Nichts gegen Schönheit, aber …

Mein letzter Artikel könnte den Eindruck erwecken, dass ich mit Schönheit nichts anfangen kann. Das Gegenteil ist der Fall. Ich brauche es, mich in schöner Umgebung mit schönen Dingen, mit schönen Menschen zu umgeben. Weil Schönheit eine heilsame, wohltuende Wirkung auch mich hat.
Bloß: Was ist Schönheit?

Nur schon, wenn ich schreibe, dass ich mich gerne mit schönen Menschen umgebe, wird es schwierig.
Weil: Was ist Schönheit?

Ich selbst finde mich ja nicht schön. Nun ja, auch nicht wirklich hässlich. Aber eben: Das Wort schön würde mir für mich selbst niemals einfallen. Und doch: Auf manchen Bildern, die der Liebste von mir macht, fühle ich mich schön. Weil ich mich darauf gesehen, erkannt, verstanden fühle. Weil ich so aussehe – mit meinen Augen, die mich sowohl von innen als auch von außen sehen können und kennen –, wie ich mich fühle. Ganz. Als eine Einheit von Innen und Außen.

Diese Art Schönheit meine ich, wenn ich sage, dass ich mich gerne mit Schönheit – schönen Menschen, schöner Umgebung, schönen Dingen – umgebe. Nicht die gemachte Schönheit, dieses Perfekte, Gepuderte, Aufgebretzelte. (Unter uns gesagt: Fassaden irritieren und verunsichern mich ja eher. Vielleicht ist es ja ihr Zweck, das Innere zu verbergen, auf falsche Fährten zu locken?)

Frau Rebis hat es in einem Kommentar zu einem Blogartikel wunderbar formuliert: »Das Perfekte ist immer ein Gemachtes und mit viel Anstrengung verbunden, die noch dazu letztlich nutzlos bleibt (da ja kein Ende möglich ist). Das Vollkommene als das voll (aus mir heraus) Gekommene ist, was ich mir als „Ziel“ setzen könnte. Das Wort Ziel trifft es ja gar nicht. Es bleibt ja Prozess, Bewegung und Weichheit darin, etwas, was „Ziele“ im klassischen Sinne sonst nicht haben. Irgendwie so: wenn zwischen mir und meinem Ausgedrückten keine falschen Erwartungen(?) mehr stehen, dann wird es vollkommen.« Besser hätte ich es nicht formulieren können.

Auch ist Schönheit theoretisch etwas Persönliches, Individuelles, nichts also, trotz Goldenem Schnitt & Co., nichts, was ich mir diktieren lassen sollte.  Doch Grayson Perry zeigt in seinem Buch So geht Kunst!, dass wir letztlich irgendwann schön finden, was wir immer und immer wieder sehen. Schönheitsideale sickern peu à peu in uns ein. Was schlimmer klingt als es ist. Oder schlimmer ist als es klingt. So oder so: eine eigene ästhetische Meinung zu haben, ist gar nicht mal so einfach. Wir alle sind nicht immun gegen Bilder, gegen Einflüsse, gegen Gewohnheiten. Ich sag nur Schlankheitswahn und Jugendwahn versus Speck und Falten.

Dennoch: »Was ist schön?« heißt ab sofort »Was finde ich schön?«

Ich zum Beispiel finde die Bilder von K.eckstein, die sie von Elke, der Mützenfalterin, gemacht hat, wunderschön. Auch der liebevolle Blick ist es, den ich hier so speziell wunderschön finde. Diese Natürlichkeit und Echtheit! Ja, das ist für mich Schönheit. Vollkommene Schönheit – im Sinne meines letzten Artikels, wo ich für den vollkommenen Ausdruck plädierte.

Wir wissen, dass Liebe schön macht. Selbst auf Bildern, die den Liebsten zerzauselt und nach klassischen Maßstäben unvorteilhaft zeigen, finde ich ihn schön, wunderschön. Weil ich sein Innen und sein Außen verbunden sehe. Dieses Schön eben, das hinter den Vorhang schaut. Davon wünsche ich uns wieder mehr.

Das Schönheit-Ding

Dieser Moment, auf den man so lange hingelitten hat, dieser Moment des Todes, muss nun nicht mehr gefürchtet werden. Er ist gekommen und er schuf eine neue Wirklichkeit, eine neue Lücke, mit der wir nun leben lernen. »Der Wind weht weiter«, hat Irgendlink heute getwittert. Das trifft es gut. Weiter ist ja nicht nur ein Synonym für weiterhin, sondern auch ein Komperativ von weit. Und ja, Weite tut unseren Herzen gut. Besonders dann, wenn jemand stirbt. Der Tod liegt im Wesen und in der Natur alles Lebendigen.

Über den Tod und die Möglichkeiten, ihm mit künsterlichen Mitteln zu begegnen, denke ich schon lange immer mal wieder nach. Und über Schönheit und Kunst. Über Vergänglichkeit und Zerfall.

Schönheit kann kein Ziel sein, titelte Klaus Harth neulich eins seiner Bilder. Auch im Buch So geht Kunst! von Grayson Perry geht es um Ähnliches. Auch um den Unterschied von Schönheit und Ästhetik und warum Kunst nicht schön sein muss, Schönheit ihr eher sogar zuwiderläuft. Es geht Perry auch darum, zu zeigen, was Schönheit überhaupt ist, warum wir etwas als schön definieren und wo die Schnittstellen zwischen guter und dekorativer Kunst sind.

Und das alles inmitten einer Gesellschaft, in welcher Schönheit, Schönsein und schöner Schein viel zu wichtig geworden sind.

Bei einem Gespräch letzte Woche, am Lagerfeuer, ging es unter anderem um die Rollen von Schauspielerinnen und Schauspielern und dass letztlich nicht Schönheit über Qualität entscheidet, sondern Ausdruck; diese ganz besondere Fähigkeit, auszudrücken, was in der Rolle drin ist und von innen nach außen transportiert werden will und soll.

Ähnliches diskutierte ich am Sonntagnachmittag mit einer anderen Freundin. Perfektionismus ist ja eine meiner (Un-)Tugenden und nicht nur für mich eher negativ konnotiert. Wer nicht an Perfektionismus leidet, kann ihn nämlich nicht wirklich verstehen. nicht seinen Sinn, bestenfalls seinen Unsinn. Dieser innere Zensor, der mit nichts zufrieden ist, ist sehr mächtig und macht auch mächtig Druck. Erst in diesem sonntäglichen Gespräch wurde mir klar, dass mein Perfektionismus dem vollkommenen Ausdruck, nachdem ich mich sehr sehne und für den ich bis vor kurzem keinen Namen hatte, zuwiderläuft.

Vollkommener Ausdruck nenne ich also ab sofort, wenn es möglichst exakt gelingt, das Innen möglichst ungefiltert, ohne Widerstände, ohne Verfremdungen, nach außen zu bringen, nun ja, eben vollkommen auszudrücken. Ohne Abstriche und ohne nette Opfer zu bringen für KritikerInnen und für all jene, die es lieber nett & dekorativ mögen. Eigentlich ist es ja wie bei der oben erwähnten Schauspielerei: Vollkommener Ausdruck ist, wenn es gelingt, ein vollkommenes Medium der Rolle, der Botschaft, zu sein, die von innen nach außen will. Vollkommener Ausdruck ist, wenn es gelingt, das Innending authentisch zu materialisieren. Egal, ob es schön oder gefällig ist.

Nun ja, ich stolpere noch viel zu oft über die Filter schön und gefällig. Noch verfälschen sie immer mal wieder meinen Von-innen-nach-außen-Transport. Dennoch will ich mich lieber weiterhin diesem Versuch des vollkommenen Ausdrucks widmen als die nie und nimmer erreichbare Perfektion erreichen zu wollen.

Vollkommenheit ist doch auch eine Form von Perfektion, denkst du jetzt womöglich, und fragst dich, wo da der Unterschied sei. Vollkommen ist für mich viel weniger negativ gefärbt als perfekt, es ist für mich der natürliche Zustand von etwas, vollkommen ist für mich eher ein Synonym von natürlich, also nicht aufgepimpt, aufgebretzelt, zurechtgeschliffen, zurechtgepfriemelt, sondern genauso gewachsen. Geworden. Von innen nach außen geholt. In sich vollendet.

Wortklauberei vermutlich. Egal, auch Wörter sind ja letztlich vergänglich.

Worte wie Monster

Metapher, Gleichnis, Parabel, Synonym, Sinnbild, Symbol, Stellvertreterwort, Lehrstück.

Nein, diese Wörter meinen nicht alle das Gleiche und nein, sie sind auch keine Monster. Aber ’Monster’ – das Wort, der Begriff, die Terminologie – ist für mich mal Metapher mal Lehrstück, dann wieder eher Symbol und manchmal blutiger Ernst. Ein roter Faden, der sich durch mein Leben zieht. Ein geliebtes Kind hat viele Namen, sagt man. Noch mehr Namen jedoch haben Leid und Schmerz, Not und Weh, Krankheiten. Depression. Viele Monster.

Nicht aus wirklich akutellem Anlass eher zu Recherchezwecken habe ich heute in meinen Blogs nach Monstertexten geforscht und daraus folgenden Patchworktext gewoben.

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Das blaue Boot hat angelegt. An meinem Steg. Am liebsten stellt mir mein blaues Monster, das Kapitänum des blauen Bootes, viele Fragen. Und am liebsten mitten in der Nacht.

Mein Monster kennt all jene Fragen, auf die ich nie käme und auf die ich keine Antworten kenne.
Mein Monster weiß um alle meine Abgründe, um alle Selbstbetrüge, um alle Scheinheiligkeiten und um all meine inkonsequenten Entscheidungen.
Mein Monster führt mir vor Augen, dass ich keinen Deut besser bin als die andern. Keine Spur besser als jene, die ich ignorant nenne.
Mein Monster weiß, dass ich zumeist mehr Angst vor der Angst selbst als vor realen Dingen habe.
Es weiß, wie es mich behandeln muss, damit ich endlich das Karussell verlasse.
Es weiß oft viel besser, was ich brauche, als ich selbst.

Doch mein Monster ist alles andere als nett zu mir, es fasst mich nicht mit Samthandschuhen, nein, es schmeißt mir unbequeme Erkenntnisse geradezu um die Ohren. Und es schert sich keinen Deut darum, ob ich vor Schmerz schier platze. Gnadenlos zeigt es mir, wo ich stehe. Schonungslos hält es seinen Finger dorthin, wo es am meisten weh tut. Mein Monster weiß, wo diese Stellen sind.
Ja, mein Monster und ich, wir kennen uns schon lange, sehr lange.

Dass ich während solcher nächtlichen Treffen nicht schlafen konnte, ist nur logisch. Nicht eben leise geht es hin und her, mit einer Taschenlampe bewaffnet zündet es in die allerletzten verstaubten Winkel und stellt eine Frage nach der anderen. W-Fragen mag es am liebsten. Morgens um vier W-Fragen gestellt zu bekommen, mag ich nicht wirklich. Morgens um vier will ich schlafen. Vielleicht sogar träumen, aber gewiss nicht mit Monstern Interviews führen, die mich eh nur in die Enge treiben. Die Monster ebenso wie die Interviews. Am liebsten kratzt es alten Schorf auf. Oder von mir aus auch neuen Schorf von alten Wunden. Dem Schmerz und dem Monster ist das einerlei. Hauptsache weh.

Warum tut erinnern noch immer so weh?, frage ich mich, Stunden später beim Teetrinken. Kann Vergangenes denn nicht endlich heilen, ruhen und in meinen Archiven abgelegt werden? Oder gar geschreddert?
Ich sitze neben einem Schredder und verwandle Altlasten. Wundersame Tranformation von festen Papierbögen in feine Streifen. Ein technischer Geniestreich um nicht zu sagen die wichtigste Errungenschaft der Z(u)ivi(e)lisation. Eigentlich.

Hätte sich diese Maschine bloß nicht zum Ziel gesetzt, mir Geduld beizubringen. Vermutlich vergeblich. Mehr als drei, allerhöchsten vier Blätter frisst es nämlich nicht, das alte Teil. Und schiebe ich sie auch nur ein bisschen zu schief in seinen Schlund, frisst es einfach nicht mehr weiter und zwingt mich, den Rückwärtsknopf zu drücken. Die feinen Streifen kommen rückwärts. Der Schredder kotzt.

Übe dich in Geduld. Gib mir nicht zu viel aufs Mal, sagt er. Manchmal zwinkert er dabei ein bisschen.
Wie gut ich dich verstehe, du Ding! Wenn ich groß bin, werde ich Schredder.

Gedankensplitter

Heute Morgen bin ich aus einem sehr seltsamen, sehr real anmutenden Traum erwacht. Erwacht worden, wachgeguckt worden. Als ich meine Augen aufschlage, ruhen jene des Liebsten auf mir und ich frage ihn, ob ich im Schlaf geredet habe.
Nein, sage er.
Wenn, dann hätte ich nach dir gerufen, sage ich.

Wir waren irgendwo in Schweden oder Frankreich unterwegs, mit dem Rad. Auf einer mehrtägigen, längeren Tour. Etwas also, das wir in echt zwar noch nie per Rad, wohl aber zu Fuß, erlebt haben. Nach einer Pause stehen wir wieder auf. Aus irgendwelchen Gründen vergisst Irgendlink sein Handy. Ich packe es ein, als er schon losgeradelt ist. Ich bummle offenbar so lange rum, dass wir uns aus den Augen verlieren. Im Traum fühlt sich das nichts ungewöhnlich an. Wir haben keinen Ort abgemacht, an welchem wir aufeinander warten werden. Wir haben auch, was für uns sehr typisch ist, kein Tagesziel anvisiert. Fahren einfach vorwärts. Als Kartenmaterialien nur die Handys. Zwar spüre ich keine Panik, aber das hier ist doch recht unfassbar und ich bin ratlos. Ja, ich bin beunruhigt und frage mich je länger je häufiger, ob Irgendlink vor oder hinter mir ist, weil ich an einer Abzweigung nach Gefühl rechts abgebogen bin. Er könnte sowohl links oder rechts lang gefahren sein. Oder er könnte an einer Bucht auf mich warten. So verstreichen die Stunden und langsam bekomme ich nun doch Angst, zumal ich kein Zelt dabei habe. Langsam wird es Abend. Unter normalen Umständen hätten wir längst gesimst, unter normalen Umständen hätten wir schon sehr bald aufeinander gewartet. So was kann uns eigentlich nicht wirklich passieren, aber was wäre, wenn?

Schließlich erwache ich. Wir überlegen, wie wir uns in einer solchen Situation, fern von zuhause, wiederfinden könnten.
Ich würde wohl, sage ich, im nächsten Ort – in einem Dorf, bei Privaten, in einem Restaurant, irgendwo – auf ihn warten und ihm von dort aus eine Mail schicken. Mails abfragen kann man ja sicher immer irgendwo – bei Privaten, in einem Restaurant, irgendwo. Ich würde ihm schreiben, wo ich bin und dort auf ihn oder auf eine Antwort warten.
Die Idee ist gut, sagt er, aber das Problem ist, dass ich mein Mailaccount-Passwort nicht im Kopf habe.

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Später sprechen wir über das Böse und ich überlege einmal mehr: Ist das Böse schon von Anfang an in uns drin? Ruht es solange, bis es geweckt wird? Oder ist es immer wach und sitzt abwartend am Spielfeldrand? Und wovon wird es geweckt oder ins Spiel geholt? Durch Abschauen und Nachahmen, durch zermürbende Umstände? Kommt es womöglich erst im Laufe des Lebens in uns hinein, wie manche glauben – und wenn ja, wodurch?
Ich denke ja eher, sage ich schließlich, dass wir Menschen wie Erde sind. Alles ist immer in uns drin. In Samenform. Kraut. Mitkraut. Unkraut. Alles da, alle Informationen und was immer eben Leben ausmacht.

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Gestern Nachmittag im Wald die Erkenntnis, dass es egal ist, in welchem Pappel vor Wald mit Wolkentürmen vor blauem HimmelLand auf dieser Erde ich auch immer bin: Wälder sind immer irgendwie ähnlich heimatlich; sie sind einfach so da und beruhigen mich. Ich fühle mich geborgen in der Natur.

Hier sind viele Bäume im Laufe des Winters umgestürzt. Manche müssen wir übersteigen, weil sie den Weg blockieren. Ist die Natur böse? Ist der Sturm, der die Bäume gefällt hat, böse? Vier unteschiedliche Federn auf schwarzem GrundNie. Ist die Natur gut? Hm.
Natur kennt keine Wertung.
Natur ist einfach.

Und wer immer nur in die Wolken guckt, sieht die schönen Federn und Kräuter, die auf der Erde liegen, nicht.

 

aufgeräumt

Da habe ich also neulich dieses Billigtablet gekauft – ja, ja, Asche auf mein Haupt –, weil das Alte kaputtgegangen ist. Trotz wenig Geld habe ich mich dazu entschieden, weil mir ein Tablet Bibliothek, Fernseher und Notizbuch ist; kurz gesagt etwas, auf das ich nicht mehr so einfach verzichten mag. So weit so gut.

Nun ja, weniger gut ist, dass dieses Billig quasi ein mit Nerven erkauftes Billig war. Hätte ich mir eigentlich denken können.

Die Hersteller haben für ihr Billig nämlich Adware auf die Festplatte des kleinen Computerleins geschmuggelt. Werbezöix. So ploppt also, wenn ich nichts böses ahnend buchlese oder einen Film gucke, Werbung für eine App auf, die ich unbedingt nicht brauche. Dass ich jedes Mal, wenn ich diese unerwünschte Werbung über das x lösche, einen Werbebatzen der App-Hersteller an die Tablet-Hersteller auslöse, weiß ich erst seit gestern.

Irgendwann gestern Abend wurde es mir nämlich zu nervig und ich wollte wissen, was dahinter steckt. Zuerst ließ ich mein Antivirusprogramm einfach mal die Festplatte scannen. Siehe da: eine unerwünschte App ist schuld. Wie ich sie loswerden kann? Da gibt es viele Antworten. Die glaubwürdigsten empfehlen, die Root- also Superuserrechte des Tablets zu erlangen und sodann die App zu löschen. System-Apps lassen sich nämlich, anders als selbstgeladene, nicht so einfach löschen.

Root-Apps gibts zuhauf, doch wenige halten, was sie versprechen, wenn stimmt, was ich da lese. Eine, die mir Chip empfohlen hat, findet schließlich meine Gnade und ich lade sie außerhalb des Guugl-Appstores auf das Tablet. Da sie zwar von Chip empfohlen, von meinem Antivirusprogramm aber als gefährlich bewertet wird, muss ich zuerst ein paar Schwellen, Steine, Baumstämme aus dem Weg räumen, um der Neuen Platz zu schaffen. Das braucht ein paar Anläufe, da die Root-App offenbar auch den Codes des Betriebssystems zuwiderläuft.

Es ist, als müsste ich einen Schlüsseldienst davon überzeugen, dass ich wirklich das Recht habe, meinen Hausschlüssel zu verwenden. Oder ist es ein ’Die Guten gegen die Bösen’-Ding? Big Buisness auf jeden Fall. Immerhin: jetzt ist es geschafft. Beim Viren-Scan wird zwar die App noch immer als vorhanden angezeigt, aber Werbung ploppt keine mehr auf. Darum habe ich das Teil nun neu gestartet, ähm, gerootet meine ich natürlich.

Huhu, noch da? 😉

Dass ich das alles nicht einfach nur aus Spaß an der Technik schreibe, könnt ihr euch sicher denken. Wenn Virus, Malware, Adware für alle meine schädlichen Gedanken stehen, stehen Rootrecht und Aufräumaktion dann nicht für Eigenverantwortung?

Meine Osteopathin war heute Morgen einigermaßen erschrocken über das Ausmaß der Blockaden in meinem Körper, als sie – ausgehend von einer verkalten Schulter, die inzwischen ziemlich sicher als Frozen Shoulder zu definieren ist – meinen Unterleib behandelte. Alles großräumig blockiert. Kein Wunder, dass ich kaum Atem bekäme und dass mir oft schlecht sei, meinte sie. Bloß: was war zuerst da? Wo alles anfing und wie sich alles auf meiner Körperfestplatte verbreitet hat, weiß weder sie noch ich. War die Malware ein Gedanke, der Kreise gezogen hat? Etwas rein physisches vielleicht? Gibt es in unserem persönlichen – sprich: körperlichen – Betriebssystem solche Trennungen überhaupt?

Vielleicht ist es auch müßig, nach Schuld und Ursachen zu suchen. Fakt ist, dass alles zusammenhängt. Und ich hoffe, meine Ärztin findet nachher, wenn ich bei ihr bin, einige Ansatzpunkte für eine Verbesserung meines Zustandes.

Vielleicht bin ich ja auch irgendwie rootbar, vielleicht gibts da etwas, womit ich die Malware ausschalten, löschen kann? Und vielleicht wäre diese Wanderung, von der der Liebste und ich heute am Telefon getagträumt haben, gar nicht mal so übel. Im Sommer am Nordkap loswandern und im Winter in Südspanien ankommen. Oder so. Nun ja, Träumen darf man ja.

Zu viel, zu wenig oder einfach genug

Wie viel Stille ist gut für uns und wie viel Leere?
Wie viel Fülle, Stimulation, Anregung, Inspiration, Ablenkung, wie viele Eindrücke, Geschichten, Erlebnisse, Erfahrungen, Aufgaben ertragen wir und tun uns gut?
Wann brauchen wir Ablenkung und wann eher Zu-Lenkung, sprich Konzentration? Wie viel Herausforderung brauchen wir?

Eine krankgeschriebene Freundin findet nach über einem Monat zuhause, dass es sie zu wenig herausfordert, sich einfach nur zu erholen, einfach nur gut zu sich zu schauen. Ich verstehe sie gut. Dennoch: ich bin grundsätzlich sehr gerne zu Hause. Ich bin wohl so die typische Homeoffice-Type und eben auch gerne allein. Außerdem nährt mich das Schreiben, der kreative, reflektierende Ausdruck. Ich bin froh, dass ich schreiben kann. Und dass ich kunsten mag.

[Ich verstehe dennoch, dass manche am Zuhausesein leiden, zum Beispiel weil sie arbeitslos sind. Weil ihnen dabei auf eine ungesunde Weise langweilig ist. Weil ihnen das berühmte Dach auf den Kopf fällt. Weil sie keine (geistige) Herausforderung haben.]

Schreiben und kunsten – was wäre ich ohne diese beiden Werkzeuge? Sie sind die Gefäße, in welche ich gieße, was in mir vorerst formlos daherfließt. Betrachte ich diesen Fluss, wächst der Wunsch, danach zu formen, was ich sehe. Zu verdauen, was ich erlebe. Schließlich auch mich mitzuteilen, andern zu erzählen, was der Fluss an mein Ufer gespült hat. Und ja, im Schreiben mit drin leben sowohl der Wunsch, etwas vom Erlebten und Erfahrenen weiterzuverschenken (wenn es denn etwas Heilsames war, das ich in Worte gießen will) als auch der Wunsch, etwas vom Erlebten und Erfahrenen loszuwerden (wenn es etwas Anstrengendes, Leidvolles war), durch das Aufschreiben zu verwandeln.

Und da dümpeln auch immer ein paar Geschichten, die von mir nach außen geschubst werden wollen. Die meisten noch im Schlafanzug oder in so leichten Kleidern, dass sie draußen erfrieren würden. Irgendwelche Worte für sie zu finden wäre nicht das Problem. Aber jene Worte zu finden, in denen sie ihrer Aufgabe angemessen gekleidet sind, diese Geschichten, das ist meine Herausforderung des Schreibens.

An Herausforderungen mangelt es mir wahrhaftig nicht. Eher ist es die Konzentration, die mir zuweilen fehlt. Ich lasse mich noch immer viel zu schnell ablenken. Darum will ich endlich ernst machen mit der Meditation. Nach zig Versuchen in früheren Zeiten und meinem Fazit, dass ich es ja doch nicht kann, wage ich den hundertundersten Versuch. Auf dass es klappen möge. Vielleicht mit geführten Meditationen. Zum Beispiel jenen auf meinen Apps. Oder mit einer der Bodyscan-Meditationen, die ich vorhin auf Youtube gefunden habe. Seit drei Tagen übe ich. Und ich fühle mich bereits innerlich ruhiger.

Weiter übe ich mich darin, nur noch etwas aufs Mal zu tun. Mich nicht mehr ständig von Kurznachrichten (Wire, Twitter, etc.) ablenken zu lassen, vor allem nicht, wenn ich am Arbeiten bin. Oder aber mir bewusst ein Fenster öffnen und Kurznachrichten schreiben. Aber ich will nicht mehr immer alles miteinander mischen. Statt alles nebeneinander, kakophonisch, lieber eins nach dem anderen tun.  Achtsam und bewusst. Und liebevoll. Beobachtend.


Übersicht über einige Meditationen:
https://www.youtube.com/results?search_query=k%C3%B6rper+body+scan

Körperscan:
https://www.youtube.com/watch?v=CdcxM5iyFs8

Dankbarkeiten

Liebe Menschen

cover16Ich bin dankbar für all die lieben Menschen in meinem Leben, die mir den Raum geben, die zu sein, die ich bin. Mit all meinen scharfen Kanten, meinen unkonformen Gedanken, meinen halbgaren Ideen, mit meiner Geschichte und mit all meinen Ängsten.

»Meinen Weg kann niemand gehen wie ich«, habe ich vor etwa einem Jahr in diesem Blog geschrieben. Es ist schließlich ein ziemlich buntgeschecktes Jahr geworden, dieses 2016, eins mit vielen Dellen und Kratzern. Und ja, so wie ich hat es niemand gelebt. Und so wie du auch nicht.

Lehrt uns das nicht, einander mehr und mehr zu vertrauen. Daran zu glauben, dass wir es schon irgendwie schaffen werden, vielleicht sogar so gut wie möglich? Und auf unsere Weise?

Ich bin auch dankbar für all jene Leserinnen und Lesern, die ich weder persönlich noch via Mail und Blog kenne, für all die vielen stillen Mitlesenden. Danke, dass ihr da seid und an meinem Leben aus Distanz und doch nicht ohne Betroffenheit, sondern mit Mitgefühl teilnehmt. Und ich freue mich, falls ihr hier den einen oder anderen Impuls für euer Leben gefunden habt.

Danke, dass ihr da seid.

Herzliche Grüße aus meiner Wörterwebstube
Sofasophia

Falls ihr Lust habt, meine sofasophischen Fallmaschenherzgespinste nochmals, in Buchform, zu lesen, könnt ihr sie hier downloaden. Nur zum Eigengebrauch versteht sich. Die Tippfehler gibts gratis obendrauf.

Flussnoten goes Buch

Endlich geht es mit dem Bau des Flussnoten-Buches voran. Wir haben die fürs Buch relevanten Kapitel aus allen im Laufe der Reise entstandenen Blogartikeln ausgewählt und nun redigieren wir die einzelnen Texte sanft. Gruslig, wie viele Tippfehler sich da über die Handytastatur in unsere täglichen Erfahrungsberichte geschlichen haben! Zuweilen schönen wir zwar die Satzstellung ein klein bisschen, was damals, am kleinen Handybildschirm, nicht so elegant ging wie jetzt, am großen Laptop-Bildschirm, doch am Text selbst wird nicht groß gefeilt, die Wander-Authentizität soll ja erhalten bleiben.

Was soll ich sagen? Es macht Spaß! Es ist schön, nochmals in unsere Reise dem Rhein entlang einzutauchen, mich zu erinnern, mich zu freuen darüber, was wir da alles erlebt, gesehen, erlitten haben, was uns gefreut und begeistert hat.

Das Buch wird sowohl als eBook erscheinen als auch als Printbuch mit einem Bildanhang (Selbstverlag, bei epubli erhältlich). Vorbestellen könnt ihr es schon jetzt bei Irgendlink. Erscheinen wird es im Frühling dieses Jahres und ungefähr Fr. 17.-, resp. € 16.- (plus Versandspesen) kosten. Als epub um die Fr. 11.-/€ 10.-.

PS: Das Poster mit 96 Bildern unserer Reise ist noch immer zum Vorzugspreis von Fr. 43.–, resp. € 40.– erhältlich.

Neues Jahr und so.

Da sitzen und warten, bis das neue Jahr vorbeikommt.
Leise.

Es in den Arm nehmen und zu einem lieben Freund werden lassen.
Hoffentlich.

Jeden Tag erneut verstehen, dass es neue Anfänge gibt und neue Wege zu gehen.
Immer.

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https://schnaeppchen-markt.ch/14063-thickbox_default/fondue-set-matterhorn.jpg… und jetzt, mangels Fonduerechaud (und -caquelon), einen kleinen Herd aus Kerzen bauen. Für unser Fondue.

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Gehabt euch wohl und bleibt mir gewogen.

Danke, dass ihr da seid, ihr alle, die ihr das lest.

Startet froh und so gesund wie möglich ins neue Jahr, habt euch lieb, tragt euch Sorge und vergesst nicht, euch immer schön die Hände zu waschen vor dem Essen.

Empathie ist mehr

Ja, Freundin K. hat recht. Natürlich ist meine kleine Darstellung von Empathie, die ich neulich hier teilte, ziemlich einseitig herausgekommen. Empathie ist nämlich auch die Fähigkeit zur Mitfreude. Während Neid, Vergleich zwecks Besserdasteherei, Ab- und Ausbgrenzung ihr Gegenteil sind und Mitfreude verhindern.

Irgendwo stehen wir empathischen Menschen also immer mittendrin, mitten zwischen Mitfühlen & Mitleiden und Mitfreuen & Mitjauchzen. Das ist manchmal ganz schön anstrengend.

Den meisten empathischen Menschen, die ich kenne, fällt zudem geben leichter als annehmen. Mir auch. Doch dieses Jahr lehrt will mich so langsam dieses Annehmen zu lernen – materiell ebenso wie in Form von Fürsorge. Auch wenn es sonst mehrheitlich ein schweres Jahr für mich war, schaue ich doch dankbar dadrauf zurück. Und dass ich Menschen kennen darf, die bereit sind, mir ganz praktisch zu helfen, wenn ich nicht mehr weiterkomme.

Ihr – du, du, du und du – ja, auch ihr seid solche Menschen. Ich danke euch.

Glückwunschkarte mit halber Baumnuss in Herzform in Nussknacker, seitlicher Text mit Glückwünschen.

Hebet’nech Sorg!