gestern | #noLiestal

Wie war das noch? Wieder regelmäßiger Bloggen wolle ich. Sagte ich. Dafür hatte ich mir sogar extra ein Gerüst – Neue Fallmaschen – gebaut, an welchem ich mich von Tag zu Tag hangeln könnte. Nun ja.
Theorie und Praxis.
Vorsatz und Alltag.

Es sind so viele Baustellen. Zu viele. Sogar zuweilen zu viele Ideen. Jedenfalls gemessen an Zeit und Kraft.

Gestern hatte ich hier eigentlich einen klugen Artikel über Solidarität schreiben wollen. Da kam mir die Aktion #noLiestal gerade recht, die in den sozialen Medien für einiges Aufsehen gesorgt hatte. Über dreißigtausend Tweets demonstrierten, dass sich der größere Teil der Schweizer Bevölkerung sich nicht mit dem Volk identifiziert, das an Anti-Coronaschutz-Maßnahmen-Demos – wie letzten Samstag in Liestal – das Virus unmaskiert und hemmungslos weiter und weiter verbreitet. Und so zu einer Verlängerung der Pandemie beiträgt. Unsere #noLiestal-Aktion hat es in die Abendnachrichten geschafft.

Grafik, die demonstierende Menschen mit Schildern zeigt. Auf den Schildern steht #noLiestal, Science matters, No Covid, Wir sind viele
Grafik, die demonstierende Menschen mit Schildern zeigt.

Als ich heute nachschaue, stelle ich fest, dass Menschen, die das Gegenteil wollen wie wir, die wir diese Aktion mitgetragen haben, unsern Hashtag für ihre Zwecke missbrauchen. Sie versuchen, ihn umzudrehen und legen sogar noch einen obendrauf mit ihrem more*Liestal-Geschrei. Warum wundert mich das eigentlich nicht?

Mir fehlen ja eh schon die Adjektive für solcherlei Uneinsicht, doch das hier kommt mir vor wie vorsätzlich sauberes Wasser zu verdrecken. Nein, ich werde die Seite der Corona-Leugnerinnen und -Verharmloser nie verstehen. Und ich will es auch gar nicht. Ich habe von diesem ganzen Gehässel die Nase sowas von gestrichen voll.

Letztlich wollen wir ja alle das gleiche: Dass diese Pandemie möglichst bald und mit möglichst wenig Schaden an Leib und Seele vorbei geht. Und mit möglichst wenig Kollateralschaden.

Mir hilft da manchmal nur, mich aus dem Netz auszuklinken und mir etwas Gutes zu tun. Etwas Feines zu kochen zum Beispiel, oder etwas Leckeres zu backen. Gestern brauchte ich etwas Süßes.

Karottencake oder -muffins (gluten- und histaminfrei)

10 g Flohsamenschalenmehl
1 dl Wasser
schnell gut mischen, damit es keine Klumpen gibt, quellen lassen

40 g Vollreis
40 g heller Reis
60 g Haferflocken
mischen und mahlen (Nusshackgerät/Hackaufsatz oder Getreidemühle) * (Natürlich können auch Reis-, Vollreis und Hafermehl verwendet werden.)

20 g Kastanienmehl
15 g Kokosmehl
30 g Leinsamen, geschrottet
80 g (Rohr-)Zucker (oder andere Süße nach Verträglichkeit)
wenig Zimt
10 g Weinsteinbackpulver
alles gut mischen

60 g geschmolzene Butter (oder Pflanzenfett/Öl/Kokosfett)
1 dl (Pflanzen-)Milch (Nachtrag, da vergessen)
100 g Karottenmus, aus einer großen gewürfelten Karotte (mit Wasser gedämpft und püriert)
110 g vorbereitetes Flohsamenschalen-Gel
alles gut mischen und einige Minuten kneten

Die Masse in eine gefettete Cakeform füllen und glatt streichen (Maße füllt etwa die halbe Länge der Form) und im vorgeheizten Ofen bei 200°C ca. 35-40 Minuten backen
oder
Die Masse in ca. 10-12 Muffins-Förmchen verteilen und glatt streichen. Im vorgeheizten Ofen bei 180°C ca. 30-35 Minuten backen

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Viel Spaß beim Ausprobieren!

Neue Fallmaschen 75 | 2021

entdeckt | Glumm setzt endlich um, wovon er schon so lange redete, schrieb und gewiss auch träumte. Das eigene Buch wird Wirklichkeit. Ich freue mich riesig mit ihm mit, denn er ist einer jener bloggenden Schriftsteller:innen, deren Texte ich wirklich immer sehr sehr gern lese. Dass die Gräfin Bilder beisteuert, ist für mich das Tüpfchen auf dem I.

Es sind oft solche persönlichen Dinge, die zurzeit meine Tage erhellen.

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gefunden | Manchmal benutze ich ja mein Blog als externes Gedächtnis. Wann war gleich noch? Dabei stieß ich heute Morgen zwar nicht aufs Gesuchte, dafür auf einen Artikel, den ich sehr gern wieder gelesen habe. Es geht um Haben und Sein, oder besser um Machen und Sein.

Darin kommt diese Geschichte vom Fischer vor, der – ich zitiere – gemütlich seiner Arbeit nachgeht, bis ihn eines Tages ein Manager, der zufällig in der Gegend auftaucht, auf die Sinnlosigkeit seines Tuns anspricht.
Du hättest etwas machen können aus deinem Leben, sagt er. Du hättest ein Geschäft aufbauen, viel Geld verdienen und zur Seite legen können. Du wärst heute ein freier, reicher Mann und hättest jetzt viel freie Zeit. Du könntest tun und lassen, was du willst!
Was sollte ich denn mit meiner Freizeit schon anfangen?, fragt der Fischer. Der Manager überlegt lange hin und her und auf einmal hellt sich sein Gesicht auf.
Wie wäre es mit fischen?, schlägt er vor.
Quelle: machen-oder-sein

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gelesen | Da ist übrigens noch ein anderer Blogger, der eine lang gehegte Idee in die Wirklichkeit holt und an einem Blogbuch arbeitet. Irgendlink schreibt an seinem horizontal-vertikal-zirkulativen Circulum Verticalis-Projekt und ich darf ihm dabei still und leise über die Schultern gucken. Ich staune und freue mich, was da im stillen Kämmerchen entsteht.

Neue Fallmaschen 69 | 2021

spinntisiert | Wenn der Liebste und ich auf dem Hof herumwuseln und etwas Handwerkliches (er)schaffen – etwas reparieren zum Beispiel –, brauchen wir Werkzeuge. Zugegeben, irgendwann habe ich aufgegeben, selbst nach den Dingen zu suchen. Sie sind eh immer wieder woanders. Nein, es ist kein Chaos, aber die Dinge wandern. Selbst Baumeister Irgendlink weiß oft nicht, wohin der Hammer diesmal gewandert ist. Und wo ist bitteschön der Pinselreiniger?

Wir spinntisieren darüber, ob die Wanderung der Dinge ein Problem ist, das einer Lösung bedarf, oder ob es gut ist, wie es ist. Ob die Suche nach dem einen notwendigen Werkzeug, welche durch eine konsequente Ordnung vermeidbar gewesen wäre, Lebenszeitverschwendung ist oder ein entschleunigendes Antidot gegen übertriebene Effizienz.

Und ist Warten denn statt Lebenszeitverlust nicht vielmehr ein unerwartetes Geschenk, frei verfügbare Zeit?

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geträumt | Im Traum waren wir in einer Stadt unterwegs, als Irgendlink einfiel, dass er noch etwas aus dem einen Laden brauchte. Da fielen mir auch noch einige Dinge ein, die ich brauchte und so bot ich an, für uns beide einkaufen zu gehen, während er draußen wartete. (Einkaufen, die Covid-Edition.)

Im Laden war zum Glück wenig los, so dass ich einen Angestellten fragte, wo XYZ, das Irgendlink brauchte, zu finden sei. Er zeigte es mir. Danach suchte ich meine Dinge zusammen und ging mit meinen Schätzen Richtung Kasse. An der Kasse schaute ich meine Dinge genauer an und sah, dass das für Irgendlink gekaufte Dingsi – womöglich durch mein Aufs-Band-Legen? –  kaputt war. Ich bat die Angestellte an der Kasse, mir ein anderes, nicht kaputtes zu holen, da im Regal keine weiteren Dingsis mehr gewesen waren. Also holte sie im Lager ein neues, funktionierendes Dingsi. Ein Einkuf also mit einigem Hin-und-Her.

Inzwischen hatte sich der Laden gefüllt und die Menschen standen in einer lange Schlange an. Zwar anständig und mit Abstand, doch mir war das alles furchtbar unangenehm. Nur, weil ich dieses Dingsi gekauft, nur weil Irgendlink dieses Dingsi gebraucht hatte, verloren x Menschen y Minuten Lebenszeit.

Da capo al fine.

Neue Fallmaschen 62 | 2021

dies gelesen | Frau Larapalara denkt nach über Sartres Hölle.
»Die Problematik sah er wesentlich im Blick des anderen. Denn der Blick des anderen objektiviert mich, indem er mich so sieht, wie ich bin, wie ich mich aber niemals sehen werde. Die Hölle ist die Erfahrung der Scham, die durch den Blick des anderen hervorgerufen wird, die Erfahrung des meiner Selbst als ein Für andere. Der Konflikt liegt in der eigenen Abhängigkeit von der Freiheit des anderen, mich zum Objekt zu degradieren und als Mittel für Zwecke zu benutzen, die mir nicht bekannt sind. […]
Wer jemanden fotografiert, sieht ihn so, wie er sich selber niemals sieht. Der Fotografierende erfährt etwas, was der andere von sich selbst niemals erfährt. Das Fotografieren verwandelt Menschen in Objekte, die man symbolisch besitzen kann.«
Quelle: larapalara.wordpress.com

das gedacht | Wenn ich diesen Text in meinem Blog pingbacke, ist das nicht auch irgendwie eine objektivierende und besitzergreifende oder zumindest besitzenwollende Handlung?
Wie verhält es sich mit dem Teilen von Inhalten im Internet? Wie viel Identifikation mit oder Berührtheit durch nicht von uns selbst erstelltem Inhalt braucht es, bis wir etwas teilen?

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dies gelesen | In Solminores neuem Blog geht es  umd das Weglaufen. Darüber, das Haus zu verlassen ohne zurückzuschauen. Ausgehend von Peter Stamms Roman Weit über das Land fragt er sich, was wäre, wenn.

das gedacht | Und – was wäre, wenn? Bei mir? Und bei dir?

Neue Fallmaschen 57 | 2021

herausgefunden | Zuerst dachte ich ja, ich finde den richtigen Autolack-Blauton, um die kleine Beule am Autochen zu kaschieren per Auge. Einfach so, in dem ich im Internet Farben angucke.

Dass es innerhalb einer Automarke sooo viele Blautöne gibt, hätte ich nicht erwartet. Pre-beulede Autos sind praktischer in der Handhabung, meinte der Liebste neulich, da spiele eine Beule mehr oder weniger keine Rolle mehr. Stimmt. Aber da mein Citrönli ansonsten ein unverbeultes Anlitz hat, soll es wieder so werden.

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geappt | Heute habe ich uns ein GIF gebastelt. (Mirror Lap-App und GIMP)

Neue Fallmaschen 56 | 2021

zugehört | Meine Freundin Talitha hat mit ihrer Mutter Ruth einen Podcast gestartet. Gespräche über das Mutter-und-Tochter-Sein. Persönlich, sensibel, bärndütsch.

»Unsere gemeinsame Geschichte beginnt im Jahre 1981. Ruth träumte, sie habe ein Baby in England im Abfall gefunden. Kurz darauf brach sie als junge Aupair nach Manchester auf … wie wir uns schlussendlich fanden, zusammen durch die Hölle gingen und unsere Beziehung durch viele Gespräche stets pflegten, erfährst du, wenn du dir unseren Podcast anhörst.«

[Hier lang.]

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gelesen und nachgedacht | Manche sagen und schreiben, die Welt sei klein geworden. Da ist diese Aussage über eine als geschrumpft wahrgenommene Welt, doch was mein dieses Klein eigentlich? Wir konnotieren es spontan mit beengend, langweilig, nicht erstrebenswert.

Möglicherweise könnten wir es, umständehalber, neu mit Begriffen wie natürlicher (als groß), überschaubar, wohltuend, entschleunigt füllen? Nur so als Versuch? Weil sich die Umstände gerade nicht ändern lassen und weil dieses Klein vermutlich, wenn wir auch die Klimakrise ernst nehmen, mehr und mehr Teil unserers zukünftigen Alltags wird? Und weil es uns vielleicht dabei hülfe, uns nicht so hilflos zu fühlen?

Vielleicht ist ja Weniger das neue Viel und Klein das neue Groß (mal abgesehen davon, dass ich diesen Spruch nicht mag).

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entdeckt | Ich habe auf meinem Android-Tablet eine Bildbearbeitungsapp installiert, die süchtig macht (Mirror Lab) und mega entspannt. Wieder einmal zu appen tut gut und bringt den Kopf zur Ruhe.

Buntes Bild mit Wiederholungen in den Farben hellgrün, blau, braun und gelb.
Moos unter Mikroskop, künstlerisch bearbeitet

Neue Fallmaschen 55 | 2021

Eine neue Rubrik ist geboren. Unter Neue Fallmaschen mixe ich (un)regelmäßig Entdecktes, Aufgefallenes, Wahrgenommenes, Gedachtes, Gefühltes, Ärgernisse, Freuden, Bestrickendes, Heruntergefallenes, Aus- und Aufgelesenes.

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gedacht | In einer idealen Welt hätten wir Menschen kollektiv und solidarisch beschlossen, uns alle für fünf Wochen zu isolieren und so das Virus auszuhungern. Den Menschen, die kein Zuhause haben, hätten wir unkompliziert Räume in Hotels zur Verfügung gestellt.

In einer alles andere als idealen Welt brauchen wir Bestimmungen und finden es je länger je schlimmer, wegen ebendieser Bestimmungen ein langfristig eingeschränktes Leben führen zu müssen, um jenen kleinen, besonders anfälligen, gefährdeten, verletzlichen Teil der Menschheit zu schützen.

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aufgeschnappt | Bei HEKS Schweiz fällt mir das Wort Herdensolidarität sehr positiv auf und regt zum Träumen an.

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gefühlt und erinnert | Ich fühle mich zuweilen wie ein einst feingeschliffener Stein, der sich zurückverwandelt in seine kantige, ungeschliffene Urform. Obwohl ich zugleich und dennoch das Gefühl habe, nebenbei ein bisschen weiser und ein wenig reifer geworden zu sein und es noch zu werden.

(Selbstzitat. Quelle: sofasophia.blogda.ch)

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ausgelesen | Tove Ditlevsens ersten Teil der Trilogie Kindheit, Jugend und Abhängigkeit. Eine Kindheit, die in vielem – trotz einem halben Jahrhundert Abstand – meiner ähnelt im Gefühl des Sich-selbst-Fremdseins.


(Durchnummeriert wird mit der Zahl der gelebten Tage des jeweiligen Jahres.)

Nachdenken über die Bloggerei

Das neue Blog fordert mich zum Innehalten auf. Zum Nachdenken.

Seit knapp 17 Jahren blogge ich – das hier war der fünfte Umzug. War es am Anfang noch eine Art Trauertagebuchschreiben gewesen, füllte sich das Blog nach und nach im Laufe der Jahre mit Reise- und Alltagsabenteuerberichten, Gemeinschaftsprojekten, Geschichten, Buchbesprechungen, sofasophischen und politischen Essays – und neuerdings sogar, gesundheitsbedingt, mit Rezepten. Was es immer war: ein Ausschnitt aus meinem gelebten Leben, und damit auch ein Zeitdokument.

Mehr und mehr abhanden gekommen  sind mir das Spontane, Banale, Alltägliche, das früher so anwesende, ungehemmte Drauflosschreiben und Mich-Warmschreiben.

Es fehlt mir der Fluss, der Antrieb. Kann sein, dass das letzte Jahr mit all seinen Herausforderungen nicht ganz spurlos an meinem Schreibbedürfnis vorbeigezogen ist. Was wurde da doch alles geschrieben, geredet, gemeint, behauptet, in Zweifel gezogen, auf den Kopf gestellt. Ganz allmählich ist dabei die eigene Stimme stiller und stiller geworden.

Doch da gibt es zum Glück ein paar feine Blogger:innen, die das tägliche Schreiben pflegen. Manche habe es auch eben erst für sich reanimiert. Sie pflegen ihre Blogs wie einen Garten, der täglicher Pflege bedarf.

Warum also nicht auch ich? Wieso also nicht auch dieses Blog reanimieren, es wieder bewohnen, es wieder  mehr und mehr als Wohnraum betrachten, als Terrasse oder Wintergarten?

Seit ein paar Tagen ist es frühlingshaft. Auch wenn die Welt Kopf steht und ganz vieles im Argen ist, möchte ich hier ein neues, kleines Pflänzchen setzen und ihm beim Wachsen zuschauen.

Ich bin gespannt.

Notizen am Rande #6

Andere Wortmenschen in meinem Umfeld schreiben zuweilen, dass es nichts zu erzählen gäbe, weil ja nichts passiere, was die Frage aufwirft, wie viel Stimulanz wir von außen brauchen, um etwas erzählen zu können.

Wie steht es mit der bildenden Kunst? Ist Erzählen, ist Kunstschaffen wirklich nur eine Reaktion auf Geschehnissem, auf die sich verändernde Welt in Resonanz, in Relation und in gleichsam planetarischer Konjunktion zur:m Kunstschaffenden?

Brauche ich zwingend – und wenn ja wie viele – Reize, um zu kreieren? Brauche ich gar Reize um zu überleben?

Dieses ’Nichts’ ist – so behaupte ich – in unserer dualen, materiellen, sich ständig wandelnden Welt eine Illusion. (Möglicherweise taugen statt ’nichts’ Begriffe wie ’reizfrei’ oder ’reizarm’.)

Diese für viele verlangsamte, ereignisarme Zeit, die wir gerade durchleben, lässt sich möglicherweise künstlerisch als Chance begreifen, wieder mehr auf die leisen Reize zu hören und zu blicken.

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Irgendlink bloggte gestern über Altlasten in Abstellkammern, unspaltbare Holzstapel und das Altwerden am Holzofen.

»Unsere Räume und Umgebungen, Sphären unseres materiellen Seins sind zugerümpelt mit Ideen und Könntemanmals. Vor ein paar Tagen dachte ich, Aufgeben, nur Aufgeben, oder um es positiver auszudrücken, Loslassen, kann dich noch retten und sieh dich doch mal um hier, es sind ja nicht nur die eigenen Träume und Ideen, die auf dich eindreschen, da ist ja noch das Erbe deiner Vorfahren. […] Es gibt alleine sieben Schubkarren, teils uralte Dinger, vermutlich gar welche, mit denen die ersten Reichsautobahnen schon gebaut wurden … zuviel zuviel zuviel. Zuviel Dinge. Zuviel Träume. Zuviel Blockaden.

Nicht so gestern. Komischerweise waren sich Hirn und Körper einmal einig und so spaltete ich das gesamte Pappelholz – wirkliche Schufterei. Geht doch, dachte ich.« (Zitat)

Ich antworte:
»Geht doch, aber nur manchmal, nämlich dann wenn es zu einer Konjunktion von Geist und Körper kommt, die wie Planeten ihre ganz eigenen Umlaufbahnen haben, ihre ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten.«

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Ich beobachte bei mir, dass ich bei Menschen, die ich persönlich kenne, weniger Angst habe, mich von ihnen mit Covid anzustecken als bei mir unbekannten Menschen.

Eine trügerische Annahme, wenn man bedenkt, dass sich mutmaßlich die meisten Menschen im privaten Umfeld anstecken.

Natürlich spielt es eine große Rolle, wie sich jede und jeder Einzelne verhält, aber letztlich können wir uns überall anstecken.

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In meinem Kanton kann man sich seit zwei Wochen auch als Normalsterbliche:r für die Covid-Impfung registrieren. Hab ich gemacht. Online. Vermutlich wird nach Dringlichkeit geimpft und danach nach dem Prinzip Wer-zuerst-kommt-kriegt-zuerst. Das finde ich zwar ethisch fragwürdig, weil so Menschen, die keinen Internetzugang haben und/oder von dieser Möglichkeit nichts mitbekommen, benachteiligt sind. Andererseits sehe ich es auch aus einer anderen Perspektive. Viele wollen eh erstmal abwarten, heißt: wenn die Versuchskaninchen es gut überleben, lassen sie sich auch impfen.

Oke, dann bin ich halt ein Versuchskaninchen. Die braucht es ja auch, sonst könnten die andern ja noch lange warten. Ich betrachte nämlich diese pandemiebedingte Impfung nicht nur als Schutzmaßnahme für mich allein, sondern und vor allem als notwendiger Solidaritätsakt, damit wir bald eine Herdenimmunität erreichen und wieder ’normaler’ leben können. Ich sehe es als (m)ein Dienst für die Gemeinschaft sozusagen.

Mittendrin. Nur mal so.

Wie werden wir diese aktuelle Zeit wohl später im Rückblick betrachten? Ich hoffe sehr, dass wir uns daran erinnern werden, dass wir alles für uns und die Mitwelt Machbare und Beste getan haben werden. Und dass wir uns nicht für unsere Begrenztsein verurteilen werden.

Ich finde ja, dass diese aktuell auf Teufel-komm-raus praktizierte ’Normalität um jeden Preis’ für uns alle nicht unbedingt das Hilfreichste und Gesündeste ist, auch wenn vertraute Strukturen natürlich dabei helfen, auf dem Weg, den wir gehen, zu bleiben.

Wie auch bei einer Krankheitsdiagnose, die Klarheit schafft und dabei hilft, die passende Therapie zu finden, fände ich es allgemein gesünder, wenn wir als Gesellschaft akzeptieren, dass wir in einem Ausnahmezustand leben. Und dass wir nicht die gleichen Maßstäbe benutzen sollten wie im Normalmodus – bezogen auf Corona ebenso wie auf die Klimakrise.

Ich bin der Meinung, dass wir uns nicht um jeden Preis und schon gar nicht auf Kosten der Gesundheit ’normal’ verhalten müssen, sondern Wege für uns suchen, die uns dabei helfen, so gesund wie möglich zu bleiben und zu werden, mental und physisch.