Was ich noch sagen wollte und schon mal gesagt habe – reblogged

Ich mag das, Mösiö Glumm! Und drum reblogge ich es hier. Danke.

+++++

„Ich mag es, wenn sie mir spätabends einen Kuss gibt und viel Spaß beim Träumen wünscht, ‚oder was auch immer du da treibst, wenn du gleich die Augen geschlossen hast.‘ 

Ich mag Popsongs, die sich voranschleppen wie ein Tag, an dem man es schwer hat, und am Abend ist die Sache ausgestanden. 

Ich mag es, […]“

Weiterlesen: https://glumm.wordpress.com/2016/05/13/was-ich-noch-sagen-wollte-und-schon-mal-gesagt-habe/

Immer mehr von immer weniger

Immer wieder gelange ich an Orte in mir drin, an denen ich das Bedürfnis habe, nichts teilen zu müssen/sollen/wollen. An denen ich nicht mehr das Bedürfnis habe, etwas teilen zu müssen/sollen/wollen. Nicht Dinge, keine Angst, ich schreibe von Gedanken, Erfahrungen, Innenansichten.

Aber so ganz stimmt es so auch wieder nicht, denn wenn ich in mir an diesen Orten bin, twittere, elloe oder instagrame ich dafür zuweilen mehr als sonst. Irgendwo ein Ventil nach außen brauche ich dann wohl doch. Aber vielleicht sind es von solchen Orten aus weniger die komplexen Gedanken, die nach außen wollen, eher so die Spitzen derselben, getarnt oder verpackt in einem Bild, einem kleinen Satz, in einer Flapsigkeit womöglich sogar.

Zu anderen Zeiten und an anderen Innendrin-Orten sind es komplexe Gedanken, sind es Geschichten, sind es Ärgernisse, sind es Alltagsfreuden, die ich nach außen tragen will/muss/soll.

Das Ventil. Ich nannte es hier neulich auch die Erlösung(en). Denn das ist es ja. Überdruck. Ein Zuviel im Innen, das nach außen schwappen will, damit ich nicht platzen muss. Und wenn ich mir dann vorstelle, dass es anderen ähnlich geht und wir alle tagtäglich unser Zuviel, unsere Eindrücke, unsere Erlebnisse, unsere Erfahrungen ausspucken, Verzeihung ausdrücken wollen, müssen, können, wird mir manchmal ganz schwindlig. Es ist so viel. Alles. Zu viel. Ich nehme das Viele zuweilen auf, verarbeite es in mir drin weiter, doch dann ist ja wieder noch mehr in mir drin, was raus will.

Und so weiter und so fort.

Ein Kreislauf, den ich manchmal genial und manchmal total krank finde. Nicht, dass das früher total anders gewesen wäre, als wir Menschen noch nicht alle diese Möglichkeiten gehabt hatten, uns auf so vielen unterschiedlichen Kanälen auszukotzen, nur glaube ich, dass sich an unserer Haltung etwas geändert hat. Wir leben mit Selbstverständlichkeiten, die wir nicht mehr grundsätzlich in Frage stellen. Warum auch. Da wir die Möglichkeiten haben, nutzen wir sie auch. Angebot und Nachfrage.

Heute, als ich am Vormittag im Büro schuftete, kam der Chef kurz vorbei, um vor dem langen Wochenende noch ein paar Sachen zu klären. Als wir die geschäftlichen Dinge besprochen hatten, erzählte er noch kurz von seiner gestrigen Autopanne und sprang von dort auf das heutige Einkaufs- und Konsumverhalten.

In zehn Jahren, oder vielleicht schon viel früher, sagte er, wird es in den Läden keine Kassiererinnen mehr geben. Da werden wir unsere Einkäufe selbst scannen müssen, wir werden übers Handy bezahlen und die ganze Verantwortung liegt bei uns. Wir müssen dann sogar, obwohl die Geschäfte ja unser Geld wollen, noch selbst den Bezahlvorgang abwickeln, für die da arbeiten. Findest du das nicht auch ziemlich schräg?

Nun ja, du kannst gerne in einen teureren Laden gehen, wo du bedient wirst und mit dem Preis auch die Dienstleistung mitzahlst. Aber solange du dich für das Immer-billiger entscheidest, musst du eben auf die Dienstleistungen und auf die Menschen, die diese erbringen, verzichten. Wir können nicht Immer-billiger haben ohne den einen oder anderen Abstrich zu machen. Das ist es, was ich zuweilen total schräg finde an unserer Haltung als Konsumierende: Wir wollen für immer weniger Geld immer mehr geboten bekommen.

Es geht, denke ich jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, schlussendlich immer auf Kosten von jemandem. Wenn ich wählen kann, dann doch lieber auf Kosten von uns Wohlstandsverwöhnten als auf Kosten von BilligarbeiterInnen.

Das ist zum Beispiel so ein Ort in mir drin: Die Wahrnehmung von Ungerechtigkeiten, von Ungleichgewichten. Ein Ort, an dem ich mich nicht gerne aufhalten, weil er mich verstört, weil ich mich darin hilflos fühle. Und dann, ich gestehe es, erlaube ich mir, die Türe zu diesem Ort hin und wieder zu schließen, mich an andere Orte mit einer weniger schmerzhaften Umgebung, zu begeben. Über Ungerechtigkeiten habe ich schon so viel geschrieben, geweint, nachgedacht, getrauert, dass ich es bisweilen für überflüssig halte, noch mehr darüber zu schreiben. Bringt ja eh nichts. Andererseits: Wenn wir sie nicht benennen, werden sich die Dinge auch nicht ändern.

Die Dinge nicht und auch die Gedanken einer Mehrheit von Menschen nicht, die nicht wirklich über Zusammenhänge nachdenkt. Und auch die Zusammenhänge werden sich nicht ändern. Es ist ja schon verflixt: Weil das eine das andere bedingt, auslöst, voraussetzt, können wir ja nicht einfach hingehen und es ändern. Denken wir.

Und ich frage mich, ob das wirklich stimmt. Was, wenn …

Und so frage ich mich jetzt, ob es etwas bringt, dass ich diese Gedanken hier veröffentliche. Klar, mir hilft das Schreiben beim Gedankenverdauen, beim Zur-Ruhe-kommen, doch muss ich sie deswegen veröffentlichen? Muss ich sie teilen? Muss ich Teil dieser Schaut-her-was-ich-denke sein? Will ich es? Brauche ich es?

Ist das da, was wir in den Blogs und sozialen Medien von uns geben nicht einfach Hirnwichserei? Und darum, nun ja, darum werde ich diesen Artikel nun doch veröffentlichen. Und weil es doch auf einen Text mehr oder weniger nicht ankommt. Ihr müsst ihn ja nicht lesen.

Diese Sehnsucht nach Erlösung

Was genau ich geträumt habe, ist nicht relevant, zumal ich mich nicht mehr erinnere. Woran ich mich aber genau erinnere, ist, dass ich um Lösung, Erlösung, Auflösung herum geträumt habe.

Eine der Erinnerungsspuren zurück in die Traumhandlungsebene befasste sich mit Druckaufbau, mit Leistungsdruck, mit Pflichten, mit Erwachsensein vielleicht auch − doch möglicherweise kam diese Ebene erst dazu, als ich bereits in jener Phase kurz vor dem Aufwachen war, wo Träume es sich zuweilen anders überlegen und sich zurückziehen, um nicht die Schwelle zur materiellen Realität überschreiten zu müssen. (Ob sie den Schmerz ahnen, die Träume, der auf sie wartet, vielleicht, falls sie wahr, falls sie real würden? Und wäre es denn Schmerz?)

Was brauche ich? Was tut mir gut? Zwischen Notwendigkeiten und Luxus ist ein großer Graben. Was brauchen das Kind-in-mir wirklich? Und was brauche ich erwachsener Mensch? Was brauche ich wirklich um der Wirkung, der Wirksamkeit, der Wirklichkeit willen und um sie zu ertragen? Was erfüllt mich, was erlöst mich, was heilt und was nährt mich? Was wendet Situationen, die wie Sackgassen aussehen und mir Angst machen?

Sind es letztendlich weniger die Dinge an sich, Materie und Umfeld, als vielmehr die Bewegungen, die Handlungen, unsere Hingabe und Zuwendung, ein Blick, eine Berührung, die uns erlösen?

Wenn ich so um mich schaue (oder/und weil ich von mir auf sie schließe), dünkt mich das ganze Paket, das manche Freundinnen und Freude so mit sich herumtragen, verdammt groß und schwer. Unlösbar schwer?

Brauche ich, brauchen wir alle vielleicht deshalb im Alltag immer wieder unsere Erlösungen?
Ist das Leben nicht ein einziges Spannungsbogen aufbauen und Spannungsbogen abbauen?
Spannung
und Erlösung.
Hin zu mir,
weg von mir.
Ewiges Auf und Ab,
endliches Kreisen.

Ja, ich brauche Erlösungen. [Und ich vermute, dass sogar ein Mord eine Art Selbsterlösung sein kann, zuweilen, auch wenn das für mich keine Option ist. Außer vielleicht im Lesen von Krimis.]

Wie ich mich am liebsten erlösen lasse? Zum Beispiel durch eine wunderbare, mit dem Liebsten zusammen gekochte Mahlzeit. Durch den gemeinsamen Gaumengenuss. Oder − wie gesagt − von Geschichten anderer in Büchern und Filmen. Auf Wanderungen und Radtouren erlöst mich die Natur. Immer ist es wohl diese Hingabe an den Augenblick, ans Jetzt, die mich erlöst, zuweilen beinahe auflöst. Mich in mir. Wie im Orgasmus. Oder im Wasser, beim Duschen oder Schwimmen. Und im Fluss von Musik, von Stille und von Schlaf.

Ich ahne, dass die definitive Erlösung der Tod ist.

Gut gelandet

»… im Roman wäre der Flieger abgestürzt 🙂 Ne. Lief alles prima.« So twitterte Irgendlink heute Morgen auf Nachfragen, wie denn der Flug verlaufen sei.

Nun ja … vielleicht war es ja eine Schnapsidee, ihn mit dem Auto abzuholen. Zumal ich ja nicht so gerne an Orte fahre, die ich nicht kenne. Auch Orte mit verschiedenen Ein- und Ausfahrten, mit Parkhäusern und Ebenen, sind mir suspekt. Doch natürlich wollte ich den Liebsten gestern unbedingt abholen. Mit dem Zug wäre wohl einfacher gewesen. Denke ich im Nachhinein.

Nachdem ich auf Flightradar24 Irgendlinks Flugzeug bis über die französische Grenze beobachtet hatte, machte ich mich um 21 Uhr langsam auf den Weg zum Flughafen. Die Karten-App prognostizierte mir etwa vierzig Minuten Weg, die Landezeit wurde mit 22:03 angezeigt. Aussteigen, Gepäck abholen und so weiter dauert so zwischen zehn bis zwanzig Minuten. Spätestens um 22:15 wollte ich, so mein Plan, am Arrival stehen, wie in den Filmen, und dem Liebsten in die Arme fallen.

Schon bei der Abfahrt ging es los mit erschwerten Bedingungen. Statt, wie immer, zum Autobahnzubringer Richtung Zürich zu fahren, der doch einen ziemlichen Schlenker in die Gegenrichtung beinhaltete, entschied ich spontan über die Nachbarsdörfer zur übernächsten Autobahneinfahrt zu gelangen. Ich hatte, wie oft, wenn ich eine Strecke nicht so gut kenne, mein Handy als Navi eingeschaltet. Die beruhigende und wissende Stimme, die mich lotst, tut mir oft sehr gut. Diesmal jedoch machte sie mich nervös, denn da war eine Baustelle, die das Navi nicht kannte, eine Umleitung, und so wollte die Dame, dass ich Dinge tue, die ich gar nicht tun konnte. Wegen gesperrter Straßen.

Natürlich fand ich die Autobahn dann doch noch, das Navi ersetzt den gesunden Menschenverstand ja nicht. Und klar, dass es zwei verschiedene Routen zum Flughafen gibt, das weiß ich. Theoretisch. Kennen tat und tue ich bisher aber nur jene durch den Gubrist. Mein kluges Navi wusste, dass es dort einen Stau habe. So wollte es mich wohl, vor Zürich, umleiten, aber die Wegweiser ‚Zürich City‘ wollte ich partout nicht nehmen, weil, so mitten durch die Stadt, auch wenn es nur Transit gewesen wäre, ne, dazu hatte ich wirklich keine Lust. So folgte ich brav den ‚Flughafen‘-Schildern und hoffte, dass der Stau, wenn ich erstmal dort sein würde, wo er gewesen wäre, sich längst aufgelöst haben würde.

Konjunktiv, du alter Mann, zieh mal lange Hosen an.

Hatte er aber nicht, der Stau, weder lange Hose noch sich aufgelöst, und darum tat er, was er am besten konnte: Uns ausbremsen. Mitten im Tunnel. Nicht lustig das.

Etwa eine Viertelstunde später löste er sich allmählich auf und ich schaffte es auf kurz nach 22 Uhr vor den Flughafen. Vor lauter Nervosität und Vorfreude hatte ich nämlich die Sache mit den Parkhäusern nicht so richtig begriffen, den Abzweig verpasst und parkte nun, vorerst, mal auf den ‚Fünf Minuten gratis‘-Parkplätzen vor den Ankunftshallen. Das Ticket, das ich an der Schranke gezogen hatte, legte ich auf das Armaturenbrett. Ich lief in die Halle und sah auf der Ankunftsanzeige, dass Irgendlinks Flugzeug soeben gelandet war. Ob ich wohl eine Viertelstunde auf dem Fünf Minuten-Parkplatz stehen konnte? Wie wollten die das überhaupt kontrollieren? Ich ging wieder zum Auto, rollte ein bisschen näher zur richtigen Türe und wartete, mal drinnen, mal draußen, mal in der Halle. Schließlich fragte ich einen freundlich aussehenden Ordnungshüter, wie lange ich hier maximal warten dürfe. Er sagte, dass ich solange warten könne, wie ich wolle, aber dass es dann ziemlich teuer werden könne. Eine Minute koste einen Franken. Das hier seien wohl die teuersten Parkplätze der Schweiz. Ich schluckte schwer. Wo kann ich denn sonst hin?

Er erklärte mir, dass ich entweder aus der Schranke raus − inklusive vorheriges Nachzahlen natürlich − ins Parkhaus fahren oder aber die ganze Runde wiederholen könne, sooft ich wolle, denn dieser Fünf Minuten-Bereich sei als Runde angelegt. Ich könne rein und raus, sooft ich wolle. Ich beschloss, es war schon so zwanzig nach zehn und von Irgendlink hatte ich erst eine SMS bekommen, dass es noch dauern werde, erhalten, auf die Zähne zu beißen, die achtzehn Franken zu zahlen und ins Parkhaus 3, wie der nette Ordnungshüter mir empfohlen und wohin er mir den Weg erklärt hatte, zu fahren. Kaum dort, im Untergeschoß, rief Irgendlink an. Er sei vor der Ankunftshalle. Also genau dort, wo ich vor zwei oder drei Minuten meine horrende Nachzahlung geleistet hatte.

Jetzt fing das Verwirrspiel erst an, denn ich wusste vorerst nicht, wo ich war. Irgendwo auf dem Flughafen, klar, aber in einer für mich nicht nachvollziehbaren Distanz oder Nähe zu Irgendlink. Als ich endlich eine ‚Sie befinden sich hier‘-Tafel fand, wurde es ein bisschen einfacher. Oder noch komplizierter. Wir beschlossen, uns vor den Lifts auf meiner UG-Ebene zu treffen. Sein Lift konnte aber nur aufwärts, nicht abwärts. Seltsam. Dann konnten es nicht diese Aufzüge auf meiner Tafel sein, die rauf und runter konnten. Wieder telefonierten wir.

Ich schlug vor, dass er auf mich warten solle. Zumal er das ganze sperrige Gepäck − dazu das Rad kartonverpackt − zu schieben hatte. Und endlich begriff ich die traurige Wahrheit: Ich war in einem anderen Gebäude. Getrennt von ihm durch eine Straße. Eben jene, an der ich vor zehn oder fünfzehn Minuten gestanden hatte. Und als ich das endlich begriffen hatte, ja, da waren es wirklich nur noch ein paar Schritte. Zuerst wieder am netten Ordnungshüter vorbei über die Straße, dann durch die automatische Türe und schließlich in Irgendlinks offene Arme.

Hach.

Zurück, wieder am Ordnungshüter vorbei, diesmal Daumen-hoch- und Victory-Zeichen machend, in das Gebäude mit den Parkhallen galt es, meine Spur, die ich vorhin ziemlich wirr und im Zickzack gelaufen bin, wiederzufinden, denn die Brotkrümel hatten leider schon die Vögel weggepickt. Puh – war es hier? Bin ich so gekommen? Nein, hier war es. Ja. Und so fanden wir mein Auto wieder.

Das kartonverpackte Rad häuteten wir mit meinem Schweizermesser. Schlau, mein Liebster, wie er alles mit Haushaltfolie und Klebband umwickelt hatte, um es gut zu schützen. Schließlich lag alles am richtigen Ort und ich zahlte die auch hier, im Langzeitparking, nicht eben bescheidenen Gebühren. Irgendlink fuhr uns aus dem Flughafen-Areal heraus, immer Richtung Bern. Die Navi-Stimme befahl uns zwar auch diesmal wieder einen anderen Weg zu nehmen als durch den Gubrist, aber weil wir uns so viel zu erzählen hatten, ignorierten wir sie. Und landeten somit wieder im Stau. Diesmal war es aber egal. Und er war auch nicht ganz so lang. Und nicht im Tunnel. Und wir mussten schließlich heute nichts mehr. Wir hatten ja uns.

Gegen Mitternacht waren wir zuhause.

Happy End. It’s been a hard day’s night.

Und ja, es gibt echt bessere Gerüche als ungewaschene Europenner-Klamotten. Jetzt, gewaschen und sonnengetrocknet, riechen sie definitiv besser.

Pssst. Heute träumten wir von einer Blog-Reise-Radeltour zu zweit durch die USA … ich im Auto, er auf dem Radel. Und von tollen SponsorInnen träumen wir auch, die so etwas Verrücktes möglich machen.


+++ WICHTIGE INFO +++ WICHTIGE INFO +++

Das Flugzeug ist zum Glück nicht abgestürzt, dafür aber der Server, auf dem Irgendlink seine Blogs geführt hatte, das Irgendlink- und das Europenner-Blog sind quasi im digitalen Nirvana gelandet.

Vorläufig geht es hier weiter. Bitte klicken: https://irgendlink.wordpress.com/

Was Kunst kann, kann nur Kunst

Manche Leute können ja nicht wirklich etwas mit Kunst anfangen, sagen gar Dinge wie »Also, ich verstehe ja wirklich nichts von Kunst«. Sie scheinen, will mir scheinen, kein Bedürfnis danach zu haben, aus sich heraus etwas Eigenes, etwa Ursprüngliches, etwas Originelles zu schöpfen. Machen sie Fotos, gehören diese in die Kategorie Schnappschüsse, Erinnerungen und Zeitdokumente. Und ja, das darf so, kein Thema. Wir alle sind sehr verschieden. Und das ist gut.

Wenn man solche Bilder aber im Internet als Kunst bezeichnet, schrecke ich ein bisschen zusammen. Wie jetzt? Ich soll diese Collage, diese eher unscharfen Naturbilder, als Kunstwerk verstehen? Oder ist − was ich eher vermute − das Gesehene, das Abgeknipste, die Natur selbst, dasjenige, was ich als Kunst verstehen soll?

Und schon bin ich mal wieder mitten drin in der ewigen Streitfrage, was denn nun bitteschön Kunst an der Kunst sei. Diese Frage umfasst für mich definitiv auch den Aspekt, was Kunst soll und will und kann. Ich glaube, die meisten hier sind mit mir einverstanden, wenn ich sage, dass Kunst viel mehr ist als etwas ‚einfach nur abzubilden‘. IMG_2848Zumal es die wirkliche Wiedergabe eins zu eins, also die Wiedergabe eines Objekts, eines Erlebnisses, eines Dings, in ein Bild, nicht gibt. Weil nur schon der ausgewählte Ausschnitt durch die Kamera, den Bildrahmen, den gewählten Moment, den man erzählt, eine Einschränkung, oder, neutraler, eine Veränderung des Objektes, im Verhältnis zum Original, darstellt.

Kunst ist meiner Meinung nach − im Unterschied zu Handwerk und zu Kunsthandwerk − einzig oder mindestens primär dem Ausdruck einer Erfahrung, eines Gedankens, einer Idee der oder des Kunstschaffenden verpflichtet, also der Interpretation des ausgewählten Etwasses. Dies dann allerdings unter Anwendung zuvor erworbener Kenntnisse. Und unter Anwendung des Wissens darüber wie dieses eingesetzt wird.

Ein Beispiel gefällig? Wenn ich schreibe, schreibe ich unter Anwendung und erworbener Kenntnis vom Rechtschreibe- und Satzzeichenregeln (Pflicht, Wissen, Können), doch ich fülle die Zeilen auf eine Weise, die meinem Bewusstsein und meinem Bedürfnis entspricht (Kür, Kunst, Ausdruck).

IMG_2857So gesehen ist Kunst, banal gesprochen, ein Transportweg. Ich transportiere die mir auf dem Herzen brennenden Inhalte − von humorvoll über politisch zu philosophisch − auf die mir am meisten entsprechende Ausdrucksweise (Bild, Ton, Film, Text etc.).

Kann pure Natur, kann diese Schönheit, die ein Mensch mit seinen Augen betrachtet und gewürdigt hat, als er den Auslöser drückte, kann sie also Kunst sein?

Ich frage lieber so: Will Natur überhaupt Kunst sein oder ist Natur nicht sogar das Gegenteil von Kunst, gewachsen, entstanden aus der Ursprungskraft allen Lebens, aus dem Leben selbst? Eben nicht als Kunstform, als etwas Künstliches, als etwas Geschaffenes, als etwas mit Botschaft für uns Menschen, für uns Kronen der Schöpfung, sondern als die Reinform allen Seins. Natur eben.

Nicht für uns Betrachtende, Bewundernde und Staunende, auch nicht für uns Nutzende, sondern um ihrer selbst willen.

Werden. Sein. Vergehen.

Ein paar Schreibtricks

Ich schreibe gerne über das Schreiben und ich lese gerne, wenn andere über das Schreiben schreiben. Aber noch lieber, schreibe ich einfach.

Dennoch gebe ich euch hier vier Schreibtricks von Ksenia Anske, einer russisch-amerikanischen Autorin, weiter:

1. Imagine you’re describing a movie.
2. Think about all five senses.
3. It’s the little things that matter.
4. Orient us like we’re lost.

1. Stell dir vor, einen Film zu beschreiben.
2. Denke mit allen fünf Sinnen.
3. Es sind die kleinen Dinge, die zählen.
4. Führe deine LeserInnen, als hätten sie sich verirrt/als seien sie verloren.

Quelle: Ksenia Anskes Blog

Ich glaube, dass diese Ansätze für fast alle Genres taugen. Auch für Lyrik.

So zu schreiben ist eine sehr sinnliche, hingebungsvolle Art, die Lesenden in die eigene Welt mitzunehmen, ihnen unseren Blick auf die Welt zu zeigen und ihnen danach zu überlassen, wie sie damit umgehen.

Was ich brauche?

Eigentlich ist es ja ganz gut, dass nicht alle sind wie ich. Viele Berufe würden nämlich gänzlich aussterben, wären alle wie ich. Es gäbe zum Beispiel keine Fernseher und keine Radios, weil ich nie Radio höre und Fernsehen gucke (das Dauer-Gelabber macht mich viel zu hibbelig, Werbung vor allem, Stimmen, Reden). Es gäbe keinen herkömmlichen TV-Betrieb außer den werbefreien Mediatheken. Und es gäbe keine Metzgereien, keine Nur-Fleischgerichte-Restaurants, keine Einkaufmalls, keine Zeitungen, keine … ach, ich könnte bestimmt eine sehr lange Liste schreiben, wenn ich wollte, ich partielle Konsumverweigerin ich.

Wie gesagt: Es ist wirklich gut, dass es so verschiedene Menschen mit so verschiedenen Talenten, Interessen, Fähigkeiten gibt. Aber was wollen und was brauchen wir wirklich, wir KonsumentInnen wir?

Seit vier Jahren und einem Monat lebe ich nun in W. und kaufe seither meistens im kleinen Dorf-Laden ein. Zwar ist es eine Filiale eines der zwei größten Genossenschaftsgroßverteilers der Schweiz, aber der in W. ist eben recht klein, überschaubar und irgendwie persönlich. Dennoch mit einem ziemlich breiten Sortiment; von allem was, aber nicht von jedem Ding tausend verschiedene Produkte und Marken zur Auswahl. Meistens kaufe ich mit Rad, Rucksack und Korb ein, für eine Woche. Und meistens reichen Korb und Rucksack. Einen Einkaufswagen brauche ich nie.

Heute habe ich das erste Mal, seit ich hier lebe, bei der Einkaufsmall zwischen den Dörfern, die ich bisher immer links liegen gelassen habe, zwischengestoppt.

Ehrlich, eigentlich bin ich da ja nur hin, weil ich vermutete, dass sie das Bio-Spülmaschine-Mittel haben, das der kleine Laden nicht hat. Nun ja, das haben sie, aber sie haben eben, wie ich heute merkte, auch sonst noch ein paar Sachen. Was für eine Auswahl an Gemüsen, an Joghurts, an Käsesorten, an Vegi-Produkten! Und Bürokram auch gleich – Kopierpapier brauche ich eh bald wieder. Und diese Biersorten!

Mein Korb war längst voll, ich holte an der Kasse einen zweiten und auch den füllte ich locker. An der Kasse reichte das Förderband nicht für alles und ich fühlte mich ein bisschen wie eine Falschspielerin, wie eine mit riesiger Familie zuhause … Wobei … bald kommt ja der Liebste zurück von Spanien. Und ehrlich: der Kühlschrank ist auch fast leer …

Was ich sagen will: Es tut gut, ab und zu über seine eigenen Vorsätze, Prinzipien und so weiter zu stolpern und mal Dinge zu tun, die man sonst nicht tut, weil. Und echt jetzt: die Bio-Mandelmilch ist wirklich genial. Und ja, wirklich, mir gehts nun wieder ein bisschen besser als heute Morgen.

Auch dass ich mich mal richtig über Regen freuen würde, hätte ich auch nie gedacht. Heuschnupfen ist dann nämlich viel erträglicher.

Von Fröschen und andere Zufällen

Man denkt ja immer: Ich will dann kein schlimmes Alter, bitte-bitte, liebes Leben, verschone mich. Und dann wird man allmählich älter und ist dabei wie der berühmte Frosch* im Wasserbad, das sehr langsam erhitzt wird. Man gewöhnt sich, wie der Frosch, an die steigende Hitze. Man − die älter werdende Frau, die ich bin − gewöhnt sich an die Gebrechen. An den Rücken, der zwickt, an den Tinnitus sogar, der lauter geworden ist. Man denkt, dass das irgendwann ist, später, in der Zukunft, das mit den sich mehrenden Gebrechen, später irgendwann, und man merkt gar nicht, dass es schon jetzt ist und dass man mittendrin ist in diesem Älterwerden mit seinen Gebrechen da und dort.

Ich glaube ja eigentlich an Gesamtzusammenhänge. Von daher muss das wohl auch etwas mit mir zu tun haben. Aber wenn ich an Gesamtzusammenhänge glaube, muss dann nicht alles, was je geschehen ist, etwas mit mir zu tun gehabt haben und war nicht einfach nur Zufall? Und wenn Gesamtzusammenhang, dann wie? Und muss ich es verstehen?

Anders gesagt: Versteht jemand die Zusammenhänge oder ist das eine Frage des Ausschnittes?

Hängt zwar alles naturgemäß zusammen, aber niemand sieht das ganze Bild. Vermutlich.

Weil das ganze Bild gar nicht auf eine Karte passen würde und wegen all der Kurven und Knicken und Ecken und Rundungen – wie bei der Weltkugel – die Proportionen eh nicht originalgetreu wiedergegeben werden können. Geschweige verstanden. Ein großer, in sich zusammenhängender Zufall also. Ja, vielleicht.

——-

* Mag ja sein, dass sich Menschen so verhalten, wie sie es Fröschen unterstellen, nämlich, dass sie sich an die Umgebungshitze gewöhnen, doch ganz offensichtlich ist es in Wirklichkeit bei den Fröschen ein bisschen anders.

Zeit.de

 

Ausgelesen #5 − Der Mondtrinker von Göran Tunström

Ein Wohlfühlbuch mal wieder, nach und neben Ulla Hahns Biografie und anderen Büchern, die ich gleichzeitig lese und die mich eher aufwühlen.

Ich bin mal wieder literarisch nach Island gereist, doch diesmal ohne Leichen und sonst wie Horror. Außer dem des ganz alltäglichen Wahnsinns.

MondtrinkerDas Buch erzählt die Lebensgeschichte eines jungen Isländers, dessen Mutter früh gestorben ist und dessen Vater einen ganz besonderen Blick auf ihr Leben und die Vaterliebe hat. Und auf die Welt da draußen. Und auf das Wissen in Büchern und im Herzen.

Das Zusammenleben der beiden ist nicht wirklich voller Ereignisse, doch was wirkt, wirkt unter die Haut.

Der Ich-Erzähler gewährt uns zudem einen Blick hinter die Kulissen eines selbständig gewordenen Landes, spricht mit Humor und Schalk, mit Wehmut auch und kritisch, aber dennoch durch und durch liebevoll über sein Land, einem Land der Wörter, Klänge, Poeten und Metaphern.

Ich weiß nicht mehr, woher ich es habe, dieses kleine Taschenbuch, noch wie lange es schon in meinem Stapel der zu lesenden Büchern gelegen hat. Nun aber ist seine Zeit gekommen.

Diese Vater-Sohn-Liebesgeschichte ist so berührend und wohltuend, so nährend, dass ich ihm auch achtzehn Jahren nach seinem deutschen Erscheinen viele LeserInnen wünsche.

Ausschnitt Buch
Draufklicken zum Vergrößern und Lesen

Eine sehr liebevolle Rezension hat es auch hier bekommen (→ klick)

Der normierte Mensch – reblogged

Ein Text, den ich meinen Leserinnen und Leser sehr ans Herz lege.
Statt ADHS kannst du gerne auch andere Begriffe wie HSP (Hochsensible Personen) etc. einsetzen. Das hier ist ein wichtiger und wertvoller Appell, wie ich ähnlich schon gedacht habe.
Wir sind nämlich alle irgendwie normal im unserer Verschiedenheit und mit all unseren Abweichungen vom 0815-Schema, das es eh nicht wirklich auf Menschen anzuwenden lohnt.
Wozu auch?