#blogfragen | Mein Beitrag zur Blogparade

Herr Tommi und Frau Melli haben zur #Blogparade aufgerufen.

Mehr Infos: > LINK

Ein paar Antworten:
  • Wie schreibst Du Deine Blogposts? Nutzt Du ein lokales Bearbeitungstool oder eine Panel/Dashboard-Funktion Deines Blogs?

Mein erstes Blog, das ich damals (2004) noch Webtagebuch nannte, war ein schlichtes html-Ding mit Upload per Filezilla. Ich bin froh um diese Erfahrungen, denen ich meine ersten Schritte in Sachen Webdesign verdanke. Später, als ich andere Blogs als spannende Tageslektüre zu entdecken begann und da und dort mitlas, kam ich auf die Idee, ebenfalls so ein Tool, wie es die anderen nutzen, auszuprobieren. Mit ein paar wenigen Handgriffen war das erste Sofasophien-Blog erstellt.

Meistens schreibe ich meine Texte, jedenfalls wenn ich Internet habe, direkt am PC in den WordPress-Editor (für Blogtexte mag ich übrigens nach wie vor den Classic-Editor lieber als den Gutenberg, darin bin ich irgendwie klassisch).

Wenn ich unterwegs bin und/oder offline, schreibe ich die Texte oft zuerst ins Handy- oder iPad-Notizbuch oder in ein Textdokument und kopiere sie erst nach dem Editieren in die WordPress-App.

Da ich mit der WordPress-App praktisch von Anfang an (2010) mitgewachsen bin und das zeitweilige Unterwegs-Schreiben – Livebloggen – schon seit 15 Jahren praktiziere, habe ich mir dieses Vorgehen als reine Sicherheitsmaßnahme angewöhnt. In den ersten Jahren gab es so viele Bugs und Abstürze, dass unzählige Texte, die ich direkt in die App geschrieben hatte, verloren gegangen sind. Gebranntes Kind und so.

Inzwischen ist WordPress zwar stabil aber aus meiner Sicht total überladen, sodass ich mich manchmal danach sehne, die App wäre wieder so leicht und übersichtlich wie damals – nur ohne die Bugs. (Da WordPress inzwischen nicht mehr nur eine reine Blogsoftware ist, verstehe ich aber natürlich schon, dass sich die Nutzer*innenansprüche verändert haben.)

Weil die WordPress-Gratisversion vollgepackt ist mit Werbung, bin ich vor einigen Jahren schon unter die Selbsthoster*innen gegangen.


  • Wann fühlst Du Dich am meisten inspiriert zu schreiben?

Oft genau dann, wenn ich am wenigstens Zeit und Muße habe. Eine Idee, ein erster Gedanke, streift mich meistens ungefragt. Vieles, worüber ich schreiben will, bleibt darum ungeschrieben.

Manchmal sind die kleinen Samenkörner, die ich da und dort aufschnappe, ausdauernd und landen eines Tages als Wort auf einem Zettel oder sie leben erst eine ganze Weile in mir drin, bevor sie doch noch irgendwann in einen Text münden.

Schreibauslöser sind meistens Erlebnisse, Begegnungen, Ausflüge, Ereignisse, Berührendes und Bewegendes. Dinge, die mir gefallen, mich ermutigen, traurig machen oder erschüttern. Am liebsten schreibe ich, wenn ich das Gefühl habe, etwas mit einem gewissen Mehrwert zu sagen zu haben. Das kann Selbsterlebtes sein, Selbsterkanntes oder auch Fachwissen, das ich mir im Laufe meines Lebens angeeignet habe. Selbst wenn ich Fiktives schreibe, bin das immer auch ich.


  • Veröffentlichst Du Deine Texte sofort oder lässt Du sie erst eine Weile als Entwurf liegen?

Früher habe ich die Texte immer gleich nach dem Schreiben publiziert. Inzwischen liegen sie oft eine Weile, bevor ich sie veröffentliche. Mir ist bewusst,  dass ich das vor allem für mich mache. Da ist kein Druck, keine Erwartung an mich, unbedingt etwas liefern zu müssen.


  • Hast Du schon Blogpausen eingelegt oder Blogs ganz aufgegeben?

Pausen ja, aber sind Pausen nicht notwendig? Jede Lücke zwischen zwei Worten ist eine Pause. Ohne Pause geht gar nichts. Das Blog ist organisch und wächst mit, richtet sich nach meinen Bedürfnissen.

Ein von mir initiiertes Gemeinschaftblog mit Fotos, Pixartix hieß es, habe ich, haben wir irgendwann aufgegeben. Aber es ist noch online, denn es ist eine Art Kunstarchiv und erinnert mich an eine tolle Zeit mit anderen Menschen. Ein anderes Bilderblog habe ich ebenfalls irgendwann zu bespielen aufgehört, es ist auch immer noch online.


  • Was empfiehlst Du Menschen, die mit dem Bloggen anfangen wollen?

Ein Tool finden und zu schreiben anfangen. Nicht zu viel denken. Drauflosschreiben.

Heute würde ich vermutlich mit Writefreely, dem Blogtool des Fediversums, arbeiten, wenn ich nochmals anfangen würde.

#blogfragen | Blogparade

Frau Melli und Herr Tommi rufen zu einer Blogparade auf, die meinem Aufruf von neulich ganz ähnlich ist. Inspiriert dazu hat ihn eine aktuelle im englischen Raum laufende Blogparade called ‚Blog Question Challenge‘, weshalb seine Blogparade   heißt.

Ich publiziere unten die Fragen, die es – vollständig oder in Teilen – zu beantworten gilt.

Verlinkt euren Text bitte mit Tommis und Mellis Blog, damit Tommi dort seine Liste weiterführen kann. > LINK

Wenn ihr nur Lust auf die erste Frage habt, … dann verlinkt eure Artikel gern mit meinem Aufruf > LINK

  1. Warum hast Du ursprünglich mit dem Bloggen angefangen?
  2. Welche Plattform nutzt Du für Deinen Blog und warum hast Du Dich dafür entschieden?
  3. Hast Du schon auf anderen Plattformen gebloggt?
  4. Wie schreibst Du Deine Blogposts? Nutzt Du ein lokales Bearbeitungstool oder eine Panel/Dashboard-Funktion Deines Blogs?
  5. Wann fühlst Du Dich am meisten inspiriert zu schreiben?
  6. Veröffentlichst Du Deine Texte sofort oder lässt Du sie erst eine Weile als Entwurf liegen?
  7. Über welche Themen schreibst Du generell?
  8. Für wen schreibst Du?
  9. Was ist Dein Lieblingsbeitrag auf Deinem Blog?
  10. Hast Du schon Blogpausen eingelegt oder Blogs ganz aufgegeben?
  11. Was empfiehlst Du Menschen, die mit dem Bloggen anfangen wollen?
  12. Hast Du Zukunftspläne für Deinen Blog? Vielleicht ein Redesign, ein Wechsel der Plattform oder neue Features?

Selbstverständlich könnt ihr die Fragen und den Aufruf weiterteilen …

Ich bin gespannt auf eure Texte.

Pudel-Dudeleien

Samt Schutzumschlag liegt es vor mir, das Buch aus meinem letzten Blogpost, Betty MacDonalds Fräulein Pudel-Dudels Wunderkuren.

Eine liebe Freundin hat mir den Tipp gegeben, es doch bei der National- oder bei der Kantonsbibliothek zu versuchen. Bei der einen, in Bern, hätte ich es mir nur zur Lesung im Lesesaal ausleihen können, bei der zweiten wurde es mir gegen Versandbebühr zugeschickt. Die Ausleihe von Büchern ist in beiden Bibliotheken kostenlos. Wow.

Buchcover. Hellbeiger Hintergrund, darauf oben Autorinname und Buchtitel. Darunter eine alte Frau mit Dutt, die einen Vogelbauer trägt. Darin sitzt ein orangefarbener Papagei. Zu ihren Füßen geht ein Dackel, der am Papagei schnuppert. Links neben der alten Frau stehen ein paar Kinder. Das Bild ist in kindlichem Stil gemalt.
Buchcover. Hellbeiger Hintergrund, darauf oben Autorinname und Buchtitel. Darunter eine alte Frau mit Dutt, die einen Vogelbauer trägt. Darin sitzt ein orangefarbener Papagei. Zu ihren Füßen geht ein Dackel, der am Papagei schnuppert. Links neben der alten Frau stehen ein paar Kinder. Das Bild ist in kindlichem Stil gemalt.

Gestern habe ich das Buch aus dem Jahr 1963 für den Eigengebrauch digitalisiert. Als PDF und als ePub (falls wer will, bitte melden). Ebenfalls gestern habe ich mit Lesen angefangen. Und ja, vieles ist genauso, wie ich es in Erinnerung hatte. Woran ich mich nicht mehr erinnerte – immerhin war ich erst 8-10 Jahre jung, als ich es gelesen habe –, ist das damalige Frauenbild. Für mich war das damals vermutlich die Normalität. Wie klar damals noch alles war: Mädchenrollen, Bubenrollen. Frauenrollen. Männerrollen. Wow.

Wenn ich schaue, wo wir heute sind, erkenne ich dankbar, dass sich da ja doch, trotz allem, etwas getan hat. Wow.

Es gibt immer noch sehr viel zu tun.

Die Idee, das Kinderbuch in heutige Sprache zu transponieren, geistert in meinem Kopf herum. Die Probleme und Themen der Menschen, die im Buch vorkommen, sind nicht mehr zeitgemäß, aber die Probleme und Themen der Menschen, die heute leben, könnten teils mit ähnlichen Ideen, wie sie Fräulein Frau Pudel-Dudel damals hatte, entspannt werden. Ich denke insbesondere an neurodivergente Kinder und ihre Familien.

Vielleicht-vielleicht probiere ich das tatsächlich aus. Spaß würde es machen, glaube ich.

Ausgelesen #43 | Wo die Geister tanzen von Joana Osman

Etwa anderthalb Wochen lang bin ich in Joana Osmans autofiktivem Roman »Wo die Geister tanzen« eingetaucht. Heute habe ich das Buch fertig gelesen. Es geht um den Nahostkonflikt. Um Menschen, die einst Palästina als Heimat wähnten. Um Osmans Großeltern, die nach der Gründung Israels aus ihrer Heimat, Jaffa, vertrieben wurden, staatenlos Gewordene … Die Autorin, in Deutschland aufgewachsen, beschreibt die Flucht der Großeltern, all die neuen provisorischen Wohnungen unterwegs und die bittere Armut, Hunger, Kälte, Ausgestoßensein … Trotz ihrer beinahe leichtfüßigen Erzählweise gehen mir ihre Geschichten tief unter die Haut. Oder vielleicht genau deswegen? Und auch weil ich weiß, dass das alles ja so oder ähnlich auch heute noch geschieht. Immer. Irgendwo. Krieg ist immer irgendwo. Flucht auch.

Oft fühle ich diese ganze Last dieser Scham des Privilegiert-Seins auf mir. Meine Privilegien. Unsere. Zwar bin ich materiell arm, doch ohne Angst hungern oder um ein Dach überm Kopf bangen zu müssen. Fluchtanlässe habe ich auch keine. Die Scham der Privilegierten einerseits, andererseits auch die Schuld – die Mitverantwortung – einer zufällig in einem reichen Land Geborenen, einer, die es sich eingerichtet hat in einem System, das sie im Grunde zutiefst anzweifelt. Zur Scham also auch noch die Schuld der Privilegierten.

Wenn ich solche Geschichten und Texte lese und mich dem Schmerz öffne, ist das wohl wie eine Art Ablasshandlung für mich – stelle ich irgendwann mitten in meiner Mit-Trauer fest. Auch Doomscrolling vielleicht einmal als eine Art selbstverletzendes Verhalten betrachten: ein Ritzen an der Seele sozusagen, um gefühlt ein wenig der Schuld und Scham zu kompensieren? Vielleicht.

Was aber kann ich tun? Mit-Fühlen, ja, immer, weiterhin. Nicht damit aufhören, nicht abstumpfen. Wachsam sein. Hinschauen. Mich solidarisieren. Wutmut füttern und Mutwut auch gleich. Und handeln. Da wo es geht.

Ich habe dieses Leid so satt, dieses menschliche, kollektive Leid, das von Generation zu Generation weitergereicht wird … all dieses Leid, all dieser Schmerz. Die Uneinsicht jener, die Macht haben.

Fazit? Die Menschheit ist zu großen Teilen kaputt.

»Ich möchte lieber nicht.« So schrieb Herr Buddenbohm heute. Ich möchte auch lieber nicht. Ja, ich glaube, gerade habe ich ein ziemliches Motivationsproblem.

Ach, und noch ein Fazit: Dieser Roman sollte Pflichtschullektüre werden. Aus Gründen.


Drei Generationen, verbunden durch die tiefe Sehnsucht danach, Wurzeln zu schlagen – in ihrem großen Roman erschreibt sich Joana Osman ihre eigene Familiengeschichte.
Joana Osmans Roman hat einen hellen Umschlag. Im unteren Bereich des Covers sehen wir die Fotografie von sechs Menschen, die als Silhouetten erkennbar sind und aus dem Wasser steigen. Darüber, im eierschalenweißen Bereich Autorin-Name (Joana Osman, in schwarzer Schrift) und Titel des Buches (Wo die Geister tanzen, in roten Großbuchstaben).
Joana Osmans Roman hat einen hellen Umschlag. Im unteren Bereich des Covers sehen wir die Fotografie von sechs Menschen, die als Silhouetten erkennbar sind und aus dem Wasser steigen. Darüber, im eierschalenweißen Bereich Autorin-Name (Joana Osman, in schwarzer Schrift) und Titel des Buches (Wo die Geister tanzen, in roten Großbuchstaben).

Sabiha und Ahmed sind fest verwurzelt in ihrer Heimatstadt Jaffa. Hier eröffnen sie ein eigenes Kino, um in der letzten Reihe bei Filmen mit Shirley Temple zu weinen, und ziehen ihre Söhne groß. Doch 1948, mit dem ersten arabisch-israelischen Krieg und schließlich der Gründung Israels, beginnt für die Familie eine Odyssee. Sie fliehen in den Libanon und weiter in die Türkei, stets auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Sie leben in Abbruchhäusern und werden von keinem Staat anerkannt. Sie trauern um die Verstorbenen und verlieren doch nie die Lust am Leben und erst recht nicht ihren Humor.

Siebzig Jahre später begibt sich Joana Osman in Israel auf Spurensuche. Wer waren ihre Großeltern, die ihren Vater auf der Flucht großzogen? Was war das für eine Reise, die auch ihr eigenes Aufwachsen so stark und doch so unsichtbar geprägt hat.

Fiktion und Autofiktion verschwimmen in diesem Roman, in dem Joana Osman ihre eigene Familiengeschichte vor dem Vergessen rettet. Voller Fantasie und hinreißendem Witz lässt sie die Geister der Vergangenheit tanzen. (Zitat Webseite Bertelsmann)

Hardcover, mit Schutzumschlag, 224 Seiten
Erschienen am 30.08.2023
ISBN: 978-3-570-10522-1

20 Jahre Webloggerei, ein Rückwärtssalto und ein großes Sorry

Zur Feier des Jahres sind seit heute mein Uraltblog und mein aktuelles Blog vereint. Ich habe die Daten meines ersten im Juni 09 begonnenen WordPressblogs in dieses Blog hier integriert.

Nicht integriert habe ich mein ururaltes, nicht mehr im Netz hängendes Internettagebuch, das ich von 2004-2008 am einen und von 2008-2009 an einem weiteren Ort geführt hatte. (Die Daten gibt es noch, aber ich weiß nicht, ob ich mir so viel Arbeit machen will, die fürs Blog kompatibel zu machen.)

Summa summarum blogge ich also inzwischen zwanzig Jahre. Am Freitag, den 23. April 04 habe ich – damit angefangen und nie damit aufgehört.

Ich glaube, da darf ich mir schon mal ein wenig auf die Schultern klopfen?


PS: Nicht auf die Schultern klopfe ich mir dafür, dass ich vorhin mit den alten Blogartikeln meinen Mastodon-Kanal – @sofasophia@sofasophia.blogda.ch –, der eigentlich ja nur meine neuen Blogartikel spiegeln soll, vollgespamt habe. Die alten Texte, die ich ja eigentlich hier nur archivieren wollte, wurden dort ebenfalls gespiegelt, so als hätte ich heute hunderte neue Blogartikel geschrieben.

Liebe Mastodon-Abonnent*innen, verzeiht bitte. Das war so nicht gedacht.

Ausgelesen #42 | Die Wahrheiten meiner Mutter von Vigdis Hjorth

Sie hat damals ihren Mann, die Schwester und die Eltern von einem Tag auf den anderen verlassen und ist ihrer neuen Liebe von Norwegen in die USA gefolgt. Inzwischen ist Johanna erfolgreiche Künstlerin, Witwe und Mutter eines erwachsenen Sohnes. Nach dreißig Jahren kehrt sie – anlässlich einer Retrospektive ihres Kunstschaffens – in die Stadt ihrer Kindheit zurück, wo sie wieder Fuss fassen will. Dass sie feststeckt, begreift sie erst allmählich.

Das Buchcover zeigt in grafischen, mehrfarbigen Elementen und Schrift den Titel, Autorin- und Verlagsnamen. Dominant sind Blau- und Rottöne.
Das Buchcover zeigt in grafischen, mehrfarbigen Elementen und Schrift den Titel, Autorin- und Verlagsnamen. Dominant sind Blau- und Rottöne.

In kurzen Kapiteln spricht die Ich-Erzählerin davon, wie damals die Beziehung zu ihrer Familie kaputt gegangen ist. Sie erinnert sich an versteckte seelische Schmerzen der Mutter und begreift diese im Rückblick als Ausgangspunkt für die späteren Spannungen zwischen ihnen. Spontan wählt sie Mutters Telefonnummer. Trotz der räumlichen Nähe bleiben Mutter und Schwester jedoch unerreichbar. Verwundet und verwundert spielt Johanna mit Was-wäre-wenn-Szenarien, versucht den neuen Zurückweisungen eine Gestalt zu geben und zu verstehen, warum die Mutter das Telefongespräch nicht annimmt und die Schwester Nachrichten nicht beantwortet. «Vielleicht will Mutter mich nicht sehen, um nicht zu erfahren, was sie verloren hat? […] Ich zeichne mich als Mutter im Spiegel und entdecke, dass Mutters Mund spricht, er sagt, dass sie meinetewegen viel gelitten hat.»

Mir ging es beim Lesen ähnlich wie der Mützenfalterin, die mich überhaupt erst auf das Buch aufmerksam gemacht hat. Vigdis Hjorth erzählt eine Geschichte, die erschüttert und unter die Haut geht.

Roman, S. Fischer 2023
Aus dem Norwegischen übersetzt von Gabriele Haefs

Ausgelesen #41 | Worum es geht von H. C. Rosenblatt

Als Hannah C. Rosenblatt im Frühling in ihrem Blog bekanntmachten, dass sie ein weiteres Buch – Worum es geht – publiziert haben, wollte ich es unbedingt lesen, denn ich folge ihnen schon seit Jahren; im Blog ebenso wie auf Mastodon. Ihr erstes Buch, aufgeschrieben, habe ich hier besprochen.

Cover des Buches
Cover des Buches „Worum es geht, Autismus, Trauma und Gewalt“ von H. C. Rosenblatt, mit dem Logo der edition assemblage in pink.

Dass es so lange gedauert hat, bis ich mich endlich auf Worum es geht einlassen konnte, tut mir leid. Das Jahr war kein einfaches. Dazu wusste ich, dass mich das Thema auch diesmal sehr berühren würde. Wie schon in aufgeschrieben geht es auch in Worum es geht um Gewaltstrukturen. Und wie schon bei aufgeschrieben fällt es mir erneut sehr schwer, die richtigen Worte zu finden, um dem so wichtigen Inhalt von Worum es geht halbwegs gerecht zu werden.

Es geht darum, Zusammenhänge zu erkennen, denke ich beim Lesen immer mal wieder. Und darum, auf all die Gewaltstrukturen sensibilisiert zu werden, in denen wir alle tagtäglich leben. Rosenblatt reflektieren aus autistischer, komplex traumatisierter Perspektive und schaffen ein Bewusstsein dafür Alltägliches zu hinterfragen, ganz besonders auch all die unterschiedlichen therapeutischen Hilfsangebote. Es geht ihnen allerdings nicht darum, anzuprangern, sondern den Kern des Dramas ihrer Erfahrungen aufblättern. Um zu verstehen. Um einordnen zu können. Dabei helfen auch Rosenblatts treffende Illustrationen.

»Eine Idee davon geben, was für ein Leben mir damals ständig gerettet wurde. Klarmachen, dass die, die mir die Handgelenke zugenäht und den Magen ausgepumpt haben, nicht diejenigen waren, die mich aus dem organisierten Verbrechen gerettet haben. Und dass es auch nicht die organisierte Intensiventspannung nach Gongschlag eingehüllt in Lavendelduft war, die mir in irgendeiner Weise dazu verholfen hat, meine Perspektive als autistische und komplex traumatisierte Person in einer nicht-autistischen Welt zu validieren, zu normalisieren und zu verkörpern.« (Zitat, Quelle: einblogvonvielen.org)

»Nach der Diagnose ’dissoziative Identitätsstörung’ (DIS) versuchen Rosenblatt über ein Jahrzehnt die angebotene Traumatherapie zur Verarbeitung zu nutzen. Allerdings mit so wenig Erfolg, dass sie auch lange nach ihrem Ausstieg aus organisierter Gewalt und Ausbeutung immer wieder um ihr Leben kämpfen müssen und von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen bleiben.«
(Zitat, edition assemblage)

Rosenblatt erzählen in Worum es geht von der Verarbeitung eigener Gewalterfahrungen als lange unerkannt autistische Person mit komplexer Traumafolgestörung. Nach ihrer späten Autismus-Diagnose beginnen Rosenblatt über Gewalt als immanente Funktion unserer Gesellschaft zu forschen und eröffnen ihnen und uns Lesenden Zugang zu Erkenntnissen darüber, was Heilung und Hilfe mit Gewalt zu tun haben.

Auch wenn wir hier Teile von H. C. Rosenblatts Lebensgeschichte lesen, ist dieses Buch doch weit mehr als eine persönliche Geschichte, denn das hier geht uns alle an. Sachliches und Persönliches wechseln sich ab und verbinden sich miteinander. Ich lege dieses Buch allen ans Herz, die wissen wollen, worum es wirklich geht. Denn Autismus, Trauma und Gewalt sind keine Privatsache.

Das Schlusswort übergebe ich H. C. Rosenblatt:
»Ich teile das alles, weil ich glaube, dass in Kontakt miteinander zu gehen, Ver.Bindung anzubahnen und darüber Empathie, Mut, Kraft zu entwickeln, wichtig ist, um das gute Leben für alle zu gestalten. Das gute Leben, das wir alle verdient haben.«
(Zitat: H. C. Rosenblatt, Worum es geht, Seite 20)

»Verstehen, das ist für mich die ultimative Verbindung.«
(Zitat: H. C. Rosenblatt, Worum es geht, Seite 21)


Ich bedanke mich bei H. C. Rosenblatt herzlich für das Rezensionsexemplar.


Taschenbuch
144 Seiten
140 x 200mm
978-3-96042-158-0 / 2-973
19,80 Euro

Edition Assemblage
März 2023

#Novemberschreiben23 #NaNoWriMo23 | Tage 26-30

Ich habe es geschafft! Und sogar auf die extakte Wortzahl. Und das ohne, dass ich es darauf angelegt habe. Ich freue mich sehr.

Wenn ich mein Manuskript noch ein wenig gehätschelt und gekämmt haben werde, brauche ich ein paar liebe Erstleser*innen. Details gern per Mail.

Meine persönliche kleine Zählmaschine sieht (als Screenshot) so aus:
[Draufklick macht die Grafik groß]

Heutiger Wörterstand: 50’010

Screenshot einer Tabelle mit Listen und Grafiken, die die täglichen Fortschritte dokumentiert.
Screenshot einer Tabelle mit Listen und Grafiken, die die täglichen Fortschritte dokumentiert.

#Novemberschreiben23 #NaNoWriMo23 | Tage 23-25

Endlich bin ich richtig gut im Schreibmodus gelandet. Meine Geschichte verdichtet sich stetig und die Figuren sind mir ans Herz gewachsen. Ich hoffe, ich finde für alle einen passenden Abschluss.

Die beste Schreibzeit ist für mich definitiv der Morgen. Im Bett. Ich habe schon vor Wochen auf meinem iPad eine Office-App installiert, die sich mit unserer Nextcloud verbinden lässt und so kann ich mein Romanmanuskript direkt und überall mit Nachschub füttern. Externe Tastatur sei Dank.

In einer Stunde schaffe ich so ungefähr 1700-2000 Wörter, das Tagessoll. Manchmal kann ich länger schreiben, manchmal reicht die Zeit dafür nicht.

So oder so: Schreiben ist genial. Es tut gut, sich in die Figuren hineinzuversetzen und mit ihnen Schwieriges und Erfreuliches zu erleben. Selbst Erlebtes bekommt, quasi von außen betrachtet, eine ander Dimension. Dass ich mich darauf eingelassen habe, war eine so gute Entscheidung!

Meine persönliche kleine Zählmaschine sieht (als Screenshot) so aus:
[Draufklick macht die Grafik groß]

Heutiger Wörterstand: 44’000

Screenshot einer Tabelle mit Listen und Grafiken, die die täglichen Fortschritte dokumentiert.
Screenshot einer Tabelle mit Listen und Grafiken, die die täglichen Fortschritte dokumentiert.

#Novemberschreiben23 #NaNoWriMo23 | Tage 19-22

Heute wieder einmal ein kleines, müdes Update.

Meine persönliche kleine Zählmaschine sieht (als Screenshot) so aus:
[Draufklick macht die Grafik groß]

Heutiger Wörterstand: 34’914

Screenshot einer Tabelle mit Listen und Grafiken, die die täglichen Fortschritte dokumentiert.
Screenshot einer Tabelle mit Listen und Grafiken, die die täglichen Fortschritte dokumentiert.