Iu-Es-Pi und Eitsch-Ar

Am Tisch. Viertel nach acht. Ich trinke Tee und löffle Joghurt. Ethik in der Berufswelt, tippe ich in die externe Bluetooth-Tastatur, die mir und meinem iPhone längst eine unentbehrliche Freundin geworden ist.
Ethik in der Berufswelt also. Ein roter Faden in meinem Leben. Wenn ich in den Pausen meine KurskollegInnen frage, in welchen Branchen sie am liebsten arbeiten möchten, zucken sie fast unisono die Schultern.
Egal. Hauptsache ich kann diese oder jene Fähigkeit einsetzen. Und ich verdiene gut. Vielleicht nennen sie Lieblingsbranchen im Handel oder im Gewerbe, aber eigentlich ist es egal. Hauptsache sie verdienen gut. Da war gestern kurz im Zusammenhang mit einer spannenden Stelle die Rede von einem „Nur-so-wenig-Jahresgehalt“. Ich rechnete kurz auf einen Monat um, weil ich mich mit Jahresgehalten nicht auskenne. Wow, sooo viel!, dachte ich. Wie käuflich bin ich? Was würde ich für viel Geld alles tun? Was nicht?
Ooops, halb neun, ich muss los. Auf den Zug. Mich in den PendlerInnenstrom einspeisen.
Fünf vor neun. Ich sitze an meinem Platz. Im Kurs. In einer Ecke des großen U.. Mit bester Aussicht in alle Richtungen. Komisch drauf bin ich heute, fühle mich mal wieder latent im falschen Film. Weniger, was den Kursinhalt betrifft, als in Bezug auf die Kolleginnen und Kollegen und ihre Ziele und Berufe. Nicht, dass ich sie nicht mag, doch mir ist zuweilen, als redeten sie in einer Fremdsprache. Seltsame Wörter. EitschAr – für HR – für Human Resources – für Personaldienst. Na ja, ist ja auch viel kürzer. Und ZiVi – für CV – für Curriculum Vitae – für Lebenslauf. Klingt halt schon viel cooler. Abkürzungen aus der Welt der Teppichetage. Ich muss mich dann ermahnen, dass ich in einem sogenannten Kaderkurs bin. USP kannten allerdings auch die anderen noch nicht. USP – für Unique Selling Proposition – für Alleinstellungsmerkmal oder herausragende Einmaligkeit. Das gefällt mir sogar. Mit gemischten Gefühlen allerdings.

ich finde es schade die eigene einzigartigkeit dadurch zu verlieren, dass man sich ständig mit anderen vergleicht.

(Quelle: Luisa Francia am 16.9.2012 in ihrem Webtagebuch)
Ja, ich bin einmalig, ganz klar, und du auch, doch diese Einmaligkeit einer Firma zu verkaufen? Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Meine anarchistisch-sozialistischen Innereien würgen hin und wieder am Futter, das mir vorgesetzt wird.
Ich bin hier, in diesem Kurs, um Feldforschungen am Menschen zu betreiben. Ich sammle Lebenserfahrung!, sage ich mir in solchen Momenten. Und frage mich, ob es wohl schon bald solche Standortbestimmungskurse für Menschen aus künstlerischen Berufen gibt. Für unformatierte, unformatierbare Menschen wie mich. Ist doch echt eine Marktlücke!
Schnitt.
Gebt mir ein Stück Papier und ich bin glücklich. Gebt mir eine Tastatur und ein Schreibprogramm und lasst mich in Ruhe. Hauptsache ich kann schreiben.
Schnitt.
Mittagspause. Mit R. spaziere ich aus dem Gebäude Richtung City, wo ich mich, wie auch an den letzten Tagen, auf eine Bank an der Sonne setzen will. Meine Brote essen und mich vom Rest der Gruppe absetzen, die im Großen M-Restaurant essen geht. Wie wir den Bahnhofshalle durchqueren, an Läden vorbei, die vielerlei Fastfood anbieten, reden wir über sein Burnout. Fast jeder der anwesenden Männer(!) hatte schon eins und hat sich deswegen aus dem bisherigen Beruf ausgeklinkt. Und orientiert sich neu.
Sieh es als Chance!, sage ich plattitüd.
Ich will etwas ganz anderes machen, sagt er. Mit Kindern. Mit Jugendlichen.
Probiere es aus. Ich hoffe, du findest etwas als Quereinsteiger. Damit du herausfinden kannst, ob das für dich passt.
Ach, ich habe so viele Ideen …
sagt er. Führt diese aber nicht aus, seine Pünktchen gehen im Seufzer baden.
Bis später!, sage ich, guten Appetit. Und schon sitze ich inmitten anderer PicknickerInnen auf einer Bank. Hinter mir BuisnessluncherInnen, über Marktstrategien diskutierend.
In der zweiten Hälfte meiner Pause spaziere ich treppab der Limmat entlang, die grünblau in der Herbstsonne funkelt, in die Altstadt.
Das folgende Bild von Nelly Frei, mit dem iPhone in einem Schaufenster mit der Überschrift www.atelierk12.ch aufgenommen, hat es mir angetan. Mit dem Ubuntuprogramm Pinta habe ich es dank Relieffilter ein wenig überzeichnet, um meine Gedanken zu unterstreichen.

Wären wir alle gleich, sagt mir das Gemälde, wären wir alle gleichförmig,wären wir alle gleich geschaltet, dann wäre das Bild, das unsere Gesellschaft abgibt, verdammt langweilig. Darum braucht es die schrägen Typen im linken Bildteil. Ich wäre, sagen wir mal, das rote Feld, das fünfte von links … Und du? Wir sind das Auge des Bildes und dank uns wird es ein spannendes und dennoch harmonisches Bild. Dass es schön ist, kann ich nicht unbedingt behaupten. Aber faszinierend. Wie die Menschen. Die Silhouette steht für die Betrachterin von außen. Für mich. Für dich. Selbstsicht. Fremdsicht …
Wie ich die Halde hinauf spaziere, zurück ins Zentrum, sehe ich schon von weitem eine Surprise-Verkäuferin – gut positioniert mitten auf einer FußgängerInnenkreuzung. Ich mag diese Arbeitslosenzeitschrift sehr und kaufe sie darum immer mal wieder.
Habe ich überhaupt noch Geld im Säckel?, sage ich zu ihr. Ich bin auch arbeitslos. Wir lächeln uns verstehend zu. Mit meinen letzten Zehn- und Zwanzigrappenstücken (mit Plastikgeld geht das leider nicht) kaufe ich ihr eine Ausgabe ab (es geht darin um Flüchtlinge und die geplanten Verschärfungen des Asylgesetzes). Ich freue mich, einen kleinen Beitrag zum Lebensunterhalt eines Menschen geleistet zu haben, der sich in dieser Gesellschaft aus irgendwelchen Gründen neuorientiert.
Wer ist sie eigentlich, wer ist diese genormte Gesellschaft, diese angeblich homogene Masse, der es sich anzupassen gilt? Ein Mythos nur, das in unseren Köpfen – ähnlich wie der Liebe Gott – eingebaut ist, damit wir einigermaßen manipulier- und formbar sind? Eine Erfindung schlauer WerberInnen oder der grauen Männer bei Michael Ende gar?
Im Kurs bearbeiten wir heute unsere Lebensläufe nach neusten Gesichtspunkten, will heißen nach schnellstmöglicher Lesbarkeit, und die Zeit vergeht zum Glück dabei wie im Flug. Feierabend. Ein Gefühl, als würde eine Klammer aufgehen. (Montag: Kurs) (Dienstag: Kurs), (Mittwoch: Kurs), (Donnerstag: Kurs) (Donnerstagabend … Klammer auf … Wochenende. Liebster-Besuch … Alltag. Freiheit.

0 Kommentare zu „Iu-Es-Pi und Eitsch-Ar“

  1. Liebe Soso, was du berichtest, kommt mir so bekannt vor und du beschreibst es so treffend. Man braucht einen langen Atem, heutzutage. Länger als früher oder kommt es mir nur so vor? Dir ein schönes WE!

    1. liebe larapalara
      dass es länger dauert bis zum neuen job sagte gestern auch die stellvertretende kursleiterin. heute sei es normal, zwischendrin ein paar monat auf arbeitssuche zu sein. „es kann allen passieren“ ist ein begriff der im schweizerischen stellensuch-prozess inzwischen etabliert ist und zur menschlichkeit innerhalb der ämter positiv beiträgt. einer der vorteile. nachteile gibt es, wie gesagt, viele. in dtld ist der wind jedoch viel härter. in der schweiz erlebe ich es doch – trotz allem – noch „menschlich“, zumal ich ja auch nicht auf der ellbogen- ähm teppichetage ein und aus gehe.
      danke für deine zeilen und auf wiederlesen hier
      herzlich, soso

  2. Das ist ein schöner, lebendiger Beitrag, mit guten Ausschnitten. Mit Szenen, die mich manchmal doch verwundert zurücklassen und mir klarmachen, in was für einer Überflussgesellschaft wir leben und was für ein Luxus es ist, sich überhaupt das Richtige für sich aussuchen zu dürfen. [Wie Mützenfalterin es sagte.]
    Die meisten Menschen würden dahin tendieren zu sagen, sie gehören zu den Außenseitern auf dem Bild. Der Grund ist ganz einfach: Alle Menschen sehen sich aus der Innenperspektive und andere aus der Außenperspektive. Nach Außen hin schauen wir oft „global“, suchen nach Merkmalen, die wir an anderen kennen, weil wir gerne Anhaltspunkte hätte, die Person gerne einschätzen wollen. Deshalb wirken andere oft „normal“ und „angepasst“ [außer sie distanzieren sich sehr offensichtlich von der Masse durch äußere Merkmale, die man sofort sieht!] und wir selbst, uns betrachtend und jegliche Regungen wahrnehmend, sehen uns als „anders“ an. Deshalb glaube ich weder an die homogene Masse noch daran, dass es soviele Außenseiter gibt. Die homogene Masse nehmen wir wahr, weil wir uns an öffentlichen Plätzen oft um bestimmte Regeln und Konventionen bewegen [müssen], damit wir überhaupt eine Art Ordnung finden an diesen überbevölkerten Fleckchen. Damit die Post täglich kommt, damit wir Bus und Bahn fahren können, damit wir wissen, wie man sich in Situation A verhält. Nennen wir diese Konventionen „Ampeln“, die uns sagen: Jetzt dürfen wir fahren, gleich nicht. Weil wir uns dann alle im Straßenverkehr so verhalten in dem Moment, wo die Ampel umschaltet, nehmen wir einander als „homogene Masse“ wahr. Die meisten Menschen, die hingegen wirklich stark aus der Rolle fallen, tun das nicht freiwillig und hegen einen sehr einfachen Wunsch: „Ich wünschte, ich wäre normal.“ Die weichen in ihrer Persönlichkeitsstruktur und in ihrer Überlebensfähigkeit, im Umgang mit Krisen und anderen Menschen so sehr von der Norm ab, dass sie darunter leiden. Und zwar nicht nur durch Ausgrenzung von anderen, sondern auch, weil sie sich selbst ausgrenzen. Die wollen alles andere als „besonders“, „individuell“, „anders“ angesehen werden, der Wunsch, normal zu sein, ist groß.
    Natürlich bist auch du formatierbar. Du hast gerade das Glück, dass man dich vielleicht mit etwas mehr Geld nicht zu deinen eigentlichen Zielen und Motiven näher bringen kann, wohingegen andere sich ihren Zielen näher fühlen, wenn sie mehr Geld haben. Jeder Mensch hat da andere Bedürfnisse. Du brauchst nicht viel, deshalb kannst du relaxt bleiben, wenn du von einem großen, unsympathischen Unternehmen ein super Jobangebot bekommst. Aber sobald man die Bezahlung auf deine Motivation ansetzt, wie z.B.: „Arbeiten Sie drei Mal die Woche bei uns, und wir eröffnen Ihnen die Möglichkeit, Ihre ganzen Bilder in internationalen Galerien auszustellen, ohne dass Sie dazu etwas zahlen müssten …“ – sähe die Sache vielleicht anders aus. =) Oder hättest du gerade eine fünfköpfige Familie zu ernähren, dann auch. Es hängt immer davon ab, was man gerade für sich braucht. Ist es nicht übermäßiger Luxus, empfindet man den Druck nicht, sich anzupassen.
    Aber stell‘ dir vor, du hättest diese Möglichkeit und diese Wahl nicht. „Arbeite oder verhungere …“ Dann wärst du ganz schnell anpassbar. So sind wir alle, das ist gut so, wir sind auf das Überleben getrimmt, wir haben die Fähigkeit, aus Notwendigkeit heraus diese „homogene Masse“ zu werden, das ist nicht immer negativ. Dass wir manchmal abwarten dürfen, bis der annähernd perfekte Job kommt, dass wir überhaupt die Neigung entwickeln können, dass Geld oder Ressourcen nicht das Wichtigste sind [weil wir einfach unsere Grundversorgung im Notfall erhalten werden], gibt es in unseren reichen Ländern hier und ist eine völlig neue Erfahrung in unseren Evolutionsbedingungen! Und trotzdem hoffe ich, dass unser Organismus sich nicht daran gewöhnt, damit wir in allen anderen Folgegenerationen überlebensfähig bleiben.
    Was für’n Romaaan! Ich weiß! Haha.
    Ich wünsch‘ dir einen tollen Tag, liebe Soso. =)

    1. wow … spannend, sherry, danke schön!
      zuerst mal noch dies: meine sicht der dinge, also wie ich sie hier schildere, verstehe ich immer als eine art schnappschuss.
      die norm, die masse … die gibts und gibts nicht. du führst das wunderbar aus.
      das wir privilegierte sind, daran denke ich dieser tage soo oft. und es macht mich auf eine demütige art dankbar, oder auf eine dankbare art demütig.
      ich hoffe, mein artikel wird nicht so verstanden, als dass ich die gesellschaft generell schlecht finde. es ist wohl mehr der mainstream (nennen wir es mal die oftmals ungefilterte unreflektierte manipulierbarkeit vieler einzelner menschen), die mir nicht gefällt. und die gibt es sehr oft. auf allen ebenen (einfache bis studierte menschen). mainstream ist eben einfacher als selbst zu denken. und im mainstream zu sein, gibt sicherheit: wenn es „alle anderen“ auch machen/denken/kaufen/schauen/lesen, kann es ja nicht falsch sein. wohin das führen kann, wissen wir ja.
      und ja, natürlich bin auch ich genormt und formatiert. ein klein bisschen selbstironie sei mir erlaubt, liebe sherry. 🙂
      herzlich, soso

      1. Auf gar keinen Fall, Soso! Du stellst nur Fragen, gute Fragen. Ich hab‘ dich schon richtig verstanden. Danke für deine Antwort. Ich lass‘ ja manchmal, wenn ich Zeit habe, einfachso meine Gedanken rattern. Seltsamerweise habe ich keine Schreibprobleme, wenn ich mich mit euch unterhalten. Aber im Blog, da könnt‘ ich grad‘ bei mir kotzen, sag‘ ich dir. Hahaha.

        1. ja, das habe ich gestern gelesen. vielleicht ist das wieder dein „notfall-system“. für andere kannst du deine letzten energien aktivieren …?
          ich bin fast sicher, dass das einfach eine art selbstüberprüfungsphase ist, die du da durchmachst: wie echt bin ich? (möglich, dass ich von mir auf dich projiziere, da ich das von mir bestens kenne … besonders in jenen lebensbereichen, die innen und aussen verbinden wie es eben bei ausdrucksformen wie schreiben, malen, freundschaftlich-tiefschürfenden kontakten geschieht).
          so, nun steh ich endlich mal auf …
          herzlich, soso

      2. Ich glaube, ich brauche Interaktion beim Schreiben. Also Reagieren fällt mir im Moment leichter. Die Frage, ob ich echt bin, ist gar nicht so wichtig. Weil egal, was ich tue oder nicht tue, selbst, wenn ich heucheln sollte, ist das ein Teil von mir. Ich weiß gar nicht, was mich gerade so nervt. Vielleicht vergesse ich einfach die Wörter, die Sprache. Das wird sich schon zeigen, weil’s mir grad wieder etwas scheißegal ist, und die „Erkenntnisse“ mir immer hinterhergelaufen kommen, wenn si emir scheißegal sind. So! 😀

      3. ah, ja, ich verstehe das. kenn ich zwar so nicht, aber irgendwie kann ich es doch nachvollziehen. aber weisst du was? ich bin dennoch sicher, dass das eine phase ist. eine, die dich weiterbringt. ja, so plattitüd das jetzt klingen mag, da bin ich eigentlich fast sicher.
        und: das darf sein. das sag ich mir immer, wenn ich in für mich schlecht erträglichen phasen stecke.

      4. Ja, das glaube ich ja selbst, Soso. Ich denke nicht, dass das so bleiben wird. Was mich nur nervt ist, dass man beim Bloggen irgendwann anfängt, andere unterhalten zu wollen. Dagegen habe ich mich lange gewehrt, aber letztendlich klappt das nicht. Man gewöhnt sich daran, dass man nicht nur für sich selbst schreibt – das Gelesenwerden wird zum Teil des Schreibens, das ständige und direkte Gelesenwerden. Und das kann, so kreativ und produktiv das auch machen kann, einen sehr wichtigen Prozess hemmen: Nämlich das Reifenlassen. Vielleicht ist es das, was mich „nervt“, das Reifenlassenwollen. Dass mir das fehlt. Andererseits hat mir das schon damals gefehlt, weil ich das Schreiben nie ernst genommen habe.
        Vielleicht ist es das, was mich ärgert. Das sich etwas, das ich eigentlich gut kann, so wenig ernst nehmen. Wie immer. So typisch. Ich glaube, das Einzige, was ich im Leben ernstgenommen habe, waren immer andere und dieses Studium. Und wären einige Dinge nicht geschehen vor diesem Studium, hätte ich auch das nicht ernstgenommen. Auch hier hat mich die Verantwortung im Grunde dazu gezwungen, das Beste rauszuholen. So, wie du siehst, habe ich einen Rededrang. Und zu wenig zu tun. Okay, ich gehe jetzt putzen und dann gehen wir heute aus, das wird mir gut tun. Püüüüh.

        1. ich höre dir gerne zu, liebe sherry und ja, ich habe nun sehr gut verstanden, was du meinst. die sache mit dem ernstnehmen der dinge … ein thema, wozu mir grad viel einfällt, ich aber nicht die musse habe, es hier und jetzt zu vertiefen. vielleicht etwas zum drüber bloggen? mal schauen …
          ich hoffe, du kannst dich gut erholen dieses wochenende und all jene seiten an dir geniessen, die einfach jetzt gelebt werden wollen.
          und den liebsten natürlich auch. so I do 😉
          herzlich, soso

  3. ein klasse Text, der fragt, was viele fragen: wer oder was ist diese konforme Masse… denn lerne ich jemanden daraus kennen, ist er/sie gleich ein Mensch, nicht mehr Masse, nicht mehr konform, weil auch er/sie eigene Gedanken und Gefühle hat. Ja, man will uns gleich machen, besonders in solchen Kursen fällt dies auf. Ich bewundere dich, dass du mitspielen kannst, ich konnte es ja im letzten Jahr nicht…
    die grauen Männer von Michael Ende, wie oft ich an sie denken muss, letztens auf der Autobahn, als mir auffiel, dass die Zeit der bunten Autos wohl ausläuft: silber, weiß, beige und schwarz rollt es in Massen (ha, da ist sie… die Masse!), Freude bei jedem roten, grünen, blauen oder türkisen, und m a n c h m a l rollt sogar noch ein bunter Bus vorbei… ich plädiere für ein buntes Leben und mäandernde Linien… denn wäre ich etwas in diesem Bild, dann solch eine rot-blaue mäandernde Welle
    Ich wünsche dir und dem Liebsten ein wunderbares WE… und grüße dich herzlichst
    Frau Blau

    1. danke, liebe frau blau, für deine zeilen und die lieben wünsche.
      mein kurs ist wirklich nicht mit deinen massnahmen zu vergleichen. es ist eine klassische weiterbildung, die man/frau auch ganz normal besuchen kann (also ein öffentlicher kurs, in den die meisten vom arbeitsamt empfohlen worden sind). ich habe mein einverständnis dazu gegeben, weil ich ja auch immer vieles über mich herausfinden kann in solchen settings. so gibts nicht viel zu bewundern 🙂
      zum thema bunte autos gibts übrigens vom künstler ursus wehrli, der als teil des komikerduos ursus&nadeschkin auftritt, aber auch einen solokünstler-teil lebt, ein tolles youtube-filmchen: er hat auf einem parkhausdach alle autos nach farben sortiert. bekannt ist er ja damit geworden, dass er kunst aufräumt. durchaus ironisch zu verstehen … unter youtube „kunst aufräumen“ findest du ihn.
      ich plädiere mit dir für bunt. let’s colorize our lifes 🙂
      habs gut und bis gly
      soso

  4. Ethik in der Berufswelt. Da gibt es nicht mehr viel, oder? Überall nur Paradoxe, du sollst einzigartig sein, Dein USP, aber bitte so, wie die Firma es braucht, also konvertierbar, du sollst angepasst sein, aber dabei individuell, du sollst kreative Lösungen beisteuern, aber bitte ergebnisorientiert und sachlich. Verrückte Zeit, ich frage mich schon länger, wie lange das noch gutgehen kann…

    1. paradox ist das ganze leben, liebe mützenfalterin, spagate zerreissen uns irgendwann.
      ja, ich auch. noch immer hoffe ich auf lösungen. ja, närrin ich. hoffnungen und visionen habe ich.
      für mich, aber auch global.
      wir sind viele, eigentlich, die es anders lieber hätten …
      herzlich, soso und dankbar für deine inputs

  5. Ach, liebe Soso,
    das ist so fein beschrieben, mit einem inneren Abstand scheint es, den man erst mal hinbekommen muss, wenn man den Tag beim Headhunter zugebracht hat. Beneidenswert.
    Ich hatte einmal das Vergnügen nach dem Studium in einer Maßnahme vom Arbeitsamt zu landen: „Selbstvermarktungsstrategien für Akademiker“. Ich fand das nicht sonderlich vergnüglich, und ich bin noch immer heilfroh, dass damals eine promovierte Biologin mit Humor neben mir saß, die immer leckere kleine Karotten und Nüsse dabei hatte, die wir knackend futterten und so gar nichts mehr hören konnten … von dem, was die gelernte Verkäuferin (Dozentin) uns riet.
    LG mb

    1. da frag ich mich direkt, liebe mb, ob ich am nächsten dienstag, wenn der kurs weitergeht, mich mit karotten und nüssen eindecken sollte 🙂
      ist ja schon fast halbzeit sag ich mir, und ganz schön viel gedankenfutter hab ich auch schon gekriegt, wenn auch mehr gesellschaftspolitischer natur 🙂
      danke für deine zeilen!
      herzliche grüsse euch beiden, soso

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