In den Pyrenäen #7 – Gestern: Meer und noch mehr.

Wunsch | Dass wir über dem großen Jahr nie die kleine Stunde vergessen, aber über der Stunde auch nie das Jahr.

Quelle: Solminore

Ein großer weiser Satz, den ich ähnlich gestern am Meer gefühlt habe, angesichts der Weite. Und der Winzigkeit eines Sandkornes, das Teil des ganzen Strandes ist und letzlich den Strand ausmacht.

Hier ein paar Impressionen von Leucate Plage und Umgebung. Viel Spaß!
Wie gehabt: Klick macht groß … 🙂

 

Nach unseren drei kurzen und so ganz unterschiedlichen Spaziergängen am Mittelmeer, waren wir bei H. & C. eingeladen, die vor acht Jahren von Deutschland nach Fitou ausgewandert sind. Ein sehr nährendes Zusammensein. Gespräche über authentisches Menschsein, Kunst und warum, was glänzt, nicht unbedingt Gold sein muss. Irgendlink nannte es auf dem Heimweg das Kratzen am Mythos Frankreich.

Nun winke ich euch allen dankbar und herzlich zu. Danke, dass ihr da seid und hier mitlest, mitgrübelt, mitlacht, mitspinnt!

Auf ein Neues, guten Rutsch und so weiter … 😉

À suivre demain … Morgen drüben, im 2015.

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Mehr Texte und Bilder gibt’s drüben bei Irgendlink.

In den Pyrenäen #6 – Gestern: Die heissen Quellen von Thuès-les-Bains

Irgendwo da oben müssen sie sein. Aber es ist schon verdammt lange her. Und wir hatten ja ziemlich getankt. Und die Wanderkarte, auf der ich den Ort markiert habe, liegt daheim. Schon vor fünf Jahren wollte uns Irgendlink, als wir zur selben Jahreszeit ein bisschen östlicher von hier eine Gîte bewohnt hatten, mithilfe seines wirklich guten Orientierungssinnes zu seinen wunderbaren heißen Quellen lotsen. Damals fanden wir andere Quellen, wirklich ganz wunderbare. Gestern auch nicht, oder auch – meine ich. Aber deswegen waren auch diese nicht weniger schön. Sag ich mal, die ich seine heißen Quellen nicht kenne. Für einmal war unsere abenteuerliche Bergtour nicht einmal von Regenfall getrübt. Klasse! Und was für Wetter!

Unsere Wetteraussichten
Unsere Wetteraussichten

Im Schatten minus zwei Grad, an der Sonne vielleicht vier oder fünf?

Beim Thermal-Badehotel von Thuès-les-Bains parkten wir. Auch ein paar französische Jungs um die dreißig hatten neben uns geparkt und wir würden sie später wiederholt treffen.

Voller Vorfreude auf ein Bad in heißen Steinbecken stiegen wir bergan. Gehorsam folgten wir einem Wanderwag, da jener Weg, den der Liebste intuitiv genommen hätte, mit einem durchgestrichenen gelben Kreuz markiert war. Tolle Bergtour.

Ganz schön gefährlich wäre es gewesen, wenn wir dort, wo wir auf halber Höhe umdrehen mussten, weitergeklettert wären. Von oben kommen wir offenbar nicht in das Becken heran, das wir – mit Menschen gefüllt – gefunden haben. Also zurück zur letzten Verzweigung? Gesagt, getan. Auch die französichen Jungs, die wir unterwegs bereits ein- oder zweimal gekreuzt haben, wissen nicht weiter. Sie folgen uns, vermutlich weil wir so zielstrebig aussehen. Nein, sie haben auch keine Koordinaten, sagen sie, und folgen auch nur einem Gerücht. Diesem hartnäckigen Gerücht von wunderbaren heißen Quellen, in denen es sich wunderbar baden lässt. Von denen ich je länger je mehr vermute, dass sie wirklich nur ein Gerücht sind.

Wir nehmen eine Abzweigung, die steil bergab führt und mit ein paar gefährlichen rutschigen und schlammigen Partien aufwartet. Der nahe Bach rauscht, wir sind auf der richtigen Spur, keine Frage.

Auf einmal haut es mich um. Und zwar richtig. Aufs Steißbein. Ich jaule kurz auf, was die Jungs etwa zwanzig Meter hinter uns offenbar in die Flucht schlägt.
Wenn schon diese taffe Schweizerin umfällt, wie dann wir fünf Stadtbuben?, werden sie sich gesagt haben. Macht nichts, denn das Becken ist genau richtig für zwei.

[Ähm, ja, danke der Nachfrage, es tut noch immer weh. Aber nur, wenn ich mich bewege. Sitzen geht. Liegen zum Glück auch. Wird schon wieder.]

Nach einem herrlichen Bad und einem kleinen Picknick wandern wir zurück und betreten die zivilisierte Welt genau auf dem durchgekreuzten Weg.

So einfach wäre das Leben, wenn man nicht immer den Wegweisern und den vorgegebenen Wegen folgen würde. 🙂

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Auch Irgendlink bloggte soeben über unsern gestrigen Ausflug: Hier!

In den Pyrenäen #5 – Gestern: Villefranche-de-Conflent

Da waren wir gestern, in Villefranche-de-Conflent

Was Wiki dazu meint? Ich zitiere mal:

UNESCO-Welterbe Fort Libéria oberhalb des Ortes

Rue Saint-Jacques

  • Villefranche-de-Conflent wurde von der Vereinigung Les Plus Beaux Villages de France zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs erklärt.
  • Die mittelalterliche Stadtmauer. Ihre Anfänge stammen aus dem 11. Jahrhundert,[3] ab 1681 wurde sie ausgebaut und erhöht. Sie ist bis heute vollständig erhalten.
  • Die Kirche Saint-Jacques aus dem 12. Jahrhundert mit zwei parallelen Schiffen.
  • Über der Stadt, 734 unterirdische Stufen hoch, liegt das Fort Libéria. Die Festung wurde 1681 vom berühmten Festungsbaumeister Vauban errichtet und unter Napoléon III. ausgebaut. Sie beherbergte im Laufe der Zeit unter anderem ein Frauengefängnis. Im Jahr 2008 wurde das Fort zusammen mit anderen Festungsanlagen von Vauban in die UNESCO-Welterbe-Liste aufgenommen.
  • Eine bekannte Touristenattraktion ist die nahegelegene Grotte des Canalettes.

Quelle: Wikipedia

Wirklich wunderwunderwunderschön, das Städtchen. Draufklick für groß! 🙂

Pyrenäen-Bildspecial #1 – Ein und aus, auf und zu.

Türen & Tore

Bei den folgenden Bild-Galerien lassen sich die Bilder durch Anklicken vergrößern … danach einfach weiterklicken zum nächsten Bild.

Hinter Schloss & Riegel

In den Pyrenäen #4 – Gestern: Heldenzöix

Gestern vor der Wanderung. Nach-dem-Frühstück-Tischtuch-Quatscherei …

Fast zur Quelle hoch sind wir gestern gestiegen. Immerhin bis zum zweiten Wasserfall. Und das womöglich nur, weil ich mich in diesen Ferien entschlossen habe, mich nur rudimentär an der Planung unserer Aktivitäten zu beteiligen. Andernfalls hätte ich uns vielleicht ausgebremst? Mir so eine Tour nicht zugetraut? Was das Tagesprogramm betrifft, hat ja Irgendlink immer so tolle Ideen, dass ich mich diesen gerne anschließe. Einerseits, weil ich bis jetzt damit immer gut gefahren – und gewandert! – bin und andererseits auch, weil es meiner aktuellen Entscheidungsunlust so toll entgegen kommt.

Schon vorgestern zog es ihn zu den Wasserfällen, doch weil die Sonne uns auf die sonnige Bergseite gelockt hatte, waren wir ihrem Ruf gefolgt.

Vernet-Cascades_19Gestern nun war Regen angesagt, über Mittag und gegen Abend wieder. Wir sollten also wohl möglichst bald raus, wenn wir Regen vermeiden wollen. Na ja, möglichst bald heißt bei uns so gegen Mittag. Nach Regen sieht es nicht aus. Trockenen Fußes durchqueren wir das unter einer Wolkendecke liegende, verschlafen wirkende Dorf und fotografieren uns bergan.

Einzig eine süße Katze und später eine Frau in unserm Alter, die Holz auf ihre Karre lädt, treffen wir unterwegs. Die Holz ladende Frau meint, es sei den Leuten draußen zu kalt. Bei acht Grad ist Winter angesagt und gemütliches Zuhauseherumsitzen. Niemand mag dann draußen sein.

C’est la vie.

Bald finden wir das Wanderwegzeichen zu den Cascades, den Wasserfällen.
Die sind hier in der Nähe, sagt Irgenlink seit Tagen, und da hat’s zwei Geocaches.
Wir wandern also gemütlich bergan. Bald schwitzen wir. Bald setzt leichter Regen ein. Bald kommt die Gabelung, von wo an es zur Sache geht, denn bis hierher war es ein schöner Waldspaziergang, ab jetzt eine Bergwanderung.

Eine Stunde zwanzig Minuten bis zu den Fällen, sagt die Tafel, und es regnet nun schon stärker. Vernunft versus Abenteuerlust? Wir gehen weiter, keine Frage eigentlich.

Links der Bach, tosend und wild, der Weg immer wilder, immer steiniger, immer steiler. Tolle Wanderung. Eigentlich. Bloß nicht an noch mehr Regen und an Abstieg denken, ermahne ich mich innerlich.

Bild um Bild nehmen wir mit. Wunderbare Natur. Köstliche Luft. Stille. Immer öfter müssen wir auf abenteuerlichen Brücken und Furten den Bach queren, mal von rechts nach links, dann wieder zurück.

Und auf einmal finden wir ihn, den ersten Wasserfall. Der Cache ist vergessen. Atemlos vom Anstieg bestaunen wir dieses Naturkunstwerk, das kein Künstler schöner hinbekommen hätte. Ich hebe die Kamera. Genau in diesem Moment pustet mir ein frecher Windstoß, im Verein mit der Schwerkraft, meinen Schirm weg, den ich als Kameraschutz aufgespannt hatte. Mist! Doch schon klettert mein Held behände ins Flussbett und holt den Schirm. Nur die Melone fehlt, Charme dafür im Überfluss.

Das Wegstück zur zweiten Kaskade ist das bisher gefährlichste, steilste, nasseste und ich frage mich, ob wir bei solch verrückten Wanderungen eigentlich immer Regen als Background-Sound gebucht haben. Irgendlink macht Bild um Bild, Film um Film, während ich mich an einer trockenen Stelle, an eine Felswand gelehnt, ein bisschen ausruhe.

Beim Abstieg über die klitschnassen und glatten Felsen rutsche ich gleich zweimal aus. Autsch. Zum Glück ohne Schaden. Und zum Glück ist mein Held da und reicht mir immer mal wieder die Hand. Meine Beine sind kürzer als seine, was ich besonders deutlich merke, wenn es um die Querung von Furten geht. Bergwandern, das hat uns spätestens die Pilgerwanderung auf den Gotthard gelehrt, ist ein dauerndes Ausbalancieren. Jeder Schritt will geplant sein. Nur so kommen wir voran. Oder abwärts. Noch immer regnet es, doch irgendwann sind wir unten. Und der Regen hat auch endlich aufgehört.

Nach einem kleinen Einkauf im Dorfladen machen wir es uns daheim im Studio gemütlich. Hach, toll war das, und ich bin einmal mehr froh, die Strecke nicht im Voraus gekannt zu haben. Es geht doch nichts über keine Recherche und viel Vertrauen. Besser als jede Vorschuss-Angst!

Ich gehe um des Gehens willen. Ich lebe um des Lebens willen.

In den Pyrenäen #3 – Bilder von heute Nachmittag

Eine wunderbare Bergwanderung mit Fernsicht.
Auf 900 m ü. Meer sieht die Welt einfach ein klein bisschen anders aus … 🙂

Wanderung 26-12-14_Route
Nachmittagswanderung – zum Vergrößern draufklicken
screenie Waderung auf hikebike
Kartenausschnitt auf hikebike – zur Originalkarte draufklicken

Link zum heutigen Kartenausschnitt

In den Pyrenäen #2

Schon hat uns der Ferienalltag wieder, dieses Wir-Ding, das sich um und ins uns entfaltet, wenn wir zusammen unterwegs sind. Zuverlässigkeit, Verlässlichkeit, Vertrauen.

Wir gehen aus dem Haus ohne einen Plan zu haben. Oder höchstens den: Schauen, was wird. Gut, gestern war es immerhin so, dass Irgendlink – noch zuhause in der Pfalz – via Geocache-App die Umgebung ein wenig gescannt und ein paar Geocache-Infos auf sein Handy geladen hatte. Außerdem war er in der näheren und weiteren Gegend schon öfters. Genug Neues gibt es aber alleweil. Wir verlassen das Dorf Richtung Süden, was einfach ist, da wir dazu einfach unserer Straße folgen müssen. Schon bald ist uns klar, dass wir viel zu warm angezogen sind. Ich suche die Sonnenbrille, ziehe den Faserpelz unter der Winterjacke aus und schwitze, denn unser Waldweg steigt sanft hügelan. Wir folgen Irgendlinks Idee, den Cache, der da und da liegen müsste, zu finden.

Zu unserem Ferienalltag gehört das Staunen. Falls ich das eines Tages nicht mehr kann, werde ich nicht mehr verreisen. Nicht, dass wir es „machen“, das Staunen, es passiert uns einfach. Und auch wenn ich schon oft in Südfrankreich war, ist es jedes Mal neu: Dieses Ergriffensein von dieser für diese Gegend hier typischen Weite, den Bergen und Hügeln, der Vegetation, diesen wilden Wegen hier.

Ich stöhne und juble und jaule also wandernd über diese Schönheit, die fremd und vertraut zugleich ist und als uns eine Gruppe Menschen, Erwachsene und Kinder, mit zwei Eseln kurz vor dem Zielort des ersten Caches überholen, geht mein Herz noch weiter auf. Wir treffen die Gruppe, später bei ihrer Rast auf einem Hügel. Wir in der Nähe befindet sich auch unser erster Cache, doch zuerst betrachten wir die Marienkapelle – oder was immer es ist. Ich bin begeistert von den Plastikmarien, die aus PET, aus Flaschenplastik, geschaffen sind, und die ich darum Geist in der Flasche nenne. Die Marienkrönchen sehen schließlich irgendwie wie Flaschendeckel aus. Das Einzige, was ich am Katholentum mag, ist dass sie das mit der weiblichen Göttlichkeit integriert haben.

Maria in der Flasche
Maria in der Flasche

Die beiden Eselchen haben Siesta und wir plaudern mit der Esel-Halterin über Esel als Pilgergefährten. Knuddelweiche gutmütige Gesellen sind die beiden Tiere.

Vergeblich suchen wir über eine halbe Stunde nach dem Cache, ziehen weiter und finden einen Dolmen, ein aus unbehauenen Steinblöcken errichtetes Bauwerk. Manche Dolmen, erfahre ich später, dienten als Grabstätten. Ob es diese hier auch tat, weiß ich nicht. Aber mich beeindruckt das Werk sehr und ich stelle mir vor, wie es vor langer Zeit von Menschen errichtet worden ist.

Auch hier in der Nähe versteckt sich ein Cache. Wir finden ihn kurz bevor wir aufgeben wollen. Wie weiter? Nach Villefranche und von da mit einem Bus zurück, der vielleicht – weil Feiertag ist – gar nicht fährt? Oder runter nach Corneilla und von da zurück nach Vernet-les-Bains wandern? Wir steigen abwärts und finden ein herziges Bergdorf. Sonne satt. Siesta. Es ist kurz nach drei Uhr.

Ein gefundener Cache ...
Ein gefundener Cache …

Meine Wanderkarten-App zeigt einen Wanderweg zurück, doch es ist nicht ganz klar ersichtlich, wo genau sich der Einstieg befindet. Die Alternative wäre der Straße entlang zu gehen, die zwar eng, aber heute wenig befahren ist. Schließlich finden wir den Ein- und Aufstieg. Hätten wir den Weg genommen, wenn wir vorher gewusst hätten, dass es ein zweites Mal um die zwei- bis dreihundert Höhenmeter sind, wie wir zuerst hoch- und dann wieder absteigen würden? Vermutlich nicht. Gut, wenn man im Voraus nicht immer alles weiß.

Die Wanderung ist kolossal. Wir finden sogar Spuren Heiko Moorlanders, der ja eine Zeitlang in Südfrankreich gelebt hat. Mont Canigou ist zum Küssen nah.

Von oben herab
Von oben herab

Abendglühen gibt’s nicht nur in den Alpen. Immer weiter aufwärts steigen wir. Irgendwann geht es aber dann doch wieder abwärts und ich spüre, dass ich doch seit der Gotthard-Wanderung ein wenig meiner Kondition eingebüßt habe. Macht nichts. Wir sind ja bald daheim. Quer durchs Dorf geht es und Irgendlink zeigt mir, wo er am Morgen, auf seiner ersten Erkundungstour entlang spaziert ist. Tolles Dorf, so richtig französisch eben. Ein Meer aus Dächern tut sich unter uns auf.

Dächermeer2
Dächermeer

Später, wir kochen auf zwei Herdplatten unser Abendessen, Kurzschluss. Davor haben uns die Hauswarte gewarnt. Wenn zu viele Geräte gleichzeitig laufen. Aber so viel läuft doch gar nicht? Zwei Lampen. Die beiden Handys zum Laden, Kühlschrank, Modem, Heizung und Herd. Offenbar zu viel. Die zweite Platte war der das Fass zum Überlaufen bringende Tropfen. Wir finden den Hauptsicherungskasten nicht. Im wohnungsinternen Kasten findet sich keine kaputte Sicherung. Das Hauswartspaar kommt auf einen Schwatz vorbei und zeigt, wo – im Treppenhaus draußen – sich der Hauptkasten verbirgt und wo der Hauptschalter umzulegen ist. Tja. So werden wir nun Stromtetris spielen müssen, immer nur so und so viele Geräte. Schlecht ist das eigentlich nicht. Eine kleine Bewusstseinsübung sogar. Und umso dankbarer sind wir, als der Herd wieder läuft und der Rosenkohl aus Irgendlinks Garten gar kochen kann.

Ferienalltag? Ja, diesen Alltag mag ich von allen Alltagen definitiv am liebsten.

Une randonnée à Vernet-les-Bains
Une randonnée à Vernet-les-Bains

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Mehr auf Irgendlinks Blog
Ungefähre Wanderroute auf Guuglmäps
Touristeninfos über Vernet-les-Bains

In den Pyrenäen #1 oder Weil ich Lust habe und Gratis-WLAN …

Gestern waren wir den ganzen Tag unterwegs in die Pyrenäen. Woran ich Tage zuvor nicht im Traum gedacht hätte. Beide sind wir eher knapp bei Kasse, ich noch mehr als er. Doch manchmal geschehen eben doch Wunder und Türen fallen auf, ohne dass wir den Schlüssel dazu haben.

Und auf einmal hatten wir eine winzige, herzige, saugünstige Wohnung gebucht. In den pyrenäischen Bergen, einer Gegend, die Irgendlink noch länger ins Herz geschlossen hat als ich, die mir aber in den letzten Jahren auch ein Stück Heimat geworden ist. Ich kann mein Glück kaum fassen. Ein Geschenk!

Am Abend des 23. Dezember ist fast fertig gepackt. Wir gehen spät schlafen, denn zuvor erledigen wir noch letzte Dinge im Internet in der sicheren Annahme, die nächsten zehn Tage offline zu sein.

Gestern früh ist es wirklich noch pervers früh, als wir aufstehen, das Auto laden und losfahren. Rauhreif das Land. Rauhe Weihe-Nacht. Das passt. Wunderbar halbleer sind die sonst vollen Schweizer Autobahnen und bald fahren wir bei Genf über die Grenze.

– Wieso fährst du eigentlich links, wenn es rechts Platz hat?, fragt der Liebste zwanzig Kilometer südlich von Genf.
– Warum sollte ich? Es hat ja auf beiden Spuren massenhaft Platz. Du weißt doch, ich bin keine von diesen nervenden Dauernd-die-Spur-Wechslerinnen.
– Aber du wusstest schon, dass es ein Rechtsfahrgebot gibt?
– Nö, never heard. … Was ist das denn? … Ein deutsches Gebot vermutlich? Aber wir sind ja hier nicht in Deutschland. Wir sind in Frankreich.
– Keine Ahnung, ob das in Frankreich auch greift, aber bei uns muss man immer rechts fahren, wenn die rechte Spur frei ist. Es ist strafbar, grundlos die linke Spur zu benutzen. Zumal man ja auch andere behindert, die noch schneller fahren wollen. Kurz: Man verwendet grundsätzlich den rechten Fahrstreifen.
– Wie jetzt? Du meinst, bei euch MUSS man rechts fahren?

Ich verstehe die Welt nicht mehr. Musste ich nahezu 50 werden, um von einem solchen Gebot zu erfahren, nach über fünf Jahren regelmäßigem Autofahren in Germanien? Und auf einmal verstehe ich. Alles. Alle. Alle Deutschen. Denn mitnichten betrifft das Rechtsfahrgebot auf deutschen Autobahnen nur die Straßen.

Ein Land verstehen zu wollen, umfasst viel mehr als nur die Sprache einigermaßen zu verstehen und sprechen zu können. Da sind ganze gesellschaftliche Codes, die es zu verstehen gilt.

Das Rechtsfahrgebot zum Beispiel, so deklamiere ich südwärts fahrend, das Rechtsfahrgebot macht sich in allen Lebensbereichen breit. Es prägt euer Denken.

Heute Morgen, nach dem ersten Frühstück in unserm herzigen Studio in den Pyrenänen, schneide ich das Thema erneut an. Weil ich gegoogelt habe, ob ich womöglich viele Jahre ein Gebot, das auch in der Schweiz gültig wäre, ignoriert habe. Habe ich aber nicht. Sowas gibt es echt nur im Land der unlimitierten Höchstgeschwindigkeit. Ich lese Irgendlink vor, was Wiki zum Thema meint.

– Da siehst du mal, in was für einem restrikiven Land ich lebe!, moniert er.
– Erinnerst du dich an jenen Glaubenskrieg, damals, als wir über Spielregeln diskutierten, M (1), S, du und ich?, frage ich. Und uns nicht einigen konnten, weil wir alle verschiedene Grundregeln voraussetzen?
– Genau. Weißt du was? Daran geht die Welt zugrunde, dass wir alle verschiedene Spielregeln haben.
– Noch schlimmer: jeder meint, seine sei die einzig Richtige! Ist ja wie mit der Schrift auf dem Modem!
– Genau. Wer ahnt schon, dass das französische kleine r aussieht wie eine deutsche oder eine Schweizer Zwei.

Gestern schon hätten wir ins Gratis-WLAN einsteigen können, von dem wir nicht im Traum geahnt haben, dass es uns hier erwartet und das der Grund dafür ist, dass ich nun doch blogge. Gestern habe ich meiner Interpretation der französischen Buchstaben und Zahlen nicht getraut. Deshalb mussten wir bis heute warten. Bis uns der Wohnungsvermieter das handgeschriebene Passwort auf dem Modem per Mail entschlüsselte. Nur weil ich gedacht habe, ich kann das nicht, nicht mehr. Obwohl ich ja in Frankreich gelebt habe und obwohl ich französischen Handschriften normalerweise lesen kann. Aber eben. Doch wer schreibt schon ein 10 Zeichen langes Passwort in Schreibschrift? Na ja, schlimm wars ja nicht, das Offline-sein, zumal Irgendlinks Tagespass ja noch lief, aber es zeigt mal wieder, wie ich manchmal meinem Können misstraue (und obwohl ich alle Buchstaben und Zahlen – wie sich herausstellt – richtig gelesen habe). Und es zeigt, wie sehr ich den Spielregeln anderer misstraue. Da war noch was banales: Unklar war, als wir daheim unsere Sachen packten, ob es Bettwäsche habe in der Wohnung oder nicht. Für einmal beschlossen wir, die Zeile „Bettwäsche geliefert“ wörtlich zu nehmen. Dennoch folgte ich einem Impuls, bevor ich meine Wohnung abschloß, und nahm kurzentschlossen den alten schweren wunderbar warmen Riesenschlafsack, der schon ewig zum eigentlich baldigen Verstau auf dem Dachboden herumstand, mit.

Als wir nun in der Ferienwohnung eingetroffen waren und vom Hauswartspaar in die Wohnung eingeführt wurden, erkannte ich, dass es keine Bettwäsche hatte. Für einen kleinen Aufpreis konnten wir zwar welche bekommen, kein Problem, dennoch begriff ich einmal mehr, wie unterschiedlich Ländercodes und Sätze zu interpretieren sind. „Geliefert“ bedeutete in diesem Fall nicht Standard sondern Möglichkeit. Irgendlink schläft nun also unter einem Leintuch und zwei Wolldecken und ich unter meinem zur Decke geöffneten, warmen Schlafsack. Gut also, wenn man auf seine Intuition hört.

Nun sitze ich hier, in der gemütlichen Wohnung, blicke auf das herzige Bergdorf heraus, das recht hügelig in einer hügeligen, lieblich-kargen Landschaft klebt und hacke diese Zeilen, derweil der Liebste das Dorf erkundet. Später werden wir es gemeinsam erforschen, es uns vertraut machen.

Während die einen sich Orte so vertraut machen, indem sie die kürzesten Wege zum Laden, zur Bäckerei, zur Tanke und zur Apotheke suchen, suchen andere Wege zu schönen Aussichtsorten, wieder andere suchen den kürzesten Weg aus dem Dorf in den Wald. Manche hören auf mit Weitersuchen, wenn sie die wichtigen Wege kennen und bewegen sich dann nur noch in diesen Bahnen, wieder andere versuchen, neue Wege zu finden. Immer wieder andere.

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Und du? Wie machst du dir deine Umgebung vertraut?

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Link zum Blogartikel betreffend Spielregeln: http://sofasophia.wordpress.com/2014/02/16/kleiner-glaubenskrieg-am-spieltisch/
Auch Irgendlink wird über unsere Ferientage in den Pyrenäen wieder live bloggen. Der erste Artikel findet sich hier: http://irgendlink.de/2014/12/25/strasse-je-taime/
Auch seine Tweets sind sehr lesenswert: Twitter-Account
Was Wiki zum Rechtsfahrgebot meint: http://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsfahrgebot
Unser Domizil hier: http://www.france-voyage.com/frankreich-ferienhauser/location-appartement-vernet-les-bains-79032.htm

Der Konjunktiv des Samens

Ich verabschiede mich bis auf weiteres – vielleicht sogar bis im neuen Jahr von meinen lieben, wunderbaren Leserinnen und Lesern.

Euch und euren Lieben wünsche ich einfach nur das Allerallerbeste für die Rauhen Weihe-Nächte und den Jahreswechsel. Bleibt euch treu – u löht euch jo nie-nüt loh gfalle! (Lasst euch bloß nichts gefallen!)

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Hier noch ein paar Kaugummis, Post-it-Notizen und Sofasophien auf den Weg …

Kann man Erinnerungen wirklich einfach verlieren? So verlieren, wie man Handschuhe und Taschentücher verliert (und Regenschirme)? Und sind sie dann auch einfach weg – weg mit dem ganzen Gefühl, das sie auf der Haut hinterlassen haben, weg mit dem ganzen Gefühl von Wärme und Weichheit …?

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Empathie ist – unter anderem – eine Art auf andere fokussierte Selbstliebe; so gut getarnt, dass kaum jemand merkt, dass das, was du teilst und schenkst auch das ist, was du dir wünschst. Weil du fühlst, was jemand brauchen könnte. Weil du ein fühlendes Wesen bist.

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Vielleicht gleicht die Seele ja einem Samen und weiß alles wie dieser, weiß was aus uns werden könnte, wenn die Umstände ideal wären. Weiß auch, was werden könnte, wenn die Umstände schädlich sind. Der Konjunktiv des Samens. Nur gleicht sie ihm darin nicht, dass der Same keine Wahl hat.
(Notiz an mich: Ist körperliches Leid womöglich ein Ausdruck der Diskrepanz zwischen idealen und schädlichen Voraussetzungen?)

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Eine weitere nerdosophischer-philonerdischer Erkenntnis:
In meiner biologischen Cloud ist immer alles da. Alles ist verfügbar, jede Software (sinnvolle Programme, Malware, Viren) – jederzeit. Ich kann sie downloaden, wenn ich mein eigener Superuser bin. Und wenn ich das Passwort kenne. Es ist meine Verantwortung.

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Möge unsere Kunst unsere Seelen und unsere Säckel füttern.
(Ich mag zum Beispiel Seidenfutterstoff …)

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Synkopenatmung? Das ist, wenn wir zusammen atemlos atmen.
(Na, du weißt schon …)

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Winkewinke und auf bald.

[Kommentare werde ich erst irgendwann oder gar nicht moderieren … 🙂 ]

apt-get install zufriedenheit

Längst bin ich zu einer kleinen Nerdin mutiert. Zu einer Nerdosophin von mir aus. Eine Wandlung, die sich laufend vollzieht und sich in den letzten zwei Jahren noch verstärkt hat, seit ich meinem früheren possessiven Betriebssystem, das auf meinem Rechner installiert war, den Rücken gekehrt habe. Seit ich zur Linux-Anwenderin geworden bin, diesem freien und kostenlosen Betriebssystem, das mindestens so virensicher wie Mac ist. Nein, keine Angst, das was jetzt kommt, wird nicht nerdisch sein, höchstens ein bisschen, aber so, dass auch Nicht-Nerdische es verstehen. Versprochen. Nerdisch? Auch das werde ich übersetzen, versprochen. Jetzt. Hier. Nerds* sind Menschen, die sich exzessiv und leidenschaftlich mit IT, Programmierung, Internet und den Hinter- und Abgründen der virtuellen Technik befassen. Und html können.

Html? Hm, das war doch, das ist doch … Ähm, nein, sorry, keine Ahnung. So irgendwie höre ich dich murmeln und nein, keine Angst, ich werde hier keinen Vortrag über die wichtigste und älteste Sprache des Internets halten. Uns interessiert ja meistens nur, dass etwas funktioniert, nicht wie. Wer nun weiterliest, erfährt nur etwas über die der internetten Sprache zugrunde liegende Philosophie. Denn die Klammer, die Klammer, die gilt es zu verstehen.

Html befiehlt einem Text – kurz gesagt – wie er auszusehen hat. Oder wohin er führen soll, wenn er die Aufgabe hat, etwas zu verlinken. Und damit all jene, die den Text im Internet lesen wollen, nicht über kryptische Befehlszeilen stolpern, geschieht das alles im Hintergrund. Auf einer zweiten, verborgenen Ebene. Hinter den Zeilen, sozusagen, statt zwischen den Zeilen. Bei WordPress einem Content Management System (kurz CMS), also einem Inhalte bewirtschaftenden System, sehen die Benutzenden oberhalb des Fensters, in das sie den Text einfügen, der später den Lesenden gezeigt wird, die Möglichkeit zwischen visuellem und Text-Modus zu wählen. Visuell? Ganz einfach: So sieht der Text nachher aus. Hier kann nach Herzenslust formatiert werden: mit Farben, mit Fettdruck, mit Kursivanzeige, mit Überschriften … Fast wie Word oder Open- & LibreOffice.

Bist du noch da? Nun wird’s nämlich spannend. Ähm. Vielleicht. Hoffe ich. Neben dem visuellen, für alle Augen sichtbaren Modus gibt es, wie gesagt, den Text-Modus. Seit ich diesen vor vielen Jahren entdeckt habe, kann ich nicht mehr ohne ihn. Man spricht bei dem, was er anzeigt, auch von Quelltext. Und nun kommt es, das mit der Klammer (siehe oben). Jener Klammer, die eigentlich Tag heißt. Nein, nicht Tag wie das Gegendings von Nacht, sondern das englische Tag. Na, ihr wisst schon. Aber ich mag halt das Wort Klammer lieber. Verzeiht mir also, ihr andern Nerds, falls ihr hier mitlest. Ich bin ja, wie gesagt, eher so eine Art Philonerdin oder Nerdosophin.

Widmen wir uns also der Klammer. Der Doppelklammer um genau zu sein. Nun ja, die Doppeldoppelklammer um richtig genau zu sein. Denn <> und </> sind die Basis jeden Befehls. Was in der Klammer drin steht, entscheidet später über das Aussehen des visuellen Inhalts. Fettdruck wird zum Beispiel mit den Klammern <strong> und </strong> ausgelöst. Wobei die erste Klammer den Anfang und die zweite Klammer das Ende des fettzusetzenden Wortes oder Satzes anzeigt. [Okay, bei Bildern und überall, wo es keinen Text einzurahmen gilt, braucht es nur eine Klammer, eine, die dafür auch gleich einen Schrägstrich enthält: <img /> bei Bildern oder <br /> für den Zeilenumbruch. Das könnt ihr aber gleich wieder vergessen. Oder auch nicht.] Soll das Fettzusetzende auch gleich noch kursiv sein, werden die Klammern <em> und </em> drumrum gebaut. Doppeldoppeldoppelkammern. Klickt man also das allererste Mal vom visuellen in den Text-Modus, wird man nicht gleich auf Anhieb etwas erkennen, außer Klammern, ähm, Tags. Vor allem, wenn man noch nicht weiß, was die einzelnen Befehle wie strong, em etc. bedeuten. Und darum geht es hier zum Glück für dich nicht. 😉

Hier geht es nur darum, das Prinzip der Klammer zu verstehen, zu verstehen, dass im Verborgenen alles ein wenig anders aussieht. Dass Programme geschrieben und gelesen werden und dass das, was ein Programm für uns macht, eigentlich eine Art Übersetzung ist. Die heutigen Rechner transkribieren die Befehlszeilen im Hintergrund für uns Lesende so, dass unsere Augen nur das Vordergründige, für alle Sichtbare sehen.

Vermutlich ticken auch die Programme, die unserer Bio-Software – Geist, Seele, oder meinetwegen meinem Ich, meinem Leben, meiner Lebenseinstellung, meiner Arbeit – zugrunde liegen, so ähnlich. Html als Analogie für mein Unterbewusstsein, für das Skript meines Lebensbuches?

Erwacht bin ich neulich mit dem Satz apt-get install. Nun verstehst du wieder Bahnhof, richtig? Das war dieser Halbsatz, den Irgendlink damals, als er die Meseta durchpilgert hatte, benutzt hat. Und ich erinnere mich noch heute daran, nach vier Jahren, wie er mir am Telefon erzählt hatte, dass er sich andere Bilder im Kopf installiert habe, um den Weiten der Meseta nicht schutzlos augeliefert zu sein.

Apt-get ist auch so ein Begriff, den wohl nur närrisch-nerdische Linuxen kennen und verwenden. Mit apt-get gebe ich auf der Hintergrund-Befehlsebene, dem Terminal genannten Cockpit, das ein, was ich nicht nur in einem einzelnen Text, sondern auf dem ganzen Rechner verändern will. Apt-get** ist demzufolge die Aufforderung an den Rechner, etwas Grundlegendes zu verändern. Oder etwas aus dem Netz Gefischtes zu installieren. Ich kann auch sagen: Apt-get update. Dann fischt der Rechner alle verfügbaren Updates für alle bestehenden Programme auf dem Rechner aus dem Netz. So kann ich im Betriebssystem Dinge hinzufügen und entfernen.

Natürlich bin ich diesbezüglich noch immer ABC-Schützin, doch das Prinzip ist auch hier einfach: Die Befehle und die Orte, wo etwas hin soll und wo es abgeholt werden kann, stehen in Klammern. Ein bisschen anders als bei html, aber doch im Prinzip gleich.

Du gähnst? Verzeih, aber jetzt kommt’s: Software lässt sich nämlich verändern. Ergänzen. Überschreiben. Löschen.

Und das hier – du hast es geahnt, stimmt’s? – das hier sind alles Metaphern. Gleichnisse für das Menschsein und das ist es wohl auch, was mich an der Technik so fasziniert. Sie ist der Versuch eines Abbildes. Der Mensch schuf sich den Rechner zu seinem Bild (so wie er sich ja auch einst Gott zu seinem Bilde schuf).

Und darum schauen wir uns jetzt die menschliche Festplatte an. Bei der Geburt ist sie leer. Gut, ganz leer ist sie nicht. Da ist ein Betriebssystem drauf, natürlich, und sie ist formatiert. Übersetzen tun wir das hier mal mit Genen, unserem biologischen Erbe, kulturellen Einflüssen, Land, Geschichte … Aber es sind noch keine Dateien drauf, nur ganz viel Raum. Dieser Raum wird jedoch schnell voll und voller. Aus kleinsten Trampelpfaden werden schnell Autobahnen. Laufend werden Programme installiert und ständig Updates nachgereicht. Oft ganz hässliche. Malware. Virenverseuchter Mist auch.

Das Programm, ob du von dir glaubst, ein liebenswerter Mensch zu sein – oder eben nicht –, wird wohl ziemlich bald installiert. Darauf basieren viele der später dazukommenden Programme. Wie auch beim Rechner viele Programme auf bestimmten anderen basieren, mit ihnen zusammenhängen oder sich gegenseitig bedingen. (Notiz an mich: Wenn ich einmal groß bin, werde ich IT-Psychologin, vielleicht).

Darum ist es besonders wichtig zu wissen, dass sich Software verändern lässt. Ergänzen. Überschreiben. Löschen (siehe oben).

Und ja, gute Nachricht: Auch menschliche Programme lassen sich verändern. Nicht ganz so einfach allerdings, zugegeben. Wie das funktioniert, kann ich auch nicht so einfach zusammenfassen. Und ob es auch dafür Formatierungsanweisungen wie die eben erwähnten Klammern, Doppelklammern, Doppeldoppelkammern und Doppeldoppeldoppelkammer gibt, wage ich zu bezweifeln, doch das es geht, habe ich dieses Jahr erlebt. Nicht immer, aber immer wieder. Und es lohnt sich, sein eigenes Betriebssystem kennenzulernen und sich als sein ganz persönlicher sudo*** fit zu machen. Oder Hilfe bei einem Supportservice zu holen.

Ooops, was für ein … Text! Ob ich dafür heute wirklich so früh aufstehen und mich an den Rechner setzen musste? Ich sag nur sudo*** apt-get install zufriedenheit. Und vergiss bloß dein sudo-Password nicht!

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* Na ja, wörtlich übersetzt klingt es nicht so schön (Fachidiot, Computerfreak, Sonderling, Streber, Außenseiter).

** Apt ist die Abkürzung für Advance Packaging Tool, eine Art Paketverwaltungssoftware also.
Mehr darüber für andere Nerds und Wannabes gibt’s hier: http://wiki.ubuntuusers.de/apt/apt-get?redirect=no

*** sudo ist der Superuser mit der Befehlsgewalt über die Installationen am jeweiligen Rechner.