Den Kreis schließen

Ich sitze in der alten, beinahe leeren Wohnung am eingebauten Küchentisch. Elf Uhr vormittags. Zeit, mal etwas zu essen. Am besten an der Sonne. Schon viel ist getan. Wäsche gewaschen und gefaltet. Schraub- und Nagellöcher gespachtelt. Und eben drehen meine Vorhänge ihre Runden in der Waschmaschine. Reinigung als wirkungsvolles Loslassritual – noch nie habe ich es so stark erlebt.
Den Winter loslassen zum Beispiel, während die Frühlingssonne kräftig die Zimmer flutet. Und Erlebnisse, die ich hier gemacht habe, Revue passieren lassen. Einordnen. Dankbar integrieren und, ja, auch sie: loslassen.
Putzen tu ich nicht ungern. Putzen fällt mir leicht, weil ich es mag, wenn es sauber ist hinterher. Zu viel Dreck macht mich nervös. Putzen ist sowohl ein grobstofflicher Prozess als auch einer, der in die Tiefe geht, begreife ich mal wieder.
Wie ich mich gestern mit dem Staubsauger durchs Haus arbeitete, sang ich vor mich hin und ließ all jene Energien, die ich mit in diese Räume gebracht habe, frei. Erinnerte mich, wie ich vor einem Jahr alle Zimmer geräuchert und die früheren Energien entlassen hatte, um Platz für meine zu schaffen.
Ich schließe den Kreis. Ein neuer Jahresring manifestiert und schichtet sich. Erzählt ein paar Geschichten eines Lebens. Alltags(ge)schichten.
Und jetzt: Weitergehen. Den neuen Kreis betreten.