Störungen

Am liebsten beheben sie Störungen. Dauernd eigentlich. Immer sind sie dran, etwas zu reparieren, zu flicken, zu heilen, auf etwas zu reagieren und zu handeln … Und wenn endlich alle Störungen behoben sind und sie genießen könnten, dass alles rund läuft, sehnen sie sich nach dem nächsten Problem, das sie lösen könnten. Komische Wesen, diese Menschen!, sagte die eine Kuh zur anderen und fraß weiter, während die Milchmaschine an ihrem Euter saugte.

Dem Spatz, der an der offenen Türe gelauscht hat, ist es zu verdanken, dass sich dieses Gerüchte in Windeseile auf der ganzen Welt verbreitet und sich seither hartnäckig gehalten hat: Dass Menschen Störfälle lieben.

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Wenn ist eine Türe. Kurz vor dem Zuschlagen oder eben geöffnet. Verheißungsvoll oder bedrohlich.

du auch!

Schwester Gewohnheit, wieso nur mache ich dich immer so mies? Obwohl du mir dabei hilfst – falls ich dich ernst nehme und akzeptiere -, bei mir zu bleiben und nicht von all den neuen Reizen, die mich ständig überfluten, weggespült zu werden. Hilfst mir zum Glück den Bodenkontakt zu behalten. Willkommen! Haben wir dich nicht, suchen wir dich nämlich. Oder vermissen dich zumindest.

Ohne Abwechslung, ohne neue Impulse wäre Gewohnheit unerträglich. Ohne Gewohnheit wäre das Neue unerträglich. Ohne Zuhause wäre die Fremde nichts als fremd. Ohne Fernweh wäre das Zuhause ein tristes Gefängnis. Unterwegs zu sein ist darum immer auch anzukommen. In unsren Gewohnheiten. In der Ferne ebenso wie zuhause.

Ich bin nie und nirgends nur das eine ohne das andere. Kein Gaspedal ohne Bremse. Keine Bremse ohne Gaspedal. Und keine Metapher ohne reale Entsprechung. Das Ganze ist beides, nein, nicht nur beides, alles! Denn es gibt immer mehr als bloß hinten und vorne oder oben und unten. Und auch ich bin immer alle und alles. Und du auch. Und du und du und du ebenfalls!

Dieses Zitat aus meinem diesjährigen Novemberschreiben-Manuskript  namens Keine Ahnung passt irgendwie zu meiner aktuellen Stimmung. Zu den zwei Herzen, die heute Nachmittag in meiner Brust schlugen. Nun schlägt nur noch eins, denn irgendwann musste ich mich schließlich entscheiden: Zürich oder nicht?

Mein lieber Freund M. und ein gemeinsamer Freund, P., hatten zu einer Lesung mit Impro-Konzert geladen. Soll ich fahren? Soll ich nicht? M., ein weiterer gemeinsamer Freund, hätte mich sogar begleitet. Doch schließlich siegte meine innere Faulpelzin. Nach einem langen Tag unterwegs im Oberland hatte ich ihr das Ruder überlassen. Ist okay … Nein sagen ist okay.

Na ja … nun gilt es allerdings weitere Entscheidungen zu treffen. Lesen? Oder Schreiben? Oder mal wieder einen Film gucken? Gopf, wieso müssen wir uns eigentlich ständig für oder gegen etwas entscheiden?

Vielleicht werde ich mich einfach aufs Sofa legen und einfach wieder mal NICHTS tun!

Keine Apartheid in der Werkzeugkiste

Ja, genau so muss der Titel dieses Artikels lauten. Ob der Text, den ich jetzt gleich dazu schreiben werde, wohl zu ihm passen wird? Mal gucken. Doch wo anfangen? Was ist relevant und darf ich nur titelrelevantes erzählen. Oder darf ich dort anfangen, wo ich mich heute Nachmittag in den „Mahlstrom“ von Berns Einkaufsüchtigen eingespeist habe, um J.s Worte zu plagiieren? Obwohl das alles keine Relevanz zum Titel hat.

Mal sehen, ob sich übrhaupt etwas über meine zwei Stunden in der Stadt sagen lässt … (selber schuld, wenn du weiterliest …) Meine Liste der in Berns Innenstadt zu besorgender Dinge war täglich gewachsen, so dass ich mir heute ein Herz gefasst und mich in die Höhle der Löwinnen und Löwen gewagt hatte. Mitten ins Getümmel! Besser jetzt noch, dachte ich mir, als in einer Woche. Besser nicht schon wieder verdrängen und verbummeln. Von prokrastinativen Rachefeldzügen habe ich im Moment genug.

Item. Erster Punkt auf der Liste: Buchladen. Buch für Patensohn. Ja, ein Weihnachtsgeschenk, ich gestehe es. Das einzige. Auch das gestehe ich freimütig. Alles andere waren Dinge des täglichen Bedarfs und fürs Büro. Papeterie, Bioladen und Naturapotheke wurden angepeilt. Nur genau zwei Stunden habe ich gebraucht und kein bisschen Stress, kein bisschen Hektik kamen auf. Auch waren noch waren alle Verkäuferinnen und Verkäufer freundlich. Und noch war ein Durchkommen in den Läden.

Mantrisch und meditativ arbeiten, möge ich heute. Was für ein Wort zum Tag! Gefischt aus einer Mail von J. und mutig umgesetzt. Sogar in der Freizeit.

Zurück zuhause hängte ich endlich meinen goldgelben Vorhang auf, den ich am Sonntag im Schrank gefunden hatte. Damit mein Gästezimmer, auch wenn es Nacht geworden ist, freundlich aussehen darf und ich beim Crossen nicht immer schwarze Fensterlöcher anstarren muss.

Also los. Das Ding montieren … Werkzeugkiste auf, Bohrmaschine, Schraubenzieher … Schon bald hängt das Teil und ich will das ganze Zöix wieder wegräumen. Dazu klappe ich den Deckel meiner Werkzeugkiste auf. Super-Gau: Lärmend poltern auf einmal Hunderte von Schrauben und Nägeln, die im Deckel der Kiste eingelegt und normalerweise mit einem speziellen verschließbaren Klappdeckel geschützt sind, zu Boden. Darunter solche, die über mindestens zwanzig meiner Lebensjahre berichten könnten. Hach, was nützt schon ein verschließbarer Deckel, wenn er offen steht! Wie war das doch gleich? Meditativ und mantrisch leben!

Ich atme aus und kann mir ein Kichern nicht verkneifen. Ich verlasse das Chaos und gehe erst mal in die Küche. Wo das nächste Chaos lauert. Schmutziges Geschirr im Spültrog. Ich schaue einfach nicht hin, ignoriere alles, denn jetzt brauche ich erst einmal eine Pause. Muss was essen und trinken. Aufräumen geht nach einer Pause eh immer viel besser.

So viele Schrauben und Nägel! Wieso werden die eigentlich immer im Dutzend oder so verkauft? Wo wir doch meistens nur zwei bis zehn Stück brauchen? Was für eine Verschwendung! Kunstwerke nehme in mir drin Gestalt an. Kunstwerke, die aus all dem Überschuss aus all den täglich gekauften Großpackungen entstehen könnten. Müssten!

Ich beginne, die mit der Kehrschaufel vom Boden gefischten Schrauben und Nägel meditativ und mantrisch nach Größe in die sechs kleinen Fächer umzuverteilen. Am Schluss würden so nur noch Nägel in der Schaufel liegen. Denke ich mir so. Hm.

Wäre ich lieber Schraube oder lieber Nagel? Nur ein einziges Mal zu gebrauchen, dafür lebenslänglich am gleichen Platz? Oder doch lieber immer wieder? Und wäre ich lieber stabil oder biegbar? Drehbar? Einfach so ein Teil zum Reinhauen? Beim Rausgeholtwerden jedoch würde ich achtlos verbogen und vermutlich weggeworfen. Dann doch lieber Schraube!, entscheide ich. In einen Dübel geschmiegt, Lasten tragend? Na ja … vielleicht doch lieber Mensch. Am liebsten mich selber.

Irgendwann wird mir das Sortieren zu bunt. Fertig meditiert. Bin ja nicht in der Psychi. Und überhaupt: Wozu? Wenn ich eine Schraube oder einen Nagel brauche, wühle ich ja ganz gerne in der Fülle. Außerdem ist mir eh jegliche Form von Ausgrenzung zuwider. Es lebe die Vielfalt! Integration statt Segregation! Her mit den Minaretten!

Ha. Und nun habe ich es sogar geschafft, ungefähr das zu schreiben, was der Titel verheißt … und erst noch ganz meditativ.

Halbmast

„… heute wurde L., die Tochter meiner Freundin L., am Herz operiert …“, hatte ich vorgestern geschrieben. Shame on me! Die zweite Herz-OP von L. ist – falls überhaupt notwendig – noch irgendwo in weiter Ferne! Missverständnisse sind zwar menschlich, aber dieses hier auch ziemlich peinlich. Sorry.
Doch immerhin wurden L. am Donnerstag zwei dramatisch verwachsene Weisheitszähne raus gebaggert. Auch nicht schön, wenn auch weit weniger dramatisch. Ein ambulanter Eingriff. Die junge Lady war zwar gestern noch angeschlagen und aß Schmerzmedis, außerdem tat ihr Lachen, unsere gemeinsame Lieblingsbeschäftigung, ziemlich weh, doch ansonsten war sie bereits wieder auf Halbmast.

Im Gymer, den sie seit Sommer besucht, habe sie im Literaturunterricht einen Text von mir vorgelesen, erzählte sie mir. Aus dem Buch Feier-Tage (Anthologie). Die SchülerInnen sollten Gegenwartsliteratur und -autorInnen vorstellen, die sie mögen. Mit meiner Geschichte Jenseits des Nebels stellte sie ihrer Klasse also – öhm, hüstel – eine von ihr gemochte aktuelle Gegenwartsautorin vor: Mich. Gopf. Die kleine große L.! Hach. Was kann frau mit einer 17jährigen bereits toll diskutieren! Dabei war sie erst noch ein Baby. Genau so eins wie Little-B., der auf den Tag genau 17 Jahre nach L. geschlüpft ist, am 28.9.09. Und den ich am Donnerstagabend und am Freitagmorgen geschösselt habe. Süßer Bursche, der mich zur Begrüßung gleich angelacht hat, als würde er mich schon immer kennen.

Hach, wie schön es doch bei meinem Freundinnen B. und L. war! Was für ein Geschenk!

eigentlich #1

Eigentlich müsste ich jetzt gar nichts mehr. Eigentlich sollte ich tun, was ich mir heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit vorgenommen habe. Nicht zu bloggen nämlich. Den Abend lesend – ohne Internet und Mail – zu verbringen. Zumal ich die nächsten Tage wenig Muße dazu finden werde. Eigentlich. Oder jedenfalls nur kurz. Später crossen. Und vielleicht ein Bad nehmen. Vor allem mal wieder einfach nur lesen. Herausfinden, ob Fidelma schon mehr weiß.

Wären da bloß nicht diese vielen Fragmente in mir drin, diese Gedankenbrösel. Sie wollen aufgeschrieben werden, denn in meinem Kopf drin ist es ihnen zu eng.

Ab halb vier Uhr lag ich wach. Vollmond? Nicht Sorgen waren es, die mich wachhielten. Vorfreude auf die baldigen Ferien? Ja, das auch. Doch vor allem musste ich mich wohl mal wieder synchronisieren. So nannte es J., als ich ihm neulich dieses Phänomen erklärte. Wenn ich überlastet bin, bleibt die Verdauung all der vielen alltäglichen Eindrücke auf der Strecke. Und wenn ich nicht wieder (r)ausdrücken kann, was sich bei mir tagsüber eingedrückt hat. Logisch irgendwie. Stau! Bis zu jenem Moment, wo ich zur Ruhe komme und es fließen lasse. Selbst wenn es halb vier Uhr nachts ist. Da hilft nur eins: In Ruhe den Gedanken zuhören. Mich von ihnen einholen lassen. Mich wieder auf Echtzeit tarieren. Synchronisieren eben.

Schreiben ist übrigens eine gute Möglichkeit, mich zu synchronisieren. Malend geht es ebenfalls. Hauptsache keine Ablenkung. Denn ich bin die Weltmeisterin in der Fähigkeit, mich ablenken zu lassen! Wie viele Minuten Arbeitszeit ich wohl täglich verbrate, weil ich ständig abgelenkt werde und mich ablenken lasse? *Flüstermodusein* Wie gerne ich mich doch ablenken lasse! Ich liebe es! *Flüstermodusaus* Ständig latscht jemand daher und will was von mir. Oder dann klingeln Mailbox oder Telefon. Ständig muss ich reagieren. Muss ich?

Das Gegenteil tut Not. Und gut. Zu- statt Ablenkung! Einmittung, KonZENTRation.

Multitasking kann ich zwar, aber wozu? Ich kann nicht gleichzeitig im Internet einen schönen Text für unseren Weihnachtskartenversand finden und mit dem Webmaster unserer Bude telefonieren. Geht nicht! Und ich kann nicht gleichzeitig meiner Arbeitskollegin erklären, welche Infos ich von ihr brauche und gleichzeitig Mails schreiben. Geht nicht!

Wie Beppo, Momos Straßenkehrer, eine meiner Lieblingsgestalten aus der Literatur, will ich Schritt für Schritt vorwärts gehen. Einatmen. Wischen. Ausatmen. Oder auch mal rückwärts. Und ab und zu mal Nein! sagen. So lässt es sich leben.

Und so auch:

Das einzige Mittel, das Leben zu ertragen ist, es schön zu finden.
Rudolf Leonhard (27.10.1889 – 19.12.1953)

Durchatmen

Reizüberflutung pur. Von der Arbeit fast direkt, mit kurzem Boxenstop, zu meiner Freundin C.; ihr wisst schon, meiner Lieblingshofcoiffeuse und so. Bisschen mich verwöhnen lassen. Echt wahr, niemand wäscht mir die Haare so toll wie sie! Wir tauschen aus. Teilen, was uns bewegt.
Dann ab die Post. Auf die Post. Dann Einkaufen. Dann nach Hause, Einkäufe wegräumen. Schon kommt K. und wir arbeiten ein paar Stunden am PC, scannen seine Papiere ein. Plaudern. Essen. Die Zeit vergeht im Nu. Ich freue mich bereits auf die Massage, die ich dafür bekomme.
Dabei wollte ich doch noch so viel! Mailschulden abtragen, zum Beispiel. Und einfach ein bisschen Nichtstun. Abhängen.

Verdoppeln können möchte ich mich zuweilen. Während mein einer Teil sich erholt, tut der andere, was zu tun ist. Abwaschen und so Sachen halt. Und bloggen … Denn die, die hier grad ein paar Zeilen in die Tastatur hackt, ist jener zweite Teil. Der erste erholt sich grad. Auf dem Sofa. Und hört sich dazu die neue Scheibe von Animal Collective an. Ganz großes Kino!

Promis gesucht

N.
rück grat!
Wer sonst?
Oben. Unten.
Eindeutig klar!
G.s Hingabe galt der Diagonale
schon immer.
Schiefe Ebene,
weich.
Wem D. gefällt,
gefällt auch mir.
Liegt braun
und erdig da.
Gehört allen.
A., wen suchst du?
Sind alle schon weg!
Das heißt:
Ganz hinten steht noch einer,
durch den heute keiner mehr will.
Doch die alten Römerinnen mochten A..
Wozu auch immer.
Oder wodurch?
Weil er die Antworten kannte womöglich.

Und du?

Kennst du die vier oder gar fünf namentlich hier abgekürzten Gesellen? Hast du sie womöglich heute schon gesehen?
Antworten bitte unter Kommentare.

ausgraben

Empathie, so hatte ich neulich behauptet, Empathie und Respekt, angereichert mit Menschenverstand, seien die Basis glücklicher Gesellschaften. Ob das genügt? Reicht dieses simple Rezept, um die Pflanze namens Mensch gedeihen zu lassen? Wirklich gedeihen, üppig und blühend? Nicht einfach bloß dastehen soll sie, wie eine Stoffpflanze aus dem Großverteiler. Ihr wisst schon: So eine, die kein Wasser braucht und trotzdem schön tut. So eine, die einfach da ist, ohne zu wissen weshalb. Nein, das reicht wohl nicht.

Was weiter unten steckt, muss raus. Jener Dünger, den wir alle brauchen. Hingabe ans Leben. Diese Worte aus Glas. Verletzlich. Zerbrechlich. Und noch tiefer unten: das andere Wort. Nein, mehr als ein Wort. Mehr als ein paar Buchstaben. Alles. Das verbotene Wort, das alle kennen und niemand versteht. Four-letter-word. Will heißen fünf, wenn wir deutsch fühlen. Noch zerbrechlicher, drum gut verpackt. Unter der Wurzel. Im Erdreich.

Ausgraben, mit bloßen Händen, will ich es. Mich hingeben. Dem Leben.

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Übe die Kunst des Vergessens!, sagte er. Übe diese Kunst solange, bist du vergessen hast, dass sie eine Kunst ist. Bist du vergessen hast, dass Wissen angeblich nützlich ist. Bis du vergessen hast, dass du bist.

Wie kann ich denn wissen, wann ich mich genug vergessen habe?, fragte sie.

Keine Ahnung!, sagte er, das habe ich längst vergessen.

Worauf sie vergaß zu fragen, warum. Und ohne zu wissen, weshalb.

erlaubt

Ohne Berge keine Täler, ja … aber sterben?, fragt Rébecca im letzten Kommentar. Das eine nicht ohne das andere?

Berge stehen bei mir für jenes außerordentliche Glück, für jenes ganz spezielle Mit-mir-selbst-und-der-Mitwelt-im-Einklang-Erlebnis, für diesen ganz besonderen Zustand von Flow, von Ganzsein. Außerordentlich deshalb, weil ich es wohl nicht ertrüge, immer in diesem Glücksfluss zu baden. Ständig berauscht von Glück zu sein können wohl nur die Gestorbenen. Vielleicht nicht mal die.

Leben ist für mich immer ein bisschen sterben, liebe Rébecca. Auch unsere Zellen erneuern sich ja ständig. Aus Totem entsteht neues Leben. Kompost und so. Und, ja, im Tal stirbt es sich vermutlich leichter. Nur deshalb schon, weil sie der sterbende Mensch sich angesichts seines Todes die Anstrengung des Hochsteigens erspart. Metapher? Logistik? Ironie? Egal.

Täler jedenfalls stehen bei mir für Alltag. Im Tal wohnt das ordentliche Glück. Jenes, das mich lächeln lässt, wenn ich vor mich hin summend, mit einem Lieblingsstück in den Ohren, auf dem Rad zur Arbeit fahre und einen anderen lächelnden Menschen kreuze. Jenes Glück, das mich erfüllt, wenn ich mit einer Arbeitskollegin über ein geniales Buch diskutiere. Oder wir alle völlig sinn- und arglos in der Arbeitspause rumalbern. Oder wenn mich ein schöner Brief im Briefkasten erwartet. Alltagsglück eben. Alltag …

Alltagspflicht? … tun … zielen … ?
Warum müssen wir?, zitiert mich Donna. Eine Frage, die ich mir immer wieder stelle. Der Polarität wegen – fürs Gleichgewicht? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Oder vielleicht auch bloß wegen unserer Kompromissfähigkeit oder unserm latenten Harmoniebedürfnis?

Wie froh ich bin, dass ich als Gegengewicht zur harten Realität, eine paar weiche Realitäten habe. Meine kreative, zum Beispiel, die befriedigend und lustvoll ist. Den Wörtern beim Schlange stehen zuzuschauen – wie auch bei Bredenberg –, macht eben einfach Spaß. Und inspiriert. Regt an. Zum Denken. Zum Spinnen. Zum Fühlen. Zum Sofasophieren auch.

Darüber zum Beispiel: Wäre nichts verboten, was dann? Keine Verbotstafeln zum einen, was Irgendlink bestimmt bedauern würde (oder vielleicht auch zu neuen kreativ-subversiven Höchstleistungen anspornen?). Zum anderen aber wäre mit einem Verbot von Verboten ja nicht automatisch alles erlaubt. Eine Gesellschaft ohne Verbote – nicht nur ohne die diesbezüglichen Tafeln, wohlverstanden! – muss wohl  eine sehr glückliche Gesellschaft sein, eine, die begriffen hat, dass sich lebenswertes Zusammenleben nur auf der Basis von Empathie und Rücksicht wirklich umsetzen lässt. Und von gesundem Menschenverstand. Was auch immer das ist …

obsi & nidsi – rauf & runter

Darf ein Leben (obwohl unvollkommen oder gerade deshalb) mit Unnötigem angefüllt werden, das unsere biologische Festplatte für wichtiges verstopft? Wer sagt ja oder nein? Und wer sagt, was unnötig, was wichtig ist? Wenn wir alles Überflüssige deleten würden, was bliebe dann noch?
Und ist, was bleibt, nichts mehr oder alles?

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Sterben tut man im Tal, sagte J.. Auch die, die auf dem Berg leben.
Wir können nicht immer auf dem Berg, wir können nicht immer oben sein,
sagte P. Wir müssen hin und wieder runter kommen.
Warum?
Warum müssen?
Warum müssen wir?,

fragte ich.