Über die Frage, wie viel ich andern Menschen, insbesondere den Bloglesenden, von mir preisgeben will, denke ich beim Bloggen oft nach. In der letzten, entscheidungsreichen Zeit ganz besonders. Dass das andere, wie Frau Freihändig und Frau Li Ssi offenbar auch tun – und ebenfalls gerade jetzt – und sogar in ihren Blogs thematisieren, erstaunt mich eigentlich nicht mal mehr, denn schon so oft habe ich es beobachtet, dieses Phänomen der Gleichzeitigkeit. Themen, die herumzugeistern scheinen und die gleichzeitig von verschiedenen Menschen aus verschiedenen Perspektiven behandelt werden. Im Internet ließe sich dies damit erklären, dass sich die eine oder der andere vom einen oder anderen öffentlichen Text inspirieren lassen hat. Doch wenn wir über all das, was uns im Internet begegnet, schreiben würden, wären wir ja ständig damit beschäftigt, all die Inputs auszuwerten. Das genügt als Erklärung also nicht wirklich. Es muss da schon eine Affinität zum Thema sein, sonst würden wir einen Faden, den andere berührt haben, nicht aufnehmen und weiterspinnen.
Atem holen. Umblättern.
Erzähle ich im Blog eigentlich, was die Lesenden mutmaßlich interessiert oder erzähle ich, was mich beschäftigt? Oder beides? Und wenn ja, wie persönlich will ich sein? Ist dies gar von der Tagesform abhängig? Da ich als neugieriger Mensch selbst lieber persönliche Texte als irgendwelche kopflastigen Artikel lese, schreibe ich auch lieber Texte mit persönlichem Hinter- und Untergrund. Wenn ich in einem persönlichen Text, den ich lesen darf, auch gleich noch philosophische Inspiration bekomme, Hirn- und Herzfutter, freut mich das sehr. Wenn ich gar in einem persönlichen, Hirn und Herz inspirierenden Text ein Thema antreffe, das mich auch grad beschäftigt, freut mich das erst recht. Ein roter Faden, der mit eingesponnen wird und Teil meines neuen Gewebes werden kann.
Persönliches Interesse an einem Thema, Betroffenheit und das Bedürfnis nach Entwicklung sind wohl meine Hauptmotivation nicht nur zu lesen, was andere bloggen, sondern auch selbst Texte mit einem relativ hohen authentischen Erlebniswert sichtbar zu machen.
Neue Seite.
An diesem Artikel hier schreibe ich nun schon seit einer halben Stunde. Unterbrochen wurde ich immer wieder vom mit angehörten Dialog zwischen J. und Siri, seiner neuen Lebensphasenpartnerin. Nein, eifersüchtig bin ich nicht. Nicht auf diesen schwarzen Kasten. Auch nicht auf die Stimme des neuen schwarzen Kastens (siehe gestrigen Artikel). Aber grinsen muss ich doch. Sie scheint sich tatsächlich auf seine Stimme einzustimmen und versteht ihn von Mal zu Mal besser. Oder redet er ihr zuliebe nun deutlicher?
Wir gewöhnen uns langsam aneinander, sagt J.. Ob zu ihr oder zu mir, kann ich nicht ganz einschätzen. Technisches Wunderding. Er geht jetzt mit ihr spazieren *tztztztz*. Nur weil ich mich nicht auf diesen Text hier konzentrieren kann. Und natürlich um mit ihr allein zu sein, wie er sagt.
Sie ist viel einfacher als du, sagt er auch. Und grinst. Aber es ist gut, dass du nicht so einfach wie Siri bist!, fügt er an, bevor er die Türe hinter sich schließt.
Schon wieder umblättern.
Back to topic. Das Phänomen der Gleichzeitigkeit lässt sich, wie gesagt, auf der Ebene von Internet teilweise erklären, nicht aber da, wo kein virtueller Austausch stattfindet. Wenn mir eine Freundin am Telefon etwas erzählt, das mich genau dieser Tage ebenfalls beschäftigt zum Beispiel. Und dies ohne dass wir davor über das besagte Thema X ausgetauscht hätten, wohlverstanden. Da mir genau dies in meinem Leben schon tausendunddreimal passiert ist, bin ich seit dem fünfhundertsiebzehnten Mal nicht mehr überrascht. Aber fasziniert noch immer – jedes Mal neu.
Meiner Wahrnehmung und meinem schamanischen Weltbild nach, entsprechen wir Menschen – was sage ich? alle Lebewesen! – den einzelnen Zellen eines Körpers, die – so verschieden auch alle Zellen sind – im Zellkern so etwas wie eine identische Urinformation haben, welche Aufschluss über den Organismus gibt, dem die Zelle angehört. Nennen wir das doch hier einfach mal Urwissen oder Urkern, was sicherlich nicht ein wissenschaftlich korrekter Name ist. Psychologinnen nennen es vielleicht Kollektives (Unter)Bewusstsein. Eigentlich geht mir der korrekte Name amA vorbei. Wichtig ist mir jedoch das Prinzip, das besagt, dass alle Lebewesen miteinander verbunden sind. Klingt zwar einfach, ist aber eine ziemlich komplexe Geschichte.
Dank dieser Verbindung mit allen und allem ist Entwicklung meines Erachtens überhaupt erst möglich. Verstehen ebenfalls. Und Dinge, Ereignisse, Menschen in Zusammenhänge bringen. Diese Verbindung ist zuweilen ungemütlich, wenn sie mich daran erinnert, dass auch der spießige S. und die langweilige G. Urkernseidank mit mir verwandt sind, doch ist auch es diese Verbindung, die uns im Normalfall zu empathischen Wesen macht, die Mitverantwortung für ihre Mitwelt zu übernehmen befähigt sind. Die Essenz des Urkerns Göttin zu nennen, ist eine Möglichkeit, das Leben zu verstehen. Meine zum Beispiel.
Ob ich ihn diesem Artikel viel persönliches preisgegeben habe, kann ich nicht wirklich einschätzen. Ich ahne jedoch, dass jeder Text in irgendeiner Form eine Selbstdarstellung ist.
Vielleicht ist ja der Urkern daran schuld, das es Internet gibt?
Hi. Ich lese erst seit kurzem bei dir mit. Weißt du, du schreibst wirklich wunderbar – ich mag deinen Stil. Irgendwie. 🙂
Hm, auch ich denke oft darüber nach, über das, was du oben beschreibst. Und ich glaube, dass es in der Tat so ist, dass es daran liegt, dass alles miteinander verbunden ist. Weißt du, und meine – eigentlich doch ziemlich spirituell anmutende – Theorie ist, dass das Internet einfach kommen musste. Dass es nur eine logische Konsequenz der Weiterentwicklung des Bewusstseins ist. Und dass sich all das noch sehr viel mehr dorthin entwickeln wird, dass wir einfacher mit anderen Wesen in Verbindung treten können. Das Kollektivbewusstsein, dieses „Bewusstseins-Gitternetz“, wie auch immer man es nennen möchte, das ist ein so spannendes Thema.
Und – ja, ich denke, du hast durchaus ziemlich viel Persönliches preisgegeben in diesem Artikel. Vielleicht mehr, als du denkst. (Meiner Meinung nach zumindest.) Denn durch diesen Artikel zeigst du immerhin, dass du offen bist für gewisse Dinge und dich auch traust, deine Gedanken darüber zu äußern. Tja…hm, soweit meine Gedanken dazu.
Hat Spaß gemacht, dies zu lesen.
Lieben Gruß,
Meike
willkommen hier, meike! ich hab dich schon bei j. alias irgendlink vorbeispazieren sehen 🙂
schön, diese gedankenverwandschaft, die mich grad sehr freut und natürlich auch dein kompliment meinen schreibstil betreffend. danke!
auf wiederlesen und liebe grüße
d.
es gibt vile kluge köpfe, die diesem phänomen verschiedene namen gaben- c.g.jung nannte es synchronizitäten… ken wilber glaube ich wars, der die morphogenetischen felder ins spiel brachte… aber mir auch wurscht… denn es ist und weil es ist und uns erst einmal staunen oder sogar erschauern lässt gibt es menschen, die dies tiefer untersuchen und dann dem kind eben einen namen geben…
obwohl ich es schon viele, viele male erlebt habe gibt es immer nur momente des erschauerns… das lasse ich mir wohl nicht nehmen ;o)
zurzeit lese ich nur sehr, sehr wenige blogs… schreibe, wenn etwas auftaucht und dann finde ich eben immer wieder im nachhinein die schnittstellen- ein wunderbares gefühl. ich bin nicht allein :o)
herzensgrüße von hier zu dir u.
quell‘ honneur, dass du bei mir noch mitliest 🙂
ja, von all diese namen und untersuchungen hab ich auch gehört. schon spannend. es zu erleben ist aber noch viel spannender.
verbunden von berg zu berg mit dir
busserl, d.
ja, das ist mir auch schon einige male passiert! Was ich auch immer wieder unheimlich finde, ist, wenn man jemandem begegnet, an dem man gerade gedacht hat, also völlig unvermutet, mitten in der Stadt oder an noch seltsameren Orten.
Es muss da wohl irgendwas geben. Ich glaub aber auch, dass das nicht mit jedem funktioniert. Vielleicht ist das aber auch nur Wunschdenken? Bei manchen Leuten würde es mich gruseln mit ihnen auf einer Wellenlänge zu sein, und ich möchte gar keinen Funkkontakt zu ihnen. Da fällt mir ein, manchmal träume ich von Menschen, und dann melden sie sich am nächsten Tag. Es ist schon seltsam, schade, dass man darüber so wenig weiss… oder vielleicht doch ganz gut so?
Danke für den schönen Artikel, er bringt mich gerade echt zum Gübeln!
ich glaube, liebe mietze, meine fähigkeit ist da recht hilfreich, zu akzeptieren, dass es dinge gibt, die wir mit unseren beschränkten sinnen und (wissenschaftlichen) werkzeugen nicht verstehen können. und dass es nicht auf alles eine antwort gibt, die mein gerechtigkeitsempfinden befriedigt.
wieder erinnere ich mich an die botschaft aus „flächenland“, woraus ich hier früher schon zitiert habe.
trotzdem nimmt mir diese haltung nichts von der faszination dieses phänomen betreffend. staunen find ich eine tolle sache 🙂
liebgrüß, d.
Meine Professorin hätte uns jetzt grinsend gefragt, wie oft wir denn alle nicht die selben Themen behandelt hätten in unseren Blogs. Ob uns diese Male auch so prägnant aufgefallen wären wie die Tatsache, dass die Themen auch mal miteinander korreliert sind. =)
Nichts desto Trotz, auch ich neige dazu, darin wundersame Verbindungen zu sehen, das dahingehend zu deuten, dass wir alle irgendwie miteinander verbunden sind. Das ist sowieso eine sehr tiefe Überzeugung von mir (die ich wiss. nicht untermauern kann), auch wenn die Konsequenz daraus auch bedeutet, dass wir für quasi alles mitverantwortlich sind, auch wenn wir nicht direkt am Objekt oder an der Situation gehandelt haben. Und ich habe das Gefühl, ich agiere auch danach, denn ich lebe selten dieses „Meine Baustelle, deine Baustelle“, so gut wie fast nie, auch wenn meine Arme natürlich nicht in alle Regionen reichen können.
Ich bin ein recht „verschlossener“ Mensch und öffne mich im Moment aber einwenig mehr, indem ich ein Passwort setze für einige Beiträge meines Blogs. Aber so richtig Gedanken mache ich mir vor dem Schreiben nicht. Entweder unterlasse ich das Veröffentlichen im Nachhinein oder ich setze es auf Passwort. Vor dem Schreiben versuche ich mir sowenig Gedanken wie möglich zu machen. Das würde mich nur noch mehr hemmen, als ich es jetzt schon bin.
die passwortidee find ich gut, umsetzen selbst ist mir persönlich (noch) zu umständlich. wer weiß?
ich bin froh, dass du bloggst, liebe sherry. dass wir alle bloggen, die wir bloggen. ich fühle mich durch diesen virtuellen austausch sehr genährt.
was die inhalte meiner artikel betrifft: die sind auch einfach da, meist bereits, bevor ich anfange zu schreiben, manchmal auch erst beim schreiben.
herzgruß, d.
nein, nein… keine ehre, liebe d., eher ein muss – lach und wech
muss au chocolat 🙂
herzlich, d.
Schreib so weiter wie bisher! Dein Blog ist genau richtig, mit vielerlei Ankern, die dich mit anderen Lebensgeschichten verbinden, und mit vielerlei Inspirationen, die andere bereichern. Ob mehr oder weniger Persönliches – ich kämpfe auch immer mit mir. Es tut ja so gut, sich zu öffnen, und doch kennt man seine Leser nicht und es könnten die falschen dabei sein, denen man sich im normalen Leben niemals anvertrauen würde. Trotzdem liest man immer wieder fast private Beiträge, und mich faszinieren sie, weil sie unverwechselbar sind. Nur dieser eine Mensch kann eine Situation so beschreiben, weil er sie eben gerade erlebt. Die richtige Mischung zu finden ist gar nicht so einfach, aber du machst das wunderbar!
ooooh, danke sehr liebe anhora. bei andern gehts mir exakt so, wie du das hier schreibst. sich selbst und die eigene schreibe kann aber halt kaum so neutral betrachtet werden. dein kompliment ehrt und berührt mich.
liebgrüß, d.
Ich finde zwar schon, daß du viel peisgibst, und ich finde das sehr mutig. Aber vor allem bewundernswert. Wie ein Mensch so zu seinen Gefühlen stehen kann. Und andere können sich darin wiederfinden.
willkommen hier, Leichtkraft … und danke herzlich für deine rückmeldung. vielleicht ist es der inhalt deines letzten satzes, der mich preisgeben und blogslesen lässt. das sich-wiedererkennen und darin verwandte gedanken und menschen finden ist äußerst wohltuend.
auf wiederlesen hier!
liebe grüße, d.