Schlaflose Nächte zum Beispiel

Ich belausche meine Gedanken. Zuweilen drifte ich dabei ins Analysieren ab. Lasse es zu. Lasse es sein, was es ist: Teil der Wahrheit über die Begegnung zweier Planeten in der Unendlichkeit des Universums. Eine Wahrheit, die es nicht wirklich gibt. Ich erlaube mir, meinen Gefühlen und Gedanken zuzuhören. Wenn ich tagsüber nicht dazu komme, tue ich es eben nachts. Statt zu schlafen. Etwas in mir drin tut es. Dieses Etwas kocht mein Erleben ein und hilft zu verdauen.

Hinfühlen und Hinhören hilft mir, zu verarbeiten, doch auch, mich abzusichern. Save & close.

Sichern – wie schlimm und wie pathologisch das bisweilen klingt! Doch hier meint es genau das, was mein Laptop tut, wenn ich auf das Speichern-Icon klicke. Na ja. Speichern ist das Gegenteil von Lassen. Von einfach geschehen, kommen und gehen LASSEN. Speichern meint festhalten wollen. So ungern ich mir das eingestehe. Und so sehr dieses Wort meinen innersten Lebensentwürfen zuwider läuft.

Unfertig Gedachtes kommt und geht. Pausenlos fast. Will zu Ende gedacht werden und zeigt mir damit die Absurdität dieses Unterfangens. Es ist absurd, an ein Ende kommen zu wollen. Denn kaum denke ich, kaum fühle ich etwas, ist es bereits Vergangenheit. So ist jedes Festhalten, jedes Beschreiben ein Scheitern. Bleibt – auch wenn es genial ist – Stückwerk. Ist Konserve, die bestenfalls ein wenig Nährwert hat.

Jeder festgehaltene Ausdruck ist unzureichend, nur das Erlebnis im Augenblick zählt wirklich. Das Gefühlte. Doch das Bedürfnis festzuhalten und ausdrücken, wird durch diese Erkenntnis nicht kleiner. Was wir festhalten wollen, ist immer für später. Oder für andere. Für den Wiedererkennungswert und für die Komplimente. Für die Anerkennung auch.

Ich bin Teil von allem. Bin Teil des menschlichen Netzes und brauche andere Menschen. Leider und zum Glück. Ich brauche den Austausch mit anderen. Ich brauche die Stimulation durch andere. Die Reibung auch. Dann natürlich die Spiegelung. Rückmeldungen – auf meine Wirkung, auf mein Werk und meine Handlungen, auf mein Sein – sind mir wichtig. Ist unabhängig von alledem zu sein wirklich so erstrebenswert? Heilt denn nicht vieles, was wund war, besonders gut, wenn ich mich mit anderen kurz schließe?

Irgendwann kann ich loslassen. Und schlafen. Zum Beispiel.