Pflicht und Kür

Schon seit Stunden sitze ich am Laptop. Erledige, was zu tun ist. Nebenan wartet die Küche auf mich. Küche in Kisten verpacken ist nicht mein Liebstes. Meine Stunden in dieser Wohnung sind gezählt. Am Mittwoch fahren wir mit dem Umzugwagen in die Schweiz.
Ja doch, flüstere ich mir zu, die Zeit wird reichen.
Aber laut sage ich: Die Zeit wird knapp. Viel zu oft.
Die Zeit ist ein Trichter. Ein immer enger werdender Trichter.
Zeit ist immer. Wir setzen uns Grenzen selbst. Durch Termine. Pläne erfüllen sich. Oder auch nicht.
Die letzten Tage in Mainz hallen nach. Ich lese in meinem iPhone-Notizbuch; „Wie präsentiere ich Kunst? Heißt das nicht eigentlich: Wie locke ich Menschen an?
Konkret: Wo stelle ich den Tisch hin? Welches Bild hängt wo? Was zieht?
Menschen kommen und gehen. Die einen spülen ganz von allein in die Koje. Und eben so einfach wieder raus. Andere brauchen ein einladendes Lächeln, um die unsichtbare Schwelle zu überschreiten. Dritte werden von einem ganz bestimmten Bild in die Koje gezogen. Gesogen sozusagen. Wieder andere meinen Photoshop und Konsorten zu erkennen. Sie ziehen Parallelen und wollen erzählen. Dann gibt es Standbesuchende, die grundsätzlich in jede Koje kurz eintreten, um alles gesehen, nichts verpasst zu haben. Und schließlich sind da noch die, die Prospekte und Gratiskarten sammeln – wozu auch immer? Habe ich jemanden vergessen?
Allen gemein ist, dass alle ganz und gar verschieden sind und unterschiedliche Bedürfnisse haben. Während die einen lieber unbeachtet sein wollen, brauchen andere ein Lächeln, einen grüßenden Blick oder ein Wort. Gut hinspüren, Lachen und Lächeln sind Magie pur.“
Gestern Mittag fuhr ich für ein paar Stunden nach Wiesbaden. Im Frauenmuseum war die Buchpräsentation und Ausstellungseröffnung von Cambra Skadés neuem Buch. Die Frage, wie sich ein Buch, dazu ein Blog-Buch, überhaupt ausstellen lässt, wurde auf sehr überraschende Weise beantwortet. Doch da lasse ich wohl besser die Bilder sprechen … (((Die Ausstellung dauert übrigens noch bis Ende Oktober. Hingehen lohnt sich!)))

(((durch Anklicken werden alle Bilder größer …)))
Viele der im Buch abgebildeten Szenenbilder hat Cambra auch gleich mit ausgestellt, was dem Ausstellungsraum Tiefe und Heiterkeit verlieh.


Gleich zu Anfang fand im Erdgeschoss nach einer tiefsinnig-heiteren Laudatio, umrahmt von den Herzgesängen einer begnadeten Musikantin, eine szenische Einführung von Cambra und zwei Freundinnen statt. Sehr stimmungsvoll und sehr stimmig. Alltag-Magie-Schamanismus-Kunst. Alles verbunden. Ohne Punkt und ohne Komma. Alles gehört zusammen.
Das Summen der mehr als hundert Frauen- und wenigen Männerstimmen vor der Veranstaltung wirkte auf mich, die ich von den langen Ausstellungstagen in Mainz schon recht weichgekocht war, angenehm einschläfernd. Geborgenheit. Geborgen in ganz viel Frauenkraft. Mutige Männer, die sich auf diese anarchistische Energie, die in diesen Räumen waberte, eingelassen haben! Kindergeschrei. Marktplatzstimmung. Und immer wieder Stille. Heiterkeit auch. Übermut sehr. Danke, Cambra, ich bin froh, gekommen zu sein.

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Kür ist, wenn ich mir nach und neben all den Pflichten, die einfach getan werden müssen, den Raum zum Schreiben schaffe.
Die Tastatur ist die Türe zu meinem Innern, mein Verdauungsapparat sozusagen.
Ich wünsche mir, dass ich in der nächsten Zeit wieder mehr dazu kommen werde …
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Bilder: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

0 Kommentare zu „Pflicht und Kür“

  1. ja seufz…. das hat nicht sollen sein… bis oktober ist noch eine weile, um dann doch noch ins frauenmuseum zu kommen, aber gestern… na, du weißt ja nun schon von der unbill auf deutschlands autobahnen…
    gemütlich ist anders… ja, bestimmt und bestimmt bald wieder im neuen zuhause gemütlichkeit raum geben und der tastatur ;o)

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