Schritt für Schritt

10 – 9 – 8 – 7 – 6 – 5 – 4 – 3 – 2 – 1 – badouuuuf … So fing unser cooles Hörspiel an, das ich mit drei Klassenkameradinnen als Schulaufgabe in der zweiten oder dritten Bez. ausgetüftelt hatte. Den Countdown haben wir bei irgendeiner Sciencefiction-Sendung im Fernsehen mit einem Kassettenrecorder aufgenommen, den Rest des selbst erfundenen Hörspieltextes ebenso. Den habe ich jedoch längst vergessen. Nur die Erinnerung an ein paar witzige Stunden ist geblieben. Neue Projekte machen meistens Spaß. Und viel Arbeit auch, Arbeit jedoch, die Freude bereitet.

Ein bisschen wie vor und nach dem Countdown ist es mir auch jetzt zumute. Seit heute kann man nämlich das erste Text-eBook von Irgendlink – Schon wieder ein Jakobsweg – käuflich erwerben. Und zwar, wenn man hier draufklickt.

Einen Monat lang pilgerte der Liebste nämlich vor zweieinhalb Jahren von den Pyrenäen nach Santiago, um nicht nur das Leben als Pilgrim am eigenen Leib zu erfahren, sondern auch seine langjährig gebrütete Vision vom Livebloggen weiterzuentwickeln. Das Buch ist die Zusammenfassung der damals geschriebenen Artikel – ohne die redaktionellen Beiträge meinerseits und auch ohne die Kommentare all der tollen Mitreisenden zuhause am PC. Ergänzt dafür mit ein paar unveröffentlichten Artikeln, die in den Tiefen des iPhones geruht haben. So ist ein zusammenhängender Bericht, ein Buch mitten aus dem Pilgeralltag heraus, entstanden, der mich beim erneuten Lesen wieder voll gepackt hat. Das Buch ist rechtzeitig als Auftakt zur nächsten Reise, die morgen losgeht, erschienen. Über das neue Projekt Bilder für die Ewigkeit gibt es genau hier mehr Infos: Draufklick.

Apropos Countdown, ist nicht jeder Tag einer für den nächsten, der Morgen für den Abend, der Winter für den Sommer? Und war nicht meine heutige Zugfahrt ein Countdown für den Arbeitstag im Büro? Die letzte Viertelstunde meiner Reise teile ich mein Viererabteil mit einem bierdosenbestückten Mann, der zu einer Gruppe anderer hinter mir sitzender BierdosenhalterInnen gehört. Zum Glück lässt er mich in Ruhe. (Was er wohl über diese komische Frau denkt – falls er denn etwas über sie denkt – die da auf ihrem Telefon einen Thriller liest?) Ich gebe zu, dass mich die kollektive Alkohlfahne der Gruppenmitglieder abstößt. Ich ringe mit mir, ob ich einfach aufstehen und mich woanders hinsetzen soll, doch da mir niemand etwas zuleide tut, einzig meine Nase überfordert ist, lasse ich es bleiben und verhalte mich unauffällig und politisch korrekt.

Eine der beiden zur Gruppe gehörenden Frauen, die im Abteil unmittelbar hinter mir sitzt, hat ein kleines Hundchen dabei, das artig auf einer Zeitung liegt. Auf einmal fängt sie mit der andern Frau im Nachbarbteil einen lautstarken Streit an. In schönstem Berndeutsch. In keinem Dialekt gibt es so herrlich derbe Schimpfwörter! Du bisch e Logimoore (du bist ein Lügenschwein). Immer schon. Das wusste ich schon die ganze Zeit. Mir kannst du nichts vormachen. Ich würde dir am liebsten die Fresse polieren. Und so weiter, und so fort …

Als die andere mit schwachen Rechtfertigungen antwortet, holt die Hundehalterin nur umso kräftiger aus und wiederholt ihre Wahrnehmungen in immer neuen Schimpftiraden. Es fehlt nur noch, dass sie aufsteht, den Gang zwischen ihr und der Kontrahentin überschreitet und ihre Drohungen wahr macht. Ich überlege Notfallszenarien. Wie würde ich reagieren, wenn sie sich anfangen sollten zu prügeln und wieso sagt keiner der Männer, die mit im Abteil sitzen, etwas?

Es ist mucksmäuschenstill. Außer mir sitzen ja auch nur noch etwa vier oder fünf Unbeteiligte mit im Wagen. Allmählich schwillt die laute Stimme der Hundehalterin ab und wird wieder normal. Da und dort setzen wieder Gespräche ein und alle verhalten sich so, als wäre nichts gewesen. War da überhaupt etwas oder war das eben nur ein täglich sich wiederholendes Ritual, eine Art Reinigungsritual gar?

Heute ist nicht viel los im Büro. In der Pause tauschen wir über Menschen und ihre Schicksale aus und ich lese in der Zeitung von einer Bluttat mitten in Bern, genau in der Straße, in der ein früherer Partner gewohnt hat. Und zwar an der Bushaltestelle, wo ich jeweils den Bus verlassen habe. Und das ganz in echt. Verrückte Welt! Auf einmal fällt mir jene Stelle aus dem Buch Die Welt auf dem Kopf ein, wo die Autorin Milena Agus den Protagonisten Jackson junior sinngemäß sagen lässt, dass die Welt nicht wirklich schlecht sein kann. Wäre sie es nämlich, würden in den Zeitungen nicht die schlimmen, sondern die guten Dinge stehen, erklärt er. In den Zeitungen stehen nämlich immer die nichtalltäglichen Sachen. Hat was.

Ich kann am Nachmittag ein paar Fleißarbeiten für die Statistik erledigen und tauche dazu tief in einige Fallgeschichten ein. Geschichten von Menschen, die durchs Netz gefallen sind und sich ihr Leben irgendwann ganz anders vorgestellt haben. Im Zug nach Hause sitzt im Abteil vis-à-vis eine junge Großmutter mit ihrem vielleicht anderthalb Jahre alten Enkel, der ihr die Welt erklärt und mit ihr Zeitung liest. Wissensdurstig wiederholt er alles, was im die Frau sagt und hängt überall Fragezeichen an seine Sätze. Er will es wissen! Er hat das Leben noch vor sich. Hat noch keine Ahnung von vielem, der Glückliche, weder von Bierdosen noch von Netzen, durch die man fallen kann. Weder von Herzschmerz noch von Not. Möge auch in der Welt, in die er hineinwächst, die bösen Dinge in der Zeitung stehen, weil sie nichtalltäglich sind.

10 – 9 – 8 – 7 – 6 – 5 – 4 – 3 – 2 – 1 – badouuuuf …

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EDIT: Wer weder eReader noch Smartphone noch Tablet hat, kann auch auf dem Browser eBooks lesen. Unter den browserbasierten Epub-Readern für Firefox empfehle ich den EPUBReader und Lucifox. Die kostenlosen Addons lassen sich einfach installieren und die epubs mit ein paar Klicks auf dem Bildschirm öffnen. Viel Spass!

Das Rascheln hinter dem Vorhang

Seit ungefähr einem Monat nimmt das Kunstprojekt Bilder für die Ewigkeit Gestalt an und in acht Tagen fährt der Liebste bereits wieder los. Für zwei Wochen, während denen ich wieder als Homebase sein Kunstblog irgendlink.de redigiere.

Ewigkeit trifft Gegenwart könnte man das Projekt auch überschreiben. Ich zitiere aus der Pressemitteilung, die wir heute Morgen vollendet haben:

Nach fast dreijähriger Forschungsarbeit im Bereich Liveblogging und Direkt-Publishing, geht der Zweibrücker „Künstler in Bewegung“ ab 20. Juli 2013 ein neues Projekt an, das im Spannungsbogen „Ewigkeit trifft Gegenwart“ rangiert. Die Reise führt von Zweibrücken in der Pfalz entlang französischer Kanäle über Süddeutschland ins Weltkulturerbe Hallstatt in Oberösterreich. Unterwegs entstehen per Smartphone etwa 120 Bild-Text-Montagen, die für das Memory of Mankind-Projekt des Hallstätter Keramikers Martin Kunze fortlaufend auf Keramikfliesen gebrannt werden. Das Konzept des Österreichers besteht darin, für das Memory of Mankind das Wissen, die Kultur und auch das Alltägliche unserer Zeit in den Salzstöcken des Weltkulturerbes Hallstatt zu sammeln.

Pure, gelebte Gegenwart mit all ihren Haken und plötzlichen Wendungen, ihren Irrungen und impulsiven Selbstverständnis trifft auf Ewigkeit. Der Reisekünstler Irgendlink (Jürgen Rinck) und Martin Kunze vom Archiv-Projekt „Memory of Mankind“ haben sich zu einem interaktiven Experiment zusammengeschlossen, um diesen Prozess näher zu beleuchten. Die beiden Visionäre fanden sich, um gemeinsam sowohl philosophische, als auch kulturelle und wissenschaftliche Aspekte unseres Umgangs mit dem Lauf der Zeit auszuloten. Konzeptkünstler Rinck will den gelebten Moment möglichst zeitgleich und hautnah mit der Webgemeinde teilen und dokumentiert dazu seit 2010 all seine Reisen zeitnah in Bild und Text in seinem Blog.

Quelle: irgendlink.de > Pressemitteilung

Wir freuen uns über viele Mit-Zeitreisende und auf eine kostbare neue Erfahrung.

Ausgelesen II. #1

Da ich ja seit letzter Woche zehnmal pro Monat mit dem Zug zur Arbeit fahre, starte ich hiermit eine neue Serie. In einem Zug gelesen # 1 widme ich dem Krimi-Zweitling von Ina Haller.

978-3-95451-076-4

Zugegeben, der Titel haut höchstens Leute aus den Socken, die wie ich im Aargau wohnen oder aus der Gegend hier stammen. Darum gleich zu Anfang: Das Buch hätte einen besseren Titel verdient. Bücher mit Lokalkolorit – insbesondere Krimis – mag ich sehr. Speziell Bücher aus der Schweiz. Und wenn ein Buch in meiner biografischen Heimat spielt – teilweise in einem mir bestens bekannten Wohnquartier Aaraus – hat das Buch ein paar Vorschussloorbeeren gut. Doch diese wären schnell verscherzt, wenn mich das Buch nicht überzeugt.

Optisch ist das Buch unspektakulär, aber ansprechend. Der Klappentext macht neugierig. Und da ich mit der Autorin zusammen – Seite um Seite schreibend – bei einigen Novemberschreiben mitgemacht habe, wollte ich das Buch natürlich unbedingt lesen. Dass die Autorin aus Deutschland stammt, merkt man beim Lesen nicht, denn ihre Geschichte zeugt von jahrelanger Ortskenntnis.

Andrina, eine zweiunddreißigjährige Geologin, ist nach ihrem Studium, auf der Suche nach Arbeit, im Cleve-Verlag gelandet. Brigitta, die eine der beiden Verlegerinnen, war für sie eine Art Patin und hat ihr vor etwa einem Jahr eine Stelle als Sekretärin und Lektorin zugeschustert. Dass Brigittas Zwillingsschwester Elisabeth über diese Wahl nicht besonders glücklich war, erfahren wir erst im Laufe der Geschichte.

Nur ganz kurz dauert das Glück des Verlagsteams über die Adaption eines historischen Cleve-Fantasy-Romans in ein Musical, das am Anfang der Geschichte uraufgeführt wird. Oder besser: werden soll, denn als sich der Vorhang des Badener Kurtheaters öffnet, liegt statt eines Schauspielers der tote Autor auf der Bühne und der Alptraum beginnt. Andrina gerät ins Blickfeld der Polizei, wird jedoch schon bald aus dem Kreis der Verdächtigen entlassen und schon bald als mögliches nächstes Opfer betrachtet.

Das Büro wird verwüstet, die eine Lektorin nimmt sich das Leben und beinahe wird die Verlagslektorin Gabi ermordet. Dank Andrinas äußerst mutigem Eingreifen, überlebt die Lektorin den Anschlag, doch der Mörder kann – unerkannt – flüchten. Andrina erhält schon bald den immer gleichen Drohbrief („ich weiß immer, wo du bist“), verheimlicht das aber der Polizei, weil sie ihren Expartner Eric Zuber dahinter vermutet.

Nachdem sich Brigittas Suizid als weiterer Mordanschlag herausstellt, kommen sich Andrina und der eine der ermittelnen Kripo-Beamten, Marco Feller, langsam näher. Sein Personenschutz geht sogar so weit, dass er sie in den Urlaub aufs Hausboot ihrer Schwester Seraina und deren Mann Mike, begleitet. Undercovered hält er ein Auge auf Andrina, die nach einigen Tagen auch in Norddeutschland wieder Drohbriefe erhält. Schließlich werden Feller und sie sogar angeschossen und beschließen danach, sofort zurück in die Schweiz zu fahren. Inzwischen sind sich die beiden näher gekommen und verstehen sich als Paar – nicht ganz einfach unter diesen schwierigen Voraussetzungen. Zurück in Andrinas WG erwartet sie eine schreckliche Überraschung, die Andrina zwingt, sich eine andere Unterkunft zu suchen. Bald gerät sie, weil sie Marcos Haus – wo sie Exil bekommen hat – auf eigene Faust verlässt in Lebensgefahr. Das Finale? Darüber sage ich nichts, außer dass der Mörder eine doch sehr ungewöhnliches und unerwartetes Motiv hat und die Geschichte mit unvorsehbaren Wendungen bis zuletzt überrascht. Besonders gefällt mir, wie Haller ihre Geschichte abschließt. Doch auch das verrate ich hier natürlich nicht.

Zugegeben, zuweilen trägt die Autorin ziemlich dick auf und der eine oder andere Sachverhalt erscheint unnachvollziehbar, doch gelingt es Haller, diese heiklen Details so glaubwürdig zu erzählen, dass man sie ihr verzeiht. Obwohl ihre Stärke im Ausmalen der Details und in realistischen Dialogen liegt, wünschte ich mir hin und wieder, dass sie weniger sagt, weniger erklärt.

Ihre Figuren zeichnet sie selbst da nachvollziehbar, wo am Anfang Stereotypen hinhalten müssen. Ich denke dabei vor allem an die Figuren Marco Feller und Eric Zuber. Zum Glück weicht Haller die Klischees allmählich auf und die Personen werden bald dreidimensional und überzeugend. Andrina, die ich am Anfang eher ätherisch wahrnehme, wächst im Lauf der Geschichte über sich hinaus und zeigt Zivilcourage. Eine starke Frauenfigur, die sich ungern Vorschriften machen lässt und sich dabei – trotz ihrer Ängste – mehrmals in Lebensgefahr begibt. Für mich dürften die beiden Hauptfiguren, Andrina und Marco, durchaus menschlich und optisch weniger perfekt sein. Das hätte sie womöglich noch sympathischer gemacht. Auch der eine oder andere literarische Stolperstein wäre vermeidbar gewesen. Dennoch ein Buch das Lust macht auf mehr und dem ich es gönne, nicht nur im Aargau, sondern über seine Grenzen hinaus, auch über die nördlichen, gelesen zu werden.

Ina Haller. Tod im Aargau. Kriminalroman, emons 2013.
ISBN: 978-3-95451-076-4

Gedankensplitter

Wieso ist eigentlich Reden im Zug erlaubt? Jedenfalls vor halb neun morgens? Heute ist es lauter als vorgestern. Die Ferien haben begonnen. Eltern mit Kindern machen Ausflüge – so früh schon sind sie munter unterwegs und wollen den Tag auskosten. Zwei Männer plappern viel zu laut über Nichtigkeiten, so dass ich mich in ein weiter entfernteres Abteil setze. Mein mp3-Player ist nicht laut genug, all diese Geräusche zu übertönen. Zumal ich heute ziemlich starken Tinitus habe und nur auf halber Lautstärke hören mag. Ich sehne mich nach meinem Bett. Habe nachts wachgelegen. Kopfkino. Möchte die Decke über den Kopf ziehen, schlafen, Morgenmuffelin ich. (Ob die Depressiven dieser Welt tendenziell morgens eher lieber länger schlafen und die LangschläferInnen dieser Welt tendenziell depressiv sind?)

All diese Gerüche in meinem Zugabschnitt. Muss man Menschen mögen um gerne mit ÖV zu reisen? Rechts von mir Handcrème. Weiter hinten etwas Saures, das an Salatsauce erinnert und gelbgrün riecht. Vor dem Fenster die typischen Emmentaler Häuser mit ihren hohen tiefen Dächern. Nur Häuser und Land. Grün und braun. In den Ohren Red Hot Chili Peppers. Ich träume mich nach Kalifornien. Alles besser als hier im Zug zu sitzen. Warum eigentlich? Weil mir schlecht ist vor Müdigkeit und ich Bammel habe vor all dem Neuen? Kinderlachen dringt durch den Musikschutzmantel. Glücklicher Familienausflug. Soo früh schon.

Wenn neue Leute einsteigen, hilft es, einen Hustenanfall zu haben (ein bisschen übertreiben dient der Sache durchaus). Das Abteil gehört mir allein.

In der Büropause blättere ich im Magazin der Tageszeitung. Von einem jungen Mann lese ich, der sich selbst – weil suizidgefährdet – in die Psychiatrie eingewiesen hat. Dort hat er doch einen Suizid versucht und ist nun zeitlebens behindert. Wie sicher ist die Psychiatrie?, wird gefragt und ein paar Seiten weiter lese ich, dass unsere Gesellschaft an einem kollektiven Heimatverlust leidet. Eine ganze Gesellschaft Heimatloser. Leider fehlt mir die Zeit, den ganzen Artikel zu lesen.

Ich werde dieser Tage von verschiedenen Teammitgliedern in meine unterschiedlichen Arbeitsbereiche meiner neuen Stelle eingeführt. Damit ich die vielfältigen Prozesse verstehe. Notizen mache ich von Hand, begreife, dass ich lesbar schreiben muss, damit ich später lesen kann, was ich geschrieben habe. Nicht nur lesbar, sondern auch logisch.

Am Abend im Zug so viele Leute, dass kein Hustenanfall nützt, zumal ich diesmal die Zusteigerin bin. Dennoch ist es ruhiger als am Morgen. Alle sind allein unterwegs. Und die Parfümgerüche vom Morgen haben sich zum Glück auch im Laufe des Tages verflüchtigt. Direkt erträglich ist es. Ich lese im angefangenen eBook weiter und stelle fest, dass ich mit dem langen Arbeitsweg schon weniger hadere als vorgestern.

Lesen hilft. Immer. Irgendwie.

Tickende Uhren

Die Stoppuhr läuft. Ich habe sie gestartet, nachdem ich mein smartes Telefon, auf der sie wohnt, geweckt habe, denn heute bin ich selbst noch ohne Wecker erwacht. Nun läuft sie und zählt die Sekunden und Minuten, die ich brauche um wach zu werden (ähm …), um Tee zu kochen und derweilen die Rollläden hochzukurbeln (drei Minuten), um kurz meine Blogs zu checken (zehn Minuten), um Yoga zu üben (dreizehn Minuten) und um mich zu duschen (sieben Minuten mit anziehen). Die restlichen siebzehn Minuten der Stunde, die vergeht, bis ich bereit bin, das Haus zu verlassen, versickern irgendwo im Niemandsland. Ungezähmte Zeit, die mir genauso wichtig ist wie die morgendliche Dusche. Nichts ist mir morgens so kostbar wie wilde Zeit. Sinnlose und absichtslose Zeit zum Sein.

Eine Stunde bevor ich das Haus verlasse werde, wird morgen früh also mein Wecker klingeln. Er wird mich zu einer Zeit wecken, zu der ich seit über zwei Jahren noch mindestens zwei Stunden weitergeschlafen habe. Eine Frühaufsteherin war ich nur als Kind. Seit über dreißig Jahren kämpfe ich mit Weckern und frühen Morgenstunden, kämpfe gegen die Windmühlen der Normalität, der Nullachtfünfzehn-Gesellschaft. Obwohl ich ganz viele Menschen kenne, die ebenfalls jeden Morgen nur schlecht aus den Federn kommen, bleibt in dieser Gesellschaft alles beim Alten. Obwohl es sogar Studien gibt, die belegen, dass der durchschnittliche menschliche Körper – ab Pubertätsalter – in den frühen Morgenstunden aus biologischen Gründen nicht wirklich hochtourig laufen kann. Dass er Zeit braucht, bis er warm gelaufen ist. Dass erst so ab halb neun mit effektiven Leistungen zu rechnen ist. Gut zu wissen, aber …

Unsere Gesellschaft ist leistungsorientiert und will immer mehr. Mehr herstellen, erreichen, konsumieren, haben. Der Mensch expandiert, was möglich ist (das Unmögliche bestimmt auch schon bald) und würde am liebsten den Tag verlängern. Nein, ich mag das nicht werten. Wir verdanken unsern Lebensstandard dieser Arbeitsmoral. Und wir verdanken ihn anderen beinahe mittellosen Gesellschaften, die anders funktionieren als wir und deshalb für sehr wenig Geld sehr viel für uns arbeiten müssen. Ganze Gesellschaften, die abhängig von uns sind … Eine neue Art Sklavenhandel.

Ich habe mir in meinem Leben immer Arbeitsstellen gewünscht (und sie auch gehabt), wo meine Arbeit darauf hinzielte, die Welt im kleinen ein wenig lebenswerter zu machen. Meine neue Arbeitsstelle, die ich morgen antreten werde, hat dieses Ziel ebenfalls. Unsere Zielgruppe sind Menschen, die – wie ich bis vor kurzem – langzeit-arbeitslos sind. Mit vom Kanton geförderten Angeboten, bei denen es um den Menschen mit seiner ganzen Persönlichkeit geht, soll ein Weg zurück in die Normalität gefunden werden – was immer sie ist. Dieses Projekt kenne ich durch meine frühere Arbeitsstelle bei diesem Hilfswerk, von damals, als ich in Bern gelebt habe. Immer geht es diesem Hilfswerk um die Integration von Menschen, die irgendwo durch das Netz gefallen sind. Gut und schön. Doch noch schöner wäre es, wenn es die Arbeit von Hilfswerken gar nicht brauchen würde.

Ohne Kriege, keine politischen Flüchtlinge. Ohne Schuldenfallen und ohne Korruption, keine Ausbeutung, keine Armut, keine Armutsflüchtlinge. Ohne … kein … (Nein, ich kann die Welt nicht retten …) Wir alle könn(t)en miteinander viel verändern, viel bewirken. Einzig gegen Tsunamis, Vulkane, Überschwemmungen und andere Naturkatastrophen sind wir machtlos.

Der Gedanke, dass ich eine sinnvolle Arbeit verrichten werde, wird mir morgen früh beim Aufstehen helfen. Hoffe ich. Sinnstiftende Arbeit motiviert.

Kreuz und quer im Kopf

Mit jedem Wort, das meinen Mund verlässt, laufe ich Gefahr, falsch verstanden zu werden. Sogar mit jedem nicht ausgesprochenen Wort. Kommt noch eine Fremdsprache ins Spiel, erst recht. Schon seit einer Woche bewegen wir uns auf dem einsamen Gehöft in der Südpfalz mitten im schottisch-englischen Sprachraum, denn Ray, unser Gast, versteht – außer Dankeschön und Bitteschön – kein Deutsch.

Mein Kopf ist zurzeit ein einziger Eintopf aus Schweizer- und hochdeutschen Gedanken und meinen englischen Übersetzungsversuchen. Komplexe und banale Gedanken ganz nah beieinander. Das Hirn arbeitet ständig auf irgendwelchen Hochtouren, funktioniert wie ein Katalysator, hält mich hellwach. Ich schlafe mit englischen Wortgeweben ein, spreche im Halbschlaf mit dem Liebsten englisch und suche zuweilen das deutsche Wort für einen Begriff, der auf Englisch ohne groß nachzudenken da ist. Nicht, dass ich besonders gut englisch könnte, nein, eher ist es so, dass die Sprache – erst einmal aus irgendwelchen kümmerlichen Kammern meines Gedächtnisses ausgepackt und nun wild geworden, da endlich befreit – übermütig ihr Comeback feiert (wie heißt das gleich auf Deutsch?) und sich nicht so schnell wieder bändigen lassen will. So ungefähr.

Zugegeben ganz schön anstrengend, zumal ich ja – wie ich dieser Tage oft denke – ein ziemlich fauler Mensch bin. Oder wohl besser eine ambitionslose Minimalistin, die nur tut, was sich ihr zu tun aufdrängt und was notwendig ist (allerdings fällt ihr auch das Nichtstun sehr schwer und andere sagen, dass meine Sicht hier gar nicht stimmt). Nun wird es kompliziert. Dass ich nur tue, was notwendig sei, schrieb ich eben, doch wer sagt (wem), was notwendig ist?

Wie Ray, Irgendlink und ich gestern Nachmittag nach einem Ausflug auf der Terrasse sitzen und Tee und Kuchen genießen, fangen wir an über meine These zu diskutieren, die da lautet:
Würde jeder und jede hinter sich aufräumen und putzen, bevor sie oder er den Platz oder Raum verlässt und weitergeht, wäre die Welt eine bessere.

Dass ich aufräumen und putzen als Metapher meine, muss ich den beiden Männern erst mal erklären, stelle dabei aber fest, dass das Ganze für mich ebenso als Nicht-Gleichnis, also wortwörtlich, einigermaßen passt. Damit wir uns richtig verstehen: Ich glaube nicht, dass die Welt durch mehr Putzen besser wird, eher so: wenn wir achtsam mit ihr, unsern Mitmenschen und uns selbst umgehen, hin und wieder auf das zurückschauen, was wir angerichtet haben, bewusster und rücksichtsvoller unsere Umgebung in unser Lebenskonzept einbeziehen, wäre die Welt anders, ich behaupte besser, lebenswerter. Dabei geht es für mich in erster Linie um Respekt und Wertschätzung. Es braucht nicht viel – eigentlich nur achtsame Aufmerksamkeit – um meiner Umgebung zu zeigen, dass ich sie ernst nehme, dass sie mir wertvoll ist. (Frage an mich: Zeugt der Status Quo unserer Gesellschaft davon, dass vielen Menschen ihrer Umwelt gegenüber diese Wertschätzung fehlt? Wenn ja, warum?)

Zum Beispiel: Ich räume mein oder auch unser aller Geschirr weg, nachdem ich etwas gegessen habe und trage es zur Spüle. Jemand von uns wird das Geschirr später spülen und noch später trocken zurück in den Schrank stellen. Was wäre, wenn wir das nicht tun würden, im Kleinen so wenig wie im Großen …?

Ist es also – um zu meiner Frage nach der Definition von Notwendigkeit und zu meiner tollen These zurückzukommen – notwendig für eine bessere Welt, dass wir hinter uns aufräumen? Besonders dann, wenn unsere Talente ganz woanders liegen? Es gibt doch so viel wichtigeres als diese verdammte Sache mit der Ordnung und Sauberkeit (und ja, ich tue auch viele andere Dinge lieber als Geschirrspülen …)

Ich schweife ab. Wir sitzen also am Tisch, wie oft in diesen Tagen, und diskutieren über Gott, die Welt, die Männer und die Frauen. Stimmt es wirklich, dass sich Frauen schneller an Unordnung und Dreck stören, wie Ray behauptet. Ich weiß es nicht, bringe den persönlichen Ekelpegel ins Spiel, wie Irgendlink und ich jenen Punkt nennen, ab welchem einem Dreck und Chaos geradezu körperlich weh tun. Gar nicht so leicht, dieses Wort zu übersetzen, zumal Leo für Ekel eine ganze Palette an Vorschlägen hat, die Ray alle als zu stark ablehnt. Auf das Thema sind wir gekommen, weil Irgendlink montags und dienstags bei einem unglaublich chaotischen Umzug mitgeholfen hat und dabei Schmutz und Durcheinander in kaum zu übertreffendem Ausmaß ertragen musste. (Müßig zu sagen, dass der Umziehende männlich war? Klischees wollen doch einfach ab und zu gestreichelt werden.)

Rücksicht. Noch so ein Wort, das Menschen, die zusammensitzen, -wohnen, -leben betrifft, egal ob sie das lang- oder kurzfristig tun.
Wie würde ich, wenn ich du wäre?, frage ich mich oft. Nein. Ich frage nicht wirklich, ich denke die Frage noch nicht einmal, ich fühle sie, habe sie ganz und gar verinnerlicht. Und von da aus, irgendwo aus meiner Mitte, interpretiere ich meine Mitmenschen. Ständig.
Wie kann ich mich verhalten, dass du dich wohlfühlt? Auch das denke ich nicht wirklich und doch verhalte ich mich so. Dass das nicht alle so handhaben, weiß ich schon lange. Erschrecken tut es mich dennoch immer wieder, wie geradezu unsensibel manche Menschen mit ihren Freunden und Mitmenschen umgehen. Gestern Abend, in Kollege T.s köstlicher Tapas-Bar, wohin uns Ray zu seinem Urlaubsabschluss eingeladen hat, kam das Gespräch wieder auf diesen unsäglichsten aller Umzüge, denn auch Kollege T. hat bei diesem mitgeholfen und – ebenso wie Irgendlink – viel Zeit, Mühe und Energie hineingesteckt. Als Lohn ein Dankeschön hätte den beiden schon gereicht. Fürs Erste. Ob das zu viel verlangt ist?

Gewohnheiten. Vieles tun wir, weil wir es so gelernt haben – oft so unbewusst und unreflektiert, dass wir noch nicht mal sagen könnten, warum wir es tun. Vieles jedoch tun wir aus Überzeugung.

Hinter sich aufzuräumen zum Beispiel, wenn ich hier von mir ausgehen darf. Zwar habe ich es als Kind beigebracht bekommen, dennoch tue ich es aus Überzeugung und weil es mir ein Bedürfnis ist. Weil ich Ordnung mag. Ich tue es aber ebenso aus Rücksichtnahme und Respekt meinen Mitmenschen gegenüber. Kann ich es dennoch von andern erwarten?
Wahrnehmen, was andere benötigen – auch das habe ich unterwegs gelernt, aber darf ich das bei andern voraussetzen?
Die Grenzen anderer zu respektieren, lernte ich dadurch, dass andere die meinen immer wieder eintraten. Grenzen anderer zu respektieren – zumindest das will ich von anderen erwarten. Obwohl ich weiß, dass es gefährlich ist, Erwartungen an meine Umwelt zu haben, denn machen Erwartungen mich letztlich nicht unfrei?

Nicht nur mit jedem Wort, das meinen Mund verlässt, laufe ich Gefahr, falsch verstanden zu werden und nicht nur mit jedem nicht ausgesprochenen Wort. Auch geschriebene Worte sind gefährlich, ungeschrieben ebenso. Auch Bloggen, meiner Meinung nach eine der demokratischten Formen der freien Meinungsäusserung, ist gefährlich. Was soll’s: Leben ist gefährlich.

Thank you very much. You’re welcome.

Ein farbiges Wochenende

Alle Stimmen sind farbige Gummischnüre geworden, die sich ineinander und miteinander verweben. Muster entstehen und fließen durch meine müden Knochen und meine Synapsen schließen sich kurz. Ich werde vom Klangteppich um mich herum mitgetragen und döse allmählich ein. Es ist Sonntagnachmittag, kurz vor drei, und ich habe mich zu Erholungszwecken in die Loungeecke der Zweibrücker Galerie Prisma in die Polstergruppe gesetzt. Gelegt käme der Sache schon näher. Wie müde ich bin! Seit Freitagabend sind wir mehrheitlich (außer nachts) hier und zelebrieren Col Art. Zelebrieren ist vielleicht ein klein wenig übertrieben, aber nur ein wenig, denn sobald ich einen Pinsel in der Hand habe – ich beobachte, dass es andern ebenso geht – feiere ich ein Fest der Farben.

Auch die Kunstrichtung Col Art feiert: Vor fünfundvierzig Jahren wurde sie von Marc Kuhn ins Leben gerufen und feiert seit ungefähr fünf Jahren eine Art Wiedergeburt. Wie die aus einem langen Schlaf erwachte Spinne im Dornröschenschloss sucht sie sich neue Ecken und Winkel, wo sie ihre Künste zeigen und verbreiten kann. Weben und spinnen, so denke ich, wie ich den Pinsel in die rote Farbe tunke, das tun wir hier in der Tat. Auf neuen und angefangenen Bildern setzen wir mit unserer ganz persönlichen Farbsprache Akzente – vernetzen uns mit dem Bestehenden, und spinnen an neuen Bildern herum. Wir markieren nicht mit Duft- sondern mit Farbnoten, wir hinterlassen Spuren. Zusammen Bilder zu malen ist an sich nichts Neues und auch nichts, was den Namen Kunstrichtung verdient. Das Besondere an Col Art ist, dass die Kompositionen nicht nur im Kollektiv (=Col) entstehen, sondern auch koordiniert werden. Entweder wird die zu bemalende Leinwand in eine bestimmte Anzahl Felder unterteilt oder ein Thema – beispielsweise Menschen und ihre Gesichter – gibt den Rahmen vor. Und dann geht’s los. Male ich auf einer bereits sehr vollen Fläche, integriere ich meine Pinselstriche stärker in die vorhandene Malerei und beziehe mich, wo es passt, auf die Umgebung. Male ich in einer Ecke, die noch leer ist, kann ich stärker eigene Akzente setzen. Spannend ist, wie bei uns allen selbst in kleinen Bildausschnitten die jeweilige, individuelle Bildsprache sichtbar wird.

Ja, aber, geht denn das? Ist das Kunst? Ist das nicht einfach eine Art kollektive Selbsterfahrung? (Hat der Kaiser wirklich Kleider an?) Dass namhafte Künstler wie Beuys, Lohse und viele andere an Bildern von Col Art mitgearbeitet haben, mag den Skeptischen unter uns imponieren, doch was ist es nun wirklich, dieses Col Art-Malen?

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Die ewige Gretchenfrage aller Kunstschaffenden nach dem Wesen von Kunst – und was sie nicht ist – diskutiere ich an diesem langen Weekend immer wieder mit anderen Menschen. Mit Männern, mit Frauen, mit offiziell als Kunstschaffende Anerkannten ebenso wie mit sich als Laien Bezeichnenden. Die Antwort fällt immer wieder anders aus. Wo Laien mitarbeiten, kann keine Kunst herauskommen, höre ich jemanden sagen. Auch das Wort Beliebigkeit (die in den Bildern hier sichtbar werde) höre ich fallen und ich selbst muss gestehen, dass mir längst nicht alle dieser kollektiven Kunstwerke, die in der Galerie Prisma hängen, gefallen. Ich gestehe ebenfalls, dass mir nicht alle Kunstwerke in jedem Kunstmuseum gefallen, auch wenn große Namen darunter stehen. Das müssen sie auch nicht.

Intuition und Phantasie, Zufall und zielgerichtete Absicht, Beherrschung des Handwerks und Sorgfalt sind für mich einige der Ingredienzien, die es braucht um Werke zu kreieren, die ich Kunst nenne, nennen kann. Auch über Freund Zufall bei der Entstehung von Kunst diskutiere ich da und dort, denn dieser ist für mich kein unwesentlicher Kumpel in der Malerei. Vielleicht sollte ich es besser die Improvisationsfähigkeit der Künstlerin oder des Künstlers nennen, wenn ein Tropfen Farbe oder ein Strich zu viel eine Wende ins Bild bringt und damit eine neue Dynamik oder eine neue Richtung vorgibt?

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Wie auch immer: Es wird viel geredet dieser Tage. Und es wird viel gemalt. An Skulpturen, an angefangenen und an neuen Bildern. Auf Papier und auf Leinwand. Ein paar ortsansässige Kunstschaffende bringen eigene Werke mit – Skizzen, Fotografien, Skulpturen und Gemälde –, die anschließend von den Anwesenden mit Farbe neu interpretiert werden.

Ist Kunst nicht letztlich immer nur Interpretation? Immer nur das und so viel, wie die Betrachtenden sehen können; sehen, verstehen und in die eigene Sprache übersetzen.

Doch immer nur kunsten geht beim besten Willen nicht. Am Samstag war ich deshalb erst am Nachmittag in der Galerie und gestern brauchten Irgendlink, unser Gast Ray und ich mittendrin eine Pause. Kopf lüften, Nickerchen machen. Die Perspektive wechseln.

Wie wichtig das ist, hat mir am Morgen Rossana aus Mexico erzählt. Sie ist Marc Kuhns Lebens- und Arbeitspartnerin. Es ist gut, immer wieder zurückzutreten und die Perspektive zu wechseln, sagte sie zu mir. Nur mit ein bisschen Abstand sehe man, ob das Werk fertig sei oder ob noch etwas entscheidendes fehle.

Wann ist ein Col Art-Bild fertig und wer entscheidet das? Ertrage ich leere Flächen oder muss mein ganzes Feld bunt sein, frage ich mich, während ich an einer gemeinsamen Leinwand male.

Samstagabends ist das einsame Gehöft alles andere als einsam. Grillen und Gespräche am Feuer nähren Herzen, Bäuche und Seelen – ein schöner Abend unter einem fast vollen Mond. Der längst Tag des Jahres. Am Sonntagabend grillen wir alle gleich nochmals, diesmal bei Künstlerin B. und ihrer Familie.
Wir sind eine große Familie geworden!, sagt diese nach dem gemütlichen Essen und fasst zusammen, was wir andern denken und fühlen.

Ich bin dennoch froh, dass so intensive Tage nicht Alltag sind. So schön das alles war, so froh bin ich jetzt, dass ich durchatmen und Bilder sichten kann.

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Bilder: Nikon/Gimp

Unser Freund und Gast Ray Harris aus Schottland hat in seinem Blog ebenfalls einige Bilder und Texte publiziert. Bitte hier klicken.

Ein Wurmloch in Raum und Zeit

Es ist kurz nach elf Uhr nachts. Flughafen Frankfurt Hahn. Ein Flughafen mitten im Niemandsland, der vor allem mit Billiglinien arbeitet und weder an die Autobahn noch an den öffentlichen Verkehr angeschlossen ist … Es regnet schon seit einer Dreiviertelstunde ziemlich stark, nachdem es schon eine Stunde vorher heftig gestürmt und gewittert hat.

Unterwegs durch die Nacht zuckten wir immer wieder zusammen, wenn mächtige Blitze den schwarzen, mondlosen Himmel zerrissen und erhellten. Mit Hilfe einer Navi-App fuhren wir die uns beiden unbekannte Strecke und sind minutengenau vor dem Flughafengebäude angekommen. Zu früh, wie wir bald feststellen werden, denn Rays Flug aus Edinburgh hat sich verspätet.

Erstaunlich belebt ist es hier zu so später Stunde. In der Welt, die wir betreten haben, ist alles möglich. Nachts essen, was man sich tagsüber versagt, geht hier, und auf den Bänken schlafen, um die zwischen den Kontinenten verlorene Zeit wiederzufinden, ebenfalls. Wartend verrinnt die Zeit immer am langsamsten, überlege ich. Fünfundzwanzig Minuten müssen wir totschlagen. Tote Zeit? Ich taste nach meinem iPhone, während Irgendlink versucht, einen näheren oder günstigeren Parkplatz zu finden. Keine Chance.

Ich gehe derweil im Kreis herum wie der berühmte Panther im Käfig und tippe auf der kleinen Tastatur. Mit dem Daumen, wie früher bei den alten Handys. Brainstorming. Das hier kommt dabei heraus. Ich könnte auch in meinem angefangenen eBook weiterlesen. Oder statt tun einfach nur sein. Sein und schauen. Den Menschen zuschauen, denn das ist es, was ich auf Flughäfen oder Bahnhöfen am liebsten mache.

Da sind die zwei oppulenten, aufgemotzten Damen, die vor mir her zur Toilette gehen und sich beinahe beim Notausgang verirren. Spanisch reden sie und neben ihnen fühle ich mich in meiner Fleecejacke ziemlich underdressed. Auf dem Rückweg lächelt mir ein dösender Rucksackreisender aus kleinen Äuglein zu und ich erinnere mich an eine Nacht auf dem Flughafen in Rio, wo wir den Last Call um an Bord zu gehen beinahe auf unsern Rucksäcken liegend verschlafen haben. Ich kreuze erneut einen mit Kilt gekleideten Mann, der an einen Bistrotisch lehnt und seiner Begleiterin seine Lebensgeschichte erzählt. Oder so. Die Inderin mit Sari und Highheels, in denen ich mir schon beim ersten Schritt das Bein brechen würde und ihr Partner mit Vokuhila-Frisur, samt Pferdeschwanz, warten – wie es aussieht – auf den gleichen Flieger wie wir.

Und auf einmal geht die Türe auf. Ein erster Gast aus Schottland betritt das neue Land. Doch da ist niemand, der auf ihn wartet. Mit seinem Rollkoffer (heute haben alle Rollkoffer!) geht er, ohne einen Blick in die Runde zu werfen, an uns vorbei. Er ist ein (oder mimt zumindest den) Routinier. Dann eine Gruppe Spanier, einer davon mit einem zu kurzen Bein oder einer kaputten Hüfte. Er hinkt stark. Mir tut beim Zuschauen meine Hüfte weh und ich wende meinen Blick ab.
Noch drei Leute bis Ray, wette ich mit Irgendlink. Es sind dann allerdings fünf, bevor Ray endlich die Schleuse verlässt und auf uns zu steuert.

Der Regen hat nachgelassen, die App bringt uns wieder sicher nach Hause und anderthalb Stunden später sitzen wir gemütlich im Atelier und trinken Bier.

Figuren kreieren

Sie sitzen im Kreis. Mit offenen Mündern, die Augen weit aufgerissen, hören sie zu. Bei den einen glitzert es sogar ein wenig in den Augenwinkeln und als die Heldin die wackelige Brücke überquert hat, geht ein Aufatmen durch den Raum und die angespannten Glieder bewegen sich wieder. Die Kindergärtnerin klappt das Buch zu und auf einmal wird aus dem mäuschenstillen Menschenknäuel wieder ein wilder Haufen Piraten und Zauberinnen.

Die Heldin ist gerettet. Der Protagonist hat sein Ziel erreicht. Wir brauchen sie, diese Figuren aus den Geschichten, die wir lesen oder uns im Fernsehen oder Kino ansehen. Sie vertreten uns und helfen uns, zu leben. Gemäß eines Creative Writing Workshops in den USA – nein, ich habe keinen besucht und werde es höchstwahrscheinlich auch nie tun – soll unsere Heldenfigur innerhalb der ersten vier Seiten eines Romans eine sympathische Tat vollbringen. Weil sonst unsere Lesenden, so geht das Gerücht, das Buch zuklappen. (Hat mir ein Bekannter erzählt, der einen solchen Workshop besucht hat. Oder jemanden kennt, der einen besucht hat. Oder so.)

Na ja, solche Vorgaben finde ich stereotyp und nicht besonders kreativ, aber die Idee hat was. Die Figur, die ich für die nächsten hundert, ein-, zwei-, dreihundert Seiten begleiten werde, muss es wert sein. Sie muss mir also so weit sympathisch sein, dass ich mitgehen will. Selbst wenn diese Figur ein Schelm und ein Kunstdieb ist. Ich denke dabei an Martin Suters Figur Allmen oder Jo Nesbøs Headhunter.

Wir Schreibenden manipulieren. Immer. Bewusst oder unbewusst. Sobald wir an einem Text arbeiten, den wir nicht nur ausschließlich für uns selbst schreiben, angefangen beim Brief hin zum Artikel fürs Blog bis zur Romangeschichte, überlegen wir uns genauer, wie wir was sagen. Ich lese Sätze, die ich ins Tagebuch schreibe, selten durch, doch bereits Briefe und Mails lese ich (meistens) mindestens einmal durch. Ich formuliere manchmal kopfgesteuert oder ich lasse meine Gedanken einfach intuitiv aufs Papier oder in die Tasten fließen. Eins ist dabei klar, auch wenn ich nicht jedes Mal darüber nachdenke: ich will eine Aussage machen und mit dieser eine ganz bestimmte Wirkung erzielen. Ich will verstanden werden und darum unterstreiche ich meine Absicht mit möglichst passenden Worten. Wie es eine Kundenmalerin tut, wenn sie einen Raum neu streicht. Sie wählt jene Farbe aus, die den gewünschten Effekt erzielen soll. Oder der Koch: er hat die Zutaten und dazu eine Idee, wie das Ergebnis auf dem Teller aussehen und im Gaumen schmecken soll. Alle sind wir in irgendwas gut und darin wissen wir, wie wir die richtige, die von uns gewünschte Wirkung erzielen können.

Worte sind meine Gewürze, meine Farben, meine Klänge. Die Tastatur ist mein Instrument, mein Medium, mein Kochlöffel.

Zurzeit arbeite ich mehr oder weniger intensiv an der Fertigstellung eines Romanes, an dem ich schon seit Jahren brüte. Ich balanciere dieser Tage ständig zwischen innen und außen. Ich will die Geschichte um ihrer selbst willen erzählen (einzig das Wie ist noch nicht in jedem Detail klar). Ich will dieses Geschichte erzählen, weil ich sie erst dann wirklich loslassen kann. Und auch, weil ich sie erzählenswert finde. Ich erzähle sie, weil sie sich mir aufdrängt. Es gäbe nettere Geschichten zu erzählen, gewiss. Meine ist nicht nett. Es ist keine Mainstreamgeschichte, keine laute, schrille, die das Zeug zum Bestseller hat – nicht jedenfalls um ihres Inhalts willen. Meine Geschichte ist mein Stein, der sich mir zum Behauen in den Weg gestellt hat. Weil ich die Kenntnisse und das Werkzeug habe und weil ich die Form im Stein sehe, die ich freilegen soll, habe ich mich zur Dienerin des Steins gemacht.

Die Werkzeuge der Steinhauerin dienen der Manipulation des Steins. Hier zuckt niemand beim Wort Manipulation. Auch bei Bildbearbeitung mit Photoshop und Co. stolpert niemand allzu sehr über dieses Wort. Aber beim Schreiben, oh weh, da bekommt das Wort schnell einen negativen Beigeschmack und wir denken an Werbung, an Propaganda und an Diktaturen.

Sobald ich mit einem Text den Innenraum meiner Gedanken und den Innenraum meiner Festplatte verlassen und ihn einer Leserin oder einem Leser zeigen will, ist es nicht mehr egal, wie ich schreibe. Mir nicht, meiner Leserschaft nicht. Der Balanceakt beginnt. Ich schreibe so, dass ich möglichst so verstanden werden kann, wie ich verstanden werden will. Und doch bleibe ich mir treu. Mir und meinem Schreibstil. Meiner Denkart. Meinen Bildern.

Und genau hier wird es schwierig: Ich-du-er-sie-es-wir alle können nicht anders als von uns und unserer Bilderwelt auf jene der andern zu schließen. Weil wir nur diesen einen Einblick in ein menschliches Denk- und Wahrnehmungskonzept haben – dazu noch sehr lückenhaft. Was ich hartnäckig türkis nenne, nennt Freundin L. genau so hartnäckig grün, nur so als Beispiel.

Ist meine Figur A. für alle, die meinen Roman lesen, sympathisch? Und falls ja, verspielt sie sich diese Sympathie womöglich schon auf den ersten zehn Seiten, weil sie etwas auf eine bestimmte Weise macht, denkt, sagt, schreibt, die meine Lesenden doof finden? Sie für alle und um jeden Preis sympathisch machen zu wollen, kann also nicht funktionieren. Muss auch nicht.

Momentan lese ich ein eBook. Der Protagonist dieses Romans ist ein snobistischer Kotzbrocken. (Ich bin allerdings erst im ersten Viertel und lese das Buch weiter, weil ich die Hoffnung nicht aufgebe, dass er mir vielleicht doch noch sympathisch wird). War es Absicht des Autors, seinen Protagonisten so unsympathisch zu erschaffen? Weil dem Autor die Leserinnenschaft völlig egal ist? Als Experiment? Oder, und das ist die Frage, die mich am meisten beschäftigt, ist der Protagonist womöglich andern Lesenden durchaus sympathisch? Dass nicht alle allen sympathisch sind, wissen wir. Aber …

Für meine Schreibarbeit extrahiere ich aus meiner aktuellen Leseerfahrung folgende Frage: Kann und darf eine Figur, die wir uns als Schreibende auf eine bestimmte Art vorstellen, auf andere ganz anders oder sogar völlig gegenteilig wirken, als wir es uns vorgestellt hatten?

Ich folgere, dass unsere manipulativen Fähigkeiten nur bis dahin reichen, wo unsere Lesenden ihre Erfahrungsschätze und ihre Phantasie auspacken. Somit ist jede Geschichte immer mehr als das, was ich erzählen kann. Sie ist immer eine Synthese zwischen meinem Text und dem Lesegaumen meines Gegenübers.

Was eine Figur sympathisch oder unsympathisch macht? Obwohl sich diese Frage kaum abschließend und verallgemeinernd beantworten lässt und schon gar nicht befriedigend, gibt es wohl ein paar generelle Kriterien: Eine Hauptfigur muss menschlich sein und fehlerhaft . Sie soll ein paar nicht allzu schlimme Schwächen haben und weder darf sie zu schön noch zu hässlich sein, sonst macht sie uns Angst oder stößt uns ab. Hier betrete ich bereits wackeligen Boden. Denn es gibt durchaus hässliche Romanfiguren, die mir ans Herz wachsen können. Und sogar wunderschöne. Lassen wir es also einfach bei den erstgenannten: menschlich und unvollkommen.

Umgekehrt stellt sich die Frage, was eine Figur unsympathisch macht. Unsere Feindbilder sind so individuell wie unsere Geschichten. Als möglicherweise allgemein akzeptierte Kriterien nenne ich deshalb nur Arroganz, Korinthenkackerei, Besserwisserei, Hochnäsigkeit und Unsensibilität.

Stellt sich die Frage, ob solche Eigenschaften wirklich auch als solche wahrgenommen werden (siehe das erwähnte eBook). Womöglich wirken auf andere Leserinnen und Leser Besserwissertum und Arroganz ja als Gelehrtheit und Abgeklärtheit?

Sich gute Geschichten auszudenken ist eins, sie in lesbare Texte umzusetzen, damit andere Menschen sie lesen, mitgehen und im Idealfall etwas mitnehmen können, das ihr Leben bereichert, etwas anderes.

Ohne gute Geschichten wäre mein Leben grau. Eine gute Geschichte muss mich berühren. Ziemlich einfach eigentlich.

Und für dich?

sollen oder wollen?

Ich sollte wohl mal wieder bloggen!, murmelte ich vorhin. Denke ich seit Tagen. Kann das gut gehen, wenn ich so etwas denke? Kann es gut gehen, wenn wir Dinge tun, weil wir meinen, sie tun zu sollen? Wie ist es mit den ersten fünfzehn Seiten meines Romanmanuskripts, die eine Schreibkollegin lektoriert, sprich: mit Korrekturen, Tipps und Vorschlägen versehen hat. Will ich, soll ich ihre Anmerkungen annehmen? Ja. Und nein. Die einen habe ich umgesetzt, andere nach einigen Überlegungen verworfen. Und heute hat mir auch der Liebste den einen oder andern Vorschlag zum gleichen Text angekündigt.

Werde ich je einen Text schreiben, den alle perfekt finden, an dem niemand etwas zu verbessern hat? [Will ich das überhaupt?]

Können Du solltest!-Dinge funktionieren – wenn ja: besser oder schlechter als Ich will!-Dinge? Und wie verhält es sich mit meiner Disziplin in Bezug auf Zu-sollendes? Wie fast immer war meine To-Do-Liste auch heute wieder viel zu lang um realistisch zu sein. Gemessen jedenfalls am schönen Wetter, das nicht einfach ignoriert und verschwendet werden darf (zumal ich meine Tage zurzeit noch frei einteilen kann).

Anders gefragt: Bin ich  möglicherweise einfach nur faul und rede mich hier mit Wollen-statt-sollen-Parolen aus der Affäre?

Verliere ich meine Linie, meine Ziele, meinen Stil aus den Augen, wenn ich tue, was andere mir zu tun raten oder dient es gar meiner Entwicklung? Wann das eine und wann das andere?

Heute hieß mich meine Scheffin (moi-même), endlich den Papierkram – einen Teil des Papierkrams zumindest – aufzuräumen. Neulich habe ich mir für mein Geschäft extra zwei wunderschöne Ringordner gekauft: einen hellgrünen für die Finanzen (die Farbe des Wachstums, wohlgemerkt!) und einen orangefarbenen für alle administrativen Belange (die Farbe der Heiterkeit und des Sonnenuntergangs), damit ich endlich Ordnung schaffen kann. Könnte. Also sagte meine Scheffin heute Morgen zu mir: Schick deinen inneren Schweinehund in die Wüste und fang an.

Erste Auslegeordnung. Das hier, das dort, lochen, einheften … Zwar fehlt mir noch das optimale System, wie ich auf möglichst simple Weise meine Einnahmen und Ausgaben handhabe, doch das hat Zeit. (Ich werde nach einer Weile sehen, was am sinnvollsten ist. Das Buchhaltungssystem, das ich geladen habe, scheint mir doch ein bisschen großspurig. Doppelt muss sie ja nun wirklich nicht sein …). Oh, das macht ja richtig Spaß, dachte ich nach fünf Minuten. Und schon bald war ich fertig.

Der zweite fette Papierstapel, auf den meine Scheffin zeigte, umfasste sämtliche Bewerbungsbriefe-Kopien des letzten Jahres, sämtliche angeschriebenen Stelleninserate, sämtliche Aufforderungen und Infos vom Arbeitsamt und der Arbeitslosenkasse. Alles kalter Kaffee. Und alt dazu. Eine spannende Reise in die Vergangenheit. Eine Papiertragetasche voll Papier zum loslassen. Ein gutes Feuer wird das geben, nächste Woche, auf dem einsamen Gehöft. Ein Feuer, in welchem ich mit dem Liebsten Kartoffeln braten kann – nichts geht verloren.

Am Nachmittag endlich der wochenlang prokrastinierte Werbeversand – draussen auf dem Gartensitzplatz. Nach dem Multiplikationsprinzip für mein Geschäft zu werben, scheint mir im Moment der logischste nächste Schritt zu sein. Menschen, denen ich gerne mal wieder ein Lebenszeichen von mir zukommen lassen wollte, aber in den letzten Monaten und Jahren aus den Augen verloren habe, schrieb ich eine freundliche Postkarte, die ich mit einigen meiner Werbekarten in einen Umschlag steckte. Mit der Bitte, meine Karten nach Bedarf zu verwenden, auszulegen, weiterzureichen. Von Hand geschriebene Karte, von Hand angeschriebene Umschläge. Jedes Mal ein persönlicher Text. Damit steigt in meinen Augen die Wahrscheinlichkeit, dass die Briefe wahrgenommen werden und frühestens danach, bei Missfallen, im Altpapier landen – oder gar nicht, sondern ankommen. Wirken. Multiplikation durch persönliche Empfehlung. Ob das funktioniert? Funktioniert hat jedenfalls, was viele behaupten: Handschreiben ist tatsächlich Übungssache. Ich schreibe leider viel zu selten von Hand, so dass mein Gekritzel am Anfang kaum lesbar war. Besser ging einfach nicht. Erst bei der letzten Karte fand ich meine Schrift so langsam wieder vorzeigbar. Ob diese Aktion nun eher kontraproduktiv ist oder ich nur mal wieder zu selbstkritisch bin, wird sich zeigen.

Neue Anfänge bezaubern – so oder so. (Wusste schon Hesse. Wissen wir alle.)

Was am Anfang des Tages mit einem Du solltest! meiner Scheffin, die ich ja selbst bin, angefangen hat, wurde ein arbeitsreicher, schöner Tag. Sogar Dinge, die wir tun, weil wir sie sollen, auch wenn wir auf Anhieb keine Lust dazu haben oder lieber etwas anderes täten, können offenbar gut herauskommen.

Im Arbeitsleben die Balance zwischen Lust und Pflicht zu finden, fasziniert mich: Will ich oder soll ich –  und wenn ja, wieso?