Die Schlange, die andere, sie hatte so recht!

Als sie Eva vom Früchte-Essen und Erkenntnisse-Erlangen überzeugte, hat sie etwas ganz wichtiges für uns alle getan, die Schlange damals. Natürlich hat es Nachteile, denn dumm und unwissend zu sein, hat ja auch seinen Reiz. Ich bin dennoch lieber eine über das Leben nachdenkende Früchteesserin als eine Unwissende mit Feigenblatt. Obwohl ich längst weiß, dass ich nichts weiß.
Bevor ich im letzten Sommer meine Stelle bei jener christlichen Trägerin, die für meine Schule zuständig war, antreten durfte, musste ich … rate mal? Ja, ich musste der Kirche beitreten. Und ja, für mich war das müssen, da ich von dieser Institution, hüben wie drüben, sehr wenig halte. Weshalb ich übrigens schon in jungen Jahren meine Mitgliedschaft mit einem einfachen Brief gekündigt habe.
Für meine Anmeldung im Sommer hatte ich auf dem Kirchenamt antreten müssen. Bloß um ein Papier zu unterschreiben. Gestern, als ich auf dem Amt meinen hiesigen Wohnsitz abmeldete und meinen baldigen neuen Schweizer Wohnsitz bekannt gab, meinte die nette Beamtin dort, dass ich mit meiner Abmeldung aber nicht automatisch beim Finanzamt und andere Stellen abgemeldet sei. Sie muss bemerkt haben, wie ich die Augen verdrehte, sie kann Körpersprache. Wie kompliziert hier alles ist, hatte ich in der Tat gedacht. Ich könne das alles jedoch einfach per Mail machen, meinte sie freundlich.
Kaum wieder zuhause, suchte ich im Netz die nötigen Mailadressen und meldete mich da und dort ab. So weit so gut. Bis ich, innert weniger Stunden, auf meine Mail ans Kirchenbüro die Antwort erhielt, dass ich mich nicht bei der Kirche, sondern beim Standesamt abmelden müsse. Wie nun? Sind Kirche und Staat hier nicht getrennt? Ich grummelte ein wenig und schrieb gleich eine weitere Mail. Fast so als hätte ich nichts anderes zu tun.
Heute erhielt ich nun diese Antwort hier:
Eine Austrittserklärung kann mündlich oder schriftlich abgegeben werden (§ 2 Abs. 3 RelAuG), wobei über die mündliche Erklärung vor dem Standesamt eine Niederschrift aufzunehmen ist, die von der austretenden Person zu unterschreiben ist. Eine schriftliche Austrittserklärung muss öffentlich beglaubigt sein (d.h. notariell). Der Austritt ist dem Standesbeamten gegenüber zu erklären, in dessen Bezirk die aus der Religionsgemeinschaft austretende Person ihren (Haupt-) Wohnsitz hat. (…) Ihre E-Mail vom 13.03.2012 erfüllt nicht die o.a. Formerfordernisse des RelAuG; die darin abgegebene Austrittserklärung wird somit auch nicht wirksam.
Unwirksam? Wofür? Um weiter Kirchensteuern zu zahlen? Hallo? Sogar J. war empört. Zuerst beschloss ich, die Geschichte einfach zu ignorieren und zu schauen, was passiert. J. meinte, dass er denen zutraue, dass die mir Kirchensteuerrechnungen in die Schweiz nachschicken. Sollen sie nur!, sagte ich. Später habe ich aber dann doch eine nette Mail zurückgeschrieben.
Ist das denn wirklich die Möglichkeit? Meinen Sie das wirklich ernst? Kann ein Gesetz wirklich so restriktiv und an den Menschen vorbei gemacht sein? Zumal es sich hier ja um kirchliche Angelegenheiten handelt, also um etwas freiwilliges und (theoretisch) vom Staat getrenntes. Um etwas, das den Staat ja nicht wirklich tangiert. So viele Reglemente und Landesgesetze?
Vor ein paar Monaten musste ich beruflich bedingt, weil ich von einer christlichen Stiftung angestellt wurde, der Kirche beitreten – auch so etwas, das ich von der Schweiz her nicht kenne. Dort sind Kirche und Staat sauber getrennt und eine Kirchenzugehörigkeit darf nicht als Kriterium für eine Anstellung genommen werden. Mit großem Widerstand habe ich es schließlich getan, aber klar deklariert, dass ich keinerlei Engagement für die Kirche zu leisten im Sinne habe. Dabei habe ich die Auskunft erhalten, dass ein späterer Austritt eine einfache Sache sei. Na ja, einfach ist anders.
(…) … beim Austritt, kommt gleich die zweite Schikane: Da muss eine persönlich antreten und kann das nicht schriftlich tun (so als hätte ich alle Zeit der Welt) oder muss zumindest eine notariell beglaubtigte Abmeldung vorlegen.
Hat Deutschland  denn kein Vertrauen mehr zu den Menschen? Hallo, wo sind wir denn hier? Ist die Kirche nun etwas freiwilliges oder doch nicht? Wenn Sie jetzt verlangt hätten, dass ich einen schriftlichen, handunterschriebenen Brief schicke, könnte ich es ja noch verstehen. Aber dieser Aufwand mit Notar und Zeugen bei mündlicher Abmeldung? Finden Sie das nicht auch ziemlich sektiererisch? Ich bin einmal mehr verblüfft, wie Deutschland tickt.
Entweder Sie akzeptieren nun diese meine zweite Abmeldung per Mail oder Sie akzeptieren Sie nicht. Ich hoffe, dass Sie christlich und menschlich genug sind, es hierbei zu belassen.
Keine Stunde später erhielt ich bereits ein Feedback. Von wegen Gesetzen, die eingehalten werden müssen, stand da und dass es in der Schweiz bestimmt auch Gesetze gebe. (((Ja, klar, aber nachvollziehbarere. Ach, ich bin wohl einfach integrationsresitent. Streite mal mit einem Macfan über Windows.))) Ich habe nun beschlossen, einfach nicht mehr zu reagieren. Besser als zu schreiben, dass mit (ein bisschen) mehr zivilem Ungehorsam schon viel Leid verhindert worden wäre. Und dass Gesetze nicht nur dazu da sind, eingehalten, sondern auch, um in Frage gestellt zu werden.
Was wird nun geschehen? Eine Steuerrechnung werde ich gewiss nicht erhalten, da die Kirchensteuer in Deutschland ja mit dem Lohn abgewickelt wird. Im Internet habe ich die Information gefischt, dass nur in Deutschland Wohnhafte kirchensteuerpflichtig sind. Werde ich nun trotzdem weiterhin als Mitglied geführt werden – auch wenn ich nicht zahle (und danach [trotz Kirchensteuerschulden bis an mein Lebensende] in den Himmel kommen)? Oder löschen die mich in einem Jahr aus ihrer Liste? Ja, nenn mich kindisch. Nenn mich trotzig. Manchmal bin ich das wohl. Und zwar einfach deshalb, weil ich solche Powergames hasse 🙂
Dank Eva und Lilith. Weil sie damals so naschhaft waren.
Kennt ihr übrigens den?
Sagt Lilith zu Eva: Ich habe eben einen Typen getroffen. Er sagte Hallo und dass er Erster Mensch heiße. Adam.
Eva: Ach? Und?
Lilith: Ich habe ihn zum Essen eingeladen. Es gibt Apfelkuchen …

0 Kommentare zu „Die Schlange, die andere, sie hatte so recht!“

  1. beim austritt haben sie dich noch geschröpft? wie das? eiei – nicht schön. und so was unter der christlichen flagge … nein, nicht schön zzz.
    liebe grüße zurück 🙂
    d.

  2. Hallo,
    um ehrlich zu sein, verstehe ich deine Aufregung nicht so ganz. Du warst doch eh beim Bürgeramt, da hättest du doch auch gleich beim Standesamt vorsprechen können, ist doch alles im selben Haus. Das ist dort eine Sache von wenigen Minuten. Du gehst einfach hin, erklärst vor dem Standesbeamten oder der Standesbeamtin deinen Austrittswillen, und unterschreibst ein Formular. Fertig. 😉
    Und ja, das Ganze kostet eine Verwaltungsgebühr in Höhe von 32,- €. Diese Verwaltungsgebühr teilen sich die Kommune und die Kirchengemeinde, weil sie beide durch deinen Austritt ja auch Verwaltungskosten haben.
    Ich bin absolut verblüfft, wie leichtfertig du einer Religionsgemeinschaft beitrittst. Für nix im Leben würde ich bei diesem menschenverachtenden „Verein“ jemals wieder Mitglied werden, selbst für eine Arbeitsstelle nicht. Ob ich Christ(in) bin oder nicht, das hat doch nix mit Steuern oder Geld zu tun, sondern ist eine ganz fundamentale Gewissensentscheidung.
    Puhh, selten hat mich ein Blogbeitrag so sehr vom Stuhl gerissen, wie dieser, ganz ehrlich.
    Dir liebe Grüße,
    Andrea

  3. liebe andrea, du ehrliche frau … und mich reisst jetzt dein kommentar vom hocker, weil ich merke, dass ich mich wohl nicht verständlich gemacht habe …
    weisst du, wenn mir dir frau im bürgerinnenamt gleich gesagt hätte, dass ich da persönlich vorbei muss, wäre ich auch gleich da hin, hätte aber wahrscheinlich vor lauter schock, dass der auch noch kostet, dieser austritt, einen brechanfall bekommen. ich habe dieses ganze kirchenzöix sooo was von satt. ja, menschenverachtend! aber das ist vermutlich weltweit so, nicht nur hier.
    da mir die beamtin gesagt, ich könne alle weiteren abmeldungen per mail machen, und da ich ja nicht wusste, dass ich den austritt nicht – wie der eintritt – bei der kirche sondern beim standesamt machen muss, blieb ich uninformiert. weisst du, all das, was für euch völlig normal ist, weiss ich nicht einfach so (bei uns ist, wenn du dich auf der gemeinde abmeldest, alles zeitgleich mitabgemeldet). ich muss hier ALLES erfragen!!! und nun extra wegen so einem mist nochmals in meiner immer knapper werdenden zeit in die stadt runter? nein, das mag ich nun wirklich nicht. wenn die nicht mit meiner mail vorlieb nehmen und da korinthenkacken, na dann … egal. ich bin ja eh bald weg.
    den beitritt habe ich ja auch nicht von mir aus gewollt, aber anders hätte ich die stelle nicht bekommen. ich weiss nicht, ob du in meiner situation (fremd im neuen land, keine arbeit in sicht ausser eben diese eine, wo du der kirche proforma beitreten musst) anders gehandelt hättest. ja, es war proforma – vorangegangen ist ein recht guter maildialog mit dem pfaffen, wo ich meine stellung klar definiert hatte und respektiert worden bin darin. unter diesen vorzeichen hat es dann halt gepasst. oder war ich zumindest kompromissbereit, sagen wir mal. leichtfertig war es also nicht, sondern mit grossem anlauf und vielen vorgedanken.
    also bitte nicht urteilen, wo du nur einen teil des ganzen siehst!!!
    ich nehme die dinge hier aus einer ziemlich andere perspektive wahr als ihr, die ihr nichts anderes kennt, und betrachte sie mit einem eigenen erfahrungsfilter. und der sagt: es geht eben auch anders. menschlicher.
    denn was mich bei dieser story hier am meisten wurmt, ist das misstrauen, das mir entgegengebracht wird. dass eine mail nicht reicht, kann ich teilweise nachvollziehen wegen der fälschungsgefahr. aber wieso nicht ein normaler brief mit unterschrift? dieses ganze brimborium ist doch einfach nur peinlich. und dass es sogar noch kostet, empört mich gleich noch mehr. gehts eigentlich noch? spinnen die denn komplett? ja, du hast recht: das ist ein menschenverachtender haufen.
    aber jetzt lass ich es einfach stehen. dafür hab ich den nerv nicht.

  4. Ich verstehe deine Aufregung absolut und finde diese Kirchensache sehr unverschämt. Ist ja wie unter Druck gesetzt werden. Und außerdem verstehe ich Andreas Kommentar nicht. Wenn jemandem Religion und Kirche unwichtig sind, kann man auch für eine weitaus wichtigere Sache – wie ein Job – eintreten. Tangiert einen ja nicht, weil’s einem eben nicht wichtig ist.

    1. danke liebe sherry, dass du mich verstehst. fremd sein kann ich nicht so gut – das hab ich dieses jahr gelernt. und sonst ein paar sachen, die wichtig sind. diese deutsche jahr war ganz schön reich!!! 🙂

  5. Hallo, liebe Sofasophia,
    ich denke, die Mitarbeiterin beim Bürgeramt hat einfach nicht daran gedacht, dass du gleichzeitig mit deinem Unzug auch aus der Kirche austreten willst. Der Wohnort hat ja mit der Religionszugehörigkeit nix zu tun. Wie sollte sie da eine Verbindung erkennen?
    Ich möchte mich natürlich nicht mit dir zoffen, das liegt mir fern,
    Das Wort „leichtfertig“ in meinem Artikel oben nehme ich zurück und möchte dich dafür um Entschuldigung bitten. Das war nicht so gemeint und falsch ausgedrückt. Das tut mir Leid!
    Manchmal muss man eben Kompromisse eingehen und inwiefern man das macht, das muss Jede für sich selber entscheiden, keine Frage! 🙂
    Wenn deine Zeit so knapp ist, kannst du den Austritt ja auf irgendwann verschieben, Ich meine, das eilt ja nicht. Wenn du mal wieder hier in Urlaub bist, kannst du das immer noch schnell nachholen, wenn du willst. 😉
    Also entschuldige bitte nochmals,
    ich werd nix mehr zu dem Thema sagen, ich versprech’s dir! 🙂
    Liebe Grüße und dir einen schönen Tag,
    Andrea

    1. ach, liebe andrea, danke für deine zeilen. nein, zoffen mag ich nicht. entschuldigung angekommen, aber irgendwie braucht es die nicht wirklich.
      weißt du, ich versteh dich ja schon. bin heute schon früh wachgelegen und hab über die unterschiede dtld. und ch nachgedacht. ist wohl einfach das selbe in andern farben – was die ämter betrifft. wir kennen die vertrauten farben und stoßen an, wenn die neuen farben unvertraut sind. und eben nicht nachvollziehbar.
      ich werde mir ev in der ch meine austrittserklärung beglaubigen lassen und dann abschicken. mal gucken.
      jetzt aber ab nach mainz. pervers früh ist es noch … um J. zu zitieren 🙂

  6. Liebe Sofasophia,
    danke erstmal! 🙂
    Das mit den Farben ist ein schöner Vergleich. 🙂
    Ich wollte ja nix mehr zum Thema sagen, aber ich muss jetzt doch noch was richtig stellen. 😉 In meinem posting von heute Morgen ist nämlich ein dicker Denkfehler drin: du musst ja gar nicht dort austreten, wo du auch eingetreten bist. Also so, wie ich das sehe, brauchst du dich einfach nur mit Wohnsitz in der CH anzumelden, und kannst dann dort mit einem „normalen“ Brief nach dem Schweizer Recht deinen Austritt erklären. DAS wäre sicherlich die einfachste Lösung, und die billigste obendrein, oder? 😉
    Dir viel Spaß in Mainz und liebe Grüße,
    Andrea

    1. gell, so werd ichs machen 🙂 danke für den tipp! und jetzt lassen wir das leide thema ruhen und geniessen das leben. aktuell inmitten von kunst.
      liebe grüsse aus mainz 🙂 auch von j.

  7. Das Beispiel zeigt nur zu deutlich, was Kirche hier in Deutschland ist; nämlich eine Institution, die nichts mit Menschen [und noch weniger mit Menschlichkeit] zu tun hat. Mit irgendeinem christlichen Urgedanken hat das längst nichts mehr zu tun.

    1. ach, die beiden damen? das hat mit meinem aktuell so sprunghaften denken zu tun. das schieben sich immer inputs von irgendwo zwischen die zeilen.
      ja, die kirche hat ihre glaubwürdigkeit verloren. wenn es ihr nicht mehr um
      menschen geht, was dann? na ja …
      und da wären wir doch bei lilith und eva: der erste mann meint er hätte recht und sei der erste. ist er abet nicht. nicht nur. wie im leben ist das geglaubte nicht immer das einzig richtige, sondern nur ein ausschnitt.

      1. Religion ist nichts weiter als eine weitere Ideologie, die ein Ziel hat und nach Mitgliedern sucht. Religion hat für mich schon längst ihre Glaubwürdigkeit verloren, allen voran die semitischen Religionen (die drei Großen). Alles, was uns Menschen künstliche Unterscheidungsmerkmale aufstülpt, ist gelinde gesagt Scheiße. Erst Recht, wenn die Worte sogar angeblich von Gott himself kommen und behaupten, Ungläubige seien weniger wert als Gläubige. Dann kann mich der Autor mal, wer auch immer das sein mag. So, sorry für die klaren Worte, ehrlich, sorry. Aber ich habe die Schnauze voll von Religion!

  8. der witz am ende, ist suppi :o)
    zu dem rst kann ich nur sagen: typisch deutsch… ich musste damals auch zu irgendeinem amtsgericht… war dann aber flugs getan…
    ich würde es auch ignorieren, solange du in d kein geld mehr verdienst, kann es dir doch wurscht sein und in der schweiz bist du dann eben wieder konfessionslos und basta
    ja, widerspenstig und freidenkend zu sein ist eins, aber da wird einem in d doch oft ein bein gestellt, leider… ich wäre auch gerne schweizerin, aber das weißt du ja schon!

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