Mehr Platz für den Friedensbaum

Wie ich heute Mittag nach der Arbeit auf meiner Terrasse das Wochenende einläutete, mich an den geschenkten Merci-Schöggeli einer Arbeitskollegin erfreute und gemütlich einige Kapitel meines aktuellen Buches las, hörte ich auf einmal einen Staubsauger an der Haustür brummen.

Wie jetzt, ist unsere Haus-Putzfee gekommen, ohne dass ich sie habe kommen sehen? Wie toll ist das denn! Ich habe sie ja schon ewig nicht mehr getroffen! Die letzten zwei Jahre hat sie immer die Pflanzen auf meiner Terrasse gehütet und gegossen. Doch seit ich meistens dann im Büro bin, wenn sie Treppen, Böden & Waschküche unseres Miethauses putzt, gab es so schon lange keine Gelegenheit mehr für einen kleinen Schwatz mit ihr. Die gebürtige Italienerin und schon viele Jahre Alleinerziehende hat – obwohl es das Leben nicht wirklich gut mit ihr gemeint hat – eine unglaublich positive Ausstrahlung und es macht Spaß, mit ihr zu reden. Sie ist eine starke, eine strahlende Frau, die mit ihrer inneren Kraft scheinbar (oder offensichtlich) jeder Mühsal trotzt. Ich bewundere ihren Mut im Alltag und die Würde, mit welcher sie ihre viel zu oft viel zu gering geschätzte Arbeit macht.

Schnell huschte ich also, nachdem ich den Staubsauger gehört hatte, durch die Wohnung in die Waschküche rüber, wo ich sie hantieren hörte und freute mich sogleich über ihre herzliche Freude, mich zu sehen. Doch ich hatte ja auch einen Hintergedanken. Ob sie vielleicht wieder meine Topfpflanzen …? Aber ja, sie könne ja eh einmal mehr nicht in die Ferien, auch diesen Sommer nicht … (Hach, wäre ich reich, würde ich ihr Ferien schenken. Oder ihre Steuerschulden begleichen. Oder gleich beides!)

Wir gehen wandern, sage ich, mit dem Zelt. Diese Art Ferien kann ich mir leisten. (Aber wir machen das nicht nur so, weil es die billigste Art Ferien zu machen ist, denke ich. Nein, auch weil wir es so mögen. Weil es uns entschleunigt und weil es uns ruhig und einfach macht, weil es uns gut tut, wieder näher am Boden zu leben, auf der Erde zu sitzen und ihr nahe zu sein, auf ihr zu liegen, zu schlafen. Ja, auch das denke ich nur.)

Sie erzählt mir unter anderem von den Schwierigkeiten ihres Sohnes, eine Lehrstelle als Automechaniker zu finden. Für den Sommer 2017. Er sei kein Superschüler, eher schüchtern, eher klein, eher mollig wegen seiner Schilddrüsenerkrankung, und bisher hätten ihn alle Schnupperbetriebe abgelehnt, weil sie ihm diese Lehre nicht zutrauten. Schade.

(Aber vielleicht weiß ja eine/r meiner Aargauer LeserInnen etwas? Es müsste allerdings wohl im Raum Brugg/Baden sein, wegen der Fahrkosten, die möglichst tief sein sollten.)

Friedensbaum Wie auch immer … wir erzählen und erzählen und lachen immer wieder … es tut mir gut mit ihr zu lachen. Lachen gegen all diese Widrigkeiten, die das Leben uns immer mal wieder geboten hat. Nebenbei biete ich ihr einige Merci-Schöggeli an, die ja, wie gesagt, bei mir auf dem Tisch herumliegen. Ich teile Dankbarkeit mit ihr. Darüber freut sie sich und schließlich geht sie wieder an ihre Arbeit und ich an meine. Aufräumen ist angesagt. Und den kleinen Friedensbaum sollte ich auch endlich mal in einen größeren Topf setzen, damit der Frieden wachsen kann.

Zwischenräume

Ich vermute, dass ich nicht die Einzige bin; ich ahne, dass die meisten von uns sie tendentiell vermeiden, diese Räume und diese Zeiten zwischen den Dingen. Wir füllen sie, wenn wir sie nahen sehen, schnell auf. Ich zum Beispiel schütte die Lücken mit Lesen, Filme gucken oder mit Aktivitäten auf dem Handy (wie Bilderbearbeiten, Twittern, Elloen u. a.) auf. Schnell, schnell, damit mich nicht etwa ein Hauch von Leere treffe.

Doch manchmal schaue ich ihnen in die Augen, diesen Räumen zwischen den Dingen, und schreite mitten hinein, mitten in diese Lücke, in dieses Nichts zwischen den Dingen. Schreibenderweise gelingt mir das meistens am besten oder Bilder bearbeitend oder malend. Und auch beim stillen Wandern. Manchmal.

Wenn ich mich in die Zwischenräume gewagt habe, bin ich jedes Mal froh darüber, denn dort geht es mir gut. Oft sogar viel besser als in den fest definierten Räumen, die die Zwischenräume flankieren. Seltsam also, dass ich mich ihnen immer nur mit gewissen Widerständen nähere. Oder so seltsam auch nicht, weil ich weiß, dass mich die Zwischenräume aus dem meist viel zu engen Zeitgewand heben und ich mich nach meinem Besuch in den Räumen zwischen den Dingen ein wenig desorientiert fühle.

Schreiben kann, schreiben muss aber nicht, zwingend dieses Ding sein, das mir den Gang zwischen den Räumen erleichtert.

Schreiben kann, schreiben muss aber nicht, Erlösung sein, doch manchmal ist selbst schreiben nichts anderes als hinkender Aktivismus.

Je älter ich werde, desto mehr ahne ich, dass es eigentlich diese Wanderungen zwischen den Räumen sind, die das Leben lebenswert machen. Es ist die Stille zwischen dem Lärm, dieses Hinfühlen inmitten von Aktionismus. Es sind die Zwischenräume, die alles verändern, das Davor und das Danach; und das Darüber und Darunter auch irgendwie, weil die beiden uns zeigen wollen, woher wir kommen und was uns hält. Die Zwischenräume machen den Unterschied, sie machen aus dem Immer-immer-gleich ein Immer-wieder-anders. Sie verschieben meine Wahrnehmung und machen es möglich, dass ich aus dem Drehen um mich selbst herausgerollt werde und auf einmal, im Gras auf dem Rücken liegend, die Wolkentiere spielen sehen kann, wo vorher nur ein paar Wolken durch den Himmel segelten.

Vielleicht besteht ja die Kunst aller Künste darin, diese Zwischenräume zu erkennen? Die eigentliche Kunst wäre es somit, die im Dialog mit den eigenen Zwischenräume gewonnenen Erkenntnisse auf unsere ART und Weise auszudrücken.

Ich jedenfalls brauche Räume, brauche Luft, brauche Zeit zwischen Dingen. Leerschläge. Lücken. Pausen.

Einen dieser Zwischenräume, ein Zwischenraum zwischen den Zwischenräumen vielleicht sogar, wird hoffentlich unsere Wanderung sein. Mit Irgendlink, diesem ganz besonders für das Lesen zwischen den Räumen begabten Menschen, werde ich in ca. zehn Tagen loswandern. An den Ufern des Rheins entlang soll die Reise führen. Ruhig und im ganz eigenen Tempo. Anfangen wollen wir im Bündnerland, am Tomasee.

Wir werden auf unserem neuen gemeinsamen Blog darüber schreiben. Hier könnt ihr mitwandern → flussnoten.de

Und hier hat Irgendlink gestern auch ein paar Zeilen darüber geschrieben → irgendlink.de

1001. Herzgespinst

Ohne es zu merken habe ich neulich den 1000. Blogartikel des Sofasophia-Blogs geschrieben. Ein bisschen schwindlig macht mich der Gedanken ja schon, dass ich 1000 Artikel innerhalb von fünf Jahren und etwa dreieinhalb Monaten (2040 Tage um genau zu sein) geschrieben haben soll.

1000ArtikelDurchschnittlich habe ich also jeden zweiten Tag gebloggt und pro Artikel durchschnittlich 4,769 Kommentare erhalten, wenn ich meine eigenen abziehe. Wenn ich die Zeiten abziehe, in denen ich – wie jetzt – die Kommentarfunktion ausgeschaltet habe, müssten es pro Artikel mehr als 5 Kommentare sein. Ja, ein klein bisschen macht mich das froh, dankbar und … stolz (das letzte eins meiner Reizwörter).

Zahlen. Manchmal schmeicheln sie uns und unserer Eitelkeit und wir bilden uns ein, das heißt, ich bilde mir ein, dass das was ich das schreibe und schrieb, irgendwie für andere relevant sei. Nur schon irgendwie relevant zu sein klingt nach einer Wichtigkeit, die ich sowohl haben als und nicht haben will. Schrödingers Katze und Shakespeares Hamlet gleich will ich sein und nicht sein zugleich.

Wie sagen die buckligen Verwandten doch so schön, wenn Klein-Hanna den Schlüssel für ihr Eigenheim in Händen hält? Es ist „etwas“ aus ihr geworden. Eine umgangssprachliche Formel für eine erfolgreiche Karriere, die mich immer gestört hat, geschmerzt sogar. Denn so gesehen bin ich ja eigentlich nichts geworden, trotz der vielen schönen Ausbildungen. Zu wenig machte ich mir bisher aus Besitz und Titeln, aus Eigenheim und Karriere.

Wie ich vorgestern Abend mit dem Liebsten nach einem Beinah-Hitzschlag die relative Abendkühle – nur noch 29 Grad war es – genoß, sofasophierten wir wie schon so oft über die Kunst, das Menschsein, das Leben und die Fähigkeit, darin wahrhaftig zu sein. Aus den Anfangszeiten meiner Bloggerei stammt mein Text Die Echte werden, die Echte sein. Schon damals trieb mich die Sehnsucht, dass mein Tun, ob nun im Bereich von Kunst oder von Broterwerb echt, wahr, authentisch sei. In meinem Plädoyer über das Wesen der KünstlerInnenseele dachte ich vor Jahren schon über das Kunstschaffen als solches nach.

In beiden Texten erwähne ich nur am Rand, wie – respektive wovon – wir als Kunstschaffende leben können. Immer schon sah und noch immer sehe ich einen Widerspruch darin, meine Kunst auf meine Art und Weise zu schaffen, echt und wahrhaftig zu sein und das Erschaffene kommerziell zu nutzen. Ich weiß inzwischen, dass die meisten Menschen diese Art zu denken nicht nachvollziehen können.

So sprachen wir zwei also neulich über die Grenze zwischen jenen Kunsterzeugnissen − Bildern und Texten −, die unserem Innersten entspringen und jenen, die wir erschaffen, weil wir wissen, dass wir damit irgendwie erfolgreich sein und Gefallen finden werden; dass wir damit den allgemeinen Geschmack treffen und auf Resonanz stoßen werden.

Meine Fähigkeit und -bereitschaft mich einer breiten Masse anzupassen, um anerkannt oder gesehen zu werden, ist allerdings rasant geschrumpft. Einen Text so und so gestylt resp. gesellschaftscodiert zu schreiben, dies und jenes Thema zu diskutieren, weil es gerade in aller Munde ist, jene Redewendung zu verwenden, weil es alle tun … ich kann es fast nicht mehr tun. Und einfach nur schreiben, damit ich mal wieder etwas geschrieben habe? Nein, auch das geht nicht mehr. Und künstliches Aufbauschen eines Themas schon gar nicht. Keine Ahnung, wo das noch hinführen wird.

Ich fühle mich zuweilen wie ein einst feingeschliefener Stein, der sich zurückverwandelt in seine kantige, ungeschliffene Urform. Obwohl ich zugleich und dennoch das Gefühl habe, nebenbei ein bisschen weiser und ein wenig reifer geworden zu sein und es noch zu werden.

Eine Brücke will ich dennoch bauen. Eine, die Kunst und Kommerz versöhnt, will heißen: Eine Brücke, die wahrhaftige Kunst nicht per se von kommerzieller Nutzung ausschließt. Ich will an meiner Denkerei arbeiten, neubewerten. Weil: es gibt sie ja wirklich, die wahrhaftige Kunst, die auch von einer großen Menge als wahrhaftig, berührend und wertvoll erkannt und anerkannt wird. Umgekehrt ist nicht alles, was laut beworben und gehyped wird, automatisch Bullshit (obwohl ich da misstrauisch bleibe).

Fazit: Nicht immer hat der Kunstkaiser auch wirklich keine Kleider an, manchmal trägt er sogar welche und manche gar aus handgesponnener Seide.

Eitelkeit – dieses Wort muss nun doch nochmals getippt werden. Fast jede Form von Eitelkeit widert mich an, wobei mir bewusst ist, dass ich vielleicht mit Eitelkeit andere Schubladen angeschrieben habe als du. Insbesondere jene Eitelkeit meine ich, wo Talent mit der Fähigkeit, sich gut und gewinnbringend verkaufen zu können, verwechselt wird, insbesondere im Literatur- und Kunstbetrieb. Oft schon bin ich auf Buchwerbung hineingefallen und habe Bücher gekauft oder ausgeliehen, die mir als Bestseller angepriesen worden sind. Nur um enttäuscht festzustellen, dass die hochgepriesene Geschichte für meinen Geschmack viel zu viel Weichspüler und viel zu wenig Knochen am Fleisch hat.

Der Anspruch, in meinen Blogs nur noch Dinge zu publizieren, die in meinem Inneren herangewachsen sind, ist ein hoher. Selbst bei Twitter werden meine Ansprüche an mich (und an das, was ich bei anderen lesen mag) immer höher. [Klar ist letztlich die Tagesform entscheidend. Manchmal finde ich nämlich fast alles doof, kindisch, kitschig, unreif, krank, was ich dort lese (fast wie bei FB) und manchmal finde ich auf Twitter viel Weisheit, Ermutigung und herzlich Humorvolles, dass es mir nachher, nach dem Lesen, tatsächlich besser geht.] Ich vermute, es liegt nicht immer nur am Gelesenen, es liegt genauso oft an mir und meiner Stimmung und an meiner Sehnsucht. Diese Sehnsucht nach wahrer, nach wirklicher Wirklichkeit, nach Wandlung, nach Schönheit und Heilwerden.

Denn das ist es, was ich will mit meinem Leben und mit meinem Schreiben. Immer weiter gehen, die Echte werden und eben auch – selbst wenn ich damit andere vor den Kopf stoße -, keine faulen Kompromisse mehr eingehen. Weder in Sachen Brotjob noch in jenen Lebensbereichen, wo es um meine Herzensanliegen geht, wo es um den Ausdruck geht, um die Kunst, ums Schreiben. Vor allem dort nicht. Und so will ich auch in meinem 1001. Blogartikel und weiterhin über jene Themen schreiben, die mir wichtig sind.

Wenns bei dir oder dir resoniert, schön.
Wenn nicht, auch gut.

Ich danke dir, dass du da bist.

gleich und anders | Der Film

Vor etwas über einem Jahr führte ich ein Vorgespräch für die neue Film-Doku »gleich und anders« des Schweizer Filmemachers Jürg Neuenschwander. Mitgemacht habe ich dann doch nicht, aus verschiedenen Gründen. (Einer war sicher, dass mir das ziemlich enge Zeitfenster nicht passte, in dem die Filmbeiträge aufgenommen werden sollten, weil ich genau in dieser Zeit in Schweden sein würde). Dennoch habe ich das Projekt in Gedanken begleitet. Auch wurde ich zwischendurch über Aktuelles informiert und zur Première eingeladen.

Auch dort war ich dann doch nicht dabei, habe den Film also noch immer nicht am Stück gesehen. Bestellt ist er aber und gesehen habe ich inzwischen auch schon einige der Porträts, die freundlicherweise auf der Webseite gezeigt werden.

Portrait Kathia Vonlanthen

Portrait Philipp Zürcher

Portrait Stefan Peter

Wer verstehen will, wie Menschen, denen man von außen nicht ansieht, dass sie zwar gleich, aber doch irgendwie anders sind, dass sie zum Beispiel nicht gleich leistungsfähig sind wie die sogenannte Norm, wird hier einige Antworten bekommen.

Bestellen kann man den Film hier (klicken). Und im Kino sehen kann man ihn hoffentlich auch bald.

Und noch eins

Noch ein Jubiläum? Nun ja, kein rundes. Aber ich mag eigentlich alle Jahrestage und Geburtstage. Sie sind viel persönlicher als andere religiöse Jahresfeste, mit denen ich ja kaum was am Hut habe.

Schon um Mitternacht fing es an. Kaum hatte die Anzeige auf 00:00 gewechselt, wurde ich schon reich beschenkt. Kurz vorher war der Liebste heimlich aus dem Wohnzimmer geschlichen und mit einer Ladung kleiner und größerer Päcklein zurückgekommen. Hach. Symbolisches und Handfestes, Süßes und Humorvolles … Ich komm‘ kaum nach mit Hachen.

Wie bestellt, blinzelt am Morgen die Sonne durchs Dachfenster und weckt uns grinsend. Mein Handy blinkt und piepst, kaum habe ich es eingeschaltet. Auf allen möglichen Kanälen trudeln Glückwünsche ein. Ich bin gerührt.
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Ein Engel am Himmel schaut uns beim Frühstück über die Schulter

Der Liebste deckt liebevoll den Tisch auf der Wiese und wir planen den Tag. Am Haspelshiedter Stausee baden ist das eine, eine kleine Wanderung ist das zweite, was ich mir wünsche. Warum eigentlich nicht Geocachen?

Später gucke ich nach Caches dort in der Nähe und ich lade drei auf mein Handy, damit wir – immerhin ist es ja Frankreich dort – auch ohne Netz unsere Ziele finden können.

Und dann geht’s los! Den ersten Cache finden wir schnell. Dazu sind wir erst die zweiten, die ihn loggen. So ein Glück aber auch und quell‘ honneur!

Später parken wir das Auto am See und wandern hügelan. Querwiesein schlüpfen wir unter Zäunen durch, finden einen tollen Hochsitz und schließlich die Höhlen von Polissoir d’Haspelshiedt.

Wow!

Die Cache-Koordinaten sind schnell gefunden, doch da der Cache sowohl am Fuß der Sandsteinfelswand als auch auf der Hochebene versteckt sein könnte und wir ihn unten nirgends finden, steigen wir, so wie es in der Cachebeschreibung auf einem Bild angezeigt wird, aufwärts. Der Trampelpfad steigt steil an und schließlich werden wir, wenn auch unser neuer Standort nur etwa zehn Meter höher als der Vorherige ist, mit einer wunderbaren Weitsicht belohnt. Hier irgendwo muss er sein, der Cache. Ich nähere mich behutsam dem äußeren Ende des gerade eben noch begehbaren Teils, zu meinen Füßen einzig ein wenig Gebüsch und ganz viel Abgrund. Ich halte mich an einem aus den Felsen ragenden Ast fest und taste mit der linken Hand die Wand nach möglicherweise unsichtbaren Nischen ab, in denen sich ein Cache verstecken halten könnte. Auf einmal gibt der Ast nach, an dem ich hänge, und ich trete erschrocken einen Schritt nach hinten, um das Gleichgewicht wieder zu erlangen. Doch da ist ja nicht wirklich was, worauf ich stehen könnte, außer einem bisschen Gebüsch und ganz viel Abgrund. Meine Reflexe funktionieren zum Glück einwandfrei. Ein kleiner Schrei und ein großer Griff nach den Büschen retten mir das Leben. Ich hänge mit beiden Händen und zappelnden Füßen im Fels, schmiege mich an die Wand und atme erschrocken aus. Sofort kommt Irgendlink angerannt und reicht mir die Hand. Puh. Glück gehabt. Den Cache lassen wir Cache sein und beschließen sogar, auf dieses Abenteuer hin, auch den dritten Cache sich selbst zu überlassen.

Noch eine ganze Weile rast mein Herz, Dankbarkeit, Staunen und die seltsam fatalistische Erkenntnis, dass ich noch lebe, erfüllen mich bis zum Rand. Am See, mit einem Leckeis in der Hand, durchdringt mich auf einmal eine tiefe Ruhe. Ein bisschen fühle ich mich schon fast wie neugeboren. Wir suchen uns einen schönen Badeplatz und nun hält mich nichts mehr zurück. Ich schwimme drauflos, lasse mich auf dem Rücken treiben, begreife, wie lebendig ich bin und da ist einfach nur Glück in jeder Zelle. Und ja, ich weiß mich jetzt doppelt neugeboren – aber sowas von!

Wir halten ein kleines Nickerchen, genießen den Frieden dieses Spätnachmittags und schließlich fahren wir durch die wunderbar märchenhafte Wald-Wiesen und Hügel-Landschaft zurück auf den Hof. Wir bauen ein schönes Feuer und grillen uns ein feines Abendessen. Kaum sind wir fertig, trudelt ein erster Überraschungsgast ein, bald darauf noch zwei andere.

Kurz und gut, ich mag Geburtstage.

Sieben Jahre

ScreenieBlogjubiläum

Heute vor sieben Jahren habe ich meine ersten WordPress-Blogartikel in die Welt entlassen. Hierlang geht’s zum ersten (hier klicken); darunter habe ich ein paar nicht am 7. Juni verfasste Texte gepostet, die ich zuvor in meinem damaligen Webtagebuch publiziert hatte. (Ja, das ich schon vor einiger Zeit vom Netz genommen.)

Sieben Jahre lang habe ich mich nun also nicht nur mit Sofasophien, Fallmaschen und Herzgespinsten, sondern auch mit der WordPress-Software auseinandergesetzt. Oft genervt, oft beglückt. Und ja, seither hat sich viel getan. Nicht nur in der virtuellen Welt, auch in der realen.

Zum Beispeil war ich damals definitiv belastbarer, oder sagen wir es mal so: Ich verhielt mich so als sei ich belastbarer. (Dabei konnte ich mich damals vielleicht nur noch besser belügen als heute, mir noch selber besser vormachen, dass …).

Je ne regrette rien.

Ich danke euch, liebe Leserinnen und Leser, die ihr hier regelmäßig oder sporadisch hinein schaut, mitlest, mitträumt, mitlacht, mitweint und hin und wieder − da ich Ende 2015 die Kommentarfunktion ausgemacht habe −, per Mail oder über andere Kanäle die eine oder andere Rückmeldung zu meinem Geschreibsel hinterlasst.

Angefangen habe ich damals bei null AbonnentInnen, heute zeigt mein Followertacho die hübsche Zahl 1098. Gut, da sind die paar fb-FreundInnen mitgerechnet, die Pappnasen von Twitter und die Handvoll Tumblr-LeserInnen. Und nein, es ist nicht diese Zahl, die es ausmacht, es ist eher die Qualität, die sich hinter dieser Zahl versteckt. Diese Menschen alle. Ihr. Du, du und ja, auch du!

Viele wunderbare Menschen habe ich dank meines Blogs kennengelernt. Einige sogar im echten Leben. Ja, sogar richtige Freundschaften sind entstanden. Nein, ich bereue nichts.

Danke euch allen.

Lebensreisende sein

Inzwischen sind wieder alle Bilddateien auf meiner großen externen Festplatte nach Jahr und Monat geordnet. Zwar hatten sie sich von der kaputten Festplatte retten lassen, aber seither und bis vor kurzem hatten sie unter einem nichtssagenden Namen in nichtssagenden Riesenordnern ohne chronologische Logik gelegen hatten – quasi unerreichbar und unbrauchbar. Endlich wieder Ordnung also?

Ja, schon, aber …. denn auf ebendieser externen Festplatte sind nun sowohl die Originale als auch deren Systembackups sprich Dateikopien gespeichert. Damit habe ich nun die meisten Bilder doppelt. Außerdem liegen da auch Bilder, die im Laufe der Jahre über Downloads von Webseiteninhalten auf meinen Rechnern gelandet sind, in meinen schönen neuen Monatsordnern.

Kurz und gut: Mir bleibt nichts anderes übrig, als auszumisten, als Ordner für Ordner und Jahr für Jahr alle Bilder durchzugehen und die doppelten Bilder zu löschen.

Irgendlinks Softwaretipp das Listen und Ausmisten der Duplikate einer Software zu überlassen, will bei mir nicht funktionieren. Die ganz offensichtlich vorhandenen Duplikate werden vom Programm nicht als solche erkannt und gelistet. Ich werde also händisch − wie gestern − weitermachen, denn ob ich die doppelten Bilder nun in der Anwendung oder im Ordner einzeln anklicke, macht aj keinen großen Unterschied.

Soweit so gut. Gestern Nachmittag habe ich also, nach einem intensiven Arbeitsmorgen an der Schule (mit dem letzten Schulkonzert während meiner Zeit als Musikschulsekretärin) an die ältesten Bilderordner gesetzt.

Die Jahr 2000 bis 2003 waren bei mir eine noch fast digitale-Bilder-freie Zeit. Damals − dies war meine Zeit als Mutter (immerhin drei Jahre lang) − haben wir zwar bereits unsere analog aufgenommenen Bilder zeitgleich mit dem Abziehen- auf CD brennen lassen, doch nur wenige haben es damals dauerhaft auf die Festplatte meines damaligen Laptops geschafft. Eigentlich sind es sogar nur ein paar, doch sie zeigen mich mit meinem damals noch quicklebendigen Sohn und ich schlucke leer.

Mit dem Kauf meiner ersten digitalen Sonyshot im Frühling 2004 stieg meine Bildquantität schlagartig. Nicht, dass die Qualität jener Bilder mit den heutigen, die ich mit dem iPhone oder der Nikon mache, mithalten könnte, dennoch spüre ich hier bereits zuweilen, wie sich mir ein kreativer, experimenteller Weg auftut. Damals arbeitete ich noch mit Windoo und einer (dunkelgrauen) Photoshop-Version. Und schon damals mochte ich es, technische Geräte und Programme auszuprobieren. Das Webseite-Bauen (mit einem simplen halbgrafischen Programm) habe ich mir also ebenso wie das Bildbearbeiten selbst beigebracht. Vor allem über Try & Error. Damals wie heute komme ich mit Bedienungsanleitungen, Tutorials und Co. nicht wirklich gut klar, da ich alle geschriebenen Theorien immer gleich nach dem Lesen und Sehen wieder vergesse. Ich muss etwas verstehen können, die Logik dahinter fühlen, und ich muss einen Prozess in der Praxis erleben, muss etwas mit meinen Händen tun können, damit ich mir einen Vorgang merken kann.

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Müüsli
Stellanera – längst im Müüslihimmel
Tja und so klicke ich mich also heute weiter durch mein Leben. Erinnere mich. Grinse zuweilen. Über die Mäuse zum Beispiel. Hach meine Mäuse! Anno Tubak 2005 und 2006 muss das gewesen sein.

Ich reise weiter durch mein Leben. Werde meine Lebensreise betrachten. Werde zurückblicken. Werde, was ich da mit Schnappschüssen illustriert habe, zu verstehen versuchen. Werde meine Gedankenspuren aufnehmen und den roten Faden auf- und abwickeln … Entwicklungen betrachten.

Dankbar bin ich über die menschliche Fähigkeit zur Reflexion.