Noch 22 Tage

Der Countdown läuft. Weiß noch nicht so genau, ob ich auch dies Jahr wieder mitmache. Tage zählen. Wörter zählen. Den Zensoren in die Wüste schicken, wie Fatima, die Initiantin, seit drei Jahren predigt.

Weiß nicht, ob ich mir dieses Jahr die Zeit nehmen kann. Nehmen will. Lust hätte ich schon, denn ich liebe diesen Novemberflow, diese kreative Inspiration, das Schreiben ohne zu denken. Besonders, wenn es draußen kalt und feucht ist. Gring ache u seckle. Kopf runter und drauflos rennen. Drauflos tippen. Schreibmarathon. Novemberschreiben.

Seit drei Jahren bin ich – als Janaluna – mit dabei. Zuerst als Schreiberling, später als aktives Mitglied, die mit anderen eine noch immer aktive Schreibgruppe aufgebaut, ein paar Lesungen mitorganisiert und aktiv im alten Forum mitdiskutiert hat. Und die in den letzten Monaten ebendort sehr ruhig geworden ist. Inzwischen musste das veraltete Forum einem neuen Platz machen und ich fühle mich noch fremd dort. Außerdem habe ich eine neue literarische Herausforderung gefunden: Dieses Blog hier.

Dennoch fühle ich mit, pflege jene Beziehungen privat weiter, höre den Puls meiner Schreibcompañeras und -compañeros immer lauter schlagen, sehe sie die Tage zählen.

Eben kletterte ich mal versuchsweise die Treppe hoch und nun stehe ich auf dem Sprungbrett. Soll ich springen?

Und du? Anmelden unter: www.novemberschreiben.ch

Puntos Universum

Die beiden Männer sitzen schon da, warten, ins Gespräch vertieft, auf die Frauen. Auf mich zum Beispiel. Schön, S. mal wieder zu sehen. Und R., unser Neuer, war auch schon lange nicht mehr dabei. Auch die anderen tröpfeln nach und nach ein. Zuletzt K., die eigentlich vor einem Jahr aus der Schreibgruppe ausgestiegen ist. Doch die freundschaftlichen Bänder sind offenbar stärker, weshalb sie uns allpot mal besucht Zu acht waren wir schon lange nicht mehr. Nur M. fehlt, the third Man. Schade.

Angeregtes Austauschen. Von mir aus könnte es den ganzen Abend so weitergehen, denn längst sind mir meine Mitschreiberlinge und ihre Themen ans Herz gewachsen. Im Punto wird italienisch gekocht. Gopf sind diese all’arrabiata scharf! Der Koch sei eben mit einer Amerikanerin zusammen, erklärt die Kellnerin. Alles klar?

An unseren Texten arbeiten wir so diszipliniert, wie schon lange nicht mehr. Mit der Uhr. Zum Glück habe ich nur einen kurzen Text dabei. Fünf Minuten vorlesen. Fünf Minuten Feedback. Vielleicht mag ich diese Menschen deshalb so sehr? Wir alle sind ehrlich zueinander, gnadenlos, doch wohlwollend, klar und ohne uns zu konkurrieren. Eine Miniwelt, die funktioniert. Ein Modell der Entwicklungsarbeit, das ich gerne auch auf das reale Leben übertrage und auch in allen anderen Beziehungen anwende. Hach, wenn Leben doch bloß überall so einfach wäre!

Zum Feierabendbier wechseln wir diesmal ins Tibits. Doch, nein, nicht des Katers wegen bin ich heute Morgen zuhause geblieben. Seit ein paar Tagen habe ich mal wieder meine Kopfweh-Tiefdruckphase. Chemieseidank geht’s mir jetzt wieder besser, so dass ich mich am Nachmittag wieder in mein Arbeitsuniversum stürzen kann. Doch jetzt genieße ich es einfach – noch immer im Bett -, dass sich mein Kopf langsam wieder lichtet.

Schichten I

… dass jeder Mensch das Recht hat, seine Lebensgeschichte zu erzählen, dass es aber nicht jedem Menschen vergönnt ist, es zu tun. Sowie diverse Tricks, wie man es dennoch schaffen könnte, jemandem seine Lebensgeschichte zu erzählen. Indem man zum Beispiel ein Teil seines Lebens dem Postboten erzählt und einen anderen dem Pflegepersonal im Krankenhaus … (Irgendlink am 23.9.09)

Wieso erzählen mir aktuell (siehe auch gestern) alle Menschen ihre Geschichten? F., mein Berliner Nachbar, zum Glück auf höchst unterhaltsame Weise. Von der DDR – nicht zum ersten Mal. Und von den Nonnen, die er im Altersheim gepflegt hat. Anekdoten, bei denen ich nicht weiß, ob ich lachen oder weinen soll.

Bin weder Pflegepersonal noch Postbotin, doch ganz Ohr. Und womöglich ist es ja meine Aufgabe, aus alledem was zu machen? (Ums Himmelswillen: WAS machen?) Steckt bei jenen, die mir ihre Geschichten erzählen, wohl das gleiche banale Bedürfnis dahinter, das mich Blogtexte weben lässt?

Gestern Nacht notiert:
Für wen schaffen wir Kunst?
Für wen denken wir, was wir denken und aufschreiben?
Für wen schreiben wir?

Und wozu?

Urbedürfnis danach, sich im anderen gespiegelt zu sehen.
Verstanden werden wollen.
Verstehen.
Es versuchen zumindest.

Im Lift

Ein Stück für zwei.

Der Vorhang öffnet sich. Auf der Bühne ein paar große Blumentöpfe mit Stauden und Gemüsepflanzen. Als Bühnenbild – hinten – Chiffontücher in verschiedenen Grüntönen. Ich trage eine grüne Schürze über der Alltagskleidung und gehe mit einer Gießkanne zwischen den Pflanzen umher. Gieße hin und wieder und zupfe da und dort ein paar dürre Blätter ab. Zwischendurch wende ich mein Gesicht der Sonne entgegen. Alles um mich herum vergessend. Ganz offensichtlich bin ich glücklich.

Von hinten links nähert sich eine Person, langsam, leise, locker. Ihr Aussehen androgyn und alterslos. Nur die Stimme verrät ihr Geschlecht. Doch ganz eindeutig ist es nicht. Der Eindringling hüstelt – Warnung oder Ankündigung? – und bleibt ein paar Schritte neben mir stehen. Schaut mir zu.

Ich lasse mir nicht anmerken, dass ich sie bemerkt habe. Hoffe, die Type, die ich für mich XeNö nenne, verziehe sich wieder und lasse mich in Ruhe. Keine Chance.

Ich (mit einem Tonfall, der deutlich machen soll, wie sehr ich mich belästigt fühle): Suchst du etwas?

XeNö: Nö.

Ich: Was … öhm … machst du denn sonst hier?

XeNö: Na. Dir zuschauen. Dir dreinreden.

Ich:

XeNö: Und dir ein paar Fragen stellen.

Ich (verdrehe die Augen)

XeNö: Na … ?! Hat es dir die Sprache verschlagen?

Ich: Du hast mir gerade noch gefehlt!

XeNö (grinst): Gut zu wissen!

Ich (verdrehe die Augen in die andere Richtung. Sage nichts)

XeNö: Erste Frage: Was soll das Ganze?

Ich:

XeNö: Na? Komm schon!

Ich: Das Ganze?

XeNö: Bravo. Richtige Rückfrage. Braves Kind.

Ich (frage mich, wie ich diesen aufdringlichen Menschen, der meine Zeit verschwendet, endlich loswerden könnte …)

XeNö: Na? Deine Bloggerei! Diese Zeitverschwendung. Selbstdarstellung. Theater. Vorstellung. Diese ganze Selbstbeweihräucherung, du weißt schon. Dieser Seelenstrip … diese …

Ich: Haaalt! Ich wüsste nicht, was DICH das angeht!

XeNö: Werd nicht frech, Kleine!

Ich (richte mich zu meiner vollen Größe auf. Hundertachtundsechzig Zentimeter Sofasophia): Wenn hier jemand frech ist, dann du! Kreuzest hier unaufgefordert auf und stellst unbequeme Fragen! Außerdem brauchst du mein Blog ja überhaupt nicht zu lesen!

XeNö: Weiß ich doch …

Ich: … aber natürlich gibst du nicht locker! Leute wie dich kenn ich doch!

XeNö: Ach ja?

Ich: Ja! Also. Hör jetzt genau hin, denn ich habe nicht vor, mich zu wiederholen. Wenn du wissen willst, warum ich blogge, bleibt dir nix anderes übrig als meine Texte zu lesen. Da steht es drin. Immer wieder. Eine andere Antwort bekommst du nicht. Nicht du!

XeNö: Nun schnapp doch nicht gleich ein. Man wird doch noch nett fragen dürfen.

Ich (verdrehe erneut die Augen, flüstere): Nett … (Flüstermodus aus) … wenn man die Antwort nicht scheut!

XeNö (wendet sich von mir ab. Geht durch den Garten, schaut da und dort hin, hebt Steine auf, scheint etwas zu suchen …)

Ich (Flüstermodus) Ich habe meine Zeit schon dümmer verbracht. Außerdem ist Bloggen weder sinnlos noch dumm. Materiell gesehen schaut zwar nichts ‚bei ‚raus, aber für mich zählen andere Dinge. Die Freude am Schreiben und der Austausch mit den anderen. Zum Beispiel. Und der Ausgleich zu meinem Alltag. Mentale Verdauung. Bisschen spinnen hin und wieder.

XeNö: Sorry, was hast du gesagt?

Ich: Nichts, das dich interessieren müsste.

XeNö: Du und deine ewigen Monologe! Überall führst du sie: Im Kopf. Auf Papier. Im Blog. Gehst immerzu im Kreis herum.

Ich: Deine Meinung.

XeNö: Ich frage mich doch bloß, wie ich dir helfen könnte!

Ich (beiße auf die Unterlippe, um ein Lachen zu unterdrücken): Seh ich so aus? Brauchst du vielleicht ’ne Brille?

XeNö: Ich könnte dich doch hin und wieder besuchen. Deinen Blog aufmischen.

Ich: Du hast mir gerade noch gefehlt!

XeNö: Siehst du. Im Kreis. Du wiederholst dich. Und deine Augen brauchst du auch nicht ständig zu verdrehen!

Ich: Das ganze Leben ist ein Kreis. Nicht gemerkt? Wir fahren bloß ein bisschen Lift. Paternoster. Sind mal oben. Mal unten. Steigen aus. Wieder ein. Gegen den Drehwurm hilft nur schreib … Ooops. (flüsternd, zu mir selber) Was sag ich da?

XeNö (verschwindet grinsend vorne rechts) Auf Wiedersehen!

Ich (knie mich vor eine der Pflanzen und flüstere): War das jetzt alles echt?

Einer dieser Tage I

05:13. Ohne Wecker erwacht. Geweckt von Kreisen, die in meinem Kopf kreisen. Ichen könnten man sozusagen dazu sagen. Sie formieren sich. Kongruenzen bilden sich. Einige berühren sich nur am Rand. Andere gar nicht. Am meisten hat es von jenen, die eine gemeinsame Schnittmenge haben.

Und. Oder. Nicht. – Wahr. Nicht wahr. – Konjunktionen. Disjunktionen. Negationen.
Weiße Kreide. Gänsehaut an den Ellbogen. Schwarze Tafel. Jimmy, der Algebra-Lehrer. R.I.P. Erinnerungen. Echos. Geruch von nassem Wandtafelschwamm.

In der gemeinsamen Kreis-Schnittfläche das Wort Füttern gelesen. Oder Futtern. Nein, Hunger habe ich nicht.

Wir leben nur, wenn uns jemand füttert. – Wahr?
Wir leben nur, weil uns jemand füttert. – Auch wahr? Nicht wahr?
Wir leben, um zu füttern? – Wahrer?
Wir leben, weil wir füttern? – Noch wahrer?
Wir leben, um gefüttert zu werden. – Kaum wahr? Oder doch?
Füttern wir überhaupt? …
Oder habe ich da gar statt leben lieben gemeint? Meine Nachtschrift ist noch schwieriger zu entziffern als die tageslichte.

Wo solche Träume, wo solche Sätze wohl waren, bevor sie sich in meinen Kopfkreisen eingenistet und wieder ausgesponnen haben? Einem Wespennest gleich stelle ich mir das Buchstabenreservoir in meinem Innern vor. Ein Gewusel. Ein Gerangel. Machtkämpfe vielleicht.

Einige schlummern. Wie jene dürren Wüstenrosendinger, die wir als Kinder so liebten. Leg sie ins Wasser und sie beginnen zu blühen. Ja, auch solche Buchstabenknäuel hab ich in mir drin. Bestimmt! Leise sind sie. Geduldig. Ausdauernd auch. Und auf einmal, wenn ich es regnen lasse, sind sie hellwach. Wunderschön. Klar. Da. Und nur sichtbar, weil ich hinsehe.

Füttern oder futtern? –Nicht wahr? Beides wahr?
Leben oder lieben? – Wahr?

Womöglich ist nur die Schnittmenge wahr. So es WAHR denn gibt. Die Schnittmenge aller Kreise. Aller Kopfkreise. Aus allen Köpfen. Aus allen Ländern. Winzige, riesige Schnittmenge. Nur eine. Für alle.

Später, unter der Dusche, gedacht: Ist es wahr, dass sich Kalk da besser ablagert, wo es bereits Kalk hat? Oder nur bedingt? Und, wenn nur bedingt, wie sehen diese Bedingungen aus? Sind sie thermischer Natur? Rein physikalisch erklärbar oder rein chemisch? Wobei das rein bereits wieder nach neuen Bedingungen schreit … Und mehrdeutig ist. Und dass diese Frage komplexer ist, als sie scheint. Und dass ich keine Antwort habe. Und dass es mir egal ist, wie die Antwort lautet, weil sie eh relativ ist.

Während ich meinen Saft trinke, frage ich mich, ob mein Bewusstsein und die Fähigkeit zur Selbstreflexion meine Authentizität und Unmittelbarkeit stören. Zerstören gar? Läuft Bewusstsein der Natürlichkeit zuwider? Wer wäre ich ohne meine Selbstwahrnehmung? Zum Beispiel im Straßenverkehr?

„Bildung ist wichtig, vor allem wenn es gilt, Vorurteile abzubauen. Wenn man schon ein Gefangener seines eigenen Geistes ist, kann man wenigstens dafür sorgen, dass die Zelle anständig möbliert ist.“
Peter Ustinov, 1921-2004

Gedruckt auf eine Werbe-Postkarte. In der Büro-Post gefunden. Zur Verschönerung meiner Bürohälfte an die Pinnwand gehängt. Und mich gefragt, ob Ustinov wahrsagt.

Und dann? Dann habe ich gearbeitet.

Biertreffen

Einfach wunderbar, meine Schreibgruppe. Diese Menschen! Nicht nur, was das Schreiben betrifft. Beim Indisch essen haben wir meine gestrigen Cluster-Erkenntnisse (siehe hier) ausgeweidet. Geteilte Skepsis ist halbe Skepsis? Oder doppelte? Na ja, immerhin den Ratschlag der Therapeutin, mehr zu trinken, habe ich ernst genommen.

Ob sie wirklich Bier gemeint hat?, fragt M. beim Prosten. Er zweifelt, meint, alles sei eh eine Frage des Glaubens. Ist es, ja, glaube ich jedenfalls, und auch Gretchen zwinkert mir von der Bar her zu.

Dass im Blut Informationen über den ganzen Menschen stecken, kann ich mir zwar gut vorstellen, sagt H., aber …

Ja, der ganze Rest ist nicht nur ihr suspekt. Zum Beispiel diese ganz bestimmte Übersetzung – oder Dechiffrierung besser gesagt – des jeweiligen Blutbildes in jene sehr differenzierte Details der Auswertung. Schützt Ignoranz vor Krankheit? Nun ja, dass ich mehr trinken soll, finde ich umsetzbar, doch der ganze Rest? Proscht …

Vorwärtszapp.

Ich habe gestern Abend meine Geschichte für jenen verflixten literarischen Gottesdienst im Oktober vorgestellt. (Warum bloß habe ich diese Einladung angenommen! *grmpf*) Geschichten sollen doch von selber kommen dürfen! Diese jedoch ist an den Haaren herbeigezogen. Keine Frage.

Na ja, das Konzept ist okay. Fanden auch die andern. Und sogar ein paar Stellen. Doch als Ganzes ist sie fad, nett und leblos. Vom vorgestellten Publikum ausgehend habe ich mit wenig Inspiration geschrieben. Mich ständig zensurierend. Hilfe, was soll ich in einer Kirche? Welcher Teufel hat mich da bloß geritten?

Vorwärtszapp.

Ich werde mutiger schreiben, denke ich auf dem Heimweg. Auch das Gespräch mit M. – nach den Abschiedsküssen bereits – über Leben, Liebe und die Frauen, klingt nach. Leben hat scharfe Kanten. Tut weh manchmal. Pragmatismus als Weg. Nicht der Schlechteste. Und Realismus auch. In den Nischen dazwischen Platz für Träume.

Und für neue Geschichten. Über Barkeeper, die charmant lächelnd, Schlaftabletten ins Bier kippen zum Beispiel. Doch das wäre nun wirklich eine gaaanz andere Geschichte. Und ob Pfarrer H. an dieser Freude hätte, bezweifle ich.

undichtbar

Geschmeidig sei mein Schreibstil, hörte ich neulich. Na ja. Ist ja fast so schmeichelhaft wie zu hören, dass ich nett sei.

Glatt und nett und ohne Widerhaken.

Wie viele Kanten brauche ich, damit du hängenbleibst? Genügen meine Webkanten? Wie eckig muss ich sein, um gelesen und gesehen zu werden? So ich das will (natürlich will ich das …). Doch von wem? Von jenen großen Tieren, die den exklusiven literarischen Tee aufbrühen?

Womöglich blogge ich, weil ich meinen literarischen Tee am liebsten aus meiner eigene großen Tasse trinke. Weil ich die Absichtslosigkeit und Vergänglichkeit des Bloggens mag …

Ich schreibe für das große schwarze Loch.
Für den Augenblick.
Für das Vergessen.
Für mich.
Für dich.
Für jetzt.

Schwupps. Und schon vorbei.

Die Dichte der Dichtung
an der Webkante meiner Gewebe gebrochen
scheißt Buchstaben
die wir verschlingen
noch und noch
und noch
ohne Punkt
und
ohne Komma
ohneLeerschlagsogar
Schnell
schneller
noch schneller
verdauen wir
kaum noch
all die
Buchstabenbilder
Buchstabengebilde
Buchstabengewebe
schlucken sie runter
würgen manchmal
weil sie
uns
im Hals stecken
bleiben
und uns
danach
schwer im Magen liegen…

Sorry, dieses undichte Gedichte muss hier fertig sein,
denn ich muss mal …

to do

Bin unzufrieden irgendwie. Lebe ich so, wie ich will? Wenn nein, was müsste ich verändern? Wäre das Problem gelöst, wenn ich ein paar Äußerlichkeiten ändern würde und wenn ja, welche? Dabei postuliere ich ständig, die Form sei unwesentlich. Auf die Einstellung komme es an. Verkehrte Welt, in der ich mich mal wieder tummle. Wie im Kinderspiel, wo das Gegenteil gilt von dem, was gesagt wird.

Paradoxien, Spiegelbilder, Gegensätze. Und immer wieder inspirieren sie mich …

Die leise Unzufriedenheit tuschelt mir die Ohren voll. Sie nervt mich.  Oder besser: ich nerve mich. Besonders darüber, dass ich meine Langsamkeit bereits wieder verloren habe. Dass ich bereits wieder am Listen abtragen bin. Notiert habe ich nicht nur, was ich tun sollte, nein, auch was ich tun will … Auf einer der Listen stehen Namen drauf. Menschen, die ich mag. Vernachlässigte Beziehungen, die ich beleben will. „Ich melde mich bald!“-Versprechen, die einzulösen sind.

Dabei will ich doch bloß meine innere Ruhe – ob alleine oder mit anderen ist da einerlei. Das Gegenteil dieses aktuellen Getrieben-Seins. Frei sein.

Da! Schon wieder ein Gegenteil. Im Gegenteil ist immer das Gegenteil mit eingepackt. Logisch.

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Während ich heute Nacht im Bett diesen Gedanken lauschte, schichtete ich sie bereits in blogtaugliche Sätze um.

Bin gefangen von diesem Ding, diesem Blog, diesem Ort der relativ anonymen Selbstdarstellung. Diesem Ort des lauten, schriftlichen Denkens. Bin gefangen von der Leichtigkeit, mir der es mir gelingt, schreibend Ordnung in meine oft genug Wirren Gedanken zu bringen. Bin – jawohl, das auch! – gefangen vom unsichtbaren Publikum. Von den Statistik-Zahlen.

Gefangen im Geltungsdrang? In der Egomanie? Gefangen in der Freiwilligkeit!

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Mal wieder ein „Voller EinSatz“ aus meiner Fadenkiste. Passt irgendwie.

ZeitGeist

Um deinen dunkelgrauen ZeitGeist bei Laune zu halten, brauchst du ihn bloss wie eine Parkuhr – mit deinem Zeitmangel – zu füttern, doch egal, ob du nun mit Zeit handelst, nie Zeit hast, Zeit abarbeitest, andern Zeit stiehlst, Zeit absitzest, Zeit vorarbeitest, um freie Zeit zu schaffen oder ob du gar Zeit vertrödelst oder totschlägst, eins darfst du auf gar keinen Fall tun, denn sonst wird er sauer: Zeit haben.

Keller- und Straßenkultur

Im Rampenlicht stehen. Nein. Das ist definitiv nicht das Ziel meiner Träume. Obwohl. Na ja. Es hat, ich gebe es zu, Spaß gemacht. Meine Löwinnenseite? Faszinierend. Ambivalent. Faszinierend ambivalent.

Bühnenerfahrung hatte ich bisher keine. Außer von unten nach oben. Vor Publikum gesprochen habe ich zwar schon oft und inzwischen ja auch schon einige Male gelesen. Jedes Mal lehrreich. Doch nun das: Sofasophia auf der ONO-Bühne. Das ONO – schon lange ein Ort, den ich mag. Unzählige Konzerte und andere kulturelle Anlässe wie Lesungen habe ich hier schon besucht. (… und das Honigbier genossen. Gibt’s nur hier!) Letztes Mal habe ich hier Pippo Pollina gehört. Auf seiner À-la-Carte-Tournée.

Ich höre Roswithas Ansage. Ist echt Gold, was sie sagt. Oh. Sie redet ja von mir! Ooops. Noch nie bin ich so lieb angesagt worden. Und nun steige ich also tatsächlich selber die Stufen herauf. Nehme auf der Bühne Platz. Bitte kneifen. Ist das alles echt? Wildes Herzklopfen. Ich werde mich blamieren. Bestimmt. Nun höre ich mich ein paar Sachen über diese Bühne sagen und merke, wie das hilft, die Beklemmung aus der Kehle zu lotsen. Trotzdem: Ich sehe schwarz. Nicht dunkelgrau. Total schwarz. Ich blicke auf den riesigen Bildschirm eines abgestürzten Computers. Bin mitten im Lichtkegel und sehe nur den Tisch. Und meinen Text. Na ja. Dann sollte ich wohl …

Diese schwarze Masse vor mir ist mein Publikum. Doch ist es wirklich da? Keine Chance an der Mimik der Zuhörenden etwas über die Wirkung meines Textes herauszufinden. Nix zu sehen. Nur zu hören. Den Applaus genieße ich. Echt wahr. Tut gut. Du hättest bisschen lauter lesen sollen, meinte mein Lieblingsbruder hinterher. Ansonsten wirkte er ein klein bisschen stolz auf die Kleine und drückte mich herzlich. Die einzige Kritik, die ich gehört habe. Ansonsten Ermutigendes. Oder sowas in der Art: Schwerverdaulich. Wie oft bei dir. Meine wunderbare Freundin K. Ja, stimmt. Ich weiß. Doch in Loch im Eis gibt es nun mal nichts Leichtverdauliches. (Zum Text: hier klicken)

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Bei kommenden Lesungen werde ich deshalb Blogtexte vorlesen. Gelobte ich beim ersten Bier. Leichtere Kost, wie ich hoffe. Die Texte. Das Bier auch.

Die Qualität unserer Texte war, finde ich, wieder auf sehr hohem Niveau. Abwechslungsreich. Von verspielt bis gruselig, von Psycho bis erzählend. Wie gut, dass ich (d.h. wir) unsere beiden Schreibgruppe-Männer überredenzeugen konnte mitzumachen. Manuels Text sei eine halbe Stunde vor der Lesung fertig geworden. Neue Mangas von Helen. Auf Grossleinwand – ein Erlebnis für die Augen! Ach … jetzt könnte ich ins Schwärmen kommen … Anjas Klipp-Klapp-Text, Stefans Gruselstory, undundund … Doch unser aller Überfliegerin war Roswitha. Sie moderierte absolut sympathisch, souverän und persönlich. Schwer zu toppen! (mehr Bilder von der Lesung …)

Publikum und Stimmung waren aufgeräumt. Die nicht ganz billige Raummiete haben wir praktisch aus der Kollekte gedeckt und schon bald lockte es uns alle auf die Gassen Bern.

Straßenmusik an jeder Ecke. Buskers 2009. Wir lassen uns treiben, genießen internationalen Fastfood – einen kleiner Trip nach Mexico zum Beispiel. Schweizer Bier. Tauschen aus. Treiben weiter. Am Schluss noch zu dritt bleiben wir an den Pos einer englischen Comedy-Truppe hängen. The Cosmic Sausages. Na ja, für die schönen Pos können wir nix. Ehrlich. Und für dieses charmante Lächeln hier auch nicht. Oder doch?

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Es war eben bloß noch hinter der Truppe Platz. Das Chrüsimüsi aus Klamauk, poppigem Gefiddel, Gipsysound und Countryrock animierte zum Mitshaken und -klatschen.

Schlaftrunken, später, irgendwann, im Bett, begreife ich plötzlich, dass ich Ferien habe. Endlich! Dass ich schon übermorgen nach Schweden fliege, kann ich kaum glauben. Denn im Moment will ich einfach nur schlafen.

Mücken fischen

Worüber ich heute schreiben soll? Nein, falsch geraten! Es ist nicht so, dass mir NICHTS einfällt. Es ist eher so, dass ich mich täglich aus der ganzen Fülle, die sich vor mir auftut, auf ein Thema beschränken muss.

Tatsache ist, dass ich, seit ich täglich blogge, die Welt anders wahrnehme. Alles, was mir – oft buchstäblich – über den Weg läuft, wird in mir drin subito zur kleinen Alltagsgeschichte. Da tummeln sich Sätze herum, die ich wie Kaugummi von einer in die andere Ecke schiebe. Und die auch ebenso hartnäckig kleben bleiben. Mir geht es total anders, als Peter Stamm, einem meiner Schweizer Lieblingsautoren, der aktuell den kulturplatz-Blog des Schweizer Fernsehens bestreitet. Er schreibt im ersten seiner ungefähr vier bis fünf zu erwartenden Artikel:

Es fehlt mir am Mitteilungsbedürfnis und so furchtbar spannend ist mein Leben nicht (wenigstens nicht für andere), als dass ich darüber im Wochenrhythmus berichten müsste.

Ist mein Leben denn so viel spannender als seins oder jenes der anderen? Kaum! Oder ist es so, dass ich mich einfach gerne mitteile? Das gewiss, ja. Doch durch die Augen der Schreiberin betrachtet, kann der kleinste Fliegenfurz ein Ereignis sein. Bloße Blubber wie Kollege S., Texter, gewisse Leerläufe nennt? Ich hoffe es nicht. Seichte Unterhaltung? Auch das hoffe ich nicht. Ein bisschen was zu futtern für das Hirn? Das hoffentlich schon eher. Oder zumindest Unterhaltung auf jenem Niveau, das über den Bauchnabel hinausgeht.

Es ist keineswegs so, dass ich keine Gegenüber hätte, mit denen ich mich austauschen könnte, doch der schriftliche Output, wie jener eines Blogartikels, hat eben eine andere Qualität. Qualität im Sinne von Beschaffenheit, von Konzentration und Dichte. Es ist für mich eine Übung, mich schriftlich kurz zu fassen. Die Aufträge der Zeitschrift, für die ich schreibe, lauten jeweils so: 3600 Zeichen mit Leerschlägen. Zum Beispiel. Wie für Sirup werden also die zahlreichen Ideenfrüchtchen eingekocht. Schließlich erreiche ich den Moment, wo 1.) der Sirup genau die richtige Konsistenz hat und 2.) der Abgabetermin vor der Türe steht. Idealerweise  1.) vor 2.) wohlgemerkt. So nehme ich die Pfanne vom Feuer und lasse ein paar feinschmeckende Mitmenschen daran schnuppern und sie ein Glas versuchen, auf dass sie mir liebevoll-ehrlich und wohlwollend-kritisch sagen, wie das Ganze schmeckt.

Doch wo war ich gleich?  Bei der (Hirn-)Fütterung der Raubtiere Bloglesenden! Na ja, es ist ja nicht immer meine erklärte Absicht, Euch Geistreiches zu bieten, manchmal ist Bloggen einfach Warm-up. Einlaufen. Stretching. Bevor ich an einer Geschichte weiterspinne.

Apropos Spinnen. Thekla, wie ich meine Balkonmitbewohnerin nenne, ihres Zeichens Spinne, legt eine beneidenswerte Ausdauer im Spinnen neuer Geschichten Netze an den Tag. Sie hat es sich in den Kopf gesetzt, ausgerechnet zwischen meinem Balkonstuhl und der Mauer Mücken zu fischen. Und das, obwohl ich – nicht aus böser Absicht, sondern aus Vergesslichkeit – schon viermal ihr Netz beschädigt, sie genausooft um Verzeihung gebeten und ihr gut zugeredet habe, ihr Netz woanders, zum Beispiel bei den Tomaten drüben, zu knüpfen. Ich hoffe, sie verhungert nicht! Wo sie doch vor lauter Webereien kaum was zum Fangen und Futtern kommt. Wie gesagt: Ihre Ausdauer ist bewundernswert. Sisyphus lässt grüssen.

Jetzt sollte ich wohl endlich meinen klugen Artikel zu schreiben beginnen. Bloß weiß ich heute echt nicht, worüber ich schreiben könnte. Über die Schweinegrippe vielleicht? Nein, das lassen wir besser.

Bleibt mir nur ein Tipp: Spinnt Netze, liebe Leute. Ein paar literarische Mücken finden sich bestimmt. Guten Appetit.