Mein Monster und ich II

Meine Schreibgruppe ist einfach toll. Ja, ich weiß, ich wiederhole mich, denn das sage ich an dieser Stelle nicht zum ersten Mal.

Gestern Abend hatte ich für einmal keinen Ausschnitt aus einem meiner Manuskripte mitgenommen, sondern meinen gestrigen Blogartikel über mein Monster und mich. Witzigerweise hatten auch alle andern für sie untypische Texte mitgenommen. A. hatte für einmal wunderbare Lyrik dabei, K. den Anfang einer sensibel verfassten Geschichte. Eine Frau auf der Suche nach mehr Leben. S. war mit dem Ausschnitt fiktiver Memoiren eines alten Mannes gekommen und H. brachte ein Märchen, eine vielschichtige Parabel mit, mit Fantasy-Touch natürlich. M. war textlos anwesend, einfach nur da, und tat uns mit seinen wohlwollendkritischen Inputs gut.

Wunderbare Texte allesamt, die mich staunen lassen über unsere Entwicklung in den letzten Jahren. Die Qualität unserer Texte ist sichtlich gestiegen und auch die Fähigkeit den eigenen Text und jene der anderen zu reflektieren.

Mich fasziniert jedes Mal, dass es immer wieder polarisierende Sequenzen gibt. Die einen mögen einen Satz wie „Der Schredder kotzt“, andere finden das Bild völlig unpassend. So werden wir Autorinnen und Autoren immer wieder auf unser eigenes Empfinden zurückgeworfen: Soll ich dies oder jenes ändern oder soll ich es lassen wie es ist?

Ich habe mir heute im Büro überlegt, den Text umzuschreiben, so wie ich das normalerweise mit den Texten tue, die ich mit meinen Schreibfreunden und –freundinnen besprochen habe. Denn das wäre ja eigentlich die Idee des Austausches – eine Qualitätsverbesserung. Dazu natürlich sich gegenseitig zu inspirieren und die Texte auf Schwachstellen abzuklopfen. Und herausfinden, was verstanden wird und wie. Auch sehen, was anders gemeint, anders verstanden wird. Wo habe ich möglicherweise die Absicht, unklar zu sein, damit die Lesenden selbst Bilder finden können?

Ich habe mich schließlich dafür entschieden, den Text nicht zu überarbeiten. Blogtexte haben es an sich, irgendwie roh zu sein. Roher als ein Roman. Damit vielleicht auch ein wenig authentischer, kantiger, unebener. Das darf sein. Bloggen ist eine neue Literaturform.

In meinem Text löste das Wort „Monster“ am meisten Diskussion aus. Müsste denn ein Monster nicht böser, fieser, schrecklicher sein als ich es hier darstelle? Gänzlich ohne jegliche guten Absichten wie mein nicht wirklich nettes, doch irgendwie mit positiven Ideen zu Werke gehendes Monster namens Dark. Darf ein Monster gute Ziele haben und hat die mein Monster?

Ich persönlich empfinde meins relativ wertfrei und gleichgültig außer dass es ein gutes Gespür für meine Ungereimtheiten hat. Und darum ist es auch sein einziges Bestreben, diese aufzudecken. ((Notiz an mich: Oder will Dark bloß, dass ich mich mitsamt meiner Ungereimtheiten akzeptiere?)) Wenn es mir seine berühmten W-Fragen stellt, dann keineswegs darum, weil es mich fertig machen will. Ich soll bloß nicht aufhören, hinzuschauen, sagt es. Und darum stellt es seine Fragen vor allem dann, wenn ich denkfaul zu werden drohe. Doch den Schmerz, der zum Hinschauen und Erinnern oft dazugehört, den macht nicht das Monster. Der Schmerz ist schon vorher dagewesen. Immer schon vielleicht und für immer. Wer weiß das schon?

Vermutlich haben also meine Schreibleute recht: Mein Monster ist nicht schrecklicher als ich und meine Abgründe und über mein Monster zu schreiben tut mir jedes Mal gut. Wozu also Angst vor dem Monster haben?

Mein Monster und ich

The Dark

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I don’t think I will manage to get out of this dark.

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Mein Monster hat viele Namen. Meistens nenne ich es Dark. Selbst nennt es sich am liebsten Dark Mirror.

Jenes von Kuno Lauener, Züri Wests Frontmann, wohnt ganz zuoberst im Dachstock in der winzigsten Kammer in seinem Schädel. Meins hält sich am liebsten irgendwo in meinen Landschaften zwischen Herz, Bauch und Kopf auf. Dort spaziert es umher wie ein guter alter Hauswart und sucht nach Schwachstellen. Mit einem Schraubschlüssel klopft es an den Leitungen. Wo ist etwas verstopft? Wo braucht es Reparaturen? Wo sind die lockeren Schrauben?

Mein Monster kennt all jene Fragen, auf die ich nie käme und auf die ich keine Antworten kenne. Mein Monster weiß um alle meine Abgründe, um alle Selbstbetrüge, um alle Scheinheiligkeiten und um all meine inkonsequenten Entscheidungen. Mein Monster führt mir vor Augen, dass ich keinen Deut besser bin als die andern. Keine Spur besser als jene, die ich ignorant nenne. Mein Monster weiß, dass ich zumeist mehr Angst vor der Angst selbst als vor realen Dingen habe. Es weiß, wie es mich behandeln muss, damit ich endlich das Karussell verlasse. Es weiß oft viel besser, was ich brauche, als ich selbst. Doch mein Monster ist alles andere als nett zu mir, es fasst mich weder mit Samthandschuhen an noch schont es mich vor unbequemen Erkenntnissen. Es schert sich keinen Deut darum, ob ich vor Schmerz schier platze. Gnadenlos zeigt es mir, wo ich stehe. Schonungslos hält es seinen Finger dorthin, wo es am meisten weh tut. Es weiß nicht nur besser, was ich brauche, es weiß vielleicht sogar besser als ich, wie ich überhaupt ticke, denn mein Monster und ich, wir kennen uns schon lange.

Das erste Mal wahrgenommen habe ich es wohl, wo ich die zwischenmenschlichen Games zu durchschauen begann. Wo ich begriff, was ich sagen müsste um dazuzugehören. Mein Monster ist Gewissen und ist Mentalcoach in Personalunion.

Wer war zuerst da?, fragte es mich heute Morgen stinkfrech, nachdem es mich bereits um vier Uhr früh geweckt hatte. Du oder ich?

Dass ich danach nicht mehr schlafen konnte, ist nur logisch. Nicht eben leise ging es hin und her, mit einer Taschenlampe bewaffnet zündete es in die allerletzten verstaubten Winkel und stellte eine Frage nach der anderen. W-Fragen mag es am liebsten. Morgens um vier wachzuliegen und W-Fragen gestellt zu bekommen, mag ich nicht wirklich. Morgens um vier will ich schlafen. Vielleicht sogar träumen, aber gewiss nicht mit Monstern Interviews führen, die mich eh nur in die Enge treiben. Die Monster ebenso wie die Interviews.

Am liebsten kratzt es alten Schorf auf. Oder von mir aus auch neuen Schorf von alten Wunden. Dem Schmerz und dem Monster ist das einerlei.

Warum tut erinnern noch immer so weh?, frage ich mich selbst, Stunden später im Büro. Kann vergangenes denn nicht endlich heilen, ruhen und in meinen Archive abgelegt werden? Oder gar geschreddert?
Ich sitze neben dem Schredder und verwandle Bewerbungskopien, die nicht mehr gebraucht werden, weil wir meine Nachfolgerin heute bestimmt haben. Wunderbare Verwandlung von Papier in feine Streifen. Ein technischer Geniestreich, die wichtigste Errungenschaft der Z(u)ivi(e)lisation. Eigentlich.

Hätte bloß diese Maschine sich nicht zum Ziel gesetzt, mir Geduld beizubringen. Vermutlich vergeblich. Mehr als drei, allerhöchsten vier Blätter frisst es nämlich nicht, das alte Teil. Und schiebe ich sie auch nur ein bisschen zu schief in seinen Schlund, frisst es einfach nicht mehr weiter und zwingt mich, den Rückwärtsknopf zu drücken. Die feinen Streifen kommen rückwärts. Der Schredder kotzt.

Übe dich in Geduld. Gib mir nicht zu viel aufs Mal, sagt er. Manchmal zwinkert er dabei ein bisschen.
Wie gut ich dich verstehe, du Ding! Wenn ich groß bin, werde ich Schredder.

Mein Monster und mein Schredder sollten sich echt mal zusammensetzen …

Am Brunnen der Gerechtigkeit

Dario:

„Wenn ich mich bloß erinnern könnte, was ich wollte. Ich sehne mich nach meiner Wohnung. Mein Kopf dröhnt. Alles ist weit weg. Die Weihnachtsbeleuchtung blendet. Ein Sankt-Niklaus steht vor dem Loeb und verteilt Mandarinen. Überall Lärm. Die Heilsarmee hat ihren großen Topf aufgestellt und singt schrecklich falsche Lieder. Wie Irrlichter wandern die Töne als schrille Farben durch meine Adern und stoßen meine Augenlider von innen an. Ich zwinkere, reibe die Augen. Sie brennen. Ich setze mich auf eine feuchte Bank, die jemand vom Schnee befreit hat.

Eine Liste. Habe ich nicht etwas aufgeschrieben? Ich muss wissen, warum ich hier bin, vorher gehe ich nicht nach Hause.

Ich stecke mir erneut eine Zigarette an und finde in meiner rechten Hosentasche einen zerknitterten Ausriss aus der Zeitung. Ich streiche den Fetzen glatt. Jetzt weiß ich es wieder! Ich wollte mir eine neue CD kaufen. Jetzt, wo ich die Richtung kenne, tragen mich die Füße von alleine. Weil ich die samstags dicht bevölkerte Marktgasse meiden will, überquere ich den Waisenhausplatz und nehme die Zeughausgasse. Ich überquere den Kornhausplatz und tauche ich die Gassen der Altstadt ein. Schottersteine unter Schnee. Den Kopf gesenkt, um den Schneeflocken auszuweichen, gehe ich vorwärts. Durch die Kreuzgasse gelange ich in die Gerechtigkeitsgasse. Kleine Geschäfte haben mir schon immer besser gefallen als große. Die liebsten sind mir jene, die im Keller sind. Durch die steilen Stufen gelangt man abwärts, gleichsam in eine andere Welt. Vor dem Gerechtigkeitsbrunnen bleibe ich stehen. Ich höre meinem Vater beim Deklamieren zu. Gebäude und Brunnen sind seine liebsten Objekte. Vielleicht weil sie stumm sind.

Ich starre zum blinden Engel hoch, der uns Gerechtigkeit vorgaukeln soll. Nein, falsch. Blind ist er nicht, seine Augen sind bloß verbunden. Das reicht. Außerdem ist er kein Engel und ist eine Sie. Die Gerechtigkeit höchstpersönlich. Die Waagschalen in ihrer linken Hand sind ausgeglichen, das Schwert in der rechten, dem Gleichgewicht zum Trotz, zum Zuschlagen bereit. Das Gesicht, jedenfalls das, was ich davon sehen kann, wirkt grimmig. Ich zeige dir, was Sache ist!

Das kann so nicht funktionieren. Bereits als Kind durchschaute ich das. Die Waage? Okay! Doch das Schwert? Und dazu mit Augenbinde! Wer hat sich diesen Bockmist bloß ausgedacht?

Obwohl es kalt ist, gehe ich an keinem Brunnen vorbei, ohne kurz meine Finger zu netzen, meine Hand über die Oberfläche gleiten zu lassen. Ich kratze ein bisschen Schnee zu einem Ball zusammen, lege ihn vorsichtig auf das Wasser und stupse ihn unter die Röhre. Die Eiszapfen, die aus dem Rohr hängen, glitzern, als wären sie aus einer anderen Welt. Bereits ist der Schneeball verschwunden. Einfach so. Weg. Geschmolzen. Das Gesetz des Stärkeren. Das Gesetz der Natur. Physik. Gerechtigkeit. Bla bla bla.“

aus: „Loch im Eis“, Roman von Sofasophia (und Copyright)

Tag Null – Shame on me, kollektiv.

Nach den heutigen, niederschmetternden Abstimmungsresultaten (siehe dazu meine kürzlich verfassten Artikel zur Ausschaffungsinitiative: Gegenvorschlag und Wir alle haben die Wahl) möchte ich mich am liebsten auch gleich ausschaffen. Ganz weit weg auswandern. Nicht mehr Schweizerin sein, jedenfalls.

Teil einer Gesellschaft zu sein, die eine Ausschafftungsinitiative lanciert und anschließend sogar mit einer guten Mehrheit durchbringt, ist doch einfach zum k… !

Ich schäme mich vor allen Ausländerinnen und Ausländern, die in der Schweiz leben, für meine MitschweizerInnen. Obwohl ich weiß, dass das niemandem etwas bringt. Ich hoffe sehr, dass es wieder – wie bei der letztjährigen Minarettinitiative – eine europaweite Schockreaktion geben wird und die Forderungen der Initiative schlussendlich so menschenrechteverletzend sind, dass sie nicht durchgesetzt werden können. Ich hoffe sehr, dass die Initiative an diesen nächsten Hürden scheitern wird. Wegen der ganzen Ungerechtigkeit, die in ihr steckt. Vor allem die Willkür ist es, die die Initiative so ungerecht und so unmenschlich ist.

Das ändert allerdings nichts daran, zu sehen, wie meine Mitmenschen denken. Oder jedenfalls die Mehrheit.
Wie weiter?

Dies hier habe ich fast genau vor einem Jahr, nach der Minarettinitiative-Abstimmung gebloggt: Quo vadis, Matrona Helvetia?

Lichtnahrung und so Sachen

Ich habe mich eben köstlich über einen Webtagebucheintrag von Luica Francia amüsiert. Über Lichtnahrung schreibt sie heute (hier klicken zum Lesen des Artikels luisa in bayern – 28.11.2010 um 09:46:33).

Dass es über das Thema Lichtnahrung nun sogar einen Film gibt („Am Anfang war das Licht“), habe ich vor ein paar Tagen mit einem befremdeten Stirnrunzeln in der Kulturagenda gelesen. Obwohl ich an unglaubliches glaube, nicht wirklich glaube und hinterfrage, was nur vordergründig sichtbar ist und gerne, wo immer möglich, hinter die Kulissen schaue und spüre und obwohl ich mich als spirituelles Wesen verstehe, gibt es im esoterischen und auch im christlichen und sonst wie religiösen Umfeld, Dinge, die ich schlicht nicht glauben will und als – neutral gesagt – pure Marketing-Ideen interpretiere. Als Scharlatanerie. Der Grat ist schmal und ich will nicht das Kind mit dem Bad ausschütten, natürlich. Und wohl möglich, dass ich da und dort der/m UrheberIn der jeweiligen Hype unrecht tue, doch bei der Lichtnahrung und meiner Skepsis zum Thema halte ich es mit Luisa:

„doch wahr ist: so gut wie alles, was in der vergangenheit für unmöglich gehalten wurde, ist mittlerweile möglich. wahr ist auch, dass wir unsere wirklichkeit nach unseren überzeugungen, unserem glauben gestalten. wahr ist, dass willenskraft fast alles bewirken kann. wahr ist: wir werden zum fressen konditioniert. dem kind wird schon im zarten alter die wiener wurst in den mund geschoben, der lutscher, das bonbon. jede krisenbewältigung läuft praktisch über essen oder trinken, rauchen oder sonstige orale befriedigungen. ich frage mich dennoch: warum soll man nicht essen, wo es doch eine so schöne und gesellige tätigkeit ist?“

(Quelle: siehe oben erwähnten Link).

Vielleicht stört mich bei der Theorie einer möglichen Lichtnahrung, diese ganze, esoterisch überzuckerte Geheimle(e)hre, denn da steckt eine große Portion Zynismus drin: Angesichts des Welthungers schweineteuere Seminare über Lichtnahrung anzubieten …  Na, ich weiß nicht.

Trotzallem glaube ich an eine Vierte Dimension, denn wie sagt Abbott so schön, den ich heute Vormittag zitiert habe:

„… ebenso wie es stimmt, dass ihr in Raumland tatsächlich eine unerkannte Vierte Dimension besitzt, welche zurzeit noch unbenannt ist.“

Tag 3 oder Tag 10?

Tag 3: Dritter Schneetag. Dass der Schnee morgen weg ist, ist nicht anzunehmen. Tja, was bleibt mir anderes, als ihn zu akzeptieren?

Tag 10: Zehnter Pilgertag für „meinen“ Jakobspilger Irgendlink. Mit Wein im Kopf, immerhin Rioja, pilgert es sich offenbar ein bisschen – hm, sagen wir einfach mal – „anders“.

PS: Ob – oder warum – ich denn Schnee nicht mag? Hm, wäre Schnee warm, trocken und weich, würde ich ihn schon mögen. Mein Auge findet ihn jedenfalls schön. Es ist bloß so, dass ich kalt, nass und hart nicht mag. Der arme Schnee kann da eigentlich wirklich nichts dafür.

Auf der Schaukel

Schaukeln!, denke ich, während ich K.s Mail lese. Um gewonnene Erkenntnisse geht es diesmal. Erkenntnisse, die – einmal gewonnen – Grundlagen für den nächsten Lebensabschnitt, für den nächsten Arbeitstag oder auch nur für die nächste Stunde schaffen. Alles was wir sind, sind wir jetzt und so, weil das, was vorher war, vorher war. Sage ich, ohne an Chronologie zu glauben.

Leben ist schaukeln. Ständig wechseln wir die Perspektive: mal sind wir unten, mal – na, wo wohl? So schaukeln wir uns durchs Leben. Ich schaukle mich grad durch extrem ruhige und extrem hektische Phasen. Doch wozu polarisieren, wenn sich doch alles von alleine wieder aus- und einpendelt. Die Physik macht es uns vor: Schwerkraftgesetze bringen jedes Pendel, das wir nicht mehr anstoßen, in der Mitte zur Ruhe. Stagnation oder Entspannung? Und muss ich mir Sorgen machen? Um heute oder um die Zukunft, nah oder fern?

Mein Teelicht kämpft ums Überleben. Doch es wird verlieren. Früher oder später.

Erkenntnisse, wenn wir sie reflektieren und evaluieren, können nützlich sein. Zuerst im Sinne von Bildung Erkenntnisse sammeln, dann über sie nachdenken und schließlich ein „Darüber-hinaus“ kreieren, wie die Verlegerin vom RaBaKa-Verlag, Gitta Peyn, in ihrem genialen Vorwort zu „Flächenland“  von Edwin A. Abbott empfiehlt (siehe eBook Seite 15 ganz unten).

So können Erkenntnisse uns also zu einer andere Art, das Leben zu sehen und einer anderen Art, überhaupt zu leben, verhelfen. Dieses „Darüber-hinaus“ meint wohl irgendwie besser und gesünder. Im alles umfassenden Sinn von Gleichgewicht. Von Ausgleich. Tja. Über Süchte haben wir per Mail ausgetauscht, K. und ich. Über die Sucht nach Aktivität, Bewegung und Ausdruck versus die Sucht nach Rückzug und Kontemplation. Sucht? Oder wohl eher Sehnsucht oder Bedürfnis … Wo ist der Grat? Und warum werten?

Wieder die Schaukel. Auf – ab. Die Kamera würde in die Luft filmen. Ein Stück Himmel und vielleicht den Ast eines alten Birnbaums. Im immer gleichen Takt würde mein Kopf mit den windzerzausten Haaren auftauchen, dann der Rumpf, von unten nach oben, um gleich darauf wieder in umgekehrter Reihenfolge abzutauchen. Schaukeln geht so. Auf – ab. Leben auch. Nein, das Leben ist nicht ideal.

Soeben ist das Teelicht erlöscht.

der erste Schnee

Was für ein origineller Titel! Außerdem habt ihr alle sicher schon vor mir rausgeguckt.

Als ich schlafen ging, muss es bereits eine Weile geschneit haben, denn alles war weiß. Ob ich mich gefreut habe? Über den Anblick irgendwie schon, ja, denn irgendwie sieht Schnee ja ganz nett aus.

Und als basisdemokratisch tickende Frau gönne ich allen Schneeliebhabenden dieses Weiß von Herzen. Allen voran den Kindern natürlich. Und klar: wenn Winter, dann so. Aaaber dann, bittebitte liebe Stadtregierung, dann Straßen und Wege räumen und zwar so, dass es für das Radelvolk genug Platz zwischen Bordsteinkante und Auto hat. Und neu – seit wir im Quartier Tram statt Bus haben – auch zwischen Tramschienen und Bordstein. Wäre ja zu schön! Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Doch da ich ja seit gestern Abend wochenendfrei habe, ist mir der Schnee egal. Solange er schön da draußen bleibt und ich nicht raus muss.