bevor ich gehe

Schon nach halb elf. Ich bin im Begriff, Abschied von meinem Laptop zu nehmen. Das hier bleiben wird. Ganz allein. Ihr wisst ja, Abschiede hasse ich. Doch ich hasse sie nicht nur, ich zögere sie bisweilen auch heraus. Ansonsten wäre ich längst im Bett. So müde wie ich bin!

Zum Trost habe ich mir heute ein wunderschönes, leinengebundenes Notizbuch geschenkt. Die nächste Zeit verlege ich mich aufs Handschreiben. Und bin einfach mal nicht online. Will mal nicht angeleint sein. Werde wohl auch nicht bloggen. Und ich hoffe, das sich die Entzugserscheinungen in Grenzen halten.

Die mittägliche „Ich-will-ja-gar-nicht-weg-Krise“ hat sich gelegt. Habe neue Medizin entdeckt: Zu Animal Collective crossen. Voll aufdrehen. Die Musik. Das Tempo. „Grind ache u seckle.“ Nachher geht runterfahren ganz einfach. Und packen auch. Mein Rucksack ist nun bereits nach Genf unterwegs, Boardingpass und Zugbillet liegen dicht an dicht in der Bauchtasche bereit und freuen sich mit mir auf die Reise.

Ich sage Euch auf Wiedersehen bis ca. 23. August und freue mich, wenn Ihr auch dann wieder hier vorbeispaziert!

Winkewinke! Vorhang bitte.

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Ach noch was  – *zwischendenVorhängenhervorguck* – wenns euch langweilig werden sollte: Animal Collective! Voll aufdrehen und losrennen! Hilft echt!

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Last Call

Schon wieder schlecht geschlafen. Gegrübelt. Gekritzelt.

Bin ich denn Reisende?, mich gefragt. Bin ich nicht vielmehr Seiende? (Ich liebe Anagramme …) Reisen heißt immer wieder Türen öffnen und Türen schließen. Heißt Abschied nehmen, zurücklassen, zurückgelassen werden, weitergehen. Wenn ich eins hasse, dann Abschiede. Nicht das Loslassen generell, sondern der konkrete Moment des Abschiedes. Letzte Worte und die dazugehörige Wortlosigkeit. Letzte Umarmungen fühlen sich anders an als erste.

Das Einzige, das ich an Abschieden mag, ist die Vorfreude auf das nächste Wiedersehen. Und die hockt seit heute Nacht in meinem Bauch. Die Vorfreude darauf, in zwölf Tagen wieder nach Hause zu kommen. Mein Rucksack wird noch genau gleich aussehen wie vorher. Ein bisschen schmutziger womöglich. Ein bisschen voller vielleicht, weil ich dies und das gekauft habe. Doch äußerlich wird alles sein wie immer. Wie das die Blogger Bredenberg und Irgendlink neulich ähnlich beschrieben haben.

Doch ich selber, ich werde eine Andere sein. Meine Sicht wird eine Weitere sein. Ich werde Dinge gesehen haben, die mir neu sind. Gegenden durchreist haben, die mir fremd sind. Worte und Menschen getroffen haben, die mir unbekannt sind. Der Klumpen in meinem Bauch ist Vorfreude auf die Heimkehr, ja. Doch er ist auch Vorfreude auf die neuen Erfahrungen.

Auf dem zweiten Zettel, den ich in der Nacht bekritzelt habe – ich kann es knapp entziffern –, steht: Listen schreiben. Aber klar doch! Ich kritzle doch seit Tagen Listen. To dos. Und Packlisten. Was mir da wohl durch den Kopf gegangen sein mag? Etwas wichtiges, das ich nun vergessen werde und woran ich mich erst in Schweden wieder erinnern werde?

Was brauche ich eigentlich wirklich für meine Reise? Ein neues Notizbuch! Ein größeres. Was noch? Wie viel? Wie wenig? Wie viel von meiner Materie muss wirklich mit, damit ich mich nicht verloren fühle und wie viel brauche ich, um meine Eindrücke festhalten zu können? Wie wenig will ich mitnehmen, um mich nicht von der Schwere des Rucksackes in den Boden drücken zu lassen?

Verfolge ich ein Ziel? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht? Und was will ich da oben überhaupt?

Hilfe, ich will hierbleiben. In meiner Höhle. Will keine neuen Erfahrungen sammeln. Will nicht weg. Bin müde. Will schlafen.

Öhm. Natürlich will ich weg. Will gehen, sehen, reisen, kreisen, begegnen, loslassen, weitergehen … und am Schluss lande ich – wie Büne auf „Rimini Flashdown I“ singt – ja doch immer wieder nur vor der eigenen Türe.

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