nix – niente – rien

Bin heute Morgen mit Fieber erwacht. Nicht so hoch, dass ich an Schweinegrippe denken müsste, doch hoch genug, mir das Gefühl von Kranksein zu geben. Nein, so konnte ich nicht zur Arbeit gehen. Dabei sollte ich doch …

Nein, heute muss ich nicht. Es wird ohne mich gehen. Von meinen Kolleginnen bekam ich eben eine Gute-Besserung-SMS. Goldig.

Und ja … Ich muss heute gar nichts. Auch keine neuen Texte weben. In meiner Fadenkiste hat es genug … 🙂

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Nichts

Filmriss. Entschleunigen. Anhalten. Die Bremse arretieren. Die lineare Chronologie, durch die ich mich, ob ich an sie glaube oder nicht, tagtäglich bewege, unterbrechen. Kugelschreiber zur Seite legen. Durchatmen. Punkt. Schlusszeichen.

Sei willkommen, klitzekleines Nichts, Pause. Denn ich werde jetzt einfach NICHTS tun, hängen bleiben, wie die Welle, bevor sie bricht.

Nicht Zeit absitzen und mit dem Blick auf den Zeiger Stunden abhaken. Nicht warten. Nicht malen. Nicht lesen. Nicht schreiben. Nicht telefonieren. Nicht sprechen. Mich nicht austauschen. Keine Kontakte knüpfen und keine Löcher stopfen. Weder essen noch trinken. Weder kreieren noch tanzen. Nichts hinein und nichts hinaus lassen. Nichts entscheiden. Mich nicht ablenken lassen. Nicht werten und nicht planen. Keine Konzepte wälzen. Nicht denken, ja!, vor allem NICHT denken! Und auch nicht abwarten und Tee trinken. Weder mich konzentrieren noch meditieren. Und schon gar nicht der Regeneration nachrennen. Auch nicht nach vorne schauen und mich fragen, was ich nach dem Nichtstun tun werde.

Ich starre Löcher in die Decke, bis der Putz sich löst. Dann schließe ich die Augen. Will nur noch Seiende sein. Hier auf dem Sofa dösen. Und träumen. Schlafen, ich gebe es zu, ist eine ziemlich gute Form des Nichtstuns.

Der Schreibblock liegt neben mir. Und schreibend tue ich nun doch etwas. Kleide das Nichtstun in Worte, forme, gestalte gewichte es, gebe ihm womöglich sogar Sinn. Oder nehme ihn ihm weg.

Sinnloses sein und tun ist gar nicht so einfach. Ist untätig und ohne Beschäftigung zu sein, wirklich schon Nichtstun oder gar sinnlos?

Absichtslose Anwesenheit meiner mindestens sieben Sinne. So ganz ohne Beschäftigung sind sie jetzt. Ruhende. Fast pausenlos sind sie sonst auf Empfang, filtern und nehmen wahr. Sehen, hören, riechen, fühlen, verbinden. Sie bieten mir alles, was es zum Lieben braucht, jenem bedeutsamsten Ausdruck des Seins, dem ich nie entfliehen will.

Während sich meine Batterien aufladen, nichts tuend außer zu sein, weiß ich auf einmal, was ich nachher tun will. Denn jedes Nichtstun ist endlich. Solange ich Mensch bin zumindest. Es dauert höchstens so lange, bis ich pinkeln muss.

Was ich nach dem Nichtstun tun werde, fragt ich euch? Ich werde mir ein Bier holen!

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Diesen Text habe ich vor einem Jahr, anlässlich eines Kulturevents zum Thema Zeitverschwendung vorgelesen. Danke, dass ich, während du ihn gelesen hast, ein bisschen von deiner Zeit verschwenden durfte.

Ach ja, noch was … Heute bleibe ich bei Wasser und Tee.