1001. Herzgespinst

Ohne es zu merken habe ich neulich den 1000. Blogartikel des Sofasophia-Blogs geschrieben. Ein bisschen schwindlig macht mich der Gedanken ja schon, dass ich 1000 Artikel innerhalb von fünf Jahren und etwa dreieinhalb Monaten (2040 Tage um genau zu sein) geschrieben haben soll.

1000ArtikelDurchschnittlich habe ich also jeden zweiten Tag gebloggt und pro Artikel durchschnittlich 4,769 Kommentare erhalten, wenn ich meine eigenen abziehe. Wenn ich die Zeiten abziehe, in denen ich – wie jetzt – die Kommentarfunktion ausgeschaltet habe, müssten es pro Artikel mehr als 5 Kommentare sein. Ja, ein klein bisschen macht mich das froh, dankbar und … stolz (das letzte eins meiner Reizwörter).

Zahlen. Manchmal schmeicheln sie uns und unserer Eitelkeit und wir bilden uns ein, das heißt, ich bilde mir ein, dass das was ich das schreibe und schrieb, irgendwie für andere relevant sei. Nur schon irgendwie relevant zu sein klingt nach einer Wichtigkeit, die ich sowohl haben als und nicht haben will. Schrödingers Katze und Shakespeares Hamlet gleich will ich sein und nicht sein zugleich.

Wie sagen die buckligen Verwandten doch so schön, wenn Klein-Hanna den Schlüssel für ihr Eigenheim in Händen hält? Es ist „etwas“ aus ihr geworden. Eine umgangssprachliche Formel für eine erfolgreiche Karriere, die mich immer gestört hat, geschmerzt sogar. Denn so gesehen bin ich ja eigentlich nichts geworden, trotz der vielen schönen Ausbildungen. Zu wenig machte ich mir bisher aus Besitz und Titeln, aus Eigenheim und Karriere.

Wie ich vorgestern Abend mit dem Liebsten nach einem Beinah-Hitzschlag die relative Abendkühle – nur noch 29 Grad war es – genoß, sofasophierten wir wie schon so oft über die Kunst, das Menschsein, das Leben und die Fähigkeit, darin wahrhaftig zu sein. Aus den Anfangszeiten meiner Bloggerei stammt mein Text Die Echte werden, die Echte sein. Schon damals trieb mich die Sehnsucht, dass mein Tun, ob nun im Bereich von Kunst oder von Broterwerb echt, wahr, authentisch sei. In meinem Plädoyer über das Wesen der KünstlerInnenseele dachte ich vor Jahren schon über das Kunstschaffen als solches nach.

In beiden Texten erwähne ich nur am Rand, wie – respektive wovon – wir als Kunstschaffende leben können. Immer schon sah und noch immer sehe ich einen Widerspruch darin, meine Kunst auf meine Art und Weise zu schaffen, echt und wahrhaftig zu sein und das Erschaffene kommerziell zu nutzen. Ich weiß inzwischen, dass die meisten Menschen diese Art zu denken nicht nachvollziehen können.

So sprachen wir zwei also neulich über die Grenze zwischen jenen Kunsterzeugnissen − Bildern und Texten −, die unserem Innersten entspringen und jenen, die wir erschaffen, weil wir wissen, dass wir damit irgendwie erfolgreich sein und Gefallen finden werden; dass wir damit den allgemeinen Geschmack treffen und auf Resonanz stoßen werden.

Meine Fähigkeit und -bereitschaft mich einer breiten Masse anzupassen, um anerkannt oder gesehen zu werden, ist allerdings rasant geschrumpft. Einen Text so und so gestylt resp. gesellschaftscodiert zu schreiben, dies und jenes Thema zu diskutieren, weil es gerade in aller Munde ist, jene Redewendung zu verwenden, weil es alle tun … ich kann es fast nicht mehr tun. Und einfach nur schreiben, damit ich mal wieder etwas geschrieben habe? Nein, auch das geht nicht mehr. Und künstliches Aufbauschen eines Themas schon gar nicht. Keine Ahnung, wo das noch hinführen wird.

Ich fühle mich zuweilen wie ein einst feingeschliefener Stein, der sich zurückverwandelt in seine kantige, ungeschliffene Urform. Obwohl ich zugleich und dennoch das Gefühl habe, nebenbei ein bisschen weiser und ein wenig reifer geworden zu sein und es noch zu werden.

Eine Brücke will ich dennoch bauen. Eine, die Kunst und Kommerz versöhnt, will heißen: Eine Brücke, die wahrhaftige Kunst nicht per se von kommerzieller Nutzung ausschließt. Ich will an meiner Denkerei arbeiten, neubewerten. Weil: es gibt sie ja wirklich, die wahrhaftige Kunst, die auch von einer großen Menge als wahrhaftig, berührend und wertvoll erkannt und anerkannt wird. Umgekehrt ist nicht alles, was laut beworben und gehyped wird, automatisch Bullshit (obwohl ich da misstrauisch bleibe).

Fazit: Nicht immer hat der Kunstkaiser auch wirklich keine Kleider an, manchmal trägt er sogar welche und manche gar aus handgesponnener Seide.

Eitelkeit – dieses Wort muss nun doch nochmals getippt werden. Fast jede Form von Eitelkeit widert mich an, wobei mir bewusst ist, dass ich vielleicht mit Eitelkeit andere Schubladen angeschrieben habe als du. Insbesondere jene Eitelkeit meine ich, wo Talent mit der Fähigkeit, sich gut und gewinnbringend verkaufen zu können, verwechselt wird, insbesondere im Literatur- und Kunstbetrieb. Oft schon bin ich auf Buchwerbung hineingefallen und habe Bücher gekauft oder ausgeliehen, die mir als Bestseller angepriesen worden sind. Nur um enttäuscht festzustellen, dass die hochgepriesene Geschichte für meinen Geschmack viel zu viel Weichspüler und viel zu wenig Knochen am Fleisch hat.

Der Anspruch, in meinen Blogs nur noch Dinge zu publizieren, die in meinem Inneren herangewachsen sind, ist ein hoher. Selbst bei Twitter werden meine Ansprüche an mich (und an das, was ich bei anderen lesen mag) immer höher. [Klar ist letztlich die Tagesform entscheidend. Manchmal finde ich nämlich fast alles doof, kindisch, kitschig, unreif, krank, was ich dort lese (fast wie bei FB) und manchmal finde ich auf Twitter viel Weisheit, Ermutigung und herzlich Humorvolles, dass es mir nachher, nach dem Lesen, tatsächlich besser geht.] Ich vermute, es liegt nicht immer nur am Gelesenen, es liegt genauso oft an mir und meiner Stimmung und an meiner Sehnsucht. Diese Sehnsucht nach wahrer, nach wirklicher Wirklichkeit, nach Wandlung, nach Schönheit und Heilwerden.

Denn das ist es, was ich will mit meinem Leben und mit meinem Schreiben. Immer weiter gehen, die Echte werden und eben auch – selbst wenn ich damit andere vor den Kopf stoße -, keine faulen Kompromisse mehr eingehen. Weder in Sachen Brotjob noch in jenen Lebensbereichen, wo es um meine Herzensanliegen geht, wo es um den Ausdruck geht, um die Kunst, ums Schreiben. Vor allem dort nicht. Und so will ich auch in meinem 1001. Blogartikel und weiterhin über jene Themen schreiben, die mir wichtig sind.

Wenns bei dir oder dir resoniert, schön.
Wenn nicht, auch gut.

Ich danke dir, dass du da bist.

gleich und anders | Der Film

Vor etwas über einem Jahr führte ich ein Vorgespräch für die neue Film-Doku »gleich und anders« des Schweizer Filmemachers Jürg Neuenschwander. Mitgemacht habe ich dann doch nicht, aus verschiedenen Gründen. (Einer war sicher, dass mir das ziemlich enge Zeitfenster nicht passte, in dem die Filmbeiträge aufgenommen werden sollten, weil ich genau in dieser Zeit in Schweden sein würde). Dennoch habe ich das Projekt in Gedanken begleitet. Auch wurde ich zwischendurch über Aktuelles informiert und zur Première eingeladen.

Auch dort war ich dann doch nicht dabei, habe den Film also noch immer nicht am Stück gesehen. Bestellt ist er aber und gesehen habe ich inzwischen auch schon einige der Porträts, die freundlicherweise auf der Webseite gezeigt werden.

Portrait Kathia Vonlanthen

Portrait Philipp Zürcher

Portrait Stefan Peter

Wer verstehen will, wie Menschen, denen man von außen nicht ansieht, dass sie zwar gleich, aber doch irgendwie anders sind, dass sie zum Beispiel nicht gleich leistungsfähig sind wie die sogenannte Norm, wird hier einige Antworten bekommen.

Bestellen kann man den Film hier (klicken). Und im Kino sehen kann man ihn hoffentlich auch bald.

Und noch eins

Noch ein Jubiläum? Nun ja, kein rundes. Aber ich mag eigentlich alle Jahrestage und Geburtstage. Sie sind viel persönlicher als andere religiöse Jahresfeste, mit denen ich ja kaum was am Hut habe.

Schon um Mitternacht fing es an. Kaum hatte die Anzeige auf 00:00 gewechselt, wurde ich schon reich beschenkt. Kurz vorher war der Liebste heimlich aus dem Wohnzimmer geschlichen und mit einer Ladung kleiner und größerer Päcklein zurückgekommen. Hach. Symbolisches und Handfestes, Süßes und Humorvolles … Ich komm‘ kaum nach mit Hachen.

Wie bestellt, blinzelt am Morgen die Sonne durchs Dachfenster und weckt uns grinsend. Mein Handy blinkt und piepst, kaum habe ich es eingeschaltet. Auf allen möglichen Kanälen trudeln Glückwünsche ein. Ich bin gerührt.
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Ein Engel am Himmel schaut uns beim Frühstück über die Schulter

Der Liebste deckt liebevoll den Tisch auf der Wiese und wir planen den Tag. Am Haspelshiedter Stausee baden ist das eine, eine kleine Wanderung ist das zweite, was ich mir wünsche. Warum eigentlich nicht Geocachen?

Später gucke ich nach Caches dort in der Nähe und ich lade drei auf mein Handy, damit wir – immerhin ist es ja Frankreich dort – auch ohne Netz unsere Ziele finden können.

Und dann geht’s los! Den ersten Cache finden wir schnell. Dazu sind wir erst die zweiten, die ihn loggen. So ein Glück aber auch und quell‘ honneur!

Später parken wir das Auto am See und wandern hügelan. Querwiesein schlüpfen wir unter Zäunen durch, finden einen tollen Hochsitz und schließlich die Höhlen von Polissoir d’Haspelshiedt.

Wow!

Die Cache-Koordinaten sind schnell gefunden, doch da der Cache sowohl am Fuß der Sandsteinfelswand als auch auf der Hochebene versteckt sein könnte und wir ihn unten nirgends finden, steigen wir, so wie es in der Cachebeschreibung auf einem Bild angezeigt wird, aufwärts. Der Trampelpfad steigt steil an und schließlich werden wir, wenn auch unser neuer Standort nur etwa zehn Meter höher als der Vorherige ist, mit einer wunderbaren Weitsicht belohnt. Hier irgendwo muss er sein, der Cache. Ich nähere mich behutsam dem äußeren Ende des gerade eben noch begehbaren Teils, zu meinen Füßen einzig ein wenig Gebüsch und ganz viel Abgrund. Ich halte mich an einem aus den Felsen ragenden Ast fest und taste mit der linken Hand die Wand nach möglicherweise unsichtbaren Nischen ab, in denen sich ein Cache verstecken halten könnte. Auf einmal gibt der Ast nach, an dem ich hänge, und ich trete erschrocken einen Schritt nach hinten, um das Gleichgewicht wieder zu erlangen. Doch da ist ja nicht wirklich was, worauf ich stehen könnte, außer einem bisschen Gebüsch und ganz viel Abgrund. Meine Reflexe funktionieren zum Glück einwandfrei. Ein kleiner Schrei und ein großer Griff nach den Büschen retten mir das Leben. Ich hänge mit beiden Händen und zappelnden Füßen im Fels, schmiege mich an die Wand und atme erschrocken aus. Sofort kommt Irgendlink angerannt und reicht mir die Hand. Puh. Glück gehabt. Den Cache lassen wir Cache sein und beschließen sogar, auf dieses Abenteuer hin, auch den dritten Cache sich selbst zu überlassen.

Noch eine ganze Weile rast mein Herz, Dankbarkeit, Staunen und die seltsam fatalistische Erkenntnis, dass ich noch lebe, erfüllen mich bis zum Rand. Am See, mit einem Leckeis in der Hand, durchdringt mich auf einmal eine tiefe Ruhe. Ein bisschen fühle ich mich schon fast wie neugeboren. Wir suchen uns einen schönen Badeplatz und nun hält mich nichts mehr zurück. Ich schwimme drauflos, lasse mich auf dem Rücken treiben, begreife, wie lebendig ich bin und da ist einfach nur Glück in jeder Zelle. Und ja, ich weiß mich jetzt doppelt neugeboren – aber sowas von!

Wir halten ein kleines Nickerchen, genießen den Frieden dieses Spätnachmittags und schließlich fahren wir durch die wunderbar märchenhafte Wald-Wiesen und Hügel-Landschaft zurück auf den Hof. Wir bauen ein schönes Feuer und grillen uns ein feines Abendessen. Kaum sind wir fertig, trudelt ein erster Überraschungsgast ein, bald darauf noch zwei andere.

Kurz und gut, ich mag Geburtstage.

Sieben Jahre

ScreenieBlogjubiläum

Heute vor sieben Jahren habe ich meine ersten WordPress-Blogartikel in die Welt entlassen. Hierlang geht’s zum ersten (hier klicken); darunter habe ich ein paar nicht am 7. Juni verfasste Texte gepostet, die ich zuvor in meinem damaligen Webtagebuch publiziert hatte. (Ja, das ich schon vor einiger Zeit vom Netz genommen.)

Sieben Jahre lang habe ich mich nun also nicht nur mit Sofasophien, Fallmaschen und Herzgespinsten, sondern auch mit der WordPress-Software auseinandergesetzt. Oft genervt, oft beglückt. Und ja, seither hat sich viel getan. Nicht nur in der virtuellen Welt, auch in der realen.

Zum Beispeil war ich damals definitiv belastbarer, oder sagen wir es mal so: Ich verhielt mich so als sei ich belastbarer. (Dabei konnte ich mich damals vielleicht nur noch besser belügen als heute, mir noch selber besser vormachen, dass …).

Je ne regrette rien.

Ich danke euch, liebe Leserinnen und Leser, die ihr hier regelmäßig oder sporadisch hinein schaut, mitlest, mitträumt, mitlacht, mitweint und hin und wieder − da ich Ende 2015 die Kommentarfunktion ausgemacht habe −, per Mail oder über andere Kanäle die eine oder andere Rückmeldung zu meinem Geschreibsel hinterlasst.

Angefangen habe ich damals bei null AbonnentInnen, heute zeigt mein Followertacho die hübsche Zahl 1098. Gut, da sind die paar fb-FreundInnen mitgerechnet, die Pappnasen von Twitter und die Handvoll Tumblr-LeserInnen. Und nein, es ist nicht diese Zahl, die es ausmacht, es ist eher die Qualität, die sich hinter dieser Zahl versteckt. Diese Menschen alle. Ihr. Du, du und ja, auch du!

Viele wunderbare Menschen habe ich dank meines Blogs kennengelernt. Einige sogar im echten Leben. Ja, sogar richtige Freundschaften sind entstanden. Nein, ich bereue nichts.

Danke euch allen.

Lebensreisende sein

Inzwischen sind wieder alle Bilddateien auf meiner großen externen Festplatte nach Jahr und Monat geordnet. Zwar hatten sie sich von der kaputten Festplatte retten lassen, aber seither und bis vor kurzem hatten sie unter einem nichtssagenden Namen in nichtssagenden Riesenordnern ohne chronologische Logik gelegen hatten – quasi unerreichbar und unbrauchbar. Endlich wieder Ordnung also?

Ja, schon, aber …. denn auf ebendieser externen Festplatte sind nun sowohl die Originale als auch deren Systembackups sprich Dateikopien gespeichert. Damit habe ich nun die meisten Bilder doppelt. Außerdem liegen da auch Bilder, die im Laufe der Jahre über Downloads von Webseiteninhalten auf meinen Rechnern gelandet sind, in meinen schönen neuen Monatsordnern.

Kurz und gut: Mir bleibt nichts anderes übrig, als auszumisten, als Ordner für Ordner und Jahr für Jahr alle Bilder durchzugehen und die doppelten Bilder zu löschen.

Irgendlinks Softwaretipp das Listen und Ausmisten der Duplikate einer Software zu überlassen, will bei mir nicht funktionieren. Die ganz offensichtlich vorhandenen Duplikate werden vom Programm nicht als solche erkannt und gelistet. Ich werde also händisch − wie gestern − weitermachen, denn ob ich die doppelten Bilder nun in der Anwendung oder im Ordner einzeln anklicke, macht aj keinen großen Unterschied.

Soweit so gut. Gestern Nachmittag habe ich also, nach einem intensiven Arbeitsmorgen an der Schule (mit dem letzten Schulkonzert während meiner Zeit als Musikschulsekretärin) an die ältesten Bilderordner gesetzt.

Die Jahr 2000 bis 2003 waren bei mir eine noch fast digitale-Bilder-freie Zeit. Damals − dies war meine Zeit als Mutter (immerhin drei Jahre lang) − haben wir zwar bereits unsere analog aufgenommenen Bilder zeitgleich mit dem Abziehen- auf CD brennen lassen, doch nur wenige haben es damals dauerhaft auf die Festplatte meines damaligen Laptops geschafft. Eigentlich sind es sogar nur ein paar, doch sie zeigen mich mit meinem damals noch quicklebendigen Sohn und ich schlucke leer.

Mit dem Kauf meiner ersten digitalen Sonyshot im Frühling 2004 stieg meine Bildquantität schlagartig. Nicht, dass die Qualität jener Bilder mit den heutigen, die ich mit dem iPhone oder der Nikon mache, mithalten könnte, dennoch spüre ich hier bereits zuweilen, wie sich mir ein kreativer, experimenteller Weg auftut. Damals arbeitete ich noch mit Windoo und einer (dunkelgrauen) Photoshop-Version. Und schon damals mochte ich es, technische Geräte und Programme auszuprobieren. Das Webseite-Bauen (mit einem simplen halbgrafischen Programm) habe ich mir also ebenso wie das Bildbearbeiten selbst beigebracht. Vor allem über Try & Error. Damals wie heute komme ich mit Bedienungsanleitungen, Tutorials und Co. nicht wirklich gut klar, da ich alle geschriebenen Theorien immer gleich nach dem Lesen und Sehen wieder vergesse. Ich muss etwas verstehen können, die Logik dahinter fühlen, und ich muss einen Prozess in der Praxis erleben, muss etwas mit meinen Händen tun können, damit ich mir einen Vorgang merken kann.

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Müüsli
Stellanera – längst im Müüslihimmel
Tja und so klicke ich mich also heute weiter durch mein Leben. Erinnere mich. Grinse zuweilen. Über die Mäuse zum Beispiel. Hach meine Mäuse! Anno Tubak 2005 und 2006 muss das gewesen sein.

Ich reise weiter durch mein Leben. Werde meine Lebensreise betrachten. Werde zurückblicken. Werde, was ich da mit Schnappschüssen illustriert habe, zu verstehen versuchen. Werde meine Gedankenspuren aufnehmen und den roten Faden auf- und abwickeln … Entwicklungen betrachten.

Dankbar bin ich über die menschliche Fähigkeit zur Reflexion.

Das Ding mit dem Glück

Was mich glücklich macht? Wenn ich mich einlassen kann, mit Haut und Haar, wenn ich das Grübeln lassen und wenn ich das, was ich tue, mit voller Hingabe tun kann – ohne Hin- und Herzuspringen, ohne Unterbrechungen, ohne Ablenkungen; wenn ich mich ins Tun vertiefen kann und nicht schon mit den Gedanken beim Nächsten To do, das auf meiner unendlich langen Liste steht, bin; wenn ich Ja sagen kann zum Moment und nicht nach hinten und nach vorn schauen muss …

Wenn – dann … so einfach ist es manchmal, das Ding mit der Hingabe. Wenn Hingabe, dann Glück. Nun ja, natürlich geht die Gleichung nicht immer auf, das Leben ist ja weißGöttin nicht ideal, und oft bin ich es mir nicht bewusst, dass ich nur ein bisschen an der inneren Haltung schrauben müsste, um dem Glück Zugang verschaffen zu können.

Manchmal wiederum ist es einfach einfach, das Ding mit der Hingabe und die Gleichung – wenn Hingabe, dann Glück – geht *schwupps* einfach auf.

Zwei Zauberwörter sind es nur, die es manchmal braucht:
Jetzt
und
Ganz.

Gestern dieser Spaziergang durch den dämmernden Wald mit dem Liebsten. Diese Schale Carameleis mit Waldbeeren auf dem Sofa. Dieses Sein. Den Worten lauschen. Sprechen. Schweigen.

Manchmal kommt das Glück auch ganz unvermutet. Beim Zähneputzen zum Beispiel oder beim Geschirrspülen gar. Beim Schreiben sehr oft. Und manchmal sogar bei der Büroarbeit.

Hauptsache ich lasse mich ein. Und ich lasse mich nicht ablenken – weder von außen noch von mir selbst. Denn Ablenkung ist es vor allem, die mich krank macht.

Und, so denke ich gestern Nacht vor dem Einschlafen, das ist es wohl, was sich die Werbung, was sich die Wirtschaft zunutze macht und in bare Münze umwandelt: Unsere Bereitschaft zur Ablenkung ist das Glutamat des Kapitalismus, der Kommerz- und Konsumgesellschaft (zu meinem Glutamat-Artikel bitte → hier klicken).

Süchtiggewordene sind wir, Getriebene, lechzend nach Impulsen, nach Ablenkungen, nach Konsumzöix, bereit, uns manipulieren und formen zu lassen. Diese neue Unzufriedenheit lässt uns Dinge tun, die wir, wären wir Glückliche, nicht täten, nicht bräuchten.

Ich nenne sie neu, diese Unzufriedenheit, die mit der alten, von Mangel und politischen sowie gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten genährten, nur noch wenig gemeinsam hat. Die Melodie der Unzufriedenheit vielleicht, den unablässigen Wunsch nach Veränderung und den Ruf nach mehr und noch mehr.

Wären wir Glückliche, wir wären anders. Und wir würden anders handeln. Vielleicht würden wir weniger tun, mehr lassen, und vielleicht würden wir mehr dort handeln, wo es nicht nur uns etwas bringt. Und wir würden, das ist meine Hauptthese, weniger konsumieren, weil wir weniger hungrig nach jenen Dingen wären, die zwar dem Gaumen schmeicheln, das Herz aber nicht satt machen.

(Als Kind stellte ich mir vor, wie es wäre, wenn sich jeder Zustand wie Masern anstecken ließe. Dass sich Glücklichsein zum Beispiel oder Zufriedenheit wie eine Krankheit verbreiten könnten. Wer weiß das schon so genau?)

Wären wir Glückliche, würden wir nie oder wohl nur selten darüber nachdenken, dass wir es sind. Wir wären es einfach.

Immer mehr von immer weniger

Immer wieder gelange ich an Orte in mir drin, an denen ich das Bedürfnis habe, nichts teilen zu müssen/sollen/wollen. An denen ich nicht mehr das Bedürfnis habe, etwas teilen zu müssen/sollen/wollen. Nicht Dinge, keine Angst, ich schreibe von Gedanken, Erfahrungen, Innenansichten.

Aber so ganz stimmt es so auch wieder nicht, denn wenn ich in mir an diesen Orten bin, twittere, elloe oder instagrame ich dafür zuweilen mehr als sonst. Irgendwo ein Ventil nach außen brauche ich dann wohl doch. Aber vielleicht sind es von solchen Orten aus weniger die komplexen Gedanken, die nach außen wollen, eher so die Spitzen derselben, getarnt oder verpackt in einem Bild, einem kleinen Satz, in einer Flapsigkeit womöglich sogar.

Zu anderen Zeiten und an anderen Innendrin-Orten sind es komplexe Gedanken, sind es Geschichten, sind es Ärgernisse, sind es Alltagsfreuden, die ich nach außen tragen will/muss/soll.

Das Ventil. Ich nannte es hier neulich auch die Erlösung(en). Denn das ist es ja. Überdruck. Ein Zuviel im Innen, das nach außen schwappen will, damit ich nicht platzen muss. Und wenn ich mir dann vorstelle, dass es anderen ähnlich geht und wir alle tagtäglich unser Zuviel, unsere Eindrücke, unsere Erlebnisse, unsere Erfahrungen ausspucken, Verzeihung ausdrücken wollen, müssen, können, wird mir manchmal ganz schwindlig. Es ist so viel. Alles. Zu viel. Ich nehme das Viele zuweilen auf, verarbeite es in mir drin weiter, doch dann ist ja wieder noch mehr in mir drin, was raus will.

Und so weiter und so fort.

Ein Kreislauf, den ich manchmal genial und manchmal total krank finde. Nicht, dass das früher total anders gewesen wäre, als wir Menschen noch nicht alle diese Möglichkeiten gehabt hatten, uns auf so vielen unterschiedlichen Kanälen auszukotzen, nur glaube ich, dass sich an unserer Haltung etwas geändert hat. Wir leben mit Selbstverständlichkeiten, die wir nicht mehr grundsätzlich in Frage stellen. Warum auch. Da wir die Möglichkeiten haben, nutzen wir sie auch. Angebot und Nachfrage.

Heute, als ich am Vormittag im Büro schuftete, kam der Chef kurz vorbei, um vor dem langen Wochenende noch ein paar Sachen zu klären. Als wir die geschäftlichen Dinge besprochen hatten, erzählte er noch kurz von seiner gestrigen Autopanne und sprang von dort auf das heutige Einkaufs- und Konsumverhalten.

In zehn Jahren, oder vielleicht schon viel früher, sagte er, wird es in den Läden keine Kassiererinnen mehr geben. Da werden wir unsere Einkäufe selbst scannen müssen, wir werden übers Handy bezahlen und die ganze Verantwortung liegt bei uns. Wir müssen dann sogar, obwohl die Geschäfte ja unser Geld wollen, noch selbst den Bezahlvorgang abwickeln, für die da arbeiten. Findest du das nicht auch ziemlich schräg?

Nun ja, du kannst gerne in einen teureren Laden gehen, wo du bedient wirst und mit dem Preis auch die Dienstleistung mitzahlst. Aber solange du dich für das Immer-billiger entscheidest, musst du eben auf die Dienstleistungen und auf die Menschen, die diese erbringen, verzichten. Wir können nicht Immer-billiger haben ohne den einen oder anderen Abstrich zu machen. Das ist es, was ich zuweilen total schräg finde an unserer Haltung als Konsumierende: Wir wollen für immer weniger Geld immer mehr geboten bekommen.

Es geht, denke ich jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, schlussendlich immer auf Kosten von jemandem. Wenn ich wählen kann, dann doch lieber auf Kosten von uns Wohlstandsverwöhnten als auf Kosten von BilligarbeiterInnen.

Das ist zum Beispiel so ein Ort in mir drin: Die Wahrnehmung von Ungerechtigkeiten, von Ungleichgewichten. Ein Ort, an dem ich mich nicht gerne aufhalten, weil er mich verstört, weil ich mich darin hilflos fühle. Und dann, ich gestehe es, erlaube ich mir, die Türe zu diesem Ort hin und wieder zu schließen, mich an andere Orte mit einer weniger schmerzhaften Umgebung, zu begeben. Über Ungerechtigkeiten habe ich schon so viel geschrieben, geweint, nachgedacht, getrauert, dass ich es bisweilen für überflüssig halte, noch mehr darüber zu schreiben. Bringt ja eh nichts. Andererseits: Wenn wir sie nicht benennen, werden sich die Dinge auch nicht ändern.

Die Dinge nicht und auch die Gedanken einer Mehrheit von Menschen nicht, die nicht wirklich über Zusammenhänge nachdenkt. Und auch die Zusammenhänge werden sich nicht ändern. Es ist ja schon verflixt: Weil das eine das andere bedingt, auslöst, voraussetzt, können wir ja nicht einfach hingehen und es ändern. Denken wir.

Und ich frage mich, ob das wirklich stimmt. Was, wenn …

Und so frage ich mich jetzt, ob es etwas bringt, dass ich diese Gedanken hier veröffentliche. Klar, mir hilft das Schreiben beim Gedankenverdauen, beim Zur-Ruhe-kommen, doch muss ich sie deswegen veröffentlichen? Muss ich sie teilen? Muss ich Teil dieser Schaut-her-was-ich-denke sein? Will ich es? Brauche ich es?

Ist das da, was wir in den Blogs und sozialen Medien von uns geben nicht einfach Hirnwichserei? Und darum, nun ja, darum werde ich diesen Artikel nun doch veröffentlichen. Und weil es doch auf einen Text mehr oder weniger nicht ankommt. Ihr müsst ihn ja nicht lesen.

Diese Sehnsucht nach Erlösung

Was genau ich geträumt habe, ist nicht relevant, zumal ich mich nicht mehr erinnere. Woran ich mich aber genau erinnere, ist, dass ich um Lösung, Erlösung, Auflösung herum geträumt habe.

Eine der Erinnerungsspuren zurück in die Traumhandlungsebene befasste sich mit Druckaufbau, mit Leistungsdruck, mit Pflichten, mit Erwachsensein vielleicht auch − doch möglicherweise kam diese Ebene erst dazu, als ich bereits in jener Phase kurz vor dem Aufwachen war, wo Träume es sich zuweilen anders überlegen und sich zurückziehen, um nicht die Schwelle zur materiellen Realität überschreiten zu müssen. (Ob sie den Schmerz ahnen, die Träume, der auf sie wartet, vielleicht, falls sie wahr, falls sie real würden? Und wäre es denn Schmerz?)

Was brauche ich? Was tut mir gut? Zwischen Notwendigkeiten und Luxus ist ein großer Graben. Was brauchen das Kind-in-mir wirklich? Und was brauche ich erwachsener Mensch? Was brauche ich wirklich um der Wirkung, der Wirksamkeit, der Wirklichkeit willen und um sie zu ertragen? Was erfüllt mich, was erlöst mich, was heilt und was nährt mich? Was wendet Situationen, die wie Sackgassen aussehen und mir Angst machen?

Sind es letztendlich weniger die Dinge an sich, Materie und Umfeld, als vielmehr die Bewegungen, die Handlungen, unsere Hingabe und Zuwendung, ein Blick, eine Berührung, die uns erlösen?

Wenn ich so um mich schaue (oder/und weil ich von mir auf sie schließe), dünkt mich das ganze Paket, das manche Freundinnen und Freude so mit sich herumtragen, verdammt groß und schwer. Unlösbar schwer?

Brauche ich, brauchen wir alle vielleicht deshalb im Alltag immer wieder unsere Erlösungen?
Ist das Leben nicht ein einziges Spannungsbogen aufbauen und Spannungsbogen abbauen?
Spannung
und Erlösung.
Hin zu mir,
weg von mir.
Ewiges Auf und Ab,
endliches Kreisen.

Ja, ich brauche Erlösungen. [Und ich vermute, dass sogar ein Mord eine Art Selbsterlösung sein kann, zuweilen, auch wenn das für mich keine Option ist. Außer vielleicht im Lesen von Krimis.]

Wie ich mich am liebsten erlösen lasse? Zum Beispiel durch eine wunderbare, mit dem Liebsten zusammen gekochte Mahlzeit. Durch den gemeinsamen Gaumengenuss. Oder − wie gesagt − von Geschichten anderer in Büchern und Filmen. Auf Wanderungen und Radtouren erlöst mich die Natur. Immer ist es wohl diese Hingabe an den Augenblick, ans Jetzt, die mich erlöst, zuweilen beinahe auflöst. Mich in mir. Wie im Orgasmus. Oder im Wasser, beim Duschen oder Schwimmen. Und im Fluss von Musik, von Stille und von Schlaf.

Ich ahne, dass die definitive Erlösung der Tod ist.

Gut gelandet

»… im Roman wäre der Flieger abgestürzt 🙂 Ne. Lief alles prima.« So twitterte Irgendlink heute Morgen auf Nachfragen, wie denn der Flug verlaufen sei.

Nun ja … vielleicht war es ja eine Schnapsidee, ihn mit dem Auto abzuholen. Zumal ich ja nicht so gerne an Orte fahre, die ich nicht kenne. Auch Orte mit verschiedenen Ein- und Ausfahrten, mit Parkhäusern und Ebenen, sind mir suspekt. Doch natürlich wollte ich den Liebsten gestern unbedingt abholen. Mit dem Zug wäre wohl einfacher gewesen. Denke ich im Nachhinein.

Nachdem ich auf Flightradar24 Irgendlinks Flugzeug bis über die französische Grenze beobachtet hatte, machte ich mich um 21 Uhr langsam auf den Weg zum Flughafen. Die Karten-App prognostizierte mir etwa vierzig Minuten Weg, die Landezeit wurde mit 22:03 angezeigt. Aussteigen, Gepäck abholen und so weiter dauert so zwischen zehn bis zwanzig Minuten. Spätestens um 22:15 wollte ich, so mein Plan, am Arrival stehen, wie in den Filmen, und dem Liebsten in die Arme fallen.

Schon bei der Abfahrt ging es los mit erschwerten Bedingungen. Statt, wie immer, zum Autobahnzubringer Richtung Zürich zu fahren, der doch einen ziemlichen Schlenker in die Gegenrichtung beinhaltete, entschied ich spontan über die Nachbarsdörfer zur übernächsten Autobahneinfahrt zu gelangen. Ich hatte, wie oft, wenn ich eine Strecke nicht so gut kenne, mein Handy als Navi eingeschaltet. Die beruhigende und wissende Stimme, die mich lotst, tut mir oft sehr gut. Diesmal jedoch machte sie mich nervös, denn da war eine Baustelle, die das Navi nicht kannte, eine Umleitung, und so wollte die Dame, dass ich Dinge tue, die ich gar nicht tun konnte. Wegen gesperrter Straßen.

Natürlich fand ich die Autobahn dann doch noch, das Navi ersetzt den gesunden Menschenverstand ja nicht. Und klar, dass es zwei verschiedene Routen zum Flughafen gibt, das weiß ich. Theoretisch. Kennen tat und tue ich bisher aber nur jene durch den Gubrist. Mein kluges Navi wusste, dass es dort einen Stau habe. So wollte es mich wohl, vor Zürich, umleiten, aber die Wegweiser ‚Zürich City‘ wollte ich partout nicht nehmen, weil, so mitten durch die Stadt, auch wenn es nur Transit gewesen wäre, ne, dazu hatte ich wirklich keine Lust. So folgte ich brav den ‚Flughafen‘-Schildern und hoffte, dass der Stau, wenn ich erstmal dort sein würde, wo er gewesen wäre, sich längst aufgelöst haben würde.

Konjunktiv, du alter Mann, zieh mal lange Hosen an.

Hatte er aber nicht, der Stau, weder lange Hose noch sich aufgelöst, und darum tat er, was er am besten konnte: Uns ausbremsen. Mitten im Tunnel. Nicht lustig das.

Etwa eine Viertelstunde später löste er sich allmählich auf und ich schaffte es auf kurz nach 22 Uhr vor den Flughafen. Vor lauter Nervosität und Vorfreude hatte ich nämlich die Sache mit den Parkhäusern nicht so richtig begriffen, den Abzweig verpasst und parkte nun, vorerst, mal auf den ‚Fünf Minuten gratis‘-Parkplätzen vor den Ankunftshallen. Das Ticket, das ich an der Schranke gezogen hatte, legte ich auf das Armaturenbrett. Ich lief in die Halle und sah auf der Ankunftsanzeige, dass Irgendlinks Flugzeug soeben gelandet war. Ob ich wohl eine Viertelstunde auf dem Fünf Minuten-Parkplatz stehen konnte? Wie wollten die das überhaupt kontrollieren? Ich ging wieder zum Auto, rollte ein bisschen näher zur richtigen Türe und wartete, mal drinnen, mal draußen, mal in der Halle. Schließlich fragte ich einen freundlich aussehenden Ordnungshüter, wie lange ich hier maximal warten dürfe. Er sagte, dass ich solange warten könne, wie ich wolle, aber dass es dann ziemlich teuer werden könne. Eine Minute koste einen Franken. Das hier seien wohl die teuersten Parkplätze der Schweiz. Ich schluckte schwer. Wo kann ich denn sonst hin?

Er erklärte mir, dass ich entweder aus der Schranke raus − inklusive vorheriges Nachzahlen natürlich − ins Parkhaus fahren oder aber die ganze Runde wiederholen könne, sooft ich wolle, denn dieser Fünf Minuten-Bereich sei als Runde angelegt. Ich könne rein und raus, sooft ich wolle. Ich beschloss, es war schon so zwanzig nach zehn und von Irgendlink hatte ich erst eine SMS bekommen, dass es noch dauern werde, erhalten, auf die Zähne zu beißen, die achtzehn Franken zu zahlen und ins Parkhaus 3, wie der nette Ordnungshüter mir empfohlen und wohin er mir den Weg erklärt hatte, zu fahren. Kaum dort, im Untergeschoß, rief Irgendlink an. Er sei vor der Ankunftshalle. Also genau dort, wo ich vor zwei oder drei Minuten meine horrende Nachzahlung geleistet hatte.

Jetzt fing das Verwirrspiel erst an, denn ich wusste vorerst nicht, wo ich war. Irgendwo auf dem Flughafen, klar, aber in einer für mich nicht nachvollziehbaren Distanz oder Nähe zu Irgendlink. Als ich endlich eine ‚Sie befinden sich hier‘-Tafel fand, wurde es ein bisschen einfacher. Oder noch komplizierter. Wir beschlossen, uns vor den Lifts auf meiner UG-Ebene zu treffen. Sein Lift konnte aber nur aufwärts, nicht abwärts. Seltsam. Dann konnten es nicht diese Aufzüge auf meiner Tafel sein, die rauf und runter konnten. Wieder telefonierten wir.

Ich schlug vor, dass er auf mich warten solle. Zumal er das ganze sperrige Gepäck − dazu das Rad kartonverpackt − zu schieben hatte. Und endlich begriff ich die traurige Wahrheit: Ich war in einem anderen Gebäude. Getrennt von ihm durch eine Straße. Eben jene, an der ich vor zehn oder fünfzehn Minuten gestanden hatte. Und als ich das endlich begriffen hatte, ja, da waren es wirklich nur noch ein paar Schritte. Zuerst wieder am netten Ordnungshüter vorbei über die Straße, dann durch die automatische Türe und schließlich in Irgendlinks offene Arme.

Hach.

Zurück, wieder am Ordnungshüter vorbei, diesmal Daumen-hoch- und Victory-Zeichen machend, in das Gebäude mit den Parkhallen galt es, meine Spur, die ich vorhin ziemlich wirr und im Zickzack gelaufen bin, wiederzufinden, denn die Brotkrümel hatten leider schon die Vögel weggepickt. Puh – war es hier? Bin ich so gekommen? Nein, hier war es. Ja. Und so fanden wir mein Auto wieder.

Das kartonverpackte Rad häuteten wir mit meinem Schweizermesser. Schlau, mein Liebster, wie er alles mit Haushaltfolie und Klebband umwickelt hatte, um es gut zu schützen. Schließlich lag alles am richtigen Ort und ich zahlte die auch hier, im Langzeitparking, nicht eben bescheidenen Gebühren. Irgendlink fuhr uns aus dem Flughafen-Areal heraus, immer Richtung Bern. Die Navi-Stimme befahl uns zwar auch diesmal wieder einen anderen Weg zu nehmen als durch den Gubrist, aber weil wir uns so viel zu erzählen hatten, ignorierten wir sie. Und landeten somit wieder im Stau. Diesmal war es aber egal. Und er war auch nicht ganz so lang. Und nicht im Tunnel. Und wir mussten schließlich heute nichts mehr. Wir hatten ja uns.

Gegen Mitternacht waren wir zuhause.

Happy End. It’s been a hard day’s night.

Und ja, es gibt echt bessere Gerüche als ungewaschene Europenner-Klamotten. Jetzt, gewaschen und sonnengetrocknet, riechen sie definitiv besser.

Pssst. Heute träumten wir von einer Blog-Reise-Radeltour zu zweit durch die USA … ich im Auto, er auf dem Radel. Und von tollen SponsorInnen träumen wir auch, die so etwas Verrücktes möglich machen.


+++ WICHTIGE INFO +++ WICHTIGE INFO +++

Das Flugzeug ist zum Glück nicht abgestürzt, dafür aber der Server, auf dem Irgendlink seine Blogs geführt hatte, das Irgendlink- und das Europenner-Blog sind quasi im digitalen Nirvana gelandet.

Vorläufig geht es hier weiter. Bitte klicken: https://irgendlink.wordpress.com/

Was ich brauche?

Eigentlich ist es ja ganz gut, dass nicht alle sind wie ich. Viele Berufe würden nämlich gänzlich aussterben, wären alle wie ich. Es gäbe zum Beispiel keine Fernseher und keine Radios, weil ich nie Radio höre und Fernsehen gucke (das Dauer-Gelabber macht mich viel zu hibbelig, Werbung vor allem, Stimmen, Reden). Es gäbe keinen herkömmlichen TV-Betrieb außer den werbefreien Mediatheken. Und es gäbe keine Metzgereien, keine Nur-Fleischgerichte-Restaurants, keine Einkaufmalls, keine Zeitungen, keine … ach, ich könnte bestimmt eine sehr lange Liste schreiben, wenn ich wollte, ich partielle Konsumverweigerin ich.

Wie gesagt: Es ist wirklich gut, dass es so verschiedene Menschen mit so verschiedenen Talenten, Interessen, Fähigkeiten gibt. Aber was wollen und was brauchen wir wirklich, wir KonsumentInnen wir?

Seit vier Jahren und einem Monat lebe ich nun in W. und kaufe seither meistens im kleinen Dorf-Laden ein. Zwar ist es eine Filiale eines der zwei größten Genossenschaftsgroßverteilers der Schweiz, aber der in W. ist eben recht klein, überschaubar und irgendwie persönlich. Dennoch mit einem ziemlich breiten Sortiment; von allem was, aber nicht von jedem Ding tausend verschiedene Produkte und Marken zur Auswahl. Meistens kaufe ich mit Rad, Rucksack und Korb ein, für eine Woche. Und meistens reichen Korb und Rucksack. Einen Einkaufswagen brauche ich nie.

Heute habe ich das erste Mal, seit ich hier lebe, bei der Einkaufsmall zwischen den Dörfern, die ich bisher immer links liegen gelassen habe, zwischengestoppt.

Ehrlich, eigentlich bin ich da ja nur hin, weil ich vermutete, dass sie das Bio-Spülmaschine-Mittel haben, das der kleine Laden nicht hat. Nun ja, das haben sie, aber sie haben eben, wie ich heute merkte, auch sonst noch ein paar Sachen. Was für eine Auswahl an Gemüsen, an Joghurts, an Käsesorten, an Vegi-Produkten! Und Bürokram auch gleich – Kopierpapier brauche ich eh bald wieder. Und diese Biersorten!

Mein Korb war längst voll, ich holte an der Kasse einen zweiten und auch den füllte ich locker. An der Kasse reichte das Förderband nicht für alles und ich fühlte mich ein bisschen wie eine Falschspielerin, wie eine mit riesiger Familie zuhause … Wobei … bald kommt ja der Liebste zurück von Spanien. Und ehrlich: der Kühlschrank ist auch fast leer …

Was ich sagen will: Es tut gut, ab und zu über seine eigenen Vorsätze, Prinzipien und so weiter zu stolpern und mal Dinge zu tun, die man sonst nicht tut, weil. Und echt jetzt: die Bio-Mandelmilch ist wirklich genial. Und ja, wirklich, mir gehts nun wieder ein bisschen besser als heute Morgen.

Auch dass ich mich mal richtig über Regen freuen würde, hätte ich auch nie gedacht. Heuschnupfen ist dann nämlich viel erträglicher.