Was ein Tag! So müde war ich schon lange nicht mehr. Erwacht nach knapp fünf Stunden Schlaf. Zu wach um wiedereinzuschlafen, zu müde um aufzustehen.
Unsere letzte Nacht in der Künstlerinnenhöhle. Morgen schlafen wir in der neuen Wohnung – kaum vorstellbar!
Doch heute, hier und jetzt ackern wir zielstrebig vor uns hin. Irgendlink hat sich in den Kopf gesetzt, die – einen Winter lang – vernachläßigte Künstlerbude aufzuhübschen. Er rennt mit Sauger und Schrubber durch die Gegend, während ich bei mir die Küche und das Schlafzimmer in Kisten verpacke.
Fragmemtieren. Ich zerlege mein Leben in fassbare Einzelteile, die sich heben, tragen, verstauen lassen. Bruchstücke. Treibgut meines Lebens.
Als Kollege T. um achtzehn Uhr auftaucht, sind wir noch lange nicht fertig. Irgendlink zerlegt eben meinen Schreibtisch und ich verpacke Tassen und Teller. Mein Kopf raucht und ich hege leicht panische Gefühle, denn der Umzugwagen ist kleiner als gedacht. Wird der Platz für alles reichen?
Trotz Irgendlinks genialer Packtechnik kommen wir schließlich nicht darum herum, seinen Wagen ebenfalls mit Kisten zu beladen. Seins sei größer als meins, sagt er.
So viel habe ich doch gar nicht!, sage ich zu den beiden Männern. Dennoch viel. Relativ viel. All die einzelnen Teilchen, die sich wie Sedimentgestein in meinem Leben abgelagert haben, bereichern mein Leben einfach dadurch, dass sie da sind.
Für andere sind es Kram, Kleinkram, Wertlosigkeiten – für mich kostbar. Der Geschichten wegen, selbst wenn ich sie vergessen habe.
Nun ist die Wohnung leer bis auf den Kühlschrank. Feierabend. Feuerabend. In der Künstlerbude wird es langsam warm – nicht nur direkt vor dem Ofen – und das frisch bezogene Bett ruft.
Nein, das ist definitiv kein literarisch oder philosophisch anspruchsvoller Artikel. Egal. Alltag ist nicht immer anspruchsvoll.
Meine Füße melden, dass der Tag sehr wohl sehr anspruchsvoll war. Mein Rücken nickt zustimmend und summt ein Gutnachtlied.