Kundenkopierer

Für einmal war ich richtig froh, gestern auf der Post, dass die Deutschen mit der Gleichberechtigung in der Sprache schludern. Ich hoffe sehr, dass das mit Kundenkopierer beschriftete Ding wirklich nur das tut, was ihm aufgetragen worden ist. Alle Kunden in der Reihe vor mir zu kopieren, ginge ja noch, doch würde der Kopierer auch gleich alle Kundinnen kopieren – puh, nicht auszudenken, da wäre ich ja heute noch dort!
Was habe ich gelernt? Es gibt definitiv mehr Frauen, die Briefe und Pakete verschicken.

0 Kommentare zu „Kundenkopierer“

  1. Liebe D.
    Jetzt bin ich ein bisschen überfordert mit dem Eintrag. Meinst Du, der Kundenkopierer soll die männlichen Kunden kopieren, aber die weiblichen nicht? Ich bin da ein bisschen doof, ich kapier es nicht %-)
    Und ja, Post ist Frauenarbeit! Welcher Mann schnürt schon Pakete und schreibt Briefe… höchstens die Verliebten, aber sonst? 🙂

    1. ach liebe mietze, das hier ist satire – satire einer schweizerin, die sich über deutschland wundert 🙂
      ich bin a.) noch immer nicht daran gewöhnt, dass in deutschland nur männliche menschen angesprochen werden und b.) finde ich einfach gewisse ding-namen hier zum schiessen. das wort „kundenkopierer“ gibt es in der schweiz nicht (sag ich mal). dort heißt das teil entweder öffentlicher kopierer oder einfach kopierer. das wort ist ja auch nicht korrekt, denn genau genommen müsste es ja eben kunden kopieren. nicht auszudenken! aber zum glück waren ja kaum kunden in der schlange. nur kundinnen. und die wiederum werden aber vom kopierer ihres geschlechts wegen verschont. 🙂
      alles klar?
      liebgrüß, d.

      1. Haha, ja da hab ich vor lauter Bäumen den Wald nicht gesehen. Ich hab den Unterschied zwischen Kundenkopierer und Kundinnenkopierer nicht gerafft, weils nicht dastand :-D. Ja, ich bin da typisch Deutsch und ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin heilfroh, dass wir nicht überall dieses schreckliche „-innen“ hinbasteln, ich find das nämlich ehrlich gesagt total unnötig.
        Das liegt aber auch daran, dass ich mich bei einem Kunden, Bürger, oder sonstwas eben genauso angesprochen fühle wie bei einem Mann und nicht das Gefühl habe, dass man mich übersehen hat. Im Englischen ist das übrigens genauso, da werden auch nicht bei jedem Beruf explizit die Frauen genannt (gibt natürlich auch Berufe, bei denen es eine Unterscheidung gibt, aber bei uns ja auch). Das englische Wort „men“ steht ja auch für Menschheit und nicht immer nur für Mann, anfangs fand ich das sehr irritierend, aber ich fühle mich da auch keineswegs diskriminiert. Solange man im Denken immer noch die Frauen damit einbezieht hab ich damit kein Problem :-). Mir macht eher immer dieses gekünstelte „-innen“ Schwierigkeiten, es erscheint mir oft unnötig, aber das ist wohl Geschmackssache.
        Was natürlich gar nicht geht, ist, dass Männer und Frauen unterschiedlich verdienen, wie Sherry unten schon geschrieben hat. Wobei ich glaube, dass unsere Bundeskanzlerin genauso viel verdient wie ihr Vorgänger, aber das sind wohl die wenigen Ausnahmen, was ich sehr schade finde (zumindest wird es aber an den Universitäten soweit ich weiß, so umgesetzt, dass Mann und Frau gleichviel verdienen)

        1. ei, da bist du ja voll und ganz infisziert (von der männlich verinnerlichten form) und für mich das ideale bearbeitungs“opfer“ für eine sprachsensibilisierung. *zwinker* grad wenn du jetzt dann texte für die öffentlichkeit redigierst, kannst du da viel bewirken!
          im ernst, liebe mietze, das würde ich echt mal überdenken. siehe sherrys kommentar.
          es geht mir hier nicht mal nur um löhne, es geht darum, dass frauen sprachspezifisch wahrgenommen werden.
          das ist echt etwas, was mich hier in dtld. schockiert hat. vor allem, wenn frauen so genderunsensibel sind. ja, das war jetzt eine kritik an deutschland. ungetarnt. und ich weiss, dass ich mich hier damit nicht wirklich beliebt mache. die schweiz macht es recht konsequent vor. da heisst es zum beispiel im gleichen text: „pflegepersonen, fachkräfte, psychologinnen und ärzte“, also gut gemischt, statt immer -innen.
          ist eigentlich wie beim fleischessen, fällt mir grad ein. die meisten fleischesserinnen und -esser meinen, vegis essen immer nur tofu und das ist doch langweilig.
          will sagen: gendersensibilität macht kreativ. ähnlich wie vegetarisch kochen …
          so jetzt müssen wir aber los. ein andermal mehr. spannende diskussion 🙂

  2. Liebe Soso,
    das fällt uns hier gar nicht mehr (so) auf, und das ist voll schlimm. Ich hatte einmal ein Seminar, in dem der Einfluss der Sprache bzgl. des Unsichtbarmachens von Frauen in der Sprache erörtert wurde, durch Studien und Experimente. Ihr wärt alle erschrocken, wenn ihr wüsstet, wie schlimm das eigentlich ist und in welche Windungen dieser Einfluss Einzug nimmt! Meine Englischdozenten haben mir alle gesagt, das Erste, worüber sie sich wirklich hier in DE gewundert hätten, wäre nicht Karneval gewesen (und dass die Deutschen ja doch keine Nazis seien *LOL*), sondern wie das mit den Frauen so in der Sprache gehandhabt würde. Ich habe übrigens einen heftigen Sprach- und Schreibfehler heute, kann keine Sätze konstruieren, also nicht so strengnehmen. 😀

    1. ja, das ist mir auch aufgefallen, und das tut mir in der seele weh. ich hab vorher in einem hilfswerk gearbeitet, wo absolut alles und überall (löhne!) gleich berechtigt gehandhabt wurde. dann hierher ziehen: was ein schock!
      tja, es gibt noch viel zu tun 😉

  3. nicht unbedingt. ich hätte mich einfach wieder entfaltet danach …
    früher, als es ganz neu fotokopierer gab (mein vater hatte auch einen, einen kleinen tintenstrahler) haben wir damit immer gesicht-bilder und hand-bilder gemacht. hat viel spass gemacht 🙂
    hach, die liebe technik.
    ein technikfreak war ich eigentlich immer schon. die bohmaschine meines vaters war mir schon vertraut, bevor ich in die schule ging 🙂

  4. Dazu fallen mir britische Weihnachtsparties ein, auf denen nicht jugendfreier Unfug auf dem Kopierer getrieben wird. Angeblich. (Der Engländer an meiner Seite gibt es nicht zu und streitet es nicht ab.) Dabei spielt es in der englischen Sprache keine Rolle, ob sich weibliche oder männliche Gäste auf den Kopierer setzen, tendenziell sind es wohl eher die Damen, was man so hört. Oder was man da halt so tut, ich kenn mich nicht aus. Ich bin deutsch. 😉

  5. Jetzt muss ich aber leider wirklich ein bisschen widersprechen! Auch wenn ich Deine Position natürlich sehr gut verstehe. Wenn man aus einem Land kommt, in dem alles männliche und weibliche ausgeschrieben wird und plötzlich wird das nicht mehr gemacht, fehlt einem natürlich das weibliche und man denkt sich dann huch! wieso übersehen die die Frauen.
    Aber hier ist es nun mal so, dass man die Frauen ja nicht übersieht, sie sind einfach schon in dem Begriff drin. Bei Psychologen denkt man automatisch an Mann und Frau, das ist einfach so, dass es eben ein allgemeiner Begriff für Menschen ist, wo man nicht unbedingt sagen muss es gibt Mann und Frau, weil, das ist in dem Fall ja nicht wichtig, weil es um Menschen geht.
    Es regt sich ja auch kein Mensch auf, dass es der Stuhl heißt und die Gabel. Da hat das auch nichts damit zu tun, ob der Gegenstand feminin oder maskulin ist. Ich weiß natürlich, dass das nicht dasselbe ist, aber ich finde es ist einfach egal, ob die Bezeichnung männlich oder weiblich ist, weil man natürlich vor seinem inneren Auge sowohl Männer als Frauen hat.
    Aber wie gesagt, ich kann das auch sehr gut verstehen, wie ungewohnt das sein muss, wenn man das vorher konsequent getrennt hat und dann in ein Land kommt, wo man das nicht so praktiziert. Und ganz ehrlich… Die Aufschrift „Kunden- und Kundinnenkopierer“ wär doch mal richtig doppelt dämlich oder? 🙂

    1. ach, liebe mietze, ich verstehe dich, diesen ansatz und diese argumente ja schon. das heißt, nein, verstehen im sinne von begreifen, tu ich sie nicht, nur verstehen im theoretischen sinne, weil ich sie in den letzten monaten wieder und wieder gehört habe.
      es geht ja auch nicht drum, dass kundenkopierer neu noch ein -innen abbekommen, aber dass eben mehr kreativität und sensibilität ins spiel kommen.
      dass ihr deutschen frauen euch alle miteinbezogen fühlt, glaube ich dir allerdings nicht. ein teil vielleicht, aber viele frauen, die ich drauf anspreche, eben nicht. aber sie haben vielfach resigniert. oder wollen sich nicht lächerlich machen, wie ich schon mehrfach hörte. das macht mich traurig: was ist lächerlich daran, sich sprachlich inzegriert wissen und fühlen zu wollen?
      die sprache, die wir täglich sprechen und schreiben, wandelt sich laufend. sie passt sich den bedürfnissen an und spiegelt den zeitgeist wider. ich bin froh, in einer zeit zu leben, wo wir aktiv mitgestalten können, dass die gleichwertigkeit aller menschen gelebt wird. die sprache ist ein teil davon, kein unwichtiger.
      liebe mietze, es geht mir nicht um besserwissertum und rechthaben, sondern darum, in meinem gastland den blick für das ganze und wie alles prägt und zusammenhängt zu wecken.

  6. Also ich persönlich kann mit dem sogenannten „generischen Maskulinum“ in der dt. Sprache sehr gut leben. Ich bin selbstbewusst genug, auch als Frau mit dem Begriff „Kunden…“ ganz selbstverständlich angesprochen zu werden und käme gar nicht erst auf die Idee, mich damit sprachlich ausgeschlossen zu fühlen… Diesen Schuh zieh ich mir erst gar nicht an. 😉
    Mit Resignation hat das aber meiner Ansicht nach nix zu tun, also zumindest bei mir nicht.
    Dir liebe Grüße,
    Andrea

  7. liebe andrea,
    hiergeht es nicht – oder jedenfalls nicht nur – um weibliches selbstbewusstsein. nicht darum, dass in der schweiz die frauen weniger selbstbewusst als frauen durchs leben gehen und sich nicht als frauen wahrnehmen würden, sondern darum, dass die frauen in der schweiz eben in der sprache als frau und nicht als ein untermenü vom mann wahrgenommen werden und das positive auswirkungen auf den respekt untereinander hat.
    wenn das die frauen von hier schlucken und es mit sich (aus lauter gewohnheit,faulheit, gleichgültigkeit – oder warum auch immer), tut mir das einfach in der seele weh. es ist, als würden die kämpferinnen für gleiche rechte, denen wir so viel verdanken, nachträglich in den schmutz gestossen. ihr kampf hat sich gelohnt, ist aber noch nicht zu ende.
    irgendlink meint, ich müsse das hier als „eingespielte gewohnheit“ abbuchen., also dass die frauen hierzulande sich an der ewig männlichen form nicht stören, okay, aber irgendwie, na ja, es kommt mir halt schräg rein. gewohnheiten aufknacken oder sich in frage stellen lassen, ist immer unbequem.
    heute nacht geträumt: heute würde die zeit anbrechen, wo das generische femininum gilt. na? wie fühlt sich das an? nur noch weibliche anreden? wie – du meinst, das ist unvorstellbar? und warum? es ist nie zu spät, die welt umzuträumen!

    1. Hallo Sofasophia,
      aber ich persönlich, und ich kann ja nur für mich selber sprechen, betrachte Begriffe wie „Bürger“, „Schüler“, „Kunden“ keineswegs als respektlos Frauen gegenüber. Für mich sind das einfach Pluralbezeichnungen einer gemischten unbestimmten Gruppe, die kein Geschlecht angeben. Würde das Geschlecht der Gruppe im Satz-Zusammenhang von Bedeutung sein, würde ich „männliche Schüler“, „männliche Kunden“ dazu sagen. Aber ohne den Zusatz „männlich“ gehe ich ganz selbstverständlich davon aus, dass Personen beiderlei Geschlechts gemeint sind. So ist einfach mein ganz persönliches Sprachempfinden und ich verstehe nicht, was daran faul oder gleichgültig sein soll.
      Ich gebe dir vollkommen Recht, dass Chancengleichheit für Frauen noch ein hartes Stück Arbeit sein wird, ich kämpfe täglich selber dafür. Aber ich frage mich, ob es dafür notwendig ist, die deutsche Sprache neu zu erfinden. Für dich ja, für mich eben nicht. So setzt halt Jeder und Jede die Prioritäten anders…
      Liebe Grüße,
      Andrea

  8. ja, so seh ich es auch, es ist wichtiger auf die wirklichen Missstände zu achten und diese zu Beseitigen. Diese Sprachwahl von männlich und weiblich sorgt ja nicht für Gerechtigkeit in meinen Augen, sondern dafür dass man aus Einem zwei unterschiedliche Teile macht und das tut mir weitaus mehr weh in der Seele. Ich bin lieber ein Mensch als eine Frau, vielleicht klingt das komisch, aber ich will nicht wahrgenommen werden, weil ich eine Frau bin, sondern ein Mensch. Und ganz klar gilt: für Menschen beiderlei Geschlechts soll keiner einen Nachteil erlangen.
    Danke für Deine schöne Diskussion, ich verstehe jetzt den Blickwinkel der -innen-Fraktion besser, letztendlich ist es eine echte Blickwinkelsache, find ich 🙂

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