Es ist perverfrüh kurz nach sechs. Trockene Föhnböen zerren am Zelt. Sie haben mich geweckt, wachgehalten. Das Zelt steht auf einer kleinen Wiese am Bergwanderweg zwischen Göschenen und Andermatt. Ein an sich traumhafter Platz direkt an der lauten, wilden felsigen Reuss, 1200 m. ü. Meer. Kühl, aber trocken.
Die Gunst des freien WiFi nutzend, die wir im Hotelchen Sternen* zu Gurtnellen auf 700 Höhenmeter haben, blogge ich doch gerne kurz ein Bildchen.
Die Wetteraussichten sind nicht so toll, wie unsere Wanderlust – die ist ungebrochen. Trotz der strengen Etappe gestern (rauf, runter, rauf, runter, rauf … den Berg höher und höher).
Jetzt gehen wir auf die Post und schicken ein Paket mit überflüssigem nach Hause.
Gestern war ein regnerischer Tag: Wir reisten per Schiff von Risch nach Immensee, zu Fuß durch die Hohle Gasse an der Tellskappelle vorbei nach Küssnacht a. Rigi, per Bus nach Weggis, per Schiff nach Flüelen. Zu Fuß dann endlich wieder an die geliebt-vermisste Reuss (nun begradigt-steril).
Auf einer Kuhweide durften wir herzlich willkommen das Zelt aufbauen. Da braucht man keinen Wecker mehr. 🙂
Nach einem wunderbaren Sommertag begann es nachts zu regnen. Wir sind auf Biobauernland untergekommen. Unter einer schützenden Fichte sitzen wir im Trockenen.
Letzte und erste Tage haben diesen ganz besonderen Geruch. Benennen kann ich ihn schwer. Auch ganz eigene Töne haben sie, diese Tage. Türen werden geschlossen, Fenster werden aufgerissen und Taschen oder Kisten gepackt. Und alles wird anders. Oder es bleibt, wie es ist.
Ich erwache nach der vorläufig letzten Nacht im weichen Bett in der gemütlichen Wohnung. Es ist spät geworden gestern Nacht. Letzte Dinge mussten getan werden, bevor …
Neinein, ich ziehe nicht um. Nicht schon wieder. Oder doch – ein bisschen … Ziehen auf jeden Fall. Und zwar täglich. Täglich ziehe ich, täglich ziehen wir beide ab heute woanders hin. Heute noch hier, morgen schon dort. Wo auch immer.
Wenn wir fertig gepackt und alles noch zu Erledigende erledigt haben – Pflanzen das letzte Mal gießen zum Beispiel –, verlassen wir zu Fuß mit unsern Rucksäcken das Haus, den Ort.
Omni mecum porto, flüstert meine interne Lateinschülerin, ich trage alles mit mir. Alles, was ich die nächsten zwei bis vier Wochen brauche. Alles was ich brauche. Verdichtung aufs Wesentliche. Matte, Schlafsack, Kocher, Zelt. Ein paar Kleider, Faserpelz, Regenjacke, Pelerine. Engelkarten. Und gut ist.
Reiseengel
Kann ich das? Ja, weil ich es will. Das Leben als Pilgerreise zu meinem eigenen Tempel – ungefähr so sehe ich das. Außen und innen miteinander in Gleichklang bringen, ein Synchronisieren meiner verschiedenen Welten. Ganzer werden. Meinen Plan finden, die Schatzkarte, die Lebensvision (vielleicht). Vor allem aber die Gegenwärtigkeit. Entscheidungen treffen, wenn sie getroffen werden müssen – nicht vorher, nicht auf Vorrat.
Schritt für Schritt.
Ich schöne. Immer so schön, wie ich es mir wünsche, wird es wohl kaum sein. Der Wetterbericht kündigt Regentage an. Was immer kommt, es wird mich an meine Grenzen bringen. Wie es das Leben immer mal wieder zu tun beliebt. Wie werde ich reagieren? Wie gehe ich um mit Müdigkeit, mit Hunger, mit Nässe?
Nein, Sorgen mache ich mir jetzt keine, wozu auch? Sie können ja doch nichts ändern, meine Sorgen. Zumal ich weiß, dass ich auch scheitern darf. Ich werde vielleicht weinen vor Erschöpfung (das tue ich zuweilen und das hilft recht gut), ich werde vielleicht die Nase voll haben. So what?
Ein vorläufig letztes Mal Yoga im Zimmer. Eine vorläufig letzte Dusche in meinem gemütlichen Bad. Vorläufig – wie alles.
Wandern als Metapher für das Leben – die Pilger und Pilgerinnen aller Zeiten haben es uns vorgelebt. Ich wage es. Wir wagen es.
Livebloggen werde ich wohl eher nicht. Vielleicht ab und zu ein Bild einstellen? Mal schauen.
Mehr zu lesen über unsere Reise gibts bei mir allenfalls hinterher oder dann vermutlich live bei Irgendlink drüben.
Wenn alles so organisch vom einen ins andere fließt, macht das Leben richtig Spaß. Soziale Kontakte mag ich und dosiere sie in der Regel nahezu homöopatisch. Immer so, dass es mir nicht zu viel ist. Doch auch viel muss nicht unbedingt zu viel sein, wenn alles passt.
Seit Montagmittag waren Irgendlink und ich mit immer wieder mit andern Menschen zusammen im Gespräch. Nach einem gemütlichen und anregenden Besuch der lieben Freundin U. am Montag, ging es an jenem Abend weiter mit einem Kundinnengespräch und am Dienstagmorgen mit einem Offertgespräch bei einem (hoffentlich) zukünftigen Kunden. Dienstagnachmittags dann waren wir zu Besuch bei Freunden in Bern und fuhren nach einem Friedhofbesuch in der Nähe weiter ins Seeland zu Lieblingsbruder P. und Lieblingsschwängerin C., wo wir in der Datscha zwar nur kurz, aber herrlich nächtigen durften. Kein Hotel bietet mehr Gastfreundschaft als wir dort immer wieder erleben dürfen! Zum krönenden Abschluss genossen wir heute einen gemütlichen Nachmittag mit einem befreundeten Paar in Biel …
Siehe da: viel muss nicht zu viel sein und Freundschaft ist einfach etwas wunder- und unschätzbares. Ruhe danach auch. 🙂
Biel im Juni 2
Biel im Juni 3
Biel im Juni 1
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Appspressionismus: Bilder auf dem iPhone kreiert und mit GIMP verkleinert und wassergezeichnet.
Gestern – bei herrlichstem Sommerwetter – dem Liebsten entgegenradeln war eins; das zweite war, die Radeltour als Track, als live per Internet verfolgbare Spur anzulegen. Spaß für uns, Spaß für andere (siehe Irgendlinks Artikel) – denn zeitweise sind uns bis zwölf Betrachtende gefolgt. Spaß? Heiß und steil war′s und beinahe an der höchsten Stelle, die Irgendlink in den letzten vier Tagen geradelt ist, haben wir uns wiedergefunden. Mitten im Wald.
Hier meine Aufzeichnung der Annäherung in Screenshot-Montagen
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Appspressionismus: Bilder auf dem iPhone kreiert, montiert und hochgeladen.
Ist die Deletetaste der Schlüssel zum Datennirvana?
Wo ist das Nichts? Gibt es auch ein Alles?
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Stell dir vor, du bist Kunstmaler. Eines Tages kommt eine Kunstsammlerin in dein Atelier und will alle deine Bilder kaufen – sie hat genug Geld für alles.
Stell dir vor, du bist Fotografin. Eines Tages kommt ein Galerist und will alle deine Bilder für eine ständige Ausstellung kaufen. Er hat genug Geld dafür.
Stell dir vor, du bist Journalist. Eines Tages kommt die bekannteste Zeitschrift der Welt und will eine Nummer mit deinen besten Artikeln herausgeben und dich als Exklusiv-Journalisten haben. Dass sie genug Geld dafür haben, ist kein Thema.
Stell dir vor du bist Schriftstellerin. Eines Tages entdeckt ein Verleger zufällig dein Exposé und will alles von dir lesen, dann alles von dir drucken und macht aus dir eine Bestsellerautorin.
Wie würde das alles sich auf deine künstlerische Arbeit auswirken?
Ich saß am Wegrand und lauschte
und hörte des Käfers Lied.
Nur wenige Meter weg rauschte
Verkehr durch das Neubaugebiet.
In neu ausgehobenen Teichen
hatten Enten sich breitgemacht.
Dort lag ich im Gras, im weichen,
alleine dann – die ganze Nacht.
Der Käfer
Ich sah keine Sterne funkeln,
der Stadthimmel war viel zu hell.
Und Angst hatte ich nicht im Dunkeln
vor heftigem Hundegebell.
Verschont blieb ich vom Regen
in dieser lauwarmen Nacht,
als einsam im Gras ich gelegen
hab’ und über Glück nachgedacht.