#Jesuisunenfantpakistanais

Lara bringt es für mich, für uns, auf den Punkt.

Geburt und Tod sind zwei universelle Tatsachen. Alle Menschen werden geboren. Alle Menschen sterben. Dies sind keine wertvollen Aussagen. Es sind Tautologien. Sie sind immer wahr. Bedeutend werden solche Ereignisse erst, wenn sie historisch eingereiht werden. Die Geschichte zeigt aber, dass nicht jeder Tod von historischem Wert ist. Niemand interessiert sich für die italienische Mamma, […]

https://larapalara.wordpress.com/2015/01/20/jesuisunenfantpakistanais/

Es war einmal

… und ist noch immer. Obwohl, ein Märchen war es nie. Aber fast schöner als. Besser auf alle Fälle.

Eben habe ich den ersten Artikel gesucht und gefunden, in welchem du vorkommst, Liebster.

J. nannte ich dich damals und lange Zeit noch in meinen Blogartikeln. Am Anfang noch ganz scheu, hoffend, aber nicht wissend, ob das, was da ist, nur ist, oder auch wachsen wird. Damals schrieb ich …

glückseligUnd jetzt, fast fünfeinhalb Jahre später, zu deinem Geburtstag, werde ich nicht, wie letztes Jahr den Artikel vom vorletzten Jahr copypasten, obwohl ich noch immer jedes Wort genauso meine.

Diesmal sage ich einfach einmal mehr und aus tiefstem Herzen Danke für das Leben mit dir, für jeden einzelnen Atemzug an deiner Seite. Und ich wünsche dir, Liebster, zu deinem 49. Geburstag nur das Allerallerallerallerbeste.

Deine D.

Fasziniert

Ja, das Wort passt. Auch wenn es ein bisschen geschmacklos scheinen mag angesichts des Themas. Aber eigentlich. Warum nicht. Weil – es gehört dazu. Wie geboren zu werden. Nur dass wir es nicht werden, sondern tun. Oder eben nicht mehr tun?

Und ich gebe Karl Ove Knausgård so was von recht, wenn er in STERBEN, dem ersten Band seiner sechsbändigen Autobiografie, darüber schreibt, dass er es nicht versteht. Ich nämlich auch nicht. Ehrlich nicht. Nicht verstehen zumindest auf meiner ganz persönlichen Lebenswahrnehmung. Auf der gesellschaftlich-konventionnellen verstehe ich es natürlich irgendwie schon. So jedenfalls, wie ich alle andern gesellschaftlichen Codes und sozialen Gewohnheiten verstehe. Verstehen also eher gemeint im Sinne einer Verinnerlichung. Man denkt nicht darüber nach. Man macht es einfach so. Weil man es immer so gemacht hat.

Wenn jemand stirbt, deckt man ihn zu. Man schließt ihm die Augen. Man versteckt die Offensichtlichkeiten jeglicher Vergänglichkeit möglichst schnell. Möglichst unter Tüchern, in Kühlräumen, unter der Erde. Warum auch immer, ist uns die Vergänglichkeit im echten Leben beinahe unerträglich. In Büchern, im Fernsehen geht es. Da ist es ja nur eine Geschichte.

Schon als Kind habe ich viel darüber nachgedacht, warum das wohl so ist. Ich hatte immer ein ziemlich unverkrampftes Verhältnis zum Tod. So habe ich oft tote Tiere gefunden und sie genau betrachtet – mit einem leisen Grusel, zugegeben – bevor ich sie im Wald oder im Garten beerdigt habe. Mit einer Faszination, der aber, wenn ich mich heute an damals erinnere, nichts Morbides anhaftete. Eher eine Art Respekt vor den Geheimnissen des Lebens. Und ein tiefes Erkennen und Begreifen jeglicher Vergänglichkeit. Ja, fasziniert hat es mich wohl schon immer, dass alles eines Tages aufhört zu sein. Jedenfalls so, in dieser materiellen Form. Und natürlich habe ich mir auch die Fragen nach dem Danach immer wieder neu gestellt. Antworten gibt es, so meine Meinung, letztlich keine abschließenden. Hoffnungen, ja. Und viele übermittelte Erkenntnisse. Persönliche Glaubenssätze. Ja, das gibt es alles.

Darüber, darunter, dahinter immer meine Frage: Ja, aber wenn es nun ganz anders ist? Noch anders anders als alles andere, was je gedacht und erkannt wurde?

1000todecoverUnd darum lasse ich diese Fragen. Ich versuche, das Leben hier – ob nun das einzige oder eins in einer Abfolge vieler – so zu leben, dass ich eines Tages sagen kann well done!, bevor ich die Augen für immer schließe.

Vorerst öffne ich sie aber weit, denn ich will noch viele Texte lesen. Tausend Texte über den Tod zum Beispiel.

Tausend Tode schreiben, das eBook aus dem Frohmann Verlag, ist heute in einer zweiten Version erschienen. Nun umfasst es bereits 247 Texte. Noch weitere 753 werden folgen, so die Hoffnung der Verlegerin. Auch aus andere Sprachen und Traditionen. Texte, die sich auf vielerlei Wegen dem Mysterium Tod nähern. In ungefähr einer Woche gibts das neue Exposé, die Spielregeln für die Teilnahme am dritten Teil des Buches.

Christiane Frohmann folgen kann man auf Twitter (*klick*) oder auf ihrer Webseite (*klick*). Und ja, richtig. Bereits früher habe ich über dieses Buchprojekt, an dem ich beteiligt bin, berichtet. Nämlich hier (*klick).

Auch eure Erfahrungen mit dem Tod wollen möglicherweise aufgeschrieben werden. Und in diesem eBook Eingang finden. Die dritte Version erscheint in etwa einem Monat und die letzte, die vierte, wird zur Buchmesse in Leipzig erscheinen – idealerweise mit 1000 Texten. Das Buch kann man ab sofort bei minimore kaufen. Ab Montag auch in andere eBook-Shops. Einmal gekauft, wird das Buchupdate automatisch nachgeliefert. Für nur 4.99 € und einen guten Zweck.

Und wenn ich schon am Werben bin, dann aber richtig. Oder nein, eigentlich nicht werben, verschenken will ich. Denn wieder habe ich aus meinen letztjährigen Blogtexten ein eBook gemacht.

Gratis zu haben. Hier (*klick*).

Banalitäten?

Jeder Tag ist anders. In etwa gleichen sie sich allerdings in der Zeit des Aufstehens und des Zubettgehens. Und dass ich irgendwann im Laufe des Vormittags dusche und davor eine Weile Yoga übe.

Banalitäten.

Mal gehe ich spazieren zwischen der Arbeit, mal gehe ich einkaufen. Mal spüle ich Geschirr. Mal besuche ich jemanden oder habe Besuch. Mal arbeite ich für meine KundInnen. Mal gebe ich mir frei. Mal denke ich nach. Mal schreibe ich an meinen eigenen Projekten. Und es gibt Tage, wo ich wie Glas bin, bedacht darauf, mich nirgends zu stoßen. An anderen Tagen stoße ich mich ständig. Und die Reibung gibt mir heiß. Heute friere ich ständig ein wenig.

Banalitäten.

Gestern war ich stark. Heute juckt die Nase und schmerzt. Die Augen auch. Ein brennender Schmerz. Ein Druck. Der Körper als Seismograph. Immer ist da etwas. Immer wandelt sich etwas. Alles laufend, aber nicht alles gleichzeitig.

Banalitäten.

Veränderungen
Veränderungen

Am Dienstag war Freundin U. hier. Wir haben an ihrer neuen Webseite gearbeitet. Ich freue mich über solche Treffen. Über die Leidenschaft der gemeinsamen Bewegung in eine ähnliche, in eine seelenverwandte Richtung. Obwohl … Richtung? Wo will ich hin – und gehe ich?

Banalitäten.

Baumringe1
Meine Baumringe

Ist nicht Leben letztendlich eine Spirale? Das Mäandern durch das Leben? Natürlich bewege ich mich von A nach B. Von innen nach außen zum Beispiel. Aber selten nehme ich Schnellstraßen für mein Vorankommen. Ich folge den Serpentinen, die das Gebirge erträglich machen. Lege dabei meine eigenen Spuren, Baumringen gleich. Mein Lebensweg in diesem Dasein – angefangen bei meiner Geburt bis hin zu meinem Tod – fängt, um beim Baumring-Bild zu bleiben, in der Mitte an. Nach außen gehend folge ich dem, was in mir angelegt ist. Wie der Apfelbaum, der eines Tages zum ersten Mal blüht und sich auf den Besuch der Bienen freut. Ohne es zu wissen. Den Weg gehen. Meinen Weg. Kann ich nicht anders, als ihn so und nicht anders zu gehen? Ich glaube, ich kann wählen. Zwar nicht, ob ich doch lieber ein Birn- statt ein Apfelbaum wäre, wenn ich bereits in der Erde stecke, aber ich kann wählen, ob ich meine Krone der Sonne zuwenden will. Und sonst ein paar Dinge.

Banalitäten.

Mag sein, dass die Apfelbaum-Metapher auf beiden Ästen hinkt und sich gar nicht übertragen lässt auf uns Menschen. Mag sein.

Heute bin ich immer öfter dankbar über die von mir gelegten Spuren. Vielleicht bin ich auch bereits auf dem Rückweg, der Brotkrümelspur folgend.

Banalitäten.

Egal.

Ich bin auf meinem Weg. Und du auf deinem. Wir können das. Er auch, Herr Knausgård meine ich. Ich habe am Dienstagabend das erste Buch von Karl Ove Knausgård zu lesen angefangen. STERBEN. Vielleicht fängt damit ja wirklich alles an. Ich stoße auf Bilder und Gedanken, die auf eine Art in mir resonieren wie das schon lange kein Buch mehr geschafft hat. Nicht so. Nicht so unmittelbar.

Knausgard1
Ausschnitt aus dem Buch STERBEN von Karl Ove Knausgård

Bei Mützenfalterin und im blauen Café hatte ich schon über Knausgårds sechsbändige Autobiografie gelesen. Und eine ehemalige Arbeitskollegin hat ebenfalls davon geschwärmt. Nun habe ich den Autoren mal gesuchmaschinet und bin auf spannende Gedanken gestoßen.

Der Übersetzer Paul Berf zum Beispiel sagt über Karl Ove Knausgård:

In diesem Fall ist es so gewesen, dass er einfach den Gedanken an Fiktion aufgeben musste. Er schreibt sogar in einem Band, dass es ihn regelrecht geekelt hat, Sätze zu schreiben, die fiktiv sind, die nach einer Geschichte klingen. In dem Moment, wo er anfängt, über sich selbst, über seine Familie, vor allem über den Vater zu schreiben, ist dies für ihn wie ein Befreiungsprozess. Gleichzeitig aber auch der Versuch, zu etwas vorzudringen, das über sein Privates hinausgeht.

Quelle: www.srf.ch/kultur

Das kenne ich gut. Diese Sehnsucht nach authentischem Ausdruck. Auch mir tut fiktionales Schreiben manchmal weh. Wenn es nicht da hingehört, wo ich es hinschreiben will. Im Blog zum Beispiel. Und ich ahne, dass alle, die über ihre Leben bloggen, mit Knausgårds Motiven – ich nenne es mal Befreiungsprozess als Nebeneffekt – mitschwingen. Auch wir ringen und kämpfen mit unseren Monstern, mit der Sprache, mit den Ansprüchen an uns, authentisch zu sein und ebenso zu schreiben.

Wie er, schreibe auch ich in der Hoffnung, dass meine persönlichen Erfahrungen sozusagen den Modus von Allgemeingültigkeit betreten können. Und da und dort resonieren dürfen.

Und dass ich, um mit Knausgård zu sprechen, in mir drin – trotz fortschreitendem Alter – immer wieder neue, noch unetablierte Systeme finde, die noch nicht festgelegte Wege betreten und noch auf Widerstand stoßen können.

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Mehr darüber, warum es diesen Knausgård-Moment gibt: www.srf.ch/sendungen

Warum ich lese

Twitterspruch_ScharfesF
Tweet von ScharfesF | Twitterspruch von @ScharfesF

Ich scrolle durch die Followerliste einer neu entdeckten Tweetse. Ein bisschen voyeuristisch ist es schon, sich all diese kleinen Profilchen anzuschauen und hinzuspüren, wessen Gedanken mich interessieren könnten.

Vor meinen geistigen Augen entsteht ein weltumspannendes friedliches Netzwerk all der twitternden, bloggenden, fb-nutzenden Menschen, mit denen ich direkt und direkt verbunden bin. Ein Netz, in dem ich auch mit drin hänge. Wie ein Spinnennetz sieht es aus in meinem Kopfkino. Viele miteinander verbundene Menschen, verbunden mit Brücken aus Wörtern, Gedanken, Erkenntnissen. Bei den Twitternden mag ich jene Menschen am liebsten, die eine Mischung aus heiligem Ernst und intelligentem Bullshit zuwege bringen. Ohne dabei doof oder dumm zu sein. Philosophisches mit Humor, mit einer Prise Ironie und Satire, die dem allzu Ernsthaften liebevoll auf die Schulter klopft: Hallo, lach mal, die Welt ist nicht nur grau.

Ich sehe dieses Netz vor mir und fühle dabei die Macht, die wir haben, wir, die wir die Welt lieben und mit unseren Texten und Gedanken dazu beitragen, dass sie nicht in Tristesse versinkt. Die Macht der Schönheit. Die Macht der Phantasie. Die Macht der Freundschaft. Die Macht der Wörter.

Gestern sagte ich zum Liebsten, wie sehr ich am liebsten all die Dinge, die ich liebe, für andere und für mich täte. Kurse geben. Andern Sachen beibringen. Andern Bilder und Geschichten schenken. Andern zeigen, wie man besser schreiben kann. Alles ohne Geld zu nehmen zu müssen. Ohne Rechnungen schreiben zu müssen. Stattdessen hätte ich Ende Monat auf meinem Konto das monatliche Bedingungslose Grundeinkommen. Und sie auch. Er ebenfalls. Wir alle. Was für eine Welt!

Jetzt werde ich doch bald fünfzig und habe noch immer die Idee, das Ideal, die Hoffnung, dass die Welt eine bessere werden kann. Und die Hoffnung ebenfalls, dass ich mit dem, was ich bin und mit dem, was ich kann und habe, eben genau dazu beitragen kann.

Jetzt würde ich gerne als Abschluss einen dieser schlauen Sätze sagen, wie das meine Lieblingstwitternde so gut können. Nein, ich muss zum Glück nicht alles können.

Schließlich braucht es auch das Publikum. Die Lesenden. Mich und dich. Heute habe ich begriffen, dass es eine dumme Ausrede ist, wenn ich sage: Ich verbringe viel zu viel Zeit mit Blogs, Twitter und fb lesen und kommentieren. Im Grunde liebe ich es nämlich, zu lesen, was andere tun, denken, erleben, erkennen, teilen, versuchen, wagen. Und da ich ja nur jenen Menschen folge, die mich ansprechen, schreibt niemand hin, wenn er aufs WC geht. Oder gefurzt hat.

Ich lese von echten Menschen, die in ihren echten Leben etwas erlebt, etwas gelesen, etwas verstanden, gedacht, gefühlt haben. Und darum teilen sie es. [Und wenn ich es nicht lese, liest es vielleicht niemand.] Darum lese ich. Ich lese, weil ich lesen will. Weil es mich interessiert. Weil es mir wichtig ist, zu verstehen, wie andere Menschen ticken. Wie andere Menschen leben und fühlen.

Und noch immer fällt mir kein kluger Schlusssatz ein. So what.

Das dritte Mal

liebsterawardAm letzten Tag des alten Jahres wurde mir zum dritten Mal die Ehre zuteil, den Liebster-Award zu erhalten. Diesmal aus der Schweiz. Von Zora Debrunner, die unter Demenz für Anfänger über das Leben als Enkelin einer demenzkranken Frau erzählt. Von ihr habe ich nebenbei erfahren, dass es Sinn und Zweck dieses Awards sei, kleine Blogs bekannter zu machen.

Wer meine Lieblingsblogs kennenlernen möchte, schaue sich bitte meine Blogroll in der Seitenleiste an. Da hat es eine Perle nach der andern. Und alle mag ich.

Wie bereits beim zweiten Mal, als ich nominiert wurde, überlasse ich es gerne meinen LeserInnen und Lesern, sich das Stöckchen, das ich nach dem Beantworten meiner Frage weiiiit weg werfen werde, aufzufangen und nach eigenem Belieben die nachfolgenden Fragen zu beantworten.

Die Regeln für’s Weitermachen noch kurz, bevor ich es vergesse:

  • Bitte verlinke mein Blog in deinem Blog oder in deinem Blogartikel.
  • Nominiere 11 neue Blogger mit weniger als 200 Followern (Darf ich ja eigentlich gar nicht mitmachen …).
  • Beantworte die Fragen und veröffentliche diese samt Antworten auf deinem Blog.
  • Denk dir 11 neue Fragen aus und reichen Sie sie an die nominierten BloggerInnen via dein Blog weiter.
  • Die Person, von der du nominiert wurdest, nicht zurücknominiern. Kreislauf und so…
  • Alle Nominierten sollten informiert werden (Infos via Blog sollten genügen).

Die Fragen von Zora und meine Antworten

1. Wie kommunizierst du mit anderen Bloggern?
Über den Kommentarstrang (oft sehr ausführlich) und über Mails (mit einigen meiner StammleserInnen)

2. Was interessiert dich an anderen Blogs?
Die Themen. Ihre Gedanken dazu. Die Menschen dahinter. Warum sie so denken und schreiben. Und warum sie die Welt so sehen, wie sie sie sehen.

3. Das eigene Blog: strikt nichtkommerziell oder offen für die eine oder andere “Empfehlung”?
Strikt nichtkommerziell, ja, wenn man von meinen Startnext-Hinweisen für tolle Projekte absieht. Wobei die ja mir nichts einbringen und daher stimmt nichtkommerziell.
[Dafür, dass WordPress Werbung einblendet, kann ich nichts. Aber dank Adblocker sehe ich sie zum Glück nicht. Nein, ich habe keine Aktien von Adblockplus … 🙂 ]

4. Welche Chancen siehst du für Blogs in den nächsten Jahren?
Ich träume von einer Art neuem Genre, das meinem Empfinden nach allmählich am Entstehen ist. Die Blogliteratur. Als eBooks sind Blogtexte bereits im Anmarsch, doch ich wünschte mir mehr Anerkennung dieses Literaturgenres auch im Printbereich. Ich hoffe, wir Bloggenden können sich uns bietende Möglichkeiten wahrnehmen. Wichtig dabei ist, dass wir uns des Privilegs bewusst sind, unzensuriert schreiben zu könnnen. Und darob aber die Qualität unserer Texte nicht vernachlässigen.

5. Was sind die größten Stärken?
Die des Blogs oder meine?
Die des Blogs: Die Möglichkeit, sich ohne großen Aufwand einem freiwilligen Lesepublikum mitteilen zu können.
Meine: Wahrnehmen und umsetzen von Gedanken in Sprache, die auch andere berührt.

6. Ist Bloggen politisch oder privat? Oder vielleicht beides? Warum?
Ich persönlich kann privat und politisch nicht wirklich trennen. Ist nicht jedes Handeln und Denken, auch wenn es um schlichte Befindlichkeiten geht, irgendwie politisch? Dennoch setze ich selten explizit politische Voten in die Welt. Obwohl ich eine klare politische Haltung habe.

7. Was macht das Bloggen für dich wichtig?
Es ist meine Turnhalle, in der ich mich schreiberisch warmhalte, wenn ich weder Zeit noch Muße habe, an meinen Romanprojekten zu arbeiten. Und es ist der virtuelle Ort, wo ich am meisten Interaktion in meinem Leben stattfindet über für mich relevante Themen.

8. Was sind deine Tabus?
Ich schreibe keine Details über mein Liebesleben. Nicht weil ich das nicht könnte, sondern weil ich es nicht will. Bei aller Transparenz muss Privatsphäre einfach sein. Nicht aus Prüderie sondern als Selbstschutz.

9. Blogs sprießen wie Pilze aus dem Boden. Was muss ein Blog haben, damit es dich interessiert und du neue Posts gerne liest?
Obwohl ich vielen Blogs folge, lese ich nicht immer alle Artikel meiner Lieblingsblogs und ich muss auch nicht immer alles gut finden. Wenn mich die ersten Zeilen oder das Thema eines Artikels interessieren, lese ich weiter. Doch damit ich einem neuen Blog folge, braucht es nicht nur einen, sondern ein paar solcher Artikel. Es muss mich reinziehen. Nicht nur das Thema, sondern auch WIE jemand schreibt. Das ist mir sehr wichtig. Eigentlich wie bei guten Büchern. Der Stil muss stimmen.

10. Zu welchen Themen würdest du gerne mehr lesen? Welches Blog würdest du neu eröffnen?
Dazu fällt mir echt grad nix ein. Ich bin gut abgedeckt mit tollen Blogs. Und noch mehr Blogs eröffnen geht nicht. Ich habe ja noch ein paar Nebenschauplätze, will heißen Bilderblogs (siehe ebenfalls in meiner Blogroll).

11. Was bewegt dich?
Das Leben selbst. Die Liebe. Die Sehnsucht, die Welt mit dem, was ich bin, kann, habe, irgendwie ein wenig lebenswerter zu gestalten. Nicht zu vergessen: Die Liebe. Und gleich nocheinmal: Die Liebe. In all ihren Formen: Mann-Frau. Freundschaften. Versöhnung. Frieden. Gemeinsam statt gegeneinander. Solidarität. Undundund.

Meine neuen Fragen:

  1. Warum bloggst du?
  2. Warum liest du andere Blogs (nicht)?
  3. Wie viel Zeit verbringst du mit schreiben?
  4. Wie viel deiner Schreibzeit verwendest du für das Bloggen?
  5. Worüber schreibst du am liebsten?
  6. Warum vermeidest du gewissen Themen (nicht)?
  7. Wie sehr stören dich Fehler – Grammatik oder auch schlechter Stil – in an sich interessanten Texten?
  8. Hast du Blog- oder Schreibvorbilder?
  9. Welche? (Wenn nein: Warum nicht?)
  10. Was vermisst du in der Blogosphäre?
  11. Gibt es einen Gedanken, der dich besonders zum Schreiben und Leben motiviert?

Und nun fange das Stöckchen, wer immer will … It’s your turn!

Ausgelesen II. #15 – Stoner

cover_williamsZwar ist Stoner ein älteres Buch, es wurde vor 50 Jahren das erste Mal gedruckt, doch deswegen ist es – weder in Sprache noch inhaltlich – nicht überholt. Ich mag die Zeitlosigkeit der Geschichte. Diese ewige Sehnsucht und Suche nach Lebensqualität, nach Liebe, nach Berufung. Immer dabei Erkenntnisse, Rückschläge, Alltägliches, Banales, Dramatisches, Mobbing. Unspektakulärer alltäglicher Wahnsinn eines Universitätsprofessors, der bei seiner Geburt hätte Bauer werden sollen.

Ob man Stoner ein gescheitertes Leben nachsagen könnte? Vielleicht. Von außen betrachtet vermutlich schon. Ich weiß es aber besser.

Besonders gut gefällt mir, wie sensibel der Autor, John Willams, mich das Sterben seines Protagonisten Stoner, zeitlebens auf der Suche nach Erfüllung, erleben lässt. Ich bin ganz nahe dran. Und doch in respektvollem Abstand. Ich spüre den Frieden, den Stoner in sich findet. Die Versöhnung mit sich, seiner Frau und dem Leben.

Well done, Herr Williams, well done, Stoner!

Bitte auf die Bilder klicken zum Vergrößern.

Mehr: Stoner bei Wikipedia

Eine Meinung zu haben

Die Sache mit der Eitelkeit habe ich nie so ganz begriffen. Vielleicht weil ich es bin? Vielleicht bin ich, ohne es je gemerkt zu haben, eitel? Nur weniger bei äußerlichen Dingen als bei Dingen, die ich erschaffe? Schreiben und Bilder kreieren. Vielleicht? Bestimmt!

Eitelkeit bremst Mut. Weil … Eitelkeit fragt: Was denken die andern. Und wenn ich das denke, tue ich womöglich nicht, was ich täte, wenn ich mich das nicht fragen würde. Oder wenn es mir nicht wichtig wäre. Dass mir noch immer so wichtig ist, was die andern über mich und meine Taten denken, stört mich.

Ich freue mich zum Beispiel über jeden einzelnen Follower bei Twitter und im Blog. Echt wahr. Ja, so eitel bin ich! Obwohl ich die Statistiken selten angucke … Ich freue mich vielleicht, weil ich mir so einbilden kann, dass das, was ich von mir gebe, irgendwie von Bedeutung sei. Für andere, meine ich, nicht nur für mich. Und dann fühle ich mich ein klein bisschen wichtiger als ich es in Wirklichkeit bin. Als ob das wichtig wäre. Das Sich-wichtig-fühlen, meine ich.

Denn in Wirklichkeit sind andere Dinge viel wichtiger. Dass sich etwas verändert auf der Welt. Dass wir näher zusammenrücken, dass wir uns solidarisieren mit Menschen, die leiden. Mit Menschen, denen Unrecht geschieht. Unabhängig von Rasse, Nation, Religion. Wie zum Beispiel diese Raumpflegerin, die ich nun schon eine ganze Weile kenne. Die von ihrem Arbeitsgeber ausgenutzt wird, aber nicht kündigen will, weil sie sonst nichts mehr hat. Außer drei pubertierende Kinder, die irgendwann keinen Strom und kein Essen mehr haben würden. Solche Unrecht meine ich, direkt vor der Haustür. Oder anderes Unrecht. Waffenhandel. Menschenhandel. Freiheitseinschränkungen. Charlie in Paris.

Meinung
Twitterpost von @wallnuss

Vielleicht darum haben wir in den letzten Jahren das Eine-Meinung-zu-allem-haben so unglaublich kultiviert? Und auch, weil es möglich geworden ist, technisch meine ich.

Ehrlich gesagt, manchmal weiß ich nicht, was für eine Meinung ich dazu haben soll, dass wir alle zu allem eine eigene Meinung haben sollen. Einerseits ist sie ja genial, diese Möglichkeit als solche. Ich meine, dass es sie gibt. Andererseits ist es verdammt verunsichernd, weil nun alle meinen – auch jene ohne Ahnung vom Thema-was-auch-immer-es-ist, Ahnung zu haben, weil sie doch auf fb oder sonstwo im Internet die Meinung von XYZ gelesen haben. Oder zumindest gehört. Doch es ist ja auch verdammt verwirrend, weil nämlich ABC gesagt hat, dass … Und sie hat ja auch irgendwie recht. Und so plappern wir nach, ohne wirkliche Ahnung und nicht wirklich mit eigener Meinung. Aber keine Meinung zu haben, geht ja auch nicht. Oderrr?

Es ist wie mit den Falten. Die bekommt man ja auch einfach, ob man nun will oder nicht. Die bei den andern, die mag ich sogar. Vor allem die Lachfalten oder die zwischen zwei Bergen, die man Täler nennt. Die Lachfalten erzählen davon, dass der Mensch viel gelacht hat. Hat er viel geweint, müsste er Rinnen haben, eigentlich, aber stattdessen bekommt er eine 20ab8ti-Schnurre*. Und das ist nicht schön. Finde ich. Ich mag diese Falten nicht. Nicht in meinem Gesicht. Nicht in meinem Leben.

Ja. Ich meine natürlich nein, vieles mag ich nicht. Aber es gibt auch vieles, das ich mag. Drauflos schreiben zum Beispiel. Ob das schon unter Eine-Meinung-haben durchgeht? Habe ich denn eine und wenn ja, wozu? 😉

Zur Écriture automatique auf jeden Fall. Es macht Spaß. Einfach drauflos hacken. Und auf einmal weißt du genau, was dich beschäftigt. Das nämlich, was deine Finger in die Tasten hauen. Und nein, das ist keine Satire, bestenfalls ein klein bisschen ironisch.

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* Wie kann ich das bloß übersetzen für meine deutschen LeserInnen? Stellt euch eine Uhr vor, die zwanzig Minuten nach acht Uhr anzeigt. Wie die Zeiger, so der Mund. Und die Falten sowieso -> so irgendwie:  🙁

Und ja, ein bisschen habe ich den Text gekämmt, so eitel bin ich nämlich.

Erinnern

Es weht ein kalter Wind durch die Welt.

Dennoch erinnere ich mich gerade heute an Schönes, Heilsames, Kostbares, ich will mich nicht von all dem Terror auffressen lassen. Als Medizin dagegen habe ich gestern und heute Bilder gesichtet, Gedanken über Kunst formuliert und darüber nachgedacht, warum wir sie brauchen (bitte hier klicken) und nein, ich will nicht das Kind samt dem blutigen Badewasser aus der Wanne kippen. Ich will dem Terror Schönheit entgegenhalten. Und ich will den Mut nicht verlieren. Je nous souhaite bon courage. | Ich wünsche uns guten Mut. Und den Glauben daran, dass wir alle zusammen etwas verändern können.

Ich vergesse euch da draußen nicht, auch nicht all die vielen andern Menschen auf dieser Welt, die Gewalt ebensosehr ablehnen wie ich. Wir, diese Menschen, sind überall. Auch in Frankreich. Und genau darum bin ich heute nochmals in meine Südfrankreich-Bilderarchive eingetaucht und habe eine Abschluss-Galerie erstellt. Ich hoffe, ich kann euch damit ein wenig Sonne ins Herz zaubern.

>>> Hier klicken zu meinem Südfrankreich-Resümee. <<<

 

Türen2

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Auf Hagen Grafs Blog, wo der Autor Hagen die Frage nach dem Wesen von Kunst aufwirft (seinen Artikel habe ich neulich geteilt), gibt es inzwischen bereits paar Antworten im Kommentarstrang.