Vor ein paar Tagen war es. Ich verpackte die letzten Briefe in Umschläge. Serienbriefe zwar, aber liebevoll gemachte. Serienbriefe, die entweder Menschen ansprechen, die an Schaltstellen von Zeitungen, Zeitschriften und Internetmagazinen – zum Thema Reisen und Mobilität, wo immer möglich – sitzen oder aber die eine Firma im Bereich Outdoor-Artikel leiten (guckt dazu in Irgendlinks Blog im Pressebereich). Menschen also, die sich für Irgendlinks „Ums Meer“-Projekt interessieren könnten und die auch gleich die Möglichkeit haben, dieses Projekt materiell oder dank ihrer Medien zu begleiten. Jede Adresse haben wir dazu feinsäuberlich recherchiert.
Bei jedem Brief, den ich zuklebte, dachte ich mir, dass sich diese Dame bestimmt melden wird. Oder dieser Herr. Oder dieses Radioteam. Nein, ich bin nicht so naiv, dass ich damit rechne, dass sich alle melden. Aber meine Absicht, mein Wunsch, meine Intension sind trotzdem da. Wer weiß schon, was wird?
Später im Auto. Auf dem Weg zur Post. Die Tasche mit den Briefen neben mir auf dem Beifahrerinnensitz. Auf einmal ein neulich gefallener Satz im Kopf. Von R., der unter anderem in der Werbebranche arbeitet. Dass wir es ganz anders aufziehen sollten, dieses Reiseprojekt. Viel größer und lauter. Und unbedingt ein Charity-Programm dran knüpfen. Die Leute könnten dann pro gefahrenen Kilometer etwas für ein tolles Projekt spenden. Etwas zu Herzen gehendes, etwas anrührendes.
Wie ich über den Kreuzberg in die Stadt runter fahre, zweifle ich. Das erste Mal, dass ich an Irgendlinks Reiseprojekt zweifle. Nein, falsch, nicht am Projekt. Ich zweifle nur daran, dass es außer uns und ein paar Nahestehenden sonst eine Sau da draußen interessieren könnte. Es ist ja, strenggenommen, einfach eine Reise. Alle reisen.
Alle reisen! Alle machen Fotos! Alle schreiben (okay, die meisten nur hin und wieder) Tagebuch! Alle fahren ab und zu Rad. So what? Wozu der ganze Aufwand?, zählt Frau Zweifel auf.
Du wieder, als ob du eine Ahnung davon hättest!, kontert Frau Kunst sofort. Ja, gut, alle reisen, aber wem ist eine Reise schon so wichtig, dass er dafür seinen Job riskiert und ein einfaches, komfortloses Leben auf sich nimmt, um seine Reise machen zu können? Dazu drei Monate lang Tag und Nacht Wind, Wetter, Sonne und Regen ausgesetzt sein! Wer ist schon verrückt genug, alle zehn Kilometer respektive alle sechs bis acht Meilen ein Bild zu knipsen, egal, ob es da nun schön oder hässlich ist? Und wer ist schon fit genug, so eine lange Reise auf dem Rad zu wagen? Das hier ist Kunst! Reisekunst. Blogkunst. KUNST!
Ich schaue hin und her – wie eine Tennisschiedsrichterin. Sehe die verbalen Bälle hin und her fliegen. Frau Zweifel und Frau Kunst legen sich ganz schön ins Zeug, muss ich sagen, beide Überzeugte von ihrer Sicht der Dinge. Und als Frau Zweifel das Thema Charity aufgreift, fällt ihr Frau Kunst nur lachend ins Wort.
Da verwechselst du etwas! Natürlich dürfen und sollen die Leute für tolle Projekte spenden. Sehr wichtig! Gutes tun geht immer, doch dazu müssen nicht Tränendrüsenaktivatoren mit Kunstprojekten verknüpft werden. Charity ist wichtig, ohne Zweifel, aber … ja, GROßES ABER … Kunst muss sich nicht mit Benefizzöix dekorieren, um sich selbst rechtfertigen. Kunst genügt sich selbst, ist um ihrer selbst willen daseinsberechtigt.
Zeig mir eine glückliche Gesellschaft auf dieser Welt, die ohne Kunst funktioniert. Siehst du? Gibt es nicht. Kunst ist notwendig, damit Menschen aus dem Alltagshamsterrad ausbrechen können. Kunst wendet grau in bunt. Irgendlinks Reisekunstprojekt ist in sich genug. Ob da nun fünf oder tausend Menschen mitreisen. Das Projekt wird, weil es mitten aus dem Leben kommt, viele berühren und vielen Freude bereiten.
Wie ich dann die Briefe am Tischchen neben dem Kopierer mit Marken versehe – ob das nun andere Kunstmanagerinnen auch selbst tun oder nicht, ist mir dabei egal, denn es ist ein geradezu sinnlicher, spiritueller Akt – wird mit klar, dass sich hier ein Kreis schließt. Die Idee zu diesem Projekt ist mehr als ein Jahr alt. Die Vision wird bald Wirklichkeit. Herzblut, ganz viel. Mit jeder Handlung, so alltäglich sie ist, die ich mit Liebe und Hingabe verrichte, fließt meine Liebe in die Welt. Und der Wunsch, die Welt ein wenig schöner zu gestalten.
Und genau das kann das Projekt „Ums Meer“ tun, Frau Zweifel, hast du das gelesen?
Schön. Wirklich, diese Zweifel und das trotzdem. Dieses mit dem Zweifel und am Zweifel wachsen und den Kern begreifen. Als ich Deinen Artikel gelesen habe, habe ich wirklich für einen Moment begriffen, dass der Zweifel mitunter genau dazu gut ist, nachdem man ihn überwunden hat, zu sehen, was wirklich wichtig ist, an einer Idee, einem Vorhaben.
genau so habe ich es diesmal auch erlebt. das geht nicht immer, aber diesmal eben. schön, dass du mich verstehst 🙂
Manchmal muss man seine eigenen Zweifel und Unsicherheiten überwinden und sein eigenes Glück finden. 🙂
genau, überwinden ist dazu ein wichtiges moment in der handlungskette. klischees und vorgaben überwinden. neue wege gehen. genau darüber blogg ich jetzt grad. der artikel ist schon fast fertig.
willkommen hier und hoffentlich auf wiederlesen!
liebgrüß, soso