still

Alltag ist Reizüberflutung. Ich aber sehne mich nach leeren Herzräumen. Nach leeren Sinnen, die ganz ohne Reize wahrnehmen dürfen, was ist. Was ist? Ist denn nicht alles, was ist, irgendwie ein Reiz für die Sinne oder wäre allenfalls eine weiße Wand die Lösung? Das Dunkel der Nacht oder ein leeres Notizbuch womöglich? Oder ein leerer Zug? Eine leere Straße? Nein, auch sie sind alle nicht ohne Reize. Und auch nicht ohne Reiz, aber wohl ohne Reizüberflutung. Die Dosis macht das Gift.

Leere Räume mag ich. Zumindest, wenn die Leere des Raumes meine Phantasie anregt. Aha, das haben wir es! Das ist es, was Leere und was Stille sollen: meine eigene Fülle wecken, den eigenen Schatz öffnen.

Einen Reiz nehme ich als wohltuend wahr, wenn er das, was ist, nicht überdeckt, sondern entwickelt, auspackt. Wenn beispielsweise ein Duft mich nicht abstößt, sondern in mir drin Türen öffnet.

Neulich hat Sherry über einen Duft geschrieben. So anschaulich, dass ich ihn mit meinen eigenen Sinnen wahrnehmen wollte. Und darum das erste Mal in meinem Leben eine Parfümerie betrat. Die Verkäuferin mittleren Alters überraschte mich positiv. Nicht nur wusste sie sofort, wo Rosabotanica steht, auch wusste sie vieles über die Wirkung von Düften, so dass wir bald in ein anregendes Gespräch über Farben und Gerüche vertieft waren. Sie füllte mir ein winziges Fläschchen mit Rosabotanica ab, damit ich herausfinden kann, ob es allenfalls mein Duft ist. Ja, ich mag den Duft. Ja, was Sherry über ihn geschrieben hat, kann ich nachvollziehen. Aber nein, ich glaube nicht, dass es mein Duft ist. Er löst bei mir zwar Vertrautheit und Geborgenheit aus. Neugier und vielerlei Wohlgefühle. Aber es ist nicht der Duft, der sagt: Da, riecht, das bin ich.

Ich stelle mir vor, dass es für jeden Menschen eine Art Heimatduft gibt. Im neulich hier vorgestellten Buch, Die Frau, die nie fror, findet Pirio, die Hauptfigur, etwa zwanzig Jahre nach dem Tod ihrer Mutter, die eine Meisterin der Düfte war, ein Fläschchen mit den einmaligen Duft ihrer Mutter, dessen Rezeptur mit ihrem Tod verschwunden war. Dieser Duft erweckt in Pirio vieles wieder zu neuem Leben: Erinnerungen, Farben, Erlebnisse.

Ich stelle mir also vor, dass auch ich einen Duft habe, der meine Identität prägt, meine Persönlichkeit ausdrückt. Vielleicht denke ich das, weil ich fast alle Menschen, die ich kenne, in Farben wahrnehme. Und weil für mich fast alle Farben einen eigenen Geschmack oder einen Geruch haben. So ähnlich stelle ich mir jetzt vor, dass eben auch jeder Mensch eine Art Duftidentität hat. Ob das nun ein Parfüm ist oder einfach der Duft der Haut, ist nicht entscheidend, nur, dass wir ihn zulassen. Dass wir uns zulassen.

Ich stelle mir vor, dass wir Menschen dieser doch recht exhibitionistischen Gesellschaft uns deshalb so sehr auf die eine oder andere Art auszudrücken bestrebt sind, weil wir mit unserer inneren Leere nicht klarkommen, will heißen, weil wir den Zugang zu unseren Sinnen und Schätzen verloren haben. Und ich ahne, dass wir deshalb so sehr dran sind, uns selbst zu finden, zu werden, zu sein, weil wir irgendwo unterwegs verlernt und vergessen haben, uns zu lieben, zu spüren und zu wissen, was wir brauchen. Und wie wir eigentlich wirklich sind.

So füllen wir diese Leere in uns, die der Raum für unsere eigenen Bilder wäre, diese Leere also füllen wir mit Schall und mit Rauch. Mit klugen Sätzen und mit hohlen Phrasen, mit Rollenspielen, mit käuflichen Dingen.

Einzig um die Stille in uns nicht zu hören und die Leere nicht zu sehen.

Zerlegen. Zusammensetzen.

Es gibt da ein paar Apps, die Bilder zerlegen. Allen voran Decim8. Und natürlich Frax und Segmentix. Anders als die üblichen Bildbearbeitungsprogramme zerpflücken sie ein Bild nach bestimmten mathematischen Gesetzen in Einzelteile und setzen sie – Simsalabim – neu zusammen. Du gähnst? Sorry, ich will dich nicht mit technischen Dingen langweilen, doch was ich eben erzählt habe, taugt ganz gut als Metapher.

Ich nehme mich zuweilen zerlegt wahr. In Einzelteile aufgelöst. Sehe nur einzelne Anteile von mir. Wie ich reagiere. Wie ich agiere. Wie ich träume. Wovon. Wie ich leide. Woran. Und warum ich mich verweigere. Oder mich hingebe und wann. Und wem.

Teile von mir. Teile, die manchmal ohne Kontakt und Absprache mit der Zentrale – Herz? Hirn? – handeln. Und das nicht mal unbedingt intuitiv richtig, sondern aus Gewohnheit. Einzelteile, die agieren. Die reagieren.

Das Ganze ist mehr als die Summe ihrer einzelnen Teile. Nicht neu. Aristoteles hat schon begriffen, dass – außer in der Mengenlehre – nicht das bloße Zusammenfügen von Dingen etwas zu einem Ganzen macht. Dass das Ganze eben nicht identisch mit Summe ist. Auch Decim8, das auf geniale Weise ein Bild in seine einzelnen Teilchen zerlegt und neu zusammensetzt, kann mir nicht dabei helfen, ganz die zu sein, die ich bin.

Zufällig habe ich heute morgen einen Schnappschuss von mir gemacht, als ich diese App (Decim8) für die Bearbeitung eines andern Bildes öffnen wollte. Aus lauter Spaß habe ich das grimassierende Selfie darauf ein paar Mal durch die besagte App genudelt, mit andern Apps nachbearbeitet und ständig die Frage im Kopf gedreht, was eigentlich ein Selbstbildnis über mich aussagt. Wird es anderen je zeigen können, wie ich mich fühle? Wie ich mich wahrnehme? Ist es nicht auch bloß ein weiteres dieser Teile meiner Selbst? Und wer oder was bin ich überhaupt …? IMG_8774Kann ich mich je, kann jemand mich je als Ganzes wahrnehmen?

Das Ganze? Das wäre ja nur unter Einbezug meiner Mitwelt wahrzunehmen … Jedenfalls annähernd. Ich kann einen Menschen nur erahnen, wenn ich ihn in seiner Umgebung erlebe. Wie ein Mensch mit Tieren umgeht, sagt ebenso etwas über ihn aus als auch wie er Pflanzen behandelt. Oder wie er sich fortbewegt. Wo er Pause macht. Was er isst. Wie er trinkt. Worüber er stolpert.

Ja-ja, ich schweife ab. Über die Zerlegung wollte ich mich auslassen. Und dass Zerlegung und Zusammenfügung zentrale Elemente unseres Alltags sind. Wenn ich mich nicht immer wieder zerlege und von meinen Mitmenschen zerlegen lasse, laufe ich Gefahr, zu stagnieren.

Letzten Sonntag – unterwegs mit Irgendlink über Wiesen und durch Wälder – sprachen wir über die Fallgruben des Alltags und des Lebens …
Am schlimmsten, sagte ich, am schlimmsten finde ich, wenn wir aufhören, uns zu bewegen. Nicht unbedingt von Ort zu Ort, aber in uns drin. Wenn wir stagnieren.

Heute, wie ich hier sitze und diese Zeilen hacke, hallen diese Worte in mir nach. Und ich begreife auf einmal, warum ich als Kind den folgenschweren Satz aussprach, dass ich nie in einem Haus wohnen wolle, wenn ich groß sei.
Ich will immer in Wohnungen wohnen, dann kann ich immer den Ort wechseln, wann immer ich es will, schwor ich mir. Wie alt war ich da? Vielleicht elf oder zwölf? Aufgewachsen in einem Einfamilienhaus an einer kleinen Einfamilienhaus-Wohnstraße in den Siebzigern. Eine Kindheit mit viel Natur. Mit Wald in der Nähe. Mit Garten. Mit Spielkameraden in der Straße. Und mit einer subtilen Ahnung davon, was Stagnation mit Menschen macht. Mit meiner Mutter vor allem. Mit meinem Vater auch, aber weniger.

Heute könnte ich mir durchaus vorstellen, in einem Haus zu wohnen, denn ich habe die Mechanismen der Stagnation durchschaut und laufe wohl nicht Gefahr, ihnen zu erliegen. Dennoch war jeder meiner über zwanzig Umzüge ein heilsames Abenteuer der Zerlegung meines Lebens. Eine Fragmentierung. Ein Chaos.
[Oops, mein Mailprogramm bimmelt. Die Adressänderung einer Freundin, die im Kistenchaos sitzt und in ein paar Tagen umzieht.]

Das wichtigste am Prozess der Selbstzerlegung ist die Erkenntnis, dass wir ihn als vorläufig begreifen. Dass er übergeht in eine kreative Phase der Neuordnung. Und dass auch diese nur vorläufig ist.

Ordnung muss man machen, Unordnung kommt von allein. Shit happens. Ausgleich gibt es immer nur für den Bruchteil einer Sekunde. Dann bricht die Welle und das Wasser fällt. Und die Schaukel baumelt auf die andere Seite zurück. Das Gesetz der Schwerkraft macht auch vor immateriellen Prozessen nicht Halt.

Wie viel, wie wenig, kann ich die Neugestaltung meines Lebens wirklich beeinflussen? Mehr als ich bisher dachte, vermutlich. Aber auch weniger als ganz und vollständig. Denn da sind so viele Einflüsse, die mitwirken. Nicht nur die Gesetze der Mathematik, denn das Leben hat mehr zu bieten als Nullen und Einsen.

Experiment

Ab sofort gibts mich auch auf Tumblr … Das neue Blog dort ist ein Experiment. Ich lerne einfach gerne neue Portale kennen … und vernetze mich gern.

Mal schauen, ob dieser Artikel dort ebenso erscheint wie auf FB.

WordPress ist wie Heimat. Ab und zu muss ich neue Gegenden erkunden.

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… oder, wie der Liebste neulich, auf neue Dächer klettern!

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Hinterher

Endlich habe ich mal wieder einige unformatierte und unverplante Tage mit mir vor mir. Ja, ich bin mir wieder hinterher. Bin mir wieder auf der Spur. Finde langsam wieder zu meinem Rhythmus und meiner Ordnung zurück. Die Dinge fallen auf ihren Platz. Da, wo ich sie finde (meistens jedenfalls). Nicht dass die beiden letzten Wochenenden auf dem einsamen Gehöft irgendwie formatiert, unordentlich oder ohne Rhythmus gewesen wären, nein, dennoch sind sie voller gemeinsamer Unternehmungen, voller gemeinsamer Pausen, voller gemeinsamer Bewegungen und Entscheidungen. Es sind die Wellen des Wir, nicht des Ich, die diese Tage formen. Doch unsere gemeinsamen Tage und Stunden sind mir zu kostbar, um sie mit Bürokram, Wäschewaschen oder Putzen anzufüllen. Segen und Fluch von Fernbeziehungen. Geteilte Zeit schmeckt und riecht anders als persönliche. Die gemeinsame Farbe ist anders als die eigene, anders als seine. Es ist unsere Farbe.

Und nun habe ich also vier Tage für mich. Für Dinge, die ja doch eines Tages getan werden müssen. Für Dinge, die im westlichen Alltag normal sind. Zahlungen. Bürokram. Steuererklärung. Normaler Alltag also.

Normal? Du? Du bist doch nicht normal!, sagte unser Freund S. aus Paris am Ostersamstag, als wir zu sechst nach einem Waldspaziergang in einer Wanderhütte rasteten. Sonst wärst du nicht mit dem da zusammen, lacht er und deutet auf Irgendlink, der mir gegenüber sitzt. Und er nicht mit dir! Wir lachten, doch eigentlich war es kein Scherz, nein.

Es war und ist für mich nur eine weitere Bestätigung dafür, warum ich mich in meiner aktuellen beruflichen Umgebung so unwohl fühle. Und das hat noch nicht mal ausschließlich damit zu tun, dass ich mit den Leuten – selbst nach zehn Monaten – nicht wirklich warm geworden bin (eine fast neue Erfahrung für mich). Es hängt, wie ich erst vor kurzem begriffen habe, vor allem mit dem Inhalt und Ziel unserer Arbeit zusammen. Wir vermitteln Stellensuchenden temporäre Arbeitseinsätze oder Praktika und bieten ihnen Bewerbungsschulung an. Ziel ist, dass die Programmteilnehmenden nach unserer Arbeitsmarktlichen Maßnahme wieder fit für den Arbeitsmarkt sind. Fakt aber ist, dass unser Klientel in den letzten Jahren „komplizierter“ und zeitaufwändiger geworden ist. Es gibt, so sagen die BeraterInnen, immer mehr Menschen, die nicht mehr irgendwo hineinpassen, die aus dem Netz herausgefallen und die psychisch am Limit sind. Oder zu alt, zu ungebildet, zu ausländisch getauft, zu wenig sprachgewandt …

Zwei Dinge stoßen mir dabei immer wieder auf. Das eine ist eher eine globale oder westliche Entwicklung, die mir je länger je mehr missfällt: Die Standards für Berufe und Berufsausbildungen sind anspruchsvoller geworden. Kaum ein Berufsbild, das sich nicht gewaltig verändert hätte und früher Ausgebildete alt aussehen lässt. Diplome, Zeugnisse, Weiterbildungen und Titel sind alles. Dazu können die Vorgesetzten auswählen und nehmen natürlich Junge mit dreißig Jahren Erfahrung, die noch formbar sind. Und ja, trotz Mindestlöhnen gibt es auch in der Schweiz die Schere von billigen und teuren Arbeitskräften. Der Druck ist enorm. Das halten nicht alle aus. Human geht anders. Und ich bin Teil dieser Maschinerie … Und da wären wir auch schon beim zweiten Ding, das mich rülpsen lässt. Ich stelle fest, dass ich nicht in eine Umgebung passe, die einer Norm huldigt, die da sagt, dass ein Mensch nur wertvoll sei, wenn er arbeite. Soll heißen, wenn er eine feste Stelle hat. Wenn er ein geregeltes Einkommen hat. Wenn er angepasst, normal (!), kompatibel und nett ist.

Ich weiß wovon ich rede, denn ich war schon ein paar Mal als Stellensuchende unterwegs.  Ich war eine von ihnen sozusagen. Nicht lustig. Ich fühlte mich oft als Mensch zweiter Klasse. Obwohl, das ist natürlich auch meins: Es sitzt im Kopf, dieses Bild, dass Arbeit eine Art Synonym für Lebenssinn ist.

Bin ich also ein fauler Mensch? [Wohl schon. Ja gerne. Warum auch nicht?] Bin ich faul, weil ich Erholung und Regeneration mindestens so wichtig wie Arbeit finde? Und weil ich am liebsten jene Arbeiten tue, die ich am liebsten mache und am besten kann? Ja, ich arbeite gerne. Ich arbeite gerne an Projekten und mit Dingen, die das Leben lebenswerter machen. Schreiben. Garten. Putzen. Lektorieren. Dabei geht es mir um Werte. Um meine persönlichem Werte. Ich ahne eine Art Lebensrecht, das wohl nirgends definiert oder beschrieben ist … ein Lebensrecht auf jene Arbeit, die mir am meisten entspricht. Die jedem und jeder entspricht. Dir und dir auch.

Doch unsere Realität sieht anders aus. Viele von uns arbeiten primär für das Geld, das sie als Gegenwert für die investierte Zeit erhalten. Wir arbeiten nicht für die Befriedigung eines Tagwerks nach unserm Geschmack. Da stimmt doch was nicht in unsern Köpfen? Mit unserer Welt. Mit unsern Motivationen. (Und was ist das eigentlich für eine Welt, in der Gutmensch ein Böswort ist?)

Schnitt.

Wie es wohl sein wird, wenn ich ab Mitte Juni wieder frei bin? Gekündigt habe ich schon vor Wochen. Seither geht es mir viel besser. Die mühsame Zugfahrt zur Arbeit stresst mich ein bisschen weniger, denn ich weiß, dass meine Tage dort gezählt sind (nur noch etwa zwölf!).

Und dann? Ja, natürlich habe ich ein wenig Angst, denn meine Selbständigkeit ist noch nicht wirklich soo selbständig, dass ich davon leben könnte. Aber das kann ja noch werden, oder?

Was ich wirklich will? Von meinem Schreiben und Lektorieren und den andern Dingen, die ich anbiete, leben können. Ja. Das will ich.

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Ausgelesen II. #12 – Die Frau, die nie fror

Eigentlich lese ich ja fast nie Romane aus den USA, jedenfalls nicht Krimis. Dass der Roman mit dem tollen Titel Die Frau, die nie fror in Boston/USA spielt, habe ich erst beim Lesen begriffen. Ausgewählt habe ich dieses Bibliotheksbuch primär, weil mir das Cover gefiel. Und der Titel sowieso.cover fraufror

Elisabeth Elo erzählt Pirios Geschichte sehr unmittelbar in Ich- und Gegenwartsform. Pirio und ihr Kumpel Ned werden beim Hummerfischen in der Bucht vor Boston von einem riesigen Schiff gerammt und erleiden dabei Schiffbruch. Der Frachter begeht Fahrerflucht, was beim herrschenden Nebel sehr einfach ist. Pirio erinnert sich nur noch an die Farbe des Bugs. Grau. Dass Pirios Körper mit Kälte so gut klar kommen würde, wusste sie nicht. Sie überlebt vier Stunden im eiskalten Wasser, während Ned, nachdem er einen Notruf funken konnte, ertrinkt. Pirio wird als Sensation gefeiert, als Heldin und Überlebende, was ihr gar nicht recht ist. Auch für die Navy und die Forschung ist sie ein Wunder und wird schon bald wissenschaftlich untersucht. Doch da sie nicht nur einen guten Freund verloren hat, sondern auch eine sehr traumatische Erfahrung erlitten hat, will sie bald wissen, was wirklich passiert ist. Zumal die Küstenpolizei die Suche nach dem fahrerflüchtigen Frachter schon bald aufgibt.

An Neds Trauerfeier lernt Pirio einen Mann kennen, der ihr einige seltsame Fragen stellt. Langsam begreift sie, dass mehr hinter dem Schiffsunglück steckt. Sie und ihre Freundin Thomasina, Mutter von Neds Sohn Noah, deren Patin sie ist, beschliessen, herauszufinden, was die wirkliche Ursache für Neds Tod ist. War das Unglück Absicht? Auch Pirios Vater, mit ihrer Mutter vor vielen Jahren aus Russland eingewandert, behauptet, dass Ned ermordet wurde. Pirios hartnäckige Suche löst einen Rattenschwanz von Ereignissen, Bewegungen und Erkenntnissen aus. Wozu auch einige neue Einsichten in das Leben ihrer vor vielen Jahren verstorbenen Mutter gehören.

Mehr verrate ich aber nun wirklich nicht, denn das Buch ist schlicht und einfach lesenswert. Nicht zuletzt, weil es die Autorin schafft, ihren Ökokrimi weder allzu zynisch noch wirklich moralisch zu schreiben. Ein absolut lesenswertes Buch, das mich von der ersten bis zur letzten Seite gepackt hat.

Dreihundertdreissig

Verrückt ist es nicht. Oder doch? Für mich schon. Auch wenn andere größere Zahlen haben.

Ich gratulierte mir gestern zu meinem 330. gefundenen Geocache und erinnerte mich an meine Anfänge. Meine ersten drei Caches habe ich, sagt das Logbuch, am 20. Dezember 2009 gesucht und gefunden – zusammen mit Irgendlink, der mich in dieses tolle Hobby eingeführt hat. 1579 Tage bin ich nun also schon Geocacherin. Im Durchschnitt habe ich ungefähr jeden fünften Tag einen Cache gefunden. Die meisten mit Irgendlink und/oder andern Cachern und Cacherinnen zusammen, ein paar auch allein.

regen_kommSuchen, finden … ja, das ist etwas, das ich mag. Die Philosophin und das Kind in mir jubeln gleichermaßen, wenn sie ein neues Erdversteck finden, ein weiteres Logbuch öffnen und den Namen erneut hineinkritzeln dürfen.

kaputtAuch nach Antworten suche ich immer wieder von neuem. Meist nur, um sie, wenn ich sie gefunden habe, wieder zu verwerfen. Die meisten taugen nur einen Augenblick. Aber das ist nicht schlimm. Das Leben findet immer im Augenblick statt.

Gestern, nachdem ich beim Liebsten auf dem einsamen Gehöft eingetroffen war um die Ostertage bei ihm zu verbringen, beschlossen wir schon bald, das schöne Wetter, das ich mitgebracht hatte, auszunützen und die Caches-Runde  beim nahen Flughafen Pottschütt zu machen. Alle zwölf Caches, davon zwei Mysteries und einen Bonus, haben wir gefunden und dabei eine wunderbare Gegend mit einem einmaligen Weitblick entdeckt.

Geocaching ist besser als jeder Wanderführer, sagte ich neulich, da kommt man an Orte, die sonst nirgends stehen.

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Warum ich den Frühling liebe

Jeden Frühling begeistere ich mich von Neuem
für das Leben
für die Natur
für das Lied der Vögel und Bäume
für das Gegacker der Hühner
für den Boden unter meinen Füßen …

Gestern in Walschbronn/Frankreich unterwegs …

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satzzeichnen

Ich bin gar nicht mehr so sicher, ob ich wirklich einen bitterbösen Artikel über Satzzeichen und Leerschläge schreiben soll will. Ich meine, was soll das bringen? Jene, denen richtige Rechtschreibung wichtig ist, praktizieren sie eh schon mehr oder weniger (von Tippfehlern mal abgesehen) und die andern werden meinen Artikel sowieso ignorieren oder belächeln. Wie neulich auf fb. Da war eins dieser ach-so-weisen Textbilder, das sie darüber mokiert hat, dass sich gewisse Menschen gerne über Genitiv-Apostrophe auslassen um sich als gebildete Menschen zu profilieren. Okay, was immer jemandes Motivation für Kritik ist, sei dahingestellt. Und die Sache mit den Genitiv-Apostrophen lassen wir mal. Die habe ich früher schon diskutiert und ehrlich gesagt habe ich diesen Windmühlenkampf längst aufgegeben. Schreibt doch eure Apostrophe, wo immer sie nicht hingehören (bei Peter’s Salon und bei LKW’s und wo immer ihr wollt. Mir doch egal), aber nehmt bitte um Dudenswillen wenigstens den richtigen Apostroph (‚) und nicht einen armen unschuldigen Akzent (`oder ´). Bitte!

Womit wir schon beim nächsten Thema wären: die richtigen Akzente benützen. Sie sollten eigentlich heute – im Zeitalter freier digitaler Wörterbücher – auch in Unkenntnis einer Sprache nicht mehr Glückssache sein. Eigentlich. Denn wenn du nicht sicher bist, kannst du ja einfach Online-Leo, Google-Translater und Konsorten fragen. Die wissen es nämlich, auch wenn sie im Übersetzen ganzer Satzkonstrukte immer mal wieder ziemlich komisch sind.

Was ich sagen will: Für (fast) alles, was wir im Reich der Rechtschreibung NICHT selbst wissen, gibt es eine Antwort auf Duden oder auf Wikipedia. Sogar für die richtigen Satzzeichen. Und für Leerzeichen ebenfalls. In letzter Zeit entdecke ich die Sache mit den zu-vielen Leerschlägen immer häufiger. Als habe sich die englische Praxis nun (nach dem vermaledeiten Genitiv-S) auch die Unterwanderung der deutschen Leerschlag-Praxis vorgenommen. Vor und nach einem Slash/Schrägstrich kommt in der deutschen Sprachgebrauch nämlich kein Leerschlag, ebensowenig hat es nach einer Öffnungsklammer einen Leerschlag und ganz sicher nicht vor einem Punkt, Komma, Fragezeichen oder Ausrufezeichen. Nein. Weil Duden es so sagt. Natürlich kann man sich fragen, wozu Rechtschreibung überhaupt dient. Klar. Und warum Duden das Maß aller Dinge sein soll. Darf. Muss. Fragst du dich auch, warum du bei Rot nicht über die Straße solltest? Eben …

Damit wären wir nun bei der Sache mit der Freiheit. Natürlich kannst du schreiben wie du willst. Ich zum Beispiel schreibe in eher persönlichen Texten wie Mails und Blogkommentaren fast immer rein klein, wobei ich alle andern Rechtschreiberegeln beachte. Weil ich meine schnellen Gedanken so nackt und frei ins Netz werfen will, wie sie mir durch den Kopf gehen. Oft schreibe ich dabei eben so schnell, dass ich keine Zeit für die Großstelltaste habe.

Schreibe ich aber einen Text, mit dem ich vor mir oder andern Gedanken ausbreiten oder eine Geschichte erzählen will, einen Text also, der meine Ansprüche an einen guten Text erfüllen soll und/oder mit dem ich mich an ein Publikum wenden will, habe ich das innere Bedürfnis, damit ein gewisses ästhetisches Verlangen in mir zu nähren. Sprach- und Textharmonie sowie Sprachkomposition hängen bei mir mit möglichst richtig angewandter Rechtschreibung zusammen. Man mag das (oder gar mich?) kleingeistig nennen und Rechtschreibung als unkreativ verteufeln, doch dann übersieht man etwas für mich sehr Wesentliches: Ähnlich wie eine Kunstmalerin die Regeln der Farbenlehre intuitiv verinnerlicht hat, gelten für mich auch in der Sprache gewisse Gesetze – eben die „Gesetze der richtigen Schreibung“ – als Leitplanken, innerhalb derer ich mich umso freier tummeln kann, den Verkehrsregeln, wie gesagt, nicht unähnlich. In diesem meinem Sprachuniversum – meinem Sprachaquarium sozusagen – können bei mir alle möglichen bunten Fische schwimmen. Da hat es auch Platz für sprachliche Neuschöpfungen und andere übermütige Satzkonstruktionen und schrille Inhalte. Nur zu!

Leitplanken sind nicht mehr und nicht weniger als Leitplanken. Will ich möglichst genau verstanden werden, ist es an mir, mich möglichst verständlich auszudrücken und meine Leserinnen und Leser nicht noch mit seltsamer Interpunktion und sonstigem pseudokreativem Zugemüse interpunkuteller oder rechtschreiberischer Art zu verwirren. Ich brauche meine kreative Energie lieber für Inhalte als für neo-originelle Zeichensetzung.

NACHTRAG: In diesem Artikel über den Sinn der Rechtschreibung kritisiere ich keineswegs Menschen mit einer Rechtschreibeschwäche. Ich kritisiere auch nicht Menschen, die mit der Sprache kreativ arbeiten.

Back to topic: Leerschläge sind wichtig, keine Frage! Sie sind die Pausen im Satz, die Auftakte vor jedem neuen Wort. Sie sind in Geschichten ebenso wichtig wie in Melodien. Sie trennen, was nicht ein einziges Wort sein soll und fehlen dort, wo etwas zusammengehört. Sie geben der Sprache Rhythmus und Luft, sie sind das Atemholen in der Sprache.

Ebefalls ganz luftig sind die Gedankenstriche (Halbgeviertstriche), die länger sind als die kurzen Bindestriche (Details kennt Wikipedia). Richtig, meine geliebten Gedankenstriche sind von je einem Leerschlag flankiert und stellen eine Aussage frei, die als Ergänzung des restlichen Satzinhaltes zu verstehen ist. Diese Ergänzung könnte eigentlich genauso gut nicht da stehen, denn der Satz geht nachher so weiter wie er davor aufgehört hat. Wie bei Klammern. Und doch ist der Inhalt nicht unwesentlich, enthält er doch oft einen kleinen Blick hinter den Vorhang … Er ist das Flüstern im Satz, der Zwischenraum.

Sprache ist für mich so viel mehr als die Aneinanderreihung von Buchstaben, Wörtern, Zeichen, Sätzen und Abschnitten zu Artikeln oder Geschichten. Meine Beziehung zu Sprache ist eine Art Liebesgeschichte. Ich liebe Wörter. Und ich liebe den Raum zwischen den Zeilen. Ich liebe die Luft, die Wörter dann aufwirbeln, wenn sie etwas Wesentliches sagen oder etwas noch Verborgenes ist mir aufwecken. Ich liebe die Abenteuerreise, auf die mich Wörter mitnehmen, wenn ich ihnen genau und mit dem Herzen zuhöre. Ach, ich könnte euch noch so viel erzählen über die Feinheiten der Sprache. Doch wen interessiert das schon?

Nein, bitterböse ist mein Text nun wirklich nicht geworden. Doch vielleicht macht er ein bisschen Mut, sich auf die Welt hinter den Wörtern einzulassen und die Rechtschreibung als das anzusehen, was sie ist: als Hilfe für eine möglichst missverständliche Verständigung.

Essenz einköcheln

Die Zahl fünf spricht von Quintessenz, sagt Luisa. Und sagt auch die Erfahrung. Die Fünf ist mir in den letzten Tagen immer wieder über den Weg gelaufen. Sie hat sich mir von hinten genähert und genüsslich auf meinen Schoß gesetzt. Sie spricht davon, dass ich meine eigene Gebieterin sein soll, über mein Leben gebieten, zulassen, was sich wandeln will. Kreieren, was ich leben will, mutig umdenken, mutig loslassen.

Zwei wunderbare, zwei fast schlaflose, zwei intensive Tage mit zwanzig wunderbaren Frauen in einem Seminarhaus im Appenzellischen liegen hinter mir.

Und nun liegen da ein paar altneue Samen behaglich in meinem Herzen. Sie werden spriessen, da bin ich sicher.

Einer davon ist mir heute beim gemeinsamen Yoga, das Luisa Francia genüsslich angeleitet hat, zugefallen:
Jede Spannung braucht zum Ausgleich Entspannung.

Körperliche Entspannung gleicht dem virtuellen Zwischenspeichern von Dateien, denke ich weiter. Gleichgewicht gibt es nur, wenn ich alle meine Seiten nähre, meine materiellen und meine spirituellen. Die sicht- und die unsichtbaren.

Am Wasserfall gestern habe ich losgelassen, was nicht mehr in mein Leben gehört. Was für ein starkes Ritual das war!

Und nun kommt der Alltag und mit ihm das Gießen der Samen, das Einköcheln meiner Erkenntnisse, das Vertiefen und Verwandeln …

wasserfall

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Appspressionismus: Bild auf dem iPhone kreiert und mit Gimp nachbearbeitet.

Punkt, Punkt, Punkt …

Mal einen Artikel über Satzzeichen schreiben, will ich … über Lücken und Löcher, über Leerschläge und Pausen. Wo sie hingehören und wo nicht. Wer das sagt (Duden) und was davon zu halten ist. Was Sprache mit Freiheit zu tun hat. Zum Beispiel der Freiheit, Duden zu ignorieren , die natürlich jeder und jede hat. Und in meinem Text sollte auch stehen, warum Rechtschreibung so schlecht gar nicht ist. Und warum gewissen Regeln, zum Beispiel in der Rechtschreibung, sinnvoll sind. Denn Kommunikation ist ja eh schon schwierig genug …

Aber eigentlich läuft mir die Zeit davon. In einer Viertelstunde will ich den Laptop zuklappen, ein paar letzte Dinge erledigen, meine Tasche ins Auto tragen, zur Tankstelle fahren und dann Richtung Ostschweiz fahren, wo ich bis Sonntagnachmittag mit Frauen zusammen sein werde. Trommeln, tanzen, singen, Rituale feiern. Ich freue mich, Luisa Francia mal wiederzusehen, die ich vor bald achtzehn Jahren an einem ähnlichen Wochenende in Walenstadtberg kennengelernt habe. Eine Begegnung mit Folgen, der noch viele ähnliche gefolgt sind. Worüber ich sehr froh bin. Walenstadtberg, tja, lang ist’s her.

Apropos Berge: Wie war das gleich?
Ich komme mal wieder kaum nach, alles, was auf meinen Listen steht zu erledigen, sagte ich gestern am Telefon zum Liebsten. Vieles bleibt liegen. Mails vor allem. Oder der Haushalt. Dafür werden die Schlangen, die Berge immer größer und ich scheue mich mit jedem Mal mehr, sie abzutragen. So, genau so, sage ich, so sind die Alpen entstanden. Irgendwann kamen wir einfach nicht mehr nach, alle Listen abzuarbeiten. Es gab zuerst Fältchen, dann Falten, dann Hügel und schließlich Berge! Jetzt kennst du die Wahrheit über uns Schweizerinnen und Schweizer!
Irgendlink grinst. Aber, sagt er, eigentlich waren es die Italiener und Italienerinnen, die haben euch alles rübergeschoben. Und wir Deutschen auch, und erst die drüben in Frankreich. Ihr könnt also gaaaar nichts dafür.

Ich schweife ab … Nein, so wird das nichts mit meinem bitterbösen Artikel über Leerschläge und Lücken.

Es lebe die Prokrastination. Und jetzt muss ich los …