bierernster Abstand

Jedes Mal, wenn ich die Grenze Solothurn-Aargau per Autobahn hinter mir gelassen habe, wird mir bewusst, wie gut ich autofahren kann. Die aargauische Polizei liegt voll richtig mit ihrer weisen Erkenntnis zu meinem Fahrstil! Und, nein, natürlich habe ich das Bild nicht selber aus dem fahrenden Auto aufgenommen! Es ist ein Bild aus J.s Testserie mit seinem nigelnagelneuen EiFoun! Ein Teilchen, das mich übrigens auch ganz schön kuhl dünkt. Sieht gut aus, hat viele Finessen und wenn mir jemand eins schenken würde, tät ich nicht nein sagen. Vorausgesetzt das Abo sei im Geschenk inbegriffen.

Hach … die moderne Technik. Ich gestehe, dass ich diesbezüglich gerne ein Kind unserer Zeit bin!

So, und für die liebe WildganZ hole ich hier nun endlich mein versprochenes Bierblogchen nach.

Feierabend. Und dazu ein Bier trinken!

(So hätte mein Bierblogartikelchen angefangen, jenes Textchen, das ich neulich hatte schreiben wollen. Und weiter wäre es dann ungefähr so gegangen …)

Bier ist nämlich, ganz unter uns gesagt, Medizin. Wenn sie richtig angewendet wird. MEINE Medizin. Ungelogen. Seit ca. drei Jahren trinke ich einigermaßen regelmäßig – und maßvoll natürlich! – Bier. Fast gleichzeitig mit der Gründung meines monatlichen Schreibtreff-Stammtisches, deren Anfänge ungefähr in die Zeit fielen, als ich mich aus meinem Beinahe-Burnout zu erholen begonnen hatte. Jene Zeit auch, als ich angefangen hatte, meine Schreibe sichtbar zu machen. In der Schreibgruppe zuerst. Später und noch immer an Lesungen. Und in Artikeln und Anthologien. Da und dort … und hier im Blog.

Alles zusammen genommen wurde zum Wendepunkt, The Point Of No Return im etwas anderen Sinne. Seither geht es aufwärts mit mir. Oder vorwärts. Wie die Ameise auf dem neulich zitierten Halm. Die Ameise, die sich zum Schmetterling verpuppt. Oder so.

Anders gesagt: Seit ich Bier trinke, geht’s mir besser. Medizin, wie gesagt. Auch früher trank ich Bier, doch seit etwa drei Jahren trinke ich es, weil ich es mag. Hauptsache,  ich brauche kein Baldrian mehr …

Ach, noch ein Vorteil: Bierflaschen sind robuster als Baldrianflaschen … *

Oha, jetzt habe ich das Ding ja doch geschrieben …

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* WARNUNG. Dieses Blogtextchen soll nur von Menschen ab 16 Jahren und von nicht alkoholabhängigen Menschen gelesen werden. Außerdem ist es nicht ganz bierernst zu nehmen.

Ach, noch dies: Ich bin mir der Gefahr von übermäßigem Bierkonsum durchaus bewusst.

ganz normal?

8:15 Wow! Ich bin bereits im Büro! Anfänglich allerdings nur, um mich vom Scheff blöd anmachen lassen zu müssen. Ob ich heute früh aus dem Bett gefallen sei. Witzbold! Dabei hatten wir doch Arbeitsgruppe-Sitzung. Stichwort Öffentlichkeitsarbeit im Jubiläumsjahr. Sprich besonders viel zu planen!
8:20
Mit dem Scheff zoffen, weil er J. und mich als Fototeam – für eine der Kampagneaktionen, die diese Woche stattfinden –  fest einzuplanen beschlossen hat. Ohne Rücksprache. Dabei wollten wir doch inkognito dabei sein. Und nichts tun MÜSSEN …  zumal ich dann frei habe … *grmpf*
8:30 – 10:00
AG-Sitzung. Thema: Filmprojekt. Ein Filmer, den ich von früher kenne, wird aus unseren Ideen einen tollen kleinen Low-Budget-Film über unsere Hilfwerkprojekte bauen (SponsorInnen bitte bei mir melden). Heute haben wir erste Ideen gesammelt und wie es aussieht, bleibt das Projekt am Schluss an meinem Scheff und an mir hängen. Erstens, weil wir begeistert vom Projekt sind, zweitens ein gutes Team und drittes, weil die anderen zwei Gruppenmitglieder keine Ressourcen haben. Wir zwar auch nicht, aber wir werden ja dafür bezahlt. Nicht für den Ressourcenmangel natürlich, aber für OeA und andere so nette Zeitfresserchen.
10:00
Statt Pause zu machen, erste Sichtung meiner heutigen ToDos und Mails, dies und das. Kleine Besprechungen da und dort. Alle sind wegen der Kampagne nervös. Die Räume müssen noch bisschen aufgeräumt werden. Ich fange 100000 Sachen an, aber nix richtig fertig …
10:40
Zähneputzen, Tschüss, bis bald sagen und dann zur Zahnärztin am Bahnhof radeln, davor das Postfach leeren, das eine Kollegin heute zu tun versprochen und vergessen hatte.
11:05
Auf dem bequemen Stuhl, zu dem mich die Dental-Assistentin geführt hat, hoch über dem Bahnhofplatz, im vierten Stock, im Licht der Frühlingssonne einschlafen …
11:10 Erschrocken aufwachen, den Mund öffnen und ihn kaum mehr zubekommen, als ich den Kostenvoranschlag höre. Na ja, da müssen eben ein paar Löcher geflickt werden … *seufz*
11:45
Ins Büro zurückradeln. Boxenstopp beim Veloladen. Neue Bremsklötze kaufen, die mir  J. zu montieren versprochen hat. Voraus-Dankeschön. 🙂
12.00
Endlich kann ich arbeiten … Könnte ich. So vieles wäre zu tun. Die Alltagsdinge stapeln sich seit Tagen. Doch da kommt mein Scheff daher und will, dass ich meine zwei Comboxen neu bespreche. Weil ich doch die Zentrale bin. (*argh-ichwillhierraus-hiiilfe*) Und weil ich die Anmeldungen sammle. Und damit auch alle, die anrufen, sofort erfahren, dass sie sich auch telefonisch anmelden können. Für unsere Stadtrundgänge. Was ich hasse  – nicht die Rundgänge, das Combox-volllabern.
12:32
Ich will einfach mal wieder einen gaaanz normalen Bürotag!, kreische ich. Der Magen knurrt zustimmend. Und ich verspreche nienienie mehr zu sagen, dass ich nicht ausgelastet sei. Nie mehr! Meine Kollegin A. verdreht die Augen. Darauf verbanne ich sie aus dem Büro und schließe die Türe. (Oder ist sie gar freiwillig gegangen? Geflüchtet vor mir?) Nach zehn Laber-Anläufen bin ich endlich zufrieden mit meinem neuen Combox-Sprüchlein.
13:00
Eigentlich will ich nur noch und endlich nach Hause. Aber diese Mail hier muss noch geschrieben werden. Und diese Datei noch ausgedruckt! Ach, und dann muss ja noch dieser Anhang weitergeleitet werden!
13:15 Endlich fahre ich den PC runter. Ich radle ins Liebefeld, um – wie verabredet – im dortigen Fachgeschäft die neuen Bilder für unseren Eingangsbereich abzuholen, doch die sind noch nicht fertig! *grmpf* Wir liefern Ihnen die Bilder ins Büro!, sagt die nette Dame. Na toll, dann hätte ich ja nicht kommen müssen!, murmle ich und fahre endlich nach Hause. Freier Nachmittag und so. Dabei ist es inzwischen schon fast zwei Uhr!

Anmerkung 1: Kann es mir jemand verdenken, wenn ich mich zwar wie immer RIESIG über alle Kommentare zu meinen Blogartikelchen freue, aber aktuell einfach keine Power zum Antworten habe?????

Anmerkung 2: Dabei hätte ich doch heute gerne übers Biertrinken gebloggt …

Hilfe, ich werde bürgerlich!

Diese Erkenntnis traf mich neulich wie ein Blitz.  Anderen geht’s offenbar nicht besser. Büne singt: „ … (mr) si vo dr mördermittagshitz fadegrad i die gmässigti zone* …“ (Quelle: Compañero. CD Trybguet, Patent Ochsner).

In meinem Leben gibt es Hinweise zuhauf. Als da wären: Ich putze die Fenster, obwohl es erst ein knappes Jahr her ist seit dem letzten Mal! Und damit nicht genug: Ich wasche sogar die Gardinen! ( … dass ich sie in Babyweiss einlegen musste, damit sie wieder weiß werden, sei hier nicht verraten). Noch weitere Beispiele gefällig? Ich denke bereits, obwohl die Frist erst eine Woche abgelaufen ist, daran, die Steuererklärung auszufüllen! Na ja, erst denken …

Überhaupt … der Gedanke, freiwillig etwas zu tun, was meine Eltern taten, ist nicht mehr gar so grässlich wie noch vor ein paar Jahren. Obwohl die ja nicht per se bürgerlich waren. Vielleicht bin ich ja gar nicht bürgerlich geworden, nur einfach ein bisschen älter?

Und bürgerlich wählen tu ich ja trotzdem nicht. Diesmal habe ich die Grünen unterstützt. Und ein bisschen jungrot hinein panaschiert. Das Gefühl, Einfluss auf unsere Regierung nehmen zu können, erfüllt mich jedes Mal, wenn ich den Wahlzettel ausfülle. Und verlässt mich wieder, sobald ich den Umschlag in den Kasten geworfen habe. Life is just a Big Wheel! Wäre ich bürgerlich, wirklich bürgerlich bis unter die Haut, könnte ich mir den Wahlgang eh sparen.

Fazit: Obiger Titel stimmt nicht. Trotzdem mag ich neuerdings saubere Fenster.

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*Übersetzung:  … (wir) sind von der Mödermittagshitze auf direktem Weg in die gemässigten Zonen …

Yhprums Law

Tja. So kann es einer also gehen, die schreiben will. Da wollte ich also von Mister Murphys heutigem Urlaub schwärmen. Dass er zurzeit nicht hier ist. Wollte schreiben, was ich heute wiederentdeckt habe. Dass immer auch das Gegenteil wahr ist! Genauso wahr wie Murphys Law.

Doch was muss ich da im Großen Netz entdecken? Das Gegenteil ist nicht nur auch wahr, es ist sogar bereits benannt. Nix also von Sofasophias Law! Yhprums Law! Was ein Ananym von Murphys Law ist. Nach Wiki lautet dieses Gesetz vereinfacht so: „Alles, was funktionieren kann, wird auch funktionieren.“ Genau diese Worte hatte ich mir zurechtgelegt!

Das fallende Brot kann also nach Yhprum – sogar ohne Katze! – auf der Brot- statt auf der Marmeladenseite landen. Bitte nicht ausprobieren! Tierschutz und so. Richard Zeckhauser, Professor für politische Ökonomie an der Harvard University, ergänzt: „Systeme, die nicht funktionieren sollten, tun es manchmal doch.“ (beides: Wikipedia). Kann ich bestätigen. In beiderlei Richtung. Ausnahmen und ihre Regeln. Ihr wisst schon.

Wo es nun das Umkehrgesetz bereits gibt, muss ich es also nicht neu erfinden. Leider nicht. Doch worüber schreibe ich denn heute? Wie wäre es mit der These, dass es nicht stimmt, was über die sich selbsterfüllenden Prophezeiungen gesagt wird*?

Denn wäre dieses Gerede wahr, wäre die heutige, von mir organisierte Weiterbildung eine einzige Katastrophe gewesen. Bei all diesen Alpträumen, die ich hatte! Ich wäre zu spät am Treffpunkt gewesen. Falls ich überhaupt erwacht wäre. Die Kursleiterin, die ich abholen sollte, hätte ebenfalls verschlafen. Doppelter Worstcase. Oder dann wäre mir zumindest, will heißen meinem Sternchen natürlich, unterwegs das Benzin ausgegangen. Mitten auf der Autobahn nach Thun. Und wir wären zu spät da gewesen. Alle Kolleginnen und Kollegen, neunzehn an der Zahl, hätten gemurrt. Der ganze Kurs wäre bloß mittelmäßig gewesen. Oder gar sterbenslangweilig. Undundund. (*Ausnahme der Regel oder Antithese?)

Nicht von alledem! Ich war natürlich genau rechtzeitig in der Länggasse. Und ich fand natürlich sofort einen Parkplatz. Und die Kursleiterin war natürlich ebenfalls püntlich. Das Benzin reichte, der Kurs war genial und das Mittagessen beim Inder göttlich. Besser gesagt shivanisch, kalisch oder shaktisch. Einziger Stressfaktor: Als ich kurz auf dem Klo war, plünderte ein Arbeitskollege schnell mein Spesen-Portemonnaie, das er hüten sollte und aus dem ich das Essen für alle zu bezahlen gedachte. Als die Rechnung kam, waren nur noch zweihundert Franken im Beutel. Großer Schock! Wir haben Diebe unter uns! Wer war es? Erleichtertes Lachen mit Adrenalin bis in die Zehenspitzen als der diebische Kollege mir das Geld über den Tisch zurückschob, das er temporär – unter den Blicken einiger Mitwissender! – geklaut hatte.

Ein Seminar über den Umgang mit Zeit, Stress, Pflichten und das Planen … Klingt ja furztrocken! Forget it! Mit praktischen Beispielen, Selbsteinschätzungstests, interaktiven Übungen, anregenden Gruppengesprächen, Fragebögen und ein paar Plenumssequenzen gab uns A., unsere externe Kursleiterin, handfeste Tipps für den Alltag mit auf den Weg. Werkzeug, das wir anwenden, Wissen, das wir umsetzen können.

Ach ja, und so viel gelacht bei der Arbeit wie heute habe ich schon lange nicht mehr! Ob Murphy trotzdem recht hat?

Für die Neugierigen unter uns noch n bisschen Theorie zu Mr Murphy:

„Dem Autor Ulf Heuner zufolge hat Murphys Gesetz dagegen weder etwas mit Entropie noch mit Zufall oder Wahrscheinlichkeit zu tun, sondern mit Notwendigkeit. Er führt als Beispiel an, dass, wenn ein altes, zerfallenes Haus irgendwann einstürze, dies zwar dem Gesetz der Entropie, aber nicht Murphys Gesetz gemäß geschehe. Stürzt ein Haus aber gleich nach Erbauung ein, dann sei wohl etwas schiefgegangen. Das Paradoxe an Murphys Gesetz sei, dass für Dinge, die schiefgehen, einerseits immer Menschen in irgendeiner Weise verantwortlich seien, andererseits aber bestimmte Faktoren, die nicht in der Macht einzelner Menschen stehen, mit dafür sorgen, dass etwas irgendwann (notwendig) schiefgeht. Als solche Faktoren macht er z. B. die unkontrollierbaren Handlungen der Mitmenschen aus, unbewusste Sabotageakte unseres Gehirns, den eigenen, unbändigen Willen unseres Körpers oder die berühmte Tücke des Objekts. Unter Umständen könnten auch alle Faktoren zusammen die ‚Katastrophe‘ herbeiführen.“

(Quelle: Wikipedia)

kuhler Schrank

Es geschah just in dem Moment, als ich mich nach dem Schreibblock ausstreckte, der auf dem Beistelltisch nebenan vor sich hin träumte. Mich nach ihm ausstrecken tat ich, weil ich ihm liebkosen wollte. Was in seinem Fall bedeutete, ihn mit Buchstaben zu füllen.

Na ja, ob ihm gefallen würde, was ich zu schreiben gedachte, wusste ich allerdings nicht. Wählen kann er nicht. Über die Unwichtigkeit des Schreibens im allgemeinen wollte ich schreiben. Und über die Unwesentlichkeit des Bloggens im speziellen. Und dass es doch viel wichtigeres auf der Welt zu tun gäbe als mit Worten zu jonglieren. Helfen, heilen, handeln, hingehen! Das zählt doch. Oder zumindest Geld beschaffen. Wozu auch immer. Aber doch nicht bloggen! Zeitverschwendung!

Ich würde besser etwas richtig wichtiges tun … Tja, nur was? Die Steuererklärung ausfüllen zum Beispiel? Oder endlich mal wieder den Kühlschrank putzen! Jahr für Jahr hockten mir die beiden zeitgleich im Nacken. Anfang Jahr gelobe ich mir immer wieder – allerdings nur heimlich, so dass sie mich nicht hören können –, die beiden so schnell wie möglich zu erledigen. Damit sie mich nicht plagen können. Doch dann gehen die Wochen übers Land. Die Sonne scheint. Es wird wärmer. Die Kühlschrankputzsaison geht zu Ende und die Mahnung vom Steueramt liegt im Briefkasten. Und meine Gelübde sind längst verdunstet. Wie Bier. Womit wir wieder beim Thema sind.

Just in dem Moment nämlich, als ich mich nach dem Schreibblock ausgestreckt hatte, war es umgekippt. Zwar habe ich schnell reagiert und die Flasche war zum Glück auch nicht mehr ganz voll. Dennoch haben alle was abbekommen. All die ungelesenen Zeitschriften. Der Sudoku-Block ebenfalls. Und sogar Stieg Larsson blieb nicht verschont. Hoffentlich heißt das Buch nicht vergebens Vergebung.

Aber, ehrlich gesagt, über ein umgekipptes Bier zu schreiben, ist nun wirklich nicht wichtig. Und auch die Steuererklärung ist nicht wirklich kuhl. Dann schon eher der Kühlschrank, wenn auch nur seiner Temperatur wegen …

Und wie gesagt, es gibt vieles, das viel wichtiger ist als Bloggen. Aber nicht alles macht so viel Spaß.

Keine Apartheid in der Werkzeugkiste

Ja, genau so muss der Titel dieses Artikels lauten. Ob der Text, den ich jetzt gleich dazu schreiben werde, wohl zu ihm passen wird? Mal gucken. Doch wo anfangen? Was ist relevant und darf ich nur titelrelevantes erzählen. Oder darf ich dort anfangen, wo ich mich heute Nachmittag in den „Mahlstrom“ von Berns Einkaufsüchtigen eingespeist habe, um J.s Worte zu plagiieren? Obwohl das alles keine Relevanz zum Titel hat.

Mal sehen, ob sich übrhaupt etwas über meine zwei Stunden in der Stadt sagen lässt … (selber schuld, wenn du weiterliest …) Meine Liste der in Berns Innenstadt zu besorgender Dinge war täglich gewachsen, so dass ich mir heute ein Herz gefasst und mich in die Höhle der Löwinnen und Löwen gewagt hatte. Mitten ins Getümmel! Besser jetzt noch, dachte ich mir, als in einer Woche. Besser nicht schon wieder verdrängen und verbummeln. Von prokrastinativen Rachefeldzügen habe ich im Moment genug.

Item. Erster Punkt auf der Liste: Buchladen. Buch für Patensohn. Ja, ein Weihnachtsgeschenk, ich gestehe es. Das einzige. Auch das gestehe ich freimütig. Alles andere waren Dinge des täglichen Bedarfs und fürs Büro. Papeterie, Bioladen und Naturapotheke wurden angepeilt. Nur genau zwei Stunden habe ich gebraucht und kein bisschen Stress, kein bisschen Hektik kamen auf. Auch waren noch waren alle Verkäuferinnen und Verkäufer freundlich. Und noch war ein Durchkommen in den Läden.

Mantrisch und meditativ arbeiten, möge ich heute. Was für ein Wort zum Tag! Gefischt aus einer Mail von J. und mutig umgesetzt. Sogar in der Freizeit.

Zurück zuhause hängte ich endlich meinen goldgelben Vorhang auf, den ich am Sonntag im Schrank gefunden hatte. Damit mein Gästezimmer, auch wenn es Nacht geworden ist, freundlich aussehen darf und ich beim Crossen nicht immer schwarze Fensterlöcher anstarren muss.

Also los. Das Ding montieren … Werkzeugkiste auf, Bohrmaschine, Schraubenzieher … Schon bald hängt das Teil und ich will das ganze Zöix wieder wegräumen. Dazu klappe ich den Deckel meiner Werkzeugkiste auf. Super-Gau: Lärmend poltern auf einmal Hunderte von Schrauben und Nägeln, die im Deckel der Kiste eingelegt und normalerweise mit einem speziellen verschließbaren Klappdeckel geschützt sind, zu Boden. Darunter solche, die über mindestens zwanzig meiner Lebensjahre berichten könnten. Hach, was nützt schon ein verschließbarer Deckel, wenn er offen steht! Wie war das doch gleich? Meditativ und mantrisch leben!

Ich atme aus und kann mir ein Kichern nicht verkneifen. Ich verlasse das Chaos und gehe erst mal in die Küche. Wo das nächste Chaos lauert. Schmutziges Geschirr im Spültrog. Ich schaue einfach nicht hin, ignoriere alles, denn jetzt brauche ich erst einmal eine Pause. Muss was essen und trinken. Aufräumen geht nach einer Pause eh immer viel besser.

So viele Schrauben und Nägel! Wieso werden die eigentlich immer im Dutzend oder so verkauft? Wo wir doch meistens nur zwei bis zehn Stück brauchen? Was für eine Verschwendung! Kunstwerke nehme in mir drin Gestalt an. Kunstwerke, die aus all dem Überschuss aus all den täglich gekauften Großpackungen entstehen könnten. Müssten!

Ich beginne, die mit der Kehrschaufel vom Boden gefischten Schrauben und Nägel meditativ und mantrisch nach Größe in die sechs kleinen Fächer umzuverteilen. Am Schluss würden so nur noch Nägel in der Schaufel liegen. Denke ich mir so. Hm.

Wäre ich lieber Schraube oder lieber Nagel? Nur ein einziges Mal zu gebrauchen, dafür lebenslänglich am gleichen Platz? Oder doch lieber immer wieder? Und wäre ich lieber stabil oder biegbar? Drehbar? Einfach so ein Teil zum Reinhauen? Beim Rausgeholtwerden jedoch würde ich achtlos verbogen und vermutlich weggeworfen. Dann doch lieber Schraube!, entscheide ich. In einen Dübel geschmiegt, Lasten tragend? Na ja … vielleicht doch lieber Mensch. Am liebsten mich selber.

Irgendwann wird mir das Sortieren zu bunt. Fertig meditiert. Bin ja nicht in der Psychi. Und überhaupt: Wozu? Wenn ich eine Schraube oder einen Nagel brauche, wühle ich ja ganz gerne in der Fülle. Außerdem ist mir eh jegliche Form von Ausgrenzung zuwider. Es lebe die Vielfalt! Integration statt Segregation! Her mit den Minaretten!

Ha. Und nun habe ich es sogar geschafft, ungefähr das zu schreiben, was der Titel verheißt … und erst noch ganz meditativ.

Prokrastination Vol. 2

oder Die Rache des Aufschiebens

Alle tun es, nein, falsch, alle lassen es. Alle schieben Dinge vor sich her. Über das Warum zu diskutieren, ist müßig. Über die Rache dieser vermutlich in unseren Genen verborgenen Strategien zu reden vermutlich ebenso. Sie hat genauso viele Facetten, diese Rache, wie die Palette jener Dinge, die wir aufzuschieben belieben, Farben hat.

Zu meinen ganz persönlichen Lieblingsaufschiebereien gehören Prozesse, die aus mehreren aneinanderzureihender Details bestehen. Also nicht bloß: Erledige A.! Sondern so: Erledige A., doch das geht erst, wenn du A.1 und davor A.2  geklärt – wahlweise auch erledigt oder organisiert – hast. Und gleich darauf folgt auch schon B und B.1. Als logische Konsequenz dann C.1, weil … da muss ja  …

Na, Ihr wisst schon … So Dinge eben, wo der Prozess erst losgehen kann, wenn dies und das zusammenpasst. Dazu bin ich vermutlich einfach zu faul. Und zu wenig ambitioniert. Und leider gibt es davon in unserem Büro einiges. Und netterweise sucht sich so Zöix immer meinen Schreibtisch zum Warten aus. Wie gerne ich da Dinge, die aus einer von A bis Z überschaubaren Handlung bestehen und die natürlich und zum Glück auch wichtig sind, dazwischenschiebe!

Aber ebe, die anderen Dinge, aktuell der Weihnachtskartenversand, erledigen sich leider nicht allein. Im Privatleben meide ich so Sachen ja geflissentlich, doch im Büro gehört das in den Bereich Öffentlichkeitsarbeit, der immer schwerer auf meinen Schulter lastet und auf meinem Schreibtisch hockt. Heuer habe ich schlicht und einfach die Beschaffung der diesjährigen Karten verdrängt verbummelt. Immerhin habe ich mich mit dem Inhalt der Karte auseinander gesetzt. Aber ebe … Verdrängen lohnt sich nicht. Machen muss ich es ja doch. Rache, dein Name ist Druck, Stress, Hektik.

Doch zu merken, dass mich meine Kolleginnen und mein Boss nicht alleine den Karren aus dem Dreck ziehen lassen und mich sogar tatkräftig unterstützen, tut echt gut. Du hast mir ja auch schon oft geholfen, sagte G. gestern. Wirklich, so was tut gut.

Und nach Feierabend auf meinem Crosstrainer zu rennen, ist ebenfalls wohltuend. Ich lasse alle meine Gedanken des Tages los. Die ganze Hektik fällt von mir ab, während ich ganz und gar in die Musik und den Rhytmus meiner Bewegungen eintauche. Heute meine Brücke zwischen Arbeit und Feierabend. Und diesen aufzuschieben wäre doch wirklich jammerschade!

Was ich niemals aufschieben möchte …

  • den Feierabend
  • Ferien
  • ein gutes Gespräch
  • ein herzliches Kompliment
  • ein ermutigendes Wort
  • jemandem sagen, dass ich ihn oder sie mag
  • eine Massage geben oder bekommen
  • einen Kuss
  • eine Umarmung
  • guten 6+++
  • alles, was gut tut, zu tun
  • ein feines Bier
  • Genüsse aller Art
  • jetzt leben
  • … und natürlich meinen MitbloggerInnen hin und wieder ermutigende Kommentare schreiben 🙂 (… selbst wenn es bloss Zitate wären aus Bredenbergs Buch 1000 Kommentare originell, neutral, freundlichst und wiederverwendbar)