Einmal Heldin sein

Wir liegen noch dösend im Bett, als es klingelt. Oh, das muss wohl das DHL-Paket sein, schießt es mir durch den Kopf. Ich habe denen gestern auf die Webseite geschrieben, dass sie es vor die Türe legen dürfen, falls ich nicht öffne. Im Halbschlaf murmle ich etwas von Juhu, der neue Schlafsack ist da! und wie gespannt ich auf die Matte bin.

Der Liebste bietet an, das Paket zu holen, zieht sich schnell was über und huscht auch schon aus dem Zimmer. Oh, der ist ja mindestens so gespannt und aufgeregt wie ich! Ich rapple mich auf, tappe in die Küche, wo er bereits Teewasser und Kaffee aufsetzt. Gleich darauf schlüpft er auch schon auf meinen Gartenschlappen auf die Terrasse und kommt gleich darauf mit einem großen Karton zurück. Weihnachten mag ich ja nicht. Ich finde es viel besser, sich mitten im Jahr zu beschenken. Den neuen Schlafsack kenne ich schon ein wenig, weil Jürgen den gleichen zum Geburtstag geschenkt bekommen hat, die minim dünnere, rote Variante. Die Matte allerdings habe ich noch nie in echt gesehen. Nein, es ist keine selbstaufblasbare, sondern eine Art Luftmatratze, aber eine aus superdünnem Material, die sich so klein wie eine Literflasche zusammenrollen lässt. Wir blasen sie auf. Oh wie herrlich liegt es sich auf ihr!

meineheldinnenzutatenNein, das ist kein Werbespot und nein, du bist (hoffentlich) nicht im falschen Film und ja, du bist hier bei Sofasophia.

In etwas mehr als einem Monat werden wir uns mit einem Minimum an Gepäck, inklusive Zelt und Kocher, auf den Weg machen. Loswandern. Eine Pilgerreise ohne eigentliches Ziel soll es werden. Eine Pilgerreise, die das Unterwegssein feiert. Den Augenblick des Gehens. Das Sein.

Jaja, ich weiß, ich verkläre das Wandern im allgemeinen und unsern Plan im besonderen. Ich schöne es mir im Voraus zurecht. Anders könnte ich wohl den Mut zu diesem Abenteuer nicht aufbringen, das – ich gestehe es – auf meinem Mist gewachsen ist. Irgendlink musste ich dazu allerdings nicht überreden, schnell fing mein abenteuerlicher Liebster Feuer.

Wo die Reise losgehen wird? Vielleicht hier, vor meiner eigenen Haustür? Vielleicht wo anders. Alles ist möglich.

Was hat dich eigentlich geritten, dass du auf so etwas gekommen bist?, fragt Irgendlink heute Morgen, als ich den Schlafsack auf der Matte probeliege.
Hm, ich glaube, ich möchte mich wohl einfach mal als meine Heldin fühlen …, murmle ich und kuschle mich noch tiefer in das weiche, warme Material.

Wir bewegen uns in Japan

Den heutige Beitrag zu Geschichten von unterwegs hat Christian Popp verfasst.

Bereit für eine Reise mit ihm durch Japan?

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Wir sind zu Fuß unterwegs, mit dem Zug oder mit dem Bus oder Taxi. Zu Fuß finden wir nicht immer gleich, was wir suchen, denn in Japan haben nur manche Straßen einen Namen. Wenn die Straße oder Haltestelle einen Namen hat und er steht auch noch auf einer Karte, fühlen wir uns als Analphabeten. Und doch ist es schön zu Fuß unterwegs zu sein. Besonders in Fukuoka genießen wir die Ampeln, bei Grün erklingen bekannte Melodien. Bei Mozart überqueren wir eine große Kreuzung.

Wir sind sicher, denn an jeder Baustelle wird uns von wenigstens einem, meist zwei Winkern der Weg gewiesen. Diese Sicherheitsfachleute haben rot leuchtende Westen und Leuchtstäbe wie Laserschwerter. Unterwegs trinken wir kalten Grüntee aus dem Automaten und manchmal Melonenlimonade, kalten Kaffee, oder Match – einen Energiedrink. Wir trinken aus und wissen nicht wohin mit der Dose oder Flasche, Mülleimer sind selten. Wir wissen wohin mit der vollen Blase, denn Toiletten sind häufig und sauber.

Wir benutzen die Bahn, den Shinkansen oder einen Expresszug. Die Expresszüge fahren unruhig, denn die Spur ist schmal, das erschwert den Klogang erheblich. Die Shinkansen sind schnell und bequem. Innen wie außen gleichen die Schnellzüge einem Flugzeug. Wie bei einer Concorde hat der Triebwagen eine lange Schnauze, damit wird der Tunnelknall vermieden und in Japan gibt es viele und sehr enge Tunnel. Der Zug zittert, wenn er in den Tunnel eintaucht. Die Shinkansen sind pünktlich, ein Zugführer muss sich schriftlich erklären, wenn er sich um mehr als 15 Sekunden verspätet. Alle Shinkansen in Japan zusammen verspäten sich um weniger als 5 Minuten am Tag. Gibt es einen einzigen ICE der sich nur um 5 Minuten verspätet? Man stelle sich den Aufwand vor, wenn sich deutsche Zugführer für ihre Verspätungen rechtfertigen müssten. Unser Shinkansen nach Hiroshima hat 60 Sekunden Verspätung, diese Fahrt kostet den Zugführer vermutlich die nächste Beförderung. Die Shinkansen sind schnell, sie benutzen ihr eigenes Schienensystem und halten fast nie. Wenn sie halten, dann nur kurz, zum schnellen Onboarden muss man am richtigen Waggon stehen. Wir fahren vorzugsweise das Modell N700, die aktuelle Generation mit Neigetechnik und einem Interieur der 90er Jahre. Sie sind sicher. Einer ist mal entgleist, doch da war gerade Erdbeben, eines, das auch einem Atomkraftwerk Schwierigkeiten machte.

Schaffner im Zug sind sehr freundlich, bevor sie den Waggon wechseln, drehen sie sich nochmal um und verbeugen sich vor den geschätzten Fahrgästen, auch wenn diese alle mit dem Rücken zu ihm sitzen. Schaffner sind Männer, Frauen servieren Getränke und kleine Speisen, sie sammeln den Müll ein.

Wir benutzen Busse und in Nagasaki und Hiroshima die Straßenbahn. Bei unserer allgemeinen Sprachlosigkeit zählen wir immer wieder Stationen durch. Wir fragen den Fahrer, wo wir sind oder wo wir aussteigen müssen, er nickt und wir denken – hat er auch verstanden? Haben wir verstanden? Spricht er gerade Japanisch oder Englisch? Straßenbahnfahrten kosten 120 Yen fix, das ist gut.

Wir fahren Taxi, Toyota Crown oder einen Nissan Crew. Autos im Design der frühen 80er Jahre, die es wohl nie bis nach Europa geschafft haben und so robust sind, dass sie niemals sterben. Das Alter der Taxifahrer passt zum Kraftfahrzeug. Die Fahrer sind elegant, sie tragen Schirmmütze und weiße Handschuhe. Ich denke auch, die Taxifahrer fänden Straßennamen oder Hausnummern toll. Ich wüsste gern, wie die Navigationssyteme hier funktionieren. Die Taxis sind gelb, schwarz oder weiß. Unter den Luxusautos ist weiß die populärste Farbe. Deutsche Autos werden also meist in weiß geordert, und mit vier Auspuffrohren. Wenn schon ein deutsches Auto, dann mit allen Extras, dem großen Motor und am besten von AMG, bei den Einfuhrbeschränkungen fallen die Kosten für Extras nicht ins Gewicht. Das macht Japan zu einem attraktiven Gebrauchtwagenmarkt, wenn man einen wirklich seltenen und unverbastelten Youngtimer sucht, obwohl das Lenkrad auf der falschen Seite ist. Und was in Deutschland schwarz bedeutet, ist in Japan weiß, die Farbe der Trauer. Ist es deshalb die häufigste Autofarbe? Weiß, habe ich gelesen, bedeutet auch Macht und Männlichkeit, denn die Unterwäsche der Samurai war weiß. Das erklärt selbstverständlich viel. In Japan fahren also japanische Autos. Besonders Suzukis Wagin R, oder ähnliche Modelle, passen in die kleinen Parklücken. Diese „Kei Cars“ werden dann aufgepimpt, dann sehen sie von außen böse aus oder innen wie eine Disneyphantasie.

Eine Woche werden wir uns noch in Japan bewegen und ich bin schon gespannt auf die U-Bahn in Tokyo, mal sehen, ob wir noch reinpassen.

© für Bild & Text: Christian Popp | 2013

unterwegs

Die heutige Geschichte von unterwegs hat Susanne Popp verfasst.

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ich war unterwegs
zum größten moment
meines lebens
kurz davor
berühmt zu werden
also: quasi prominent

gerade fühlte ich mich froh
da merkte ich voller schreck:
mein fahrschein war weg
und zwei sitzreihen weiter
stand der kontrolleur
also ich ging vorsichtshalber
aufs klo

während ich
um das gesicht zu wahren
tat, was man so tut
an diesem ort,
ging der moment vorbei –
das war vor ein paar jahren
doch meine Stimmung
blieb heiter

ich bin unterwegs
zum größten moment
meines lebens
kurz davor
berühmt zu werden
also: quasi prominent

Text für die Reihe Geschichten von unterwegs auf Sofasophien, Fallmaschen & Herzgespinste

open book with letters falling into the pages

© für Bild & Text: Susanne Popp | 2013

Lebenssinne, rote Fäden und eine grosse Bitte

In jedem Leben gibt es Themen, die eine Art roter Faden sind.
Bei mir sind dies

  • allgemeine Lebenssinnfragen
  • eine intensive Auseinandersetzung mit der immer schärfer schneidenden und weiter sich öffnenden Arm- und Reich-Schere und meine dabei gefühlte Hilf- und Machtlosigkeit
  • Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit, Wahrheit und Authentizität in meinem Leben, in dem meiner Mitmenschen sowie in meinem eigenen Ausdruck
  • eine Ablehnung allzu einfacher Lösungen
  • ein Kaumertragenkönnen von Leid im Leben anderer und in meinem Leben
  • Ästhetik in Kunst und Sprache

  • Metaphorik, Gleichnisse, Bilder als Brücken zum Verständnis des Lebens
  • sofasophische Gedankenspinnereien
  • Gedanken-, Herz- und Sprachspielereien

Wie ich heute Morgen erwachte und mich noch immer zu krank für die Arbeit fühlte, mich – nach einer SMS an meine Scheffin und den Bürokollegen – nochmals auf die Seite drehte, schlief ich mit dem Gedanken ein, was andere wohl als ihren Lebenssinn betrachten. Ob andere auch so sehr etwas brauchen, wofür es sich zu leben lohnt oder ob das nur Menschen wie ich kennen. Wie viel, wie wenig und vor allem was brauchen andere, um morgens aufstehen zu können?

Ich döste mit Gedanken an ein neues Kapitel meines entstehenden Romans Loch im Eis ein und erwachte später erneut. Diesmal mit der Idee zu einer Blog-Umfrage.

tobeornottobe

… alles Zufall, was du würfelst?

Ja, mir wurde klar, dass ich hierfür die Hilfe anderer brauche.

Bitte maile mir kurz, wenn du magst, dein Lebensmodell. Oder meinetwegen dein Lebens(un)sinnmodell.
Das, was dich motiviert zu leben.

Vermeide aber bitte Dogmen, Plattitüden und Klischees, sondern stell dir vor, es geht um Leben und Tod. Was hält den Stürmen stand? Was hilft dir in Krisen? Stell dir meinetwegen vor, du liegst auf dem Sterbebett und es geht dabei darum, mit dir selbst Frieden zu finden.

Ich bin mir sehr bewusst, dass das ein großes Thema ist. Fühl dich von meiner Bitte nicht unter Druck gesetzt, mach nur mit, wenn du das willst. Ich bin natürlich froh um jeden Beitrag, da es mir bei meiner schriftstellerischen Arbeit hilft, mehr über menschliche Vielseitigkeit zu verstehen. Natürlich wird alles streng anonym gehandhabt, es geht mir einfach um eine Erweiterung meines Horizonts.

Herzlichen Dank allen, die mitmachen. Und auch allen, die hier mitlesen. Längst kenne ich nicht mehr alle meine FollowerInnen, aber es ist schön, euch als Lesende zu haben. DANKE!
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Appspressionismus: Bilder auf dem iPhone kreiert und mit Gimp wassergezeichnet. Das fotografierte Objekt ist ein Werk von Jürgen Rinck.

Stadtmitte

Heute geht es weiter mit einer Geschichte von unterwegs. Ich stelle euch hier ein Gedicht aus Berlin vor, das uns Pillangó zur Verfügung stellt.

Wer fängt das Stöckchen und schreibt eine weitere Geschichte von unterwegs, die ich hier vorstellen darf?

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Stadtmitte

zurück tretende textilien
artige Schattierung
pinkes Polypropylen gepolstert
Gähnen aus dem offenen Fenster klettern
Pflanzgefäße
der Ein- und Ausstieg wartet im Druckbereich neben dir
fassen sich Paare an mit behandschuhten
Flächen

© für Text & Bild: Pillangó 2014 | Berlin

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Alltagskurzfilme

Ich sitze halb gedreht zwischen meinen beiden Laptops. Irgendwie typisch für mein Lebensgefühl. Während der eine Rechner mein iPhone backuped, schreibe ich am andern diese Zeilen hier. Zwischendurch switche ich auf fb oder lese Blogs und Mails, weil es immer wieder irgendwo gebimmelt hat. Wie ablenkbar ich doch bin! (15.5.)

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Neben mir auf dem Tisch liegen einige Notizzettel. Dieser eine hier passt sehr gut zu dem hier. Und er ist auch ein Postskriptum zu meinem Blogartikel von neulich, als ich über Zerlegen und Zusammensetzen geschrieben habe. Die Notiz scheint sich auf einen Traumerkenntnis zu beziehen: Ich bin zersplittert, habe überall, wo ich je gewohnt habe, Teile von mir zurückgelassen. Nun liegen meine Einzelteile in der ganzen Schweiz verteilt herum, in Deutschland und Frankreich auch gleich ein paar. (15.5.)

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Wie soll das denn gehen, das Ganzwerden?, frage ich mich jetzt, wo ich den Zettel wieder lese. So wie man einen Rechner defragmentiert vielleicht? Kann man die Defragmentiertung metaphorisch auf den Seelenzustand des Menschen transportieren? [Womöglich könnte das Ritual der Rückholung von Seelenteilen eine Antwort sein?] (15.5.)

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Unser Weltbild spiegelt den mehr oder weniger erfolgreichen Versuch,  das lebenverbotenLeben irgendwie zu verstehen und auszuhalten, zu ertragen. Falls wir es nicht ertragen, könnte es sein, dass wir unser Weltbild irgendwie auf den Kopf stellen müssen, denn die Welt als solche können wir nicht grundsätzlich ändern. Nur das Bild von ihr. Resignation? Fatalismus? (15.5.)

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Später am gestrigen Nachmittag. Ich möchte die Erweiterung einer Bildbearbeitungsapp aufs Telefon laden, mit der ich schon länger liebäugle. Ich muss dies jedoch von meinem deutschen iTunes-Konto aus machen, da ich die App damals in Deutschland gekauft hatte. Dumm nur, dass ich auf dem deutschen Konto kaum mehr Guthaben habe. Noch genau 27 Cent. Darum versuche ich, bei den Kontoeinstellungen meine Schweizer Prepaid-Kreditkarte anzumelden. Geht nicht, weil es keine deutsche Karte ist. Also will ich meine Wohnadresse (es ist noch meine deutsche) endlich ändern. Geht auch nicht, weil ich ja noch Guthaben auf dem Konto habe. Okay, dann kauf ich halt irgendeine App, die 27 Cent kostet.  Dachte ich. Gibt es aber nicht. Alle kosten entweder nix oder mehr als das. Ergo: Ich kann das Land nicht verlassen, denn ich habe zu viel Guthaben. Hilfe, was geschieht hier – mit mir, mit der Welt!? Längst gehen meine Recherchen nicht mehr primär um das Laden der App-Erweiterung, sondern darum eine Lücke im System zu finden. Die grüne Grenze finde ich schließlich, als ich dank Suchmaschinen auf einer Seite lande, wo ich iTunes-Guthaben für Deutschland online kaufen kann und mit meiner Kreditkarte sogar zahlen darf. Voll krass irgendwie! (15.5.)

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Das Leben ist eigentlich ganz schön schizophren. Zum einen sollen wir uns nicht mit anderen vergleichen, zum anderen ist alles relativ. So verhält sich alles irgendwie zu allen Irgendwems und allen Irgendwassen da draußen – und natürlich auch irgendwie zu uns.  Irgendwie krass auch das … (16.5.)

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Die meisten Dinge tun wir, weil sie (oder wir) entweder vernünftig sind oder sie uns jemand aufgetragen, gezeigt oder vorgemacht hat. Zum Glück geht die Vernunft kurz vor zehn Uhr ins Bett. Ob ich darum die Nacht so mag? (16.5.)

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Vorhin bei Luisa Francia aufgeschnappt:
„’bleibe dir selbst treu‘ steht auf dem titel der neuen happinez, in der’s auch ein kleines gespräch mit mir gibt. wie ist das – sich selbst treu sein? auf den ersten moment fühlt es sich wohlig an, genau, sich selbst treu sein. allerdings heisst das sehr oft, mit anderen in konflikt sein. heisst vielleicht kontakt, zuwendung und alles andere zu verweigern, das eigene leben komplett umzukrempeln. heisst wissen lernen was man wirklich will, dem – oft unpraktischen – gefühl folgen. dann taucht das „aber“ auf, das von der vernunft diktiert wird, die vernunft, die sich jedem blödsinn beugt: sei doch vernünftig! schöne herausforderung, es vielleicht auch mal nicht zu sein.“
Quelle: salamandra.de, tagebuch vom 15.5.

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Appspressionismus: Bilder auf dem iPhone kreiert und mit Gimp skaliert und wassergezeichnet .

Dies und das …

Bis die nächste Geschichte von unterwegs eintrifft, geht es hier weiter wie gehabt. Alltagszöix zum hingucken oder wegschauen.

Gestern, nach der Arbeit, war ich mit Freundin B. (2) zum Pizzaessen verabredet. Da ihre Jüngste sie, im Sockennotstand, bekniet hatte, ihr doch bittebiiitte endlich neue Socken zu kaufen, irrten wir kurz im Kinderkleiderwarenhaus herum bis wir eine Sockenwühlkiste vom Feinsten entdeckten.

Wie schwierig die Sockenwäsche in einem sechsköpfigen Patchworkhaushalt sei, erzählte Freundin B. eben, da fast alle schwarze Socken trügen und dazu noch sehr ähnliche Größen, als ich die hier entdeckte. Und kaufte. Zehn auf einen Streich.

antilottisocken

Endlich wieder mal neue Socken!, dachte ich. Erst zuhause begriff ich, wie kuhl die Dinger auch noch sind. Da kann ich wild drauflos kombinieren, denn alle passen zu allen. Sockenlotties gehören hiermit der Vergangenheit an … Yesss!

Beim Durchgucken meiner Wochenende-Bilder vorhin das hier entdeckt … Was die wohl über bunte Socken denken? 😉

Oldmansmeeting2

Old Man’s Meeting … oder?

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Appspressionismus: Bilder auf dem iPhone kreiert und mit Gimp nachbearbeitet.

Wie aus einem Versehen etwas Neues wird.

Eine Geschichte von unterwegs.

Am Computer hätte ich nur einmal danebentippen müssen. In der Kladde war die Hilfe der Straßenbahn notwendig.

Hinsetzen. Niederschreiben. Alles von der Seele schreien. Reinen Tisch machen.

Wie immer schrieb ich in der Tram, diesmal in einer Drei.

Über der Weiche schwankte die Bahn,
ich setzte grad zu einem Buchstaben an.
Ein Strich ward verzittert,
und ein zweiter gesetzt.
Deshalb schreibe ich jetzt,
mich über alles beschwerend,
was an Unsinn ich da sah,
zum ersten Mal eine Fabula rasa.

Der Zufall hilft manchmal im Schaffensprozeß … Aber auch wenn ich dieses Textchen zu Sofasophias “Geschichten von unterwegs” stellen mag: An wen ich das Stöckchen weiterwerfen soll, weiß ich wirklich nicht.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

© für diesen Text: Der Emil, 2014

vormittags im vor-mai

himmel kreischt. der zug hält.
eilig haben es diesmal alle.
verwundet streckt sich der tag und die sonne greift
durchlässig in fieberkranke luft und das wirr aus stimmen
lässt alles zu lässt alles zu lässt
nach.
alles steigt ein.

an diesen vor-mai vormittagen kann es sein dass es plötzlich regnet.
wirfst du, ohne atempause zu machen,
glatt an meine wange.

es gibt blinde gesichter und welche die waren es niemals
schiebt mir etwas, verschwiegen bis zur schädelnaht
den entleerten ton zu,
(als ob der sitznachbar vielleicht doch nicht taub ist
oder doch nicht blinder war als sonst).
nur gesichterlesen im rücken ist schwerer noch als immer.

und während sich alles bewegt, bewegen wir uns weniger
regnet es weit weg noch viel mehr als anderswo.
“schießen die regenbögen irgendwie aus dem boden”
mein ich
so.

so.
 im fahrendem zug und ein regenbogen auf der strecke.

© für Bild & Text: Isanaje 2014

Unterwegs …

Sie döst. Dunkel ist es. Auf einmal geht das Licht an.
Billettkontrolle, sagt eine Männerstimme. Das Licht tut in den Augen weh. Immer nur hell ist der Horror.
Es blendet. Machen Sie das Licht wieder aus, bitte!, sagt sie und reicht ihm ihren Fahrschein. Sie muss doch schlafen.

Ratatata.1.Tag-1_Bahnhof Agno
Als sie von der Toilette zurück kommt, ist ihr Koffer weg. Die Tasche auch. Ebenso das Handy. Das Geld. Die Ausweise.

Wer ist sie nun? Glück gehabt, das Ticket steckt in einer Falte des Schlafsacks.

Da, wo sie hinfährt, da, wo niemand sie kennt, wird sie eine andere sein. Morgen früh, wenn sie den Zug verlässt.

© by Sofasophia 2014