hin- und hergucken & da und dort schauen.

So viel. Immer so viel.
Ja, die Natur ist Fülle, das Leben ist Fülle
und überall könnten wir, wenn wir wollten,
dieser Fülle frönen.
Überall könnten wir gucken,
vorbeigehen, lernen …

Und immer wieder einfach nur sein.
Hinhorchen.
Stille zulassen.
Sich Inseln schaffen.
Bilder können Inseln sein.
Bilder in Büchern.
Bilder in Blogs.
Bilder in e-Books. Wie jene E-Books von Irgendlink.
Kanzel – das große Jägerlatinum, ist das ultimative Handbuch für JägerInnen und Hochsitz-Fans.
Readymade – ein wunderbares Werk über die Kunst auf der Straße: Weggeworfenes, lieblos Entsorgtes, unbeachtete Kunstwerke, vergänglicher Müll. Irgendlink hat auf seiner Ums Meer-Reise mit dem Fahrrad ihre Schönheit entdeckt und in diesem wunderbaren Buch (vorerst ein PDF) versammelt.
Siehe auch eine Rezension der Bücher in der lokalen Presse.
pixartix_dAS bilderblog hat sich gemausert. Aus unserm kleinen Insider-Bilderblöglein ist eine tolle Bildergalerie entstanden, die sich wachsender Beliebtheit erfreut. Nicht zuletzt dank der inspirierenden Kommentarkultur, die wir dort pflegen. Die aktuelle KünstlerInnengruppe hat in den vergangenen bald zehn Wochen Bilder zum Thema Straßen & Wege gezeigt – und keins gleicht dem andern. Ein unerschöpfliches Thema!
Eine weitere, noch sehr klein-feine Bilderinsel ist mein Appspressionismen-Archiv. Auf Sofasophia appt die Welt zeige ich meine ausschließlich mit dem iPhone geschaffenen Werke der letzten zwei Jahre. Täglich befreie ich weiterhin ein neues Werk vom Archivstaub.
Wer Lust hat, bloggen zu lernen (oder Leute kennt, die …), ist herzlich eingeladen am geplanten Workshop von Irgendlink und mir teilzunehmen. Für Infos: bitte hier klicken. Weitersagen sehr erwünscht, zumal viele meiner LeserInnen ja bereits des Bloggens kundig sind.

Berlin # 5 – In Bild & Ton

Wie in einem früheren Artikel versprochen verlinke ich hier das „Tonerzeugnis mit Bildern“, das am letzten Sonntag in Neukölln/Berlin anlässlich des P.A.S.-Auftrittes kreiert worden ist. Die Aufnahme enstand mit einem simplen iPhone, ebenso die Bilder. Dass es zeitweilig schräg klingt, ist nicht nur der bescheidenen Aufnahmetechnik geschuldet, sondern auch der schrägen Instrumentation, die zum Teil auf den Bildern zu sehen ist.
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=Bm7HGD5ud7g&feature=youtu.be]
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Weitere Berlin-Impressionen als Galerie (Bilder anklicken und von da aus weiterklicken).
Viel Spaß!


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Bilder:
Nikon/Gimp
All pics: copyright by Sofasophia

Berlin # 4 – Kleine Menschen in der großen Stadt

Als erstes würde ich hier ein Bild unseres Autos posten. Stell es dir einfach vor.
Von hinten. Die Köpfe der beiden Figuren als Silhouetten sichtbar. Einander zugewandt im Gespräch. Er oder sie am Steuer natürlich just in dem Moment eingefangen, wo sie oder er kurz den Kopf gedreht hat, um etwas zu sagen. Ein Bruchteil einer Sekunde lang, denn die Aufmerksamkeit gilt ansonsten der Straße, natürlich.
Rechts und links des Autos sähe man zwei Sprechblasen. In seiner Blase stünde:
Ich darf nicht dran denken, dass ich – wäre ich letzten Freitag alleine unterwegs gewesen – umgedreht hätte. Weißt du, dort, im Stau vor Frankfurt. Ich wäre umgedreht und ich wäre nicht nach Berlin gefahren. Zu grässlich war der Stau. Und erst die überfüllte Raststätte! Und das verkotzte Klo … Aber das hätte ich dir und Frau Freihändig ja nicht antun können. Und nun bin ich froh, dass wir weitergefahren sind.
In ihrer Sprechblase stünde:
Boah, dann bin ich also dran schuld, dass wir dort waren. Super!
Natürlich würden noch weit geistreichere Sachen in den Blasen stehen, da wir sehr oft sehr geistreiche Gespräche führen. Oft aber auch nicht. Oft – wie am letzten Montag, unserm letzten Berlin-Tag – spinnen wir einfach drauf los und halten die Ideen manchmal als Sprach- oder Textnotizen auf den iPhones fest. Sprechblasen der etwas andern Art.
Von Anfang an
Mein kleiner Reisebericht über unsere Tage in der großen Stadt beginnt mit meiner Fahrt von der Schweiz, wo ich zuhause bin, zu meinem Liebsten, wo ich auch zuhause bin. Als ich das französische Elsass durchquerte, begriff ich:
Jedes Land, ja sogar jede Region, hat eine eigene Bildsprache in allem. Von der Sitzbank hin zur Verkehrstafel bis zum Werbedesign und der Architektur. Selbst die Natur richtet sich danach … Oder ist sie es gar, die die Menschen ihrer Gegend angestiftet und inspiriert hat?
Nach einem sommerlichen Donnerstagabend am Grillfeuer packten wir am Freitag unser Gepäck in Irgendlinks Wagen und fuhren kurz nach Mittag los.
Die Reise
Gibt es über sie etwas zu erzählen? Stau hatten wir, wie gesagt, und langten deswegen erst um halb zehn statt wie gehofft um acht Uhr in Kreuzberg an. Ach, und geregnet hat es fast immer – bis auf ein zweistündiges Teilstück mittendrin. Nein, die Reise ist nicht wirklich erwähnenswert.
Berlin
Frau Freihändigs großartiger Gastfreundinschaft ist es zu verdanken, dass wir kostenlos logieren durften. Und dazu ernst noch in einer wunderbaren Altwohnung, in die ich mich sofort verliebt habe.
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Am Samstag stromerten wir über den Kreuzberg am dortigen Denkmal vorbei (so viele Denkmäler wie in Berlin auf einem Haufen habe ich wohl noch nie gesehen!) zu Fuß Richtung Stadtmitte und nahmen unterwegs auf der Lindenstraße ein paar tolle Galerien mit. Gallery Weekend-Berlin-sei-Dank. UrbanArtWalks mag ich einfach. Was es da nicht alles zu sehen gibt.
Am Abend gutbürgerliche Küche im Tucholskys, weil überall sonst voll war. War aber okay und gemütlich, auch weil wir von unsern Freunden weitere Geschichten über Berlin und das Leben hier erfuhren. Als nicht wirklich geschichtsaffine, aus einem (pseudo-)neutralen Land stammende Person komme ich immer wieder an meine Wissensgrenzen und kann alles Gehörte nicht annähernd fassen noch verstehen.
Nach einem Verdauungsspaziergang samt letztem Bier – vorbei an der Sophienstraße und vielen mit Graffitis dekorierten Alt- und Neubauten – lassen wir uns müde ins Bett fallen.

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Sonntags standen – wie schon in einem früheren Artikel erwähnt – unter anderem das Holocaust-Denkmal (siehe folgende Bilder),

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sowie das Brandenburger Tor und die Siegessäule auf dem Programm.
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Am Abend schließlich das (bereits verbloggte) Konzert von P.A.S. in Neukölln.

Tempelhof
ist am Montag dran, denn dort zieht es Irgendlink und mich geradezu magisch hin. Dieser stillgelegte Flughafen, der Westberlin, als es belagert war, das Überleben ermöglicht hatte, hängt heute irgendwo in der Warteschlange für eine Neunutzung, über die wir uns, wie bestimmt viele Berlinerinnen und Besucher, viele Gedanken machen. Die Luftbrücke hat nicht nur Leben gerettet, sondern auch viele Menschen das Leben gekostet. Was hat diese Erde unter unsern Füßen schon alles erlebt?, denke ich wie wir über das weitläufige Gelände wandern.
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Solange dieser Platz nicht anders genutzt wird, freut er sich, trotz seiner gewichtigen Geschichte, über die Besuche der vielen Spaziergänger, Radfahrerinnen, Skaterinnen, Jugger (ja, ich habe nachgeschaut, was das ist, guck hier), Geocacherinnen* (die, wie ich einige Meter ins Vogelschutzgebiet schleichen müssen, um einen Cache* zu heben) und – ja, natürlich! – auch KünstlerInnen.
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Eine witzige Minigolf-Anlage hat es uns – auf dem Weg zum Columbiadamm – sehr angetan. So viel Charme haben diese theoretisch spielbaren Skulpturen, dass sich ein Besuch dieser Kunst-“Ausstellung“, Mini Art Golf namens nuture, auf jeden Fall lohnt.

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Von da aus urbanartwalken wir via Duden- und Monumentenstraße nach Schöneberg. Unterwegs der Jogger, der mitten auf dem Trottoir an einer Haustreppe Liegestützen übt.

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Am der Türe des Museums der Unerhörten Dinge an der Crellestraße lesen wir, dass dieses Bijou, das wir uns anschauen wollen, nur von Mittwoch bis Freitag geöffnet hat.

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Schade. Aber Schöneberg gefällt uns trotzdem. Besonders der Bioladen dort – der sich offensichtlich höchster Beliebtheit erfreut … 🙂

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Berlin ist ein Land für sich, sage ich, wie wir zurück über die Brücke spazieren und mit den Augen den Gleisen der Ringbahn folgen.

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Ein Land, indem so vieles geschehen ist, so vieles möglich scheint, so viele Menschen träumen und schon so viele Tränen geflossen sind. Eine Stadt, so reich und so arm wie die ganze Welt. Eine Welt für sich. Ein Abbild der Welt.

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Auf dem Rückweg in die Wohnung queren wir einen Spielplatz wie ich ihn noch nie gesehen habe. Die Fläche eines Fussballplatzes voll Sand. Mit Spielgeräten, Kindern, Müttern, Vätern, Opas, Omas, Bänken … eine Stimmung, die mir gefällt. Multikulti. Friedlich. Ein Ort der Begegnung – zwischen den Generationen und zwischen den Nationen. Alles geht – geht alles?

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Jeder letzte gemütliche Abend und jede gemeinsam gebaute Pizza gehen leider irgendwann zu Ende. Eine letzte Nacht im gemütlichen Gast-Heim … Danke-danke, liebe Frau Freihändig!
Halle
Am Dienstag verlassen wir die große Stadt und fahren weiter nach Halle an der Saale. Zu Emil, einem lieben Mit-Blogger. Eine weitere tolle und sehr inspirierende Begegnung, wie ich schon in einem Artikel zuvor geschrieben habe.
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Reich beschenkt mit Büchern (leihweise zu lesen) und Halloren-Kugeln (ganz und gar einzuverleiben) fahren wir über die Landstraße Richtung Autobahn. Gut so, denn wir müssen unterwegs ja noch Brot und Käse kaufen.
Die Heimkehr
Wir fressen Kilometer um Kilometer – dazu regnet es wieder. Ich bin sehr müde, als ich in Kirchheimbolanden, wo wir noch ein paar Liter Benzin nachschütten, das Steuer wieder Irgendlink überlasse. Sehr müde bin ich, sehr sehr müde. Doch als wir zuhause auf dem einsamen Gehöft ankommen, sind wir beide so aufgekratzt, dass an Schlafen noch lange nicht zu denken ist.
Wie sagte doch Fassbinder so schön? Schlafen kann ich, wenn ich tot bin.
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Bilder:
Durch Draufklick vergrößerbar. Nikonbilder und undogmatische Appspressionismen (iPhoneArt mit Gimpunterstützung).
All pics: copyright by Sofasophia.

* Geocaching ist eine Outdoor-Schatzsuche in der realen Welt. SpielerInnen dieses Spieles versuchen, versteckte Behälter, Geocaches genannt, mithilfe eines Smartphone oder GPS-Gerätes zu finden, um anschließend ihre Erfahrungen online zu teilen. Mehr auf www.geocaching.com.

Von Berlin ins Berner Oberland

Über zweitausend Autokilometer habe ich in den letzten sieben Tagen zurückgelegt (Guugl spricht von 2356 km). Nein, das ist nicht normal. Und nicht wirklich toll. Ich stehe ziemlich neben den Schuhen und bin sehr müde.
Absorbiert von zwei intensiven Schreibaufträgen (den einen aus Nächstenliebe, den andern gegen cash – wenn auch in ferner Zukunft) verbrachte ich meinen Donnerstag teilweise zu Recherchezwecken in meiner alten Heimat. Im Berner Oberland. In Thun. Ach, wie liebe ich diese Gegend! Die Berge. Die Täler.
Ein Hagelschauerfrühlingsgewitter hat meinen Plan, auf dem Rückweg im lieblichen Gerzensee zu baden (zumindest die Zehenspitzen) vereitelt. Zum Glück, denn zuhause wartete viel Arbeit auf mich. Aber das nächste Mal werde ich dort rasten … versprochen.
Und morgen (ähm heute, einfach später, nach dem Nachtschlaf) werde ich hier über Berlin und Halle resümieren – ebenfalls versprochen.
Nun aber gute Nacht – oder so …

Intermezzo in Halle

Auf dem Rückweg von Berlin zum einsamen Gehöft in der Südwestpfalz fuhren wir praktisch bei Emil, unserm lieben Blogosphäre-Mitgestalter, vorbei. Ein kurzer Besuch bot sich geradezu an und hat uns gegenseitig bereichert und inspiriert.
Der Emil hat einen wunderbaren Artikel über unser Zusammensein verfasst, den ich hier einfach gerne verlinke und mit einem bei ihm geklauten Bild garniere. Zum Artikel „Meilenstein im europäischen Kunstschaffen“: bitte hier klicken!
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Pic: Copyright by Emil
Holistische Verdichtung “Geschichtete Venus” – created by Sofasophia

Weitere Bilder, Berichte und Impressionen von mir aus Berlin und Halle folgen hier in den nächsten Tagen … versprochen! Auch bei Irgendlink vorbeigucken könnte sich lohnen … 🙂

Berlin # 3 – Zu spät ist man immer rechtzeitig oder der geheime Keller

Nach einem zweiten inspirierenden Stadtspaziergang – diesmal zum Holocaust-Denkmal und von da aus zum Brandenburger Tor (wo ein großer Rummelplatz meine Sinne überflutet und nervt) und von da durch den Tiergarten zur Siegessäule – kommen wir erschöpft und verschwitzt in unserer Residenz an. Da wir die Tageskarte für alle öffentlichen Verkehrsmittel Berlins bewusst auch im Hinblick auf das geplante Konzert in Neukölln gekauft haben, müssen wir uns erstmal ein wenig erholen, um dem Berliner Nachtleben gewachsen zu sein.
Kurz vor neun Uhr, ausgeschlafen und frischgestärkt, fahren wir mit U- und Ring-Bahn an die Herrmannstraße, um uns von dort auf die Suche zu machen. Dass wir uns zeitgleich wie unsere New Yorker Freunde in Berlin aufhalten, ist Zufall, da wir unsern Besuch bei Frau Freihändig ja hatten verschieben müssen. Robert L. Pepper, Teil der New Yorker Band P.A.S., haben wir vor anderthalb Jahren bei einem kulturellen Anlass auf dem einsamen Gehöft kennengelernt (Kunstzwerg 2011). Mit seiner Frau Amber und seinem (und unserm Freund) Brandstifter tourt er zurzeit durch Europa und beglückt hier ein interessiertes Publikum mit seinen doch sehr speziellen Klangwelten, die mit allen möglichen Nicht-Instrumenten erzeugt werden. Kein Ton ist geplant und doch ist alles in sich ein wunderbares Klangerlebnis.
So weit so gut – nur: wo bitte findet das Konzert überhaupt statt? Weder Facebook noch Mails geben genaue Details her und nur dank Internetrecherchen kann Irgendlink die Hausnummer des Clubs ausfindig machen. Nachfragen bei unsern Freunden hätte ja den Überraschungseffekt zerstört.
Wir irren die Emser Straße auf und ab und suchen nach dem richtigen Eingang. Da? Vielleicht dort? Oder hier? Ein junges Pärchen, das eben die unscheinbare Türe eines unscheinbaren Hauses öffnet, fragen wir, ob das hier sucked orange sei. Ja! Wir schlüpfen glücklich hinter ihnen in den Vorraum. Räder stehen herum. Hinten ein Kleiderständer. Ansonsten keine Hinweise auf ein Konzert. Die beiden Eingeweihten öffnen eine dick gepolsterte Türe und deuten mit Fingern auf den Lippen an, dass wir ganz leise sein sollen. Wir schließen die Türe hinter uns und finden uns im Untergrund wieder. Ein düsterer Kellerraum, der wundersame Klänge verströmt. Und ein bisschen weniger wundersame Düfte von Zigarretten und andere Kräutern. Wie früher, als wir jung waren!, blitzt es mir durch den Kopf.
Treppe und Kellerraum sind voll. Etwa vierzig Leute lauschen mucksmäuschen still den sphärischen Klängen, doch die Musiker, die sie erzeugen, kennen wir nicht. Wir finden eine Nische, doch schon bald entdeckt Irgendlink die Bar und schlängelt sich durch, um uns Bier zu besorgen. Als er nach fünf Minuten noch immer nicht zurück kommt, mache ich mich leise auf die Suche.
Der Raum ist größer als gedacht und grenzt an einen weiteren gewölbten Raum, der knapp einen Meter siebzig hoch ist. Ich muss den Kopf nicht einziehen, die andern schon. Denn hier treffen wir sie, die andern. Die Vorband ist inzwischen mit ihrer Vorführung zu Ende.
Was für ein Wiedersehen! Robert stellt uns seine Frau Amber vor und wir tauschen schon bald angeregt aus. Nach der Pause gehts los mit ihrem Auftritt. Klasse! Wir sind keine Minute zu spät gekommen, obwohl wir nirgends eine Start-Zeit gefunden haben. Grund dafür war, dass Konzerte in diesen Räumen nicht wirklich legal sind und nur bei sehr sensiblem Umgang mit der lieben Nachbarschaft auch weiterhin stattfinden können. Bedingte Duldung.
Irgendlink und ich dokumentieren das Konzert. Fünfunddreißig Minuten lang spielen die drei, von einem Kumpel aus Berlin unterstützt, ein Stück, dass es so nie wieder geben wird. (Ich werde es später auf Youtube laden und hier einen entsprechenden Hinweis posten).
Nach dem Konzert setzen wir uns wieder in den Gewölberaum, der mit Sofas bestückt ist, und unterhalten uns mit Roberts Freund Nico aus New York, der uns von seinen Musikprojekten erzählt. Auch Brandstifter und Robert gesellen sich zu uns und so sind wir – mitten in Berlin – ein bisschen zuhause angelangt. Bei vertrauten Menschen. Schon morgen werden sie nach Polen weiterreisen – nach einem weiteren Konzert heute Abend.
Zurück bei Frau Freihändig, die schon die zweite Nacht beim Liebsten logiert und uns ihre Gemächer aufs Großzügigste überlassen hat, ist es mir, als wäre ich schon viele Tage hier, als wäre mir die Stadt vertrauter als sie es eigentlich sein kann – bin ich doch zum ersten Mal hier. Doch hoffentlich nicht zum letzten Mal.
Nur am Bier kann das ja wohl nicht liegen?
EDIT: Ein guter Artikel über PAS musique: bitte hier klicken.

Berlin # 1

Müde nach einem tollen, bunten, oppulenten, bilderreichen, informationsübersprudelnden Tag zwischen Kreuzberg und Stadtmitte hier nur ein allererstes Bild …
Bilder und Texte einer kleinen Frau in der großen Stadt folgen. Versprochen!
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Bild:
Nikon

Über das Nachdenken nachdenken

Im Buch „Briefsteller“ von Schischkin lese ich, wie die Soldaten in China sich ständig beschäftigt haben, um nicht ins Grübeln zu kommen. Um nicht durchzudrehen.
Na ja, nicht grübeln geht wohl nicht und zu viel macht krank. Das individuelle Maß an persönlicher Grübelei zu finden, ist eine große Herausforderung.
Die eine oder andere kleine und große Frage muss ich mir stellen, auch wenn die Antworten darauf sich im Laufe der Jahre verändert haben.
Sich dem Nachdenken zu verweigern, sich das Grübeln zu versagen, befreit von Ethik, Verantwortung, Moral und Gewissen – eine Freiheit, die ich nicht anstrebe. Macht nun umgekehrt übermäßiges Grübeln moralisch und gar missionarisch? Depressiv zu werden ob zu vielen Nachdenkens, ist eine weitere Option.
Das Leben muss uns, um es leben und verstehen zu können, irgendwie fassbar werden. Und da sind Fragen unvermeidbar.
Selbst Kinder stellen Fragen. Kinder grübeln über andere Dinge nach. Wie weit sie buddeln müssen, bis sie die Mitte der Welt erreicht haben. Und warum-warum-warum die Welt …
Warum? Warum auch nicht!
Doch jetzt packe ich besser mal meine Sachen fertig für die kleine Reise in die große Stadt. Warum? Darum!

Zu dir oder zu mir? Zu ihr!

So grün (die Bäume, das Gras),
so blau (der Himmel),
so weiß (die Kirschenblüten),
so süss (der junge Gärtner unterwegs, der Duft der feinen gelben Blüten),
so gelb (die Forsythien),
so rot (die Blüten, die Tulpen),
so fröhlich (die kichernden Kinder ums Nachbarshaus, die Vögel) und
so zuversichtlich (ich)
war meine kleine Welt schon lange nicht mehr.
Lullifullifrühling, ich liebe dich!
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Ich hoffe, du hast auch in Berlin deine Farbigkeit und Wärme ausgebreitet, bei S. und St., die wir am Freitag für ein paar Tage besuchen werden. S. aka Frau Freihändig hat uns nämlich eingeladen, die große Stadt von ihrer Wohnung aus zu erkunden. Wie ich mich freue!
Ach, lieber Frühling, bitte walte deines Amtes. Und sei nicht geizig dabei! Vielleicht kannst du Bruder Winter gar an Oppulenz übertreffen? Ich hoffe es.
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Bild:
Appspressionismus (iPhoneArt).