Hätte sich jemand vor, sagen wir mal, siebzig Jahren vorstellen können, dass wir heute Daten in irgendwelchen virtuellen Clouds im Cyberspace speichern können? Dass wir Bilder aus dem unsichtbaren Nichts abrufen und auf dem Bildschirm eines Plastikdings, das wie ein Fenster aussieht – das wir souverän mit Tasten und einem weiteren handtellergroßen Plastikteilchen namens Maus bedienen –, betrachten können?
Möglicherweise gab es Visionärinnen und Visionäre, für die solche Gedanken vorstellbar gewesen sind, doch die meisten hätten den Kopf geschüttelt und dir den Vogel gezeigt, wenn du – zu Besuch aus der Zukunft – mit solcherlei Schwachsinn aufgetaucht wärst. Flächenland lässt grüßen.
Sage ich dir heute, dass ich mir die Welt (alles, was ist), ähnlich vernetzt wie Internet vorstelle, schüttelst du womöglich den Kopf und redest von Evolution, Darwin und Zufall. Oder du redest von Gott und Bibel und heiligem Geist. Oder du redest von Allah. Oder von Quantenphysik. Ach, sag mir, Gretchen …
Dass ich mir die Welt, sichtbares ebenso wie unsichtbares, vorstelle wie eine Art geisiges, ideelles Internet, hängt damit zusammen, dass ich Erfahrungen und Erlebnisse gemacht habe, die auf solche Zusammenhänge hinweisen. Wissen, das nicht gewusst werden kann, war auf einmal da. Informationen, die nicht gewusst werden konnten, wurden auf einmal gewusst.
Eine Information von einer Wissensquelle (Wikipedia zum Beispiel) auf einen Datenträger (den Rechner zum Beispiel) holen, ist heute Alltag. Irgendwo hat jemand eine Quelle mit Wissen gespeist, das eigentlich schon immer da war. Aber dieser Jemand fasst es in Worte und lädt es für alle zugänglich ins Internet hoch. So einfach funktioniert Wissenstransfer in der Jetzt-Zeit. Datentransfer. Einsen und Nullen.
Das gesamte Wissen über alle Dinge, über die großen und die kleinen, ist da. Unfassbar. Doch nur deshalb unsichtbar, weil uns die Sinne fehlen, es zu sehen. Alles ist in uns, oder sagen wir es so: wir sind – via geistiges WLAN an alles Wissen angeschlossen, das irgendwo-nirgendwo-überall in einem unermesslichen Datenspeicher, der ohne Glasfaserkabel auskommt, lagert. Innen und außen. Wie außen so innen. Auch das Wissen über mein und dein Leben – irgendwo ist es. In mir. In dir. Und überall. Glücklicherweise nicht für alle zugänglich und abrufbar. Zumal nicht alle Menschen in der Lage sind, Daten abzurufen. Zum einen, weil sie das Talent dazu nicht haben, und zum zweiten, weil sie die Passwörter nicht kennen. Ja, die gibt es, die Passwörter und Codes. Und ich, ich habe es in der Hand, wem ich meine Passwörter verrate.
Für einen Schreibauftrag habe ich die spannende Aufgabe bekommen, Menschen mit solcherlei Talent zu testen. Skeptisch habe ich mich an die Arbeit gemacht. Zwei medialen Künstlerinnen habe ich einige wenige Codes verraten, damit sie meine unsichtbaren Ordner öffnen können. Die eine hat mir bereits geantwortet, gestern, und die Antwort der zweiten erhalte ich am Freitag.
Gestern morgen ein persönliches Gespräch mit einer älteren, weisen Frau. Wir schneiden dies und das an und auf einmal plingt es bei mir. Der Groschen fällt. Ich verstehe einen meiner vielen Fingerhüte (siehe Artikel Monokultur und.).
Am Nachmittag gehe ich mit Freundin L. spazieren. Wieder zuhause, bei Vermicelles und Tee, erzähle ich ihr von meinem Wunsch, eines Tages Australien oder Neuseeland zu bereisen. Eine unbenennbare Sehnsucht, ein Fernweh, wie ich es auch bei Skandinavien hatte, bevor ich zum ersten Mal in den Norden gereist bin. Vor allem das fehlende Geld hielt mich bisher von einer Reise nach Downunder ab. Und wohl auch mein ökologisches Gewissen. Doch der Traum ist alt. Zwanzig Jahre mindestens.
Als L. abfährt, öffne ich erwartungsvoll das Paket, das mir die erste Künstlerin per Post geschickt hat. Finde Bild und Text. Post aus der nächsten Dimension, auf gut Flächenländisch gesagt.
Alles zu zitieren würde viel zu weit führen und natürlich weiß ich, dass solche Texte mit Vorsicht zu genießen sind. Auch sind Interpretationen nie vor Übersetzungsfehlern gefeit. Skepsis gut und schön. Misstrauen auch. Aber … großes Aber. Da heißt es nämlich: „Als Land ist Australien und Neuseeland gut für dich, […] tanke diese Energie auf.“
Ich bin verblüfft. Bei nicht wenigen weiteren Textpassagen muss ich leer schlucken, da einige Sätze erstaunliche Ähnlichkeit mit meinen Tagebuchnotizen und Gedanken haben. Und da steht auch etwas ganz ähnliches, wie das, was ich gestern Morgen auf einmal und mit großem Pling verstanden habe. Obwohl ich selbst mediale Fähigkeiten und diesbezügliche Erfahrungen gemacht habe, bin ich berührt. Betroffen. Erstaunt. Obwohl ich weiß, dass und wie es funktioniert. Alles ist vernetzt.
Nun bin ich gespannt auf Freitag. Auf das zweite Bild und den zweiten Text. Irgendwie hoffe ich auf eine unübersehbare gemeinsame Schnittmenge. Und darauf, dass ich verstehe. Dass ich endlich verstehe, was mir das Leben sagen will. Nichts anderes als Übersetzerinnen sind sie, die beiden Frauen, die für mich die Codes in den unsichtbaren, morphogenetischen Rechner eingegeben und meine Ordner geöffnet haben. Ordner, deren Inhalt sich immer wieder ändert. Überschrieben wird von Updates. Was bin ich neugierig!
Doch vorher heißt es, meine beiden letzten Kurstage zu ertragen, morgen und übermorgen, und von dort bestmögliche Erfahrungen mitzunehmen. Und vielleicht sogar ein paar weitere Erkenntnisse über das Leben.
Monat: Oktober 2012
Das Rascheln im Vorhang …
Wie vorangekündigt, hat sich
_dAS bilderblog von Irgendlink und Sofasophia nigelnagelneue Schuhe angezogen. Und neue Kleider auch gleich.
Schon ganz am Anfang dieses Blogs stand die Idee, daraus eine Art Kunstgalerie für Freundinnen und Freunde zu machen. Nun geht’s endlich los! In loser Folge stellen Künstlerinnen und Künstler auf PIXARTIX ihre Bilder aus. Immer fünf.
Vorhang auf für … Frau Blaus Sinfonie in Rost!
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REMINDER: Täglich frisch im Archiv gefischt: Sofasophia appt die Welt …
Sozusagen in eigener Sache …
oder: Im Namen der Kunst ? Ja, das klingt auch schön. Oder soll ich es besser Geburtsanzeige nennen? Vielleicht gar keine schlechte Idee. Nein, an Ideen mangels mir zurzeit fürwahr nicht. Sie wachsen geradezu aus dem Boden. Dem Regen sei’s gedankt … 🙂
Weil der Liebste sich als Webmaster mehrerer Websites von Kunstgruppen und anderem Klientel betätigt, die er personalisieren will – die Websites, nicht die Leute natürlich –, habe ich das Glück, als Versuchskaninchen zu amten.
Zu Testzwecken musste also seine eigene neue Website Appspressionismus.com hinhalten und personalisiert werden. Wem das zu technisch ist, der oder die nenne dies einfach verästelt oder verzweigt. Wie das genau geht, weiß ich nicht, nur dass er den ersten Ast mir geschenkt hat. Ich habe ihn sogleich ins Wasser gestellt und gucke ihm nun beim Wachsen zu.
Falls ihr zugucken wollt, wie er wächst, guckt einfach ab und zu vorbei. Ein Klick genügt und ihr könnt dabei zuschauen, wie Sofasophia die Welt appt.
Gut, Blogs gibts genug, das stimmt. Bilderblogs auch. Doch weil pixartix_dAS bilderblog zukünftig mehr eine öffentliche Galerie für liebe Gäste werden soll, freue ich mich darauf, im neuen Spielraum eine Art Bilderarchiv wachsen zu lassen. Ein bisschen Best Of soll es auch werden. Und nicht zuletzt auch ein Bilderladen. Whitewall, wo wir bis vor kurzem unsere Bilder zum Verkauf angeboten haben, gibt es so nicht mehr. Nur noch als klassisches Fotolabor.
Ich freue mich darüber, euch die Geburt des Blogs Sofasophia appt die Welt bekannt machen zu dürfen!
Monokultur und.
Wie gerne würde ich unsere Gespräche manchmal aufzeichnen, sie konservieren für die Ewigkeit. Na gut, für den Rest meines Lebens würde mir schon reichen. Ich will ja nicht so unbescheiden sein. Meine Gespräch mit Irgendlink sind oft das Saatgut zu allerlei Projekten.
Am Anfang ist die Idee. Nein, noch vorher, bei Minus eins, steht immer ein Auslöser – innen oder außen – irgendein Umstand, der reibt, oft sogar ein Ärgernis, ein Missstand. Etwas, das sich verbessern ließe. Das Etwas führt zur Idee. Die Idee zum Gedanken, dieser zum Gespräch und das wiederum zur Geschichte, zum Blogartikel, zum Bild, zum Projekt. Das Gespräch ist die Pfanne auf dem Herd. Ideen schwimmen fettaugengleich an der Oberfläche. Die farbenfrohen Zutaten werden weichgekocht und in nahrhaftes Seelen-, Herz- und Augenfutter transformiert.
Eins der vielen Etwasse, die immer mal wieder zu reden geben, heißt Angst. Heute die Angst vor der Enttrohnung (des ersten Kindes) und die Angst vor dem Zukurzkommen (des jüngsten Kindes). Wir reden über das Vertrauen zum Leben – vorhandenes, fehlendes. Über die Macht und Nachhaltigkeit, die Ängste über uns haben können. Ängste vor Verlusten, vor dem Tod, vor der Endlichkeit des Lebens.
Gegenwärtigkeit!, sagt Irgendlink, während er sich ein Brot schmiert. Nur mit Gegenwärtigkeit halte ich es aus. Denke ich vorwärts, denke ich über die Zukunft nach, stoße ich an und hänge fest. Doch bin ich gegenwärtig, geht es mir gut.
Die Endlichkeit ist nur der Bilderrahmen, sage ich, doch das Bild ist entscheidend. Es ist die Gegenwart. Jetzt! Wenn du dir nur den Bilderrahmen anguckst, nur diese Grenze, diese Einschränkung, die sich nicht verändern lässt, dann ist das Leben der pure Krampf. Schaust du aber auf das Bild, auf die vielen Farben, immer wieder andere, vergisst du den Rahmen. Du vergisst, dass es nur drei Grundfarben gibt. Du vergisst, dass du in den Augen der Gesellschaft arm bist. Und du vergisst sogar, dass die ManipulatorInnen der Gesellschaft auf stromlinienförmige Menschen hinarbeiten.
Schnitt.
Gestern Nachmittag. Wir sitzen auf Hockern im Kunstraum P. in Z. und trinken Tee und Kaffee. Irgendlink hat Hütedienst. Weil ich mir endlich die Ausstellung anschauen wollte, habe ich ihn begleitet. Eine ältere Dame und ein älterer Herr haben sich eingehend die Bilder der neun sehr unterschiedlichen ausgestellten Künstlerinnen und Künstler angeschaut und trinken nun mit uns Kaffee. Ich beteilige mich kaum am Gespräch, höre jedoch fasziniert dem Wortwechsel zwischen Künstler P. und der ganz offensichtlich naturwissenschaftlich gebildeten und in Ökologie kompetenten Frau B. zu. Sie reiht Argument an Argument, um P. davon zu überzeugen, wie schädlich das Verhalten der heutigen Menschheit für die Welt sei. P. hält mit Argumenten dagegen, dass es schon immer Schädlinge auf der Welt gab, redet von Gesunddezimierung und dass die Erde sich eines Tages wieder erholen werde. Das Thema ist zum einen äußerst brisant und zum anderen aber das ganze Gespräch so absurd, dass es beinahe eines Monty Phytons würdig ist. Als sich auch Künstler A. und Künstler W. ins Gespräch einklinken, wird es immer grotesker. Weniger wegen der Themen als ihrer Offensichtlichkeiten.
Die heutigen Kinder lernen in der Schule nichts mehr mit den Händen. Sie sitzen nur noch über ihren Büchern und Computern und lernen weder malen noch hämmern, können nicht mehr nähen, nicht mehr stricken und nicht mehr stopfen, sagt sie. Wozu auch? Täglich wird Neues in Massen auf den Markt geworfen. Ihre Mutter habe ihr seinerzeit noch beigebracht, mit dem Fingerhut zu nähen und Löcher zu stopfen. Das könne heute kaum mehr jemand, sagt Frau B.
Nein, das kann ich wirklich nicht, sage ich, aber immerhin ohne Fingerhut.
Schnitt.
Monokultur!, sage ich. Wir fahren nach Hause. Müde. Hungrig. Der Kopf brummt. Frau B. hat recht, wenn sie sagt, dass heute so vieles an Wissen verloren gegangen ist. Wir leben in einer Gesellschaft zunehmender Monokultur. Damals schon, wie der Fingerhut zeigt, nur anders. Der Fingerhut ist nur ein Bild, eins, das für vieles stehen kann. Frau B.s Mutter hat ihrer Tochter den Fingerhut so sehr aufgedrückt, dass Frau B. nachher nicht mehr anders konnte als nur noch mit ihm zu nähen. Und auch nichts anderes mehr wollte. Der Tunnelblick der Finger.
Der Fingerhut steht für aufgedrückte Denkmuster, sage ich zu Irgendlink. Der Fingerhut ist der Hut, den ich auf meinem Hirn trage. Fingerhüte und Monokulturen laugen uns aus. Das Land ebenso wie die Menschen. Wir aber brauchen Biodiversität. Vielfalt. Farben. Menschen, die gegenwärtig leben und Fährten für eine lebenswerte Zukunft legen.
Unter die Menschen
So habt ihr also beide Möbel unter die Menschen gebracht? Wir stehen draußen. Lauer Abend. Erstaunlich warm. Wir genießen den angeregten Austausch in der Runde. Ein klein bisschen ist es, als würden wir uns alle schon lange kennen.
Dieter Motzels Bilder, dem Titel Refugien unterstellt, die er in den Räumen der PTV präsentiert, konnten wir uns schon gleich zu Beginn, noch vor der offiziellen Eröffnung, angucken. In aller Ruhe. Gut, dass wir ein bisschen zu früh da gewesen waren. (So eine lange Strecke samt Innenstadt-Verkehr lässt sich ja schwer berechnen.) Tolle Bilder, die Herr Haushundhirsch da ausstellt.
Was meinst du, welches Bild spricht mich am meisten an?, fragt Irgendlink. Wir gehen ein zweites Mal durch die Reihe. Der Ort heißt sein Favorit. Zwerge im Maisfeld. Dass seine Interpretation sich nicht mit Dieters Intention deckt, erfahren wir später, doch das tut – so wage ich zu behaupten – nichts zur Sache, denn Dieters Bilder mit ihren surrealen und zum Teil auch grotesken Details laden geradezu ein, sich dazu schrägen Geschichten auszudenken. Warum also nicht Zwerge im Maisfeld? Auch die anderen Gemälde schreien danach, mit Worten hinterlegt zu werden. Besonders die Hexe beflügelt meine Phantasie. In den Gesichtern ihrer Gegenüber basses Erstaunen. Worüber?
Faszinierend ist es, virtuelle Menschen, wie Herrn und Frau Haushundhirsch, persönlich kennenzulernen.
Ich glaube, es sind die beiden da drüben, die beiden in Schwarz, raunt mir der Liebste zu, derweil wir uns über die Butterbretzel hermachen und uns mit Getränken eindecken. Verstohlen blicken wir uns um. Erkundigen uns bei der Dame, die die Getränke eingießt.
Schon vor der Laudatio machen wir uns mit den beiden bekannt und lernen dabei auch gleich Bloggerin Philea kennen, die die Ausstellung in „ihrer“ Firma angeregt hat. Händchen schütteln da und dort. Bald stößt Bloggerin Lakritze zur Runde. Nach der Laudatio, wieder draußen und noch immer bei angenehmer Temperatur, gehen die angeregten Gespräche weiter.
Für Möbel habe ich Werbung gestaltet, sagt Dieter, für Büromöbel, nachdem Irgendlink aus seiner Tackervergangenheit erzählt hat. Wie er als Tacker mit dem Tacker Loungemöbel gebaut und dabei im Kopf viele Geschichten gewoben hat.
So habt ihr also beide Möbel UNTER die Leute gebracht, sage ich, mit der rechten Hand einen Bogen unter den Po andeutend. Doch nicht nur ähnliche berufliche Interessen sind es, die die am Schluss noch übrig gebliebene Menschen dieser Runde verbinden, sondern ganz besonders das Medium Blog. Noch zu sechst beschließen wir im nahen Hofbräuhaus, wie ich die Kneipe vis-à-vis für mich nenne, etwas zu trinken. Und zu essen. Und zu erzählen … Gemütlich, angeregt, lustig, philosophisch geht es zu.
Für mich waren auch jene Bloggerinnen und Blogger mit am Tisch, die wegen langer Anreisewege und/oder Krankheiten nicht mit dabei sein konnten. Wie groß diese Runde inzwischen wäre!
Auf dem Weg zum einsamen Gehöft, durch den Pfälzer Wald, klingen die Eindrücke nach. Irgendlink und ich sind uns einig: Das war ein richtig toller Abend!
Herbstlektüre
Nach dem wunderschönen Feuerritual an einem verwunschenen kleinen See im Wald, das wir am Sonntag bis in die Abenddämmerung hinein gefeiert hatten, saßen wir gemütlich am Tisch, genossen Essen, Gemeinschaft, Lachen und regen Austausch. Und wenn ich so mit lieben Freundinnen und Freunden am gleichen Tisch sitze, geht es nicht lange, bis das Thema Literatur auf den Tisch kommt.
Kennst du eigentlich Schlinks Sommerlügen?, fragt Freund M. (1).

Nein, leider kenn‘ ich von Schlink bis jetzt nur den Vorleser, bekenne ich. Hast du das Buch? Ich leih es mir gerne aus.
Und nachher kannst du es gleich an mich weiterschicken!, sagt Freundin M. (1). Wenn es dir gefällt, leihe ich dir gerne Schlink Liebesfluchten aus.
Jaaa, sehr gerne! Sag mal, kennst du eigentlich Amélie Nothomb?
Kleine Buchbesprechungen machen die Runde, leuchtende Augen wärmen das Wohnzimmer. Lesen ist für uns immer wieder ein großes Abenteuer, eine Reise in andere Welten, das Betreten von Landschaften, die wir zwar zu kennen meinen, die uns aber trotz allem fremd sind.
Schlinks Schreibstil hat mir schon bei Der Vorleser sehr gut gefallen. Bei Sommerlügen nun fasziniert mich ganz besonders Schlinks wertfreie, akribische Beobachtungsgabe, und wie er diese in klare Worte übersetzt – dicht und weit zugleich. Bilder steigen auf und machen sich in mir selbständig.
Ich habe das Alleinsein verlernt, denkt der frischverliebte Richard auf der ersten Seite. Er mag diesen Gedanken. Schon die erste Geschichte des Buches, Nachsaison, hat mich gepackt: das Dilemma einer neuen Liebe, die nur lebbar ist, wenn Richard sein altes, sehr einfaches Musikerleben dem neuen in wohlhabenden Kreisen opfert. Auf die folgenden Geschichten bin ich nun total gespannt. Zeitlose Geschichten alle, die davon erzählen, wie oft und wie einfach und gerne wir alle uns selbst belügen.
Schnitt.
Im Wald entdecken wir heute den Korb eines Heißluftballons, an Seilen zwischen Bäume gehängt. Vermutlich Teil eines Waldkindergartens. Faszinierend diese Insel hier. Was als kleiner Rekonvaleszenz-Spaziergang gedacht war, wird – wie immer, wenn ich mit Irgendlink unterwegs bin – ein kleines Abenteuer. Wir stehen staunend da, auf einer kleinen Lichtung unter und zwischen den Bäumen, und ich wähne mich in einer anderen Welt, kaum fünfhundert Meter Luftlinie von Zuhause. Geschichten tauchen auf, Relationen verschieben sich und auf einmal scheint alles möglich. Fieberträume?
Meine Erkältung macht sich übrigens bereits auf den Rückzug. Womöglich verdanke ich das – außer dem Grog – auch den vielen lieben Wünschen meiner BlogleserInnen. Herzliches Dankeschön!
Sonntagmorgen
Guten Morgen, Liebste, gehts dir besser?
Mmh … (vage)
Dein Hals?
Mmh … (vage)
Tut er noch weh?
Mmh … (traurig bejahend)
Mehr?
Mmh … (erleichtert verneinend)
Weniger?
Mmh … (bedauernd verneinend)
Bereits gestern Nachmittag, auf unserer kleinen Radtour Richtung Limmat, fing ich zu schlottern an. Gänsehaut und Zähneklappern. Obwohl es nicht kalt war. Der Hals rau, die Füße kühl. Für ein paar Bilder hat es aber doch gereicht.
Collage aus Details vom Siggenthaler Jugendtreff-Haus

Mehr Bilder auf pixartix_dAS bilderblog
Als Irgendlink mir zuhause anbot, alleine zu kochen, derweilen ich ein heißes Bad genießen solle, zögerte ich deshalb nicht lange. So ein Schatz!
Dank ein paar Grogs (das Geheimrezept meines Berner Scheffs gegen aufziehende Erkältungen), konnte ich – so hoffe ich – das Schlimmste abwenden. Nachts mit Lutschtabletten und Rachespray leidlich geschlafen … Das geht vorbei!, gedacht, in der Endlosschleife, und davon geträumt, ein UFO-Landeplatz zu sein, der Erkältungsbakterien (oder sind es Viren?) temporäres Asyl bietet.
What did you do @ work 2day? (zu Irgendlinks gleichnamigem UFO-Bild: hier klicken!)
Krank mag ich jetzt nicht sein. Nicht, wenn ich sozusagen „Ferien zuhause“ samt dem Liebsten an Bord habe.
Krank mag ich auch nicht sein, weil Freund M. und seine Liebste heute ihre Hochzeit mit einem Ritual im Freundeskreis zelebrieren. Das wollen wir uns doch nicht entgehen lassen.
fremdes Selbst
Was sehe ich nicht, was andere sehen? Was bin ich, das andere nicht sehen? So authentisch ich zu sein glaube, deckt sich doch das, was mir andere über mich rückmelden nie mit meiner eigenen Perspektive. (Ja, ich weiß, der größte Teil unserer Persönlichkeit ist unbekannt, aber trotzdem …)
Du stellst dein Licht unter den Scheffel, sagte Kurskollege P., der ein fiktives Bewerbungsgespräch lang meinen zukünftigen Chef gemimt hatte. Du kannst so viel, doch du zeigst es nicht. Zwei 5,4 in zwei verschiedenen Abschlusszeugnissen sagen viel über deine Qualitäten aus. (Für meine deutschen LeserInnen: Das nennt sich bei euch, so meine ich verstanden zu haben, wohl Einserzeugnis. In der Schweiz gilt: Je näher bei Note 6 desto besser …)
Mit deiner Stimme schaffst du eine Stimmung, die – obwohl du nicht laut sprichst – unsere volle Aufmerksamkeit erhält. Man muss dir einfach zuhören, sagt Kollege G.. Ich spüre, wie mir das Blut in den Kopf schießt.
Zum Rotwerden habe ich auch allen Grund. Göttin, war das peinlich! Die ersten fünf Minuten des imitierten Vorstellungsgespräches mit meinen beiden gefakten Personalverantwortlichen – Kollegin S. und Kollege P. – und einem Beobachter – Kollege G. – hatte ich das totale Blackout. So nervös war ich selten in meinem Leben und das, obwohl ich doch hier, in der vertrauten Runde, gar nichts zu verlieren hatte. Wie gut, dass ich in der kameralosen Gruppe gelandet bin! Hätten sie mich gefilmt, wäre es noch schlimmer gewesen. Dreimal hintereinander stoppte ich verzweifelt meine Rede. Sagte:
Delete. Ich fange noch einmal an. Klappe die nächste. Erst allmählich gewann meine Professionalität – oder was auch immer – wieder die Oberhand und das Gespräch machte sogar Spaß.
Kollegin S. meinte hinterher, dass ich bei ihr nach meiner offenbar überzeugenden Performance auf jeden Fall in die zweite Runde käme. Authentisch sei ich. Das lass ich gelten. So fühle ich mich. Dennoch. Die vollständige Kongruenz zwischen Fremd- und Selbstbild will und will sich nicht einstellen. Selbst wenn ich mir Komplimente gerne anhöre, lieber möchte ich endlich in mir das sehen, was andere sehen.
Trotz vielem Denken, Reden und Arbeiten – die zwei letzten Kurstage mit den intensiven „Rollenspielen“ haben total Spaß gemacht. Nun stehen uns Stellensuchenden bloß noch zwei Kurstage bevor. Bis dahin gilt es, das Gelernte konkret umzusetzen.
Juhu, zwei Wochen Pause. Verdauen. Und wer weiß, vielleicht habe ich bis dahin meinen Traumjob bekommen, für den ich ja bereits heute das Vorstellungsgespräch geübt habe. Wenn die Hauptprobe missglückt, wird die Première erfahrungsgemäss ein großer Erfolg … 😉
Was kann DA noch schief gehen?
Aller Anfang ist Traum
Ich sitze im sonnigen Park des Pflegezetrums B.. In einer halben Stunde werde ich mich hier vorstellen, denn das Thera-Team braucht administrative Unterstützung. Mich?
Mein Kopf summt ob all der Eindrücke aus dem Kurs, von der Zug- und von der Busfahrt. Ich bin nervös. Obwohl ich nichts zu verlieren habe. Vermutlich ist die Stelle nichts für mich. So einen langen Arbeitsweg möchte ich nicht. Sollte die Stelle wider Erwarten super sein, müsste ich wohl ernsthaft darüber schlafen. Muss ich eh, will ich eh. Am liebsten wäre mir, wenn ich sofort merken würde, ob ich sie will oder nicht. Während des Gesprächs. Oder gleich hinterher.
Natürlich MUSS ich die Stelle nicht nehmen. Das heißt, ich müsste natürlich, denn sie ist zumutbar. Doch mein Berater ist ja kein Unmensch. So betrachte ich dieses Gespräch als Übung. Ich sammle Erfahrungen. Kein schlechter Ansatz.
Später.
Noch immer brummt der Kopf. Das Gespräch ist verlaufen wie alle meine bisherigen Vorstellungsgespräche. Nämlich gut. Offen. Transparent. Die Nervosität hat mich fünf Minuten vor dem Gespräch verlassen. Auch gut. Nur Klarheit habe ich keine. Der Lohn stimmt, doch die Arbeit ist relativ einseitig, zahlenlastig. Weiteres (großes) Minus ist der Arbeitsweg. Zu lang. Fünfundsiebzig Minuten oder länger. Das Team? Kann ich nächste Woche beschnuppern, falls ich nicht absage. Das Büro würde ich mit meiner direkten Vorgesetzten teilen. Sie sei etwa so alt wie ich. Mutter eines sieben Jahre alten Kindes. Sehr lebendig. Leider in den Ferien, also unbeschnupperbar.
Ich könnte natürlich einfach mal anfangen (falls die mich überhaupt wollen). Innerhalb der Probezeit abspringen geht ja immer, falls ich erkenne, dass der Job nicht mein Ding ist. Doch das ist nicht meine Art. Keine gute Voraussetzung. Zudem würde ich da weder ihnen noch mir einen Gefallen tun. Absagen? Auf die Traumstelle warten? Ja, gerne. Da läuft schließlich eine hoffnungstriefende Bewerbung. Fast um die Ecke. Oder soll ich gar einen Schritt in die Selbständigkeit wagen?
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STOPP! Was ist das für ein langweiliger Artikel, Sofasophia? So etwas kannst du deinen Leserinnen und Lesern nicht zumuten. Erzähl lieber vom Kurs!
Na ja, ob das interessanter ist?! Okay …
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Wir haben heute eine typische Sequenz aus dem ebenso typischen Vorstellungsgespräch geübt. Vor laufender Kamera. Vor der ganzen Klasse. Mit Feedback-Möglichkeit. Jene Sequenz nämlich, die auf die berühmt-berüchtigte Aufforderung folgt, die da heißt:
Erzählen Sie uns bitte von Ihrem Werdegang! Ganz schön tricky, muss ich sagen. Zum Glück war ich bisher erst Zuschauerin. Puh …
Parallel dazu gab’s Einzelcoaching-Gespräche mit dem zweiten Kursleiter. Dort wurde mir klar, dass ich mehr kann, als ich denke. Licht unter dem Scheffel und so. Wie oft denke ich:
Das können doch alle, das hier ist ja nix Spezielles. Doch das stimmt so nicht. Fachlich mag ich ja durchschnittlich sein (oder?). Doch ich kann mehr als nur Fachliches – ich kann das Fachliche vernetzt einsetzen. Ich kann verbinden, innerhalb von Teams Brücken bauen, ich kann Ansprechperson sein. Ich bin saugut in Recherche. Und ich bin Generalistin statt Spezialistin. Und so, wie ich das kann, kann nur ich es. Jawohl.
Und immer wieder die Träume von der Selbständigkeit. Apropos … Da sagt doch in der Pause R. in die kleine Runde vor dem Aschenbecher ( ja, genau! Jener R., der mich letzte Woche mit seinen unausgesprochenen Pünktchen im Ungewissen gelassen hat), dass er eine Vision von Selbständigkeit habe. Dass es in ihm gäre und immer konkreter werde. Ich könne ihm dann die Webpage erstellen, wenn ich wolle.
Gerne! Brauchst du auch gleich noch eine gute Managerin?, fragte ich.
Durchaus, ich muss einfach erst anfangen, sagte er.
Träumen darf doch erlaubt sein. Zumal jede Wirklichkeit mit so was (Unfassbarem) angefangen hat.