Auf der Schaukel

Schaukeln!, denke ich, während ich K.s Mail lese. Um gewonnene Erkenntnisse geht es diesmal. Erkenntnisse, die – einmal gewonnen – Grundlagen für den nächsten Lebensabschnitt, für den nächsten Arbeitstag oder auch nur für die nächste Stunde schaffen. Alles was wir sind, sind wir jetzt und so, weil das, was vorher war, vorher war. Sage ich, ohne an Chronologie zu glauben.

Leben ist schaukeln. Ständig wechseln wir die Perspektive: mal sind wir unten, mal – na, wo wohl? So schaukeln wir uns durchs Leben. Ich schaukle mich grad durch extrem ruhige und extrem hektische Phasen. Doch wozu polarisieren, wenn sich doch alles von alleine wieder aus- und einpendelt. Die Physik macht es uns vor: Schwerkraftgesetze bringen jedes Pendel, das wir nicht mehr anstoßen, in der Mitte zur Ruhe. Stagnation oder Entspannung? Und muss ich mir Sorgen machen? Um heute oder um die Zukunft, nah oder fern?

Mein Teelicht kämpft ums Überleben. Doch es wird verlieren. Früher oder später.

Erkenntnisse, wenn wir sie reflektieren und evaluieren, können nützlich sein. Zuerst im Sinne von Bildung Erkenntnisse sammeln, dann über sie nachdenken und schließlich ein „Darüber-hinaus“ kreieren, wie die Verlegerin vom RaBaKa-Verlag, Gitta Peyn, in ihrem genialen Vorwort zu „Flächenland“  von Edwin A. Abbott empfiehlt (siehe eBook Seite 15 ganz unten).

So können Erkenntnisse uns also zu einer andere Art, das Leben zu sehen und einer anderen Art, überhaupt zu leben, verhelfen. Dieses „Darüber-hinaus“ meint wohl irgendwie besser und gesünder. Im alles umfassenden Sinn von Gleichgewicht. Von Ausgleich. Tja. Über Süchte haben wir per Mail ausgetauscht, K. und ich. Über die Sucht nach Aktivität, Bewegung und Ausdruck versus die Sucht nach Rückzug und Kontemplation. Sucht? Oder wohl eher Sehnsucht oder Bedürfnis … Wo ist der Grat? Und warum werten?

Wieder die Schaukel. Auf – ab. Die Kamera würde in die Luft filmen. Ein Stück Himmel und vielleicht den Ast eines alten Birnbaums. Im immer gleichen Takt würde mein Kopf mit den windzerzausten Haaren auftauchen, dann der Rumpf, von unten nach oben, um gleich darauf wieder in umgekehrter Reihenfolge abzutauchen. Schaukeln geht so. Auf – ab. Leben auch. Nein, das Leben ist nicht ideal.

Soeben ist das Teelicht erlöscht.

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