Mein Bloggerin-Hürdenlauf oder was ich über den Tellerrand guckend entdeckte

Dass ich es nicht so mit Blogosphären-Stöckchenweitwurf habe, wissen meine Stammleserinnen und -leser. Was ich dagegen mag, sind gemeinsame Aktionen, die der Vernetzung gut tun – wie eben dieses Hürdenlaufding hier. Über den eigenen Tellerrand zu gucken finde ich ja immer gut. (Die Regeln gibts unten zum Kopieren.)

href=“https://www.zeilensturm.de/?p=7849″> Screenshot des Zeilensturm-Blogheaders, woher ich diese Idee habe[/
Ich zitiere Herrn Zeilensturm, den Ideengeber:
Es geht darum, »fremde Blogs kennenzulernen. Also auch sehr fremde Blogs. Fremde Ansichten. Hürden, über die man vielleicht erst mal springen muss. Dann zu sehen, was das mit einem macht. Das dann kurz zu protokollieren. Währenddessen herauszufinden, wohin es einen aus der Kurve trug. Und zu reflektieren, warum man jetzt genau diese Hürden und keine anderen genommen – oder gerissen – hat.«

Kurz und gut: Ich mache einfach dort weiter, wo Glumm aufgehört hat – bei Christiane nämlich – und nehme mir auch gleich seine Erfahrungen zu Herzen, als ich sehe, wie viele der angeklickten Blogs keine Blogroll führen oder dann eine mit lauter Blogleichen drauf. (Für mich ist ja ein Blog ohne Blogroll so unbegreiflich wie ein Selfie, das man ins Internet stellt …)

1. Christiane ⇒  Jens: Breaking my Twitter – Ende eines sozialen Netzwerks?, 13. August 2018

’Mein Wa(h)renhaus, ein politisches Geschäft mit Käse aus Holland’ nennt Jens sein Blog, dessen Artikel man nur durch Klicks auf Weiterlesen angezeigt bekommt, was ich nicht mag. So suche ich ziemlich lange, bis ich einen Text finde, den ich freiwillig lesen mag, da mir die meisten Texte zu langatmig und zu unübersichtlich geschrieben sind. Im ausgewählten Text referiert Jens die Tragik, dass man ab 18. August mit fremden Twitterapps händisch aktualisieren muss; was ich schon immer so gehalten habe, weil ich Pushbenachrichtigungen nervig finde – Geschmackssache halt.

2. Jens ⇒ Mona Lisa: Bücher: Beste Freunde, 8. Januar 2017

Wenn Mona Lisa bloggt, dann natürlich über Dinge wie Kunst in ihren ganz unterschiedlichsten Erscheinungsformen. Optisch ansprechend wechseln sich auf diesem Blog täglich neu Buchbesprechungen, Zitate, Schöngeistiges mit Alltäglichem ab und auch hier brauche ich lange, bis ich finde, was ich verwenden will. Im ausgewählten Artikel erzählt die Autorin darüber, wie schwer es ihr fällt, sich von Büchern, die ja wie Freunde sind, wieder zu trennen, doch dass sie sich dabei in bestern Gesellschaft weiß – dank eines Zitates von Andreas Altmann.

3. Mona Lisa ⇒ Bea: Sommer, 25. Juli 2018

Beas Blog nimmt mich mit auf einen virtuellen Spaziergang durch die Jahreszeiten. Das Bilderblog wird nur sporadisch mit neuen Beiträgen gefüttert und zeigt sehr schöne Naturaufnahmen; der letzte Beitrag ist schon einige Wochen alt und resümmiert einen Sommerspaziergang durch Wald und Wiesen. Die angenehme ruhige Atmosphäre des Blogs empfinde ich als augenwohltuend.

4. Bea ⇒ Die Schneiderin: Demut, 22. September 2017

Nachdem ich dieses optisch sehr ansprechend gestaltete Blog einfach eine Weile auf mich wirken lassen habe, lese ich mich gleich in den letzten Beitrag der Schneiderin fest. Die Autorin blickt darin auf ihre früheren Texte zurück, empfindet manche davon wie Gespräche mit einer besten Freundin und erlebt dabei Dankbarkeit, Selbstliebe und Demut. Über das letzte Wort denkt sie auf eine mir sehr sympathische Weise nach und ich beschließe spontan, später auf diesem Blog weiterzustöbern.

5. Die Schneiderin ⇒ Maria: Loslassen, was nicht mehr zu mir passt #1, 5. November 2017

’Widerstand ist zweckmäßig’ behauptet dieses Blog und zeigt anschaulich, optisch ansprechend und konkret, wie das gehen kann. Über das Ausmisten und Loslassen von Ballast schreibt die Autorin zum Beispiel gleich eine neunteilige, mit Bildern illustrierte und mit Links angereicherte Serie. Am Anfang ihrer Aktion hatte sie sich wöchentlich von mindestens 20 – 50 Teilen aus ihrem Alltagsleben, die sie nicht mehr brauchte, getrennt, und diese über den Kostnixladen verschenkt – nachahmenswert und inspirierend.

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So funktioniert der Blogger-Hürdenauf (Copy and Paste, please):

Dein Beitrag startet, wo dieser hier endet. Nimm dir die Blogroll/Blogliste des fünften von mir kommentierten Blogs vor. Von dieser Liste klicke eines an. Das ist nun deine Station 1. (Aber nur, falls es selbst eine Blogroll hat, sonst ein anderes Blog der aktuellen Blogroll auswählen! Diese Bedingung gilt logischerweise immer.)

Lies im Blog 1 einen Beitrag, den du auch verlinkst, und schreibe nur drei Zeilen darüber: Lob, Kritik, Erstaunen, Fassungslosigkeit, Dank, whatever.

Nun klicke auf ein Blog der Blogroll von Station 1. Hat dieses seinerseits eine Blogroll? Sehr gut, dann ist es Station 2. Lies einen Beitrag … verlinke … schreibe drei Zeilen …

Und so noch dreimal. Bis einschließlich Station 5. Deine Arbeit ist fast getan: fünf Reisenotizen zu fünf Blogbeiträgen. Nur noch diese Regeln hier anhängen – fertig!

Nun muss darf jemand anderes den Staffelstab (und vielleicht sogar mehrere) bei der Blogroll des letzten in deinem Beitrag kommentierten Blogs übernehmen – und fünf weitere kommentieren.

Vielen Dank für den gemeinsamen Streifzug durch die Meinungsvielfalt!

Herzlichen Dank an die Quelle der Inspiration, Herr Zeilensturm: Auf zum Blogger-Hürdenlauf!

Gesunder Menschenverstand im Labyrinth

Wir denken über Kurse in Gesundem Menschenverstand nach als wir zum Grenzbahnhof fahren, von wo aus Irgendlink nach ein paar Tagen bei mir in der Schweiz wieder nach Hause fahren wird. Und über Kurse mit Titeln wie ’Mein Weg durch das Labyrinth’ oder ’Wie komme ich da bloß wieder raus?’

Wir hatten uns über das Verhalten der Menschen unterhalten – auf der Straße und im Alltag. Über die Polarisierungen, die je länger je sichtbarer werden. Auf der Straße sind es – zum Beispiel – einerseits die Radfahrenden, andererseits die Autofahrenden. Oder einerseits die Autofahrenden, andererseits die Radfahrenden. Dieses ’Wir’ und ’die anderen’. Dieses Ich-bin-richtig-und-du-bist-falsch-Denken, das sich immer mehr in unseren Lebenshaltungen einschleicht, so leise, so unscheinbar, dass wir es gar nicht wirklich merken.

Die Bereitschaft zur Einsicht, dass wir alle Fehler machen und dass das in den meisten Fällen nicht schlimm ist und man einfach um Verzeihung bitten kann, ist vielen abhanden gekommen, sagt Irgendlink mit Blick auf den Straßenverkehr. Es müsste Fahrkurse geben, bei welchen die Kursteilnehmenden einmal als Radelnde und einmal als Autofahrende agieren, damit man beide Seiten erleben kann. Kursinhalte eigentlich, die sich auf das ganze Leben ausdehnen lassen. Kurse eben in Gesundem Menschenverstand. Und klar, auch bei einem Wechsel der Perspektive und der Position können wir natürlich nie genau wissen, wie es wirklich ist in der Haut des anderen zu stecken. Helfen würde es aber auch jeden Fall.

Gestern wollten wir zu einem Geländelabyrinth radeln, knapp sieben Kilometer von meiner Wohnung entfernt. Dass ausgerechnet gestern in meinem Wohnort SlowUp war, hatte ich völlig vergessen. Und dass die Route an meinem Haus vorbeiführt, war mir erst recht nicht bewusst gewesen. Für diese Aktionen, die an verschiedenen Sonntagen in der ganzen Schweiz durchgeführt werden, sind die Straßen für den Autoverkehr gesperrt. Dafür stehen sie in ganzer Breite offen für Langsamverkehr wie Fahrräder, Skates und so weiter. Früher, als diese Bewegung noch jung war, hatte ich auch das eine oder andere Mal mitgemacht. Aber seit der Funke auf die Masse übergesprungen ist (was ich im Grunde natürlich gut finde!), mag ich nicht mehr mitmachen. Alles, was mit Masse zu tun hat, gruselt mich.

Dass wir genau in die Richtung, aus der die Masse kam, radeln wollten, machte es nicht besser. Die uns entgegenflutende Menschenmenge hat mich am Anfang ganz schön fertig gemacht (ja, so bin ich). Wir wählten, wo immer möglich, Alternativstrecken, Schleichwege, doch natürlich hatte die Organisation die schönsten und besten Routen ausgewählt, manchmal die einzigen, und so fuhren wir etwa die Hälfte unserer Strecke gegen den Strom. Schließlich verließen wir diesen und fuhren auf Feldwegen. Bei dreißig Grad Hitze. Wir waren bis sechshundert Meter ans Labyrinth, das auf einem Hügel liegt, herangefahren – und kapitulierten. Ich vor allem. Die Hitze und mein Kreislauf werden niemals Freude, befürchte ich. Der Liebste meinte: Kein Problem. Wir müssen da nicht hoch. Wir müssen überhaupt nichts. Wir können einfach zurückfahren.

Taten wir dann auch. Diesmal sogar ein Stück im SlowUp-Strom. Zu einem wunderbaren Badeplatz am Zusammenfluss von Limmat und Aare. Was für eine Ruhe dort und wie gut das kühle Wasser tat!

Das Labyrinth von Chartres, welches für das Wiesenlabyrinth das Vorbild war.Ich könnte ja eigentlich heute zum Labyrinth fahren, sagte ich zu Irgendlink, als wir heute Morgen frühstückten. Genau … auf dem Rückweg vom Grenzbahnhof könnte ich dort vorbeifahren, es liegt ja fast am Weg.
Oder wir fahren nachher miteinander hin?, antwortete Irgendlink. Wir fahren einfach eine Stunde früher los.

Gesagt, getan. Weil es regnete, als wir das Dorf erreichten, fuhren wir auf Feldwegen direkt zum Labyrinth statt unten zu parken und hochzuspazieren. Kaum oben angelangt, hörte der Regen auf.

Doch was für eine Enttäuschung! Das Labyrinth war nicht wirklich auf den ersten Blick als solches sichtbar; halb zugewachsen, überwuchert lag es da. Wäre da nicht die Info-Tafel gewesen, hätten wir es vermutlich gar nicht bemerkt. Unsere Lust, es zu begehen, hielt sich in Grenzen.

Das Bild zeigt eine Luftaufnahme des Wiesenlabyrinths an einem wolkigen Sommertag unter blauem, wolkigem Himmel. Im Hintergrund Hügel und Wälder.
Quelle: http://www.labyrinth-international.org/labyrinth-remigen-ag.html

Aber es nicht zu begehen war dann doch keine Option. Wenigstens ein paar Schritte hinein mussten wir tun.

Ich wählte den Weg nach rechts, der, wie ich später auf der Grafik sah, eigentlich gar kein Weg war. Weil die Spur nicht wirklich gut sichtbar war, spielte das für mich keine Rolle. Wirklich verlaufen kann man sich in einem Labyrinth ja nicht. Auch Irgendlink schritt das Labyrinth ab. Beide hatten wir den Blick auf die Füße gerichtet, da es nicht immer ganz einfach zu erkennen war, wo eine Kurve oder eine Wendung kam. Mit diesem Blick auf den Boden auf den unmittelbar vor mir liegenden Weg, sagte ich nachher, könnte ich direkt den Blick fürs Ganze verlieren.
Manchmal kamen wir uns nah, kreuzten uns oder waren sogar auf parallelen Wegen unterwegs, manchmal war er genau gegenüber, maximal weit weg von mir. Manchmal entfernte ich mich von der Mitte, mal ging ich direkt auf sie zu, nur um im letzten Moment doch wieder eine Wendung zu nehmen, die mich weg aus der Mitte führte. Und irgendwann erreichte ich sie dann doch. Wie im richtigen Leben halt.

Etwa eine Viertelstunde waren wir still in unser Gehen vertieft. Meditativ.

Was soll ich sagen? Es hat gut getan. Die anschließende Neubewertung fiel positiv aus. Dieses halb zugewachsene Etwas inmitten einer Wiese an einem Hügel in den Fricktaler Hügeln hat mich wieder geerdet, nachdem ich am Morgen eher ein bisschen neben mir gewesen war.

Zweite Chancen haben auch Tage verdient, die in Schieflage anfangen.

Ausgelesen #23 | European Angst – Texte aus Europa

Wo aber Gefahr ist, wächst
Das Rettende auch
– Friedrich Hölderlin

Dieses Zitat am Buchanfang lässt mich innehalten. Ist das so? Kann in dieser Welt mit all ihren Polarisierungen das eine nicht ohne das andere sein? Und gilt Hölderlins Satz womöglich auch umgekehrt?

Wo Rettendes ist, wächst
die Gefahr auch.

Bedingt oder beschwört sogar unsere relative Sicherheit Gefahren herauf? Ist unsere Sicherheit letztlich nicht unter Lebensgefahr anderer gewachsen?

Angst beschäftigt fast alle auf die eine oder andere Weise. Kollektive Angst ist aus unseren Medien seit einer Weile nicht mehr wegzudenken. Ist European Angst die Ausweitung der German Angst auf einen ganzen Kontinent?

Buchcover zeigt die Großbuchstaben EA in weißer Schrift (im unteren Bilddrittel), darunter den Titel European Angst, ebenfalls in weißer Schrift. Ein bordeauxrot-violett eingefärbtes Schwarzweißbild eines Flurs mit vielen abgehenenden Türen bildet den Hintergrund. In den unteren Ecken die Verlagsnamen in weißer Schrift.
Buchcover European Angst © Goethe-Institut | Frohmann

»Mit German Angst beschreibt man im Ausland oft abschätzig das Problematisieren, Abwägen und Zögern der Deutschen, besonders dann, wenn die Gründe dafür nichtig und klein erscheinen. European Angst aber hat nichts mit stereotyper Bedenkenträgerei zu tun. Sie ist vielmehr ein Bündel starker Emotionen über viele Ländergrenzen hinweg und war deshalb ein treffender Titel für eine Konferenz, auf der über beunruhigende Entwicklungen, über Populismus, Extremismus und Europaskepsis gesprochen werden sollte.«
Quelle: https://www.goethe.de/

Entstanden ist dieses Buch an einer KONFERENZ* ÜBER POPULISMUS, EXTREMISMUS UND EUROPASKEPSIS IN GEGENWÄRTIGEN EUROPÄISCHEN GESELLSCHAFTEN. Das Goethe Institut Belgien und der Frohmann Verlag Berlin haben die entstandenen Essays auf Englisch und Deutsch in diesem Buch zusammengefasst.

Es war ein Zitat aus Herta Müllers Essay, das mich gepackt hatte:

»Als sie den verstümmelten Fuchs sah, hatte meine Mutter auch Angst. Angst um mich und Angst um sich selbst.
Sie sagte: Du liegst eines Tages tot im Graben. Dafür hab ich dich nicht großgezogen.
Und dann schluckte sie, verdrehte die Augen und sagte dazu: Andere applaudieren und verdienen Geld. Und du bringst unsere Familie in Gefahr.
Sie hatte eine doppelte Angst. Angst um mich und Angst vor mir. Diese doppelte Angst ist mir im ganzen Land begegnet. Ich bekam nie wieder eine feste Anstellung und wusste nicht, wovon ich leben soll. Ich hatte überhaupt kein Geld. Gelegentlich bekam ich eine befristete  Aushilfsstelle in irgendeiner Schule. Von der Straße kommend hörte ich das laute Summen der Stimmen aus dem Lehrerzimmer. Sobald ich die Tür öffnete und im Lehrerzimmer erschien, wurde es still wie in einer Kirche.«

Quelle: European Angst, Seite 157, Herta Müller: Freiheit ist etwas, wovor manche Angst haben und andere nicht

Neugierig geworden habe ich mir das eBook European Angst** heruntergeladen*** und bereits den einen oder anderen Aufsatz darin gelesen. Ein Buch für Ängstliche, Mutige und alle, die es wissen wollen.

Lesenswert!


*Infos zur Konferenz: hier → lang.
**Infos: www.goethe.de
***Zum Gratis-Download: hier → lang.

Depression zwischen Buchdeckeln #5 – Sörensen hat Angst von Sven Stricker

Ich kenne nicht viele Romane – insbesondere kaum Krimis –, die glaubwürdig ProtagonistInnen mit psychischen Problemen zeigen. Betonung auf glaubwürdig. Oft werden gerade Krankheiten wie Depressionen und Zwangs- oder Angststörungen oder auch Eigenschaften wie Hochsensibilität oder Autismus in Büchern sehr klischeehaft dargestellt und überstrapaziert. Was wenig zu Aufklärung, Toleranz und mehr Verständnis beiträgt, eher Vorurteilen weiter Vorschub leistet.

Darum möchte ich hier zukünftig in loser Folge das eine oder andere Buch, das sich in dieser Hinsicht von der Masse abhebt, vorstellen und die eine oder andere Figur ein bisschen bekannter machen. Und vielleicht sogar über die für einmal wieder offene Kommentarfunktion einen Buchtipps-Austausch ermöglichen.

Buchcover zeigt im oberen Bildteil den Autornamen in Schwarz, darunter den Buchtitel in Weiß. Das gemalte Hintergrundbild zeigt einen regengrauen Himmel, darunter klassische Friesenhäuschen am Deich und vorne rechts, im Vordergrund, einen schwarzgekleideten Mann mit einer schwarzen Wollmütze, der mit dem rechten Zeigefiger die Haut unter seinem rechten Auge herunterzieht. Sein Blick ist melancholisch.Anfangen will ich mit Sörensen hat Angst von Sven Stricker. Zugegeben, die Geschichte selbst ist trotz ihrer Dramatik nichts wirklich Neues. Die Qualität des Buches macht für mich hier einmal mehr Schreibstil und Figurenzeichnung aus. Strickers Protagonisten und Protagonistinnen sind fühlbar, dreidimensional, ambivalent; auch mag ich die Dialoge.

Auf den ersten Blick schreibt Stricker eher locker, leicht ironisch, abgeklärt. Je näher wir Kriminalhauptkommissar Sörensen jedoch kommen und ihm beim Leben über die Schulter blicken können, desto deutlicher wird, dass seine auf den ersten Blick abgeklärte Fassade reiner Selbstschutz ist. Einzig mit seinem Vater, einem Nerd der ersten Stunde, den er im Laufe der Geschichte um ein paar Recherchen bittet, spricht er explizit über seine Angststörung.  Als Leserin bekomme ich dennoch ein anschaulisches, glaubwürdiges Bild eines Lebens mit Angststörung und Depression. Therapie und Medikation inklusive.

Sörensen hatte sich nach einem Zusammenbruch und der Trennung von seiner Frau nach Katenbüll in Nordfriesland versetzen lassen und gehofft, der kleine Ort würde ihm ein ruhigeres und stressfreieres Leben als in Hamburg bescheren. Es ist Herbst und regnet ununterbrochen in Katenbüll. Die Einheimischen verhalten sich Sörensen gegenüber so kühl wie das Wetter. Als kurz nach Sörensens Ankunft auf dem kleinen Stadtrevier die Meldung eintrifft, Bürgermeister Hinrichs liege tot im eigenen Pferdestall, bleibt Sörensen nichts anderes übrig als hinter die Kulissen der Kleinstadt zu blicken.

Mit Jenni, seiner Kollegin und Malte, dem Praktikanten, macht er sich an die Aufklärung eines Mordes, auf den die Menschen im Ort sehr unterschiedlich reagieren. So richtig traurig scheint allerdings niemand zu sein. Als am gleichen Abend Jan, der zwölfjährige Sohn des Bürgermeisters, verschwindet, am nächsten Morgen eine stadtbekannte Gammlerin tot aufgefunden und tags darauf schließlich auch noch der Hotelier erschossen wird, bekommt es Sörensen wirklich mit der Angst zu tun. Wie soll er dieses Chaos bloß aufklären?

Eben noch hatte er dank Adrenalinschub ein Verhör geführt, sich dabei souverän gefühlt und eloquent, hatte sogar seine innere Unruhe integrieren können, und ja, er hatte sogar Spaß gehabt –» und jetzt wieder das. […] Nicht lebenstauglich, das war die Diagnose, immer noch nicht lebenstauglich, egal ob in Katenbüll, Hamburg oder New York, egal, ob mit Tabletten oder ohne, ob therapiert oder nicht.« (S. 116*)

Dass er zwischendurch ziemlich in Schwung kommt, tut ihm gut. Und immer mal wieder ist die Angst auf einmal weg. Doch »… just in dem Moment, als er das dachte, war es auch schon wieder vorbei damit. So war das meistens. In dem Sekundenbruchteil, in dem er bemerkte, dass er angstfrei war, kam die Angst zurück. Die Angst davor, dass alles wieder von vorne losgehen würde. Was es dann augenblicklich tat.« (S. 159*)

Gerade hatte er erfolgreich eine ziemlich merkwürdige Pressekonferenz hinter sich gebracht und war zurück ins Revier gegangen. Dynamisch hatte er zwei Steinstufen aufs Mal genommen, als alles wieder kippte: »… Malte hing schon wieder am Telefon, verzweifelt versuchend den Lärm zu übertönen. Sörensens Selbstvertrauen schwand, die Kraft verließ ihn im gleich Maße wie die Sinneseindrücke ihm schlagartig zu viel wurden. Die Umgebungsgeräusche verschmischten sich, sammelten sich, spuckten sich wieder aus, mit Nachhall und im falschen Raum. Einzelne Stimmen waren nicht zuzuorden, Gesichter verschwammen, der Pulsschlag beschleunigte sich, das Herz klopfte gegen den Brustkorb, der Blutdruck stieg in den roten Bereich, dazu dröhnte die Klimaanlage, war die auch schon vorher da gewesen, diese verdammt noch mal beschissen laute Klimaanlage?« (Seite 287*)

Zum Glück ist da wenigstens noch Cord, ein Mischlingshund vom Nachbarhof, der bei ihm Schutz vor Schlägen sucht und den er darum kurzerhand adoptiert.

Dass er im Laufe der Ermittlung auf ziemlich viel Mist stößt, den Jenni in Katenbüll so nicht erwartet hätte, muss hier natürlich auch erwähnt werden. So viel Mist, dass selbst Jenni die Kotze hoch kommt. Und »… er hatte wieder dieses asthmatische Gefühl, das man so leicht mit echten Lugenproblemen verwechseln konnte, dabei war das doch alles die Psyche. Alles war die Psyche. Sörensen war mittlerweile geneigt, so ziemlich das ganze Leben auf seine Psyche zu schieben, auf sein vegetatives Nervensystem, auf seine Angstzustände.« (S. 295*)

Ole, jener aufmerksame junge Mann, den Sörensen ganz am Anfang der Geschichte als Autostopper kennengelernt hatte, nennt schließlich am Ende des Buches Sörensens Angststörung beim Namen. Uff, durchschaut!

Wie lebt es sich an einem Ort, an dem dich die Leute durchschauen? An dem sie wissen, dass du krank bist?

Sven Stricker hat mit Sörensen eine sympathische, ambivalente Figur geschaffen wie ich sie mag. Selbstreflektierend und humorvoll; und niemals macht sich der Autor über die Krankheit und ihre Symptome lächerlich.

Ich bin schon jetzt gespannt auf die Fortsetzung, die Ende September erscheinen wird.


Sörensen hat Angst gibt es auch als Hörspiel. Es ist noch eine Weile online: hier oder auch hier (direkt).

Rowohlt Taschenbuch/eBook
ISBN: 978-3-499-27118-2
Print: 432 Seiten, *eBook: 317 Seiten
Print/eBook: je € 9,99, Fr. 14,90/12.–

Wochenendimpressionen

Was für ein Wochenende! Am Freitagnachmittag fuhren wir via Bern, meiner alten Heimat, ins Schwarzenburgerland. Ans Schwarzwasser. Einem jener Flüsse, denen ich in meinen Berner Jahren oft einen Besuch abgestattet habe – allein oder mit Freundinnen und Freunden und natürlich auch mit dem Liebsten.

Schon auf der Fahrt hatte sich der Himmel zu überziehen begonnen, doch das hinderte uns nicht daran ins Schwarzwassertal hinunterzusteigen. Unten, bei einer kleinen Brücke, die eine Art Kreuzung in vier Richtungen darstellte, beschlossen wir vor der Brücke nach links zu gehen, als uns von rechts zwei Frauen entgegen kamen. Die rechts sieht ja aus wie R., murmelte ich und es dauerte ein paar Sekunden, bevor ich erkannte, dass es sogar R. war. Was für ein Zufall! Vorhin waren wir an ihrem Haus vorbeigefahren und ich hatte noch laut überlegt, dass wir ja eigentlich …

Nun begrüßten und umarmten wir uns herzlich und ließen uns für später zu einem Tee einladen. Und, falls wir wollten, auch zum Übernachten. Mal schauen, sagten wir, und: Bis später!

Zuerst aber wollten wir einfach das Schwarzwasser begrüßen. Ins Flusstal waten. Uns badend abkühlen. Schwül war es und ab und zu fielen ein paar Regentropfen vom sich bewölkenden Himmel. Die Temperatur fiel ein wenig. Ach, herrliches Schwarzwasser! So viele Steine zum Türme bauen. Steine und Wasser und Bäume und relative Stille. Wie gut das tut!

Auf einem Fels, der aus dem Wasser ragte, baute ich ein Steinmännchen, wie ich es noch nie gemacht hatte. In die Schräge hinein baute ich es, wie ein Terrassenhaus, dabei versuchend, wie ich es im Leben ja oft genug übe, den unidealen Voraussetzungen zu trotzen. Definitiv schwieriger als ein Steinmännchen auf ebenem Untergrund. Es wurde deutlich weniger hoch als manche andere, die ich schon geschaffen hatte, zu fragil war das Gleichgewicht, zu unsicher der Untergrund.

Langsam wurden die Füße dann doch ein bisschen kühl vom Wasser und auch der Regen schien es langsam ernst zu meinen. Wir zogen uns wieder um und wanderten zurück zum Auto. Nach einem kleinen Abstecher nach Schwarzenburg, um noch dies und jenes einzukaufen, fuhren wir auf einen Tee zu R., um mit ihr über das Leben und das Reisen zu philosophieren. Ihr Übernachtungsangebot lehnten wir allerdings ab, obwohl Regen angesagt war, denn wir hatten uns innerlich auf ein Zeltwochenende eingestellt und wollten endlich einmal Bern vom Eichholz-Camping aus erleben.

So fuhren wir nach Wabern auf den Aare-Campingplatz Eichholz. Bisher kannte ich dieses Areal ja nur von unzähligen Spaziergängen zwischen dem Aareufer und ebendiesem Zeltplatz. Jetzt aber wollten wir es wissen. Kaum hatten wir uns angemeldet und Fr. 38.50 für Übernachtung, Duschjetons, Parkkarte und Tickets für den öffentlichen Verkehr bezahlt und uns einen schönen Platz für unser Zelt aussuchen wollen, fing es richtig heftig zu regnen an. Spontan fuhr uns ein Zeltplatzeinweiser mit Fahrrad und Schirm voran und lotste uns in eine schmale Lücke zwischen zwei Wohnwägen, wo wir das Auto kurz, zum Ausladen, abstellen durften. Nachher müsse das Auto aber wieder raus. Unter den Bäumen, in einer vielleicht sechs Meter schmalen Lücke zwischen anderen Zelten, war es relativ trocken und so bauten wir ebendort, mangels Alternativen, in Rekordzeit und halbwegs trocken unser Zelt auf. Während Irgendlink das Auto wieder herausfuhr, befüllte ich unsere Matten mit Luft, packte die Schlafsäcke aus und schon bald hatten wir es schön gemütlich. Im Zelt dem Regen lauschen hat was – echt jetzt! – und so richtig heftig regnete es inzwischen eh nicht mehr. Zwischendurch war sogar das Murmeln der Aare zu hören. Je später und dunkler es wurde, desto aktiver und lauter wurden allerdings die Menschen in den Zelten um uns herum.

Während wir uns etwas Feines kochten, überlegten wir, ob es wirklich so eine tolle Idee gewesen war, mitten in der Hochsaison auf einen vollen Stadt-Camping zu gehen. Zumal für uns zwei Schwedenverwöhnte. Nun denn … Wir haben ja zum Glück einen Fußball … und auch sonst geht es uns gut.

Zwei Finger in kleinen Fußballschuhen, die einen kleinen Fußball gegen einen Fuß als Tor schubsenUnd  tatsächlich wurde es gegen 23 Uhr still und in der Nacht hätte man kaum glauben können, dass hier einige hundert Menschen schlafen.

Geplapper im Nachbarzelt, es war noch vor sieben Uhr, weckte mich. Wie ein angestoßener Dominostein setzte sich das Geplapper fort und schon bald war der Campingplatz wach.

Beim Tee- und Kaffeetrinken beschlossen Irgendlink und ich, dass wir das Zelt abbauen und doch bei den Freunden, die uns zum Abendessen und Übernachten eingeladen hatten, übernachten würden. Jedenfalls, wenn sich der Wetterbericht für Sonntag doch noch zum Guten wenden sollte. Außerdem gab es die Option, nach dem Abendessen bei unseren Freunden auch einfach nach Hause zu fahren. Mal schauen.

Irgendlink fotografiert den Zytglogge-Turm, eins der Wahrzeichen Berns

Um zwölf trafen wir uns mit Freundin M. (2) auf der Münsterplattform, einem beliebten zentralen Treffpunkt hinter dem Münster, von welchem aus man ’von oben herab’ auf die Aare und die Quartiere am Fluss blicken kann. Gemütliches Zusammensein. Einfach schön, solche Menschen zu kennen!, dachte ich, wie schon oft.

Dank des Citytickets für den öffentlichen Verkehr konnten wir ohne Parkplatzsorgen vom Stadtzentrum zur Col-Art-Austellung fahren, wo wir an einem Col-Art-Workshop teilnahmen. Zu neunt malten wir an acht verschiedenen Bildern. Demokratisch, gemeinschaftlich, miteinander – so der Grundgedanke der Kunstrichtung Col-Art/Kollektive Kunst, die heuer 50 Jahre alt wird.

Acht bunte Bilder auf Holzboden mit vielen sehr unterschiedlichen Bildelementen, Acryl auf Papier.Gründer Marc Kuhn stellt einen Monat lang mit großem Engagement im alten Tramdepot Bilder aus fünfzig Jahren Col-Art aus. Diese Ausstellung läuft noch bis Ende Juli.

Mehr Infos gibt es hier: https://agenda.bernerzeitung.ch

Später holen wir das Auto auf dem Campingplatz und parken im Quartier unserer Freunde. Gemütlich ist es. Die kleine Tochter giggelt uns fröhlich und die inspirienden Gespräche und das feine Essen tragen ebenfalls zu einem tollen Abend bei. Müde legen wir uns schlafen. Am Morgen werden wir vom Singsang des Töchterleins sanft aus dem Schlaf gelotst. Wir freuen uns über das gute Wetter und beschließen, die Idee, im Jura wandern zu gehen, umzusetzen. Nach all den vielen nährenden Gesprächen der letzten beiden Tage ist es uns nach Natur und Stille. Und Bewegung.

Nach einem gemütlichen Frühstück und einem Schlenker zum nahen Friedhof fahren wir ins Traverstal, wo die Areuse schluchtet und der Creux du Van das Staunen lehrt.

Eine natürliche Felsenarena gewaltigen Ausmaßes ist er, der Creux du Van. Um die hundertsechzig Meter hohe, senkrechte Felswände umschließen einen vier Kilometer langen und über einen Kilometer breiten Talkessel. Gewaltig, wunderbar, ehrfurchtgebietend!

Über vierzehn Kurven wanderen wir von Noiraigue aus zum Plateau hoch und genießen hier eine Weite, die es so nur in den Bergen gibt.

Auf dem Weg bergauf wünschten wir allen Leuten, die unsere Wege kreuzten, freundlich Bonjour. Kaum oben auf dem Plateau angekommen, hören wir schnell damit auf. Viele Menschen teilen mit uns die Fernsicht und das spektakuläre Erlebnis. Viele allerdings fahren mit dem Auto zum Bergrestaurant hoch und flipflopen sich am Abgrund entlang um das ultimativ spektakulärste Bild schießen zu können. Zum Glück hat es genug Platz für alle.

Wir umrunden den Krater an seiner Oberkante und steigen auf der anderen Seite der Felsarena wieder abwärts. Die ersten drei oder vier Kilometer sind wieder sehr steil, wie schon beim Aufstieg, auch der Rest hat es in sich. Und geht ganz schön in die Beine. Ich bin auch langsam müde von all den vielen Eindrücken, Begegnugen und Gedanken.

Auf den letzten Kilometers des Abstiegs verbiege ich mir dummerweise irgendwie das Knie, sodass ich, wegen der stechenden Schmerzen, nur noch ganz langsam gehen kann, doch wir haben es zum Glück nicht eilig.

Auf der Rückfahrt nach Hause bin ich tief entspannt. Und sehr dankbar für dieses nährende Wochenende.


*Hier der Streckenlink  zu unserer Wanderung und hier eine Karte:

[googlemaps https://www.google.com/maps/embed?pb=!1m48!1m12!1m3!1d12957.644763816841!2d6.719252184244211!3d46.94185714983779!2m3!1f0!2f0!3f0!3m2!1i1024!2i768!4f13.1!4m33!3e2!4m3!3m2!1d46.952214!2d6.7259079999999996!4m3!3m2!1d46.946290999999995!2d6.7170217999999995!4m4!2s46.93637%2C+6.72082!3m2!1d46.93637!2d6.72082!4m4!2s46.9309%2C+6.725294!3m2!1d46.9309!2d6.725294!4m4!2s46.9322%2C+6.731075!3m2!1d46.932199999999995!2d6.731075!4m3!3m2!1d46.9418759!2d6.7351404!4m4!2s46.951683%2C+6.726872!3m2!1d46.951682999999996!2d6.726871999999999!5e0!3m2!1sde!2sch!4v1532349413979&w=600&h=450]

Mehr Infos:
Wiki
http://wegwandern.ch
www.schweizmobil.ch
www.wanderungen.ch

Dass du nicht mehr leben willst. Ein Brief | #Depression #notjustsad

Lieber Mensch

Du sagst, dass du keine Kraft mehr hast, weiterzuleben. Dass das Leben so weh tut, dass du es kaum mehr erträgst. Ich sehe deine Tränen. Ich spüre deinen Schmerz. Ich höre dir zu, halte dich und weine mit dir. Ich versuche, zu verstehen, auch wenn ich weiß, dass das nicht wirklich geht.

Du magst nicht mehr leben. Immer wieder sagst du es.

Die Fragen, die ich mir stelle, wenn ich dich das sagen höre, sind vielleicht nicht die, die sich die meisten anderen stellen. Ich studiere zum Beispiel definitiv nicht über deine Zwangseinweisung in die Psychiatrie nach. Und nein, ich studiere auch nicht darüber nach, wie ich dich retten könnte.

Ich versuche einfach nur zu fühlen, wie du dich wohl fühlst. Ich nehme dabei wahr, was dir jetzt weh tut, aber ich nehme auch wahr, was früher war. Was du schon alles erlebt hast. All das, was dich schon als sehr junger Mensch immer wieder aufgerieben hat. (Natürlich gelingt mir das nicht ohne Vergleiche mit meinen eigenen Wunden, doch solange ich mir dessen bewusst bin und nicht von mir auf dich schließe, ist das in Ordnung. Zumal ich ja deine Wunden nicht heilen kann. Ich kann bestenfalls Salbe auftragen.)

Ja, es ist eine verdammte Scheiße, was dir da alles passiert ist, was du alles erlebt hast. Was dich alles geprägt hat. Schrecklich auch, dass damals niemand da war, der dir geholfen hat. Nein, niemandem dürfte das passieren, auch nicht Teile davon. Kein Mensch darf einem anderen Menschen solche Dinge antun! (Auch wenn man selbst kaputt ist, darf man andere Menschen nicht kaputt machen.) Es geschieht dennoch. Tagtäglich.

Ich spüre dein Leid. Manchmal ist es für mich als Zuhörerin schier unerträglich schmerzhaft. Wie viel schlimmer muss es dann für dich sein?

Ja, ich verstehe, dass du nicht mehr leben magst.

Die Fragen, die ich mir stelle, sind nicht: Wie kann ich dich retten? Wie kann ich verhindern, um jeden Preis, dass du dir etwas antust, dass dir das Leben nimmst?

Damit wäre dir nicht geholfen, nicht wirklich. Ich darf dich nicht zum Leben zwingen.

Die Fragen, die ich mir stelle, lauten: Womit kann ich dich überzeugen, dass sich ein Weiterleben lohnt, trotz all des erlebten Bullshit, trotz all der Feindseligkeiten auf dieser Welt und in deiner Umgebung, trotz all der existentiellen Ängste, die in deinem Leben sehr real sind? Wie kann ich dir erlebbar machen, dass du um deinetwillen ein liebenswerter Mensch bist, auch wenn du keine Kraft mehr hast? Wie kann ich dich unterstützen? Wie kann ich dazu beitragen, dass die Welt ein Ort ist, auf dem es sich auch für Menschen, die keine Kraft mehr haben, erträglich leben lässt.

Ich bin die Letzte, die es verurteilen oder nicht verstehen würde, wenn du eines Tages genug hast und den Tod wähltest. Du würdest eine große Lücke hinterlassen, nicht nur bei mir, bei anderen, aber ich würde es akzeptieren.

Ich wünsche mir, dass du nicht in erster Linie aus Rücksicht auf andere hier bleibst, am Leben. Ich wünsche dir, dass du in erster Linie dir zuliebe leben kannst.

Ja, das ist es, worüber ich nachdenke, während ich dir zuhöre. Während ich deine Tränen sehe. Während ich deinen Worten und deinem Schmerz lausche.

Mögest du entdecken, wie gut es sich anfühlt, dir zuliebe zu leben.
Mögest du dich lieben, von Kopf bis Fuß, immer ein bisschen bedingungsloser, immer ein bisschen befreiter vom Denken und den Rückmeldungen anderer.

Du bist es wert. Du bist liebenswert.


Ich habe diesen Brief für dich geschrieben – und für dich und dich auch. Und ja, ich habe ihn auch für mich selbst geschrieben. Für den Fall, dass ich es mal wieder vergessen sollte, dieses Liebenswertvollsein.

Inspiriert hat mich unter anderem ein Text, den ich heute im Blog Dare to be mad gelesen habe. Er heißt Ein paar Worte zu Suizid:

Ich zitiere:
»Es macht mich unendlich traurig, wenn ein Mensch so lange gekämpft hat, eine Zeit lang sogar glücklich war, therapeutisch an sich gearbeitet hat, für andere viel bedeutet hat, anderen Betroffenen helfen konnte und so viel zu geben hatte und am Ende doch unter der Last seiner seelischen Wunden zusammenbricht. Chester Bennington wurde als Kind sexuell missbraucht. DAS hat ihn umgebracht. Wenn einer schuldig ist, dann die Täter aus seiner Kindheit. Manchmal ist das, was Menschen erleben und erleiden mussten, so unendlich furchtbar, dass sie nicht mehr damit leben können. Therapie hin, liebevolle Familie her. Es zerreißt mir das Herz, wenn ein Mensch psychisch so schwer verletzt ist, dass ihn nichts Heilendes mehr erreicht.«

Du fehlst | Die Anthologie

Ohne dich

Als du auf einmal nicht mehr da warst, blieb die Welt nicht stehen. Auch mein Atem floss weiter und sogar mein Herzschlag setzte nicht aus. Heute jedoch bekomme ich kaum Luft, wenn das Leben besonders scharfkantig auftritt. Auch das Holpern kam erst später.

Als du auf einmal nicht mehr da warst, sah meine Welt noch fast gleich aus wie vorher. Aber nichts passte mehr.

Seit du nicht mehr da bist, ist da, wo du warst, nur noch dieses Loch. Auch nach all den Jahren ist deine Absenz zuweilen schier unerträglich.

Du fehlst mir.

Deine Stimme, wenn du „Mama!“ sagtest. Wie du es sagtest. Wie ein Lied. Ach, und deine Stimme, wenn du beim Spielen mit deinen Kuscheltieren vor dich hin gesungen hast.

Und wie du mir vorgesungen hast, dass du mich lieb hast. Nur wenige Wochen, bevor du für immer gegangen bist.

Weiterlesen?

Am 20. Juli erscheint das Buch DU FEHLST, für welches ich obige Geschichte geschrieben habe. Eine von fünfzig Geschichten, die aus 730 Beiträgen für das Buch DU FEHLST ausgewählt wurde.

60% des Erlöses gehen an Hospize und helfen so Menschen dabei, Leben, Abschied und Sterben so würdig wie möglich zu gestalten

Buchcover mit Titel, Untertitel, Herausgeberschaft und in der Mitte einer verblühten weißen Lilie, halb fotografiert, halb gezeichnet.
Buchcover

Einen Blick ins Buch gibt es auf der Verlagsseite > q5-verlag.de
Zu kaufen wird diese Anthologie in allen Buchhandlungen sein.

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Ich mag die Texte, die ich bisher gelesen habe, sehr. Das Buch eignet sich gut als Geschenk für Menschen, die einen lieben Menschen verloren haben.

Dass neben dem Text einer lieben Freundin auch einer von Irgendlink mit im Buch ist, freut mich ganz besonders und obwohl ich die anderen Autorinnen und Autoren nicht kenne, stehe ich voll und ganz hinter diesem Buch.

Ich hoffe, dass es viele Menschen lesen, teilen, verschenken und sich bewusster und intensiver mit unser aller Vergänglichkeit auseinandersetzen.

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In eigener Sache:
Dieser Tage bestelle ich einige Exemplare beim Verlag. Wer das Buch gerne über mich beziehen möchte, damit ich (und/oder Irgendlink) eine kleine Widmung hineinschreiben kann, darf mir gerne eine Mail schreiben.

(Die Preise sind die gleichen wie im Buchhandel: € 19.99/ca. 24 Fr. zuzüglich Versandkosten.)

Plädoyer fürs Umvollkommene

Ja, das muss so. Dieses M im Titel war eigentlich ein der Müdigkeit geschuldeter Tippfehler, doch als ich ihn korrigieren wollte, lachte er mich aus:
Du plädierst für Unvollkommenheit und willst mir an den Kragen? Wie konsequent ist das denn bitte?

Seit bald zwei Wochen steht dieser Text hier. So ungefähr jedenfalls. Als Entwurf. So lange schon tüftle ich also an Sätzen und Aussagen herum. Gestern habe ich sogar statt ’speichern’ versehentlich ’veröffentlichen’ angeklickt und darum war der Artikel etwa zehn oder zwanzig Sekunden online. Schnell habe ich ihn wieder aus dem Netz geholt, denn er war ja noch gar nicht fertig. Noch nicht perfekt genug. Äh …

Ob Vollkommenheit im umvollkommenen Zustand nicht doch irgendwie viel erträglicher ist?
Anders gefragt: Sind wir denn nicht alle schon irgendwie vollkommen. Alles da. Eigentlich. Aber eben. Es gibt da so viel zu feilen, so viel zu perfektionieren, so viel zu bedenken, zu verändern, zu machen. Obwohl alles da ist. (Schrödingers Vollkommenheit sozusagen.)

Ist Perfektionismus womöglich eine Vermeidungsstrategie, die darauf hinzielen soll, uns unverletzbar zu machen?
Unverletzbarkeit, Unangreifbarkeit – zwei Schutzbedürfnisse, denen wir mit viel und gleich noch mehr Selbstoptimierung entsprechen wollen. Je schneller die Welt sich dreht, desto besser müssen wir sein. Meinen wir, sein zu müssen.

Ich kenne vor allem junge Frauen, die der Selbstoptimierung, dem Selbstoptimierungswahn verfallen. Noch besser, noch schöner, noch bezaubernder, noch erotischer, noch deeper wollen sie sein. Dass die sozialen Medien diesem Wahn Vorschub leisten, ist bekannt. So viel Schein ist mir suspekt …

Wie las ich neulich?

»Das polierte Glück der andern schmälert das eigene

Soziale Plattformen, auf denen «schöner leben» zelebriert wird, wirken in dieser Hinsicht wie mächtige Neidgeneratoren. Allein schon die schiere Zahl an Vergleichsmöglichkeiten mit hunderten von Freunden kann unser Selbstbewusstsein strapazieren.«

Quelle: www.srf.ch/kultur/netzwelt/

Wir messen und vergleichen. Ständig. Und wir setzen uns ständig unter Druck. Und noch mehr Druck. Ob bei der Arbeit oder in der Freizeit – Hauptsache wir haben eine glatte Fassade. Alles dreht sich darum, den Ansprüchen zu genügen, die wir denken, dass andere sie an uns haben. Oder wir selbst. Denn auch das ist Perfektionismus: Wir halten uns nur bedingt liebenswert, solange wir nicht unsern hohen Ansprüchen genügen, die wir an uns haben. (Dieses Wir meint alle, die sich betroffen fühlen. Ich kenne da so einige …). Ich behaupte, dass das hier eine Ursache für viele Krankheiten ist.

Bis zu einem gewissen Grad kann uns Konkurrenzkampf ja inspirieren und herausfordern, etwas Neues auszuprobieren, aber jener Konkurrenzkampf, der heute oft praktiziert wird, ist lebensfeindlich, lebensgefährlich. (Vergessen wir dabei aber nicht, dass am meisten Druck von uns selbst kommt.) Bei all dem aus Angst geborenen, oft sehr existentiellen Druck, dem so viele Menschen ausgesetzt sind, ist uns das Miteinander abhanden gekommen. Im Blick auf den eigenen Kampf verlieren wir den solidarischen Blick aufs große Ganze. Und ja, das meine ich durchaus auch politisch.

Umso mehr freue ich mich immer, wenn ich inmitten all der Schlammschlachten in den Medien eine Perle finde. Menschen, die einander unterstützen. Wie in diesem kleinen Film, den ich neulich schon auf FB und Twitter geteilt habe.

Das ist der > Spendenlink.

Oder, oder, oder …
Ja, es gibt sie, diese Menschen. Und ich ziehe vor ihnen dankbar meinen Hut, auch wenn ich selbst im Moment aktiv nicht viel tun kann.

Was ich zu tun versuche:

  • Nicht wegschauen, aber beim Hinschauen den Fokus immer wieder auf Heilsames zu richten versuchen (was mir oft nicht gelingt)
  • Mir bewusst machen, woher der ganze Druck kommt, der so viele Menschen erfasst und sich an Feindbildern vollfrisst. Es ist die Angst mit all ihren Gesichtern. Angst vor dem Fremden, Angst vor dem Unbekannten, Angst vor der Zukunft. (Sie wirkt auf viele wie eine Droge, sagte Irgendlink neulich. Sehe ich auch so.)
  • Mir bewusst machen, dass wir alle miteinander verbunden sind.
  • Mir bewusst machen, dass wir alle eine Art Werkeinstellung in uns haben, die auf ’Lebenserhaltung und Gemeinschaft’ programmiert ist. Wäre. Ist. (Leider ist dieses Programm bei ganz vielen Menschen aus vielerlei traurigen Gründen nie installiert und konfiguriert worden, viele von uns haben stattdessen mehr oder weniger ständig den Notfall- und Überlebensmodus eingeschaltet.)
  • Mir bewusst machen, dass ich mit meinem ’göttlichen Kern’ (Seele, innere Mitte etc.) verbunden sein kann, wenn ich das will.
  • Mich mit meinem ’göttlichen Kern’ verbinden.

Ich ahne, dass es letztlich die Verbundenheit mit diesem ’göttlichen Kern’ in uns ist, die uns hilft, wenn wir Hilfe brauchen. Verbundenheit mit mir selbst, mit meiner Mitte, mit meinem göttlichen Inneren, mit diesem mit allem und allen verbundenen weisen Zellkern. Könnte er es gar sein, der auf uns aufpasst, der uns unterstützt, wenn wir ihn brauchen, zumal er ja nicht an Zeit und Raum gebunden ist? (Von all den göttlichen Theorien scheint mir das eigentlich die Nachvollziehbarste. Zumal ich nicht an einen Gott außerhalb von uns Wesen glauben kann. Aber ich kann auch nicht an nichts glauben.)

Schon seit längerem bin ich davon überzeugt davon, dass jegliche Religion, jeder Glaube, jede Spiritualität, jede Lehre, jedes Dogma, jeder kluge Gedanke und jede esoterische oder sonst wie geartete Weisheit ein Flop ist, wenn wir sie praktizieren ohne mit uns selbst – mit unserm weisen Kern – verbunden zu sein. Und damit meine ich jetzt weder Hokuspokus, noch Gebete, noch Rituale (die können, müssen aber nicht, dabei helfen). Ich meine schlicht und einfach diese innere Selbstverbundenheit: Auf sich hören. Sich spüren. Sich selbst wahrnehmen. Sich vertrauen. Klingt einfach. Der Weg dorthin ist allerdings zäh, denn wir haben möglicherweise Erfahrungen gemacht, die dazu beitragen, dass wir den Zugang nach innen nach und nach verbarrikadiert haben.

Du musst nicht dem Leben vertrauen, sagte einst sinngemäß eine kluge Frau zu mir, denn das Leben ist gefährlich. Du hast selbst erlebt, dass sich von einer Minute auf die andere alles verändern kann. Das Leben ist unberechenbar. Die Natur, die Welt, die Erde ist unparteiisch, neutral, wild. Es ist ratsamer, wieder dir selbst zu vertrauen, wieder Vertrauen in dich zu finden. Den Mut finden, dich in deinem So-Sein, in diesem Schwachsein, in diesem Unvollkommensein anzunehmen.

Dich auszuhalten in deinem So-Sein.
Zulassen statt verändern.
Sein statt werden.
Das Chaos in dir tolerieren.
Im Frieden sein, mit dem, was ist.

Und genau darum geht es mir, bei diesem meinem Plädoyer zum Umvollkommenen: Lasst uns wieder menschliche Menschen sein. Menschen, die es wagen, andere um Hilfe zu bitten. Die es wagen, zu sein. Die es wagen, schwach zu sein. Und die es wagen, zu fallen. Lasst uns einander Raum geben, zu fallen. Und einander aufzufangen.

Ein vollkommenes Leben gibt es nicht. Keine noch so schöne Blüte ist vollkommen, und wenn auch nur darum, weil sie eines Tages verblüht. Und auch die Hochglanzmenschen in den Medien, die so tun, als ob alles gut sei, haben ihre wunden Stellen.

Ich darf so sein – du darfst so sein.
Ich muss nicht erst etwas werden – du musst nicht erst etwas werden.
Ich bin – du bist.
Unvollkommen.
Unperfekt.
So what?

»Manchmal frage ich mich, ob wir statt Durchhalteparolen zu verbreiten, nicht besser daran täten, jemandem weich aufzufangen, damit er sich endlich fallen lassen kann«, twitterte ich neulich.

Und jetzt klicke ich einfach auf ’Veröffentlichen’, auch wenn dieser Text noch sehr umvollkommen ist.
So what?

Ein Ferienreise-Bilderbuch | #kursnord

In meinem Bildern reise ich hier nochmals von Süddeutschland nach Nordschweden, südwärts durch Mittelschweden, Norddänemark und zurück nach Hause.

1. Etappe (11. Mai – 15. Mai 2018)
An den ersten beiden Tagen reisten wir durch Deutschland und Süddänemark und erreichten am zweitern Abend die Öresundbrücke und Malmö. Von dort aus fuhren wir an den nächsten Tagen immer weiter der Ostseeküste entlang nordwärts.

Link zur ungefähren Karte: hier klicken.

Mehr Infos zur historischen Steinuhr in Kåseberga gibt es hier.

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2. Etappe (16. Mai – 22. Mai 2018)
Von Oknö aus ging es weiter an die Hohe Küste. Vorbei an Stockholm – zum Frühstück nach einer Wildzeltnacht nach Uppsala – und weiter Richtung Hudiskvall, Härnösand und Norrfällsviken, dem ’Kern’ unserer Reise.

Zum ungefähren Kartenlink: hier klicken.

Screenshot der Reisekarte

Mehr Infos zu Axmar bruk gibt es hier.

Mehr Infos über die Hohe Küste und den Nationalpark Skuleskogen gibt es unter anderem hier.

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3. Etappe (23. Mai – 27. Mai 2018)
Von der Hohen Küste fuhren wir südwärts über Uskavigården und Örebro nach Göteborg.

Zum ungefähren Kartenlink: hier klicken

Screenshot des Kartenausschnittes

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4. Etappe (28. Mai – 1. Juni 2018)
In Göteborg nahmen wir die Fähre nach Frederikshavn in Dänemark. Am dänischen Nordzipfel haben wir eine Nacht gezeltet und sind schließlich der Nordseeküste entland via Rømø zurück nach Deutschland gefahren.

Zum ungefähren Kartenlink: hier klicken

Ich bedanke mich bei allen, die mitgereist sind.

Wieder daheim | #kursnord – im Rückblick

Würden wir überhaupt wegfahren, wenn wir über das Land, das wir bereisen wollen, im Voraus schon alles wüssten? Ich meine: so richtig wissen. Wissen, wie die Menschen in diesem Land, wie die Politikerinnen und Politiker ticken. Wie sie über Flüchtlinge denken zum Beispiel, oder wie sie mit ihren Ärmsten umgehen, mit Randgruppen, mit Kranken. Wie sie sich wirtschaftlich – gegenüber anderen Staaten und in eigenen Land – verhalten. Wie sie Umweltschutz konkret umsetzen. Wie sie mit ihren Minderheiten umgehen. Wie sie forschen und wie sie lehren. Was für ein Schulsystem sie haben. Wie sie über Fremde denken.

Hätte ich Schweden bereist, wenn ich alles über dieses Land wüsste. Oder auch nur schon mehr wüsste als ich tatsächlich weiß? Anders gefragt: welche Fakten und welches Wissen würden mich hindern?

Das perfekte Land gibt es nicht. Vieles an Schweden mag ich, vieles betrachte ich heute – nach meiner fünften längeren Reise durch Schweden – deutlich weniger weichgezeichnet als noch vor Jahren. Und manches hat sich eben schlicht auch verändert in den letzten Jahren. (Ich schrieb darüber, ansatzweise zumindest.)

Dennoch erlaube ich mir auf Ferienreisen auch mal einfach nur das Offensichtliche zu sehen. Die Natur zum Beispiel. All die schönen Plätze. Die fast überall sehr freundlichen Menschen. Ich verhalten mich unkritischer, als ich es sonst bin und erwarte für einmal nicht hinter jedem Glücksmoment einen Hammer. Uafassend wahrnehmend, ja, das schon, aber für einmal nicht alles hinterfragend. Natürlich könnte ich nicht auf Dauer so leben – so unkritisch, so oberflächlich – aber für die Dauer von drei Wochen habe ich es mir erlaubt.

Ich habe es mir erlaubt, zu genießen. Das fast ständig gute Wetter. Die Schönheit der Natur. Die Weite. Die gute Meerluft. Das Barfußlaufen über Sand- und Felsstrände. All die Sonnenuntergänge. Die Kiefernwälder. Die Gerüche von all den vielen Blumen und Blüten. Der Wind auf meiner Haut. Das entspannte Fahren auf ruhigen Straßen. Die Sprache mit ihren fremden Lauten und Buchstaben. Spaziergänge durch Wälder und Städte. Unsere Wanderungen.

Im Sieb der Erinnerung bleiben letztlich diese kraftspendenden Erlebnisse. Obwohl es all die anderen natürlich auch gab. Die kalten Nächte an der Hohen Küste zum Beispiel oder die müden Beine nach unserer Zwanzigkilometer-Wanderung, doch schon jetzt stelle ich fest, dass die mühsamen Momente schon fast nicht mehr abrufbar sind.

Well done, Sofasophia!

Meine Batterien fühlen sich seit langem das erste Mal wieder so richtig aufgefüllt an und ich hoffe, dass ich diese Energie halten kann.

Ferien machen ist nicht schwer,
Alltagsleben umso mehr?

Wir werden sehen.


[Die Bilder sind nun auf unseren Rechnern und vielleicht werde ich in den nächsten Tagen noch eine Galerie einstellen. Mal schauen.]