Es ist perverfrüh kurz nach sechs. Trockene Föhnböen zerren am Zelt. Sie haben mich geweckt, wachgehalten. Das Zelt steht auf einer kleinen Wiese am Bergwanderweg zwischen Göschenen und Andermatt. Ein an sich traumhafter Platz direkt an der lauten, wilden felsigen Reuss, 1200 m. ü. Meer. Kühl, aber trocken.
Die Gunst des freien WiFi nutzend, die wir im Hotelchen Sternen* zu Gurtnellen auf 700 Höhenmeter haben, blogge ich doch gerne kurz ein Bildchen.
Die Wetteraussichten sind nicht so toll, wie unsere Wanderlust – die ist ungebrochen. Trotz der strengen Etappe gestern (rauf, runter, rauf, runter, rauf … den Berg höher und höher).
Jetzt gehen wir auf die Post und schicken ein Paket mit überflüssigem nach Hause.
Gestern war ein regnerischer Tag: Wir reisten per Schiff von Risch nach Immensee, zu Fuß durch die Hohle Gasse an der Tellskappelle vorbei nach Küssnacht a. Rigi, per Bus nach Weggis, per Schiff nach Flüelen. Zu Fuß dann endlich wieder an die geliebt-vermisste Reuss (nun begradigt-steril).
Auf einer Kuhweide durften wir herzlich willkommen das Zelt aufbauen. Da braucht man keinen Wecker mehr. 🙂
Wenn alles so organisch vom einen ins andere fließt, macht das Leben richtig Spaß. Soziale Kontakte mag ich und dosiere sie in der Regel nahezu homöopatisch. Immer so, dass es mir nicht zu viel ist. Doch auch viel muss nicht unbedingt zu viel sein, wenn alles passt.
Seit Montagmittag waren Irgendlink und ich mit immer wieder mit andern Menschen zusammen im Gespräch. Nach einem gemütlichen und anregenden Besuch der lieben Freundin U. am Montag, ging es an jenem Abend weiter mit einem Kundinnengespräch und am Dienstagmorgen mit einem Offertgespräch bei einem (hoffentlich) zukünftigen Kunden. Dienstagnachmittags dann waren wir zu Besuch bei Freunden in Bern und fuhren nach einem Friedhofbesuch in der Nähe weiter ins Seeland zu Lieblingsbruder P. und Lieblingsschwängerin C., wo wir in der Datscha zwar nur kurz, aber herrlich nächtigen durften. Kein Hotel bietet mehr Gastfreundschaft als wir dort immer wieder erleben dürfen! Zum krönenden Abschluss genossen wir heute einen gemütlichen Nachmittag mit einem befreundeten Paar in Biel …
Siehe da: viel muss nicht zu viel sein und Freundschaft ist einfach etwas wunder- und unschätzbares. Ruhe danach auch. 🙂
Biel im Juni 1
Biel im Juni 3
Biel im Juni 2
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Appspressionismus: Bilder auf dem iPhone kreiert und mit GIMP verkleinert und wassergezeichnet.
Gestern – bei herrlichstem Sommerwetter – dem Liebsten entgegenradeln war eins; das zweite war, die Radeltour als Track, als live per Internet verfolgbare Spur anzulegen. Spaß für uns, Spaß für andere (siehe Irgendlinks Artikel) – denn zeitweise sind uns bis zwölf Betrachtende gefolgt. Spaß? Heiß und steil war′s und beinahe an der höchsten Stelle, die Irgendlink in den letzten vier Tagen geradelt ist, haben wir uns wiedergefunden. Mitten im Wald.
Hier meine Aufzeichnung der Annäherung in Screenshot-Montagen
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Appspressionismus: Bilder auf dem iPhone kreiert, montiert und hochgeladen.
Am Freitagnachmittag war bei Irgendlink mal wieder Prisma-Hüten angesagt. Darum haben wir uns und den Gästen die Zeit mit einer Live-Print-Urban-Artwalk-Aktion versüßt. Was nichts anderes bedeutet, als dass zuerst ich und später er mit dem iPhone durch die Stadt gestreift sind und unsere Texte und Bilder an den Drucker in der Kunstgalerie Prisma geschickt haben, die der oder die andere von uns direkt aus dem Druckerschacht an die Wand gehängt hat. Klingt komplizierter als es ist und macht Spaß.
Und damit die Leute in der Galerie sehen, wo der ArtWalker durchspaziert, wird die Krümelspur von Hänsel und Gretel direkt per Tracking auf dem Laptop-Bildschirm aufgezeichnet.
Hier noch ein paar Schaufenster-Spiegeleien aus Zweibrücken
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Appspressionismus: Bilder auf dem iPhone kreiert und mit DigiCam verkleinert und wassergezeichnet.
Viele Enden habe ich schon in meiner Sammlung. Enden von Arbeitsstellen, letzte Tage in Wohnungen, letzte Tage von Ferienreisen, Enden von Beziehungen, Liebesgeschichten und Blumensträußen.
Die letzten Tage naher Menschen auch – Mutter, Vater, Sohn. Dann die Enden von Büchern, Musikstücken und Filmen. Und von Texten, die ich selbst geschrieben habe.
Doch selbst nach so viel Erfahrung mit Enden bin ich immer zuerst hilflos. Nein, an Enden kann ich mich nicht gewöhnen, oder zumindest nicht an die Löcher, die sich jeweils mit ihnen in mir auftun. Löcher ohne Brücken.
Aber immer auf Vorrat Brücken mit mir herumtragen, nur damit ich im Notfall gewappnet bin, wenn das nächste Ende kommt, will ich nicht. So bleibt mir nichts anderes als warten, bis sie langsam zuwachsen. Ballast habe ich eh schon genug. Sogar (zu) viele Wörter schleppe ich mit mir herum. Wörter, die keinen Sinn ergeben, solange ich sie nicht ausgespuckt habe.
Ob sie danach noch immer Ballast sind, kann ich nicht sagen. Oder sind sie neue Anfänge, sobald sie aufgeschrieben sind – von mir, von andern? (Und spielt es überhaupt eine Rolle, wer die Wörter aufschreibt, an denen ich kaue?)
Dort drüben, jenseits der Brücke, die es mir diesmal aus Wörtern zu spinnen gelungen ist, lauern sie, die neuen Anfänge. Das weiß jedes Kind, denn jede Brücke ist eine Verheißung. Eine Verführung vielleicht. Drüben ist es anders, ist es drüben besser gar? (Was die Frage impliziert, ob ich über die Brücke gehen soll. Lohnt es sich, dieses Ende hier, so sehr, dass es den neuen Anfang rechtfertigt? Aber was sonst? Denn so weitermachen kann ich schließlich nicht, oder?)
Fragen wogen auf und ab. Wellen im Fragenmeer.
Flut. Ebbe.
Manchmal ertrinke ich.
Manchmal finde ich ein Stück Treibholz und ertrinke diesmal nicht.
Manchmal finde ich sogar ein Ufer.
Schon wieder ein neuer Anfang.
Ja, ich kann sie gut, die Enden, auch wenn sie mich hilflos machen. Und leer. Paradox, ja, und auch die Sache mit den Brücken ist suspekt. Vielleicht klappen sie, wenn ich mittendrin stehe, hoch und lassen zuerst einmal die Schiffe passieren, auf jenem Fluss unter meinen Füßen, der Anfang und Ende verbindet und den Weg zum Meer weiß, weil er ihn ist.
Ganz ehrlich – das Älterwerden macht mir Angst. Früher, als ich dachte, ich werd‘ keine fünfzig, so wie ich lebe, war alles anders. Ich musste mir weder um Altersvorsorge noch um Falten Sorge machen. Ich würde schließlich vorher sterben. Gut so.
Nicht, dass ich mir Sorgen um Falten mache, um Altersvorsorge auch nur minim, doch heute, acht Tage bevor ich mein fünfzigstes Lebensjahr antreten werde und die neunundvierzigste Runde vollende, stelle ich fest, dass ich trotzdem Angst vor dem Altwerden habe.
Nein, nicht das Älterwerden an sich macht mir Angst, nicht die Jahresringe … Mehr ist es wohl die zunehmende Erkenntnis, wie diskrepant Realität und Illusion sind. Mein Bild davon, wie Altsein sein müsste, ist bestenfalls in mir drin. Echte Vorbilder habe ich kaum. Im Gegenteil, ich sehe und höre davon, wie hässlich mit alten Menschen umgegangen wird. Und ich ahne, wie viele Menschen im Alter allein sind.
Ich neige dazu, Leid zu sehen, zu spüren, zu ahnen, wo keins ist, denn letztlich weiß ich nicht, woran andere leiden. Daher kann ich eigentlich nur von mir auf andere schließen. (Und das ist wohl kaum das, was Empathie wirklich meint?)
Wie gerne würde ich andern ihre Lasten und schwere Erfahrungen abnehmen, doch ich ahne, dass ich das nicht wirklich kann. Nein, abnehmen kann ich niemandem etwas, aber vielleicht kann ich sie da und dort dem einen oder andern Menschen, Baum oder Tier ersparen, in dem ich dazu beitrage, dass schlimme Erfahrungen gar nicht erst gemacht werden müssen.
Ich will, dass niemand leiden muss. Und auch ich will nicht leiden. Den Sinn von Leiden habe ich noch immer nicht verstanden. Dass Leid adelt, ist Bullshit. Niemand ist zum Leiden geboren. Weder zum Leid an körperlichen Schmerzen noch an Grausamkeiten anderer.
hinten (Rücken)
vorne (Herz)
Ich glaube, dass das Leben dazu da ist, das, was in uns ist, zu entwickeln. Den Kern, den Samen, zur Reife zu bringen, einen Kreis zu vollenden. Aus einem Apfelkern wächst kein Elefant, eine Gitarre ist keine Thailänderin und ein Kind mit Downsyndrom ist kein Mammutbaum. Aber ich bin ich, du bist du und die Kuh macht muh.
Ich habe Angst, sagte ich, Angst vor dem Älterwerden. Ja. Ich habe insbesondere Angst davor, mich zu verlieren, bevor ich weiß, was und wer und wozu ich wirklich bin.
Ich will bis am letzten Tag meines Lebens die fließenden Asanas des Sonnengrußes üben können. Wenn ich will. Ich will so schmerzfrei und gesund wie möglich, ich will achtsam und bewusst alt werden. Ich will das Leben als Geschenk betrachten, auch wenn der Radius womöglich immer kleiner wird, den ich aus eigener Kraft begehen kann. Ich will das Altwerden als ein In-die-Mitte-gelangen erfahren.
Ich will bei Verstand bleiben. Ich will meine Wahrnehmung behalten und ihr trauen, bis ich sterbe. Ich will in Verbindung mit lieben Menschen alt werden.
Und vor allem eins will ich: Mich und andere lieben bis zum letzten Atemzug.
sehen
[endlich] hinsehen absehen
* von deiner und meiner Schuld
* davon, dass es ist, wie es ist, das Leben aufsehen
* zu dir will ich (nicht)
* erregen (mit großem A allerdings) aussehen
* tun wir alle irgendwie
* müssen
* wahren (wieder mit großem A)
[Nein, nicht mehr, nie mehr aussehen müssen irgendwie, einsehen dafür, nach innen sehen
einblicken …]
Dienstagmorgen. Ich atme tief ein und aus. Stehe wie ein Berg. Übe genüsslich Yoga. Ein freier Tag liegt vor mir, an dem ich einige Dinge tun und noch mehr Dinge lassen will. Ich atme tief ein und aus. Nun dehne ich mich stehend himmelwärts. Ein Mantra fällt mir ein, das ich spreche. Dazu drehe ich meine Wirbelsäule mit in Schulterhöhe ausgestreckten Armen in die Gegenrichtung zu den gekreuzt stehenden Beinen.
Und da, auf einmal, sehe ich es. Das Wunder an der Zimmerdecke. Es fließt durch die Luft. Langsam. Zierlich. Auf Augenhöhe hält es inne und schaut mich an. Schaut sie mich wirklich an? Können Spinnen Menschen anschauen? Seit heute wage ich, diese Frage mit ja zu beantworten. Ich sage Hallo. Kann ja nie schaden. So graziös wie sie sich vor mir schwingen lässt, so anmutig wie sie nun an ihrem Faden näher bodenwärts fließt, werde ich nicht mal im Traum Yoga üben können.
Notizzettel „Das Wunder an der Zimmerdecke“
Du hast Mut, sage ich, aber du weißt ja bestimmt, dass ich dir nichts tue! Ich betrachte sie aufmerksam und versuche mir vorzustellen, wie es sich anfühlt, am selbstgesponnenen Faden zu baumeln. Voller Vertrauen, dass das, was ich da eben gesponnen habe, hält. Dass es mich trägt. Dass ich mich auf mich verlassen kann.
Wie ich sie so betrachte, klettert sie ohne äußeren Anlass wieder fadenaufwärts. Lächelt sie womöglich? Oder war das eben ein Zwinkern? Danke!, sage ich und lege mich auf die Matte um die nächsten Asanas zu üben.