Gießen oder nicht gießen?, habe ich mich neulich hier gefragt. Heute heißt die Frage anders …
Wie wir beim Abendessen saßen, meinte ich nämlich zu Irgendlink:
Ich kann zurzeit einfach nicht bloggen. Glücklich zu sein, überhaupt einfach zu sein und unspektakulär vor sich hin zu leben, hat Null Unterhaltungswert. Womit wir schon mitten ihm Thema Larmoyanz-Bloggen waren.
Doch nur schreiben, wenn es mir Sch… geht, ist ja auch nicht das Wahre, sagte ich.
Dramen hatte ich für ein Leben genug. Jetzt darf ich einfach genießen. Sage ich mir oft. Was nicht immer leicht fällt. Genießen können ist eine Kunst. Kunst kommt von Können und dies will gelernt sein. Das Handwerk und sein Werkzeug dazu sind nicht einfach vorhanden. In unserer Überlebenskiste, die wir bei der Geburt mitbekommen, wird uns allen die Anleitung – ich stelle sie mir als Samenpackung vor – vermutlich mitgeliefert, doch ob wir sie auch lesen (und aussäen), hängt von mancherlei Umständen ab. Manchmal frage ich mich, wieso wir dagegen alle so gut jammern können. Dieser wunde Schrei nach Aufmerksamkeit. Schaut her, ich Arme, ich Armer. Auch geben wir uns gerne mit Jammern ein pseudointellektuelles Aussehen, denn wer jammert, kann ja nicht oberflächlich sein. Er denkt nach. Oder sie. Findet ein Haar an der Schuppe.
Und die Suppe ist zu kalt.
Zu salzig.
Zu …
Wer aber, wie ich zurzeit, einfach ein ruhiges, friedliches und – zugegeben – auch ein wenig von den schlimmen Nachrichten der Welt abgeschottetes Leben führt – hat da jemand langweilig gesagt? –, findet wenig Grund zum Jammern. Außerdem bin ich gerne allein, mit mir oder zu zweit, und befürchte zuweilen, dass ich nach diesem befristeten Time-Out zu Arbeitsbeginn neu sozialisiert werden muss.
Alles gut, aber schlicht nichts zu erzählen …
Halt, halt, da fällt mir ja doch was (halbwegs) erzählenswertes ein: Morgen wird unsere Waschmaschine geliefert! Das erste Mal im Leben, dass ich eine Waschmaschine mitbesitze. Das ist doch auch mal was! 🙂
Monat: Juni 2011
Fragen über Fragen
Gießen oder nicht gießen? Da war dieses kurze Gespräch gestern, mit dem Nachbarbauern, der an seinen Feldern entlang fuhr, um den Schaden zu ermessen. Nein, selbst wenn er eine Gießanlage hätte, würde er nicht großflächig gießen. Die Natur sei eben mal so, mal so. Was mich zur Frage brachte, später, auf dem Rückweg von unserem Spaziergang, wo denn die goldene Mitte liegt. Und wie individuell eine Antwort ist und überhaupt:
Was sollen-können-dürfen wir beeinflussen? Was sollen-können-dürfen wir einfach den Gewalten der Natur überlassen?
Gibt es etwas anderes als Zufall? Nein, an den Rauschebart-Liebgott glaube ich längst nicht mehr. Gretchenfrage mal wieder. Etwas gibt es da, das ahne ich. Nicht da oben, da außen, sondern mitten in uns allen drin, etwas, das alles zusammenhält. Ein Plan. Ein Konzept. Ob im Detail bestimmend oder nicht, weiß ich nicht. Vermutlich ähnlich planvoll wie das Konzept einer Tulpenzwiebel oder der Rehe. Und schon sehen wir, wie alles zusammenhängt – natürliche Feinde und so. Gestörtes Gleichgewicht … Ökologie …
Hätten wir unseren Tomaten kein Wasser gegeben, wären sie längst verdorrt und wir müssten uns das ganze Jahr welche kaufen. Was die Wirtschaft ankurbelt und die Monokultur-Mentalität in Spanien und Holland fördert. Vom kleinen zum großen und wieder zurück.
Urwasser aus den Urtiefen der Erde darf nicht zum Gießen eingesetzt werden, sagte der Bauer. Ich pflichtete ihm bei. Aus sicherem Abstand. Doch wie würde ich handeln, wenn ich am Verdursten, wenn ich am Verhungern wäre?
Alles hängt zusammen und beeinflusst sich. Dich. Mich.
Gesunddezimierung, meinte S. neulich, der Jäger, als er über seine Verantwortung sprach.
Ich gebe es zu: Ich bin froh, dass wir die Tomaten und alle ihre NachbarInnen gegossen haben.
out of time
Außerhalb der Zeit. Drei Wörter, die es in sich haben.
Gestern und heute hatte ich so gar keine Lust auf Internet. Das virtuelle Korsett war plötzlich so unwesentlich. Einfach so bin ich aus dem Cyberspace gepurzelt und habe, statt Bilder und Texte zu weben, heute Gelee und Sirup gekocht, dass es eine rote Freude ist. Roter Johannis – eine meiner Lieblingsbeeren … Neben den Erdbeeren und Kirschen und Stachelbeeren und Brombeeren natürlich. Und den Zwetschgen. Aber halt, das sind ja keine Beeren. Und ich will nicht vorgreifen. Und auch die Trauben kommen später.
Säen und ernten. Die kleinen Tomatensämchen, die J. vor Wochen im Trog gesät hat, sind längst ausgepflanzt und ranken um die Stöcke. Das Wunder des Lebens vollzieht sich. Jahr für Jahr. Alles wächst dem Licht entgegen.
Auch über Rehe und Kitze habe ich heute von S. viel gelernt. Er ist Jäger und hat, seit wir uns kennen, schon viele meiner Vorurteile aufgeweicht. Da ich Vegi bin, sind wir oft gänzlich verschiedener Meinung. Doch seine Ausführungen zur Rehkitzfrage waren sehr spannend. Jetzt weiß ich, dass Rehkitze (Kati, liest du das hier?) von ihren Müttern tagsüber alleingelassen werden und nur zweimal täglich gestillt werden. Die Rehkitze rufen nach ihren Müttern, wenn sie sie Durst haben. Auch zwischendurch mal. Wenn die Mutter es hört und wenn nicht grad ein paar unbedarfte, gutmeinende Menschen das Kitz umschwirren, kann sie es allenfalls auch mal zwischendurch füttern. Doch in der Regel reichen eigentlich zwei Fütterungen.
Jäger, so meinte S., sehen, ob eine Rehkuh Mutter ist oder nicht und schießen auf gar keinen Fall auf Mütter. In den Tierheimen wissen die Leute oft nicht, wie sie ein Kitz aufziehen sollen und dann sterben die Tiere meistens.
Und noch viel mehr habe ich heute gelernt: Dass Rehe nach der Zeugung ihre Eier quasi einlagern, bevor sie sie ausbrüten, damit die Kitze nicht im Winter geboren werden. Nein, das hatte ich nicht gewusst und auch über Füchse und Hühner habe ich heute viel neues gelernt.
Wunder der Natur, diese Tiere. Wie Tomatensamen und Johannisbeeren.
Wunder über Wunder, Rätsel über Rätsel. Und auch dies noch:
Wo fängt die Zeit eigentlich an?
Bin ich jetzt wieder in ihr drin, weil ich im Internet bin?
Wo gehe ich hin, wenn ich träume?
zu früh
Während mich meine Schönste letztes Jahr warten ließ, ist sie heuer sogar ein paar Tage zu früh erblüht. Das nenne ich mal Ausgleich. Feste soll man eben feiern, wie sie fallen. Damit sie steigen können …

Zur Feier des morgigen Tages ein für einmal ganz und gar unbearbeitetes Bild … Die Natur ist eben einfach die beste Künstlerin!
Dieses Jahr feiern wir nur zu zweit und das ist gut so. Sechsundvierzig ist irgendwie so eine graue Zahl und fühlt sich schon jetzt staubtrocken an. Ich hoffe natürlich, dass mein Vorurteil an jedem der dreihundertfünfundsechzig Tage, die kommen werden, widerlegt wird! Und dass ich, je älter desto weiser werde …
Die Sache mit dem Kipphebel und andere wichtige Erkenntnisse
Dieses Fenster in meinem kleinen Klo! Eines der alten Systeme. Du kannst das Fenster auf Kipp stellen, wenn du vorher den einen von den beiden Hebeln von oben nach unten bringst und so die Mechanik, die das Fenster arretiert, veränderst. Seine innere Logik wird gleichsam manipuliert … 😉 Tolle Sache, dieses Auf-Kipp-Kippen.
Ja, lach du nur, liebe Leserin, lieber Leser! Meine Berner Altbauwohnung, die ich bis Ende März bewohnt hatte, war eben ziemlich simpel befenstert. Und was davor war, habe ich wohl einfach vergessen. Dass es kippbare Fenster gibt, zum Beispiel. Alle meine Berner Fenster waren nur analog zu öffnen gewesen.
In meiner Künstlerinnenbude auf dem einsamen Gehöft habe ich zum Glück – außer jenem auf dem kleinen Klo – noch ein paar andere Fenster. Ziemlich viele sogar. In der Küche schon mal drei. Im Wohnzimmer sogar noch mehr. Vier Dachfenster im Schlaf- und Künstlerinnenstübchen inklusive. Irgendwann nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Hof auf dem Berg aufgebaut und ist seither etliche Male renoviert worden. So war mein Hausteil früher das Gesindehaus, habe ich mir erzählen lassen. In meinem schönen großen, weiß gekachelten Bad – mit ebenfalls drei Fenstern (Himmel, wie soll ich die bloß alle sauber halten?) – seien früher drei (!) Gesinderäume untergebracht gewesen. Ach, all die Geschichten, die das Haus erzählen könnte!
Wieso stellst du es denn nicht einfach auf Kipp, sagte J. neulich zu mir, als ich das Schlafzimmerfenster öffnete und es anschließend mit dem Vorhang mühsam arretierte, damit es sich nicht weiter öffnen konnte als ich es wollte.
Kipp? Ich muss ziemlich dumm aus der Wäsche geguckt haben.
Ja, Kipp.
Wie das denn? Hat ja keinen zweiten Hebel dran …
Na, sooo … Er dreht den einzig vorhandenen Hebel nach oben und zieht das Fenster auf. Kipp. Et voilà!
Aha …
Dass ich hier nun, auf dem einsamen alten Gehöft – außer dem Klofenster mit seiner nicht ganz einfachen Handhabung – auch alle anderen Fenster ganz einfach auf Kipp stellen kann, war somit die große Überraschung des Tages.
Wie oft im Leben, fragte ich mich hinterher natürlich, gehe ich mit den Dingen, den Menschen und der Natur so um, als hätte ich schon ihre ganze Wahrheit erkannt?
(((Hm, da bist du ja eh selbst drauf gekommen.)))
Schnitt.
Neulich habe ich hier Herrn Blender vorgestellt. Er kann, wie sich Stammlesende vielleicht noch erinnern, zwei Bilder zu einem neuen vermischen. Unter Einbezug verschiedener Vorgaben und Filter ist er ein wahrer Künstler.
Wie mein Liebster und ich gestern so im Bett den Sandmann herbei plaudern, murmle ich, dass das Leben eigentlich ein einziges Überblenden ist. Laufend schieben sich neue Bilder über alte. Dynamisch verändert sich alles. Immer. Auch wenn es vermeintlich gleich aussieht, was wir täglich tun, die immer gleichen Griffe, die ständig gleichen Abläufe, die täglich gleichen Tassen, die ich in die Spülmaschine stelle, ist es doch immer wieder anders. Versuche mal, die Maschine zweimal genau gleich aufzufüllen! Oder versuche mal, zweimal das genau gleiche Bild aufzunehmen! Geht nicht. Bestenfalls wird das Ergebnis sehr ähnlich.
Das Gesicht des Alltags ist die eine Wahrheit. Eine andere, dass sie sich täglich ändert. Es lebe das Paradoxon.
Verwandte
Wir kennen uns eigentlich noch gar nicht so lange. Dennoch kann ich mich kaum mehr erinnern, wie ich früher gelebt habe. Früher, als wir uns noch nicht kannten. Er hat, ich schwör, ganz schön was auf dem Kasten.
Stell ihm einfach mal zwei Bilder unter die Nase und dann schau ihm gut zu, was er damit anstellt! Ähnlich wie sein Cousin Fusioncam, über den ich neulich an ebendieser Stelle berichtet habe, kann auch Herr Blender zwei Bilder aufeinander zaubern. Doch anders als sein Vetter, legt er nicht neue, sondern bereits vorhandene Bilder übereinander – zum Beispiel zweimal das gleiche, doch unterschiedlich bearbeitete (einmal bunt und einmal schwarzweiß). Dabei lässt er dir gar noch die Wahl, welchen Filter du beim Mischen einsetzen willst und in welcher Intensität, das eine Bild ins jeweils anderen Bild hineinwirken soll. Dunkler, heller, überlagernd, multiplizierend, Farbtöne verstärkend oder umkehrend, sättigend … Eine ganze Palette hat er zu bieten.
Ja, Herr Blender hat das Mischen, das Mixen drauf wie kein Zweiter. So ähnlich stelle ich mir Musikabmischen vor und zuweilen wünsche ich mir, dass Herr Blender nicht nur meine iPhone-Bilder mixen würde, sondern auch mein Leben. Von J. hätte ich gerne ein wenig von seiner aufhellenden Lebens- und Genussfreude, bitteschön. Er kann sich dafür, per Schieber, von mir etwas holen. Irgendetwas findet sich sicher. Aber nein, meine Schatten geb ich nicht her. Derart inspiriert mische ich mir mein Leben schön vielschichtig und bunt zurecht. Herr Blender hilft mir, mein Leben unter neuen Vorzeichen zu betrachten. Ach, und auch seine Nichte, Frau Diptic ist eine unglaublich kreative Dame. Was sie kann, kann sonst keine. Sie ist unschlagbar. Eimalig. Unverwechselbar. Ich habe munkeln hören, dass sie ein Einzelkind sei.
Diptice dir deine Welt zurecht!, flüstert sie mir zu, wann immer wir zusammen arbeiten. Mit ihr vergesse ich zuweilen alles um mich her. Sie ist die wahre Meisterin des Spiegelns und der Reflektion. Und der neuen Ansätze. Nein, nein, sie ist nicht Psychotherapeutin, dazu ist sie viel zu verspielt. Fürs Leben gern setzt sie Bilder und Bildausschnitt neu zusammen und kann so schon mal neue Identitäten zum Leben erwecken.
Ihre Lebensaufgabe scheint es zu sein, mich und meine Mitspinnerinnen zu immer wieder neuen Höhenflügen in der Bildbearbeitung zu inspirieren.
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Bild: iDogma – Montage aus drei Einzelbildern.
Grundlage ist das immer gleiche, vorgängig mit anderen Programmen (Juxtaposer, Dynamic Light und Blender) bearbeitete Bild von Katze Mietz. Sie trägt heute eine aufmontierte Nutella-Perücke.
Das linke Bild ist eine Schwarzweiß-Version, das ich mit einem Solarisationsfilter editiert habe. Das rechte Bild zeigt eine starkkontrastige Variante des Bildes, das ich außerdem mit einem Bewegungsfilter bearbeitet habe. In der Mitte schließlich findet sich eine von Herrn Blender gemischte und von Frau Diptic gespiegelte Version. Die drei Einzelbilder habe ich mit Frau Diptics Hilfe zusammengebaut.

Bild: iDogma – Montage
Mit Frau Diptics Unterstützung habe ich das erste Bild, diesmal im Quadratformat, mit einer gespiegelten Version, zusammengesetzt. Zuoberst habe ich das mit Lady Halftone in ein Cartoon verwandelte Bild dazugefügt.
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Selbstverständlich wären noch tausend andere Arten des Zusammenfügens möglich. Wie im richtigen Leben … 🙂
bracke Pfützen da und dort
Artikel lesen auf eigene Gefahr. Einfach ein paar Gedanken zum Leben …
Warum wir tun, was wir so und nicht anders tun? Drüber kann ich mir zweilen aus nichtigen Anlässen den Kopf zerbrechen. Zum Glück konnte ich ihn bisher danach wieder einigermaßen zusammensetzen.
Die Motive und Abfolgen unserer Handlungen gehen, so meine These, darauf zurück, dass wir erstens in eine bestimmte Richtung geprägt worden sind und zweitens, viel gewichtiger, weil uns diese bestimmte Art als die sicherste erscheint. Die ungefährlichste. Selbstschutz. Wir alle sind Verwundete.
Eine Fläche taucht vor meinem inneren Auge auf, eine Membran. Die Hautoberfläche zum Beispiel. Ideal und gesund wäre, so sehe ich beim Näherzoomen, wenn sie intakt und eben, will heißen waagrecht, wäre. Wenn sie keine Dellen, keine Löcher, keine Verletzungen hätte. Nichts würde in sie einsickern. Alles wäre im Lot, würde sich gleichmäßig verteilen und wir könnten ungehindert und ausgeglichen unser Leben leben. Doch niemand hat keine Löcher. Alle haben wir Dellen, wo sich das Regenwasser ablagert, liegen bleibt, zu stinken anfängt. Alle haben wir Gruben, wo sich Stacheln eingewachsen haben. Irgendwann, wenn wir lange genug nicht daran rühren, bildet sich eine Haut darum herum. Eine Dornwarze wächst. Oder ein Krebsgeschwür. Ich bin eher die Type, die das Verheilen der Wunde dadurch verhindert, dass sie immer wieder die neu entstandene Kruste abkratzt. Und damit neuerliches Bluten provoziert. Doch selbst wenn meine Haut endlich intakt wäre, wären da auch noch die anderen: meine Mitwelt. Ich kann nicht einfach nur für mich leben, nicht langfristig jedenfalls. Die Welt ist ein fragiles Biotop und nur gemeinsam können wir dazu beitragen, dass das Gleichgewicht wieder stimmt.
Könnten. Doch der Mensch selbst, sage ich oft, ist sein größter Feind. Heil und intakt wird nur jener Mensch, wer die Dellen zuwachsen lässt, nachdem er mutig alte und neue Stacheln herausgezogen, stinkende Brackseen trockengelegt und Krusten von selbst abfallen lassen hat. Selbstheilung. Vertrauen in die Natur der Dinge. Intakt werden ist möglich. Vielleicht eine Illusion, aber eine an der ich festhalten will.
Dellen, Löcher, Lecks. Was hereinkommt – Liebe, Fülle, Zuwendung –, rinnt darum auch gleich wieder weg. Kettenreaktion. Dominoeffekt. Teufelskreis. Nenn es, wie du willst. Da ist dieses ständige Defizitgefühl: zu wenig Liebe, zu wenig Zuwendung, Ermutigung, Unterstützung, Lebensfreude … Mangel da und dort.
Kaum jemanden, bei dem alles im Lot ist. Den einen mangelt es „nur“ an Lebensglück, anderen an Brot, Bett und Dach. Alle Unzufriedenheit, der Mangel an Zufriedenheit und Lebensfreude, hat letztlich irgendwie mit Selbstablehnung zu tun. Irgendetwas, das mein Leben mitbestimmt, lehne ich ab. Umstände primär, die dann als Feindbilder hinhalten müssen. Selbstverarschung. Der Feind hockt in mir drin.
Versöhnung statt all die Grabenkriege mit mir selbst.
Ist Frieden und Lebensglück ein anzustrebendes Ziel? Sicher, doch Lebensglück können wir schwerlich machen. Es ist eine unmittelbare Folge von gelingender Selbstliebe und Frieden mit und in sich selbst. Es gibt keinen Weg zum Glück. Außer wenn wir das kleine unscheinbare Tor der Selbstakzeptanz öffnen und die Räume der Selbstliebe betreten.
(k)ein Platz für Träume
Gartenzentren liebe ich mindestens genauso sehr wie Baumärkte. Wie StammleserInnen wissen. Und genauso wie in Baumärkten vergesse ich, eingetaucht in den Anblick von Grünpflanzen und den herben Duft von Wasser und Erde alle Zeit, jeden Raum und jegliches Maß … Jahr für Jahr packe ich Setzling um Setzling auf den Karren. Waren es in Bern vor allem Blumen für den Balkon, waren heuer Kürbisse, Zucchini und Kohlrabi vorgesehen. Doch auch Auberginen und Fenchel mussten mit, entschied ich spontan. Wo ich schon mal da war. Und Paprika. Und Gurken natürlich.
Erst am Abend, als J. heimkommt, stelle ich mir die alles entscheidende Frage: Haben wir überhaupt genug Platz für all die tollen Kerlchen aus dem Gartenzentrum? Denn jeder Gartenquadratmeter ist ja bereits mit Kartoffeln, Kohl, roten Beeten, Tomaten, Karotten, Salaten und anderen Herrlichkeiten vollgepflanzt. Ein wahres Schlaraffenland! Mit H., J.s Mutter, die mit ihrem Mann E. den Großteil der Pflanzen gesetzt hat, überlegen J. und ich gemeinsam, wo es noch freie Plätze hat. Oder ist das Boot schon voll?
Da und da, und vielleicht hier, zwischen den roten Beeten?, sagt sie.
Ich könnte ja hier roden, sage ich auf ein kleines Stück Brachland zwischen den schwarzen und roten Johannisbeeren deutend. Sie nickt.
Noch am Abend werden ein paar erste Pflanzen gesetzt. J. jätet sein hübsches Terrassenbeet von Unkraut frei und gibt einer Aubergine und einer Paprika ein neues Zuhause, während ich eine zweite Paprika setze und mich der Fenchel und Kohlrabi annehme.
Heute Nachmittag rodete ich schließlich besagtes Stück Brachland und pflanzte dort die beiden Kürbisse, eine Gurke und die Zucchini ein. Auf gutes Gedeihen!
Nein, solche Momente glitzern nicht. Alltagsszenen sind es. Kaum eines Blogartikels wert. Langweilig. Wir Menschen lieben das Außerordentliche, Exorbitante, Schillernde, Tragische, Dramatische. Keine Gartengeschichten. Keinen Alltag. Nicht mal dann, wenn sich die Autorin mit dem Gartenwerkeln Träume erfüllt …
Egal.
Denn während ich mit den bloßen Händen, da ich Erde zwischen den Fingern liebe, die freigehackten Unkrautbüschel im brachen Land ausreiße und dabei ein bisschen Rücken- und Kopfweh habe, spüre ich diese ganz spezielle Glückseligkeit, die es eigentlich nur gibt, wenn wir uns ganz und gar auf etwas, auf den Moment einlassen. Und würde mich heute jemand fragen, ob ich ein glücklicher Mensch bin, könnte ich nichts anderes als JA! sagen.
***
Das Gewitter, das soeben hernieder prasselt, während ich meinen Laptop vom Netz und vom WLAN getrennt habe, hat eine Regenflut gebracht, die ich kaum fassen kann. Die Regentonne, die das Wasser vom Dach auffängt, überläuft. Ebenso die Dachtraufen. Auf dem Hof steht zentimetertief Wasser. Am besten ich streue gleich noch ein paar Schneckenkörner, damit die Kürbisse auch morgen noch leben. Auf das Träume gedeihen …
blühen zum Beispiel
tulpenzwiebel
ganz erfüllt
mit allem
was du brauchst
alles da
in der erde
ruhend
ganz
bei dir
im frühling
brichst du aus
wer bist du
was über
oder
was unter
der erde
ist
beides
so verschieden
innen
außen
scheinbar
gegensätze
das alles
bist
du
ganz
Das hab ich vor zwölf Jahren geschrieben. Ein Wörter-Bild, das mir heute Morgen eingefallen ist. Es ist irgendwo aus einem Ordner in meinem inneren Ablagesystem gefallen und bei seiner Wanderung durch meine Hirnwindungen in einem meiner vielen Filter hängen geblieben. Zum Glück wird alles gefiltert. Filter ist eh alles. Und nichts. Auf der materiellen Festplatte war es schnell gefunden, das alte Ding. Ich würde dieses Poem heute wohl anders schreiben. Stetige Wandlung unseres Weltverständnisses. Unseres Geschmacks. Unserer Wahrnehmung und Auswertung. Dazu all die Inspirationen und Inputs von außen. Entwicklung. Wandlung.
Zum Glück gelingt mir abgucken und nachahmen immer nur kurz.
Beim Tanzen, zum Beispiel, spüre ich, wenn ich mich kurz umschaue, hin und wieder den Impuls, eine Bewegung aufzunehmen, die ich bei anderen sehe. Manchmal ist das störend, weil ich aus meiner eigenen Körperwahrnehmung falle. Manchmal jedoch passt es genau da hin, wo ich jetzt bin. Und wie. Ich nehme die Bewegung kurz auf, integriere sie und schon ist sie wieder vorbei und ich tanze wieder mein eigenes Muster.
Beim Malen bestaune ich womöglich bei anderen deren Pinselstrich, die Formgebung, den Umgang mit verschiedenen Themen, Materialien oder Stilmitteln. Ich habe anschließend Lust, auszuprobieren, ob das bei mir auch geht. Geht vielleicht sogar wirklich. Es ist und bleibt aber immer nur ein Impuls. Mehr nicht. Eine Inspiration, eine kurze.
Beim Fotografieren staune ich oft über die Bilder anderer. Wie er das wohl gemacht hat? Wie hat er es belichtet? Wie bearbeitet? Oder: Ihr Bild berührt mich so, dass ich Gänsehaut kriege, ich will das auch können. Und natürlich probiere ich aus.
Doch so wie ich mein Ding mache, kann das niemand. Ob gut oder schlecht: alle machen wir unser Ding so, wie nur wir es können. Handschriften kann niemand dauerhaft fälschen. Zum Glück auch nicht. Ob ich Kunst nenne, was ich kreiere, ist zweitrangig. Definitionen sind letztlich Schall und Rauch. Hauptsache, ich tue, was ich kann. Hauptsache, ich setze um, was in mir drin steckt.
Der Tulpenzwiebel ist es ziemlich egal, ob sie hier oder in der Schweiz in die Erde gesteckt wird. Hauptsache Erde, Licht und Wasser. Und Luft auch. So einfach. Das Verhältnis der einzelnen Elemente zueinander – mehr oder weniger Wasser zum Beispiel – macht, dass sie tiefer wächst oder weniger lang blüht.
Frühere Texte, frühere Bilder von mir sind mir zuweilen beinahe peinlich. Nein, die Tulpenzwiebel nicht, die ist soweit okay. Doch bei anderen dachte ich auch schon: Was? So schlecht habe ich früher geschrieben? So banal? So viele Füllwörter?
In zehn Jahren denke ich vielleicht, falls ich diesen Text hier in die Finger bekomme: Wie ich damals bloß geschrieben habe? So fad. So … (Wörter einfüllen erlaubt).
🙂
Übersetzerin
Eigentlich ist der Google Translater eine wirklich tolle Sache. Aus Gründen der Qualitätsforschung übersetzte ich mein heutiges Bloggewebe ins Englische. Was relativ übergzeugen klingt. Mit der Rückübersetzung des englischen Textes bin ich allerdings, so rein vom literarischen Anspruch her, nicht wirklich einverstanden. Aber, ich gebe es zu, es hat was. Irgendwie … 🙂
„This time I do it smarter than yesterday! I thought so when I sat down this afternoon to the laptop. Glad it’s out moist. Glad it has finally rained. Glad I can be indoors without feeling guilty. First, do the creative, that is blogging, was my project, and then everything else. Not blog until I’d already be too tired to think straight. The note next to me waiting a few keywords on the text here. Ideas. But of course I could distract myself. Read and wrote emails, looked over in our web community and wrote a few comments here and there to great pictures. At least I did the deposits. And since my beloved jeans cap, which has saved me before tens of sunstroke, is impossible to find – as the rod out of the closet by the way, although I both have been looking really been anywhere – I just got caught in the worldwide web for new content. Sought. Found. Ordered.“
„Dieses Mal habe ich es tun klüger als gestern! Das dachte ich mir, wenn ich mich hinsetzte, an diesem Nachmittag auf dem Laptop. Froh, dass es geht feucht. Froh, dass es endlich geregnet. Froh, dass ich in Innenräumen ohne schlechtes Gewissen sein. Zunächst wollen die kreative, dass Blogging ist, war mein Projekt, und dann alles andere. Nicht Blog, bis ich hatte schon zu müde, um klar denken. Die Notiz neben mir wartete ein paar Stichworte auf den Text hier. Ideen. Aber natürlich konnte ich mich ablenken. Lesen und schrieb Emails, blickte in unserem Web-Community und schrieb ein paar Kommentare hier und da für tolle Bilder. Zumindest habe ich die Einlagen. Und da meine geliebte Jeans Mütze, die mich gerettet hat vor zehn Sonnenstich, ist unmöglich zu finden – wie der Stab aus dem Schrank auf dem Wege, obwohl ich beide gesucht haben wirklich überall – Ich habe heute im weltweiten Netz gefangen für neue Inhalte. Gewünschte. Gefunden. Bestellt.“