Vor drei Jahren war ich zum ersten Mal in Rendsburg. Auf dem Weg nach Skandinavien hatten wir dort zwei Nächte in einem kleinen Bed & Pizza gebucht, wie uns Freunde sehr ans Herz gelegt hatte. Die längste Bank der Welt: ich hätte nicht geglaubt, dass sie sooo lang ist.
Im letzten Jahr wurde meine eigene lange Bank vielleicht noch länger als jene in Rendsburg. Vieles blieb unfertig, stapelte sich, dehnte sich aus …
Das mach ich später irgendwann!, ist wohl jener Satz, den ich im letzten Jahr am häufigsten gedacht und gemurmelt habe, wenn mir die Energie fehlte, Dinge, die nicht wirklich dringend waren, zu erledigen. Herzanliegen zum Teil, für die mir einfach die Kraft nicht zur Verfügung stand.
Meine Arbeitsstelle mit dem langen Arbeitsweg wurde zuweilen so belastend, dass ich am Abend halbtot war. Knapp reichte es zum Filme gucken. Bücher lesen. Schlecht schlafen war die Regel.
Gestern nun hatte ich meinen „Letzten“ und feierte ihn mit meinen Arbeitskolleginnen und -kollegen bei einem ausgiebigen Znüni. Unsere Chefin hielt eine kleine Ansprache, lobte meinen Einsatz, dankte mir und überreichte mir einen echt wunderbaren Blumenstrauß.
Und als wäre das nicht genug, bekam ich ein Taschenbuch, von dem mir eine Arbeitskollegin mal vorgeschwärmt und mich sehr interessiert hatte und ein wunderschönes von allen gemeinsam gestaltetes Album mit persönlichen Lieblingsbüchern und Buchtipps – inklusive großzügigem Büchergutschein. Auf dass ich noch viele schöne Lesestunden genießen darf.
Nun fühle ich mich ein klein bisschen wie auferstanden, aus einer langen Haftstrafe entlassen; so, als wäre eine Tür aufgegangen, die ein Jahr lang geklemmt hatte …
Der Rest meines Lebens fängt jetzt an. Jetzt. Und jetzt endlich will ich meine lange Bank kürzer sägen. In dem ich aufräume zum Beispiel. Ich fange mit den Textleichen an. Fasse Notizen zusammen. Sichte, archiviere, lösche, teile, blogge …
Hier mal paar erste kleine Puzzleteilchen.
Darf man die Baustelle sehen, das Making-of, den Prozess, bevor etwas veröffentlicht wird? Muss etwas, das veröffentlicht ist, perfekt sein? Ist es eine Abwertung der eigenen Kunst, wenn man hin und wieder den Vorhang öffnet? Fluxus – sag ich nur. Kunst leben. Schwach-sein-dürfen. Mut zeigen zum Unperfekten. Fehler machen dürfen. (4.14)
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Es gab Pizza, als sie begriff, dass alle jemanden brauchen, der sie liebt und an sie glaubt. Zumindest so lange, bis wir es selbst können. Denn das ist eins von ein paar Notwendigkeiten des Lebens. Dass wir uns selbst lieben, ganz und gar. Auf dass es der Welt ein bisschen besser gehe, als wenn wir es nicht tun. (21.5.11)
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Wunde Wunder, die wir sind, wissen wir um die Verwundbarkeit. Von den dünnen Stellen, aus denen ein Mensch gemacht ist und die ihn lebenslang anfällig sein lassen für dauerhafte Beschädigungen aller Art; berührbar, zugleich empfindlich, empfänglich für wie auch immer geartetes Glück. Doch wir hüten unser Geheimnis gut. (4.14)
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Heute bin ich eine Scherbe …(28.9.11)
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Lebst du das Leben, das du leben willst?
Nein, noch nicht, sage ich, noch nicht. Erst ansatzweise.
Der Vogel fragt weiter:
Wann lebst du denn endlich das Leben, das du leben willst? Ich zucke mit den Schultern, so fest, dass er fast herunterpurzelt, der Piepmatz. Aber nur fast, zum Glück, denn er soll nicht aufhören mit seinen Fragen. (20.12.11)
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Lob des Kleingeistigen – Wie gerne hätte ich manchmal ein einfacheres Gemüt … (12. 12.11)
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Gestern im Auto zurück in die Schweiz und heute im Zug zur Arbeit über Wichtiges nachgedacht. Heißt, über die Dinge, die im Leben wichtig sind. Dass jeder Mensch geliebt und wertgeschätzt zu werden braucht, sonst serbelt er dahin und verdorrt wie eine Topfpflanze ohne Wasser. Ein Mensch, der geliebt wird, lebt und handelt anders als einer, der nicht geliebt wird. Wenn wir niemandem haben, der uns liebt, fällt uns die Selbstliebe schwerer als wenn uns andere Menschen lieben. Doch ist es letztlich die Liebe zu uns selbst, die uns Frieden mit uns und mit unserer Mitwelt gibt. Nur, wenn wir uns selbst möglichst umfassend lieben, sind wir frei vom Denken und Urteilen anderer über uns. (11.6.14)
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Sauber machen
kann sie
gut, sie putzt
als ginge es um ihr Leben.
Die ganze Welt
möchte sie putzen. Damit
sie sauber wäre.
Endlich. Ein Ort
zum Leben.
(24.11.13)