Ausgelesen #9 – Bis ans Ende der Geschichte von Jodi Picoult

Buchcover PicoultIn Jodi Picoults Buch Bis ans Ende der Geschichte (Original: The Storyteller) kommt das Wort Geschichte in seiner ganzen Mehrdeutigkeit zum Zug. Anders als die beiden englischen Wörter Story und History, die zum einen auf die reale, historische, zum anderen auf die fiktive Möglichkeit einer Geschichte hinweisen, können wir unser Wort Geschichte hier gerne als ein Wort mit Vorsilbe interpretieren. Ein Geschiebe, ein Gespinst, ein Geschichte, ein Aufeinandergeschichte, ein Nebeneinandergeschichte von Dingen, von Menschen, von Erfahrungen, von Erzählungen – das erfahren wir in diesem Buch hautnah. Nicht nur erzählt Picoult meisterhaft – wie schon im von mir hochgelobten Buch Die Spuren meiner Mutter –  parallalel mehrere Geschichten, hier jene der Hauptfiguren Sage, Josef, Leo und Minka, auch erzählt sie als weiteren Strang die abenteuerliche Gruselgeschichte nach, welche Minka vor siebzig Jahren im KZ buchstäblich das Leben gerettet hat.

Die fünfundzwanzigjährige Sage ist Bäckerin aus Leidenschaft. Seit einem Autounfall, an deren Folgen ihre Mutter gestorben ist, fühlt sie sich schuldig, weil sie den Wagen gelenkt hat. Als eine Art Selbstbestrafung besucht sie nun schon set drei Jahren eine Trauergruppe, wo sie den über neunzigjährigen Josef Weber kennenlernt. Trotz des großen Altersunterschieds spüren die beiden die geheimen Wunden des jeweils andern und werden schließlich Freunde. Josef erzählt Sage eines Tages seine schreckliche Geschichte und bittet sie um einen höchst ungewöhnlichen Freundschaftsdienst. Doch das Geheimnis ist für Sage zu groß und sie holt sich Hilfe beim Anwalt Leo, dem sie sich – obwohl sie eine Eigenbrötlerin ist – nach und nach öffnen kann. Mit Leos Unterstützung gelingt es Sage endlich, ihre Großmutter, eine KZ-Überlebende, dazuzubringen, ihnen ihre Geschichte zu erzählen.

Mit unglaublicher und brutal schmerzhafter Detailtreue und Glaubwürdigkeit bringt Jodi Picoult uns vier so unterschiedliche Lebenswege nahe. Aus unterschiedlichen Perspektiven sehen wir die Wirkungen dieser Menschen aufeinander. Umrahmt wird alles von Auszügen aus Minkas Gruselgeschichte, die sie in den ersten Jahren des Krieges, damals noch in vermeintlicher Sicherheit, zu schreiben begonnen hat. Selbst im KZ hat sie, auf die Rückseiten von Fotos, weitergeschrieben und erzählt.

Am Ende der Geschichte und am Ende aller Geschichten ist alles anders. Und wir wissen nicht, wie die Geschichten zu Ende gehen; weder die aus Minkas Notizbuch, die sie nach dem Krieg erneut aufgeschrieben hat, noch jene, die im Buch stehen, das ich eben gelesen habe.

Eine Gesichte gekonnt in einer Geschichte zu verpacken ist eine große Kunst, doch hier gleich liegen fünf Schichten – was sage ich da? zig Schichten! – nebeneinander, weitesgehend kunstvoll verwoben und dennoch auch ein bisschen so chaotisch wie all die Leichen, die Minka in den KZ  gesehen hat. Und über die sie siebzig Jahre zu reden verweigert hat.

Ein Buch über Schuld und die Idee des Verzeihens, über Freundschaft, Familie und Liebe und auch ein Buch über die Sehnsucht nach all jenen Menschen, die nicht mehr da sind.

Depressionen – zwei Tipps #notjustsad

Heute Abend seid ihr herzlich eingeladen – so ihr in Hamburg oder der Umgebung wohnt oder hinfahren könnt oder wollt –, einer Lesung über das Leben mit Depressionen beizuwohnen. Markus Bock, der in seinem Blog, auf Twitter und in seinem Buch (Link folgt) über sein Leben als von Depressionen betroffener Mensch erzählt, wird persönliche Erfahrungen teilen. verbockt - Buchcover In „Die Depression hat mich bestimmt. Jetzt bin ich dran. Vielleicht …“ erzählt Markus ungeschönt von der Gefühlswelt in depressiven Lebensabschnitten. Das Buch ist kein Ratgeber, sondern ein verständnisvoller Tatsachenbericht: Ob der Suizid der vermeintlich letzte Ausweg ist und warum suizidale Menschen nicht egoistisch sind, auch diese Frage versucht er zu beantworten.

Wo? Im Hörsaal in Hamburg, um 18.30 Uhr  > hoersaal-hamburg.de

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Nächsten Freitag, also heute in einer Woche, erscheint Uwe HaCover Buch von Uwe Hauckucks erstes Buch Depressionen abzugeben. Uwe schreibt darin über seine Erfahrungen mit der Klapse, nachdem er seinen Suizidversuch im letzten Moment abgebrochen. Mühsam hat er den Weg zurück ins Leben gefunden. Mit seinem Buch will er aktiv dazubeitragen, das Tabu, das Stigma, das Depressionen anhaftet, aufzulösen. Auch Uwe Hauck bloggt und twittert.

Ich habe vom Verlag ein Rezensionsexemplar erhalten und werde hier bald über das Buch berichten. Die ersten Seiten haben mich bereits sehr berührt.

Vorbestellen könnt ihr das Buch als Print- und als eBook bereits jetzt in eurer Buchhandlung.

Das Vielleicht-Ding namens Leben

Vielleicht muss man ja die Vergeblichkeit des Lebens akzeptieren um wirklich sinnvoll leben zu können.

Und vielleicht ist Leben eins dieser Puzzles da mit all den vielen kleinen einzelnen Stücken, die überall herumliegen.

In seinem letzten Buch, Treibsand*, schreibt Henning Mankell über sein Leben als an Krebs Erkrankter. Er schreibt über Vergänglichkeit und Vergeblichkeit, über Eitelkeiten beim Gedanken an die Nachwelt und er schreibt auch über all die Spuren, die wir für jene legen, die nach uns kommen. Und darüber, wie schnell wir alle vergessen sein werden. Und dass das vielleicht gar nicht mal so schlecht ist.

Vielleicht ist ja manches, das im Leben ist, wie es ist, ein wenig wie mit Javascript? Vorhin, als ich meinen Rechner gestartet hatte, glaubte ich zuerst an eine WordPress-Panne. Mein Editor, in welchen ich diesen Text hier einfügen wollte, zeigte mir nur noch die Text-Version (= html) an, der Kommentarknopf blieb stumm und als ich auf Twitter um Lösungen fragen wollte, blieb auch dort der Textknopf stumm. Also versuchte ich über den neuen WordPress-Editor, den verhassten, zu bloggen, doch selbst dieser tat keinen Wank. Er könne nicht geöffnet werden, weil javascript nicht installiert sei, sagte die Seite, die auftauchte. Javascript ist kurzgesagt eine Art (Geheim-)Sprache, die interaktive Elemente liest und für uns sicht- und nutzbar macht.

Aber wie soll das gehen? Ich habe doch seit gestern nichts deinstalliert und Java ist auf meinem Browser Standard? Keine Ahnung, wie das geschehen konnte. Nach einigen Recherchen konnte ich über die Browsereinstellungen Java wieder als true statt als false konfigurieren. Ein einziger Klick in einer verborgenen Welt machte aus einem Nicht-möglich ein Möglich. Ich mag ja solche Metaphern aus der technischen Welt.

Seltsame Hintergrundkonfigurationen haben wir alle. Warum ein Knopf gestern noch ON und heute OFF ist, weiß ich nicht. Ich kenne nicht alle Mächte und Kräfte, die auf mein Leben einwirken. Manche kann ich, wenn ich sie doch irgendwie erkennen kann, beeinflussen, manche nicht.

Darüber dachte ich nach, gestern, im Wald. Und wie es kommt, dass ich an manchen Tagen das Leben ganz okay finde, während ich es an anderen knapp schaffe, sie zu überleben.

Was mir hilft, ist, ein bewusstes Leben im Augenblick zu üben. Tage, an denen ich bewusst lebe, fühle, denke, hinschaue, nachspüre, sind anders als Tage, an denen ich versuche wegzufühlen, nicht hinzuschauen, Schmerz von vornherein zu vermeiden. Obwohl bewusste Tage manchmal viel mehr wehtun als unbewusste, hinterlassen sie einen Abdruck, ein Echo. Unbewusste vergehen ungefühlt, stumpfen mich ab, klagen mich zuweilen im Nachhinein sogar an, behaupten, ich hätte sie ignoriert (womit sie recht haben).

Bewusst leben heißt, mir der Vergeblichkeit jeden Strebens bewusst zu sein. Nicht dass ich nicht streben könnte, dürfte, zuweilen wollte, manchmal müsste, aber – und das macht vermutlich den Unterschied – wenn ich weiß, dass letztlich alles vergeblich ist, tut leben weniger weh.

Für Mankell liegt das Einzigartige des Lebens in seiner Endlichkeit, in seiner Einmaligkeit. Ich persönlich teile seine Sicht nicht, dass das Leben mit dem Tod zu Ende geht. Zwar bin ich nicht religiös, das nicht, aber ich glaube dennoch, dass auch der Tod zu den Grundbedingungen des Lebens gehört. Die Rückseite von Hier und von Jetzt. Alles, was ist, ist immer auch sein Gegenteil. So sinnierte ich gestern auf meinem Waldspaziergang.

Erst am Abend entdeckte ich Irgendlinks Artikel über Die schönste Straße der Welt, worin er sich ebenfalls, wie so oft, Gedanken zum Leben macht. Und meinen gar nicht mal so Unähnliche …


Zitate aus Treibsand von Henning Mankell:

1. Zitat auch Treibsand von Henning Mankell2. Zitat auch Treibsand von Henning Mankell3. Zitat auch Treibsand von Henning Mankell

Ich habe mich zurückgezogen, um im Innen zu suchen

Heute einen weiteren Text von Ksenia Anske, aktueller denn je:

Es gibt keine Pfade, wohin ich gehe, nur Chaos. Es gibt keinen Ton, nur verstümmeltes Rauschen. Es gibt kein Oben oder Unten, kein Links oder Rechts. Ich muss es aus dem Nichts erschaffen und einen Sinn für etwas bilden, das nie als sinnvoll gedacht war, und doch: wenn ich es nicht tue, wird es mich weiterhin jagen, sich an mich heranschleichen. Es wird mich weiterhin von innen auffressen, bis es mich hohl und spröde macht; und ich werde zusammenbrechen wie ein Hautsack ohne Knochen, die ihn halten könnten, sie sind verrottet, das Fleisch längst aufgefressen von (all) den Ängsten, den Zweifeln und dem Selbsthass. Es ist der Weg des Vollendens meiner Reise. Wenn ich endlich in der Lage sein werde, (meine Erfahrungen) zu teilen. Noch bin ich nicht durch, habe aber womöglich die dunkelste Ecke umgedreht.

Ich bin an der Unterseite des Denkens und des Umdenkens, des Träumens und des Wiederträumens, des Entdeckens und des Verlierens und des Wiederfindens jenes schwerfälligen Selbst, das vor langer Zeit verloren und zerrissen und über das Chaos, das sich in mir eingenistet hatte, verstreut worden war. Es ist schwer zu ertragen; es wiegt schwer, und es dreht meinen Weg, den ich gehen will, auf den Kopf; meine Vergangenheit, meine Erinnerungen, meine Geschichte, meine Lebensereignisse, die mich geformt und zerstört und mich von Neuem geformt haben. Vielleicht bin ich auf einer Pilgerreise, tief in meine eigene Psyche eindringend wie in eine Wüste, meine Füße durch den Sand des Unbekannten schleppend, meine Kehle tropfend, meine Augen von der Sonne geblendet, meine Haut täglich aufs Neue verbrannt, um bei Nacht von der Kälte zu erstarren und am Morgen erneut verbrannt zu werden.

Es gibt keinen Platz für etwas anderes an diesem trostlosen Ort. Ich muss da alleine durch. Ich muss nicht finden, was ich zu suchen glaubte, sondern was ich zu mir kommen lassen werde. Und dafür muss ich weiter suchen.

Es beunruhigte mich diese letzten Wochen sehr, mein völliges Desinteresse an allem, was um mich herum geschieht – das Leben meiner Familie, der Freunde, der kleinen Ereignisse in der Welt und die großen. Es ist, als würde ich über sie hinweg gleiten und sie nicht sehen. Auch mag ich nicht sprechen. Ich will nur schweigen und wandern und wandern und wandern, wohin niemand außer mir gehen kann. Und vielleicht fällt diese Wanderung mit dem Schluss von TUBE* zusammen, als ich an einen Ort gelangte, wo ich mit meinem inneren fünf Jahre alten Kind gesprochen habe und wir zusammen weinten. Und das war nicht genug, es fühlte sich vielmehr wie der Anfang der Rückholung an, (der Rückholung all dessen,) was verloren war. Manchmal bin ich so tief (in mir selbst) drin, dass ich absolut nicht unter anderen Menschen funktionieren kann. Ich kann nicht begreifen, was sie zu mir sagen oder was sie tun und warum es wichtig ist, und oft weiß ich nicht wie antworten.

Ich habe Menschen in dieser Phase ihrer Reise kennengelernt. Ich verstand sie damals nicht. Ich hielt sie für distanziert, für stehengeblieben. Oder ich dachte, sie sind traurig oder deprimiert. Jetzt weiß ich, dass es nichts dergleichen ist. Es ist nicht Unnahbarkeit, nicht Depression. Es ist eine andere Art von Isolation, die Art, durch die man (sich) alleine graben muss, weil das Graben nur von dem getan werden kann, der sucht.

In gewisser Weise teile ich dieses Stadium mit euch von diesem meinem anderen Ende aus, von wo aus nur ich blicken kann. Aber ich denke, ein Teil davon ist bei TUBE geschafft worden, und so verwandelte sich meine Geschichte in eine, die universell ist. Eine Geschichte jeder Frau, die ihr jüngeres Selbst sucht, um sich wieder mit ihm zu vereinigen, nachdem dieses Selbst brutal von ihr abgetrennt worden war. Die Doppelnatur vieler (verrät,) dass wir oberflächlich betrachtet nicht die sind, die wir wirklich in Fleisch und Blut (und in den Knochen) sind. Die Suche nach den (verlorenen) Teilen braucht Zeit, ebenso das Zusammenbauen, das Ausbessern, das Wiedereinsetzen. Ich dachte in letzter Zeit oft an ‚Die Näherin‘, jenes Buch, das ich über ein Mädchen schreiben werde, das andere Leute werden kann, indem sie ihre Kleider kopiert und sie sich anzieht. Die zerbrechliche Natur dieser Buchidee entspricht meine eigene zerbrechlichen Natur, meiner Sehnsucht, mich wieder zusammenzuheften, die Stiche zu Narben zu machen und dieses Narben-Kleid an einen Ort zu hängen, wo ich es sehen und wo es mich an die Kämpfe erinnern kann, die ich gewonnen habe, weil ich am Leben bin. Leider kann ich den Titel ‚Die Näherin‘ nicht verwenden und muss mir etwas anderes einfallen lassen. Es gibt bereits zu viele Bücher mit diesem Titel.

Aber ich verlasse das Thema (allmählich). Das ist gut so. Es sagt mir, dass ich die Schmerzen auf Papier gebannt habe, ebenso die Angst, dass ich, indem ich diese Zeit für mich suchte, irgendwie eine sehr sehr schlechte Mutter, eine schlechte Partner, eine schlechte Was-immer-du-willst gewesen bin. Bin ich nicht. (Doch) ich wusste es einfach nie, weil ich konditioniert worden bin, so zu denken. Verlernen ist schwer. Aber ich mache es. Ein Blog-Post zu seiner Zeit. Ein Buch auf einmal. Wort für Wort, Satz für Satz, Seite für Seite. Fußspuren hinterlassend, so dass ich, wenn ich bereit bin zurückzukehren, sie suchen kann. Und dann weiß ich, wie ich meinen Weg zurück finden kann und wie ich dir (mit)bringen kann, was ich gefunden habe.

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Copyright by Ksenia Anske (Quelle/Original), mit freundlicher Genehmigung.

Herzübersetzt von Sofasophia


* Ksenias aktuelles Romanmanuskript

Die Notwendigkeit von Stille

Von Ksenia Anske

Diese letzten Szenen von TUBE* haben mich ausgelaugt. Wenn ich jeweils mein Schreibwerk des Tages vollendet habe, bin ich leer und brauche Stille, um mich mit meinem kleinen Selbst zu versöhnen, das mir meine Geschichte erzählt, und um darüber nachzudenken, wie ich es am besten darstellen kann, dass (die Geschichte, die ich erzähle) nicht meine sondern Olesyas Geschichte ist. Um für sie zu fühlen, so viel zu fühlen, dass es daneben keinen Platz mehr für etwas anderes gibt. Dazu brauche ich Stille. Stille. Himmel und Bäume und Wind. Einfach nur Platz, um zu sein. Ohne zu reden, ohne eilig wohin rennen zu müssen oder wegzulaufen.

Vor Jahren konnte ich mir einen Ort wie diesen hier nicht vorstellen: einfach nur Frieden. Je mehr ich schreibe, desto weniger greift mich meine Leistungsangst an, desto weniger habe ich Angst davor, was die Leute über mich oder meine Bücher denken werden, desto weniger will ich jemandem etwas beweisen. Ich bin auf dem Weg, mein kleines Ich zurückzuerobern, so wie es sein wollte, als ich frei und wild und sorglos und glücklich war und einfach nur lebendig.

Ob ich nun Käfern beim Kriechen zuschaute und dabei in einem Haufen Dreck saß, (war egal, denn) es machte mich glücklich und ich kicherte. Oder ich hob Steine von der Straße auf, schiele gegen die Sonne und beobachtete die Kristalle in ihnen, sah sie funkeln und konnte mich so stundenlang beschäftigen. Es kümmerte mich nicht, ob es regnete und ich nass wurde oder ob mein Haar so oder anders aussah oder ob mein Körper falsch war oder mein Gesicht oder mein Geschlecht. Als ich auf der Brücke über einen kleinen Fluss lag, beobachtete ich, wie die Wasserläufer auf ihren langen, dünnen Beinen herumrannten und ich dachte, ich könnte das gleiche tun, wenn ich nicht so schwer wäre.

Ich dachte, dass meine Gedanken unglaubliche Wahrheiten waren, die ich alle auf eigene Faust herausgefunden hatte, nämlich dass die Menschen niemals starben; sie wurden einfach nur sehr alt, und wenn sie zu alt wurden, wurden sie wieder jung, und so ging es im Kreis. Und ich staunte über meine Erkenntnis, dass ich mich nie so ansehen können würde, wie es andere Leute taten, wenn ich nicht ständig in den Spiegel schaute – ich dachte über eine ganze Woche nach, starrte auf mein eigenes Spiegelbild und machte Gesichter.

Wenn ich barfuß herumlief, fand ich es so lustig, den Matsch durch meine Zehen fließen zu hören – es machte dieses lustige Geräusch –, dass ich nicht damit aufhören konnte, bis meine Zehen sich verkrampften.

Selbst das Schlafen war Magie, weil Träume kommen würden, und auch das Aufwachen war Magie, weil es einen neuen Tag mit neuen Dingen gab, die ich noch nicht gesehen oder gehört oder gerochen hatte.

Einfach nur sein, ohne Urteil, Zweifel, Furcht, Angst, Schüchternheit, Unentschlossenheit, Sorge, Angst, Müdigkeit, Nachdenken.

Ich spreche nicht über ein bestimmtes Alter. Ich spreche über Momente, die anfangs reichlich waren, und dann schwanden, als ich heranwuchs, und schließlich ganz verschwanden. Sie kommen jetzt zurück. Aus der Stille. Langsam. Einer nach dem anderen. Sie tauchen aus ihren Verstecken auf. Ich muss sie ausreden lassen. Ich muss geduldig warten, nichts tun, nur suchen und zuhören und nehmen, was ich bekomme.

Ich werde mich zurückfordern. Aus dem Nichts. Aus der Stille. Außerhalb des Schreibens.

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Copyright by Ksenia Anske (Quelle/Original), mit freundlicher Genehmigung.

Herzübersetzt von Sofasophia


* Ksenias aktuelles Romanmanuskript

Ausgelesen #8 – Die Spuren meiner Mutter von Jodi Picoult

Buchcover von Die Spuren meiner Mutter»Die dreizehnjährige Jenna sucht ihre Mutter. Alice Metcalf verschwand zehn Jahre zuvor spurlos nach einem tragischen Vorfall im Elefantenreservat von New Hampshire, bei dem eine Tierpflegerin ums Leben kam. Nachdem Jenna schon alle Vermisstenportale im Internet durchsucht hat, wendet sie sich in ihrer Verzweiflung an die Wahrsagerin Serenity. Diese hat als Medium der Polizei beim Aufspüren von vermissten Personen geholfen, bis sie glaubte, ihre Gabe verloren zu haben. Zusammen machen sie den abgehalfterten Privatdetektiv Virgil ausfindig, der damals als Ermittler mit dem Fall der verschwundenen Elefantenforscherin Alice befasst war. Mit Hilfe von Alices Tagebuch, den damaligen Polizeiakten und Serenitys übersinnlichen Fähigkeiten begibt sich das kuriose Trio auf eine spannende und tief bewegende Spurensuche – mit verblüffender Auflösung.« Schön und gut, aber dieser Klappentext verschweigt, wie sehr mich das Buch erschüttern wird.

Ja, von der ersten bis zur letzten Seite hat es mich gefesselt, dieses Buch. Und begeistert. Und zu Tränen erschüttert. Nicht zuletzt wegen der gewählten Erzähltechnik: Die Autorin lässt kapitelweise immer wieder eine andere der Figuren in Ich-Form aus ihrer Gegenwart und Vergangenheit erzählen, was mir als Leserin nicht nur tiefen Einblick in die einzelnen Geschichten und deren Zusammenhang mit allen anderen gibt, sondern auch in die Welt der Elefanten. Schon als Kind haben mich diese Tiere fasziniert, doch darüber, dass sie so klug, so sozial und so sehr zu Trauer und Beziehungen fähig sind, wie das die Autorin – durch die Augen der Elefantenforscherin Alice – beschreibt, war mir nicht bewusst.

Trauer und Verluste sind im Grunde die roten Fäden dieses Romans – bei den Menschen ebenso wie bei Elefanten. So stehen Mutterkind-Beziehungen im Zentrum sowie immer wieder auch die Liebe zwischen Menschen und Menschen, Tieren und Tieren, Menschen und Tieren.

Alice‘ Tagebuch-Stimme erzählt immer wieder vom Elefantenalltag und den Beobachtungen desselben in der Wildnis Afrikas und im später im Reservat in den Staaten. Was ich über das Zusammenleben von Elefanten lese, lässt sich unmittelbar auf die Menschenwelt übersetzen. Jugendliche Elefantenbullen, zum Beispiel, die durch Wilderei ihre Mütter und Väter verloren haben, werden verhaltensauffällig und unverhältnismäßig aggressiv. Weil sie unnatürlich aufwachsen. Bei Elefantenherden ist es die ganze Herde, die das Elefantenkalb aufzieht. Und es sind die Matriarchinnen, die dem Rudel vorstehen. Ein intaktes Rudel, ein intaktes Matriarchat, lässt jedem Kalb genug Zeit und Raum, geborgen und beschützt heranzuwachsen. Ein Kalb wird, nach und nach, als Schwester oder Bruder, in die Aufzucht und Mitverantwortung für die anderen eingebunden, um eines Tages selbst in der Lage zu sein, ein Kalb aufzuziehen. Werden aber Matriarchinnen ihrer Größe und des begehrten Elfenbeins wegen abgeschlachtet, geht mit ihnen gleichsam die Geschichte der Herde verloren, die kollektive Erinnerung. Das Gleichgewicht des Rudels wird gestört und die jungen, zurückgelassenen Tiere wissen nicht oder noch zu wenig, wie das Rudelleben funktioniert. Das Wissen um die Wege zu den Wasserstellen geht zum Beispiel verloren ebenso wie das Wissen um die Zyklen, die Rhythmen des Überlebens in der Wildnis.

Ich schlucke immer wieder schwer beim Lesen und komme nicht umhin, Parallelen zu uns Menschen zu ziehen. Zu all den jungen Menschen, die ohne Leitplanken aufwachsen, zu all den älteren Menschen, die verlernt haben, Vorbilder zu sein.

Das Buch dreht sich aber weit mehr um Menschen als um Elefanten. Um Menschen, die etwas verloren haben, sich selbst, einen lieben Menschen, eine Gabe. Es geht um Menschen, die vermissen und die suchen.  Nicht zuletzt auch durch die feine spirituelle Note, die durch das sehr glaubwürdig dargestellte Medium Serenity eingebracht wird, hat mich dieser Roman tief berührt und erschüttert. Und auch wegen der letzten Seiten, dieser Auflösung, mit der ich so wirklich nicht gerechnet hatte, die aber schlussendlich alles Vorherige in einen Zusammenhang stellt und mich besser verstehen lässt.

Vorhin habe ich mich auf der Webseite des Elephant Sanctuary in Tennessee umgeschaut, welches im Buch vorkommt. Ein riesiges Reservat, ein Heiligtum für Elefanten, die in Zirkussen oder Zoos gelebt haben und aus unterschiedlichen Gründen schließlich ins Sanctuary übersiedelt wurden, wo sie nun endlich so artgerecht wie möglich leben können. Und ja, auf einmal sehe ich die Elefanten dort mit anderen Augen, sehe ihre Gesichter, ihre Gesten, ihre Haltung anders.

Das Buch ist ein großartiger Herz- und Augenöffner.

Keine Regel ohne Ausnahme – Liebster-Award again

LIebsterBlog-AwardLang ist es her, dass ich hier herumgetönt habe, man möge mir doch bitte keine Stöckchen und Awards mehr zuwerfen. Nicht aus Arroganz schrieb ich das, denn ich fühlte mich immer sehr geehrt bei Nominierungen und Stöckchenwürfen in meinen Garten; eher bat ich wohl darum, weil ich nicht so gut darin bin, Regeln anderer einzuhalten. So irgendwie.

Dass ich jetzt, nach anderthalb Jahren, doch eine Ausnahme mache, hat zum einen mit den spannenden Fragen zu tun, die mir Zora Debrunner gestellt hat, die unter Demenz für Anfänger über das Leben als Enkelin einer demenzkranken Frau erzählt. Merci beaucoup, liebe Zora. Zum anderen, sagt selbst, was wäre eine Regel ohne Ausnahme? Eben!

Zoras 11 Fragen an mich:

1. Warum hast du angefangen, dieses Blog zu schreiben?
Dies hier ist bereits mein drittes Webtagebuch. Angefangen habe ich 2004, ein knappes Jahr nach dem Tod meines Sohnes, um den Verlust zu verarbeiten und meinen FreundInnen Einblick in meinen Prozess zu geben. Das Schreiben wurde immer mehr zu einer heilsamen Lebensnotwendigkeit und irgendwann wurde aus dem eher biografischen Schreiben auch ein Geschichtenschreiben. Ich habe inzwischen in einigen Büchern Geschichten veröffentlicht und schreibe regelmäßig journalistisch für eine Zeitschrift. Nach den handgestrickten Webseiten der frühen Jahre im Weweweh wechselte ich 2009 zu WordPress. An der Motivation – Alltagsbewältigung/Verarbeitung/Verdauung – hat sich nicht viel geändert, auch wenn noch andere Motive dazugekommen sind. Zum Beispiel so etwas wie ein Training für die Schreibmuskeln, zum Warmbleiben, besonders in weniger kreativen Phasen, ist das Bloggen auf jeden Fall für mich.

2. Wie kommst du zu deinen Texten? Was inspiriert dich?
Das Leben selbst füttert mich mit Schreibstoff, das Leben mit all den Ecken und Kanten, die es mir in den Weg stellt. Mein Leben ebenso wie das meiner Mitmenschen. Die stetige Veränderung meiner Umwelt bietet unendlich viel Denkfutter. Hinschauen, Denken und Schreiben sind für mich fast Synonyme Ich sehe mich als Beobachterin und als eine, die versucht, zu verstehen.

3. Würdest du gerne vom Schreiben leben? Oder, wenn dies bereits der Fall ist: was musstest du unternehmen, damit du vom Schreiben leben kannst?
Oh ja, gerne. Sehr gerne. (Hey, Fee, hast du das gehört!?)

4. Wie sähe dein perfekter Tag aus?
Oh. Äh. Perfekt? Die Perfektionistin-in-mir runzelt die Stirn, weil sie weiß, dass perfekt nicht wirklich geht. Und weil dem allzu Perfekten immer ein bisschen etwas Steriles anhaftet. Nennen wir es: beglückend, friedvoll, mich beschenkt fühlend, okay? Ein solcher Tag also ist es, wenn ich nicht (allzu sehr) ins Depressive abdrifte und am Abend zufrieden mit dem Leben und dem, was war und ist, ins Bett gehe. Dem Liebsten zuflüsternd: Danke, das war ein echt toller Tag an deiner Seite. Dieser Tag hatte genug Momente tiefster Konzentration, genug Pausen, genug Nahrung, genug Luft und Licht. Genug Lachen und Stille. Dieser Tag war wie ein Musikstück, das ich höre und mich dabei wohlfühle.
Ob Ferien-, Frei oder Arbeitstag: Ein guter Tag ist einer ohne Wecker. Ich erwache von selbst, habe gut, tief und genug geschlafen und erfreue mich am Liebsten neben mir. Nach einem gemütlichen Früh- oder Spätstück gehen wir an freien Tagen raus in die Natur (zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Auto …) und genießen Bewegung und Ruhe. Ist es ein Arbeitstag, dann irgendwie so: am PC arbeiten, sprich am neuen Buchprojekt weiterschreiben oder ein bestehendes überarbeite, Bilder bearbeiten etc.. Mails schreiben. Kontakte pflegen. Soziale Medien besuchen. Den Gedanken Raum geben.
Am Feierabend mit einem gemütliche Abendessen – zusammen gekocht – den Tag abschließen und je nach Lust und Laune ab und zu mal ins Kino oder an ein Konzert gehen oder aber daheim gemütlich chillen, sprich lesen (!!!), einen Film schauen, Bilder appen, erzählen und zuhören, Besuch haben/machen etc. Und gerne dürfen an solchen Tagen auch andere Menschen mit dabei sein.

5. Wer hat dich in deinem Leben massgeblich geprägt?
Da muss ich im Plural antworten: Sicher die Eltern und meine Geschwister, dann aber auch nahe FreundInnen und Freunde. Und Ex-Partner. Mein Sohn, sehr. Und natürlich der Liebste. Und ja, auch Menschen wie Luisa mit ihren Büchern, Kursen, Mails und ihrem Internettagebuch.

6. An welches Erlebnis aus deiner Kindheit denkst du gerne zurück?
An meinen ersten Zelturlaub mit meinem zwölf Jahre älteren Lieblingsbruder und seiner heutigen Frau (die beiden sind seit über 40 Jahren glücklich miteinander). Mit dabei waren meine beiden fast gleich alten Geschwister. Wir haben bei Regen im Zelt Monopoly gespielt und unter den Giessbachwasserfällen Eisbecher gelöffelt. Und im Brienzersee gebadet und die Beatushöhlen besucht und … vermutlich habe ich damals den Campingvirus bekommen.

7. Dürrenmatt oder Frisch?
Wieso ‚oder‘? Ich bevorzuge ‚und‘. Würde ich aber ein Buch von Dürrenmatt oder Frisch auswählen müssen, nähme ich wohl eins von Frisch, weil ich von Dürrenmatt fast alle gelesen habe.

8. Welche Gegend magst du am liebsten und warum?
Oh, darf ich nur eine Gegend nennen? Ähm. Ich mag aber doch soo viele! Und eigentlich auch nicht wirklich nur bestimmte Gegenden, eher ganze Landstriche. Ich fange mal mit Südfrankreichs Meerstränden und Bergen an (ich sag nur Pyrenäen). Weiter geht’s in die Alpujarras in Südspanien. Und von da hüpfen wir nach Skandinavien. Sowohl den Süden Schwedens als auch Schwedisch-Lappland mit seiner Kargheit mag ich. Und auch die schwedischen Gegenden mittendrin. Und, ach, die norwegische Westküste, die natürlich auch. Sehr. Überhaupt: Norwegen! Und die Ostsee. Schleswig-Holsteins Küsten. Und die Alpen der Schweiz. Ja, die auch.
Ihr merkt es schon? Ich mag Natur, ich mag Meer, viel Himmel über mir und ich mag Berge, frische Luft, Weite, Aussicht, Weitsicht. Und Wälder, Felder und Wiesen. Und vor allem brauche ich keine Animation, ich brauche Ruhe. Und dann freu ich mich immer sehr auf mein Bett zuhause.

9. Wenn du nicht bloggen würdest (und es kein Internet gäbe), was würdest du dann tun?
Trotzdem schreiben, keine Frage. Habe ich ja auch vorher schon. Nur eben nicht öffentlich.

10. Glaubst du an das Gute im Menschen? Falls ja, warum? Falls nein, warum nicht?
Irgendwie schon. Aber. Das Gute ist ebenso vorhanden wie das Schlechte, Schlimme – so meine These. Vielleicht sind beide sogar aus dem gleichen Garn gehäkelt, denn wir sind alle alles, davon gehe ich aus. Darum sind wir auch in er Lage, Gutes und Schlimmes zu tun, oder – wie ich es lieber nenne – Lebensförderndes und Lebensfeindliches. Alles läuft auf die freie Wahl des Menschen hinaus. Sie unterscheidet uns unter anderem entscheidend vom Tier und darf nienie unterschätzt werden.
Ob wir von Natur aus gut oder schlecht sind, ist eine Frage, über die sich die PhilosophInnen aller Zeiten die Köpfe zerbrochen haben. Ich vermute eben: beides.
Wohl auch weil ich nicht wirklich an Altruismus glaube; ich denke, wir haben eher von Natur aus eine Art Überlebensaltruismus-Programm installiert. Wir Menschen wenden, um überleben zu können, gewisse Strategien an, genannt Sozialverhalten, und lernen, dass wir innerhalb tragender Beziehungen besser leben können, eben nicht nur überleben. So irgendwie ist dann irgendwie dieses Ding namens Liebe entstanden. 😉
Von Natur aus sind wir wohl aber weder gut noch böse, heißt also, wir verhalten uns sowohl lebensfördernd als auch lebensfeindlich, ich denke aber, dass wir von Natur aus, um des Überlebens willen, tendentiell lebensfördernd handeln. Was vermutlich gut ist.

11. Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der bloggen möchte?
Nicht nach rechts und links gucken, während du schreibst. Danach aber, also nach dem Veröffentlichen, immer wieder den Kopf heben und mit denen da draußen, rechts und links, ein paar freundliche Worte wechseln – Kommentare genannt. Dient nicht nur dem Netzwerken, sondern auch der Inspiration.


Da ich nicht gut darin bin, Regeln einzuhalten, siehe oben, werfe ich – wie schon bei den früheren Awards – den Liebsten-Award wie einen Blumenstrauß aus der Hüfte in die Lüfte. Jede und jeder, der in meiner Blogrolle steht, fühle sich bitte angesprochen. Und, ähm ja, bitte auch alle, die ich noch eingefügt habe.

Ich hoffe, mein Strauß findet genau die Richtigen.

Meine Fragen/Themen an euch:

1. Welche Ausdrucksart(en) ist (sind) dir am liebsten und warum?
2. Würdest du auch ohne Internet schreiben und/oder dich selbst ausdrücken?
3. Was inspiriert dich? Was motiviert dich zum Selbstausdruck?
4. Würdest du gerne vom Schreiben/Kunsten leben? Oder, wenn dies bereits der Fall ist: was musstest du unternehmen, damit es so geworden ist?
5. Wie sähe ein Tag in deinem Leben aus, wenn es so wäre, wie du am liebsten leben würdest?
6. Erzähle bitte von jemandem, der in deinem Leben Spuren hinterlassen hat. Welche Spuren sind es und warum sind sie für dich wichtig?
7. Welche Kunstrichtungen sprechen dich als RezipientIn am meisten an (Bücher, Bilder, Theater … etc.) und warum?
8. Dürrenmatt oder Frisch? Hesse oder Brecht? Wenn ja, warum nicht?
9. Wo würdest du wohnen und leben wollen, wenn es weder sprachliche noch finanzielle Grenzen gäbe?
10. Welche Charaktereigenschaften sind dir an dir und/oder an anderen am wichtigsten?
11. Über welche Themen würdest du niemals bloggen und warum nicht?


Und zum Abschluss hier noch die Regeln für diejenigen unter euch, die den Strauß, den ich gleich in die Luft werfen werde. Sie lauten wie folgt:

1. Bedankt euch bei der Person, die euch nominiert hat, und verlinkt sie auf eurer Seite.
2. Kopiert das Award-Logo in diesem Artikel oder holt euch ein zu euch Passendes aus dem Netz und stellt es sichtbar in euren Award-Blogartikel.
3. Beantwortet die 11 Fragen, die euch gestellt wurden und veröffentlicht sie in eurem Award-Blogartikel.
4. Denkt euch 11 neue Fragen für die BloggerInnen aus, die ihr nominieren wollt und stellt die Fragen in euren Award-Blogartikel.
5. Kopiert die Regeln und stellt sie ebenfalls in euren Award-Blogartikel, damit die Nominierten wissen, was sie zu tun haben.
6. Nominiert zwischen 2 und 11 neue BloggerInnen, die ihr gerne weiter empfehlen wollt. Das sollten möglichst solche sein, die noch wenig bekannt sind, aber empfehlenswerte Inhalte bieten.
7. Stellt die neuen Nominierungen auf eurer Seite vor und gebt den jeweiligen BloggerInnen eure Nominierung persönlich bekannt.


Und jetzt! Seid ihr bereit?  Hier ist der Strauß. Ich werfe … 3-2-1-loooos!

Na, gefangen?

Schreibtagebuch #1

Vor etwas mehr als einer Woche habe ich mit meinem neuen Romanmanuskript angefangen. Aktuell bin ich bei etwa 11’000 Wörtern.

Ich habe gottgleich Figuren erschaffen, fiktive Figuren, Menschen, die ich so nicht kenne, die so und so aussehen, die so und so sprechen, die so und so fühlen. Natürlich schöpfe ich beim Schreiben auch – insbesondere da die abwesende Hauptfigur eine depressive Frau ist – aus meinen eigenen Erfahrungen.

Aber Lea ist nicht ich. Lea ist eine andere Frau mit einer anderen Geschichte als der meinen und mit anderen Erfahrungen. Ich fühle Lea sehr gut. Ich gebe ihr von mir erlittenes Leid und bürde ihr meine Schmerzen auf. So gut sich das anfühlt, so schwer fühlt es sich auch an.

Ich versuche bei den Dialogen und Erzähltexten, zwischen den einzelnen Figuren zu unterscheiden. Ob es mir gelingt? Ich weiß es nicht.

Genial ist die Arbeit mit Scrivener, einem Autorenschreibprogramm, das es mir ermöglicht, einfach zuerst die einzelnen Teile des Buches zu schreiben, um später die richtige, stimmige Reihenfolge zu finden. Zumal die Geschichte ja eh aus einzelnen Stücken besteht. Die Chronologie ist für mich – zumindest jetzt noch – zweitrangig und austauschbar. Ich werde, denke ich, wenn ich alles geschrieben habe, merken, wie ich die Teile zusammenweben soll.

Ich gestehe, dass ich daran zweifle, einen ernstzunehmenden Roman schreiben zu können. Zum einen bin ich eine NoName und alles andere als eine Kämpferin, die Schaut-her! rufen mag und sich selbst gut vermarkten kann, zum anderen ist das Thema alles andere als mainstream (nicht dass ich über coole Mainstreamthemen schreiben möchte, aber es wäre eben sicher einfacher, ein Publikum zu finden …).

Ja, ich will einen ernstzunehmenden Roman schreiben, der gelesen wird, und so einen Beitrag dazu leisten, dass wir Depressiven besser verstanden werden und dass Suizid aus der Tabuzone geholt wird. Dass Suizid besser verstanden wird. Dass sich Menschen mit diesen zwei Themen auseinandersetzen. Mit der Gesellschaft, die sie hervorbringt und füttert, wenn auch eher indirekt.

Daumendrücken erlaubt.

Suppenkochereien

Eigentlich wollte ich hier ja mal wieder etwas Geistreiches schreiben, von meinem Buchprojekt erzählen und von der Schwierigkeit, sich auf eine Geschichte einzulassen ohne dabei den Kontakt zur Außenwelt zu verlieren. Doch weil ich dazu jetzt zu müde bin – ich habe heute bei meinem neuen Buchprojekt die 10’000 Wörter-Grenze geknackt – gibt’s heute eins der vielen Bildchen, die in der letzten Woche entstanden sind. Das hier habe ich gestern auf dem Handy gebastelt habe.

Zwei ziemlich ungewöhnlich geformte Karotten mit Armen und einmontierten Gesichtern reden miteinander: Lass uns baden gehen, sagt die eine, die andere: Du Suppenkoch du.

Und jetzt lese ich weiter im Buch des Norwegers Atle Naess: Die Riemannsche Vermutung. Nein, es geht dabei nur sekundär um Mathematik, primär geht es um einen Mathematiker, der versucht eine Biografie über Riemann zu schreiben und dabei zufällig über das Leben und die Liebe stolpert. Ein literarischer, mathematik-philosophischer Genuss.