Copy, Cut und Paste

Ich ertappe mich, wie ich – wenn ich auf der Smartfon-Tastatur einen Text bearbeite – immer mit dem gleichen Finger ein Wort oder einen Satzteil wiedereinfüge, mit dem ich ihn zuvor an einem anderen Ort ausgeschnitten habe. Das geschieht bei Touchscreen-Tastaturen durch Berührungen mit den Fingerspitzen. Die Wörter, die Buchstaben, so fühle ich, sitzen, wenn sie ausgeschnitten sind, eine Weile in meiner Fingerbeere. Logischerweise in jener Fingerbeere, mit der ich sie ausgeschnitten habe.

Meine Fingerspitze ist am Smartfon meine Maus. Denn auch die Maus zwischenspeichert Wörter, Sätze und Links. Richtig, auch Links. Wenn ich ab Browser eine Webadresse kopieren will, tue ich das vornehmlich mit dem Mittelfinger. Und es ist – natürlich! – auch wieder der (gleiche) Mittelfinger, mit dem ich den Link in die Mail setze. Bei Blogtexten ist es interessanterweise meistens der Zeigefinger. Der rechte.

Ich frage mich, wo meine Maus ihre Geheimnisse zwischenspeichert. Und noch was möchte ich gerne wissen: Lässt sie die Wörter, Sätze und Links wirklich wieder frei? Oder bleiben diese vielleicht ein klein bisschen – sagen wir mal in komprimierter Form – irgendwo im Innern der Maus zurück? Wie eine leise Erinnerung? Was würde mir die Maus, wenn ich sie denn fragen und sie reden könnte, alles erzählen? Weiß sie oder erinnert sie sich bloß?

Nicht auszudenken, wie das erst mit meinen Fingerspitzen sein muss. Vielleicht werde ich nach zehn Jahren iFonschreiberei ganz dicke Fingerbeeren haben. Oder Blutstau. Vielleicht  sterben sie gar ab, meine Fingerspitzen? Oder kommt es drauf an, was sie schreiben?

Besser ich lese noch ein bisschen. Das scheint mir nicht gar so gefährlich wie schreiben zu sein.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert