wahrscheinlich

Neue Sofasophien

Wahrscheinlich ist eher wahr als unwahr, was wir alle als Einzelne wahrnehmen. Unwahrscheinlich dagegen, dass wahr ist, was alle gemeinsam, als Kollektiv, wahrzunehmen behaupten. Niemand nimmt gleich wahr. Wahrheit bleibt immer vorläufig.

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Werde ich eines Tages aufgehört haben, mich übermütig und immer mal wieder wie ein junges Mädchen zu fühlen? Werde ich eines Tages aufgehört haben, in einer Warteschlange stehend zur Musik in meinen Ohren rhythmisch zu wippen und den Takt zu klopfen. Trotz der schrägen Blicke („Die benimmt sich ja wie ein Teenie!“). Werde ich eines Tages aufgehört haben, mit dem Fahrrad wilde Schlenker zu fahren, wann immer ich Lust dazu habe? Oder Rotlichter und Gehwege, wenn es grad so passt, zu ignorieren? Werde ich wohl eines Tages anständig sein? Ich glaube, dann möchte ich nicht mehr weiterleben. Ganz bestimmt jedenfalls will ich niemals bereuen, dass ich nicht mutiger war.

wenn du könntest …

Die Frage heißt für einmal nicht, was du tun würdest, wenn du nur noch eine Woche zu leben hättest. Meinetwegen auch ein Jahr. Oder eine Woche.

Die Frage heißt diesmal, was du tun würdest, wenn dir jener hypothetische Engel, der deine Karten mischt, ewiges Leben anbieten würde. Einfach so. Kostenlos. Hm, da fällt mir Voldemort ein, der Böse bei Harry Potter. Der das ewige Leben sucht, süchtig danach ist, unsterblich zu sein. So war meine Frage allerdings nicht gemeint. Nein, ich meine nicht Macht. Zeit meine ich. Immer-Zeit. Jetzt-Zeit. Wenn du Zeit haben könntest für alles, was du schon immer tun wolltest. Für alles, worauf du je verzichtet hast! Weil du wählen musstest, da du nicht alles gleichzeitig tun konntest! Jetzt könntest du es tun!

Willst du?

Kartenspiel?

Ist das Leben ein Kartenspiel und dauert es womöglich einfach so lange bis wir alle Karten gespielt haben? Ob jene im Ärmel und in der linken Socke auch zählen?

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Hilfe! Das Pflegen von Beziehungen sowie all die kulturellen Aktivitäten, denen ich meine Aufmerksamkeit schenke – Lesen, Schreiben, Malen, Filme schauen, Musik hören, Fotografieren, Bilder bearbeiten –, fressen fast meine ganze freie Zeit auf. Ich glaube, ich lasse das alles mal bleiben! Genau! So werde ich auf einmal ganz viel freie Zeit haben! Wie soll ich diese bloß (r)umbringen?

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Der kleine J. (6) in Irgendlinks Blog sagt: „Es gibt keinen Gott.“ Als Beweis führt er an: „… weil er sich dir nicht offenbart, weil er sich mir nicht offenbart und weil er sich auch allen anderen Menschen nicht offenbart. Es sind immer nur Menschen, die anderen Menschen erzählen, dass es Gott gibt und was er so tut. Nie ist es Gott persönlich. (…) Sie haben ihre Informationen (…) ALLE nur aus zweiter Hand. (…) Wer also kann ausschließen, dass ich nicht am Ende einer tausendjährigen Lügenkette stehe?” (Zum Originaltext: hier klicken).

Da ich selber nicht an jenen Gott mit Rauschebart glaube, halte ich diesen weisen Beweisen nichts weiter entgegen außer den Gedanken, dass sich mit fehlenden unmittelbaren, respektive immer nur subjektiven und immer nur von Menschen interpretierten Offenbarungen Gott zwar tatsächlich nicht beweisen lässt. Aber eben, er lässt sich damit auch nicht ausschließen und widerlegen. Was heißt da ER? ER-SIE-ES. Offenbarungen, die wir Menschen haben, Erleuchtungen, Erkenntnisse – sie alle sind immer subjektiv. Wir glauben etwas, weil wir es jetzt glauben wollen. Weil es uns jetzt gut tut. Weil wir es jetzt für wahr halten (wollen). So wahr, wie eben etwas wahr sein kann. Oder auch nichts.

Na, wenn das mal keine Offenbarung ist!

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Ist das Leben ein Kartenspiel?

Yhprums Law

Tja. So kann es einer also gehen, die schreiben will. Da wollte ich also von Mister Murphys heutigem Urlaub schwärmen. Dass er zurzeit nicht hier ist. Wollte schreiben, was ich heute wiederentdeckt habe. Dass immer auch das Gegenteil wahr ist! Genauso wahr wie Murphys Law.

Doch was muss ich da im Großen Netz entdecken? Das Gegenteil ist nicht nur auch wahr, es ist sogar bereits benannt. Nix also von Sofasophias Law! Yhprums Law! Was ein Ananym von Murphys Law ist. Nach Wiki lautet dieses Gesetz vereinfacht so: „Alles, was funktionieren kann, wird auch funktionieren.“ Genau diese Worte hatte ich mir zurechtgelegt!

Das fallende Brot kann also nach Yhprum – sogar ohne Katze! – auf der Brot- statt auf der Marmeladenseite landen. Bitte nicht ausprobieren! Tierschutz und so. Richard Zeckhauser, Professor für politische Ökonomie an der Harvard University, ergänzt: „Systeme, die nicht funktionieren sollten, tun es manchmal doch.“ (beides: Wikipedia). Kann ich bestätigen. In beiderlei Richtung. Ausnahmen und ihre Regeln. Ihr wisst schon.

Wo es nun das Umkehrgesetz bereits gibt, muss ich es also nicht neu erfinden. Leider nicht. Doch worüber schreibe ich denn heute? Wie wäre es mit der These, dass es nicht stimmt, was über die sich selbsterfüllenden Prophezeiungen gesagt wird*?

Denn wäre dieses Gerede wahr, wäre die heutige, von mir organisierte Weiterbildung eine einzige Katastrophe gewesen. Bei all diesen Alpträumen, die ich hatte! Ich wäre zu spät am Treffpunkt gewesen. Falls ich überhaupt erwacht wäre. Die Kursleiterin, die ich abholen sollte, hätte ebenfalls verschlafen. Doppelter Worstcase. Oder dann wäre mir zumindest, will heißen meinem Sternchen natürlich, unterwegs das Benzin ausgegangen. Mitten auf der Autobahn nach Thun. Und wir wären zu spät da gewesen. Alle Kolleginnen und Kollegen, neunzehn an der Zahl, hätten gemurrt. Der ganze Kurs wäre bloß mittelmäßig gewesen. Oder gar sterbenslangweilig. Undundund. (*Ausnahme der Regel oder Antithese?)

Nicht von alledem! Ich war natürlich genau rechtzeitig in der Länggasse. Und ich fand natürlich sofort einen Parkplatz. Und die Kursleiterin war natürlich ebenfalls püntlich. Das Benzin reichte, der Kurs war genial und das Mittagessen beim Inder göttlich. Besser gesagt shivanisch, kalisch oder shaktisch. Einziger Stressfaktor: Als ich kurz auf dem Klo war, plünderte ein Arbeitskollege schnell mein Spesen-Portemonnaie, das er hüten sollte und aus dem ich das Essen für alle zu bezahlen gedachte. Als die Rechnung kam, waren nur noch zweihundert Franken im Beutel. Großer Schock! Wir haben Diebe unter uns! Wer war es? Erleichtertes Lachen mit Adrenalin bis in die Zehenspitzen als der diebische Kollege mir das Geld über den Tisch zurückschob, das er temporär – unter den Blicken einiger Mitwissender! – geklaut hatte.

Ein Seminar über den Umgang mit Zeit, Stress, Pflichten und das Planen … Klingt ja furztrocken! Forget it! Mit praktischen Beispielen, Selbsteinschätzungstests, interaktiven Übungen, anregenden Gruppengesprächen, Fragebögen und ein paar Plenumssequenzen gab uns A., unsere externe Kursleiterin, handfeste Tipps für den Alltag mit auf den Weg. Werkzeug, das wir anwenden, Wissen, das wir umsetzen können.

Ach ja, und so viel gelacht bei der Arbeit wie heute habe ich schon lange nicht mehr! Ob Murphy trotzdem recht hat?

Für die Neugierigen unter uns noch n bisschen Theorie zu Mr Murphy:

„Dem Autor Ulf Heuner zufolge hat Murphys Gesetz dagegen weder etwas mit Entropie noch mit Zufall oder Wahrscheinlichkeit zu tun, sondern mit Notwendigkeit. Er führt als Beispiel an, dass, wenn ein altes, zerfallenes Haus irgendwann einstürze, dies zwar dem Gesetz der Entropie, aber nicht Murphys Gesetz gemäß geschehe. Stürzt ein Haus aber gleich nach Erbauung ein, dann sei wohl etwas schiefgegangen. Das Paradoxe an Murphys Gesetz sei, dass für Dinge, die schiefgehen, einerseits immer Menschen in irgendeiner Weise verantwortlich seien, andererseits aber bestimmte Faktoren, die nicht in der Macht einzelner Menschen stehen, mit dafür sorgen, dass etwas irgendwann (notwendig) schiefgeht. Als solche Faktoren macht er z. B. die unkontrollierbaren Handlungen der Mitmenschen aus, unbewusste Sabotageakte unseres Gehirns, den eigenen, unbändigen Willen unseres Körpers oder die berühmte Tücke des Objekts. Unter Umständen könnten auch alle Faktoren zusammen die ‚Katastrophe‘ herbeiführen.“

(Quelle: Wikipedia)

-archien

Halb acht. Beim Klingeln meines Handyweckers festgestellt, dass ich doch nochmals eingeschlafen sein muss. Nachdem ich von der morgigen Weiterbildung gealpträumt hatte! Was alles schief gehen könnte und so. Und was ich alles vergessen könnte. Bittebitte Mr Murphy, gehen Sie doch morgen irgendwo am Nordpol spazieren! Oder sonnenbaden Sie unter einer Palme!

Unter der Dusche gedacht, ich könnte doch J. per Telefon GutenMorgen sagen. Auf die Uhr geschaut und es bleiben lassen. Er zum Glück nicht. Später als sonst, dafür mit einem Grinsen im Gesicht, ins Büro geradelt. Dort beschlossen, dass ich endlich mal wieder eine Geschichte schreiben würde. Wie wäre es mit einem  Märchen? Nein, eine tolle Parabel würde ich kreieren. Doch worüber bitteschön, Madame Sofasophia? Wie wäre es zum Beispiel mit dem Thema Macht? Genau! Ich würde über Hierarchien und Anarchien schreiben. Über Vertrauen und die Angst, übervorteilt zu werden. Über Autoritäten und das Problem mit diesen. Oder mit Vorschriften. Eine richtig geniale Geschichte, die ausdrücken würde, was ich über all diese Dinge denke.

Doch meine Gedanken wanderten unablässig umher. Wanden sich um Dinge, die ich erledigen musste. Wanden sich um konkrete Themen, um wirkliche Menschen, um tatsächliche Pflichten. Schlangen sich um handfeste Fakten. Gespräche, Seufzer und Lacher am Telefon und in der Pause füllten allmählich mein heutiges Emotionen-Kontingent. Nachmittags, nach einem halbstündigen Austausch mit meinem Scheff, war sie auf einmal wieder da, jene Geschichte, die ich schreiben will. Die mich schreiben machen will. Die sich von mir materialisieren lassen will. Jene Geschichte, die noch keine Geschichte ist. Erst eine Idee. Eine gute zwar, hoffe ich jedenfalls, aber noch ohne Gestalt. Erst Blut und Seele – noch ohne Körper. Von Kleidern noch keine Rede!

Schließlich wurde es Feierabend und ich spontan von einer Arbeitskollegin zum Abendessen eingeladen. Auf dem Heimweg stellte ich fest, dass die kleine Geschichte in mir drin versickert ist – Blut und Seele. Nun Kompost. Eigentlich egal …

(Notizen an mich: Wer befiehlt – die Geschichte oder ich? Vielleicht sollte ich ja einfach nur leben statt schreiben? Oder ist gar schreiben mein Synonym für leben? Ist schreiben mein Huhn, das vor dem Ei da war? Falls denn das Huhn … hm … Unlösbar … Notizen verwerfen … )

Sie sollte nicht ahnen …

Fünf Stunden! Und das ohne Pause! Mein Rekord von Z. nach Bern. Normalerweise brauche ich dafür Dreidreiviertelstunden reine Fahrzeit. Doch normalerweise ist sowieso alles ganz anders. Und normalerweise habe ich auch keine solchen Sch… Nein, halt, alles schön der Reihe nach! Müsste ich da wohl mit dem Orkan anfangen? Mit Xynthia!

Dank ihr, der Stürmerin, blieb ich nämlich sicherheitshalber eine Nacht länger bei J.. EIN positiver Nebeneffekt immerhin. Dank Xynthia fuhr ich also erst heute Morgen zurück nach Bern. Doch dafür, dass „meine“ Stamm-Tankstelle in Z. umgebaut wird und deshalb geschlossen ist, konnte nicht mal Xynthia etwas. Und Xynthia kann auch nichts dafür, dass mein Auto einen relativ kleinen Tank hat. Und dass ich also schon bald tanken musste. Da französisches Benzin günstiger ist als deutsches und ich ja außerdem eh schon fast an der Grenze war, beschloss ich, dies in Bitche zu tun.

Hätte ich besser bleiben lassen und bis Haguenau gewartet. Bestimmt hätte das Benzin bis dort gereicht. Als ich mich nämlich wieder in die Straße nach dort einfädelte, war ich genau jene berühmte Minute zu spät, die alles auf den Kopf stellte. Hätte ich es doch bloß geahnt! Genau jene Minute war es, die ich an der Tankstellenkasse auf die Kassiererin hatte warten müssen. Oder jene, die ich in der Einbahnstraße verbummelt hatte, auf der Suche nach der angekündigten Tankstelle. Oder jene Minute in Z., als ich bei der geschlossenen Tankstelle kurz angehalten hatte. Eine Minute, nur ein paar Sekunden eigentlich, zu spät war ich, um es noch vor jenen Hundert-Tönner, der großartig mit den Worten „Convoi undsoweiter“ angeschrieben war, durch den Kreisverkehr zu schaffen. Genau vor mir und meinem Vorderauto wand er sich auf die Straße. Breit und lang füllte er beinahe den ganzen Kreis aus. Flankiert von Töff (vorne) und zwei blinkenden Begleitfahrzeugen (vorne und hinten). Wurden wir da etwa Zeuginnen und Zeugen eines hochgiftigen Transports nuklearer Abfälle? Schneckengleich und nicht zu überholen schoben sich die vier Fahrzeuge Richtung Haguenau. Mein Vorfahrer versuchte immer wieder, sich an den „Gefährten“ vorbei zu schieben, doch kaum wechselte er vom rechten Straßenrand in die Mitte um die Sicht zu checken, fuhr ihm das Begleitfahrzeug genau vor die Nase. Meine Nerven!!!

Erst ganze vierzig Minuten, ganze tausendundeine Überholgelegenheiten, ganze dreißig Kilometer später, winkte der Motorradfahrer endlich die kilometerlange Schlange, die sich inzwischen hinter uns gebildet hatte, an sich vorbei. Was für ein Gefühl, endlich wieder Gas geben zu können!

Doch jene Verspätung, die ich mir antat, weil ich später, irgendwo bei Mulhouse den Abzweig nach Basel verpasst hatte und plötzlich auf der Autobahn Richtung Belfort fuhr, kann ich weder Hundert-Tönnern noch Xynthias in die Schuhe schieben. Sekundenschlaf zählt auch nicht als Ausrede. Schlicht und einfach Unaufmerksamkeit! Tja. Wie heißt es doch so schön? Hauptsache wir kommen gut an! Und was sind schon sechzig Minuten Verspätung im Laufe eines Lebens? (Die Abweichung fällt mir ein. Eine kleine Geschichte, die ich gestern geschrieben habe. … doch davon vielleicht ein anderes Mal!)

Später meinte mein Scheff, dass ich es wirklich gut gemacht habe.
Den Sturm?, fragte ich. Danke für dein Vertrauen in meine Talente, aber bitte überschätz mich nicht!
Nein, nein, ich meine doch bloß: Gut gemacht, dass du erst heute gefahren bist!