Egal.

Ohne
Leidenschaft,
Begeisterung,
Liebe
wird alles nichts.
Mit
Leidenschaft,
Begeisterung,
Liebe
wird nichts alles.

Manchmal, ich gestehe es, manchmal
möchte ich alle Wesen
in Liebe baden und sie so
von allen ihren Wunden heilen.
Nenn es Größenwahn.
Im Grunde spielt es keine Rolle
wie viele
wie wenige
ich
mit meinem Herz,
mit meiner Liebe,
mit meinen Texten berühre.
Viel oder wenig
ist mehr oder weniger

egal.

Mitten im Yoga
zu begreifen,
dass, wenn doch
alles irgendwie
(hm, nun ja,)
göttlich
(oder so?)
ist, auch ich
es bin.
Ein Fünklein davon.
Ein Splitterchen.
Du auch.

Muss ich mich
erst fest stellen,
nur um festzustellen,
dass ich
nicht muss?
Und nichts.

Dieser Tage

Während ich diese Zeilen schreibe,
während du diese Zeilen liest,
während sie über die Straße geht,
während er den Zug besteigt,
während sie im Büro sitzt,
während sie zu Mittag essen,
während sie sich zärtlich umarmen,
während er die Seite umschlägt,
während du die Tafel putzst,
während ihr um Hilfe ruft,
während ihnen dort Hilfe gewährt wird,
während euch hier Hilfe verweigert wird,
während man dir nicht zuhört,
während du den Vertrag unterschreibst,
während sie auf dem WC sitzt,
während er vom Jagdhochsitz aus Rehe beobachtet,
während ich huste,
während er schläft,
während sie die Wände neu streicht,
während es hinfällt und wieder aufsteht,
während sie ihn auslachen,
während alle Charlie sind,
während in Nigeria Menschenrechte ignoriert werden,
während in Köln oder in Berlin eine Asylbewerberin aufgenommen wird,
während in Dresden ein Mensch begreift, dass es auch anders geht,
während sie in Zürich den Kopf schüttelt,
während er in Bern auf die Uhr schaut,
und ich hier aus dem Fenster,

fällt hier kein Schnee. Möglicherweise woanders.

HochsitzAb Februar bin ich (offiziell wieder) nur noch teil-selbständig. Ich hoffe, meine neue Arbeitsstelle wird zu mir passen wie ein paar perfekte Schuhe, wie meine bequemste Jeans und wie mein Lieblingspulli.

Während du das liest,
unterschreibe ich vielleicht gerade den neuen Arbeitsvertrag.

Und du?

Ewige Pilgerschaft

Ein Pilger ist einer, der eine Haltung sucht zu Ranken
und anderen Fesseln, doch welche? Soll ich sie
mit meinem scharfen Pilgermesser abhacken, so
schnell sie wachsen? Oder sie hegen und pflegen und
jeden Tropfen, egal welchen Wassers, auffange, um sie
in ihrem Ringen zu stärken? Liebe ist das
Geheimnis im Innern dieses Gehens. Wie
ein Hund läuft sie uns voraus aus dem Bild.*

Was willst du festhalten, Frau?
Worum sorgst du dich?
Was pflegst du?
Und was lässt du los?

Wofür gehst du?
Wofür brennst du?
Was ist das Holz,
was das Öl deines Lebensfeuers?

Und womit löschst du den Brand?
Womit deinen Durst?

Was schneidest du ab und wozu?
Was lässt du wachsen und wohin?

________________________________________

* Den ersten Abschnitt zitiere ich aus Anne Carsons Die Anthropologie des Wassers; Aus Burgos, 3. Juli.

Noch mehr Hirn- und Herzgespinnste

Wenn ich blogge, bin ich Bloggerin,
wenn ich schreibe, Schreiberin,
wenn ich twittere, Tweeterin,
wenn ich ein Pinterest-Konto habe, Pinnerin,
wenn ich ein FB-Konto habe, Facebookerin,
wenn ich Dinge mache, eine Macherin,
wenn ich denke, Denkerin,
wenn ich träume, Träumerin,
wenn ich lache, Lacherin,
wenn ich spinne, Spinnerin,
[…]
… und wenn ich aufs WC muss, was bin ich dann?
Und was, wenn ich gar nichts mache?

+

Nennt sich das, was wir tun, Multitasking? Oder einfach nur irgendwie schizophren?
Bin ich hybrid oder einfach nur chamäleonesk?
Flexibel oder einfach nur angepasst und anpassungsfähig?
Wirklich kreativ oder einfach nur eine Reste-Aufwärmerin?

+

Und nun noch ein bisschen Dada mit einigen meiner Twitterposts und -antworten

Und die andere Hälfte? Ein Bett im Wald, oooh, das hätte
ich auch gerne! Die Krawatte, nicht
den Hoodie. Mundwasserfall. Kleider aus Menschenhaut! Friedlicher als
gedacht. Wo ist das denn? Noch besser: aus-
ziehen. Shibashi? Wenn man dafür in Kauf nimmt, dass
es keinen Weg zurück gibt? Wer könnte da NEIN
sagen? Klingt nach friedlichem Kampfsport. Zwar ein
Weg, von Wille aber keine Spur, da setz‘ ich mich mal
hin, was mach ich hier nur? Tastaturschrei. Für die Liste
für die Pille. Hier müsste es auch Triggermel-
dungen geben, personalisierte! Schlimmer als jeder Zaun-
pfahl. Marktlücke entdeckt. Bildungs
lücke
meinerseits? Genieß deine Mittags-
pause. Danke, das muss ich mir gleich näher an-
sehen. Muss man das kennen? Melde mich
gleich mit an … Klingt gut. Viel Freude
damit! Da bleib ich besser Dortwo-ich-bin. … wie
die Menschen: je reicher desto geiziger. Das
klingt nach Vorstellungstermin? Aber Hauptsache, man
nimmts nicht persönlich.

+

Man nimmt nichts persönlich – gut, von mir war das ironisch gemeint. Wird aber oft gesagt. Und jedes Mal denke ich dabei: Sind wir denn Maschinen geworden, weil wir so gar nichts mehr persönlich nehmen?
Ob wir womöglich, ähnlich wie Geräte, gar extra mit Fehlern und Abnützungszeiten konstruiert worden sind (und wenn ja: von wem?), damit wir nicht zu perfekt sind, damit der Hersteller nicht Konkurs macht und immer was zu tun hat. Und damit es uns nicht langweilig wird, das Leben.

Schreib dich von A nach B und wie

Buchstaben sind nicht
viele da nur sechsundzwanzig um
genau zu sein (in unserer Sprache jedenfalls) und unzählige
Möglichkeiten sie zu verbinden mit oder ohne Lücken zwischen-
drin um aus ihnen Wörter zu formen unzählige Möglich-
keiten nur schon auf Deutsch und für Sätze erst unendlich viele Kombi-
nationsmöglichkeiten zu sinnvoller und sinnloser Kreativität
um sich von A nach B zu schreiben nicht
einfach linear sondern zyklisch von Punkt
zu Punkt tanzen und dazwischen der
leere Raum des Unausgesprochenen des Unbe-
schreiblichen das Netz das die Tautropfen der un-
fertigen Gedanken auffängt und verdichtet
oder auch nicht denn
nicht alles muss sichtbar gemacht nicht alles muss material-
isiert werden heute sind es die Satz-
zeichen die keine Lust haben sich
an dieses Geschreibsel hier zu
binden weshalb diese Worte hier sich zu
einem einzigen langen Satz
versammelt haben
Punkt

(Reblogged, Original in meinem Uraltblog: hier klicken)

angewachsen

Nein, nicht klein
werden will ich. Ich strebe auch
nicht einen randlosen, unscharfen,
unfassbaren Gegensatz von
Narzissmus an, will kein
Mensch ohne Struktur, Gesicht, Gewicht
und Meinung sein. Und nein, auch nicht unsichtbar
zu werden, zu verschwinden ist mein
Ziel.
Doch anders mein
Gewicht verteilen will ich, anders
den Fokus auf mich und
mein Leben werfen.
Aufrichtiger. Mutiger.
Aufstehen. Aufrecht stehen.
Bewusst leben, atmen, gehen, üben, sein. Wahrnehmen.
Ausdrücken, was ich
wahrnehme. Ich müsste
platzen, könnte ich es nicht. Dürfte ich
es nicht.
Mit meinen Talenten.
Mit meinen Werkzeugen.
Mit meinem Wissen.
Mit meinem Können.
Dass alles nur meins geworden ist, weil
ich es wachsen lassen habe
während meines bisherigen Lebens.
Am Baum – wäre ich einer – sind
es Äste. Gewachsen, weil da Raum
war. Andere Äste habe ich nicht.
Einige sind abgebrochen, irgendwann, aus
Unachtsamkeit. Oder
erforen. Andere hatten
zu wenig Raum. Zu wenig Wasser. Und
jetzt bin ich so. Ein Baum unter
vielen. Mit Wurzeln. Mit Ästen. Verbunden mit allen
und doch die, die ich bin. Jetzt. Ein
Leben lang. Und nur die kann ich jetzt sein. Niemand
kann das besser als ich.

Glück am Wegesrand

Eine für einmal etwas andere Geschichte von unterwegs, zum Mittsommer passend … poetisch und sommerleicht vom Emil gesponnen …

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Natur in der Stadt

Ich saß am Wegrand und lauschte
und hörte des Käfers Lied.
Nur wenige Meter weg rauschte
Verkehr durch das Neubaugebiet.
In neu ausgehobenen Teichen
hatten Enten sich breitgemacht.
Dort lag ich im Gras, im weichen,
alleine dann – die ganze Nacht.

Der Käfer
Der Käfer

Ich sah keine Sterne funkeln,
der Stadthimmel war viel zu hell.
Und Angst hatte ich nicht im Dunkeln
vor heftigem Hundegebell.
Verschont blieb ich vom Regen
in dieser lauwarmen Nacht,
als einsam im Gras ich gelegen
hab’ und über Glück nachgedacht.

Link zu vom Emil gesprochenen Texten auf Soundclound

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© für Text & Bild: Der Emil | 2014

Reisejanka aus einer Stadt im Harz

Den heutigen Beitrag zu Geschichten von unterwegs hat der Emil geschrieben.

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Erwartungen, Veränderungen, Enttäuschungen

Daß der Himmel auch anderswo
blau ist oder mit Wolken bedeckt:
Das enttäuscht mich heute noch immer wieder.

Vom anderen Ort erwarte ich
viel zu viele Veränderungen.

Ein Janka nach Helmut Maier.

Ein Kreuz am Himmel Klick aufs Bild macht groß
Ein Kreuz am Himmel
Klick aufs Bild macht groß

© für Text & Bild: Der Emil | 2014