Glück und Glas …

Scherben sollen ja Glück bringen. Luisa wünsch ich das genauso wie mir. Ihr zerbrach ein Marmeladenglas in der Handtasche. Mensch stelle sich das mal vor! Auf einer Reise von A nach B. Tauschen möchte ich da echt nicht! Mir reicht, wenn meine kleine Flasche Baldrian, die – warum auch immer – vom Gestell über dem Marmor-Küchentisch auf diesen gepurzelt, dort zu Bruch gegangen und weiter auf den Boden geflogen ist.

Bloß nicht aufregen, schließlich waren das Beruhigungstropfen!, lache ich vor mich hin, während ich die Scherben zusammenschiebe und die Flüssigkeit auf tunke. Wie viel doch in einer kleinen Flasche Platz hat! So viel, dass nun meine ganze Wohnung beruhigend duftet. So beruhigend, dass es fast schon nervt. Wie gut, dass ich die Tropfen kaum mehr brauche. Ich kann mich kaum mehr erinnern, wie es war, damals, als ich das Zöix täglich brauchte, als ich diese massiven Schlafstörungen hatte. Vor drei Jahren dann der Tiefpunkt. Das Beinahe-Burnout. Grad noch abgewendet. Den damaligen Job gekündigt. Timeout statt Burnout. Neuanfang. Ohne Einkommen gelebt, bis das Geld alle war. Weiser Entscheid war das gewesen. Schlafen tu ich seither endlich wieder gut. Ohne Baldrian. Tja, diese Scherben bringen mir wirklich Glück, denn sie erinnern mich daran, wie viel zufriedener als damals ich doch heute bin …

Ach, natürlich noch das: Euch allen da draußen wünsch ich einen wunderbaren Frühlingsanfang!

Und zum Schluss noch dies: Luisa Francias WebTagebuch ist eine Fundgrube, die ich beinahe täglich besuche … Heute dies gefunden:

(Quelle: luisa in münchen – 21.03.2010 um 08:57:29)

Collage, f., zusammengesetztes od. zusammengeklebtes Kunstwerk

Fragmente überall. Alles, woraus ich bestehe, ist Bruchstück, Stückwerk – physikalisch ebenso wie metaphysisch, energetisch (ob Kunst oder nicht wäre eine andere Geschichte). Alles zusammen sei mehr als die Summe des Ganzes, hat mal ein kluger Mensch gesagt*. Jedes Teilchen meines Lebens, Ding oder Mensch, hat sich irgendwann mit mir getroffen – oder ich mich mit ihm. Bleibt kleben – Anziehung ist der Leim – und teilt ein Stück Zeit und ein Stück Weg mit mir. Ein Wegbruchstück. Ein Lebensphasenbruchstück. Alles ist abschiedlich, sagte Jorgos Canacakis, bei dem ich vor vielen Jahren ein Trauerseminar besucht habe. Alles. Alle Beziehungen. Alle Dinge. Alles kommt. Alles geht. Und dazwischen und genau da und überall findet Leben statt. Sattes Leben. Glück. Freude. Krankheit zuweilen. Leid auch. Leben eben.

Solche bunten Gedanken blubbern durch meine Pipelines, während ich staubsauge.

Später, als ich das Bett frisch beziehe, denke ich an J. Und dass 6 gut für die Kondition ist. Und fürs Herz.

Beim Abwaschen denke ich an eine Geschichte, die sich in mir zu entwickeln beginnt. Eine Kurzgeschichte. Eine eingermaßen ver-rückte, schräge. Irgendwann später schreibe ich sie runter. Was sich sehr gut anfühlt. Kreatives Frühlingserwachen.

Neue Geschichten. Alle sind sie schon. Als Samen. Als Fragmente. Als Setzlinge. Wir brauchen sie bloß zu finden. Und zu zähmen. Zu hegen. Dennoch werden die meisten ungeschrieben bleiben. Für alle reicht mein Leben nicht. Selbst wenn ich weniger faul wäre. Nein, selbst dann nicht.

*“Das was aus Bestandteilen so zusammengesetzt ist, dass es ein einheitliches Ganzes bildet, ist nicht nach Art eines Haufens, sondern wie eine Silbe, das ist offenbar mehr als bloß die Summe seiner Bestandteile. Eine Silbe ist nicht die Summe ihrer Laute: ba ist nicht dasselbe wie b plus a, und Fleisch ist nicht dasselbe wie Feuer plus Erde.“ Aristoteles (Quelle: Emergenz, Wiki)

Neues Land

Verdichtet sich ein Thema in meinen Leben dadurch, dass ich innert kurzer Zeit wiederholt darüber stolpern gemacht werde, schaue ich genauer hin. (Notiz an mich: Wer oder was löst diese Verdichtung aus? Bin ich womöglich selbst der Magnet, der diese Stolpersteine anzieht? Unsichtbare Zusammenhänge … Zu-Fälle?)

„Die Zukunft träumen, das ist was Schönes. (…) egal was dann auch wird!“, schrieb L. gestern. Ich schlug uns vor, unsere jeweiligen Lebensbücher, mit uns als Protagonistinnen, weiterzuschreiben. Und zu gucken, was aus diesen Entwürfen und Fiktionen wird. Und uns vom realen Leben überraschen zu lassen. Warum auch nicht!

Alles war zuerst eine Idee. Ein Kartoffelsamen quasi, Synonym für verrückte, vergessen geglaubte Möglichkeiten. Wie bei Nesser, der sich für seine Krimis einfach ein neues Land erschaffen hat. Alles ist möglich. „Als Schauplatz für die Romane der Van Veeteren-Reihe hat Nesser ein zwar europäisch anmutendes, aber doch fiktives Land mit der Hauptstadt Maardam konstruiert. (Quelle: Wiki).“

Neues Land – fiktives Land. Da schrieb doch K. heute früh wörtlich, dass ihm die neue Gegend, in die er umziehen werde, fast wie ein neues Land vorkomme. Dabei ist es ja nur ein neuer Kanton. Tja, neue Realitäten … neue Geschichten … Fiktiv oder real ist wohl gar nicht mal so wichtig.

Tja, Neues umspült mich von allen Seiten. Bin heute ziemlich früh erwacht. Endlich fieberfrei. Nach zwei Pyjama- und Lesetagen im Bett fühle ich mich heute rundumerneuert. Na ja, der Ischiasnerv nervt noch immer ein bisschen, aber was soll’s? Die Sonne tut das ihre. In ihren Strahlen habe ich den Balkon aufgeräumt, Rosen- und Lavendelstöcklein geschnitten, die Wärme aufgesaugt und festgestellt, dass ich gerne lebe.

Was ich jetzt tun werde? Das nächste Kapitel meines Lebens schreiben. Vielleicht.

Alles ist möglich, wie gesagt.

Wie viel und wozu?

Beim Aufräumen meiner Textarchive soeben dies hier gefunden. Vor einem Jahr gewoben.

„Ich stelle fest, dass mir allzu sarkastische Texte und allzu zynische Menschen schlecht bekommen. Denn das Öl, in dem sie frittiert wurden, riecht verbrannt und meine Eingeweide verkrampfen sich.

Ich selber bin wohl zu wenig raffiniert, zu einfach gestrickt, den zweiten, dritten und vierten Boden unter einer sehr ironischen Aussage zu verstehen. Ooops, das sollte ich wohl besser nicht sagen. Nun ist diese meine Achillesferse noch nackter.

Was gut ist, wertvoll, berührend, wird immer wieder durch zynische Bemerkungen da und dort – und ganz besonders in der so genannten freien Presse – demontiert Und wer will heute schon ein Gutmensch sein? Doch mal ehrlich: Was wären wir ohne Menschen mit Zivilcourage? Was wären wir ohne Schönes und Berührendes? Dennoch ist heute, besonders im Kulturbereich, bloße Schönheit suspekt. Sie ist zu einfach.

Doch wozu braucht unsere Gesellschaft so viel Zynismus, so viel Ironie, so viel Sarkasmus? Weil die Welt so ist, wie sie ist? Weil das Leben verschissen ist. Weil Zynismus Scheiße erträglicher macht. Weil er eine Form von Humor ist. Psychohygiene womöglich?

Wären wir nicht besser dran, wenn wir, statt uns über die Kälte zu mokieren, ein bisschen mehr Wärme zulassen würden? Oder diese gar selber produzieren?

Ja, ich weiß, spätestens hier würde mir jeder Zyniker – und auch jede Zynikerin natürlich – ins Wort fallen. Ich moralisiere, würden sie sagen. Und so. Und ich würde schweigen. Vielleicht. Denn ich stelle fest, dass ich mir zuweilen die Flügel stutzen lasse. Dass ich ab und zu Hemmungen habe, herzlich und berührend zu schreiben. Dass ich mich frage, was wohl die anderen (im Klartext ihr da draußen!) über mich und meine Schreibe denken …

Und genau das ist es denn auch, was mich mit den sarkastischen Zynikerinnen vereint: Wir alle wollen bloß das eine: Anerkennung …“

Tja …

Der Koch

Kapitel 20 (Seite 129)
„In diesen Tagen feierten die Hindus Navarathiri, den Kampf des Guten gegen das Böse. Als sich die Götter einmal hilflos fühlten gegen die Mächte des Bösen, trennten sich alle von einen Teil ihrer göttlichen Kraft und formten daraus eine neue Göttin, Kali. In einem schrecklichen Kampf, der neun Tage und Nächte dauerte, besiegten sie den Dämon Mahishasura.“

Das Buch gefällt mir! Wie fast alle Bücher von Martin Suter geht es auch hier um Menschen, die irgendwo außerhalb der gesellschaftlichen Norm geraten sind. Oder schon immer waren. Wie Maravan, ein junger Tamile, der in Zürich einen positiven Entscheid auf sein Asylgesuch erwartet. Nein, Der Koch ist kein Roman über Asylbewerbende, dennoch erfahren wir lesend ganz nebenbei das eine oder andere über die Schweizer Praktiken. Und über den Krieg in Sri Lanka. Über die Machenschaften hinter den Kulissen – hüben ebenso wie drüben. Und über die Finanzkrise. Ein Politkrimi? Nein, auch das nicht. Und, nein, auch keine Liebesgeschichte, denn die Protagonistin Andrea, die Maravan mit einem aphrodisierenden Gericht Monate zuvor verführt hat, ist Lesbe. Dass die beiden später einen illegalen Partyservice für solche Speisen ins Leben rufen, hat denn auch genau damit zu tun: Der Wirkung dieser Mahlzeiten kann sich nämlich niemand entziehen! Das bestätigen die Erfahrungen.

Doch eines Tages machen alle mal einen Fehler. Sogar die schöne Andrea!

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kontrastreich

Eigentlich wollte ich über den Mannheimer Nummernkult schreiben. Aber, na ja, was soll ich darüber schon schreiben? Beweisen kann ich ihn eh nicht. Höchstens zwei Zeugen nennen. Echt wahr: so viele Doppel- oder Dreifachzahlen auf Autokennzeichen habe ich miner Läbtig noch nie gesehen, nämli. Das Nonplusultra waren eine 666 und eine 333 gleich hintereinander geparkt. Doch ich habe, wie gesagt, keine Beweise.

Tja, Deutschland tilgt by doing immer mehr Vorurteile. Je mehr Menschen ich hier kennen lerne – winkewinke für S. und St., und für P. natürlich – desto haltloser sind sie, diese inneren Programme, wie Deutsche seien.

Fazit: Ich fühle mich sauwohl in den nördlichen Gefilden, sei es am warmen Ofen …

oder im (hässlichen?) Mainz …

… das durchaus auch seine schönen Seiten hat. Die Mainzerinnen zum Beispiel!

Mannheim – ganz schön ordentlich. Echt stark!

… doch am schönsten ist es gleich um die Ecke. Endlich mal wieder Cachen, jawohl!

(Wie immer werden die Bilder beim Anklicken größer. Wie immer Copyrights bei Sofasophia)

Nummer 43

Verlängertes Wochenende. Vier freie Tage auf dem Berg. Glückspilzin, die ich bin!

Doch vorerst bin ich einfach nur müde. Unglaublich müde. Bleischwere Müdigkeit. So viel war los in der letzten Zeit. Zu viel. Im Büro immer wieder noch mehr neues, das auf meinem Tisch Pirouetten gedreht und mich zu Überstunden genötigt hatte. Bleischwere Müdigkeit, wie gesagt. Ich könnte dauerschlafen. Während J. mitten in einer kreativen Phase steckt, musste ich mich nach dem Brunch nochmals hinlegen. Auch J.s Sofa freut sich zum Glück, wenn sich Sophia auf ihm ausbreitet. Und die Katze sowieso. Irgendwann muss ich eingeschlafen sein, im Hinterkopf der Gedanke, dass ich ein bisschen friere. Viele gefühlte Stunden später davon aufgewacht, dass mich J. in eine Wolldecke hüllt und mir so ein wohliges Seufzen entlockt. Die Müdigkeit – wie schwer sie auf mir liegt und sich um mich breitet! Wie J.s Decke. Sie greift immer stärker nach mir und kippt, wenn ich es zulasse, irgendwann, am Point of No Return, in Lethargie. Sumpfige Lethargie. Wie Teer. Wie Honig. Wie Karamell. Süß und klebrig. Schwer ihr zu entkommen.

Dieses Nichtstun, dieses Zulassen von Ruhe, von Stille, von Mich-fallen-lassen fühlt sich vor dem Punkt ohne Zurück wichtig und gut an. Bis es – wie gesagt – kippt und schwierig wird. Schwierig, weil es mich – um zurück in den Normalmodus zu kommen – sehr viel mehr Energie kostet, als ich mir erholender weise geschaffen habe.

Ideal wäre es also, mich genau so lange zu erholen und mich dem Nichtstun hinzugeben, wie ich noch im Normalmodus bin. Sofasophie’sches Gesetz Nummer 43.

EDIT: … öhm, kann mir vielleicht jemand sagen, was der Normalmodus ist? Und ob Bloggen normal ist …

im Bauch das Stimmgerät

Neulich getagebucht: „Oft fühle ich mich im falschen Leben, im falschen Film. Wo habe ich überhaupt noch das Gefühl von richtig in meinem Leben? Wo, wann, wie … Ob es für Spurensuchen dieser Art auch GPS gibt?“

Na ja, es sind ja nicht die in Koordinaten messbaren Orte, die bewirken, dass ich mich hier richtig und dort daneben fühle … Obwohl es natürlich Orte gibt, wo ich mich besonders wohl fühle. So geht es mir mit Menschen. Mit Gruppen. Mit Einzelpersonen.

Ich weiß, dass ich ein GPS des Herzens irgendwo in mir drin habe, im Bauch oder im Herz, mein ganz persönliches Stimmgerät, meinen eigenen Seismographen … Bin ich auf der richtigen Frequenz, in Kontakt mit mir selber, erfahre und verstehe ich alles Mögliche über mich und meine Leben. Wenn nicht, dann nicht.

Spannend zwar auf diese Mitteilungen zu hören, nur lassen sie sich oft genug nicht in die Realität übertragen. Ich kann ja nicht immer alles stehen und liegen lassen, wenn ich in einer Sitzung nicht mehr mitschreiben mag. Müsste ich also statt der Umstände meine Haltung neu ausrichten,  Norden neu definieren, den Grundton neu bestimmen, neu stimmen und meine Realität schönen und beugen, bis sie passt? Oder ich in sie reinpasse?

Ooops, sooo viele Diskrepanzen … Oder bloß ein Muster, das ich noch nicht begreife? Wie andere wohl damit umgehen?

säen …

… statt schreiben. statt leisten mich dehnen. nach unten. und die erde berühren. in der erde wühlen. nicht schreiben. nicht mehr schreiben. wieso eigentlich schreiben. es schreiben schon so viele. viele. unendlich viele. alles ist schon gesagt. vielleicht. was soll ich da auch noch schreiben. was will ich. und worüber. für wen (falls nicht bloß für mich) und wozu überhaupt. besser ich mache ein nickerchen. auch säen wäre gut. wie schlafen. samen in die erde legen. wachsen lassen.

und ernten. eines tages. und schlafen. jetzt.