Diese Tage

Endlich habe ich wieder Internet-Zugang. Umzüge sind nervenaufreibend und meistens klappen solche Dinge nicht auf Anhieb. Wäre ja zu schön gewesen, denn zurzeit bin ich sehr auf die virtuellen Verbindungen angewiesen bin. Zurzeit, denn Irgendlink hat sich heute Mittag auf den Weg gemacht. Ans Meer. Der Prolog seiner großen Reise sozusagen. In einer knappen Woche von Zweibrücken nach Boulogne-sur-Mer. Und von da aus immer weiter ums Meer. Um die Nordsee (mehr: hier klicken).
Endlich wieder Internet. Nach Unterbrüchen technischer Natur und erst über ein ziemlich kurzes, gelbes Kabel, das mich zu unmittelbarer Nähe zum Telefonanschluss zwingt. Besser als nichts. Mein Kopf summt wie ein Korb voll wilder Wespen. Die letzten Tage klingen nach.
Den gestern Abend verfassten Blogartikel, den ich vor dem Schlafen im iPhone notiert, kann ich erst morgen nachliefern, da mein iPhone, neu mit Schweizer SIM-Karte bestückt, noch nicht aktiviert ist. Swisscom hat heute Pannentag. Auch die Schweiz ist nicht perfekt.
In Gedanken lasse ich die letzten Tage Revue passieren. Da war dieses Gespräch am Sonntagabend. Beim Künstlerpaar B. Über die Definition von Lebenswert haben wir philosophiert. Arbeitstauglich müsse einer sein, um sich das tägliche Brot zu verdienen, zitierte die Dame des Hauses einen alten Mann, der körperlich nicht mehr arbeitsfähig war und daher das Essen verweigert hatte. Für die Generation meiner Eltern war Arbeit zumeist eine körperliche, eine handwerkliche Angelegenheit. Mir fehlt der Respekt für diese Sicht der Dinge keineswegs. Aber. Aber Arbeit ist mehr. Arbeit ist auch, hier zu sitzen und diesen Blogartikel zu schreiben. Zumal mir noch immer fast alle Knochen wehtun. Vor allem der rechte Arm. Eine Sehnenscheidenentzündung, die mich mal mehr, mal weniger plagt. Putzen, womit ich die letzten Tage verbracht habe, ist unbestritten Knochenarbeit. Ja. Und wieder: aber. Großes ABER. Denn auch Kunst ist Knochenarbeit.
Reiseblogkunst ist gar schweißtreibende Knochenarbeit. Geistarbeit auch. Und Herzarbeit sowieso.
Arbeit darf Spaß machen.
Arbeit hat ihren Preis. Und ihren Lohn.
Jede Arbeit (auch Kunstarbeit) soll entlohnt, belohnt, bezahlt werden, denn von unserer Arbeit wollen und sollen wir leben können. Doch wer zahlt Kunst?
Die Sache mit dem Geld. Alle brauchen es. Auch Kunstschaffende. Irgendlinks Kunstprojekt ist nicht nur mit einem Lohnausfall von drei Monaten verbunden, sondern ist auch drei Monate unbezahlte Arbeit. Deshalb haben wir uns im Vorfeld erdreistet, zu Spenden aufzurufen. Aber Spendenaufrufe sind so eine Sache. Und die Reaktionen darauf ebenfalls. So und anders.
Du könntest ja für die Reise zuerst viel arbeiten um Geld zu sparen, war eine. Da wagte eine, laut und deutlich auszusprechen, was andere nur dachten.
Für jemanden, der Kunst, für jemanden, der die Liveblog-Kunstreise Irgendlinks und für jemanden, der das Bloggen NICHT als Arbeit betrachtet, mag dieser Ansatz logisch sein.
Die Welt funktioniert so, dass wir Produkte und Leistungen, die existentiell oder sonst wie wichtig sind, kaufen und verkaufen. Kunst aber ist nicht überlebenswichtig im unmittelbar existentiellen Sinn. Etwa so wichtig, wie ein totes Schwein für eine Vegetarierin, um Irgendlinks Pragmatismus zu zitieren. Jedenfalls für jene, denen Kunst nicht wichtig ist.
Der Wert eines künstlerischen Produktes (ob nun an die Wand hängbares Bild oder virtuelles Reiseblog ist dabei nebensächlich) ist eben nicht in Geldwerte zu fassen. Was sie deswegen nicht weniger kostbar macht.
Das Zauberwort heißt Respekt. Ich träume von einer Welt, wo alle das tun können, was sie am liebsten machen und am besten können, um mit ihren Talenten ihr Brot zu verdienen.
Wie würdest du, wie würde ich, leben, wenn wir diese Möglichkeit hätten?