Geschützt: Sommerreise 23 #2
Geschützt: Sommerreise 23 #1
Auf Rädern unterwegs
Unter anderen Umständen wäre der liebste Irgendlink dieser Tage vermutlich so langsam am Nordkap angelangt. Geplant war eine gebloggte Radreise in gewohnter Manier ab Finnland ans Kap. Doch da vor einem Monat aus Gründen, über die wir beide gebloggt haben, die Weichen buchstäblich in eine andere Richtung gestellt wurden, umradelt Irgendlink nun die Schweiz und bloggt darüber.
Nach einer Mit-dem-Rad-zur-Liebsten-Radtour zu mir und ein paar Tagen Fellpflege in der Homebase, hat er sich genau heute vor einer Woche mit ein bisschen Begleitung meinerseits, auf den Weg gemacht, die Schweiz zu umrunden.
Na ja, rund ist sie so gar nicht, die Schweiz, eher scharfkantig und voller gebirgiger Anhängsel, auf denen sich nicht radeln lässt. Relativ grenznah umradeln geht dennoch, wenn auch ein paar Berge abgeschnitten werden mussten.
Wollt ihr die Karte gucken? Da ist sie >>> ZUR KARTE.
Allabendlich lädt Irgendlink seinen Track und manchmal auch ein paar Bilder hoch. Heute wird er dem Ufer des Genfersees entlang radeln, vermutlich dem südlichen.
Vor ein paar Monaten dachte ich, dass ich doch eigentlich, während der Liebste sich ans Nordkap schafft, auch eine kleine Ferienreise machen könnte. Freundinnen besuchen. Falls mich der Mut nicht in letzter Minute verlässt, werde ich darum am Freitag für zehn bis elf Tage unterwegs sein. Nur mein Autochen, mein Zelt und ich.
Falls ich Lust habe und dazu komme, werde ich vielleicht auch gern mal wieder von unterwegs reisebloggen. Mit Passwort, das ich euch aber gern verrate, falls ihr mir folgen mögt. Schreibt mir einfach einen entsprechenden Kommentar unter diesen Artikel.
Das Vergehen der Tage
Elf Tage dreht sich die Welt jetzt schon ohne dich, lieber Freund, so, wie sie das schon immer getan hat. Sie hat noch nie angehalten, wenn jemand gestorben ist, wie könnte sie auch? Müsste sie nicht dauerhaft anhalten, da doch immer irgendwo jemand stirbt; und müsste sie dann nicht ständig hüpfen, wenn jemand geboren wird?
Immer stirbt irgendwo jemand. Junge Menschen und ältere. Gesunde und kranke, mit und ohne Schmerzen, plötzlich oder langsam, ohne oder mit Abschied; und mit oder ohne geliebte Menschen in der Nähe. Einsame Menschen sterben ebenso wie Menschen, die viele Lieblingsmenschen haben.
Und immer schlüpft irgendwo jemand hinaus in die Welt. Kleine Menschen, die sehnlichst erwartet werden und solche, die niemand geplant hat. Als ließe sich das Leben planen. Arm und reich, gesund und krank, mit oder ohne Haare, kleine Menschen mit beschädigten Herzen. Geboren werde sie alle, und alle sind sie darauf angewiesen, dass sich jemand um sie kümmert, damit sie nicht verkümmern.
Wir müssten immerfort weinen und lachen, trauern und uns freuen, Abschiede und Anfänge feiern.
Statt dessen lassen wir die Tage werden und vergehen; und füllen sie mit Dingen, von denen wir glauben, dass sie getan werden müssen oder dass wir sie tun sollten und mit solchen, die wir tun wollen. Und das ist gut so.
Als du auf der Intensivstation lagst, vom Hals an abwärts gelähmt, begann meine Uhr anders zu ticken.
Du hast mir einen neuen Blick auf Leben und Sterben ermöglicht. Einen neuen Blick auf Leid und Schmerz auch. Auf Freundschaft und Verbindlichkeit, auf letzte Bitten und auf Dankbarkeit. Und natürlich auch, auf das was bleibt. Auf Materie, die jemand hinterlässt und auf jene Dinge, die unsterblich sind.
Nein, ich glaube nicht mehr an ein Danach, aber ich glaube an Verbindungen, an Erinnerungen, und ich glaube an Freundschaft.
Ich glaube an das Leben. Auch wenn es vielleicht nur dem Tod abgetrotzte Zeit ist.
Ich danke dir, lieber Freund.
Abschied nehmen
Content warning »Sterbebegleitung, Sterben, Tod, Abschiednehmen«
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Es klingt immer relativ einfach in den Filmen, wenn die Angehörigen beschließen, die Maschinen auszuschalten. Dann geht sie hin, die Ärztin, drückt ein paar Knöpfe und der Patient schläft friedlich ein.
In Tat und Wahrheit ist es ein harter Kampf, der bei Freund S. aka Journalist F. über einen Monat gedauert hat. Vor etwa einem Monat hat er sich selbst ins Krankenhaus eingewiesen, weil die Schmerzen unerträglich geworden sind. Ein Quäntchen Hoffnung auf Besserung hatte er damals noch gehabt. Darauf, dass eine OP seine tauben Hände vielleicht noch retten und ihm ein wenig der in den letzten Monaten verlorenen Autonomie wieder zurückbringen könnte. Er willigte ein. Was hatte er auch für eine Wahl? Die Lähmung war – zusätzlich zu all den anderen Einschränkungen und Krankheiten – täglich schlimmer geworden. Seine Hände gehorchten ihm nicht mehr. Die Unterschrift unter die OP-Einwilligung konnte er – ich stelle es mir bildlich vor – wohl eher schlecht als recht kritzeln, sehen tat er ja auch kaum mehr und ob er, wegen seiner starken Schwerhörigkeit, die Infos zur OP und ihren möglichen Folgen verstanden hat, wissen die Göttinnen. Hatte überhaupt jemand an die Hörgeräte und funktionierende Batterien gedacht?
»Ich habe alles unterschrieben!«, sagt er zu Irgendlink, der ihn am vermeintlichen Vorabend zur großen OP besucht. Zusammen nehmen die beiden sicherheitshalbe eine Audio-Patientenverfügung auf, in der naiven Hoffnung, dass das reicht, falls die OP nicht gelingt.
Am nächsten Tag fährt Irgendlink für vier Tage zu mir in die Schweiz, naiv hoffend, dass der Operierte am Abend bereits wieder fitter ist. Ist er nicht. Im Gegenteil. Die OP fand nicht statt. Irgendlink überlegt, am nächsten Tag mit meinem Autochen von der Schweiz aus nochmals die 300 Kilometer zur Klinik zu fahren, um mit den Ärzten zu reden. Aber zum Glück ist das nicht nötig, der Arzt (oder war es eine Ärztin?) kann telefonieren. Die OP sei auf die folgende Woche verschoben worden – warum auch immer.
Unser aller Freundin F. besucht S. und überbringt ihm unsere lieben Wünsche, informiert ihn. Aber es geht ihm da bereits sehr schlecht. Kaum mehr erträgliche Schmerzen. Wir überlegen, weit weg in der Schweiz, ob er wohl jetzt von seinem Notfallplan Gebrauch machen wird. Als Dialytiker, so hat er uns immer wieder erzählt, werde er – wenn er keine Hoffnung mehr auf Besserung seines Zustandes habe und ein gewisses Maß an Lebensqualität nicht mehr erreichbar sein werde – die Dialyse verweigern, sich in Palliativpflege begeben und sich vom Leben verabschieden.
Über diese Möglichkeit und Absicht hatte er besonders im letzten Jahr immer wieder gesprochen, immer häufiger, je schlimmer der körperliche Zustand geworden war. Und der seelische auch gleich, denn die Depressionen waren wieder sehr präsent geworden. Bei unserm letzten Besuch im Pflegeheim – Mitte April – hatte er mich gebeten, seinen Betreuenden zu sagen, dass er dringend eine Therapie brauche. Jemanden zum Reden, jemanden, der ihm – außer uns Freund*innen – helfe, seine Last zu tragen, die der Schmerzen, die des mentalen Drucks, der Angst vor einem Hirnschlag (CovidseiDank), vor noch mehr Schmerzen, vor noch mehr Einsamkeit, mentaler Unterforderung und fehlender Stimulation … Ich sprach diese eine Betreuerin, die mit dem Hundchen, direkt darauf an und sie versprach, sich zu kümmern. Doch so weit kam es ja dann gar nicht mehr, da Journalist F. nach einer seiner dreimal wöchentlich stattfindenden Dialysen gleich im Krankenhaus blieb. Die tauben Hände waren noch tauber geworden. Jeden Tag ein wenig mehr.
Die OP (Spinalkanalstenose) kam vermutlich zu spät.
Es folgten viele Tage auf der Intensivstation, viele, fast tägliche Besuche dort, viele Gespräche mit Pflegenden und Ärzt*innen. Irgendlink, als Freund S.s Betreuer/Beistand, der sich mit der Ethikkommission anlegt und schließlich gewinnt. Der Gewinn? Dass Journalist F. würdig und ohne Maschinen sterben darf.
Am Freitagnachmittag wurde er von der Intensiv- auf die Palliativstation verlegt. Gestern Morgen, um 8:00 rum, ist S. dort friedlich und für immer eingeschlafen.
Ich durfte gestern bei der Arbeit früher gehen, belud mein Autochen und fuhr 300 Kilometer zum Liebsten. Gemeinsam haben wir gestern S. ein letztes Mal besucht und uns von seiner irdischen Hülle verabschiedet. Er hat nun keine Schmerzen mehr, weder seelische noch körperliche. Darüber sind wir froh. Aber traurig, dass wir nicht mir mit ihm reden, lachen, philosophieren und blödeln können.
Wie er daliegt. Bereits irgendwie durchscheinend, wächsern … So werden wir alle daliegen, tot, eines Tages, denke ich. Du. Ich. Irgendlink und ich halten uns aneinander fest. S. fehlt. 🖤
Ich werde nie mehr Hörbücher auf sein Handy laden. Keine Heimbesuche mehr. Wir werden nie mehr mit ihm lachen. Nie mehr mit ihm durch den schönen Park des Pflegeheims rollen. Nie mehr Witze über die anderen Insassen reißen. Nie mehr über das miserable Essen lästern, nie mehr mit ihm rauchen, nie mehr Obst, Nikotinkaugummis, Ibuprofen und Hörgerätebatterien für ihn kaufen. Der berühmte Erinnerungsfilm läuft bei mir seit Tagen auf Hochtouren.
Ich sitze auf dem Stuhl neben seinem Bett in diesem sehr schönen, hellen, sauber duftenden Zimmer und begreife erst allmählich die Endgültigkeit. Sein hart erkämpftes Sterbendürfen – statt von Maschinen künstlich erhaltenes Lebenmüssen ohne Hoffnung auf Besserung – ist erlösend für ihn, erleichternd für uns und dennoch unglaublich schmerzhaft.
Auf dem Nachttisch stehen eine Engelskultpur und eine schwarze Kerze. Auf S.s Bauch liegt eine Blume. Ich glaube, das hätte ihm gefallen.
Die sehr herzliche Schwester auf der Palliativstation sagt, dass wir jederzeit anrufen und Fragen stellen dürfen. Und dass S. doch bitte zeitnah von einem Bestattungsunternehmen unserer Wahl abgeholt werden solle. Darum kümmert sich die Schwester, sagt Irgendlink. Wie gut es doch ist, dass er und F. sich bei dieser gemeldet haben, als S. noch lebte. So konnten noch Worte des Verzeihens und der Vergebung ausgesprochen werden.
Ein Leben ist vollbracht, so, genau so, fühlt es sich an. Kein ’zu früh’, sondern ein ’genau richtig’.
Danke, lieber Freund!
+++
Ich glaube ja, den Himmel haben sich die Menschen nur ausgedacht, weil sie mit der Tatsache und Endgültigkeit des Todes nicht klarkamen. Aus dem gleichen Grund haben sie sich Gott ausgedacht. Sie brauchen jemanden, dem sie die letzte Verantwortung und all die ungelösten und unlösbaren Fragen in die Schuhe schieben konnten.
Eigentlich anders
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Eigentlich wollte ich dieser Tag hier einen liebevollen, begeisterten, einladenden Text über das geplante Live-Kunst-Reiseprojekt des liebsten Irgendlink schreiben. Einen Text über seine Pläne, via Helsinki ein weiteres Mal ans Nordkap zu radeln. Einen Text über die Umsetzung eines Traumes, der seit Mitte Pandemiezeit immer konkreter wurde und dieses Jahr in die Wirklichkeit geholt werden sollte.
Uneigentlich ist alles ganz anders. Gestern Nachmittag fand ein Gespräch statt, von dem wir uns erhofft hatten, dass danach unser lieber Freund S. endlich und seinem Wunsch, seiner mündlichen Patientenverfügung, entsprechend, von seinen unheilbaren Schmerzen befreit wird.
Diese existentielle Fragen liegen uns schwer auf Mägen und Herzen. Es geht um Würde und Autonomie bis zuletzt, und es geht um Fragen zu Lebenmüssen und Sterbendürfen. Um Entscheidungen, die wir für einen lieben Menschen treffen müssen, der sich nicht mehr zu Wort melden kann. Ich bin ja ’nur’als Mitmensch und langjährige Freundin im Boot, der Liebste jedoch als Beistand. Schwere Entscheidungen. Wir machen es uns keineswegs leicht.
Mein Herz ist schwer. So viele Erinnerungen an unseren lieben Freund S. tauchen auf, während ich an seinem Bett stehe. Die letzten Besuche im Pflegeheim. Mein letzter vor dem aktuellen Klinikaufenthalt war jener, bei welchem wir ihm das von Freunden finanzierten E-Mobil geliefert hatten. Das er aber, weil er von seiner zweiten Covid-Erkrankung noch so geschwächt war, noch gar nicht hatte probefahren können.
Leider hat das gestrige Gespräch nicht das erhoffte Ergebnis bewirkt, nämlich das Freund S. von seinen Leiden erlöst werden darf. Nochmals neun Tage Abwarterei. Heute oder jedenfalls bald bekommt S. einen Luftröhrenschnitt, dann soll das Morphin ausgeschlichen werden und alsdann soll S. bitteschön höchstpersönlich sagen, dass er nicht mehr weiterleben will. Obwohl wir eine Tonaufnahme von eben dieser Aussage haben. Und diese auch in verschriftlichter Form vorliegt. Und der Liebste immerhin S.s juristischer Beistand ist. Dass S. vor einem Monat jener einen OP zugestimmt habe, die ihn von seiner zunehmenden Lähmung erlösen sollte, sei doch Zeichen dafür, dass S. weiterleben wolle. Dass die OP eher nicht erfolgreich war, wird ignoriert.
Es ist ein Trauerspiel. Wir geben nicht auf.
Des Liebsten Reise ist jedenfalls gecancelt. Aber vielleicht ist ja aufgeschoben nicht aufgehoben. Bestimmt würde sich S. sogar freuen, wenn Irgendlink nochmals vom Nordkap in die Ferne gucken könnte. Ganz bestimmt sogar.
Alltagsbilder
Ich mag sie, diese erste Stunde. Obwohl es recht früh ist, neun Uhr. Meine monatliche Samstagsschicht in der Bibliothek beginnt meistens ganz ruhig. Ich lüfte, starte die für die Ausleihe notwendigen Programme, putze die Bücher aus der Rücknahme und stelle sie in die Regale. Dabei schaue ich die Neuheiten im Regal durch. Ob ich eins davon ausleihen und besprechen soll? Erfahrungsgemäß kommen vor zehn Uhr nur ein paar wenige Leute. Meistens ältere Damen.
Gerade habe ich eine ältere Dame bedient und verabschiedet und das Buch eines jungen Mädchens mit einem sehr schönen Vornamen eingescannt, als wir über Vornamen zu reden beginnen. Ich hatte nach der richtigen Aussprache ihres Namens gefragt, da auch mein Vorname oft falsch ausgesprochen wird. Da meldet sich die alte Dame, die am Tresen ihre Bücher einpackt, zu Wort. Sie hasse ihren Namen, sagt sie, immer schon, die Abkürzungen seien schrecklich und der Zweitname mache alles noch schlimmer. Sie erzählt von Auslandjahren und von ihren Erfahrungen. Innert weniger Minuten hat sie uns ihre Geschichte erzählt, die Kürzestfassung. Das Mädchen und ich hören zu, stellen ab und zu Fragen. Drei Frauengenerationen, die sich über ihren Platz in der Welt austauschen. Die alte Dame könnte meine Mutter sein und das Mädchen meine Tochter. Ein feines Gespräch. Auch die anderen Kundinnen nutzen heute die Gunst der Stunde. Es ist ruhig, es ist Zeit zum Reden da. Ich höre zu, berate manchmal zu Büchern, empfehle zuweilen Liebgewordenes. Dem Pensionär mit seiner Vorliebe für die Schärenkrimis empfehle ich den eben ausgelesenen Lapplandkrimi der gleichen Autorin, deren Bücher er zurückgebracht hat. Da und dort Gespräche über Lieblingsautor*innen. Und hat jener Autor eigentlich noch andere Bücher geschrieben? Haben Sie die da?
Die alten Leute kennen sich zumeist nicht mit der digitalen Suche an unseren PCs aus. Ich helfe gern.
Später fasse ich neben der Kollegin, die mir von ihren Kajak-Erfahrungen und von ihrem zukünftigen Studi-WG-Zimmer in Bern erzählt, neue Bücher in Folie. Eine sehr meditative Arbeit. Friedliche Stimmung.
Ach, und inzwischen scheint die Sonne. Endlich mal wieder Sonne! Wie gut das tut.
Auf dem Heimweg fahre ich durchs Quartier zum Supermarkt. Zwei Männer haben ein rotes Auto aufgebockt und wechseln das linke Vorderrad. »Hab ich auch eben erst gemacht, Jungs!«, denke ich beim Vorbeiradeln, »und nein, auch nicht allein!«
Im Supermarkt eine superliebe Kassiererin, die ins Plaudern kommt. Vermutlich steht es auf meiner Stirn: »Ich bin heute in Plauderlaune.«
Auf dem Rückweg sind die Jungs noch immer am gleichen Rad. Vorne links. Tse.
10 Jahre Kultur mit Silvia Bervingas und Matthias Wolf
Da war vor zehn Jahren dieser erste, sehr originelle Tatort aus Saarbrücken, der erste mit Devid Striesow, Sie erinnern sich? Eine der wenigen Tatort-Folgen übrigens, die ich je in meinem Blog (hier) besprochen habe. ’Melinda’ hieß sie und es ging um Drogenschmuggel. Soweit nichts Neues, doch es war auch nicht die Geschichte an sich, die es mir angetan hatte, es waren die drei Hauptfiguren: Melinda natürlich, dann Devid Striesow aka Jens Stellbrink und Silvia Bervingas aka Margot Müller.
Dass ich ’Margot Müller’, im echten Leben Silvia Bervingas, kurz darauf persönlich kennenlernen würde, wusste ich damals noch nicht. Es war nach einer Tucholski-Performance – ’Schräglagen’ – in der Galerie Prisma, als wir draußen, bei einer Zigarette, ins Gespräch miteinander kamen, Silvia, der liebste Irgendlink und ich. In dieser Kombination haben wir seither schon viele Stunden verbracht, am Feuer sitzend oder auf dem Sofa und einander aus unseren Leben erzählend.
»„Schräglagen“ hieß der Abend, 25 Besucher waren in die damals noch existierende Zweibrücker Prisma-Galerie gekommen. Bervingas las und spielte ausdrucksstark, Wolf erzeugte Hintergrundgeräusche, spielte dann aber auch stimmungsvolle Soli. In der Pause plauderten die Künstler ganz ungezwungen mit dem Publikum.«
Zitat/Quelle: Rheinpfalz
Einen großen Teil ihrer Lesungen und Performances habe ich in den letzten zehn Jahren mitverfolgt, gehört und gesehen. Vielen kostbaren Texten und wohltuenden Klängen habe ich seither gelauscht. Zum Beispiel der ungehaltenen Rede Katharina von Boras, Martin Luthers Ehefrau, die ich hier besprochen habe.
»In der Folge erarbeiteten die beiden bis heute zehn abendfüllende Programme. Texte von Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Christian Morgenstern, die ungehaltene Rede der Katharina von Bora an ihren Martin Luther, bissige Kurzgeschichten der Amerikanerin Dorothy Parker, literarisches Kabarett der 1920er und 1930er Jahre, Liebesbriefe von Frauen an Adolf Hitler. Die Programme sind geprägt durch die sorgfältige Textauswahl, die eindrucksvolle Stimme von Bervingas und die Musik für Kontrabass von Wolf, die meist jazzig angehaucht ist. Die Programme kamen gut an, sie wurden nicht nur in Zweibrücken, sondern auch an anderen Orten aufgeführt.«
Zitat/Quelle: Rheinpfalz
Gestern Abend nun spielten, performten, sangen und lasen die beiden ihre Lieblingsstücke der letzten zehn Jahre. Die Rheinpfalz kündigte die Vorstellung so lustvoll an, dass der Veranstaltungsraum, die Zweibrücker Himmelsbergkapelle, gestern Abend schier überquoll. Über hundert Menschen – manche gar stehend, weil es keine Sitzplätze mehr gab –, tauchten gemeinsam in eine heitere, bissige, politisch motivierte, musikalisch bezaubernde Atmosphäre ein und lauschten, lachten und seufzten mit den Protagonist*innen der ganz unterschiedlichen Stücke.
Witzig, charmant und gekonnt boten Silvia Bervingas und Matthias Wolf ein über zweistündiges Programm, das berührt, begeistert und inspiriert.
Studie zum #Teilen | #ME/CFS
Unsere liebe Freundin S. ist vor über 20 Jahren nach einem Infekt an ME/CFS erkrankt. Ein langer Leidensweg liegt hinter ihr. Seit wegen LongCovid viele Menschen an ähnlichen Symptomen leiden, wurde und wird zwar ein wenig mehr an dieser chronischen Krankheit geforscht, doch immer noch viel zu wenig. Umso größer ist darum ihre Hoffnung, dass dank dieser Studie – Links siehe unten – weiter und umfassender denn je geforscht werden kann. Sie hat uns gebeten, ihr Anliegen zu teilen. Was ich hiermit sehr gern mache. Und euch ebenfalls darum bitte.
An der Universität Edinburgh hat vor kurzem eine große genetische Studie zu ME/CFS begonnen. Unsere Freundin hat zum ersten Mal seit langem die Hoffnung, dass es mit Hilfe dieser Forschung gelingen kann, die Krankheit besser zu verstehen – eine Voraussetzung dafür, endlich wirksame Behandlungsmöglichkeiten zu finden.
Da die Teilnahme von zu Hause aus stattfindet und sogar vom Bett aus möglich ist, können auch schwer und schwerst Betroffene mitmachen. Um erfolgreich zu sein, braucht die Studie zehntausende Teilnehmer*innen – und Leute, die helfen, genügend Teilnehmer*innen zu finden.
Wenn Du mithelfen möchtest, gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Auf der Website der Studie kann man einen Text für Facebook, Mastodon und andere Soziale Medien kopieren. Der Text wendet sich direkt an von ME/CFS Betroffene, die im Vereinigten Königreich leben.
Link zur DecodeME Website:
https://www.decodeme.org.uk/ways-to-share
Oder Du kannst einen Brief weiterleiten, den unsere Freundin für Familie und Freund*innen geschrieben hat, bei denen sie sich aufgrund ihrer Einschränkungen lange nicht gemeldet hat (siehe unten).
Der Aufruf soll vor allem Leute im Vereinigten Königreich erreichen. Auch wenn Du keine direkten Kontakte dort haben solltest – jedes Teilen oder Weiterleiten erhöht die Chance, dass ein*e potenzielle*r Teilnehmer*in von der Studie erfährt.
Danke für Deine Mithilfe!
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