Loch

Es tat weh. Warum hatte sie es nicht gesehen, nicht bemerkt. Ein großes Saugen und Ziehen. Und Schmerz. Großer Schmerz. Großes Loch. Große Lücke. Kann, was fehlt, weh tun?

Ja, sagte er. Sehr wohl kann fehlendes wehtun. Denk bloß an den viel erwähnten Phantomschmerz nach Amputationen. Sie nickte, dachte an ihren Onkel, dessen Bein weg war. Und an die zwei Finger ihres Bruders. Nicht dass sie wirklich wusste, wie sich das anfühlte, das nicht. Und die Frage war noch immer da: Warum hatte sie dieses Loch bis jetzt nicht gesehen hatte. Sie schnappte nach Luft, doch da war nichts als Leere.

Schnitt.

Geht doch bitte zur Seite, sagte er, ich komme nicht durch. Macht Platz. Die Kühe drehten den Kopf und schauten ihn wiederkäuend an. Blieben, wo sie waren. Er zwängte sich zwischen den schwerfälligen Leibern vorbei und schloss den Viehzaun hinter sich. Warum die Viecher aber auch ausgerechnet hier grasen mussten. Der Weg war steil. Nach dem nächsten Viehzaun – draußen – setzte er sich außer Puste auf einen Felsen. Wie still es hier war! Er zog die Kamera aus der Tasche und zoomte den Hexenkreis an. So viele Fliegenpilze wie hier, hatte er schon lange nicht mehr gesehen. Er würde ein paar mitnehmen. Einen nur. Aber keinen von diesem wunderschönen Hexenkreis hier. Einen der für sich stand.

Schnitt.

Sie starrte ins Loch. Gebannt. Mehr und mehr auch fasziniert. Hatten der Schmerz und das Ziehen wirklich nachgelassen oder hatte sie sich bloß daran gewöhnt? Das Sirren der Farben war, wenn möglich, eher noch stärker geworden. Schönheit und Hässlichkeit tanzten nun so schrecklich wunderbar, dass sie ihnen nicht konnte. Mit den Augen nicht, noch weniger mit den Gefühlen. Unglaublich schnell drehte sich alles. Und noch immer dieses große Fehlen. Etwas fehlte. Keine Frage. Ein Fakt. Und noch immer hatte sie nicht den blassesten Schimmer, was es sein könnte. Dieses Gefühl von Sehnsucht hatte kein Gesicht. Diesmal nicht.

Irgendwo auf einer Ebene ihres Verstandes scannte sie alle Gesichter, die alle ihr bis anhin bekannten Sehnsüchte je gehabt hatten. Keines ließ sich verknüpfen, keines roch vertraut, keines hatte auch nur im geringsten mit dem Schmerz dieser gegenwärtigen Abwesenheit zu tun, der sich nun in einer neuen Welle in ihr ausbreitete. Innen und außen.

Ich habe Angst, sagte sie, worauf er ihr seine eine Hand auf den Oberschenkel legte. Vielleicht sterben wir. Sie zitterte. Brechreiz. Schwindel. Noch immer die Farben, innen und außen. Überall. Keine Chance dieser bunten Flut, die aus dem Loch zu ihr hervorquoll, zu entkommen.

Schnitt.

Kurz bevor er den ausgewählten Pilz abschneiden wollte – seine Lunchbox hatte er extra dafür leergemacht, die Brote gegessen, die Dörrfrüchte in einen kleinen Beutel gesteckt –, beschloss er auf einmal, den Pilz da stehen zu lassen, wo er war. Mitten auf der Wiese. Und weiterzugehen.

Schnitt.

Da war was. Es zieht. Ein Loch, flüsterte sie.
Was?, fragte er schlaftrunken.
Ich glaub, ich habe bloß Durst, sagte sie, trank einen Schluck aus dem Glas, dass wie jede Nacht auf dem Nachttisch stand, drehte sich auf die andere Seite und schmiegte sich dicht an ihn.

Schnitt.

Um 7:07 klingelte der Wecker. Wie immer standen sie auf und frühstückten. Das Brot und den Käse hatte er einem Bauern abgekauft. Auf seiner gestrigen Bergtour. So gut konnte nur Käse aus den Bergen riechen.

mit eigenen Augen

11.11. Eine Sternschnuppe. Schnapszahlen und sich wiederholende Zahlen wie 12:12 zum Beispiel, waren ihre Sucht. Schon lange. Angefangen hatte es am Feuer. Vor bald fünfzehn Jahren. In Frankreich. Martina und sie hatten gleichzeitig zum Himmel hochgeschaut und die gleiche Sternschnuppe gesehen, als Beni, der stattdessen – ohne vom Himmelsphänomen etwas mitbekommen zu haben – auf die Uhr geschaut hatte, sagte: Es ist 22:22. Seither waren Schnaps- und Doppelzahlen für Martina und Annika ebenfalls Himmelsbotinnen. Sie tüftelten das Gesetz aus, dass man sich, wie bei Sternschnuppen am Himmel, etwas wünschen dürfe. Natürlich. Im Moment, wo aus der 22 eine 23 würde, PLING, müsse der Wunsch allerdings fertig gedacht worden sein und damit er sich erfüllen konnte, musste die oder der Wünschende den Sprung der einen Zahl zur nächsten mit eigenen Augen gesehen haben. So weit so gut. Natürlich glaubten die Freundinnen nicht wirklich an diesen am Feuer einer Herbstnacht erdachten Blödsinn. Dennoch kann Annika seither nicht umhin, hinzustarren, wenn sie irgendwo eine Doppelzahl sieht.

Hinstarren auf den Wecker. Auf den Bildschirm des Computer. Auf das Handy. Hinstarren, bis die Zahl, PLING, wechselt und der Zauber sich wieder auflöst. Und sich dabei etwas wünschen. Kann denn ein Mensch so viele Wünsche haben und wünscht sie sich überhaupt etwas? Jedes Mal? Wünscht sie sich nicht vielmehr, dass sie den Wechsel miterlebt? Ist sie gar nur süchtig nach dem Wechsel geworden. Nach der Sternschnuppe selber?

Schnitt.

Annika sitzt im Büro, saugt sich irgendwelche klugen Sätze aus den Fingern um die Präsentation einigermaßen verständlich zu machen, um dem ganzen theoretischen Gesülze ein verständliches Kleid überzuziehen, doch eigentlich ist sie in Gedanken ganz woanders. Sie träumt sich ans Meer. Nein, in den Wald. An die Sonne. In die Natur. Jetzt draußen sein. Im Gras liegen. Oder spazieren. Wandern. Radfahren. Einfach weg aus dieser Enge. Sie schaut auf die Uhr und stellt fest, dass sie noch drei Stunden und fünfunddreißig Minuten hier ausharren muss. Ausharren? Das kann es nicht sein! Nein, nicht so. Du kannst doch nicht ständig subtrahieren, Annika, du kannst deine Lebenszeit doch nicht damit verbringen, Zeit totzuschlagen! Mit Ausharren. Mit Hinstarren.

Sie schaut auf die Uhr. 14:14. Was wünsche ich mir?. Mich hier wegwünschen geht nicht! Dass ich gerne machen, was ich tue, jetzt, das wünsch ich mir. Spaß haben an der Arbeit, das wünsche ich mir. Hier sein als gut sein, als richtig sein akzeptieren. Ja, auch das wünsche ich mir. PLING 14:15.

Schnitt.

Abend. Wie schnell es auf einmal Abend geworden ist. Auf dem Heimweg summt Annika vor sich hin, lacht die Leute an, denen sie beim Fussgängerinnenstreifen den Vortritt lässt, grinst über eine besonders gelungene Werbung und fühlt sich für einmal gar nicht ausgelaugt wie nach anderen Arbeitstagen.

Schnitt.

Stillstand. Ganz ruhig ist es in ihr drin.

Von Pfützen und anderen Fallmaschen

Was für einen Stuss ich da schreibe. Wieso mir wohl nix kluges einfällt? Vielleicht weil ich mir erlaube, mal absichtslos drauflos zu schreiben. Einfach schreiben. Ist anfangen wirklich so einfach? Ich zweifle. Aufhören wäre jetzt einfacher. Obwohl unfertig. So unfertig wie alles im Leben. Jeder Tod kommt zur Unzeit, las ich einmal. Wir sollen drum immer so leben, dass uns der unzeitige Tod nicht zur Un-Unzeit ereilen könne. So ein Quatsch. Das will ich nicht, nicht mehr. Will so leben, als würde ich ewig leben und mir dennoch der Vergänglichkeit, meiner Sterblichkeit bewusst sein. Weniger weniger weniger, statt immer mehr mehr mehr. Wäre besser. Geh in deinem Kreis zurück. In die Mitte. Dahin, wo du herkommst. Und lebe dennoch mit ganzer Hingabe ans Leben.

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Wieder begann sie zu hüpfen. Wenn es doch schon so Tage gab, wo sie hüpfen mochte, dann musste sie hüpfen. Sah ja niemand hin. Hier nicht. Später, unten im Dorf, konnte sie noch immer normal gehen. Normal. Schon wieder so ein Wort. Eins das sie am Hüpfen hinderte. Normale hüpfen nicht. Normale gehen normal. Schritt für Schritt. Normale schlugen keine Haken, wie sie das jetzt tat, wo der noch immer regennasse Weg, sie doch dazu aufforderte. Pfützen hatte sie schon als Kind gemocht. Im Gegensatz zu heute war sie damals aber dem trockenen Land um die Pfützen herum ausgewichen. In die Pfützen hinein gesprungen. Wer am weitesten spritzen konnte, hatte gewonnen. Gedanken, die sie wieder hüpfen ließen. Verspielte Gedanken machten sie hüpfen, normale Gedanke ließen sie gehen. Normal sein war gezähmt sein. Hatte sie wirklich sechsundzwanzig Jahre alt werden müssen, um das zu begreifen? Das Mädchen, das noch immer in ihr lebte, kicherte.

Ob ich Sabine und Alina dazu überreden soll, statt ans Fest mit mir in die Jakobshöhle zu gehen?, fragt sie sich. Ob die Kerzenstummel noch da waren? Vielleicht war sogar die alte Decke noch hinter dem Felsvorsprung versteckt, wo sie immer gelegen hatte. Vielleicht waren inzwischen andere Kinder dort eingezogen? Wie lange sie schon nicht mehr dort gewesen war! Kinderzeug, würde Alina sagen. Lass uns ans Fest gehen. Dort läuft was.

Und sie würde mitgehen. War das die Freiheit? Was wollte sie wirklich? Jetzt? Ihr Schritt hatte sich verlangsamt.

(Schreibmarathon 2010, 24.4.)

Mein Doppelleben

Habe ich meine Kamera oder mein Notizbuch unterwegs mit dabei (erstes weniger häufig als zweites), passiert zweierlei mit mir: Ich bewege mich auf zwei Zeitebenen.

Beim Fotografieren denke ich bereits an das spätere Bild und beim Schreiben liebäugle ich bereits mit dem fertigen Text. Zielstrebigkeit, Produktorientiertheit oder einfach Freude am Erschaffen? Zugleich bin ich gegenwärtige und zukünftige Betrachterin, Leserin. Zeitgleich wie ich die betrachtete Gegenwart konserviere, erlebe ich jedoch diese Gegenwart unglaublich intensiv. Wohl weil ich fotografierend und schreibend viel genauer hinsehe.

Nachdem ich heute mit ein paar Schreibfreaks aus meiner Schreibgruppe marathonschreibend unglaublich viele Wörter geschrieben hatte und mein Kopf einem Bienenhaus glich, zog es mein Fahrrad und mich in den nahen Wald. Mein Wald. Mein „Bremer“, was wäre ich bloß ohne dich!

Schreib dich von A nach B und wie

Buchstaben sind nicht
viele da nur sechsundzwanzig um
genau zu sein (in unserer Sprache jedenfalls) und unzählige
Möglichkeiten sie zu verbinden mit oder ohne Lücken zwischen-
drin um aus ihnen Wörter zu formen unzählige Möglich-
keiten nur schon auf Deutsch und für Sätze erst unendlich viele Kombi-
nationsmöglichkeiten zu sinnvoller und sinnloser Kreativität
um sich von A nach B zu schreiben nicht
einfach linear sondern zyklisch von Punkt
zu Punkt tanzen und dazwischen der
leere Raum des Unausgesprochenen des Unbe-
schreiblichen das Netz das die Tautropfen der un-
fertigen Gedanken auffängt und verdichtet
oder auch nicht denn
nicht alles muss sichtbar gemacht nicht alles muss material-
isiert werden heute sind es die Satz-
zeichen die keine Lust haben sich
an dieses Geschreibsel hier zu
binden weshalb diese Worte hier sich zu
einem einzigen langen Satz
versammelt haben
Punkt

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Morgen treff ich mich mit drei vier anderen Schreibfreaks zum diesjährigen Schreibmarathon. Letztes Jahr, am Pfingstmontag, war die Première. Bin auf die zweite Auflage ja schon sehr gespannt!

Von Zielen und Löchern

Fünf Löcher sollen geflickt werden. Zwei klitzekleine. Ohne Spritze. Die drei anderen sind alle oben rechts. Zwei kleine und ein großes. Unter einer alten Füllung. Die Spritze wirkt schon bald. Höchste Zeit, dass dieses versteckte Loch geflickt wird, sagt Frau R., es ist schon fast beim Nerv. Hoffentlich sind wir noch rechtzeitig. Ich kann nur nicken. Mit dem grünen Gummiding im Mund ist schweigen angesagt.

Es ist mein erklärtes Ziel, diese Behandlung so schmerzlos und unbeschadet wie möglich hinter mich zu bringen.
Und es ist mein Ziel, diesen Stuhl ohne Karies zu verlassen.

Ziele! Schon wieder! Alles was wir tun, verfolgt ein Ziel. Sogar was wir nicht tun, was wir vermeiden, folgt einem Ziel. Auch folgt jeder Gedanke einem Ziel. Stopp! Verwechsle ich jetzt da nicht Ziel mit Richtung, Ziel mit Weg? Das Ziel ist das Ziel, sagt Altmann, der schon oft von mir zitierte Reiseschriftsteller. Der Weg, der das Ziel sei, hält er für einen ziemlich zynischen Spruch. Abgedroschen dazu. Aus der von ihm dargelegten Perspektive muss ich ihm Recht geben. Andere Interpretationen sind allerdings ebenso wahr. Oder genauso falsch.

Das Vorrecht, mich so professionell und technisch ausgeklügelt behandeln lassen zu können, macht mich unerwartet dankbar, stelle ich fest, während ich dem Sirren des Bohrers lausche.

Das Ziel, die Zielstrebigkeit als Kontrast zur Absichtslosigkeit, sinne ich. Doch lässt sich ja auch Absichtslosigkeit zum Ziel erklären. Von buddhistisch gesinnten Mitmenschen zum Beispiel. Meditieren – sich zentrieren, in die Mitte kommen. Auch ein mögliches Ziel. Je länger ich über das Wort Ziel nachdenke, je mehr ich darüber meditiere, desto freundlicher wird es mir, desto mehr verliert es von seinem bisherigen Reizwort-Geschmack. Warum ich irgendwann angefangen habe auf Wörter wie Leistung, Erfolg, Karriere, Zielstrebigkeit und ähnliches allergisch zu werden, habe ich längst vergessen. Vielleicht weil ich sie mit spitzen Ellbogen assoziiere. Auch widerstrebt mir alles, was mit Übervorteilung anderer verwandt ist. Oder sein könnte.

Dennoch freue ich mich natürlich über Gelungenes, freue ich mich, dass ich in den letzten beiden Bürotagen ganz viele ToDos abtragen konnte, freue ich mich, dass die Arbeit zurzeit rund läuft und Spaß macht. Obwohl es aktuell so viel zu tun gibt.

Meine Lehr- und Wanderjahre – ähnlich jenen von Heidi, Johanna Spyris Protagonistin – sind noch lange nicht abgeschlossen. In einer nativen Kultur Nordamerikas – bei den Lakota, wenn ich mich nicht täusche – gilt der Mensch ungefähr ab fünfunddreißig Jahren als erwachsen. Das Umsetzen von Gelerntem geschieht immer wieder. Wir sind immer Lernende. Ich jedenfalls will immer Lernende sein und ich maße mir nicht an, zu behaupten, dass ich bereits fertig bin. Am Ziel. Zumal ich nicht weiß, was dies für mich heißt. Denn haben wir Ziele erst erreicht, verführen sie uns womöglich dazu, uns mit ihnen zufrieden zu geben. Und mit der Weitersuche aufzuhören. Hoppla … vielleicht geht es ja genau darum? Zu finden. Endlich. Vielleicht ist es ja das wichtigste aller Ziele, endlich am Ziel, endlich bei mir, endlich in meiner Mitte anzukommen …

Fertig. Wir haben es geschafft. Sie dürfen spülen!

Was einem auf dem Stuhl einer Zahnärztin, die notabene bei der Arbeit summt, alles so einfällt! Hach, endlich habe ich „meine“ Zahnärztin gefunden. So angenehm habe ich eine so happige Behandlung noch nie erlebt. Wäre da nicht das lahme Gefühl in der Backe, würde ich fast sagen, dass es Spaß gemacht hat.

MiniMax

Weißt du, ich frage mich, ob es vielleicht einfach darum geht, zum Stillstand zu kommen, sagte J. vorhin in einer Telefonkabine in der französischen Pampa. Ausgerechnet er, der theoretisch in vier Wochen am Gibraltar oder in Compostela sein will.

Ziele verfolgen, ja oder nein? Ein Thema, das wir beide immer wieder neu betrachten. Von allen Seiten. Und dessen Vor- und Nachteile wir erkunden. Gesellschaftliche Ansprüche versus das uns innewohnende Bedürfnis nach Einfachheit. Und nach Sinnhaftigkeit in der Sinnlosigkeit. Will ich gar Absichtslosigkeit als Tugend postulieren?

Ich gestehe, ich mag die abgelutschte Floskel, dass oft weniger mehr sei. Weil sie mir entspricht. Nicht nur, weil ich Minimaximalistin*, sondern weil ich nicht daran glaube, das das Wort MEHR per se das Synonym von BESSER ist. Außer natürlich jenes MEHR in meiner obigen Lieblingsfloskel. Ooops … jetzt wird’s kompliziert.

Da hilft wohl nur eins: Stillstand. Jetzt.

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* MinimaximalistInnen üben sich in der Kunst, mit minimalem Aufwand, maximale Ergebnisse zu erzielen. So was aber auch: Diese Ziele verfolgen mich ja geradezu!

Rezepte gegen Längizyti

Wenn deine Gedanken ständig in die Ferne schweifen …
Wenn du zwischendurch am liebsten ganz woanders wärst …
Wenn dein Scheff/deine Scheffin schon zum dritten Mal die gleiche Frage stellt, bis du endlich merkst, dass er/sie neben dir steht, was du selbst in diesem Moment ja auch irgendwie tust …
Kurz, wenn du Längizyti nach deinem/deiner Liebsten hast … Tja, was dann?

Mein Survivalkit für alle Fälle:

Ich lese alle Bücher, die sich im Gestell stapeln, besonders jene, die ich bei ihm abgestaubt habe (Vorsatz).
Ich überarbeite endlich mein Manuskripte „Loch im Eis“ zu Ende (sehr guter Vorsatz).
Ich unternehme auch ohne ihn tolle Fotoausflüge (ziemlich guter Vorsatz).
Ich höre mir all die Musik, die wir gemeinsam mögen, an und träume dazu (bereits ansatzweise umgesetzt).

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=Y0QZ_AnOZsY&feature=related]

Ich lenke mich mit Arbeit ab (unausweichlich).
Ich lege mich müßiggängerisch aufs Bett und schnuppere an seinem Ti-Shi, das ich ihm geklaut habe (immer wieder umsetzbar).
Ich gucke mir unsere Bilder an, seine und meine (Vorsatz).
Ich lese und hüte sein Blog (bereits umgesetzt und immer wieder umsetzbar).
Ich besuche oder lade all jene Leute ein, die jammern, dass ich mich rar gemacht hätte (Vorsatz).
Ich genieße die Alleinsamkeit, ohne welche Zweisamsein nur halb so schön wäre (sehrsehrsehr guter Vorsatz).

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie den Beipackzettel oder fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Apotheker.

Fortsetzungsgeschichten

Da war vorhin auf einmal dieser Titel im Raum. Frech setzte er sich zu mir aufs Sofa, streckte die Beine aus, blinzelte mir zu … Zuerst soll man einen Titel schreiben, der Rest kommt von selbst. Hat er das tatsächlich geflüstert? Oder habe ich das irgendwann irgendwo gelesen? In einem Blog vielleicht?

Okay. Der Titel wäre also da. Unübersehbar. Doch nun – wie weiter? Da ich nicht an Happyends glaube, mag ich diesen Titel irgendwie. (Bin echt froh, dass sich nicht Happyend zu mir aufs Sofa gesetzt hat).

Denn ich glaube an Fortsetzungsgeschichten. Erstens weil sie ganz offensichtlich – rein kommerziell gesprochen – wunderbar funktionieren, im Fernsehen ebenso wie in der Literatur, und zweitens weil sie der Realität näher sind als Happyend-Stories. Drittens glaub ich aus dem offensichtlichsten Grund der Welt an sie: weil das eigene Leben eine ist. Eine Geschichte mit nicht nur immer wieder neuen Kapiteln, sondern auch eine Geschichte, die immer wieder neue Bücher hervorbringt. Das eine klappe ich zu. Das nächste öffne ich. Stufen. Lebensabschnitte. Neue Gewohnheiten, meinte J. heute Morgen bevor wir für lange Zeit Abschied nahmen, das Leben gibt immer wieder Gelegenheit zu neuen Gewohnheiten. Alte verschwinden, neue bilden sich. Gemeinsam mit neuen Menschen, die uns das Leben bereichern.

Den Reichtum jener bunten Palette aus Freundschaft, Liebe und Beziehung umfassend zu leben heißt allerdings auch, sich verletzlich zu machen, heißt sich immer wieder auf Loslassen und Abschiednehmen einzulassen. Heißt lebendig zu sein, zu bleiben. Und in Bewegung. Sich zu begegnen ist immer eine Reise (Beispiel: hier klicken). Eine Annäherung, die sich mit Distanz abwechselt.

Jede Abschiedsumarmung, jeder Abschiedskuss ist somit nichts weiter als ein „Fortsetzung folgt“-Hinweis. Ein „bitte umblättern“ oder ein „es geht gleich weiter“…

(Notiz an mich: Der Tipp mit dem „Schreib zuerst den Titel“ funktioniert tatsächlich!)