Strom mitschwimmen. Subtile Manipulation zu erkennen, ist eins, gegen diesen Strom zu schwimmen, etwas ganz anderes, denn so wie es ist, ist es ja gut und wer gibt schon freiwillig auf, was er hat? Alles. Immer. Sofort. Woher sollten wir auch wissen, wie der Rückweg geht? Unserer Gesellschaft fehlen diesbezügliche Vorbilder.
Wir  MittvierzigerInnen, die wir mit Unsre kleine Farm und den Waltons groß geworden sind und mit deren ganzer Langsamkeit, haben den Tempoanstieg gar nicht wirklich bemerkt. Wie der Frosch im Wasser nicht merkt, dass sein Badewasser im heißer wird. Bis es eines Tages zu spät ist. Und dann ist es zu spät.
Viele von uns haben sich vom Strom formen lassen. Schnell, laut und schrill sind sie geworden. Und ja, das sind genau jene, die mir sehr schnell auf den Geist gehen. Insbesondere, wenn sie sich dazu noch unreflektiert verhalten, bei allem was sie selbst betrifft. Zwar reden sie über alles Mögliche, als wüssten sie Bescheid (tun sie vielleicht sogar) über Dinge, über Politik, haben dies und das gesehen, da und dort mitgemacht, ab und an und überall ein Wort aufgeschnappt und mitgeredet und sie stehen im schönsten Licht da. Dass die andern nicht bewundernd sondern genervt schweigen, merken sie nicht. Und noch etwas können sie nicht: Still sein, hinschauen, innehalten, zuhören – wirklich meine ich –  mit dem Herzen, mit allen Sinnen.
Schnitt.
Weißt du eigentlich, dass „ein so richtig deutscher Typ“  in der Schweiz eine Art Schimpfwort ist? Wohingegen ein „untypischer Deutscher“ als Kompliment zu verstehen ist!, sagte ich zu meinem Liebsten auf einer unserer Geocache-Wanderungen dieses Wochenendes. Nein, das habe er nicht gewusst, sagt er, überrascht. Wirklich?
Ja, echt wahr. Ich glaube, wir sollten uns mal Kompendien schreiben, lache ich, Gebrauchsanweisungen für die Schweiz und für Deutschland, damit wir unsere Codes besser verstehen. Obwohl du ja eh kein typischer Deutscher bist … (((Ob ich eine typische Schweizerin bin?)))

Oh, und dann müssten wir noch je ein Wörterbuch für all die unaussprechlichen Dinge verfassen. Für all die feinen Schwingungen, die wir Menschen aussenden, denke ich beim Weiterwandern. Ich bezweifle, dass das geht. Die Sprache der Gefühle lässt sich schwer in Worte übersetzen. Und wer wollte das schon lesen? Denn genau jene Menschen, die eigentlich eins bräuchten, würden es sich bestimmt als Letzte eingestehen.

Die Sache mit dem Lebenszeitkonto

Es war einmal, oder wäre es nur gewesen, wenn …? Konjunktiv mit Fragezeichen. Oder es ist vielleicht noch immer, ohne Anfang, ohne Ende? Egal eigentlich, denn im Grunde ist es weder relevant noch hilfreich, wenn ich weiß, ob es wirklich wahr war oder nur in unseren Köpfen. Als ob das in den Köpfen weniger wahr wäre als das Wirkliche, das Fassbare (und als das Unfassbare erst recht). Diese Sache mit der Zeit meine ich, die ja nicht nur ist, weil der Uhrzeiger sich dreht und nicht weniger wahr ist – falls sie das wäre -, wenn keine Uhr sich nach ihr richtet.
Wo etwas ist, kann auch etwas verschwinden. Verloren gehen. Wo Zeit ist, kann auch Zeit verloren gehen. Nein, verlieren ist kein aktiver Prozess. Vergessen auch nicht. Lebenszeitdiebe nennt Irgendlink jene Menschen, die ihm etwas von seiner kostbaren Lebenszeit wegnehmen (doch aktiv? oder eher passiv? warum lässt er es zu, und warum ich?), indem sie ihn volltexten, mit Bagatellen belästigen, etwas von ihm wollen …
Lebenszeitdiebstahl … seit Tagen grüble ich darüber nach, ob das Neueinrichten meines Laptops nicht Lebenszeitdiebstahl war, begangen an einem lieben Menschen, der gewiss besseres zu tun gehabt hätte.
Auf der Kehrseite des Lebenszeitdiebstahls stehen nämlich solche „besseren Dinge“. Sachen wie Radfahren, Fotografieren, Schreiben, Bilder bearbeiten, Malen, in der Aare baden und schwimmen, Tagträumen (nachts natürlich auch), die ganze soziale Palette selbstverständlich wie die Pflege von Beziehungen, guter 6, Ausflüge machen und Massagen, kurz alles was gut tut. Doch ist es denn umgekehrt so, dass das, was mich und meine Zeit bedroht, schädlich für mich ist?
Schauen wir doch mal hin, was mir meine Lebenszeit vergällt:
Mich mit Banalitäten volltexten lassen, auf andere, die sich ohne Grund und Information verspäten, warten, Tippfehler schreiben und korrigieren, sich am Telefon vertippen oder nicht für mich bestimmte Anrufen annehmen, etwas verlieren und nicht mehr finden, etwas fallen lassen und hinterher die Scherben wegwischen müssen (nein, nicht jedes Putzen ist Lebenszeitdiebstahl, nur das nach Missgeschicken), Misstritte mit Folgen, sich mit anderen vergleichen, sich ärgern über die eigene Unzulänglichkeit, Ameisen in der Wohnung, Mücken überall, Missverständnisse, Streit um Banalitäten, Powergames, Taschentücher in der Waschmaschine, Technik, die nicht funktioniert, Programme, die sich nicht selbsterklärend bedienen lassen, unverständliche Anleitungen – egal ob für Möbel oder für IT-Zöix, Ungeduld, Rushhour, vergessene Passwörter …
Beide Listen sind Momentaufnahmen. Beide Listen sind je nach Befindlichkeit mal länger, mal kürzer. Und beide Listen sind relativ. Außerdem unfassbar. Zeit ist unfassbar. Wer oder was kann mir überhaupt Lebenszeit stehlen? Ob die vermeintlich geklaute Lebenszeit nicht einfach aufs das Konto „Erfahrungen“ umgebucht wurde?
Der Mensch ist ein Risikofaktor. Der Mensch ist ein flexibles System, das sich ständig bewegt, wandelt und deshalb anfällig für Fehler, Pannen und Viren ist. Solche Dinge kosten Lebenszeit, ja, gut, doch unter dem Strich tauschen wir sie ein gegen Lebendigkeit. Wären wir perfekt, wären wir langweilig zum Abwinken. So will ich immer wieder neu JA sagen zu all diesen Unvorhersehbarkeiten des Lebens. Unwägbarkeiten, denn sind nicht alle Geschichten, die wir lesen, die Geschichten unvollkommener Menschen? Ob ich wohl deshalb so gerne lese? Inmitten all der fiktiven und realen Menschen in Geschichten, Biografien und Zeitungen finde ich mich wieder.
Ich lebe in verschiedenen Universen (du auch, vermute ich). Paralleluniversen. Jedes meiner noch unvollendeten Manuskripte ist eine Welt für sich, eins meiner Biotope. Jeder Film, den ich schaue. (Wenn ich im Schreibflow bin, an einer Geschichte schreibend, bin ich dann hier in meinem realen Leben oder dort im externen Universum? Sind meine Geschichten quasi die externen Datenspeicher meines Lebens, sozusagen meine vielen ungelebten Leben?)
Meinen „neuen Laptop“ habe ich wie ein neues Paar Schuhe so gut eingelaufen, das kaum mehr was drückt. Alles ist anders und doch ist alles gleich. Die gleiche Hülle, die gleiche Kunststoffkiste. Doch diese Kiste hat ein anderes, ein erneuertes Innenleben. Beinahe wünschte ich, mir selbst ein neues Betriebssystem verpassen zu können, das die gleichen und auch alle neue Inhalte transportiert. Eins, das gut und schnell läuft, nicht virenanfällig ist, nicht ständig wegen allem möglichen zickt, hängen bleibt oder gar abstürzt. Kurz: eins das perfekt ist und mir keine kostbare Lebenszeit klaut. Für die habe ich nämlich viel bessere Verwendungsideen.

Blogito ergo sum stimmt nicht

Ich bin. Ich bin, also bin ich. Ich bin Mensch, also bin ich. Ich denke, also bin ich. Ich fühle also bin ich. Erst recht. Ganz und gar.
Ich blogge, also bin ich? Gute Frage. Denn irgendwo ist mir die Lust abhanden gekommen. Sie ist unterwegs urplötzlich stehen geblieben. Dort draußen irgendwo. Wie ein kleines Kind, das Lust auf dies und das aber nicht auf jenes hat. Bei der Wiese vielleicht. Sitzt nun dort und füttert die Kühe auf dass sie Milch geben. Sitzt dort, genießt die Sonne. Recht hat sie. Ich suche sie und setz mich zu ihr, so mein Plan.
Oder:

  • Ich hänge Bilder auf, also bin ich. Also wohne ich. Gestern habe ich endlich die letzten Bilder aufgehängt. Endlich bin ich hier zuhause.
  • Ich habe Geld auf dem Konto, also bin ich.*
  • Ich lese, also bin ich. Ich lese grad den Geschichtenerzähler des Peruaners und Literatur-Nobelpreisträgers Mario Vargas Llosa. Ein Buch, das mich ins Peru der Achziger und der Fünfziger versetzt. Anderes Land, andere Zeit. Tut gut, sich ab und zu hier wegzubeamen. Danke, FF! 🙂
  • Ich reise, also bin ich. Täglich reise ich mit Irgendlink um die Nordsee, immer ein bisschen weiter.
  • Ich lebe, also bin ich. Dieses Leben da draußen – ich will es wieder mehr am eigenen Leib erfahren. Wahrnehmen, deuten, erkennen, erleiden manchmal, reflektieren.
  • Ich schreibe, also bin ich. Auch ja. Aber noch viel mehr …

Ich blogge, also bin ich? Öhm, dazu müsste ich erst die Lust wiederfinden. Und dann? Vielleicht. Falls nicht, dann nicht.
Mal gucken, ob die Lust Lust drauf hat …
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Halt, verschrei‘s nicht, Sofasophia, das Geld ist noch nicht da!
Jaja, schon gut. Aber bald! Was war das jetzt doch wirklich der pure Horror, zwei Wochen lang, weil sich die Zahlung meiner Arbeitslosenentschädigung täglich verzögert hat. Niemand wusste genau wieso, aber meine Daten sind falsch erfasst worden, nämlich so, dass die Kasse keine Zahlung vornehmen konnte. Falscher Status. Gestern endlich, nach hartnäckigem wiederholtem Anrufen und Mailen hatte ich die richtige Person am Telefon. Die gute Frau informierte mich genau über die Untersuchungen des Falles und fand schließlich den Fehler: Ich habe vom deutschen Arbeitsamt das falsche Übertrittsformular erhalten – aufgrund mangelnder Information und Missverständnissen. So war ich falsch – im Sinne des Formulars aber richtig – angemeldet gewesen. Wie so eine Fehlerbehebung doch glücklich macht!